Trailer für unser geplantes Crowdfunding Projekt

Alaska/USA, Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Deutschland, Ecuador, El Salvador, England, Frankreich, Guatemala, Honduras, Island, Kanada, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Portugal, Schottland, Spanien, USA

Servus Miteinander,

die lange Zeit des Wartens hat hiermit ein Ende. Wir präsentieren stolz unseren ersten Trailer zu unserem geplanten Crowdfunding Projekt, mit welchem wir unseren Traum vom Film über unsere Reise zu Olympia 2016 in Rio realisieren wollen.

Wie ihr seht arbeiten wir eifrig an unserem Film-Projekt.

Seid gespannt und viel Spass beim anschauen. Wir haben noch 2000 Kilometer vor uns und freuen uns auf die herbstliche Heimat im Oktober.

Grüße aus Spanien,
Nico und Julian

Die letzte „Fiesta Mexicana“ – karibisches Belize und ein illegaler Aufenthalt

Belize, Guatemala, Mexiko

So, die Feiertage sind überstanden und das komplette Trio ist gut ins Jahr 2016 gerutscht. Nico und Sandro verbrachten den Jahreswechsel im äusserst touristischem und feierwütigem Playa del Carmen, bei Julian im beschaulicherem Tulum ging es vermutlich besonnener ins neue Jahr. In Tulum bekamen wir auch unsere dringend benötigten Ersatzteile, unser Vorrat an Mänteln, Schläuchen und Flickzeug dürfte jedenfalls bis Brasilien reichen, danke Sabrina fürs organisieren und sorry für 15kg Übergepäck. Der Hausstrand von Tulum zählt übrigens, laut National Geographic, zu den Top 25 Stränden der Welt, eignet sich daher hervorragend zum entspannen und baden. Nach 3 Tagen faulenzen am weissem Sandstrand und angenehmen Wassertemperaturen bei karibischen Flair hiess es allerdings Abschied nehmen, die Urlaubstage sind endgültig vorbei, jetzt wird wieder gestrampelt.

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On the road again. Wir treffen zwei Kanadier die mit dem Moped bis Panama unterwegs sind.

Die ersten Tage auf dem Rad sind, dank flacher Landschaft, sehr angenehm und perfekt wieder den gewohnten Takt zu finden. In Bacalar feiern wir die letzte „Fiesta Mexicana“, nach 71 Tagen in Mexico sind wir bereit für neue Länder und auf der Suche nach neuen Wegen ins Herz von Zentralamerika. Da wir in Mexiko den zahlreichen Schlemmerständen am Strassenrand und den billigen Unterkünften selten widerstehen konnten, sind unsere durchschnittlichen Tagesausgaben mit 21.15€ p.P. etwas höher wie in den vorigen Ländern, aber einen gewissen Luxus konnten und wollten wir uns nicht verkneifen, Ersatzteile und der Flug nach Havanna/Kuba sind dort allerdings auch mit eingerechnet.

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Belize. Ab jetzt wird Englisch gesprochen.

Am Grenzübergang zu Belize werden unsere, gerade gekauften, Bananen beanstandet und dürfen nicht eingeführt werden, so stehen 3 deutsche Radler in der Zollstation und mampfen kiloweise Bananen, die Grenzbeamten finden es nur teilweise witzig, lachen aber letztendlich über die 3 Affen auf ihren Bikes.

Belize überrascht uns mit gesalzenen Preisen, nicht nur die Unterkünfte, sondern auch die Lebensmittel sind extrem teuer. Für uns heisst es daher „back to the basics“, Zelt und Gaskocher sind schnell ausgepackt und Nudeln mit Tomatensauce sind auch hier erschwinglich. Mit 11.50€ p.P. sind unser Ausgaben in Belize am Ende wieder auf einem normalem Level angelangt. Nicht nur die gepflegten Vorgärten und die englische Hauptsprache erinnert an die Kolonialzeit unter britischer Krone, nein, auch die Queen lacht weiterhin freundlich von den Dollarscheinen und auch die Landbevölkerung ist „very britisch“ und überaus gastfreundlich.

Am zweiten Tag schlagen wir unsere Zelte im Yachthafen von Belize City auf, jetzt geht alles Schlag auf Schlag. Spontan werden wir von Robert und seiner Bootscrew

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Robert (orange) und seine Crew.

eingeladen, einen Tagestrip auf die „Rendezvous“-Insel mitzumachen. Am nächsten Tag geht es also raus auf die Miniinsel, welche im zweit grösstem Riff der Welt liegt, nur das Great-Barrier-Riff in Australien ist größer. Wir schnorcheln, haben ein dickes BBQ und jede Menge Spass und müssen dafür keinen Cent berappen. Die traumhafte Insel misst gerade mal circa 120m x 30m, ist aber auch beliebtes Ausflugsziel bei zahlreichen Kreuzfahrtanbietern, so kommt am Nachmittag die AIDA-Crew mit circa 120 deutschen Touristen vorbei. Wir müssen unsere Trio-for-Rio Geschichte gefühlte tausendmal erzählen und haben danach viele neue Pauschaltouristenfreunde gewonnen und einen perfekten karibischen Tag erleben dürfen.

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Schnorchelausflug! Einen Tag relaxen.

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Belize-Outback. Wir fühlen uns wie im Herzen Australiens.

