Trailer für unser geplantes Crowdfunding Projekt

Alaska/USA, Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Deutschland, Ecuador, El Salvador, England, Frankreich, Guatemala, Honduras, Island, Kanada, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Portugal, Schottland, Spanien, USA

Servus Miteinander,

die lange Zeit des Wartens hat hiermit ein Ende. Wir präsentieren stolz unseren ersten Trailer zu unserem geplanten Crowdfunding Projekt, mit welchem wir unseren Traum vom Film über unsere Reise zu Olympia 2016 in Rio realisieren wollen.

Wie ihr seht arbeiten wir eifrig an unserem Film-Projekt.

Seid gespannt und viel Spass beim anschauen. Wir haben noch 2000 Kilometer vor uns und freuen uns auf die herbstliche Heimat im Oktober.

Grüße aus Spanien,
Nico und Julian

Chile II – Argentinien I

Argentinien, Chile
Tolle Felsformationen in der Atacama Wüste.

Tolle Felsformationen in der Atacama Wüste.

Wir verlassen die chilenische Wüstenstadt Calama und suchen unseren Weg ins Wüstendorf San Pedro de Atacama und die Richtung nach Argentinien, welches sich noch hinter einigen Andengipfeln versteckt. Wir starten also unseren Trip durch die trockenste und höchstgelegene Wüste der Welt, die Atacama, es sollen zähe, harte, fiese und äusserst staubige Tage werden. Gleich zu Beginn zeigt uns der Gegenwind und die stetig ansteigende Straße wer hier das Sagen und damit das letzte Wort hat. Allerdings lassen auch die Highlights nicht lange auf sich warten, so stürzen wir uns kurz vor San Pedro de Atacama mit bis zu 99km/h ein gigantische Abfahrt hinunter, die Wüste mit ihren skurrilen Felsformationen und atemberaubenden Farben saust an uns vorbei. San Pedro de Atacama ist nett und hat einen gewissen „Hippie-Flair“, wirkt aber trotzdem irgendwie künstlich. Überall haben sich Agenturen niedergelassen, welche den zahlreichen Tagestouristen Geld aus der Tasche ziehen und neben Jeeptouren in die Wüste noch anderen überteuerten Service anbieten.

Hunderte Kilometer geradeaus. Sand und Steine wechseln sich ab.

Die trockenste Wüste der Welt. Atacama Desert.

Nach San Pedro de Atacama geht es durch eine lange Sand- und Steinwüste mit wenig grünem Leben, wir bewundern die vielen wilden Esel und fragen uns wie diese in der kargen, trostlosen Gegend überhaupt überleben können, wahre Überlebenskünstler diese Maultiere. Wer vielleicht noch die ein oder andere Leiche im Keller hat, hier in der Atacama-Wüste wäre der optimale Platz um diese für immer definitiv unauffindbar unter die Erde zu bringen. Felsspalten, Schluchten, Steine, Sand, Wind, Kälte, Vulkane und Berge sind unsere Begleiter für die nächsten Tage. Auch wenn manche Tage sehr zäh und anstrengend sind wir sind froh das systeminterne deutsche Hamsterrad für eine Weile verlassen zu haben, das Leben spielt sich draussen ab und die Facetten unserer Welt sind unendlich vielfältig und spannend. Unser Reisemotto könnte auch, „Geträumt! Gelebt! Gewonnen!“, lauten.

Quer durch die Anden nach Argentinien.

Über die Anden nach Argentinien.

Wir zelten bei der "Laguna Toyaito" auf knapp 4108 Metern über dem Meer!.

Wir zelten bei der „Laguna Toyaito“ auf knapp 4108 Metern über dem Meer!.

Argentinien ist quasi schon in Sichtweite, wir können die leckeren argentinischen Steaks beinahe schon riechen, aber die Anden stellen uns heftige, massive letzte Hürden auf und wir müssen mehrmals Pässe von über 4500m überwinden. Wir verlassen das Atacama-Becken und es geht nur noch bergauf, Verschnaufpausen gibt es kaum und die Temperaturen liegen um den Gefrierpunkt, schon bald hört der Asphalt auf und wir fahren hunderte Kilometer auf Schotter- und Sandpisten. Auf 4108m, an der „Laguna Toyaito“, haben wir unseren höchsten Zeltplatz der bisherigen Tour, die Temperatur fällt in der Nacht auf – 12 Grad, der Wind pfeift uns ein kaltes Lied und am nächsten morgen sind Zahnpasta und Trinkwasser gefroren, es ist bitterkalt. Die Muskeln brauchen am morgen eine Weile um warm zu werden, die Finger und Zehen gleichen Eiszapfen, zwischendurch machen wir unsere 24.000km voll und Argentinien rückt langsam aber sicher näher.

