Argentinien II – Paraguay – Brasilien I

Argentinien, Brasilien, Paraguay
Immer geradeaus. Keine Kurve in Sicht.

Pampa! Immer geradeaus. Keine Kurve in Sicht.

Unser „Pippi-Langstrumpf-Leben“ geht kunterbunt und abenteuerlich weiter, Pippi macht ja schliesslich auch was ihr gefällt. Die argentinische Pampa führt uns vorbei an gigantischen Mais- Weizen- und Baumwollfeldern welche sich bis zum Horizont erstrecken. Auch die endlosen Rinderweiden mit ihren wiederkäuenden Bewohnern können sich sehen lassen, an manchen Tagen fahren wir kilometerlang am selben Zaun entlang. Noch auf dem Highway „RN-16“ machen wir unsere 25.000km voll, der zunehmende Verkehr und der fehlende Seitenstreifen trüben dieses Jubiläum ein wenig. Aufmerksamkeit ist gefragt, gerade die LKW’s schieben uns oft in den Graben oder hupen bis die Ohren dröhnen. Am wievielten toten Hund wir auf unserer Reise schon vorbeigefahren sind? Wir wissen es selbst nicht, aber über 1000 (!!!) dürften es in dieser traurigen Statistik inzwischen doch sein. Leichen pflastern unseren Weg, andere Tierarten erhöhen die Zahl der toten Tiere natürlich noch deutlich.

Toller Zeltplatz in der Nähe einer Tankstelle.

Toller Zeltplatz in der Nähe einer Tankstelle.

Die vielen PKW’s und Trucks haben natürlich auch ihren Vorteil und ihre witzigen Seiten, oft wird das Fenster runtergekurbelt und wir werden mit Obst, Getränken und netten Gesprächen versorgt. Truckfahrer bremsen uns aus, steigen aus und wollen Selfies mit uns und das mitten im Berufsverkehr, verrückte Welt in Argentinien. Tankstellen sind unsere bevorzugten Zeltplätze, i.d.R. gibt es hier Wasser und eine Wiese, manchmal Wifi und der Tankwart hört gespannt unseren Erzählungen zu. Auch in unseren Träumen ist das Fahrrad, in welcher Form auch immer, präsent. Wer solange auf dem Rad sitzt wie wir, dem spielt das Unterbewusstsein gerne Streiche, immer wieder werden Situationen aus unserem Radalltag in unsere Träume äusserst realistische eingearbeitet.

Die Strasse geht tagein tagaus geradeaus, am Tag 9 in der Pampa kommt dann die Sensation!! Eine Kurve!!  Eine richtige, echte Kurve!! Unglaublich, wir biegen scharf links ab und fahren auf dem „RN-11“ weiter, dieser führt uns ohne Umwege in Richtung Paraguay.

Unbeirrt setzen wir unseren Weg bzw. „die längste Anreise ever-ever“ zum berühmtesten Strand der Welt, zur brasilianischen Copacabana fort. An manchen Tagen gehen wir mit der Dämmerung um 18Uhr ins Bett und sind erstaunt wie schnell 12 Stunden Nachtruhe vorbei sein können, aber Körper & Geist fordern ihre Auszeit und brauchen nach einem langem, schweisstreibendem Tag bei höchster Konzentration Ruhe und Entspannung.

Dauerregen in Argentinien. Unsere Zelte stehen unter Wasser.

Dauerregen in Argentinien. Unsere Zelte stehen unter Wasser.

Wir fahren an der argentinisch-paraguayischen Grenze entlang, nur noch der “Rio Paraguay“ trennt uns von unserem Reiseland Nr. 23. Das Wetter wird kurz vor Paraguay immer schlechter, starker Regen verwandelt unsere Zeltplätze in Schlammbäder und zerrt kräftig an den Nerven. In den Nächten werde wir von Donner & Blitz aufgeschreckt, an manchen Tagen halten unsere Zelte den sintflutartigen Regenmassen nicht stand und gleichen einem Swimmingpool. Da wir durch ein gigantisches Sumpfgebiet fahren, begegnen wir mit Störchen, Schlangen, Fröschen und abertausenden Moskitos auch den Bewohnern dieser Feuchtgebiete. Der Lärm der immer nahen Straße und Donner & Blitz sind hier für die Gute-Nacht-Geschichten zuständig und lassen sich jeden Abend bzw. jede Nacht etwas neues einfallen. Auf die Kilometerangaben und geschätzten Entfernungen der Einheimischen ist nach wie vor absolut kein Verlass, selbst die Polizei ist in dieser Hinsicht kein zuverlässiger „Freund und Helfer“, manche Menschen verschätzen sich wirklich irrwitzig.

Paraguay. Land Nr. 23!

Adios Argentina. Hola Paraguay.

