Peru III – Lima – Machu Picchu – Cusco

Peru
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City-Tour mit Jesus und Marino.

Bevor wir die Hauptstadt Perus und damit Lima wieder verlassen lernen wir Jesus und Marino kennen, die zwei sind waschechte Hauptstädter und geben und uns eine gratis Tagestour durch ihre wunderbar restaurierte Altstadt und Miraflores, einem eher exklusiven Stadtgebiet direkt am Strand wo sich die Reichen und Schönen niedergelassen haben und die jungen Surfer sich in die Wellen stürzen und an der Promenade flanieren.

Dünen bis zum Horizont.

Dünen bis zum Horizont.

Die unendliche, zähe Wüste vor Lima hat uns eigentlich gereicht, trotzdem entscheiden wir uns für einen Ausflug nach Ica, Ica liegt wieder mitten in der Wüste am Rande des Nationalparks „Reserve Nacional de Paracas“. Zahlreiche Attraktionen hat die Gegend zu bieten welche wir uns nicht entgehen lasen wollen. So bewundern wir die „Laguna de Huacachina“, wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen plötzlich nach Nordafrika versetzt worden zu sein. Die Oase ist wie ein Traum aus 1001 Nacht, Dattelpalmen und orientalisch anmutende Gebäude versetzen uns in eine andere Welt. Danach ist Aktion pur angesagt, wir üben uns im Sandboarden und wedeln die bis zu 80m hohen Dünen auf unseren Sandboards hinunter, die Tour mit dem Strandbuggy über die Sandberge ist ein Erlebnis für sich und eine willkommene Abwechslung zu unserem Fahrradalltag. Die gigantischen Sanddünen erstrecken sich bis zum Horizont und der eintretende Sonnenuntergang beschert uns beinahe magische Momente in mitten der Sahara.…ähhh Wüste Perus.

Laguna de Huacachina.

Laguna de Huacachina.

Sandboarden, mal was anderes wie radeln.

Sandboarden, mal was anderes wie radeln.

Mit dem Bus geht es zum Ausgangspunkt für unsere nächste Etappe, Ayacucho liegt mitten in den Anden und ist Ausgangsort für unsere Tour zur sagenumwobenen Inkastätte Machu Picchu. Bislang in ganz Peru waren die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht extrem und das Wetter unberechenbar. Tagsüber droht ständig der Sonnenbrand und sobald die Dämmerung eintritt wird es schnell unangenehm kühl, hier in den Bergen ist es natürlich noch extremer und wir sind froh über unser dicken Schlafsäcke in der Nacht und warme Kleidung wird gebraucht.

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Markt in Ayacucho.

Ayacucho liegt nicht unbedingt auf der Route vieler Touristen, wir sehen zumindest kaum „Gringos“ (Ausländer) und geniessen daher ein sehr authentisches peruanisches Leben. 33 (!) Kirchen hat die kleine aber feine koloniale Stadt zu bieten, viele Märkte locken mit allerlei leckeren Sachen und viel Trödel, wir bewundern die Bergbewohner in ihren traditionellen Trachten und Gewohnheiten. Die zahlreichen Tuk-Tuks und die vielen kleinen Garküchen am Strassenrand erinnern ein wenig an Thailand, auch die Menschen haben asiatische Gesichtszüge und das Lächeln Asiens im Blut.

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Gipfelkreuz auf 4264 Metern.

Wir bereiten uns auf eine zähe, lange Etappe vor, Machu Picchu ist das Ziel. Wir steigen und fallen, auf der 28B sind wir ein Spielball der Anden, die Räder scheinen mit gewonnener Höhe an Gewicht zu zulegen und die Luft wird immer dünner. Wir meistern Pässe mit bis zu 4264m hier wiegen die Bikes plötzlich 3-4 x soviel wie sonst und wir bekommen Luft wie durch einen Strohhalm, das Blut rauscht in den Ohren und das Herz pumpt auf Hochtouren. Die Aussicht ist dafür gigantisch und wir können uns kaum sattsehen, Berge, Schluchten, Täler so weit wir blicken können, einfach eine atemberaubende Landschaft welche sich uns hier offenbart. Unseren größten Respekt verdienen sich die Bergbauern, welche hier ihre Felder bearbeiten und natürlich die Kräuterfrauen, welche entlang der Strecke diverse Bergkräuter sammeln.