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Von Chile nach Argentinien via. Paso Sico und vier weitere Pässe mit knapp 4500 Metern. Höchster Pass „Abra El Laco“ – 4584 Meter.

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Entlang am „Salar Aqua Calientes“ zum Grenzübergang „Paso Sico“.

Am Tag 411 unserer Reise gibt sich der „Abra el Laco“ mit 4584m die Ehre und wir feiern damit den höchsten Pass der Tour, wir sind von unzähligen Vulkanen umgeben, welche diesen Moment stumm mit uns zusammen geniessen. Abends fallen wir todmüde in unsere Zelte, wir leisten alle Drei täglich das Selbe. Der eine kommt mit der Höhe besser klar, der Andere nimmt den Anstieg leichter und der Dritte fährt mal schneller, aber am Abend haben wir alle den gleichen Tachostand und die selben müden Haxen.

Argentinien. Nach unzähligen Kilometern Holperpiste kommen wir in unser Land Nr.22.

Argentinien! Nach unzähligen Kilometern Holperpiste kommen wir in unser Land Nr.22 an.

Bis zur argentinischen Grenze werden wir durchgeschüttelt und eingestaubt, die Strasse ist ein einziges sandiges Waschbrett. Unsere Equipment reisst und bricht an allen Ecken und Kanten, unzählige Male mussten wir dieses jetzt schon notdürftig reparieren und ausbessern. Stress pur für Fahrer und Ladung.

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Die Luft ist dünn. Kurze Verschnaufpause, dann rollen wir ins Tal um den nächsten Berg zu erklimmen.

Fix und fertig erreichen wir also unser Land Nr.22 und damit Argentinien, die argentinischen Grenzer sind super freundlich. Wir sind die ersten „Kunden“ für heute und es ist bereits 17h, an Überarbeitung sterben die Jungs hier sicher nicht. Wir dürfen kostenlos in der Grenzstation übernachten, heisse Dusche und Wifi inklusive, ein guter Start ins Land der Gauchos und der endlosen Pampas. Bevor wir uns aber entspannen können, warten noch 3 Tage Schotter und etliche Berge auf uns. Der RN-51 ist ungeteert und wir holpern langsam durch die Mond- und Marslandschaft, so muss es sich anfühlen wenn ein Traktor mit hoher Geschwindigkeit über einen gefrorenen Acker fährt, es ist zäh, äusserst zäh. Die Anstiege sind sandig, die Räder drehen oft durch oder rutschen, wie auf Schmierseife, im Sand hin und her, Einkaufsmöglichkeiten gibt es nicht und unsere Kekse müssen herhalten. Die Anden machen uns den Abschied nicht leicht, hohe Pässe, viel Schotter, Wind, Kälte, steile Anstiege, ein wahrer Endgegner der niedergerungen werden muss. Juni/Juli sind die kältesten Monate hier Oben, die Trinkschläuche unserer Rucksäcke sind gefroren, ein Wunder das unserer Körper noch nicht mit Krankheiten oder anderen Streiks drohen. Die wenigen LKW’s auf der Piste stauben uns kräftig ein, der Pass „Alto Chorrollo“ mit 4560m zieht sich unendlich lange hin, jetzt haben wir mehrmals die 4500m Grenze überschritten und sehnen uns nach dem argentinischem Flachland und damit nach den berühmten Pampas.

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Es geht bergab durch atemberaubende Canyons. Am Abend haben wir 170 Kilometer auf dem Tacho.