Nach 16 Tagen verabschiedet Argentinien uns mit Trauer, Messi tritt gleichzeitig aus der argentinischen Fussball-Nationalmannschaft zurück und wir verlassen ebenfalls das Land, das Wetter zeigt sich zu diesem Anlass nass und grau. Die Hauptstadt von Land Nr. 23 und damit Asuncion und Paraguay erleben wir bieder und fahl, dieser Eindruck ändert sich auch nicht mehr. An der Stadtgrenze lernen wir allerdings Tim und Jakob kennen, einen jungen deutschen Auswanderer und einen Auswanderer in der 3 Generation. Tim lädt uns für 3 Nächte in sein Haus ein und zeigt uns seine Hood, wir erhalten einmalige Eindrücke ins Leben der Paraguayer und bekommen reizende Seen, wilde Tiere und historische Orte von Tim gezeigt. Doch nicht alles bieder und fahl hier! Paraguay zeigt sich als „Auswanderand“ von Deutschen, auch Jakobs Familie wanderte vor 195 Jahren aus Deutschland aus um in Südamerika ein neues Leben zu beginnen. Bevor wir uns von Tim und Jakob verabschieden werden wir ins Restaurant „Oktoberfest“ eingeladen und wir schlemmen wie die Könige. Kartoffelsalat, Sauerkraut, Spätzle, Bratkartoffeln, Blaukraut, Rollbraten, Schnitzel, Geschnetzeltes, Apfelkuchen, Weissbier etc. etc. unser Gaumen ist im 7. Himmel. Danke Tim, danke Jakob!

Vielen Dank an Tim und Jacob für den tollen Abend im Restaurant "Oktoberfest"!

Vielen Dank an Tim und Jacob für den tollen Abend im Restaurant „Oktoberfest“!

Der Highway 2 führt uns weiter zielsicher Richtung Brasilien, überall treffen wir auf begeisterte Menschen und werden nicht nur zum obligatorischen „Mate-Tee“ eingeladen (ohne den geht in Paraguay absolut gar nix!!), sondern dürfen unsere Zelte in den Vorgärten aufbauen. So auch bei Christian aus Österreich welcher vor 30 Jahren auswanderte und jetzt die Pizzeria „Wienerwald“ betreibt und eine köstliche Pizza mitten im Niemandsland anbietet. Christian hat viele Geschichten aus seiner alten Heimat Österreich und seiner Wahlheimat Paraguay auf Lager, ein klassischer bunter Hund.

Mittagspause am Fluss. Wer sieht den Julian?

Mittagspause am Fluss. Wer sieht den Julian?

Die Natur ist tropisch, saftig und grün und auch das Wetter spielt wieder mit, an herrlichen Flüssen verbringen wir unsere Mittagspausen und ein kleines Nickerchen in den Hängematten rundet die Siesta standesgemäss ab. Der Wind kommt von vorne und ein Hügel reiht sich an den Nächsten, die Räder scheinen auf dem Asphalt zu kleben, immerhin gibt es am Strassenrand viel zu sehen und so vergessen wir die Zeit. Das Paraguayische Landleben ist sehr bunt, überall sehen wir Ochsengespanne, Männer die im Wald oder auf den Feldern arbeiten, Kinder die einem Ball nachjagen, Schulkinder welche uns grüßen und freundlich winken, Arbeiter bei einer „Mate-Tee“-Pause, Frauen welche Essen am Straßenrand anbieten und vieles, vieles mehr, eine Reise durch ein Bilderbuch eben.

Argentinien, Brasilien und Paraguay grenzen hier aneinander.

Argentinien, Brasilien und Paraguay grenzen hier aneinander.

Die hügelige Achterbahnfahrt zieht sich bis an die brasilianische Grenze und am 434 Tag erreichen wir tatsächlich unser Zielland Brasilien. Allerdings reisen wir nach 90 Minuten schon wieder aus und es geht am „3-Ländereck“ direkt zurück nach Argentinien. Warum? Die berühmten Wasserfälle von Iguazu, die „Cataratas de Iguazu“ sind von der argentinischen Seite besser zusehen und noch beindruckender. Wir bereisen also mit Paraguay, Brasilien und Argentinien gleich 3 Länder an einem Tag, wieder ein neuer Reiserekord. Im „Parque Nacional Iguazu“ besuchen wir die weltberühmten Wasserfälle uns sind von dem gigantischen Naturspektakel stark beeindruckt. Jetzt haben unsere Augen schon einiges gesehen und sind oft „satt“, irgendwann ist der hundertste Wasserfall nichts besonderes mehr, die tausendste Kirche oder Ruine nichts einmaliges mehr und verzaubert nur noch gering, aber…

Iguazú-Wasserfälle.

Iguazú-Wasserfälle.

…aber die Wasserfälle von Iguazu sind eine Augenweide, mein lieber Mann. Ein absolutes Highlight auf unserer Reise, Traumwasserfälle. Das Wetter spielt uns bei strahlendem Sonnenschein voll in die Karten und danke der südamerikanischen Winterzeit sind eher wenige Touristen vor Ort. Als der Park schliesst, schleichen wir uns, verbotenerweise, in die Büsche. Die Geräuschkulisse der nahen Wasserfälle und das quaken, piepen, zirpen, kreischen und rascheln aus den Büschen lässt uns mitten im grünem Dschungel ruhig schlafen, toller Tag.

Vorsicht Jaguars!

Vorsicht Jaguars!

Eine giftige Korallenschlange.

Eine giftige Korallenschlange.

