Trailer für unser geplantes Crowdfunding Projekt

Alaska/USA, Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Deutschland, Ecuador, El Salvador, England, Frankreich, Guatemala, Honduras, Island, Kanada, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Portugal, Schottland, Spanien, USA

Servus Miteinander,

die lange Zeit des Wartens hat hiermit ein Ende. Wir präsentieren stolz unseren ersten Trailer zu unserem geplanten Crowdfunding Projekt, mit welchem wir unseren Traum vom Film über unsere Reise zu Olympia 2016 in Rio realisieren wollen.

Wie ihr seht arbeiten wir eifrig an unserem Film-Projekt.

Seid gespannt und viel Spass beim anschauen. Wir haben noch 2000 Kilometer vor uns und freuen uns auf die herbstliche Heimat im Oktober.

Grüße aus Spanien,
Nico und Julian

Argentinien II – Paraguay – Brasilien I

Argentinien, Brasilien, Paraguay
Immer geradeaus. Keine Kurve in Sicht.

Pampa! Immer geradeaus. Keine Kurve in Sicht.

Unser „Pippi-Langstrumpf-Leben“ geht kunterbunt und abenteuerlich weiter, Pippi macht ja schliesslich auch was ihr gefällt. Die argentinische Pampa führt uns vorbei an gigantischen Mais- Weizen- und Baumwollfeldern welche sich bis zum Horizont erstrecken. Auch die endlosen Rinderweiden mit ihren wiederkäuenden Bewohnern können sich sehen lassen, an manchen Tagen fahren wir kilometerlang am selben Zaun entlang. Noch auf dem Highway „RN-16“ machen wir unsere 25.000km voll, der zunehmende Verkehr und der fehlende Seitenstreifen trüben dieses Jubiläum ein wenig. Aufmerksamkeit ist gefragt, gerade die LKW’s schieben uns oft in den Graben oder hupen bis die Ohren dröhnen. Am wievielten toten Hund wir auf unserer Reise schon vorbeigefahren sind? Wir wissen es selbst nicht, aber über 1000 (!!!) dürften es in dieser traurigen Statistik inzwischen doch sein. Leichen pflastern unseren Weg, andere Tierarten erhöhen die Zahl der toten Tiere natürlich noch deutlich.

Toller Zeltplatz in der Nähe einer Tankstelle.

Toller Zeltplatz in der Nähe einer Tankstelle.

Die vielen PKW’s und Trucks haben natürlich auch ihren Vorteil und ihre witzigen Seiten, oft wird das Fenster runtergekurbelt und wir werden mit Obst, Getränken und netten Gesprächen versorgt. Truckfahrer bremsen uns aus, steigen aus und wollen Selfies mit uns und das mitten im Berufsverkehr, verrückte Welt in Argentinien. Tankstellen sind unsere bevorzugten Zeltplätze, i.d.R. gibt es hier Wasser und eine Wiese, manchmal Wifi und der Tankwart hört gespannt unseren Erzählungen zu. Auch in unseren Träumen ist das Fahrrad, in welcher Form auch immer, präsent. Wer solange auf dem Rad sitzt wie wir, dem spielt das Unterbewusstsein gerne Streiche, immer wieder werden Situationen aus unserem Radalltag in unsere Träume äusserst realistische eingearbeitet.

Die Strasse geht tagein tagaus geradeaus, am Tag 9 in der Pampa kommt dann die Sensation!! Eine Kurve!!  Eine richtige, echte Kurve!! Unglaublich, wir biegen scharf links ab und fahren auf dem „RN-11“ weiter, dieser führt uns ohne Umwege in Richtung Paraguay.

Unbeirrt setzen wir unseren Weg bzw. „die längste Anreise ever-ever“ zum berühmtesten Strand der Welt, zur brasilianischen Copacabana fort. An manchen Tagen gehen wir mit der Dämmerung um 18Uhr ins Bett und sind erstaunt wie schnell 12 Stunden Nachtruhe vorbei sein können, aber Körper & Geist fordern ihre Auszeit und brauchen nach einem langem, schweisstreibendem Tag bei höchster Konzentration Ruhe und Entspannung.