In San Antonio de los Cobres schlafen wir in einem Rohbau, es wird unsere letzte Nacht in den Anden. Am nächsten morgen haben wir noch einen 4000er zu bezwingen, danach geht es bergab. 7000km haben uns die Anden durch 6 Länder begleitet, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Chile und jetzt Argentinien haben wir dabei abgeradelt, der absolute Wahnsinn. Wir sausen also ins Tal und feiern dabei mit 170km (!!) einen neuen Rekordtag dieser Reise. Die Landschaft ist der absolute Hit, die Felsen leuchten in 1000 Farben, die Kakteen sind haushoch, die Canyon’s gigantisch, ein würdiger letzter Tag in den Anden und die schönste Abfahrt bislang. Wir steigen also von 4080m runter auf 1200m (schneller ist wohl noch nichtmal der VFB Stuttgart dieses Jahr von der 1. in die 2. Bundesliga abgestiegen) und erreichen damit Salta, Argentiniens nördlichste Grossstadt. Danke Anden, es war uns eine Ehre und wir werden mit einem gewissen Stolz viele Geschichten von Euch erzählen können. Das längste Bergmassiv der Welt ist damit bezwungen!!

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Obst!!! Seit Tagen haben wir nur „Trockenfutter“ gegessen.

In Salta legen wir gleich 2 Ruhetage ein, die Stadt brummt vor Leben, ein Sandwich-Laden reiht sich an den nächsten, auf den Straßen bilden sich hupende Staus, Mütter ziehen ihre Kinder hinter sich her, Männer sitzen wie Tagediebe in den Parks oder betreiben zwielichtigen Geldwechsel, es ist das komplette Kontrastprogramm zu den letzten Wochen in den einsamen Bergen. Ausgehungert schlemmen wir uns von einer Straßenecke zur nächsten, überall werden Leckereien angeboten und wir hören uns selten „Nein!“ sagen.

Auch die Räder kommen nicht zu kurz, bekommen eine Dusche in der Waschstrasse, werden geölt und gewartet. Über 24.900km sitzen wir jetzt auf den Bikes und sind wirklich erstaunt was diese alles wegstecken. Klar tritt mal das ein oder andere Problem auf, aber im Großen und Ganzem sind wir mit den TX-1000 Rädern der Fahrradmanufaktur absolut zufrieden. Da haben die Jungs und Mädels aus Oldenburg gute Arbeit geleistet und ein top Fahrrad zu einem sehr gutem Preis- Leistungsverhältnis auf den Markt gebracht. Einzigstes Manko: Ersatzteile sind in Nord- und Südamerika kaum zu bekommen.

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Salta in Argentina!

Inzwischen besteht bei uns Dreien kein Zweifel mehr, Rio wird definitiv rechtzeitig zu den Olympischen Spielen erreicht!! Nur noch circa 3.000km in den nächsten 44 Tagen fehlen zum erreichen unsers Traums. Wie oft wurden wir belächelt, wie oft wurden wir für verrückt erklärt, wieviele Menschen haben ernsthaft an unser Vorhaben geglaubt? Viele dachten wir kehren nach einigen Monaten und wenigen Kilometern geläutert um. Nein, wir haben an uns geglaubt und unser Zeil verfolgt. Wir schaffen das, alles eine Frage der Einstellung.

Ein bisschen Enttäuscht sind wir allerdings von Menschen welche uns Unterstützung versprochen haben. Unzählige Male wurden uns Unterkünfte, Tickets für die Spiele in Rio, Kontakte zur Presse etc., etc. versprochen und damit Hoffnung gemacht. Die meisten Leute haben es scheinbar nötig sich aufzublasen und zu prahlen, ausser heisser Luft nichts gewesen. Von den Menschen mit der größten Klappe haben wir jedenfalls nie mehr was gehört. Unser Dank, gilt den Menschen welche unseren Blog lesen, unsere Bilder kommentieren und uns nette Nachrichten schreiben, dies ist die beste und schönste Unterstützung für uns.

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Immer geradeaus… Irgendwo, weit hinter dem Horizont liegt Paraguay und Brasilien.

Von Salta aus machen wir uns also auf dem RN-9 auf  den Weg um Argentinien einmal von West nach Ost zu durchqueren, immer mit dem Ziel Paraguay und Brasilien. Die Einheimischen in Salta haben ständig davon gesprochen das jetzt die Strecke „solo plano“, „just flat“, „nur flach“ ist, Pustekuchen! Klar, im Verhältnis zu den Anden ist das hier Kindergarten, aber die ersten 2 Tage folgt ein Hügel dem anderem und wir machen 800 Höhenmeter am Tag. Fazit: Glaube keinem Einheimischem, erstrecht keinem OHNE Fahrrad!! Naja, am Abend gibt es bei „All-u-can-eat“ vom Grill genügend Kraftfutter und ein gemütlicher Zeltplatz findet sich auch meistens.