Der Highway 101 ist eine typische Lehmstraße im Dschungel, wir rutschen hin und her und müssen höllisch aufpassen um Stürzte zu vermeiden. Diese Straße führt uns endgültig nach Brasilien und treibt uns mit ihren auf und abs beinahe in die Verzweiflung. Den heimischen Jaguar haben wir nicht zu Gesicht bekommen, dafür zeigen sich Riesentukane und andere bunte Paradiesvögel, auch Schlangen bekommen wir sehr nah vor die Kamera. Erst als wir die Schlangenbilder Einheimischen zeigen, wird uns bewusst, dass wir uns bis auf wenige Zentimeter einer der giftigsten Schlangen Südamerikas genähert haben. Glück gehabt. Urwald pur! Dschungel live! Noch in Argentinien machen wir unsere 26000km voll und verabschieden uns so erneut von unseren Gaucho Freunden. In unserer letzten Nacht in Argentinien, wir zelten 200m vor der Grenze zu Brasilien, will uns ein Räuber bestehlen. Der Langfinger schultert spät nach Mitternacht Sandros abgeschlossenes Fahrrad und will sich davon machen. Wir stürmen alle 3, wie auf Kommando, mit einem ohrenbetäubendem Gebrüll aus den Zelten und verscheuchen den Dieb, welcher geschockt das Rad fallen lässt und nur mit Sandros Schuhen in der Dunkelheit verschwindet. Wieder Glück gehabt! Mit 13.39€ p.P./Tag in Argentinien und 9.93€ p.P./Tag in Paraguay zählen beide Länder zu den günstigsten unserer Reise, campen in der Natur spart eben enorm Geld.

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Brasilien. 26043 km. Weiter gehts…

So, nach 436 Tagen und 26043 Kilometer erreichen wir, dieses Mal nicht nur für 90 Minuten und mit allen 3 Fahrrädern unterm Hintern, Brasilien. Wir haben es tatsächlich geschafft und uns unseren Traum erfüllt, wir sind von Deutschland nach Brasilien geradelt, Wahnsinn!! Alles, wirklich alles ist machbar! Brasilien war unser Ziel und jetzt sind wir da, glauben können wir es noch nicht und bis wir begreifen was wir geschafft haben gehen wohl noch einige Jahre und zahlreiche Geschichten ins Land. Genau einen Monat vor dem Start der Olympischen Spiele erreichen wir also Brasilien, noch haben wir knapp 2500km vor uns um den Austragungsort Rio zu erreichen. Ein kräftiges aber dennoch machbares Ziel für die nächsten Wochen. Die Goldmedaille in unserer Plattfußstatistik ist Julian mit 30 Löchern nicht mehr zu nehmen, Sandro (18) und Nico (15) sind einfach zu weit entfernt. Ein hart erarbeitetes goldenes Edelmetall für Julian, der anscheinend kaum einen Nagel oder eine Scherbe ausgelassen hat. Wer den Schaden hat….

Bisher zeigt sich Brasilien sehr hügelig.

Bisher zeigt sich Brasilien sehr hügelig.

Die nächsten circa 600km suchen wir unseren Weg nach Porto Alegre im Süden des Landes und damit an den Atlantik, dieser wird dann für die letzten circa 1700km bis Rio unser Begleiter sein. Brasilien empfängt uns gleich mal hügelig und erinnert etwas an die italienische Toskana, wo ein Hügel aufhört beginnt der nächste. Wer bei Brasilien gleich an die Copacabana, exotische Drinks, rassige Strandschönheiten, Pele und Samba denkt, dem sei gleich gesagt, dass Brasilien auch anders sein kann. Gleich in der ersten Nacht wird unser Zelt beinahe von den Regenmassen weggespült, der nächste Tag ist nass, grau und kalt, auf manchen Straßen kommen wir vor lauter Schlamm kaum voran und sehen am Abend aus wie Wildschweine nach dem suhlen. Der „BR-163“ ist noch gut asphaltiert, nach dem Überqueren des „Rio Uruguay“ folgt der „BR-386“, dieser ist z.T. eine übel vom Regen aufgeweichte Piste, die Räder blockieren vor lauter Matsch und Dreck und müssen geschoben oder gar getragen werden. Willkommen in Brasilien, wieder verändert sich unser Weltbild.

Schlammpiste. Die Reifen blockieren.

Sandro steckt im Schlamm fest. Die Reifen blockieren. Er muss schieben.

Inzwischen haben wir uns selbst eine Unterkunft in Rio organisiert und sicher gebucht, bei Wilma und ihrer Tochter Kelly können wir im Herzen Rio’s recht kostengünstig leben. Das Olympiastadion ist nur einen Steinwurf entfernt und auch die Nähe zu Copacabana lässt keine Wünsche offen.

An dieser Stelle wollen wir uns bei Thomas aus Bremen bedanken. Thomas verfolgt sehr aufmerksam unseren Blog und hat uns das Ferienhaus seiner Familie etwas ausserhalb von Rio angeboten. Dieses tolle Angebot werden wir während den Spielen mit Sicherheit für einige Tage annehmen. Danke Thomas, super Geschichte!!

Heute. Kilometerstand 26217, sind wir in Frederico Westphalen angekommen und warten, im wahrsten Sinne, auf besser Wetter. Zumindest haben wir hier Zeit und Platz für diesen Bericht, Wäsche und Zelt können in Ruhe trocknen und die Räder müssen komplett entschlammt werden.

Vielen Dank fürs lesen der Berichte und eure Unterstützung!! Danke auch fürs teilen von unseren Beiträgen auf Facebook & Co. Ihr habt noch Tickets für die Olympischen Spiele in der Hinterhand? Nur keine Scheu, wir beissen nicht und sind dankbare Abnehmer.

Mit sportlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder der letzten 14 Tage sind in unser Galerie.

Chile II – Argentinien I

Argentinien, Chile
Tolle Felsformationen in der Atacama Wüste.

Tolle Felsformationen in der Atacama Wüste.