Dauerregen in Argentinien. Unsere Zelte stehen unter Wasser.

Dauerregen in Argentinien. Unsere Zelte stehen unter Wasser.

Wir fahren an der argentinisch-paraguayischen Grenze entlang, nur noch der “Rio Paraguay“ trennt uns von unserem Reiseland Nr. 23. Das Wetter wird kurz vor Paraguay immer schlechter, starker Regen verwandelt unsere Zeltplätze in Schlammbäder und zerrt kräftig an den Nerven. In den Nächten werde wir von Donner & Blitz aufgeschreckt, an manchen Tagen halten unsere Zelte den sintflutartigen Regenmassen nicht stand und gleichen einem Swimmingpool. Da wir durch ein gigantisches Sumpfgebiet fahren, begegnen wir mit Störchen, Schlangen, Fröschen und abertausenden Moskitos auch den Bewohnern dieser Feuchtgebiete. Der Lärm der immer nahen Straße und Donner & Blitz sind hier für die Gute-Nacht-Geschichten zuständig und lassen sich jeden Abend bzw. jede Nacht etwas neues einfallen. Auf die Kilometerangaben und geschätzten Entfernungen der Einheimischen ist nach wie vor absolut kein Verlass, selbst die Polizei ist in dieser Hinsicht kein zuverlässiger „Freund und Helfer“, manche Menschen verschätzen sich wirklich irrwitzig.

Paraguay. Land Nr. 23!

Adios Argentina. Hola Paraguay.

Nach 16 Tagen verabschiedet Argentinien uns mit Trauer, Messi tritt gleichzeitig aus der argentinischen Fussball-Nationalmannschaft zurück und wir verlassen ebenfalls das Land, das Wetter zeigt sich zu diesem Anlass nass und grau. Die Hauptstadt von Land Nr. 23 und damit Asuncion und Paraguay erleben wir bieder und fahl, dieser Eindruck ändert sich auch nicht mehr. An der Stadtgrenze lernen wir allerdings Tim und Jakob kennen, einen jungen deutschen Auswanderer und einen Auswanderer in der 3 Generation. Tim lädt uns für 3 Nächte in sein Haus ein und zeigt uns seine Hood, wir erhalten einmalige Eindrücke ins Leben der Paraguayer und bekommen reizende Seen, wilde Tiere und historische Orte von Tim gezeigt. Doch nicht alles bieder und fahl hier! Paraguay zeigt sich als „Auswanderand“ von Deutschen, auch Jakobs Familie wanderte vor 195 Jahren aus Deutschland aus um in Südamerika ein neues Leben zu beginnen. Bevor wir uns von Tim und Jakob verabschieden werden wir ins Restaurant „Oktoberfest“ eingeladen und wir schlemmen wie die Könige. Kartoffelsalat, Sauerkraut, Spätzle, Bratkartoffeln, Blaukraut, Rollbraten, Schnitzel, Geschnetzeltes, Apfelkuchen, Weissbier etc. etc. unser Gaumen ist im 7. Himmel. Danke Tim, danke Jakob!

Vielen Dank an Tim und Jacob für den tollen Abend im Restaurant "Oktoberfest"!

Vielen Dank an Tim und Jacob für den tollen Abend im Restaurant „Oktoberfest“!

Der Highway 2 führt uns weiter zielsicher Richtung Brasilien, überall treffen wir auf begeisterte Menschen und werden nicht nur zum obligatorischen „Mate-Tee“ eingeladen (ohne den geht in Paraguay absolut gar nix!!), sondern dürfen unsere Zelte in den Vorgärten aufbauen. So auch bei Christian aus Österreich welcher vor 30 Jahren auswanderte und jetzt die Pizzeria „Wienerwald“ betreibt und eine köstliche Pizza mitten im Niemandsland anbietet. Christian hat viele Geschichten aus seiner alten Heimat Österreich und seiner Wahlheimat Paraguay auf Lager, ein klassischer bunter Hund.

Mittagspause am Fluss. Wer sieht den Julian?

Mittagspause am Fluss. Wer sieht den Julian?