Argentinien und Rinder. Das gehört einfach zusammen.

Argentinien und Rinder. Das gehört einfach zusammen.

Wir wechseln vom RN-9 auf dem schmaleren RN-16, dieser führt uns endgültig in die Pampas Argentiniens. Die Strecke ist bolzengerade, an manchen Tagen kommt nicht eine Kurve, wieder ein anderes Extrem. Wir fahren durch Argentiniens Weidenlandschaft, viele LKW’s und Landwirtschaftsmaschinen begegnen uns und so treten wir verträumt Tag ein Tag aus vor uns hin. Die Tage erinnern an einen Herbsttag in Deutschland, ein herbstlicher Wintertag in der argentinischen Pampa. Die Nächte sind empfindlich kalt und am morgen dauert es bist sich die Sonne endgültig durchsetzt.

Die Neugier und Abenteuerlust treibt uns immer weiter. Was kommt als nächstes? Was bietet das kommende Land? Wo übernachten wir heute? Vor unserer Reise hatten wir keine Ahnung was alles zwischen Deutschland und Brasilien liegt, was alles auf uns zukommt. Auch jetzt kommen wir immer wieder ins staunen, neue Überraschungen gibt es auch noch nach 421 Reisetagen genügend. Vermutlich brauchen wir unser restliches Leben um alles zu verarbeiten und um unser Glück zu erfassen.

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Viele verschiedene Vogelarten gibt es in der Pampa. Hier ein Papagei.

Die Gauchos auf ihren Pferden grüßen freundlich und die Dörfer wirken, nicht nur in der traditionellen Siesta, oft ausgestorben. Die Argentinier sind gute Gastgeber, überall dürfen wir unsere Zelte aufschlagen und unser Wasser auffüllen. Uns wird Gürteltier zum Abendessen angeboten, wegen uns müssen allerdings keine exotischen Tiere sterben und wir lehnen dankend ab. Viele bunte, exotische Papageien ziehen mit uns durch die Pampa und zwitschern uns ihr Lied von der Wildnis, wir kommen jetzt schnell voran und uns fehlen nur noch circa 300km bis zur paraguayischen Grenze.

Pampa, Pampa, Pampa. Argentinien live. Lucky Luke der einsame Cowboy ritt mit seinem treuem Pferd Jolly Jumper durch den Wilden Westen Amerikas, wir strampeln mit unseren robusten Rädern durch die Pampas Argentiniens immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und der grenzenlosen Freiheit.

Egal wo wir als Deutsche „entlarvt“ werden, oft werden wir mit deutschen Stereotypen konfrontiert, ist Deutschland wirklich nur: „Autobahn“, „Oktoberfest“, „Hitler“, „Black-Forrest“, „Sauerkraut“ und „Beckenbauer“? Wir nehmen es mit Humor, Argentinien ist ja schliesslich auch nur: „Tango“, „Pampa“, „Maradonna“, „Fleisch“, „Gauchos“, „Messi“ und „Vizeweltmeister“!!!!

Heute übernachten wir übrigens im Ort „Pampa del Infierno“, der Name ist Programm….

Unser Motto für den Endspurt lautet: „Feuer frei!!! Rio wir kommen!!!“

So, den nächsten Bericht gibt es vermutlich schon aus Brasilien. Danke fürs lesen und wir wünschen Euch einen tollen Sommer.

Mit freundlichen Grüßen aus Argentinien,

Julian, Nico und Sandro

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Peru IV – Bolivien – Chile

Bolivien, Chile, Peru
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Markt in Cusco.

Bevor wir Cusco, den „Nabel der Welt“, wie die Inkas ihr Stadt nannten, wieder verlassen schlendern wir ohne konkretes Ziel in der Altstadt umher. Die riesigen Markthallen sind voller Leben, die Gassen historisch und hinter jeder Ecke gibt es etwas spannendes zu entdecken. Wir beobachten die Touristenmassen, welche scheinbar planlos und willenlos einem „Fähnchenträger“ hinterherlaufen, Gott sei Dank sind wir frei und unabhängig. Überall werden tolle Souvenirs angeboten, allerdings überlegt man sich als Radler jedes Gramm an Zusatzgewicht zweimal und widersteht den netten Marktfrauen souverän.