Claudia und Martin sind seit mehr als 3 Jahren mit ihrem VW-Bus unterwegs.

Claudia und Martin sind seit mehr als 3 Jahren mit ihrem VW-Bus unterwegs.

Die einzigen Touristen welche wir auf dieser Tour treffen sind Martin und Claudia aus der Schweiz, welche in ihrem VW-Bus nun knapp 3 Jahre unterwegs sind , die Beiden halten uns für total bekloppt. Zitat Martin: “Wir fahren jetzt schon seit Tagen durch diese gottverlassenen Berggegend, die Autofahrer sind absolut Geisteskrank, die Strassen schmal und teilweise bis zu 70km Schotter, die Distanzen gross, die Abhänge selbstmörderisch und ihr wollt hier durch? Das ist verrückt, absolut verrückt! Nehmt lieber den Bus!!“ Naja, wir fahren weiter und kämpfen uns tapfer vorwärts, Rom wurde ja auch nicht an 2 Tagen erbaut und wir haben Zeit eingeplant. Tatsächlich empfinden wir die peruanischen Autofahrer aber auch als extrem nervig. Eigentlich sind die Peruaner ein recht freundliches, hilfsbereites und offenes Volk, sobald diese aber hinter einem Steuer sitzen geben sie gleichzeitig mindestens die Hälfte ihres IQ’s ab und werden zu primitiven, nervigen, respektlosen und permanent hupenden Primaten.

Koka-Blätter am Strassenrand.

Koka-Blätter am Strassenrand.

Je weiter wir uns in die Berge vorkämpfen, desto mehr werden wir wie Astronauten oder gar Ausserirdische bestaunt. Viele Touristen sind in dieser Gegend noch nicht gesehen worden, zumindest nicht welche auf dem Rad. Ständig bekommen wir Kokain, Marihuana und diverse andere Aufputschmittel angeboten, ein sicheres Zeichen wir nähern uns der „Roten Zone“, selbstverständlich sehen wir jedesmal ab. In dieser Gegend werden Perus Drogen angebaut, schwergewaffnete Milizen kommen uns auf ihren Trucks entgehen, die Polizei warnt uns vor Überfällen und die Einheimischen schütteln den Kopf, nach 4-5 Tagen ist aber auch diese Region passé und es wird wieder gemütlicher.

80 Kilometer Abfahrt. Das haben wir uns hart erarbeitet.

80 Kilometer Abfahrt. Das haben wir uns hart erarbeitet.

Fluss durchqueren, was ein Spass. Bei Nacht aber sehr schwierig.

Fluss durchqueren, was ein Spass. Bei Nacht aber sehr schwierig.

Wir fallen, nach einer gigantischen ca. 80km Abfahrt, auf unter 800m und finden uns im peruanischen Regenwald wieder. Dieser macht seinem Namen alle Ehre und es schüttet wie aus Kübeln, bei den z.T. unasphaltierten Strassen gleicht das einer Rutschpartie, die Räder und wir sehen danach aus wie Wildschweine nach einem ausgiebigen Schlammbad. Wir sind auf der Suche nach der Inkastätte Machu Picchu und da muss man auch schon mal unangenehme Wege gehen und Opfer bringen und so kommen wir zu einem neuem Reiserekord. Mit 9.57 Stunden/Tag auf dem Rad stellen wir am Tag 381 unserer Reise einen neuen persönlichen Rekord auf, nicht einmal unserer Karte kennt diese Strasse und wir legen an diesem Tag zudem geschlagene 2657 (!!!) Höhenmeter zurück. Wir kommen in die Dunkelheit und müssen, mit der Konzentration und der Kraft am Ende, noch zahlreiche überflute Strassen überqueren. In einer Kneipe fragen wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit und werfen uns todmüde auf den Lehmboden der kleinen Gaststätte, die Gäste an den anderen Tischen bekommen wir kaum noch mit.