Der Coastal-Highway ist eine 60km lange Schottenpiste und wir fühlen uns wie im australischen Outback, rote Erde, saftige grüne Natur und blauer Himmel, ein toller Kontrast. Wir und unsere Räder werden kräftig geschüttelt, Härtetest für Mensch und Equipment. Wir kommen an zahlreichen Flüssen vorbei, bei extrem schwülen Temperaturen macht jeder Sprung ins kalte Nass doppelt Spass und auch unsere Zeltplätze sind nah am Wasser gewählt, atemberaubende Glühwürmchenpartys inklusive. Vorbei an riesigen Bananenplantagen fahren wir auf die Halbinsel Placencia Lagoon und dort kommen wir aus dem staunen kaum raus. Traumhafte Strände, Zeltplätze

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Zelten im Yachthafen von Old Belize.

direkt am Meer, karibische Leichtigkeit und tolle Menschen überall, Belize ist top. Nur die zahlreichen Sandflöhe und das oft wechselnde Wetter in der Karibik kratzen etwas am Paradies. Aber wäre alles perfekt nicht auch langweilig? Gibts das überhaupt? Ob die Halbinsel ihren Charme behalten kann ist ohnehin fraglich, zahlreiche Bauprojekte sind gerade dabei, das Tropenparadies zu asphaltieren und damit wird der Reiz und die Schönheit, der kleinen Lagunenoase, nachhaltig zerstört.

Dank der vielen Kiefern, der endlos langen Strasse und den Bergen im Hintergrund fühlen wir uns an unserm letzten Tag in Belize etwas an Alaska bzw. Kanada erinnert. Da wir nicht über den Wasserweg ausreisen wollen, entscheiden wir uns für den eher komplizierteren Landweg. Zwar kann uns keiner sagen, ob der kleine Grenzübergang zwischen Belize und Guatemala besetzt ist oder nicht, trotzdem wollen wir es versuchen. Anfangs ist die Strasse in einem einwandfreien Zustand, erst kurz vor der Grenze wird die Strasse enger, hügeliger und endet schliesslich in einem Trampelpfad. Einige Soldaten schauen uns etwas verdutzt an, halten uns jedoch nicht auf, so tragen und schieben wir unserer Räder über Matschfelder und schmale Wege bis wir schliesslich

Grenzübergang Belize-Guatemala

Grenzübergang zwischen Belize und Guatemala.

vor einem kleinem Stacheldrahtzaun stehen. Auch der Zaun ist letztlich schnell überwunden, herzlich willkommen in Guatemala. Unser Problem ist nur wir haben kein Ausreisestempel aus Belize und keinen Einreisestempel für Guatemala, illegale Einwanderer in einem zentralamerikanischen Land, mit diesem Status hätte vor dieser Reise auch keiner von uns gerechnet. Am nächsten Tag knacken wir in Guatemala, auf dem Highway CA13, die 15.000km und suchen artig ein Polizeirevier auf um unseren Status abzuändern. Aber auch hier kann uns keiner einen Stempel in den Pass drücken oder weiterhelfen, wir müssen also auf einen gnädigen Beamten bei der Ausreise nach El Salvador hoffen. Als am Abend auch noch die Geldautomaten streiken, fühlen wir uns wirklich wie illegale, mittellose Flüchtlinge in einem fremden Land.

Ansonsten ist auch in Guatemala der Himmel da wo er sein sollte. Schwerkraft gibt es auch. Wasser ist nass. Hunde jagen uns nach. Menschen atmen. Menschen lieben. Menschen essen und trinken. Menschen schlafen. Menschen glauben. Menschen zeigen Gefühle. Menschen arbeiten. Menschen spielen und Menschen müssen aufs Klo oder hintern Busch. Die elementaren Dinge scheinen weltweit gleich zu sein. Stubenfliegen wurden übrigens auch schon gesichtet, gibts die wirklich weltweit?

Bedanken wollen wir uns noch bei unserem Sponsor Goalzero, zu Weihnachten gab es neue Musikboxen samt Zubehör, dank Euch geht es jetzt wieder mit Musik auf den Ohren Richtung Rio de Janeiro. Olympia wir kommen.

Es bleibt sportlich und  spannend.

Viele Grüße die 3 illegalen aus Guatemala,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.

Mexiko No. 4 – „Feliz Navidad“ und „Viva la Revolution“

Mexiko
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Der Horizont ist in Sicht, keine Berge voraus.

Wir verlassen die Maya- Stadt Palenque am 1. Adventssonntag und es wird schlagartig flach. Kein Hügel, kein Berg einfach eben und eine Sicht bis zum Horizont, beinahe könnte man schon von einem öden, langweiligen Streckenabschnitt sprechen, aber keiner von uns wünscht sich die Berge und die damit verbundenen Qualen zurück. Ausserdem sind die Sümpfe am Rande des Highways 199 bzw. 186, voller Leben, Krokodile, Echsen, Schildkröten, Schlangen und Spinnen sind unsere treuen Begleiter in den letzten Wochen gewesen. Nach dem Bundesstaat Chipas, geht es kurz durch Tabasco, Namensgeber der gleichnamigen würzigen Sauce, mit dem Bundesland Campeche erreichen wir schliesslich die mexikanische Ostküste und haben damit Mexiko einmal durchquert.

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Tiere egal wo man hinschaut, auch in den Bäumen wo man Echsen nicht unbedingt erwartet.