Die Natur ist tropisch, saftig und grün und auch das Wetter spielt wieder mit, an herrlichen Flüssen verbringen wir unsere Mittagspausen und ein kleines Nickerchen in den Hängematten rundet die Siesta standesgemäss ab. Der Wind kommt von vorne und ein Hügel reiht sich an den Nächsten, die Räder scheinen auf dem Asphalt zu kleben, immerhin gibt es am Strassenrand viel zu sehen und so vergessen wir die Zeit. Das Paraguayische Landleben ist sehr bunt, überall sehen wir Ochsengespanne, Männer die im Wald oder auf den Feldern arbeiten, Kinder die einem Ball nachjagen, Schulkinder welche uns grüßen und freundlich winken, Arbeiter bei einer „Mate-Tee“-Pause, Frauen welche Essen am Straßenrand anbieten und vieles, vieles mehr, eine Reise durch ein Bilderbuch eben.

Argentinien, Brasilien und Paraguay grenzen hier aneinander.

Argentinien, Brasilien und Paraguay grenzen hier aneinander.

Die hügelige Achterbahnfahrt zieht sich bis an die brasilianische Grenze und am 434 Tag erreichen wir tatsächlich unser Zielland Brasilien. Allerdings reisen wir nach 90 Minuten schon wieder aus und es geht am „3-Ländereck“ direkt zurück nach Argentinien. Warum? Die berühmten Wasserfälle von Iguazu, die „Cataratas de Iguazu“ sind von der argentinischen Seite besser zusehen und noch beindruckender. Wir bereisen also mit Paraguay, Brasilien und Argentinien gleich 3 Länder an einem Tag, wieder ein neuer Reiserekord. Im „Parque Nacional Iguazu“ besuchen wir die weltberühmten Wasserfälle uns sind von dem gigantischen Naturspektakel stark beeindruckt. Jetzt haben unsere Augen schon einiges gesehen und sind oft „satt“, irgendwann ist der hundertste Wasserfall nichts besonderes mehr, die tausendste Kirche oder Ruine nichts einmaliges mehr und verzaubert nur noch gering, aber…

Iguazú-Wasserfälle.

Iguazú-Wasserfälle.

…aber die Wasserfälle von Iguazu sind eine Augenweide, mein lieber Mann. Ein absolutes Highlight auf unserer Reise, Traumwasserfälle. Das Wetter spielt uns bei strahlendem Sonnenschein voll in die Karten und danke der südamerikanischen Winterzeit sind eher wenige Touristen vor Ort. Als der Park schliesst, schleichen wir uns, verbotenerweise, in die Büsche. Die Geräuschkulisse der nahen Wasserfälle und das quaken, piepen, zirpen, kreischen und rascheln aus den Büschen lässt uns mitten im grünem Dschungel ruhig schlafen, toller Tag.

Vorsicht Jaguars!

Vorsicht Jaguars!

Eine giftige Korallenschlange.

Eine giftige Korallenschlange.

Der Highway 101 ist eine typische Lehmstraße im Dschungel, wir rutschen hin und her und müssen höllisch aufpassen um Stürzte zu vermeiden. Diese Straße führt uns endgültig nach Brasilien und treibt uns mit ihren auf und abs beinahe in die Verzweiflung. Den heimischen Jaguar haben wir nicht zu Gesicht bekommen, dafür zeigen sich Riesentukane und andere bunte Paradiesvögel, auch Schlangen bekommen wir sehr nah vor die Kamera. Erst als wir die Schlangenbilder Einheimischen zeigen, wird uns bewusst, dass wir uns bis auf wenige Zentimeter einer der giftigsten Schlangen Südamerikas genähert haben. Glück gehabt. Urwald pur! Dschungel live! Noch in Argentinien machen wir unsere 26000km voll und verabschieden uns so erneut von unseren Gaucho Freunden. In unserer letzten Nacht in Argentinien, wir zelten 200m vor der Grenze zu Brasilien, will uns ein Räuber bestehlen. Der Langfinger schultert spät nach Mitternacht Sandros abgeschlossenes Fahrrad und will sich davon machen. Wir stürmen alle 3, wie auf Kommando, mit einem ohrenbetäubendem Gebrüll aus den Zelten und verscheuchen den Dieb, welcher geschockt das Rad fallen lässt und nur mit Sandros Schuhen in der Dunkelheit verschwindet. Wieder Glück gehabt! Mit 13.39€ p.P./Tag in Argentinien und 9.93€ p.P./Tag in Paraguay zählen beide Länder zu den günstigsten unserer Reise, campen in der Natur spart eben enorm Geld.