Rio Urubamba, der heilige Fluss der Inkas.

Rio Urubamba, der heilige Fluss der Inkas.

Die PE-28B wechselt ähnlich wie das Wetter ständig ihr Gesicht, wir wissen einfach nie was uns hinter der nächsten Kurve erwartet oder was das Wetter in der nächsten Stunde für uns bereit hält. Was sicher ist, der Hintern brennt wie die Hölle und die Oberschenkel drohen zu platzen, nach einigen Tagen erreichen wir den „Rio Urubamba“, den heiligen Fluss der Inkas, ein erstes Zeichen wir sind auf dem richtigem Weg und unser Ziel rückt langsam näher. Die 22.000km sind inzwischen voll, die Menschen halten uns weiter für Spinner und die Fahrer der Minibusse haben z.T. in ihrem Berufsleben, nach eigener Aussage, noch keine Radler auf dieser Strecke ausgemacht. Wir dringen weiter in eine Geheimwelt ein, zumindest fühlen wir uns als wie wir die Menschen in ihrer Welt überraschen und wir deren Ruhe stören. Eigentlich kaum zu glauben, dass eine der Hauptattraktionen Südamerikas nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt ist. Touristenmassen werden von der andern Seit, von Cusco aus, mit Bussen, Zügen und Taxis zum Machu Picchu gekarrt. Und hier, nichts! Nur Einsamkeit, Berge und Natur.

Erst kurz vor Quillabamba findet sich die Straße auch auf unserer Karte wieder, die Schlagzahl der mit Touristen vollgestopften Minibusse nimmt schlagartig zu, ein weiters Zeichen wir kommen unserem Etappenziel näher. In unserer Mittagspause besuchen wir die Wasserfälle „Siete Tinajas“ (7 Wasserfälle) und ernten viel Bewunderung über unsere Tour in den letzten Tagen. In Quillabamba erleben wir zufällig am Pfingstsamstag eine große bunte Parade, welche dem heimischen Karneval doch sehr nahe kommt, die Lebensfreude der Menschen ist ansteckend und so bewundern wir das Spektakel.

Steiler Abhang auf dem Weg nach Santa Teresa.

Steiler Abhang auf dem Weg nach Santa Teresa.

Der letzte Radtag bevor wir die Inkastätte erreichen hat es nochmals in sich. Wir wechseln auf die Schotterpiste 107, die Straße ist extrem eng und der Abgrund auf der linken Seite erlaubt keine Fahrfehler, jeder Fehler ist hier mit ziemlicher Sicherheit auch der Letzte. Der Ausblick auf die mit Schneebedeckten Gipfel der Berge ist gigantisch und geben der Region ihre Magie. Plötzlich hört der Weg auf, 10 km vor dem Ziel gibt es keinen Weg mehr!!!! Nur noch der, irrsinnig teure Zug fährt die letzten Kilometer, nicht mit uns!!!

Entlang der Gleise bis nach Machu Picchu.

Entlang der Gleise bis nach Machu Picchu.

Wir schleichen uns aufs Gleisbett, holen uns eine „Sondergenehmigung“ bei einem Wachmann, welcher uns müde viel Glück wünscht, und fahren die letzten Kilometer an den Schienen entlang, auf den Brücken gleicht dies einem Balanceakt und wird zur Zirkusnummer, aber nach 2 weiteren Stunden haben wir es tatsächlich geschafft.

Geschafft. Mit dem Fahrrad bis nach Machu Picchu Village.

Geschafft. Mit dem Fahrrad bis nach Machu Picchu Village.

WIR SIND ZUM MACHU PICCHU GERADELT!!!

In vielen Foren für Radfahrer, heisst es dies sei nicht möglich. Wir haben das Gegenteil bewiesen, haben Berge versetzt und unser Ziel erfolgreich erreicht.