Wir verlassen die chilenische Wüstenstadt Calama und suchen unseren Weg ins Wüstendorf San Pedro de Atacama und die Richtung nach Argentinien, welches sich noch hinter einigen Andengipfeln versteckt. Wir starten also unseren Trip durch die trockenste und höchstgelegene Wüste der Welt, die Atacama, es sollen zähe, harte, fiese und äusserst staubige Tage werden. Gleich zu Beginn zeigt uns der Gegenwind und die stetig ansteigende Straße wer hier das Sagen und damit das letzte Wort hat. Allerdings lassen auch die Highlights nicht lange auf sich warten, so stürzen wir uns kurz vor San Pedro de Atacama mit bis zu 99km/h ein gigantische Abfahrt hinunter, die Wüste mit ihren skurrilen Felsformationen und atemberaubenden Farben saust an uns vorbei. San Pedro de Atacama ist nett und hat einen gewissen „Hippie-Flair“, wirkt aber trotzdem irgendwie künstlich. Überall haben sich Agenturen niedergelassen, welche den zahlreichen Tagestouristen Geld aus der Tasche ziehen und neben Jeeptouren in die Wüste noch anderen überteuerten Service anbieten.

Hunderte Kilometer geradeaus. Sand und Steine wechseln sich ab.

Die trockenste Wüste der Welt. Atacama Desert.

Nach San Pedro de Atacama geht es durch eine lange Sand- und Steinwüste mit wenig grünem Leben, wir bewundern die vielen wilden Esel und fragen uns wie diese in der kargen, trostlosen Gegend überhaupt überleben können, wahre Überlebenskünstler diese Maultiere. Wer vielleicht noch die ein oder andere Leiche im Keller hat, hier in der Atacama-Wüste wäre der optimale Platz um diese für immer definitiv unauffindbar unter die Erde zu bringen. Felsspalten, Schluchten, Steine, Sand, Wind, Kälte, Vulkane und Berge sind unsere Begleiter für die nächsten Tage. Auch wenn manche Tage sehr zäh und anstrengend sind wir sind froh das systeminterne deutsche Hamsterrad für eine Weile verlassen zu haben, das Leben spielt sich draussen ab und die Facetten unserer Welt sind unendlich vielfältig und spannend. Unser Reisemotto könnte auch, „Geträumt! Gelebt! Gewonnen!“, lauten.

Quer durch die Anden nach Argentinien.

Über die Anden nach Argentinien.

Wir zelten bei der "Laguna Toyaito" auf knapp 4108 Metern über dem Meer!.

Wir zelten bei der „Laguna Toyaito“ auf knapp 4108 Metern über dem Meer!.

Argentinien ist quasi schon in Sichtweite, wir können die leckeren argentinischen Steaks beinahe schon riechen, aber die Anden stellen uns heftige, massive letzte Hürden auf und wir müssen mehrmals Pässe von über 4500m überwinden. Wir verlassen das Atacama-Becken und es geht nur noch bergauf, Verschnaufpausen gibt es kaum und die Temperaturen liegen um den Gefrierpunkt, schon bald hört der Asphalt auf und wir fahren hunderte Kilometer auf Schotter- und Sandpisten. Auf 4108m, an der „Laguna Toyaito“, haben wir unseren höchsten Zeltplatz der bisherigen Tour, die Temperatur fällt in der Nacht auf – 12 Grad, der Wind pfeift uns ein kaltes Lied und am nächsten morgen sind Zahnpasta und Trinkwasser gefroren, es ist bitterkalt. Die Muskeln brauchen am morgen eine Weile um warm zu werden, die Finger und Zehen gleichen Eiszapfen, zwischendurch machen wir unsere 24.000km voll und Argentinien rückt langsam aber sicher näher.

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Von Chile nach Argentinien via. Paso Sico und vier weitere Pässe mit knapp 4500 Metern. Höchster Pass „Abra El Laco“ – 4584 Meter.

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Entlang am „Salar Aqua Calientes“ zum Grenzübergang „Paso Sico“.

Am Tag 411 unserer Reise gibt sich der „Abra el Laco“ mit 4584m die Ehre und wir feiern damit den höchsten Pass der Tour, wir sind von unzähligen Vulkanen umgeben, welche diesen Moment stumm mit uns zusammen geniessen. Abends fallen wir todmüde in unsere Zelte, wir leisten alle Drei täglich das Selbe. Der eine kommt mit der Höhe besser klar, der Andere nimmt den Anstieg leichter und der Dritte fährt mal schneller, aber am Abend haben wir alle den gleichen Tachostand und die selben müden Haxen.

Argentinien. Nach unzähligen Kilometern Holperpiste kommen wir in unser Land Nr.22.

Argentinien! Nach unzähligen Kilometern Holperpiste kommen wir in unser Land Nr.22 an.

Bis zur argentinischen Grenze werden wir durchgeschüttelt und eingestaubt, die Strasse ist ein einziges sandiges Waschbrett. Unsere Equipment reisst und bricht an allen Ecken und Kanten, unzählige Male mussten wir dieses jetzt schon notdürftig reparieren und ausbessern. Stress pur für Fahrer und Ladung.

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Die Luft ist dünn. Kurze Verschnaufpause, dann rollen wir ins Tal um den nächsten Berg zu erklimmen.