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Brasilien. 26043 km. Weiter gehts…

So, nach 436 Tagen und 26043 Kilometer erreichen wir, dieses Mal nicht nur für 90 Minuten und mit allen 3 Fahrrädern unterm Hintern, Brasilien. Wir haben es tatsächlich geschafft und uns unseren Traum erfüllt, wir sind von Deutschland nach Brasilien geradelt, Wahnsinn!! Alles, wirklich alles ist machbar! Brasilien war unser Ziel und jetzt sind wir da, glauben können wir es noch nicht und bis wir begreifen was wir geschafft haben gehen wohl noch einige Jahre und zahlreiche Geschichten ins Land. Genau einen Monat vor dem Start der Olympischen Spiele erreichen wir also Brasilien, noch haben wir knapp 2500km vor uns um den Austragungsort Rio zu erreichen. Ein kräftiges aber dennoch machbares Ziel für die nächsten Wochen. Die Goldmedaille in unserer Plattfußstatistik ist Julian mit 30 Löchern nicht mehr zu nehmen, Sandro (18) und Nico (15) sind einfach zu weit entfernt. Ein hart erarbeitetes goldenes Edelmetall für Julian, der anscheinend kaum einen Nagel oder eine Scherbe ausgelassen hat. Wer den Schaden hat….

Bisher zeigt sich Brasilien sehr hügelig.

Bisher zeigt sich Brasilien sehr hügelig.

Die nächsten circa 600km suchen wir unseren Weg nach Porto Alegre im Süden des Landes und damit an den Atlantik, dieser wird dann für die letzten circa 1700km bis Rio unser Begleiter sein. Brasilien empfängt uns gleich mal hügelig und erinnert etwas an die italienische Toskana, wo ein Hügel aufhört beginnt der nächste. Wer bei Brasilien gleich an die Copacabana, exotische Drinks, rassige Strandschönheiten, Pele und Samba denkt, dem sei gleich gesagt, dass Brasilien auch anders sein kann. Gleich in der ersten Nacht wird unser Zelt beinahe von den Regenmassen weggespült, der nächste Tag ist nass, grau und kalt, auf manchen Straßen kommen wir vor lauter Schlamm kaum voran und sehen am Abend aus wie Wildschweine nach dem suhlen. Der „BR-163“ ist noch gut asphaltiert, nach dem Überqueren des „Rio Uruguay“ folgt der „BR-386“, dieser ist z.T. eine übel vom Regen aufgeweichte Piste, die Räder blockieren vor lauter Matsch und Dreck und müssen geschoben oder gar getragen werden. Willkommen in Brasilien, wieder verändert sich unser Weltbild.

Schlammpiste. Die Reifen blockieren.

Sandro steckt im Schlamm fest. Die Reifen blockieren. Er muss schieben.

Inzwischen haben wir uns selbst eine Unterkunft in Rio organisiert und sicher gebucht, bei Wilma und ihrer Tochter Kelly können wir im Herzen Rio’s recht kostengünstig leben. Das Olympiastadion ist nur einen Steinwurf entfernt und auch die Nähe zu Copacabana lässt keine Wünsche offen.

An dieser Stelle wollen wir uns bei Thomas aus Bremen bedanken. Thomas verfolgt sehr aufmerksam unseren Blog und hat uns das Ferienhaus seiner Familie etwas ausserhalb von Rio angeboten. Dieses tolle Angebot werden wir während den Spielen mit Sicherheit für einige Tage annehmen. Danke Thomas, super Geschichte!!