Bevor wir uns zum „Lago de Titicaca“ aufmachen, werden die Räder noch mit, dringend benötigten, neuen Hinterbremsen ausgestattet und die Beine mit einer, sehr schmerzhaften, Massage wieder fit gemacht.

Von Cusco bis an den Titikakasee fahren wir auf einer Hochebene, dem Altiplano, und bewegen uns konstant zwischen 3400 und 4300m, nachts fällt das Thermometer bis weit unter Null und tagsüber holen wir uns einen Sonnenbrand bei gut 30 Grad, die Temperaturunterschiede sind wirklich krass und ein ständiges an- und ausziehen der Kleidung ist die Folge.

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Ruinen von Raqchi auf dem Weg zum Pass „La Raja“.

Auf dem Weg, wir fahren den Highway 3S entlang des Rio Vilcanota, besuchen wir eine der ältesten Kirchen Südamerikas, welche durch ihre beeindruckenden Fresken auch die „Sixtinische Kapelle“ Südamerikas genannt wird, auch die zahlreichen Ruinen kommen neben der einzigartigen Natur nicht zu kurz und werden besichtigt. Wir fahren an riesigen Lama- und Alpakaherden vorbei, heisse Thermalquellen laden zum Entspannen ein, wir beobachten Viehhandel auf den Märkten und werden selber von vielen neugierigen Augen beobachtet oder um ein gemeinsames Erinnerungsfoto gebeten. Die Strecke gleicht einem riesigem antikem Freilichtmuseum, als Radler kommen wir an Orte wo der „normale Tourist“ mit dem Bus gar nicht hält, überall treffen wir auf freundliche und hilfsbereite Menschen und eine herzliche, ehrliche Kultur.

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Harte Feldarbeit mit einfachsten Mitteln.

In den Medien werden viele Länder und Kulturen oft wesentlich schlechter dargestellt als sie in Wirklichkeit sind, mit dieser Reise entgegnen wir diesen Vorurteilen, machen unsere eigene Erfahrung und uns ein eigenes Bild. Wir geben den, vorher eher grauen Ländernamen und unbekannten Orten, einen bunten, lebensfrohen eigenen Anstrich, die meisten Länder sind besser als ihr Ruf. Die einfache Bergbevölkerung arbeitet täglich, mit antiken Geräten, hart auf ihren Feldern und dies ein ganzes Leben bis der Körper nicht mehr mitspielt. Es soll Menschen in Deutschland geben welche sich über unser Gesundheits- und Sozialsystem, die wöchentliche Arbeitsstunden oder die staatlicher Unterstützung beschweren? Hier unvorstellbar!

In Peru sind bald Wahlen, überall im Land werden Hauswände, Straßen, Felsen und andere Flächen mit den Slogans der Parteien bemalt, egal wo du bist, ob in der Pampa oder in der Großstadt, keine Fläche wird ausgelassen und bunt bemalt.

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Fast an jeder freien Fläche ist Wahlwerbung angebracht.

Da die einfachen Unterkünfte in Peru mit 2-4€ p.P./Nacht recht kostengünstig sind, ersetzen diese öfters das Zelten, der ärmeren Landbevölkerung tut der Zusatzverdienst gut und uns nicht weh und so kommen wir in  intensiven Kontakt mit unseren Gastgebern und der peruanischen Kultur. Inzwischen haben wir die peruanischen Delikatessen intensiv getestet vom Lama-Geschnetzelten über Alpaka-Spieße bis hin zu Meerschweinchen haben wir inzwischen einiges an Leckereien auf den Tisch bekommen und haben die leckere peruanische Küche ausgiebig getestet.

Der „Abra la Raya“ ist mit 4335m unser bislang höchster Pass und gleichzeitig die Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik. Die Luft ist dünn und unsere Lungen pfeifen vor sich hin und das Herz arbeitet auf Hochtouren, inzwischen hat sich auch Sandro gut akklimatisiert und wir erreichen auf der gutbefahrbaren 3S den legendären Titikakasee.

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Die Luft wird dünner, wir sind auf 4335 Metern.

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Traumhafter Ausblick über den Titikakasee.