Fix und fertig erreichen wir also unser Land Nr.22 und damit Argentinien, die argentinischen Grenzer sind super freundlich. Wir sind die ersten „Kunden“ für heute und es ist bereits 17h, an Überarbeitung sterben die Jungs hier sicher nicht. Wir dürfen kostenlos in der Grenzstation übernachten, heisse Dusche und Wifi inklusive, ein guter Start ins Land der Gauchos und der endlosen Pampas. Bevor wir uns aber entspannen können, warten noch 3 Tage Schotter und etliche Berge auf uns. Der RN-51 ist ungeteert und wir holpern langsam durch die Mond- und Marslandschaft, so muss es sich anfühlen wenn ein Traktor mit hoher Geschwindigkeit über einen gefrorenen Acker fährt, es ist zäh, äusserst zäh. Die Anstiege sind sandig, die Räder drehen oft durch oder rutschen, wie auf Schmierseife, im Sand hin und her, Einkaufsmöglichkeiten gibt es nicht und unsere Kekse müssen herhalten. Die Anden machen uns den Abschied nicht leicht, hohe Pässe, viel Schotter, Wind, Kälte, steile Anstiege, ein wahrer Endgegner der niedergerungen werden muss. Juni/Juli sind die kältesten Monate hier Oben, die Trinkschläuche unserer Rucksäcke sind gefroren, ein Wunder das unserer Körper noch nicht mit Krankheiten oder anderen Streiks drohen. Die wenigen LKW’s auf der Piste stauben uns kräftig ein, der Pass „Alto Chorrollo“ mit 4560m zieht sich unendlich lange hin, jetzt haben wir mehrmals die 4500m Grenze überschritten und sehnen uns nach dem argentinischem Flachland und damit nach den berühmten Pampas.

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Es geht bergab durch atemberaubende Canyons. Am Abend haben wir 170 Kilometer auf dem Tacho.

In San Antonio de los Cobres schlafen wir in einem Rohbau, es wird unsere letzte Nacht in den Anden. Am nächsten morgen haben wir noch einen 4000er zu bezwingen, danach geht es bergab. 7000km haben uns die Anden durch 6 Länder begleitet, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Chile und jetzt Argentinien haben wir dabei abgeradelt, der absolute Wahnsinn. Wir sausen also ins Tal und feiern dabei mit 170km (!!) einen neuen Rekordtag dieser Reise. Die Landschaft ist der absolute Hit, die Felsen leuchten in 1000 Farben, die Kakteen sind haushoch, die Canyon’s gigantisch, ein würdiger letzter Tag in den Anden und die schönste Abfahrt bislang. Wir steigen also von 4080m runter auf 1200m (schneller ist wohl noch nichtmal der VFB Stuttgart dieses Jahr von der 1. in die 2. Bundesliga abgestiegen) und erreichen damit Salta, Argentiniens nördlichste Grossstadt. Danke Anden, es war uns eine Ehre und wir werden mit einem gewissen Stolz viele Geschichten von Euch erzählen können. Das längste Bergmassiv der Welt ist damit bezwungen!!

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Obst!!! Seit Tagen haben wir nur „Trockenfutter“ gegessen.

In Salta legen wir gleich 2 Ruhetage ein, die Stadt brummt vor Leben, ein Sandwich-Laden reiht sich an den nächsten, auf den Straßen bilden sich hupende Staus, Mütter ziehen ihre Kinder hinter sich her, Männer sitzen wie Tagediebe in den Parks oder betreiben zwielichtigen Geldwechsel, es ist das komplette Kontrastprogramm zu den letzten Wochen in den einsamen Bergen. Ausgehungert schlemmen wir uns von einer Straßenecke zur nächsten, überall werden Leckereien angeboten und wir hören uns selten „Nein!“ sagen.

Auch die Räder kommen nicht zu kurz, bekommen eine Dusche in der Waschstrasse, werden geölt und gewartet. Über 24.900km sitzen wir jetzt auf den Bikes und sind wirklich erstaunt was diese alles wegstecken. Klar tritt mal das ein oder andere Problem auf, aber im Großen und Ganzem sind wir mit den TX-1000 Rädern der Fahrradmanufaktur absolut zufrieden. Da haben die Jungs und Mädels aus Oldenburg gute Arbeit geleistet und ein top Fahrrad zu einem sehr gutem Preis- Leistungsverhältnis auf den Markt gebracht. Einzigstes Manko: Ersatzteile sind in Nord- und Südamerika kaum zu bekommen.

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Salta in Argentina!

Inzwischen besteht bei uns Dreien kein Zweifel mehr, Rio wird definitiv rechtzeitig zu den Olympischen Spielen erreicht!! Nur noch circa 3.000km in den nächsten 44 Tagen fehlen zum erreichen unsers Traums. Wie oft wurden wir belächelt, wie oft wurden wir für verrückt erklärt, wieviele Menschen haben ernsthaft an unser Vorhaben geglaubt? Viele dachten wir kehren nach einigen Monaten und wenigen Kilometern geläutert um. Nein, wir haben an uns geglaubt und unser Zeil verfolgt. Wir schaffen das, alles eine Frage der Einstellung.

Ein bisschen Enttäuscht sind wir allerdings von Menschen welche uns Unterstützung versprochen haben. Unzählige Male wurden uns Unterkünfte, Tickets für die Spiele in Rio, Kontakte zur Presse etc., etc. versprochen und damit Hoffnung gemacht. Die meisten Leute haben es scheinbar nötig sich aufzublasen und zu prahlen, ausser heisser Luft nichts gewesen. Von den Menschen mit der größten Klappe haben wir jedenfalls nie mehr was gehört. Unser Dank, gilt den Menschen welche unseren Blog lesen, unsere Bilder kommentieren und uns nette Nachrichten schreiben, dies ist die beste und schönste Unterstützung für uns.