Heute. Kilometerstand 26217, sind wir in Frederico Westphalen angekommen und warten, im wahrsten Sinne, auf besser Wetter. Zumindest haben wir hier Zeit und Platz für diesen Bericht, Wäsche und Zelt können in Ruhe trocknen und die Räder müssen komplett entschlammt werden.

Vielen Dank fürs lesen der Berichte und eure Unterstützung!! Danke auch fürs teilen von unseren Beiträgen auf Facebook & Co. Ihr habt noch Tickets für die Olympischen Spiele in der Hinterhand? Nur keine Scheu, wir beissen nicht und sind dankbare Abnehmer.

Mit sportlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder der letzten 14 Tage sind in unser Galerie.

Chile II – Argentinien I

Argentinien, Chile
Tolle Felsformationen in der Atacama Wüste.

Tolle Felsformationen in der Atacama Wüste.

Wir verlassen die chilenische Wüstenstadt Calama und suchen unseren Weg ins Wüstendorf San Pedro de Atacama und die Richtung nach Argentinien, welches sich noch hinter einigen Andengipfeln versteckt. Wir starten also unseren Trip durch die trockenste und höchstgelegene Wüste der Welt, die Atacama, es sollen zähe, harte, fiese und äusserst staubige Tage werden. Gleich zu Beginn zeigt uns der Gegenwind und die stetig ansteigende Straße wer hier das Sagen und damit das letzte Wort hat. Allerdings lassen auch die Highlights nicht lange auf sich warten, so stürzen wir uns kurz vor San Pedro de Atacama mit bis zu 99km/h ein gigantische Abfahrt hinunter, die Wüste mit ihren skurrilen Felsformationen und atemberaubenden Farben saust an uns vorbei. San Pedro de Atacama ist nett und hat einen gewissen „Hippie-Flair“, wirkt aber trotzdem irgendwie künstlich. Überall haben sich Agenturen niedergelassen, welche den zahlreichen Tagestouristen Geld aus der Tasche ziehen und neben Jeeptouren in die Wüste noch anderen überteuerten Service anbieten.

Hunderte Kilometer geradeaus. Sand und Steine wechseln sich ab.

Die trockenste Wüste der Welt. Atacama Desert.

Nach San Pedro de Atacama geht es durch eine lange Sand- und Steinwüste mit wenig grünem Leben, wir bewundern die vielen wilden Esel und fragen uns wie diese in der kargen, trostlosen Gegend überhaupt überleben können, wahre Überlebenskünstler diese Maultiere. Wer vielleicht noch die ein oder andere Leiche im Keller hat, hier in der Atacama-Wüste wäre der optimale Platz um diese für immer definitiv unauffindbar unter die Erde zu bringen. Felsspalten, Schluchten, Steine, Sand, Wind, Kälte, Vulkane und Berge sind unsere Begleiter für die nächsten Tage. Auch wenn manche Tage sehr zäh und anstrengend sind wir sind froh das systeminterne deutsche Hamsterrad für eine Weile verlassen zu haben, das Leben spielt sich draussen ab und die Facetten unserer Welt sind unendlich vielfältig und spannend. Unser Reisemotto könnte auch, „Geträumt! Gelebt! Gewonnen!“, lauten.

Quer durch die Anden nach Argentinien.

Über die Anden nach Argentinien.

Wir zelten bei der "Laguna Toyaito" auf knapp 4108 Metern über dem Meer!.

Wir zelten bei der „Laguna Toyaito“ auf knapp 4108 Metern über dem Meer!.

Argentinien ist quasi schon in Sichtweite, wir können die leckeren argentinischen Steaks beinahe schon riechen, aber die Anden stellen uns heftige, massive letzte Hürden auf und wir müssen mehrmals Pässe von über 4500m überwinden. Wir verlassen das Atacama-Becken und es geht nur noch bergauf, Verschnaufpausen gibt es kaum und die Temperaturen liegen um den Gefrierpunkt, schon bald hört der Asphalt auf und wir fahren hunderte Kilometer auf Schotter- und Sandpisten. Auf 4108m, an der „Laguna Toyaito“, haben wir unseren höchsten Zeltplatz der bisherigen Tour, die Temperatur fällt in der Nacht auf – 12 Grad, der Wind pfeift uns ein kaltes Lied und am nächsten morgen sind Zahnpasta und Trinkwasser gefroren, es ist bitterkalt. Die Muskeln brauchen am morgen eine Weile um warm zu werden, die Finger und Zehen gleichen Eiszapfen, zwischendurch machen wir unsere 24.000km voll und Argentinien rückt langsam aber sicher näher.