Unser Kalorienverbrauch ist dermassen in die Höhe getrieben, bei unseren „Fressorgien“ würde selbst Buds Spencer zusammenbrechen. Schätzungsweise 7000 Kalorien müssen wir jeden Tag auffangen, da muss schon einiges auf den Tisch.

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Egal ob Morgens, Mittags oder Abends. Hühnchen können wir immer essen.

Die Mexikaner haben unglaublich viele kleine Garküchen und BBQ-Stände, Leckereien finden sich daher von ganz alleine. Gerade in der Weihnachtszeit darf es gerne auch mal ein bisschen mehr sein, aus Tradition sozusagen. Allerdings sollten vielleicht die Herrschaften vom Gesundheitsamt oder vom TÜV aus hygienetechnischen bzw. sicherheitstechnischen Gründen lieber einen Bogen um Mexiko und Südamerika machen, ansonsten drohen schwere psychische Störungen.

Die Gegenden um Palenque, Campeche, Cancun etc. sind auch Touristenhochburgen immer wieder begegnen uns Tonnen von Pauschaltouristen eingepfercht in Minibusse, welche einem Tourguide hörig sind und diesem widerstandslos auf Schritt und Tritt hinterher watscheln wie die Kücken der Mutterhenne. Daheim gegen Massentierhaltung demonstrieren und sich im eigenem Urlaub bevormunden und einsperren lassen, versteh einer die Welt. Wir haben schon überlegt ob wir Amnesty International einschalten sollen oder ob wir selbst eingreifen sollen, aber uns wurde zugesichert, alle Reisenden werden aus eigenem Willen eingesperrt und regelmässig für Foto – und Pinkelpausen rausgelassen.

Jedenfalls sind uns da unsere Räder, die tollen Mittagspausen in den Hängematten, die oft einfachen aber zweckmässigen Unterkünfte und die selbstbestimmte Reisegeschwindigkeit wesentlich lieber. Jeder hat eben eine eigene Vorstellung von Freiheit und vom reisen in fremde Kulturen.

In der Altstadt von Campeche fühlen wir uns wie in einer Filmkulisse, alles hinter der dicken Altstadtmauer ist schön bunt, wunderbar restauriert und einen Abstecher wert.

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Campeche, eine sehr bunte historische Stadt.

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Altstadt von Campeche.

Sandro hat in unserer beliebten Plattfussstatistik inzwischen mit 13 Platten die Führung übernommen und damit die Herbstmeisterschaft für sich entschieden. Julian (12) und Nico (10) sind mit Silber und Bronze trotzdem sehr zufrieden. Auch in der Mantelstatistik führt Sandro mit 3 gewechselten Mänteln vor Nico (2) und Julian (1), Sylvester bekommen wir Besuch aus der Heimat, genügend Ersatzschläuche, Mäntel und weiteres Equipment sind also bereits unterwegs.

Manchmal fühlen wir uns auf unseren Bikes wie Seemänner, was beim Seemann die handbreit Wasser unterm Kiel ist, ist bei uns die handbreit Luft unter der Felge. Reifenwechseln, Schläuche flicken und pumpen gehört definitiv nicht zu unseren Lieblingsaufgaben.

Der eher öde 180er Highway bringt uns also Stück für Stück näher nach Cancun und damit zu unserem ersehnten Weihnachtsurlaub auf Kuba, oder geht am Ende doch keine Fähre? Die zahlreichen Gerüche entlang der Strasse stärken unsere Motivation nicht unbedingt. Müll, faulige Sumpfgebiete, Essensreste, tote Tiere, Abgase, Industrieanlagen, unser Geruchssinn muss einiges ertragen.

Manchmal knallen wir mit unseren Charakteren kräftig aneinander. Unsere unterschiedlichen Vorlieben, Eitelkeiten, Vorstellungen, Wünsche, Ideen, Meinungen, Auffassungen, Ziele und Träume sind oft nicht einfach unter einen Hut zubringen. Aber in der Regel wird immer eine, für jeden erträgliche, Lösung gefunden und auch der grösste Knall verhallt recht schnell wieder.

Im Gegensatz zu Europa, Kanada und den USA zelten wir im Mexiko eher selten, die einfachen Unterkünfte sind mit circa 4-5€ p.P., fliessend Wasser und weichen Matratzen einfach zu verlockend. Ausserdem kommen wir dem Äquator immer näher, die Dämmerung setzt oft schon gegen 17Uhr ein, die Suche nach einem geeignetem Nachtlager müssten wir demnach schon um 16Uhr beginnen und so nutzen wir das restliche Tageslicht lieber zum radeln.

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Gegen 17.30 Uhr wird es dunkel.

Die berühmte Pyramide und Ruinen von Chichen Itza lassen wir aus Kostengründen aus, es gibt ja schliesslich, die oben genannten, Pauschaltouristen, sollen die den Wuchereintrittspreis zahlen und damit die mexikanische Staatskasse klingeln lassen.

Am Tag 225 und nach 14127 Kilometern erreichen wir schliesslich die Küstenstadt Cancun. Jetzt haben wir die 2 entferntesten Städte Mexikos, Tijuana und Cancun, miteinander verbunden. 4602 Kilometer liegen dazwischen, mehr Mexiko geht nicht.