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Immer geradeaus… Irgendwo, weit hinter dem Horizont liegt Paraguay und Brasilien.

Von Salta aus machen wir uns also auf dem RN-9 auf  den Weg um Argentinien einmal von West nach Ost zu durchqueren, immer mit dem Ziel Paraguay und Brasilien. Die Einheimischen in Salta haben ständig davon gesprochen das jetzt die Strecke „solo plano“, „just flat“, „nur flach“ ist, Pustekuchen! Klar, im Verhältnis zu den Anden ist das hier Kindergarten, aber die ersten 2 Tage folgt ein Hügel dem anderem und wir machen 800 Höhenmeter am Tag. Fazit: Glaube keinem Einheimischem, erstrecht keinem OHNE Fahrrad!! Naja, am Abend gibt es bei „All-u-can-eat“ vom Grill genügend Kraftfutter und ein gemütlicher Zeltplatz findet sich auch meistens.

Argentinien und Rinder. Das gehört einfach zusammen.

Argentinien und Rinder. Das gehört einfach zusammen.

Wir wechseln vom RN-9 auf dem schmaleren RN-16, dieser führt uns endgültig in die Pampas Argentiniens. Die Strecke ist bolzengerade, an manchen Tagen kommt nicht eine Kurve, wieder ein anderes Extrem. Wir fahren durch Argentiniens Weidenlandschaft, viele LKW’s und Landwirtschaftsmaschinen begegnen uns und so treten wir verträumt Tag ein Tag aus vor uns hin. Die Tage erinnern an einen Herbsttag in Deutschland, ein herbstlicher Wintertag in der argentinischen Pampa. Die Nächte sind empfindlich kalt und am morgen dauert es bist sich die Sonne endgültig durchsetzt.

Die Neugier und Abenteuerlust treibt uns immer weiter. Was kommt als nächstes? Was bietet das kommende Land? Wo übernachten wir heute? Vor unserer Reise hatten wir keine Ahnung was alles zwischen Deutschland und Brasilien liegt, was alles auf uns zukommt. Auch jetzt kommen wir immer wieder ins staunen, neue Überraschungen gibt es auch noch nach 421 Reisetagen genügend. Vermutlich brauchen wir unser restliches Leben um alles zu verarbeiten und um unser Glück zu erfassen.

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Viele verschiedene Vogelarten gibt es in der Pampa. Hier ein Papagei.

Die Gauchos auf ihren Pferden grüßen freundlich und die Dörfer wirken, nicht nur in der traditionellen Siesta, oft ausgestorben. Die Argentinier sind gute Gastgeber, überall dürfen wir unsere Zelte aufschlagen und unser Wasser auffüllen. Uns wird Gürteltier zum Abendessen angeboten, wegen uns müssen allerdings keine exotischen Tiere sterben und wir lehnen dankend ab. Viele bunte, exotische Papageien ziehen mit uns durch die Pampa und zwitschern uns ihr Lied von der Wildnis, wir kommen jetzt schnell voran und uns fehlen nur noch circa 300km bis zur paraguayischen Grenze.

Pampa, Pampa, Pampa. Argentinien live. Lucky Luke der einsame Cowboy ritt mit seinem treuem Pferd Jolly Jumper durch den Wilden Westen Amerikas, wir strampeln mit unseren robusten Rädern durch die Pampas Argentiniens immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und der grenzenlosen Freiheit.

Egal wo wir als Deutsche „entlarvt“ werden, oft werden wir mit deutschen Stereotypen konfrontiert, ist Deutschland wirklich nur: „Autobahn“, „Oktoberfest“, „Hitler“, „Black-Forrest“, „Sauerkraut“ und „Beckenbauer“? Wir nehmen es mit Humor, Argentinien ist ja schliesslich auch nur: „Tango“, „Pampa“, „Maradonna“, „Fleisch“, „Gauchos“, „Messi“ und „Vizeweltmeister“!!!!

Heute übernachten wir übrigens im Ort „Pampa del Infierno“, der Name ist Programm….

Unser Motto für den Endspurt lautet: „Feuer frei!!! Rio wir kommen!!!“

So, den nächsten Bericht gibt es vermutlich schon aus Brasilien. Danke fürs lesen und wir wünschen Euch einen tollen Sommer.

Mit freundlichen Grüßen aus Argentinien,

Julian, Nico und Sandro

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Peru IV – Bolivien – Chile

Bolivien, Chile, Peru
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Markt in Cusco.

Bevor wir Cusco, den „Nabel der Welt“, wie die Inkas ihr Stadt nannten, wieder verlassen schlendern wir ohne konkretes Ziel in der Altstadt umher. Die riesigen Markthallen sind voller Leben, die Gassen historisch und hinter jeder Ecke gibt es etwas spannendes zu entdecken. Wir beobachten die Touristenmassen, welche scheinbar planlos und willenlos einem „Fähnchenträger“ hinterherlaufen, Gott sei Dank sind wir frei und unabhängig. Überall werden tolle Souvenirs angeboten, allerdings überlegt man sich als Radler jedes Gramm an Zusatzgewicht zweimal und widersteht den netten Marktfrauen souverän.

Bevor wir uns zum „Lago de Titicaca“ aufmachen, werden die Räder noch mit, dringend benötigten, neuen Hinterbremsen ausgestattet und die Beine mit einer, sehr schmerzhaften, Massage wieder fit gemacht.