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Von Chile nach Argentinien via. Paso Sico und vier weitere Pässe mit knapp 4500 Metern. Höchster Pass „Abra El Laco“ – 4584 Meter.

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Entlang am „Salar Aqua Calientes“ zum Grenzübergang „Paso Sico“.

Am Tag 411 unserer Reise gibt sich der „Abra el Laco“ mit 4584m die Ehre und wir feiern damit den höchsten Pass der Tour, wir sind von unzähligen Vulkanen umgeben, welche diesen Moment stumm mit uns zusammen geniessen. Abends fallen wir todmüde in unsere Zelte, wir leisten alle Drei täglich das Selbe. Der eine kommt mit der Höhe besser klar, der Andere nimmt den Anstieg leichter und der Dritte fährt mal schneller, aber am Abend haben wir alle den gleichen Tachostand und die selben müden Haxen.

Argentinien. Nach unzähligen Kilometern Holperpiste kommen wir in unser Land Nr.22.

Argentinien! Nach unzähligen Kilometern Holperpiste kommen wir in unser Land Nr.22 an.

Bis zur argentinischen Grenze werden wir durchgeschüttelt und eingestaubt, die Strasse ist ein einziges sandiges Waschbrett. Unsere Equipment reisst und bricht an allen Ecken und Kanten, unzählige Male mussten wir dieses jetzt schon notdürftig reparieren und ausbessern. Stress pur für Fahrer und Ladung.

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Die Luft ist dünn. Kurze Verschnaufpause, dann rollen wir ins Tal um den nächsten Berg zu erklimmen.

Fix und fertig erreichen wir also unser Land Nr.22 und damit Argentinien, die argentinischen Grenzer sind super freundlich. Wir sind die ersten „Kunden“ für heute und es ist bereits 17h, an Überarbeitung sterben die Jungs hier sicher nicht. Wir dürfen kostenlos in der Grenzstation übernachten, heisse Dusche und Wifi inklusive, ein guter Start ins Land der Gauchos und der endlosen Pampas. Bevor wir uns aber entspannen können, warten noch 3 Tage Schotter und etliche Berge auf uns. Der RN-51 ist ungeteert und wir holpern langsam durch die Mond- und Marslandschaft, so muss es sich anfühlen wenn ein Traktor mit hoher Geschwindigkeit über einen gefrorenen Acker fährt, es ist zäh, äusserst zäh. Die Anstiege sind sandig, die Räder drehen oft durch oder rutschen, wie auf Schmierseife, im Sand hin und her, Einkaufsmöglichkeiten gibt es nicht und unsere Kekse müssen herhalten. Die Anden machen uns den Abschied nicht leicht, hohe Pässe, viel Schotter, Wind, Kälte, steile Anstiege, ein wahrer Endgegner der niedergerungen werden muss. Juni/Juli sind die kältesten Monate hier Oben, die Trinkschläuche unserer Rucksäcke sind gefroren, ein Wunder das unserer Körper noch nicht mit Krankheiten oder anderen Streiks drohen. Die wenigen LKW’s auf der Piste stauben uns kräftig ein, der Pass „Alto Chorrollo“ mit 4560m zieht sich unendlich lange hin, jetzt haben wir mehrmals die 4500m Grenze überschritten und sehnen uns nach dem argentinischem Flachland und damit nach den berühmten Pampas.

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Es geht bergab durch atemberaubende Canyons. Am Abend haben wir 170 Kilometer auf dem Tacho.