Jedes Kind kennt den höchsten beschiffbaren See der Welt, 13 x größer wie der Bodensee und auf 3808m gelegen, jetzt stehen wir mit unseren Rädern am Ufer, ein Traum geht in Erfüllung. Wir strampeln an der Küste entlang und geniessen den Blick auf den See, im Hintergrund stehen die schneebedeckten Berge der bolivianischen Anden bereit und geben unseren Fotos den letzten Touch. Die letzte Nacht schlafen wir, bei der circa 70jährigen Elba, in ihrem kolonialem Stall(!). Elba ist, laut eigener Aussage, die Enkelin des ehemaligen peruanischen Präsidenten Valentin Paniagua, nach 37 Tagen ein würdiger Abschied aus Peru. Würde jetzt noch Maria und Josef auf einem Esel vorbeireiten, wir würden es auch noch glauben, die Gegend und die einfachen Hütten haben sich die letzten 2016 Jahre wohl nicht arg verändert.

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4 Radler. Wir treffen Walt, er ist uns schon in Kanada mit seinem Rad begegnet ist.

Es geht ruck-zuck und schon haben wir den bolivianischen Stempel im Pass und betreten Land Nr. 20, im Grenzort Copacapana machen wir halt und haben einen gigantischen Sonnenuntergang am See. Dort treffen wir auch den fahrradverrückten Holländer Wolt wieder, Wolt haben wir bereits in Kanada kennengelernt und tauschen uns über Strecke und Erfahrungen aus, die Welt von weltreisenden Radlern ist klein aber fein.

Die bolivianische Seite der Titikakasees gefällt uns definitiv besser wie die peruanische, für ca. 20km fahren wir auf einer Anhöhe, unter uns glitzert der See und dahinter reihen sich die Berge der Gebirgskette „Cordillera Real“ und „Cordillera Munecas“ der Ausblick könnte auf jeder Postkarte sein und das Wetter spielt voll  mit.

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Die „Cordillera Real“, Bergspitzen mit mehr als 6000 Metern.

Die Straßen ziehen sich wie Adern, wie ein Spinnennetz, über unseren Globus, kaum zu glauben, dass wir seit Alaska einem gigantischem Straßennetz folgen, welches uns, bis auf eine Ausnahme zwischen Panama und Kolumbien, bis nach Bolivien geführt hat. Weiter geht es jedenfalls in diesem Netz auf dem Highway 2 bis nach La Paz, wo wir genau 13 Monate nach unserm Start in München Station machen. Zwischen 3600 – 4200m Höhe erstreckt sich die Millionenstadt La Paz, wieder schlendern wir durch die Gassen und beobachten das Leben in den Gassen und auf den Plätzen der Altstadt.

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Wo geht es lang? Schwierig zu verstehen.

72km hinter der Stadt machen wir, auf dem Bolivia1, unsere 23.000km voll und rollen durch die Pampa Boliviens auf der Suche nach dem grösstem Salzsee bzw. der größten Salzwüste der Welt dem „Salar de Uyuni“! Es ist brutal kalt, in der Früh starten wir oft mit Minusgraden und die Zehen und Finger sind taub vor Kälte, der Wind ist eine Wundertüte und wechselt ständig seine Richtung.

Inzwischen lachen uns die Menschen nicht mehr aus , wen wir unser Endziel Rio und damit die Olympischen Spiele 2016 nennen. In den USA, Kanada und weiten Teilen Mittelamerikas ernteten wir nur Kopfschütteln und wurden für verrückt erklärt. Jetzt liegt Brasilen ums Eck, für die Menschen hier ist dies anscheinend normal, das man nach Rio radelt, wir sind dem Ziel also sehr nahe!

Durch die klirrende Kälte liegen wir oft schon um 18Uhr in unseren Schlafsäcken und kriechen erst nach 12 Stunden raus, springen auf die Räder und kämpfen gegen die Kälte an, über 3 Wochen sind wir bereits auf knapp 4000m, viel Sauerstoff sollten wir inzwischen im Blut haben und in tieferen Gebieten müssten wir wie Raketen abgehen. Ist eine aktive Olympiateilnahme doch noch möglich?

Frustrationstoleranz, Selbstbeherrschung und Respekt scheinen in manchen Situationen ein Fremdwort zu sein, ob es an der Höhenluft liegt, an der Kälte oder an der Anstrengung, manchmal liegen die Nerven blank und es kommt zu unkontrollierten Wortgefechten, so machen wir uns den Weg selber schwer. Trotzdem setzen wir unsere Suche nach dem Salzsee unbeirrt fort, es gibt kaum Einkaufsmöglichkeiten und auch die Unterkünfte sind in Bolivien weit verstreut, und primitiv. Das bettelarme Bolivien hat ein massives Wasserproblem, geduscht wir mit eiskaltem Wasser aus dem Brunnen, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Frost ein eisiges Vergnügen. Sandro befürchtet gar seinen ersten Herzinfarkt und das mit jungen 32 Jahren.