Von Cusco bis an den Titikakasee fahren wir auf einer Hochebene, dem Altiplano, und bewegen uns konstant zwischen 3400 und 4300m, nachts fällt das Thermometer bis weit unter Null und tagsüber holen wir uns einen Sonnenbrand bei gut 30 Grad, die Temperaturunterschiede sind wirklich krass und ein ständiges an- und ausziehen der Kleidung ist die Folge.

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Ruinen von Raqchi auf dem Weg zum Pass „La Raja“.

Auf dem Weg, wir fahren den Highway 3S entlang des Rio Vilcanota, besuchen wir eine der ältesten Kirchen Südamerikas, welche durch ihre beeindruckenden Fresken auch die „Sixtinische Kapelle“ Südamerikas genannt wird, auch die zahlreichen Ruinen kommen neben der einzigartigen Natur nicht zu kurz und werden besichtigt. Wir fahren an riesigen Lama- und Alpakaherden vorbei, heisse Thermalquellen laden zum Entspannen ein, wir beobachten Viehhandel auf den Märkten und werden selber von vielen neugierigen Augen beobachtet oder um ein gemeinsames Erinnerungsfoto gebeten. Die Strecke gleicht einem riesigem antikem Freilichtmuseum, als Radler kommen wir an Orte wo der „normale Tourist“ mit dem Bus gar nicht hält, überall treffen wir auf freundliche und hilfsbereite Menschen und eine herzliche, ehrliche Kultur.

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Harte Feldarbeit mit einfachsten Mitteln.

In den Medien werden viele Länder und Kulturen oft wesentlich schlechter dargestellt als sie in Wirklichkeit sind, mit dieser Reise entgegnen wir diesen Vorurteilen, machen unsere eigene Erfahrung und uns ein eigenes Bild. Wir geben den, vorher eher grauen Ländernamen und unbekannten Orten, einen bunten, lebensfrohen eigenen Anstrich, die meisten Länder sind besser als ihr Ruf. Die einfache Bergbevölkerung arbeitet täglich, mit antiken Geräten, hart auf ihren Feldern und dies ein ganzes Leben bis der Körper nicht mehr mitspielt. Es soll Menschen in Deutschland geben welche sich über unser Gesundheits- und Sozialsystem, die wöchentliche Arbeitsstunden oder die staatlicher Unterstützung beschweren? Hier unvorstellbar!

In Peru sind bald Wahlen, überall im Land werden Hauswände, Straßen, Felsen und andere Flächen mit den Slogans der Parteien bemalt, egal wo du bist, ob in der Pampa oder in der Großstadt, keine Fläche wird ausgelassen und bunt bemalt.

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Fast an jeder freien Fläche ist Wahlwerbung angebracht.

Da die einfachen Unterkünfte in Peru mit 2-4€ p.P./Nacht recht kostengünstig sind, ersetzen diese öfters das Zelten, der ärmeren Landbevölkerung tut der Zusatzverdienst gut und uns nicht weh und so kommen wir in  intensiven Kontakt mit unseren Gastgebern und der peruanischen Kultur. Inzwischen haben wir die peruanischen Delikatessen intensiv getestet vom Lama-Geschnetzelten über Alpaka-Spieße bis hin zu Meerschweinchen haben wir inzwischen einiges an Leckereien auf den Tisch bekommen und haben die leckere peruanische Küche ausgiebig getestet.

Der „Abra la Raya“ ist mit 4335m unser bislang höchster Pass und gleichzeitig die Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik. Die Luft ist dünn und unsere Lungen pfeifen vor sich hin und das Herz arbeitet auf Hochtouren, inzwischen hat sich auch Sandro gut akklimatisiert und wir erreichen auf der gutbefahrbaren 3S den legendären Titikakasee.

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Die Luft wird dünner, wir sind auf 4335 Metern.

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Traumhafter Ausblick über den Titikakasee.

Jedes Kind kennt den höchsten beschiffbaren See der Welt, 13 x größer wie der Bodensee und auf 3808m gelegen, jetzt stehen wir mit unseren Rädern am Ufer, ein Traum geht in Erfüllung. Wir strampeln an der Küste entlang und geniessen den Blick auf den See, im Hintergrund stehen die schneebedeckten Berge der bolivianischen Anden bereit und geben unseren Fotos den letzten Touch. Die letzte Nacht schlafen wir, bei der circa 70jährigen Elba, in ihrem kolonialem Stall(!). Elba ist, laut eigener Aussage, die Enkelin des ehemaligen peruanischen Präsidenten Valentin Paniagua, nach 37 Tagen ein würdiger Abschied aus Peru. Würde jetzt noch Maria und Josef auf einem Esel vorbeireiten, wir würden es auch noch glauben, die Gegend und die einfachen Hütten haben sich die letzten 2016 Jahre wohl nicht arg verändert.

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4 Radler. Wir treffen Walt, er ist uns schon in Kanada mit seinem Rad begegnet ist.

Es geht ruck-zuck und schon haben wir den bolivianischen Stempel im Pass und betreten Land Nr. 20, im Grenzort Copacapana machen wir halt und haben einen gigantischen Sonnenuntergang am See. Dort treffen wir auch den fahrradverrückten Holländer Wolt wieder, Wolt haben wir bereits in Kanada kennengelernt und tauschen uns über Strecke und Erfahrungen aus, die Welt von weltreisenden Radlern ist klein aber fein.