Machu Picchu. Ein magischer Ort.

Machu Picchu. Ein magischer Ort.

Am nächsten morgen, es ist Pfingstmontag, um 4.30h machen wir uns auf den Weg um die antike Machu Picchu Stadt zu erobern. Unser Konzept geht auf und noch vor Sonnenaufgang sind wir oben und haben einen einmaligen Blick auf die eindrucksvollen Ruinen der Inkas. Frühmorgens liegt die Felsenstadt im weichem Licht der aufgehenden Sonne malerisch vor uns, diesen majestätischen Anblick werden wir niemals vergessen. Natürlich gehört das ganze Gebiet inzwischen zum UNESCO – Weltkulturerbe, Forscher sind sich einig das die Stadt bereits zur Anfangszeit der Inkas erbaut wurde. Wir setzen noch einen drauf und wandern auf den Machu Picchu-Mountain, der steile Anstieg lohnt sich wir stehen jetzt ca. 600m über den Ruinen und geniessen bei blauem Himmel und Sonnenschein eine 360°C Panoramaaussicht und lassen uns die mitgebrachte Brotzeit schmecken. Schon beim Abstieg wird klar, der klassische

600m über Machu Picchu. Was eine Aussicht.

600m über Machu Picchu. Was eine Aussicht.

Pauschaltourist ist inzwischen auch angekommen und schiebt sich durch die Ruinen. Zahlreiche Alpakas werden als natürliche Rasenmäher eingesetzt, gegen unsere Merino-Shirts von Kaipara sehen aber selbst diese alt aus. Wir geniessen den Moment und Drehen noch eine Runde durch das ursprüngliche Dorf bevor wir den Abstieg auf einem der Inka-Trails angehen.

Am nächsten morgen geht es den gleichen Weg zurück, auf den 10km entlang der Gleise regnet es wie verrückt. Schon nach wenigen Metern sind wir pitschnass und wir schlittern und rutschen die Gleise entlang. Wir lachen uns aber insgeheim ins Fäustchen, gestern hatten wir strahlenden Sonnenschein und konnten unseren Wanderausflug in vollen Zügen geniessen und heute regnet es Bindfäden. Die Götter der Inkas waren mit uns!! Wenigstens können die Touristen auf dem Berg, welche ausschauen wie direkt dem Outdoor-Katalog entsprungen, heute ihre Funktionskleidung gut testen.

Im strömenden Regen gehts zurück nach Santa Teresa.

Im strömenden Regen gehts zurück nach Santa Teresa.

Unten angekommen geht es aber auch für uns vorerst nicht weiter. Die Schottenpiste ist komplett aufgeweicht, Matschfelder und Schlammlawinen machen den Weg heute zur Albtraumstrecke. Zudem sind Sandro’s Bremsen inzwischen komplett blank. Wir sind kein Himmelfahrtskommando und die Abfahrten hier ohne Bremsen kommt einer Kamikaze – Fahrt gleich und macht, speziell bei Regen, absolut keinen Sinn. Lange Rede, kurzer Sinn, den Regentag verbringen wir in einem Allrad-Minibus und lassen uns nach Cusco fahren. Die Beine danken es uns und wir sind kaum eingenickt da wirft uns der Fahrer schon in der Hauptstadt er Inkas raus. Hallo Cusco!!

Cusco, eine tolle historische Stadt.

Cusco, eine tolle historische Stadt.

In Cusco haben wir genau 22.222 km auf dem Tacho und freuen uns auf 2 Tage Auszeit von Bergen, Tälern und Schluchten. Einst war Cusco die Hauptstadt und der Herz des Inka-Imperiums, der „Nabel der Welt“ wie die Inka ihre Stadt nannten. Laut Aussagen anderer Reisenden ist Cusco heute nicht nur die wohl schönste und abwechslungsreichste Stadt Perus, sondern wegen ihrer historischen Bedeutung auch eine der interessantesten Südamerikas. Alte Inkamauern, prächtige Kolonialbauten und reich ausgeschmückte Kirchen erinnern an die bis heute mit Leben erfüllte Vergangenheit. Die Menschen und Märkte scheinen hiernach farbenfroher zu sein wie im restlichen Peru.