In San Antonio de los Cobres schlafen wir in einem Rohbau, es wird unsere letzte Nacht in den Anden. Am nächsten morgen haben wir noch einen 4000er zu bezwingen, danach geht es bergab. 7000km haben uns die Anden durch 6 Länder begleitet, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Chile und jetzt Argentinien haben wir dabei abgeradelt, der absolute Wahnsinn. Wir sausen also ins Tal und feiern dabei mit 170km (!!) einen neuen Rekordtag dieser Reise. Die Landschaft ist der absolute Hit, die Felsen leuchten in 1000 Farben, die Kakteen sind haushoch, die Canyon’s gigantisch, ein würdiger letzter Tag in den Anden und die schönste Abfahrt bislang. Wir steigen also von 4080m runter auf 1200m (schneller ist wohl noch nichtmal der VFB Stuttgart dieses Jahr von der 1. in die 2. Bundesliga abgestiegen) und erreichen damit Salta, Argentiniens nördlichste Grossstadt. Danke Anden, es war uns eine Ehre und wir werden mit einem gewissen Stolz viele Geschichten von Euch erzählen können. Das längste Bergmassiv der Welt ist damit bezwungen!!

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Obst!!! Seit Tagen haben wir nur „Trockenfutter“ gegessen.

In Salta legen wir gleich 2 Ruhetage ein, die Stadt brummt vor Leben, ein Sandwich-Laden reiht sich an den nächsten, auf den Straßen bilden sich hupende Staus, Mütter ziehen ihre Kinder hinter sich her, Männer sitzen wie Tagediebe in den Parks oder betreiben zwielichtigen Geldwechsel, es ist das komplette Kontrastprogramm zu den letzten Wochen in den einsamen Bergen. Ausgehungert schlemmen wir uns von einer Straßenecke zur nächsten, überall werden Leckereien angeboten und wir hören uns selten „Nein!“ sagen.

Auch die Räder kommen nicht zu kurz, bekommen eine Dusche in der Waschstrasse, werden geölt und gewartet. Über 24.900km sitzen wir jetzt auf den Bikes und sind wirklich erstaunt was diese alles wegstecken. Klar tritt mal das ein oder andere Problem auf, aber im Großen und Ganzem sind wir mit den TX-1000 Rädern der Fahrradmanufaktur absolut zufrieden. Da haben die Jungs und Mädels aus Oldenburg gute Arbeit geleistet und ein top Fahrrad zu einem sehr gutem Preis- Leistungsverhältnis auf den Markt gebracht. Einzigstes Manko: Ersatzteile sind in Nord- und Südamerika kaum zu bekommen.

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Salta in Argentina!

Inzwischen besteht bei uns Dreien kein Zweifel mehr, Rio wird definitiv rechtzeitig zu den Olympischen Spielen erreicht!! Nur noch circa 3.000km in den nächsten 44 Tagen fehlen zum erreichen unsers Traums. Wie oft wurden wir belächelt, wie oft wurden wir für verrückt erklärt, wieviele Menschen haben ernsthaft an unser Vorhaben geglaubt? Viele dachten wir kehren nach einigen Monaten und wenigen Kilometern geläutert um. Nein, wir haben an uns geglaubt und unser Zeil verfolgt. Wir schaffen das, alles eine Frage der Einstellung.

Ein bisschen Enttäuscht sind wir allerdings von Menschen welche uns Unterstützung versprochen haben. Unzählige Male wurden uns Unterkünfte, Tickets für die Spiele in Rio, Kontakte zur Presse etc., etc. versprochen und damit Hoffnung gemacht. Die meisten Leute haben es scheinbar nötig sich aufzublasen und zu prahlen, ausser heisser Luft nichts gewesen. Von den Menschen mit der größten Klappe haben wir jedenfalls nie mehr was gehört. Unser Dank, gilt den Menschen welche unseren Blog lesen, unsere Bilder kommentieren und uns nette Nachrichten schreiben, dies ist die beste und schönste Unterstützung für uns.

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Immer geradeaus… Irgendwo, weit hinter dem Horizont liegt Paraguay und Brasilien.