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Vicuñas kreuzen die Strasse. Sie tragen das teuerste Fell der Welt.

Auf der Straße liegen unzählige überfahrene Hunde, die Flamingos, Emus, Lamas und Alpakas sind da eine wesentlich erfreulicherer Anblick und stehen Fotomotiv für uns in der kargen Steinlandschaft. Auch Vicuñas kreuzen unseren Weg, diese Tiere sehen aus wie Lamas, stehen unter Naturschutz und aus ihrer Wolle wird der teuerste Textilfaden der Welt gewonnen.  Die farblosen verlassenen öden Dörfer durch welche wir jetzt fahren erinnern an eine in die Jahre gekommen Westernstadt, nur das hier die Häuser aus Lehm oder Salzstein sind und die Menschen dick eingepackt in bunte Tücher sind.

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Julian auf dem „Cementerio de los trenes“, Zugfriedhof, in Uyuni.

Wir verlassen den Bolivia 1 und radeln einsam auf dem Highway 30 weiter und plötzlich liegt er vor uns der größte Salzsee der Welt! Weiss wird die beherrschende Farbe der nächsten Tage sein, Salz das beherrschende Element und Ruhe und Einsamkeit unser Begleiter. Die erste Nacht verbringen wir in einem Salzhotel am Rande des Sees, dort füllen wir unsere Vorräte auf und besuchen den „Cementerio de los trenes“, einen beeindruckenden Friedhof für ausrangierte Lokomotiven.

Die Einheimischen warnen uns vor dem unberechenbaren Wind auf dem „Salar de Uyuni“ und den derben Minusgraden in der Nacht, erst vor 2 Jahren sind 2 Radler in ihrem Zelt erfroren, ein furchtbares Schicksal. Warnung gehört, Warnung verstanden, am nächsten Tag beginnt bei -8 Grad unsere Expedition „Salzsee“!

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Salz soweit das Auge reicht. Nico folgt dem GPS.

Salz so weit das Auge blicken kann, keine Anhaltspunkte in der weissen Wüste, es ist eine faszinierender Ausflug. Wir vertrauen dem GPS, unseren Tachos, unserem Instinkt und nehmen die groben Berge in der Ferne zur Orientierung. Es ist a….kalt, trotzdem verbrennt die Höhensonne unser Gesicht, der Kontrast zwischen weissem Untergrund und blauem Himmel ist umwerfend, es entstehen viele tolle Bilder in dem wir mit der Perspektive spielen.

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Sandro balanciert auf seiner Gabel. Ein Ausgleich zum vielen Radfahren.

Nach circa 75km auf Salz erreichen wir die „Isla Inca Huasi“, dort verbringen wir eine Nacht in einer einfachen Schutzhütte, Sonnenuntergang und sternenklarer und daher äussert kalter Nachthimmel inklusive. Diese Insel ist eigentlich ein Vulkankrater in mitten des Salzsees ist ein unglaublicher Mikrokosmos, gigantische Kakteen wachsen hier in dieser lebensfeindlichen Umgebung auf 3650m, wir staunen nicht schlecht.

Am Tag 2 haben wir anfangs Rückenwind und sind daher schnell auf der anderen Seite des Sees angelangt, danach wir es furchtbar zäh und unangenehm. Hier und da überholen uns dämlich grinsende Touristen in ihren Jeeps samt Fahren und machen Fotos, wir fühlen uns wie Affen im Zoo. Aber immerhin geniessen wir die totale Freiheit und müssen uns nicht an einen Terminplan einer Agentur halten, sondern können nach Lust und Laune tun und machen was auch immer uns gerade in den Sinn kommt, ätsch!!

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Sandsturm auf dem Weg zur chilenischen Grenze. Extremer Gegenwind.