In Cancun machen wir uns, bei strömenden Regen, auf die Suche nach einem Boot nach Kuba. Mythos oder nicht? Gibt es ein Boot oder eine Fähre auf die Insel? Tausende Menschen befragen wir, zig Agenturen werden aufgesucht, nochmals wir gegoogelt, mehrere Häfen werden genauestens ausgefragt. Die Ernüchterung trifft uns hart. Nein, es gibt definitiv kein Boot, keine Fähre von Cancun bzw. vom mexikanischen Festland nach Kuba. Alles Gerüchte, alles Mythos, da gibts nichts zu machen. Aus der Traum vom kubanischen Weihnachtsurlaub?

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Kuba wir kommen, doch leider gibt es kein Boot.

Aber ein „TrioforRio“ gibt nicht so schnell auf, wir müssen umorganisieren. Wir wollen unseren Traum realisieren und steigen aufs Flugzeug um, aus Kostengründen müssen die Fahrräder allerdings in Mexiko bleiben und der Flug sprengt beinahe unser Budget, aber nach weiteren Stunden in Agenturen haben wir 3 Flugtickets in der Hand, das Visa gibts am Flughafen. Die Räder können in der Ticketagentur sicher abgestellt werden und in 16 Tagen geht es ausgeruht weiter Richtung Belize und Guatemala.

Wir verabschieden uns also in den, wie wir finden, wohlverdienten Weihnachtsurlaub und sind am 28.12 zurück in Cancun. Da Kuba eine äusserst schlechte Internetverbindung haben soll, wünschen wir hiermit bereits „Frohe Weihnachten“, „Feliz Navidad“ und „Merry Christmas“.

Euer Trio for Rio.

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Wir wünschen „Frohe Weihnachten“, „Feliz Navidad“ und „Merry Christmas“.

Weitere Bilder unter Galerie.

Mexiko No. 3 – Gringos, „muchas montañas“, 24h Kino & der Traum von Kuba

Mexiko
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Egal wo man hinschaut, Acapulco ist umzingelt von Bergen.

Acapulco möchte uns nicht gehen lassen und stellt uns neben enormen Stadtverkehr auch einige Berge als Hindernis auf. Da die Stadt eingekesselt von schützenden Hügeln liegt, sind die ersten 20 Km eine echte Herausforderung, welche uns letztendlich aber auch nicht stoppen kann. Der altbekannte Highway Mexico 200 treibt uns weiter in den Süden, nebenbei machen wir die 12.000 Kilometer voll. Die Strasse ist eng und dicht befahren, wir versuchen die Abenddämmerung und die Dunkelheit im Allgemeinen eher zu meiden, einige Male missglückt dies und wir fahren die letzten Kilometer mit erhöhter Aufmerksamkeit und gesteigertem Puls.

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Pause am Strand, wir ahnen noch nicht was auf uns zukommt…!

Wir strampeln durch saftig grüne Landschaft, vorbei an Feldern auf welchen Mangos, Bananen, Papayas, Mandarinen und andere exotische Früchte wachsen. Gerade in den kleinen Ortschaften werden wir sehr freudig begrüsst, Kinder kommen angerannt, begrüßen uns mit „Gringo oleole“ (Gringo = Fremder/Ausländer) bestaunen unsere Bikes oder schnorren sich ein paar Pesos. Das Leben spielt sich draussen ab, der Metzger schlachtet auf der Strasse, gekocht wir auf offenen Feuerstellen, Wäsche wird im Fluss gewaschen, Frauen balancieren Essen oder Einkäufe auf dem Kopf, es ist ein „24-Stunden-Film“ in welchem wir uns live befinden und wir nie genau wissen was als nächstes passiert.

Ab Cuajinicuilapa ist der Highway 200 ein einziges Auf und Ab, wir steigen und fallen, fahren Flusstäler hinunter und geniessen tolle Ausblicke von zahlreichen Gipfeln. Viele Autofahrer scheinen ihren Führerschein in der Lotterie gewonnen zu haben, zahlreiche Kreuze am Strassenrand sind stumme Zeugen von Übermut, fehlender Sicherheit, totaler Überladung, Einfluss von Alkohol oder einfach menschlichem Versagen.

In Puerto Escondido haben wir die wärmste Nacht, auch nach Mitternacht fällt die Temperatur nicht unter 30 Grad und die Schwüle raubt uns den dringend benötigten Schlaf, bei Nico und Sandro kommen noch Magenprobleme hinzu, es ist die Hölle.

Mexiko ist Taco-Land, überall gibt es die kleinen gefüllten Teigtaschen, inzwischen ist allerdings das Brathühnchen zur unserer Leibspeise geworden. Wo der Deutsche morgens um halb zehn sein Knoppers isst, geniessen wir, ob morgens, mittags oder abends Hühnchen, eindeutig gewinnt hier der Mexikaner.

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Überreste eines der vielen toten Tiere am Straßenrand.

Traurig sind wir über die vielen toten Tiere im Strassengraben, gerade an toten Hunden fahren wir extrem oft vorbei. Unsere komplette Reise sind wir mit überfahrenen Tieren konfrontiert, ob Hase, Bär, Schlange, Kuh, Esel, Katze, Dachs, Echsen oder eben Hunde, inzwischen ist unsere Liste verschiedenster Tierarten lang und traurig. Schon hunderte Meter vorher kommt der üble Verwesungsgeruch an und es kostet Überwindung die zerfetzten Kadaver zu passieren.

Die Mexikaner sind echte Umweltschweinchen, der viele Müll im Strassengraben lockt wiederum Strassenhunde an, welche uns hinterher jagen um ihr Revier zu verteidigen. Bislang gingen solche Begegnungen immer gut aus und wir sind froh über unsere zuverlässigen Tx-1000 Räder. welche in solchen Situationen nie gestreikt haben.