Sandro und Julian lassen ihre hintere Bremsanlage komplett austauschen, unsere ursprünglichen Bremsen sind so speziell, dass es in ganz Südamerika keinerlei Ersatzteile gibt. Unzählige Fahrradläden konnten uns nicht weiterhelfen, jetzt geht es eben mit einer komplett neuen Bremsanlage weiter durch die Anden. Hilft ja nichts, wir sind zwar kaum zu stoppen, trotzdem müssen auch wir mal bremsen.

So, wir hoffen die Sonne setzt sich inzwischen auch in Deutschland oder wo auch immer auf der Welt ihr uns verfolgt, flächendeckend durch und ihr geniesst den Wonnemonat Mai. Den nächsten Bericht gibt es vermutlich schon aus Bolivien, unserem Land Nr. 20. In circa 80 Tagen fällt dann auch schon der Startschuss in Rio und sowie es bislang läuft werden wir bei diesem wohl live vor Ort sein, natürlich mit dem Fahrrad.

Mit freundlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Peru II

Peru
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Trio wird zum Quartett. Eamonn aus Irland.

Nach unserem letzten Blog in Mancora (Peru) transformierte sich unser Trio für über 600 km zum Quartett. Eamonn unser sympathischer irischer Freund, der auf Grund seiner roten Haare und bleicheren Haut von den Einheimischen liebevoll „Gringo Rubio“ genannt wird, schliesst sich uns an und reitet mit uns durch die peruanische Wüste.

Die steinige Gegend ist furztrocken, links und rechts leben einfache Ziegenhirten und Landarbeiter in ihren Lehmhütten und arrangieren sich mit der harten Lebensbedingungen in dieser Gegend. Allerdings ist dieser Teil nur ein grober Vorgeschmack, richtig wüst wird es erst in den kommenden Tagen bzw. Wochen. Sonne und Sand soweit man schaut, kein Baum in Sicht und der Wind bläst uns mit 30 – 50 km/h frontal ins Gesicht. In den wenigen oft namenlosen Ortschaften welche wir passieren gibt es gerade mal die nötigsten Lebensmittel, auch die namenlosen Sandstrassen sind ein sicheres Zeichen, wir haben ihn gefunden, den A**** der Welt!!!

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Sand, weit und breit nix anderes zu sehen.

Am Tag 363 unserer Reisen stellen wir gleich 2 Reiserekorde auf, da es keine Übernachtungsmöglichkeiten in der „Desierto de Sechura“ (Wüste) gibt „donnern“ wir an diesem extrem windigem Tag 160km (100 Meilen) durch die Wüste, 9.33 Stunden sassen wir dafür auf unseren Rädern und erreichen fix & fertig unseren Zielort Morrope. Hin und wieder kommen wir doch in grössere Ortschaften und geniessen die bunten Märkte, die peruanische Küche und die freundlichen Menschen auf den Strassen und Plätzen, vieler Orts werden wir mit grossen Augen gemustert, als Fahrradfahrer kommt man eben an Orte, an denen noch nicht allzu viele Touristen gesehen wurden.

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Riesige Dünen säumen den Strassenrand.

Die Panamericana treibt uns weiter bolzengerade durch die Pampa und den endlosen Sand, Abwechslung fürs Auge ist hier Fehlanzeige, die Hitze schwirrt auf dem Asphalt, der Wind treibt Sandverwehungen über die Strasse und die Geier kreisen über uns, ein Szenario wie in einem Western. Die Einheimischen warnen uns vor Banditen und Überfällen auf Reisende, gerade Paijan ist als „Schurkenort“ weit bekannt, uns wird der Bus oder eine Eskorte empfohlen für diesen gefährlichen Ort bzw. diese berüchtigte Gegend. Wir entscheiden uns dagegen und kommen ohne Schwierigkeiten durch, 4 Radler auf einmal sind eben auch für peruanische Bösewichte eine Nummer zu hoch. Die Wüste ist jetzt richtig dreckig, überall wurde Müll verteilt und Geröll abgeladen, es stinkt nach Verwesung und ist vielleicht der hässlichste Abschnitt unserer bisherigen Reise.