Die Strecke bis an die Grenze zu Chile ist die Hölle. Sandpiste wechselt sich mit Schotterpiste ab, wir rutschen auf den losen Steinen hin und her, der Wind entwickelt sich zum Sturm und peitscht uns Kieselsteine und Staub ins Gesicht, es fühlt sich an wie tausend kleine Nadelstiche im sonnenverbrannten Gesicht. Sandro wird von einer Magen- Darmgrippe geplagt, was unser Unterfangen nicht einfacher macht. Mit 5-8 km/h schleichen wir die 95km bis zur Grenze Chiles, zwischendurch geraten wir in einen üblen Sandsturm und die Kräfte schwinden. Obwohl sich des Wetter und die Straßenverhältnisse gegen uns verschworen haben, setzten wir uns durch und erreichen mit der Dämmerung die chilenische Grenze. Die Zöllner durchsuchen unser Gepäck wie sie Drogendealer vermuten würden, nach dieser Prozedur ist es geschafft und wir fallen in Land 21 fix und fertig in die Federn.

Mit erreichen Chiles haben wir das nördlichste Land Nordamerikas die USA/Alaska und das südlichste Land Südamerikas miteinander verbunden, was für ein gigantisches Projekt, knapp 12 Monate und etwa 21.000 liegen zwischen den beiden Ländern.

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Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Chile. Land Nr. 21.

Leider gibt es am Grenzort Ollagüe keinen Geldautomaten, der nächste ist 200km entfernt und unser Geld ist knapp bzw. aufgebraucht. Wir müssen also in den sauren Apfel beissen, den Ruhetag streichen und die Strecke ohne Pause angehen. Sandro gibt trotz Magenproblemen grünes Licht und will mitziehen. Der Wind bläst ohne Unterlass und die Strecke zeigt sich hügelig, kurvig und voller Schlaglöcher. Nach 25km ist bei Sandro Feierabend, es geht nicht weiter und wir sollen einen Transport organisieren. Kein Problem, Gesundheit geht vor, nur die Strecke ist kaum befahren und es ist ein ruhiger Sonntag. Wir haben denoch Glück im Unglück und Hugo kommt mit seinem Pritschenwagen vorbei, kurzerhand werden die Räder verladen und wir kommen in die  circa 175km entfernte Stadt Calama. Wir haben vollkommen richtig entschieden, die Strecke ist zwar schön, die Vulkane links und rechts des CH-21 stehen in Reih und Glied, aber es gibt keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Unterkünfte und der Wind kommt, wie immer, stark von Vorne. In Calama gibt es Geld und einen Ruhetag, Zeit für uns die Homepage zu aktualisieren und für Sandro sich auszukurieren. Calama gleicht einem Kulturschock, waren wir vor 2 Tagen wirklich noch in der Wüste? Hier gibt es riesige Shoppingmalls und eine Überangebot an Unterkünften, Restaurants und allen erdenklichem Luxus. Auf diesen Schock holen wir erstmal eine italienische Salami und essen deutsches Vollkornbrot, ein Stück Heimat in der Ferne. Die Räder müssen entsalzt werden, die Klamotten stehen vor Dreck und nach 17 Tagen radeln am Stück freut sich der Körper über jede Minute Auszeit und Ruhe.

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Hugo nimmt uns per Anhalter mit. Die Gesundheit geht vor.

Heute haben wir Tag 407 und stehen bei 23726km. 407 Tage sind 9768 Stunden live Kino für unsere Sinne, unser Traum von Olympia kommt unaufhaltsam näher. 2 Monate haben wir noch Zeit um nach Rio zukommen, der Countdown läuft und wir biegen langsam ein auf die „vielleicht längste Zielgerade der Welt“, etwa 4000km to go. Tickets haben wir noch immer keine für die olympischen Veranstaltungen, aber vielleicht kann ja noch jemand Abhilfe schaffen, nur her mit den Kontakten!!!

Wir hoffen bei Euch ist es wärmer als hier und wünschen eine erfolgreiche, friedliche Fussball-EM für unsere Elf in Frankreich. Jetzt wartet die Atacama-Wüste auf uns und die Räder, diese Wüste ist die trockenste und höchstgelegenste Wüste der Welt, neue Abenteuer stehen also bereit für uns und die Räder. Den nächsten Bericht sollte es aus Argentinien geben, mit einem gutem argentinischen Steak im Magen schreibt es sich gleich viel besser, wir freuen uns jedenfalls auf die Gauchos.

Mit sportlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

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Vielen Dank fürs Lesen des Blogs. Grüße aus Chile.