Die Ortschaften sind jetzt weiter auseinander und so fahren wir in 10 Tagen weit über 1000 Kilometer, obwohl das Streckenprofil eher kürzere Tage einfordert. In Salina

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Wilde Mexikaner….Parade in Salina Cruz.

Cruz haben wir endlich den ersehnten kurzen Tag, legen die Füsse hoch, bestaunen eine Schulparade welche an Fasching erinnert und geniessen das Leben in dem kleinem  Küstenstädten. Mit Salina Cruz verlassen wir den 200er und fahren erst auf dem 185er, später auf dem 190er weiter. Wir kommen durch einen riesigen Windradpark, dementsprechend windig werden uns die Tage hinter Salina Cruz in Erinnerung bleiben.

Die Grenze zu Guatemala ist nah, nur noch knapp 300Km trennen uns, aber wir treffen eine Entscheidung. Obwohl wir keinerlei konkrete Hinweise auf eine Fährverbindung zwischen Mexiko und Kuba haben, entscheiden wir uns für den

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Gibt es eine Fähre nach Kuba oder nicht… es bleibt die Ungewissheit!

knapp 1200 Kilometer Umweg. Die Mexikaner machen uns wenig Hoffnung, die Aussagen sind sehr widersprüchlich und ändern sich scheinbar von Tag zu Tag und von Region zu Region, allerdings ist die mehrheitliche Meinung ein eindeutiges „Nein!“. Die Hafenbehörde, welche wir kontaktiert haben, gaben ebenfalls ein negatives Feedback. Auch im Internet oder andere Informationsquellen geben nichts klares über eine mögliche Fährverbindung zwischen den beiden Staaten her. Von der Westküste wollen wir also Mexiko komplett durchqueren um an der Ostküste unser Glück zu versuchen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, notfalls rudern wir rüber….Viva la Revolution!!!

Die Entscheidung „pro Kuba“ ist auch eine Entscheidung für die Berge, wir steigen an manchen Tagen über 2300 Höhenmeter, es ist eine extreme physische und psychische Herausforderung, der Highway 190 schlängelt sich gemütlich die Berge rauf und wir verzweifeln, mit 5-7 kmh, an den endlosen Serpentinen. In den Bergregionen lebt eine andere Schlag Menschen, wir werden skeptisch beobachtet und die Menschen sind wesentlich verschlossener als an den Küsten. Der Nebel, der dichte Wald und die wenigen Siedlungen gibt dem ganzen Unterfangen eine mystische Note.

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Dichter Nebel hängt in den Bergen. Erst auf 2400 Metern reisst der Himmel auf.

Nach zahllosen Stunden am Berg sind wir über den Wolken und finden in San Cristobal eine tolles, verwinkeltes, freundliches, buntes und historisches Bergstädtchen, perfekt für einen Ruhetag. Geprägt von zahlreichen Kirchen, kleinen

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Traditionelles Leben in San Cristobal.

Häuschen, schmalen Gassen liegt San Cristobal eingebetet von (noch höheren) Bergen auf 2150m und könnte auch ein italienisches oder spanisches Bergdorf sein. Die Menschen hier in den Hochebenen sind scheinbar noch gläubiger wie im restlichen Mexiko, allgemein werden wir oft in Gebete aufgenommen oder es wird uns ein gesegneter Weg gewünscht, ein gutes Gefühl.

In den Bergen machen wir, am 212 Tag, unsere 13.000 Km voll, also noch gut 1000 Km bis uns Fidel Castro in Kuba mit Zigarre und Rum begrüssen darf.

Nach San Cristobal erreichen wir nach kurzem, aber knackigem Anstieg mit 2400m den ersehnten Pass. Gezäumt von Tannen, grossen Weiden und vielen Bergen könnte die Strasse auch die Schwarzwaldhochstrasse sein, der Nieselregen, die tiefen Wolken und die kühlen Temperaturen zeigen uns jedenfalls ein, bislang, unbekanntes Mexiko.

Die restliche Strecke bis Palenque (aktueller Standort) auf dem Highway 199 auch „Maya-Route“ genannt, ist ein Traum, wir haben viele längere Abfahrten und fallen auf

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Palenque, die Heimat der Mayas.

knapp 100 Höhenmeter. Die Tannen weichen schon bald einem endlosem Regenwald und wir sind schlicht beeindruckt von der puren Schönheit der Natur. Wasserfälle, Schluchten, Täler, exotische Tiere und eine endlose grüne Landschaft bleiben uns lange in Erinnerung. Dank der vielen Bremshügel hier „Topes“ genannt, müssen wir alle paar hundert Meter abbremsen, daher ist bei jeder Abfahrt höchste Konzentration gefragt. Dir Bremshügel ersetzten Ampeln, Zebrastreifen und Schilder, sind äusserst effektiv und es gibt tausende von diesen circa. 20 cm hohen, nervigen Hügelchen.

In Palenque feiern wir unser „7-monatige Reise“ und begutachten an einem weiteren Ruhetag die weltberühmten Maya Ruinen. Die Mayas waren Baumeister und Künstler zugleich, sehr beeindruckend was diese tolle Kultur vor knapp 1300 Jahren hier, im mexikanischen Regenwald, erbaut hat. Natürlich ist auch der  Pauschaltourist nicht weit, über genügend Besucher kann sich die Region zumindest nicht beschweren, der Massentourismus ist angekommen und schockt uns einwenig.