Am letzten gemeinsamen Tag mit Eamonn feiern wir unseren 1. Geburtstag „on the road“!! 366 Tage, wir hatten Schaltjahr daher 365 + 1, rollen wir bereits durch die Weltgeschichte, an unserm Ehrentag beschenken wir uns selbst und machen die 21.000 Kilometer voll. Im Surferhotspot von Huanchaco betreibt Eamonns Cousin Ritchie das „Hostal Casa Fresh“, dort steigt unsere feucht-fröhliche Geburtstagsparty mit zahlreichen Backpackern aus allen Teilen dieser Erde.

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Feierabend Bier mit Eamonn. Am Abend steigt eine kleine 1 Jahres Party.

Nach 629 gemeinsamen Kilometern, verabschieden wir uns also wieder von unserem irren Iren und machen uns bereit für den nächsten wüsten Wüstenritt in Richtung Lima. Die riesigen Sanddünen entlang der Strasse sind jetzt wieder äusserst attraktiv und beeindruckend, auf der rechten Seite der Strasse türmen sich die Dünen und treffen auf der linken Seite auf die massiven Ausläufer der Anden. Diesen Anblick erarbeiten wir uns allerdings hart, der Schweiss fliesst in Strömen und der Gegenwind wir von Tag zu Tag massiver. 1998 (!!) hat es hier in der Gegend das letzte Mal geregnet, berichten uns die Einheimischen, Wüste pur. Wilde Hund mit gefletschten Zähne jagen uns hinterher, verbeissen sich gar in Sandros Satteltasche, der Abenteuerspielplatz Erde hat viele Facetten. Weiter gehts, die Grenze des Möglichen ist noch nicht erreicht und lässt sich bekanntlich ausdehnen. Zumindest die Panamericana (N1) ist auch in Peru in einem überraschend gutem Zustand, in der Regel gibt es genügend Platz für Verkehr und Radler und Schlaglöcher sind eine Ausnahme.

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Stadt aus Strohhüten. Keine Menschenseele weit und breit.

Wir fahren durch eine 15km lange Geisterstadt aus einfachsten Hütten, keine Menschenseele ist hier zu sehen, skurril und unheimlich. Und dann finden wir eine wahre Oase in mitten diesem Sandkasten. Clemente und seine Frau Isabel betreiben das Restaurante „La Balsa“ mitten im Nirgendwo, Fahrradfahrer übernachten und speisen hier komplett kostenlos. Über 25 Jahre bietet diese bezaubernde Ehepaar Radlern und andern Extremreisenden diesen Service, die Gästebücher sind voller Geschichten von dankbaren Menschen, welche hier übernachtet haben und königlich schlemmen durften. Für alle zukünftigen Wüstendurchquerer das Haus „Don Clemente“ mit dem Restaurante „La Balsa“ liegt bei KM 347 der Panamericana Norte und ist ein MUSS.

Noch sind es 300km bis Lima und wieder zeigt sich Peru als temperamentvolle, wilde, ungeschliffene, ungezähmte, stolze Schönheit. Wir kleben vor lauter Wind beinahe an der Strasse fest, der Sand fliegt uns um die Ohren und verpasst uns ein Peeling der unangenehmeren Art, wer Ruhe und Einsamkeit sucht ist hier genau richtig, die Föhnfrisur gibt es inklusive. Sobald wir aber in eine Ortschaft kommen, herrscht ein Hupkonzert wie nach der gewonnen Fussball- WM 2014 in deutschen Innenstädten, Autokorsos tagtäglich laut und live. Ähnlich wie bei den Hunden hilft auch gegen die rücksichtslosen, chaotischen Fahrer meist laute schwäbische Schimpftriaden, lieber laut und aufbrausend als umgefahren.