Von Salta aus machen wir uns also auf dem RN-9 auf  den Weg um Argentinien einmal von West nach Ost zu durchqueren, immer mit dem Ziel Paraguay und Brasilien. Die Einheimischen in Salta haben ständig davon gesprochen das jetzt die Strecke „solo plano“, „just flat“, „nur flach“ ist, Pustekuchen! Klar, im Verhältnis zu den Anden ist das hier Kindergarten, aber die ersten 2 Tage folgt ein Hügel dem anderem und wir machen 800 Höhenmeter am Tag. Fazit: Glaube keinem Einheimischem, erstrecht keinem OHNE Fahrrad!! Naja, am Abend gibt es bei „All-u-can-eat“ vom Grill genügend Kraftfutter und ein gemütlicher Zeltplatz findet sich auch meistens.

Argentinien und Rinder. Das gehört einfach zusammen.

Argentinien und Rinder. Das gehört einfach zusammen.

Wir wechseln vom RN-9 auf dem schmaleren RN-16, dieser führt uns endgültig in die Pampas Argentiniens. Die Strecke ist bolzengerade, an manchen Tagen kommt nicht eine Kurve, wieder ein anderes Extrem. Wir fahren durch Argentiniens Weidenlandschaft, viele LKW’s und Landwirtschaftsmaschinen begegnen uns und so treten wir verträumt Tag ein Tag aus vor uns hin. Die Tage erinnern an einen Herbsttag in Deutschland, ein herbstlicher Wintertag in der argentinischen Pampa. Die Nächte sind empfindlich kalt und am morgen dauert es bist sich die Sonne endgültig durchsetzt.

Die Neugier und Abenteuerlust treibt uns immer weiter. Was kommt als nächstes? Was bietet das kommende Land? Wo übernachten wir heute? Vor unserer Reise hatten wir keine Ahnung was alles zwischen Deutschland und Brasilien liegt, was alles auf uns zukommt. Auch jetzt kommen wir immer wieder ins staunen, neue Überraschungen gibt es auch noch nach 421 Reisetagen genügend. Vermutlich brauchen wir unser restliches Leben um alles zu verarbeiten und um unser Glück zu erfassen.

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Viele verschiedene Vogelarten gibt es in der Pampa. Hier ein Papagei.

Die Gauchos auf ihren Pferden grüßen freundlich und die Dörfer wirken, nicht nur in der traditionellen Siesta, oft ausgestorben. Die Argentinier sind gute Gastgeber, überall dürfen wir unsere Zelte aufschlagen und unser Wasser auffüllen. Uns wird Gürteltier zum Abendessen angeboten, wegen uns müssen allerdings keine exotischen Tiere sterben und wir lehnen dankend ab. Viele bunte, exotische Papageien ziehen mit uns durch die Pampa und zwitschern uns ihr Lied von der Wildnis, wir kommen jetzt schnell voran und uns fehlen nur noch circa 300km bis zur paraguayischen Grenze.

Pampa, Pampa, Pampa. Argentinien live. Lucky Luke der einsame Cowboy ritt mit seinem treuem Pferd Jolly Jumper durch den Wilden Westen Amerikas, wir strampeln mit unseren robusten Rädern durch die Pampas Argentiniens immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und der grenzenlosen Freiheit.

Egal wo wir als Deutsche „entlarvt“ werden, oft werden wir mit deutschen Stereotypen konfrontiert, ist Deutschland wirklich nur: „Autobahn“, „Oktoberfest“, „Hitler“, „Black-Forrest“, „Sauerkraut“ und „Beckenbauer“? Wir nehmen es mit Humor, Argentinien ist ja schliesslich auch nur: „Tango“, „Pampa“, „Maradonna“, „Fleisch“, „Gauchos“, „Messi“ und „Vizeweltmeister“!!!!

Heute übernachten wir übrigens im Ort „Pampa del Infierno“, der Name ist Programm….

Unser Motto für den Endspurt lautet: „Feuer frei!!! Rio wir kommen!!!“

So, den nächsten Bericht gibt es vermutlich schon aus Brasilien. Danke fürs lesen und wir wünschen Euch einen tollen Sommer.

Mit freundlichen Grüßen aus Argentinien,

Julian, Nico und Sandro

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.