Unsere Räder  beweisen sich als absolut bergtauglich und meistern jede Herausforderung mit Bravur, danke an die Fahrradmanufaktur welche uns mit den Tx-1000 Rädern toll unterstützt. Unser Merinowäsche von Kaipara können wir nur jedem Reisendem empfehlen, egal bei welchem Wetter, egal welche Klimazone, wir fühlen in den bequemen, stylischen, und funktionellen Klamotten pudelwohl. Dank unserem Partner GoalZero geht unseren Batterien und anderen Gerätschaften, selbst am Berg, nie die Energie aus, mit den Solarpanels sind wir unabhängig und können die Natur noch intensiver geniessen.

Wir wünschen eine schöne, besinnliche Advents- und Weihnachtszeit. Auch die Mexikaner bereiten sich auf Weihnachten vor, für uns fühlt sich das allerdings, bei tropischen Temperaturen und Palmen, seltsam an.

Sonnige Grüße,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder gibt es in unserer Galerie.

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Mexikanischer Weihnachtsbaum.

Mexico No. 2 – Vulkane, Sandstürme und waghalsige Männer

Mexiko
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Agave, die Pflanze aus welcher Tequila hergestellt wird.

In den letzten 16 Tagen war ganz schön was los bei uns, aber der Reihe nach. Nach unserem letzten Update in Tepic schnauften wir weiter die Berge rauf Richtung Guadalajara, immerhin legte sich mit der gewonnenen Höhe die Schwüle und speziell die Nächte wurden wieder erträglicher. Auf unserem Weg in die zweitgrösste Stadt Mexicos, Guadalajara (circa 1,5 Mio. Einwohner), passierten wir das berühmte Örtchen Tequila. In Tequila gehört es natürlich zum Pflichtprogramm die gleichnamige Spirituose in deren Heimat zu verkosten, am selben Abend wurden die Dorfstrassen zu kleinen Flüssen, es schüttet überraschend wie aus Eimern.

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In Tequila verwandelt sich die Straße in einen Fluss.

Kurz vor Guadalajara werden wir nochmals auf Bergtauglichkeit geprüft, die zahlreichen Hügel nehmen einfach kein Ende. Daniel, ein Freund von Nico aus dem

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Dani aus der schwäbischen Heimat beherbergt uns in Guadalajara.

schwäbischen, am Neckar gelegenen, Obernau wohnt im bunten, belebten und feierwütigen Guadalajara und nimmt uns für 4 Tage in seiner Studenten-WG auf. Genug Zeit um Nicos 27ten Geburtstag ausgiebig im Nachtleben zu feiern und um die kulinarischen Spezialitäten und die zahlreichen kulturellen Sehenswürdigkeiten dieser Stadt ausgiebig zu erkunden.

Der Highway 80 bringt uns aus der City raus, die Schlaglöcher und die Dichte an verrückten Autofahrern, insbesondere Busfahrern, war in Guadalajara besonders hoch, an einer Kreuzung kurz vor den Stadttoren machen wir an Tag 191 unsere 11.000km voll. Der Hwy. 54D treibt uns immer weiter zur Küste, wir geraten in einen Sandsturm und sehen danach aus wie die Sandmänner persönlich. Der nächste Tag hält mit dem aktiven Vulkan „de Fuego“ die nächste Überraschung für uns parat und wir bestaunen bei wolkenlosen Himmel das Naturspektakel.

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Vulkan „de Fuego“ (3850m) begrüßt uns mit viel Asche und Rauch!

Nach wenigen Tagen erreichen wir mit der Kleinstadt Tecoman und dem Highway 200 das Ufer des Pazifiks. Die Schwüle ist zurück, jede Dampfgrotte wäre dankbar über soviel Luftfeuchtigkeit, unser Flüssigkeitsbedarf dürfte so bei 8-10 Litern am Tag p.P liegen. Der Highway 200 ist sehr eng und so schiessen die LKWs und Autos eng an uns vorbei, zusätzlich steigt die Uferstrasse auf und ab, an manchen Tagen haben wir zu unseren, durchschnittlichen, 90 Tageskilometern nochmals 1700 Höhenmeter.

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Romantisch? Brennender Müll am Straßenrand.

Erschrocken sind wir über den vielen Müll, welcher am Strassenrand entsorgt und verbrannt wird. Gut, wir produzieren, wie jeder Andere auch, täglich Müll und wo unser Abfall letztendlich landet nachdem wir ihn in einer Mülltonne entsorgt haben, wissen wir auch nicht. Vermutlich lässt uns der Kontrast zwischen der einmaligen, tropischen Natur, dem herrlichem, einladendem Meer und den stinkenden, riesigen Müllbergen über unser eigenen Umgang mit Abfall in unserer Konsumgesellschaft nachdenken.

Das Kontrastprogramm bekommen wir schon am nächsten Tag geboten, der kleine Ort Colola ist Schauplatz der grössten Schildkrötenpopulation der Welt. Zufällig sind wir zur rechten Zeit am rechten Ort und so begeben wir uns in der Nacht mit angehenden Meeresbiologen an den Strand. Es sind hunderte Schildkröten, die

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„Negra“ Schildkröten bringen ihre Eier an den Strand.

vermessen, gewogen und markiert werden, wir sammeln Eier ein, zum Schutz vor Raubtieren etc., und dürfen die frisch geschlüpften Babys begutachten. Hier spiegelt sich die Magie der Natur und einer solchen Reise eindrucksvoll wieder.