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Tretlager kaputt. Nico fährt mit dem Motorradtaxi und Bus voraus.

2 Tage bevor wir in Lima einlaufen wollen bricht Nicos Tretlagen irreparabel in alle Einzelteile. Ratlosigkeit macht sich breit, bekommen wir Ersatzteile? Wird es eine längere Pause? Kurzerhand wird Nico samt Fahrrad in einen Bus verfrachtet und nach Lima vorgeschickt in der Hoffnung in der peruanischen Hauptstadt gibt es Ersatz oder/und flinke fähige Mechaniker. Jetzt halten wir physisch und psychisch durch, soll es jetzt wirklich am Material, an der Technik scheitern?

Julian und Sandro werden von Windböen um die 50km/h weiter sandgestrahlt und kommen mit 7-10km/h nur zäh dem Etappenziel näher, die Landschaft ist unwirklich, bizarr und faszinierend zugleich. Wir fahren auf sandigen Klippen, unter uns tobt der pazifische Ozean und auf der linken Seite türmen sich kilometerweit gigantischen Sandberge. Durch die unberechenbaren Fallwinde an der Küste ist das Unfallrisiko hier scheinbar extrem hoch, wir sehen viele verunglückte LKW’s auf der engen Küstenstrasse.

So, nach 21591km erreichen wir das historische Stadtzentrum Limas, der Stadtverkehr ist absolut chaotisch und laut. Die Grenzerfahrung Wüste ist vorerst vorbei. Wir haben es überstanden! Man weiss halt erst was man kann, wenn man es probiert hat. Wir und unsere TX-1000 Räder der Fahrradmanufaktur können also auch Wüste!

Lima mit ihren 8.2 Millionen Einwohnern ist übrigens die 2. grösste Wüstenstadt der Welt und erinnert daher ein bisschen an den Wilden Westen. Historisch hat Lima einiges mitgemacht und die prachtvolle, restaurierte koloniale Innenstadt mit ihren zahlreichen Palästen, Museen, Kirchen, die majestätischen Plätze und Parks etc. laden zu einer gemütlichen Stadttour ein. Wie immer ist für uns das bunte, vielfältige, abwechslungsreiche, unberechenbare authentische Strassenleben am interessantesten und wir geniessen die radelfreie Zeit in den Gassen Limas.

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Kathedrale am Plaza de Armas in der Altstadt Limas.

Nico bekommt innerhalb von 2 Stunden nach Ankunft in Lima überraschend schnell ein neues Tretlager organisiert und eingebaut, ein Hoch auf die peruanischen Mechaniker. Die Reise kann also weitergehen. Ansonsten wird Lima zur Entspannung und zum organisieren von zahlreichen Kleinigkeiten genutzt, auch die inzwischen obligatorische Massage darf natürlich nicht fehlen. Wieder gibt es einen Abschied, den Pazifik und auch die Panamericana werden wir verlassen. Treu haben der große Teich und die legendäre Strasse uns über 19.000km von Alaska bis Lima begleitet. Für uns geht es jetzt in die Berge wo uns Cusco mit viel Kultur der Inkas und der Titicacasee erwarten. Danach geht es weiter nach Bolivien, Chile und Paraguay, Brasilien und damit unser Ziel Rio mit seinen Olympischen Spielen liegt quasi direkt „hinterm Berg“ und ist zum greifen nahe.

„König Plattfuss“ hat inzwischen die 25zig geknackt und baut seinen Vorsprung auf Sandro und Nico komfortabel auf je 10 Platten Abstand aus. Die Beiden müssen schon eine furiosen Endspurt hinlegen um Julian Platz 1 und damit die Olympische Goldmedaille noch streitig zu machen.

Unser Traum geht weiter, wir hoffen auch ihr lebt nicht nur in einer Traumwelt, sondern gestaltet diese auch aktiv. Den nächsten Bericht gibt es direkt aus den Anden.

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Mit unverwüstlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro

Mehr Bilder sind in unserer Galerie zu finden!