Je näher wir nach Acapulco kommen umso präsenter ist die Polizei und das Militär, die Jungs treten in Hundertschaften auf und sind bis an die Zähne bewaffnet. In uns weckt das zweierlei Gefühle, einerseits fühlen wir uns recht sicher, andererseits machen die Truppen das auch nicht zum Spass. Letztendlich sind die Männer aber auch nur Menschen und  naturgemäss sehr neugierig, wie übrigens alle Mexikaner, so werden wir regelmässig ausgefragt und bekommen bewundernde Blicke und bei den Kontrollen werden wir mit einem gönnerhaften Kopfnicken durch gewunken. Inzwischen sind wir mehrere tausend Kilometer verbotenerweise auf der Autobahn gefahren, bislang hat das aber noch keinen Ordnungshüter gross interessiert. Die Autobahnen sind wesentlich besser ausgebaut und verfügen über einen breiten Seitenstreifen und werden daher von uns bevorzugt.

Gerade die ärmeren Menschen scheinen das größte Herz zu haben, wieder wurden wir zu kostenlosen Übernachtungen eingeladen, zum Eis oder auf eine kühles Getränk. Uns ist klar, dass diese Reise ein Privileg ist, von dem die meisten Menschen hier nur träumen können. Dafür sind wir sehr dankbar, manchmal müssen wir allerdings selbst aufpassen dieses Privileg auch zu schätzen und nicht als selbstverständlich hinzunehmen.

Unsere Hängematten, wohl der größte Luxus in unserm Equipment, versüssen uns

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Übernachtung in den Hängematten am Strand.

jetzt immer öfter die Mittagspause, ein geeigneter Platz am Meer und die benötigten Palmen sind i.d.R. recht schnell gefunden, auch schon über Nacht haben wir darin königlich geschlummert.

Heute am Tag 200 unserer Reise sind wir in Acapulco angekommen. 200 Tage, 200 Nächte, 200 Abenteuer, 200 mal pures Leben, Wahnsinn! Manchmal fühlt sich das alles unecht an, vielleicht wird es irgendwann, mit etwas Abstand greifbarer. In den letzten 200 Tagen haben wir also 11896 Kilometer auf unseren Bikes zurückgelegt, das entspricht 3,5 x die komplette Tour de France 2015 (Quelle Wikipedia / 3360KM gesamt), gut die Jungs fahren das in 21 Tagen, dafür ohne Gepäck und mit erstklassigem Serviceteam, welches sich um die Malzeiten, die Fahrräder und die Massagen kümmert. Neidisch sind wir allerdings nicht, den geniessen können wir unsere „Tour de Rio“ mit Sicherheit mehr.

11896 Kilometer in 200 Tagen entspricht einem Durchschnitt von 59.48 Kilometern am Tag, inklusive Ruhetage. Nach Abzug unserer 54 Ruhetage fahren wir im Schnitt 82.61 Kilometer an einem Radeltag, das ist mehr als im Vorfeld der Reise hochgerechnet.

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Markt in Acapulco. Die VW-Käfer dienen als Taxen.

Die weltberühmten Klippenspringer von Acapulco sind eine einmalige Show, es gehört unheimlich viel Mut zu diesem Sport, Hut ab. In Acapulco selber stechen die zahlreichen VW-Käfer heraus, wir fühlen uns wie Zeitversetzt in die 60ziger. Auch das bunte Treiben auf den engen Märkten ist beeindruckend, die Gerüche und Geräusche muss man allerdings selber erlebt haben. Das liebevoll-chaotische ist uns inzwischen sehr ans Herz gewachsen und lässt sich eben kaum in Worte fassen, irgendwie geht immer und  auf unsere „heiligen“ Standards aus der Heimat kann man auch schonmal verzichten. Reduzieren auf das Wesentliche ist angesagt und dies fällt uns leicht, nicht nur hier in Mexiko sondern schon von Beginn der Reise an.

Die nächsten Tage bringt uns der Highway 200 weiter in den Süden, kurz vor Guatemala fahren wir scharf links und hoffen das uns circa 2000 Kilometer östlich in Cancun (noch immer Mexiko) eine Fähre nach Kuba mitnimmt.

Vielen Dank Euch für Eure Unterstützung die Vielen „Likes“ bei Facebook und das eifrige Teilen unserer Berichte.

Mit freundlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

VIVA MEXICO – Sonne, Tacos, Kakteen und Montezumas-Rache

Mexiko

Nach 166 Tagen haben wir mit Mexiko Land Nr. 8 auf unserer Reise betreten. Den Grenzübergang in Tijuana überquerten wir problemlos und schon nach wenigen Metern finden wir uns in einem der zahlreichen Tacos Restaurant wieder, wo wir eine erste Vorstellung dieser tollen, würzigen-scharfen Küche bekommen. Mexico bzw.

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Gil lädt uns zu sich nach Hause ein.

Tijuana empfängt uns sehr hügelig, dafür ist die Begeisterung der Mexikaner, welchen wir begegnen sehr groß und schon in der ersten Nacht werden werden wir von Gil in sein Haus am Strand eingeladen. Einen besseren Start hätten wir in Mexiko, bzw. auf der Baja California, welche übrigens eine Halbinsel ist und von der Länge mit circa 1400km locker mit Italien mithalten kann, nicht haben können.

Der Highway Mex. 1 bringt uns Stück für Stück die „Baja“ runter, die Sonne steht hoch am Himmel, die Fliegen und Schnaken jagen uns, Schatten und Wind machen sich rar, daher muss der Körper auf Hochtouren arbeiten. In Punta Colonel dürfen wir im Hinterhof der Polizeiwache unser Zelt aufschlagen, allgemein sind die Mexikaner sehr hilfsbereit. Gewalt? Abzocke? Absolute Fehlanzeige.

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Campen im Hinterhof einer Polizeiwache.

Ein gebrochenes Pedal an Julians Fahrrad wird sofort vor Ort fachmännisch und kostengünstig repariert und die Fahrt kann ohne größere Verzögerung fortgesetzt werden. Allgemein scheinen die Mexikaner die Meister im improvisieren und organisieren zu sein, frei nach dem Motto „ Geht nicht – gibts nicht!“.

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Baja California – die Heimat hunderter Kakteenarten.

Die Landschaft wir immer karger, riesige Felslandschaften, kleinere Kakteen und kilometerweit kein Dorf und daher auch wenige Wasserstellen, machen es uns manchmal recht schwer. Das genaue Gegenteil finden wir in den Dörfern, hier zeigt sich Mexiko bunt und quirlig, das Leben spielt sich auf der Strasse ab. Kinder flitzen durch die Gassen, kleine Essenswägen werden über das Kopfsteinpflaster geschoben, Marktfrauen bieten ihre Ware an, tausend Gerüche schießen einem in die Nase, die Hütten sind bunt und fantasievoll bemalt und die Menschen sind sehr Neugierig. Das Ganze erinnert an die Wimmelbücher von Ali Mitgutsch, was zu entdecken gibt es quasi immer und so beobachten wir gerne das Treiben und fühlen uns wie im Kino.

Irgendwann kommen wir in saftigere Gebiete und fahren durch herrliche Kakteenwälder, diese Kakteen messen locker 5-6m, jeder der sich einen mexikanischen Garten anlegen möchte, findet hier die perfekte Inspiration.

Zwischendurch schlägt „Montezumas-Rache“ zu und wir sitzen reihenweise mit Durchfall auf der Schüssel. Julian erwischt es dabei am härtesten und ist ganze 4-5 Tage außer Gefecht, Cola, Bananen und viel Ruhe bringen auch Ihn wieder „on the road“! Das kleine Hostel „Casa Loreto“ in Loreto war die optimale Ruheoase, der Besitzer Abel führt dieses Haus mit viel Herz und Liebe fürs Detail.

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Hängematten Trio.

Am Ende der „Baja“ gönnen wir uns einen kleinen Ausflug in den Süden, da irgendwann jeder Kaktus aussieht wie der Andere und wir eh wieder zurück zum Fährhafen von La Paz müssen, fahren wir, diese Schleife bis Todos Santos mit dem Bus. Die Räder kommen natürlich mit und werden auch täglich genutzt, so besuchen wir in Todos Santos das weltberühmte „Hotel California“, welches der Legende nach als Inspiration für den gleichnamigen „Eagels-Song“ gedient hat. Die Touristenorte San Lucas und San Jose del Cabo werden mit dem Rad erkundet, beide Orte sind zwar sehr schön, allerdings fest in amerikanischer Hand, dies spiegelt sich auch in den Preisen stark wieder. Wilde Schlafplätze finden sich trotzdem und mit den tollen, einzigartigen Zeltplätzen im Kakteenhang bzw. im Palmenwald kann keines der Nobelhotels mithalten.

Nach nur 2 Tagen geht es zurück nach La Paz, dort verabschieden wir uns von der „Baja“ und nehmen die Fähre aufs mexikanische Festland, genauer gesagt nach Mazatlan. Die Preise auf dem Festland sind nochmals niedriger wie auf der

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Mittagspause am Strand.

touristischen „Baja“, daher fällt die Suche nach einem Zeltplatz jetzt öfters weg und wir buchen uns stattdessen in kleinere Pensionen oder Hotels ein.
Der Monsterhurrikan „ Patricia“ schlängelt sich Gott sei Dank an den Grossstädten vorbei und wir bekommen von den Ausläufern wenig mit, lediglich die schwülen Temperaturen lassen auf einen nahen Tropensturm schließen.

Die Landschaft von Mazatlan nach Tepic (aktueller Standort) ist saftig, tropisch und sehr grün, der Highway 15D ist sehr fahrradfreundlich ausgebaut und die LKW bzw. Autofahrer grüßen uns euphorisch. Die extreme Schwüle lässt uns kräftig ins schwitzen kommen und unser täglicher Wasserbedarf wird in die Höhe geschraubt. Coca-Cola und Bananen werden in diesen sehr bergigen Gebieten zum Kraftstoff der Beine. Die nächsten Etappenziele sind Tequila, Heimat der gleichnamigen Spirituose und Guadalajara.

Heute vor genau 6 Monaten am 27.4.2015 sind wir in München gestartet 183 Tage und 10771Km später strampeln wir unser robusten TX-1000 Eisenpferde der Fahrradmanufaktur durch Mexiko. Wir sind absolut im Zeitplan und sollten wir die nötigen Visa bekommen, steht Weihnachten auf Kuba nichts mehr im Wege.

Auf die nächsten 6 Monate,

Julian, Nico und Sandro

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