Die bolivianische Seite der Titikakasees gefällt uns definitiv besser wie die peruanische, für ca. 20km fahren wir auf einer Anhöhe, unter uns glitzert der See und dahinter reihen sich die Berge der Gebirgskette „Cordillera Real“ und „Cordillera Munecas“ der Ausblick könnte auf jeder Postkarte sein und das Wetter spielt voll  mit.

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Die „Cordillera Real“, Bergspitzen mit mehr als 6000 Metern.

Die Straßen ziehen sich wie Adern, wie ein Spinnennetz, über unseren Globus, kaum zu glauben, dass wir seit Alaska einem gigantischem Straßennetz folgen, welches uns, bis auf eine Ausnahme zwischen Panama und Kolumbien, bis nach Bolivien geführt hat. Weiter geht es jedenfalls in diesem Netz auf dem Highway 2 bis nach La Paz, wo wir genau 13 Monate nach unserm Start in München Station machen. Zwischen 3600 – 4200m Höhe erstreckt sich die Millionenstadt La Paz, wieder schlendern wir durch die Gassen und beobachten das Leben in den Gassen und auf den Plätzen der Altstadt.

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Wo geht es lang? Schwierig zu verstehen.

72km hinter der Stadt machen wir, auf dem Bolivia1, unsere 23.000km voll und rollen durch die Pampa Boliviens auf der Suche nach dem grösstem Salzsee bzw. der größten Salzwüste der Welt dem „Salar de Uyuni“! Es ist brutal kalt, in der Früh starten wir oft mit Minusgraden und die Zehen und Finger sind taub vor Kälte, der Wind ist eine Wundertüte und wechselt ständig seine Richtung.

Inzwischen lachen uns die Menschen nicht mehr aus , wen wir unser Endziel Rio und damit die Olympischen Spiele 2016 nennen. In den USA, Kanada und weiten Teilen Mittelamerikas ernteten wir nur Kopfschütteln und wurden für verrückt erklärt. Jetzt liegt Brasilen ums Eck, für die Menschen hier ist dies anscheinend normal, das man nach Rio radelt, wir sind dem Ziel also sehr nahe!

Durch die klirrende Kälte liegen wir oft schon um 18Uhr in unseren Schlafsäcken und kriechen erst nach 12 Stunden raus, springen auf die Räder und kämpfen gegen die Kälte an, über 3 Wochen sind wir bereits auf knapp 4000m, viel Sauerstoff sollten wir inzwischen im Blut haben und in tieferen Gebieten müssten wir wie Raketen abgehen. Ist eine aktive Olympiateilnahme doch noch möglich?

Frustrationstoleranz, Selbstbeherrschung und Respekt scheinen in manchen Situationen ein Fremdwort zu sein, ob es an der Höhenluft liegt, an der Kälte oder an der Anstrengung, manchmal liegen die Nerven blank und es kommt zu unkontrollierten Wortgefechten, so machen wir uns den Weg selber schwer. Trotzdem setzen wir unsere Suche nach dem Salzsee unbeirrt fort, es gibt kaum Einkaufsmöglichkeiten und auch die Unterkünfte sind in Bolivien weit verstreut, und primitiv. Das bettelarme Bolivien hat ein massives Wasserproblem, geduscht wir mit eiskaltem Wasser aus dem Brunnen, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Frost ein eisiges Vergnügen. Sandro befürchtet gar seinen ersten Herzinfarkt und das mit jungen 32 Jahren.

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Vicuñas kreuzen die Strasse. Sie tragen das teuerste Fell der Welt.

Auf der Straße liegen unzählige überfahrene Hunde, die Flamingos, Emus, Lamas und Alpakas sind da eine wesentlich erfreulicherer Anblick und stehen Fotomotiv für uns in der kargen Steinlandschaft. Auch Vicuñas kreuzen unseren Weg, diese Tiere sehen aus wie Lamas, stehen unter Naturschutz und aus ihrer Wolle wird der teuerste Textilfaden der Welt gewonnen.  Die farblosen verlassenen öden Dörfer durch welche wir jetzt fahren erinnern an eine in die Jahre gekommen Westernstadt, nur das hier die Häuser aus Lehm oder Salzstein sind und die Menschen dick eingepackt in bunte Tücher sind.

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Julian auf dem „Cementerio de los trenes“, Zugfriedhof, in Uyuni.

Wir verlassen den Bolivia 1 und radeln einsam auf dem Highway 30 weiter und plötzlich liegt er vor uns der größte Salzsee der Welt! Weiss wird die beherrschende Farbe der nächsten Tage sein, Salz das beherrschende Element und Ruhe und Einsamkeit unser Begleiter. Die erste Nacht verbringen wir in einem Salzhotel am Rande des Sees, dort füllen wir unsere Vorräte auf und besuchen den „Cementerio de los trenes“, einen beeindruckenden Friedhof für ausrangierte Lokomotiven.

Die Einheimischen warnen uns vor dem unberechenbaren Wind auf dem „Salar de Uyuni“ und den derben Minusgraden in der Nacht, erst vor 2 Jahren sind 2 Radler in ihrem Zelt erfroren, ein furchtbares Schicksal. Warnung gehört, Warnung verstanden, am nächsten Tag beginnt bei -8 Grad unsere Expedition „Salzsee“!

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Salz soweit das Auge reicht. Nico folgt dem GPS.

Salz so weit das Auge blicken kann, keine Anhaltspunkte in der weissen Wüste, es ist eine faszinierender Ausflug. Wir vertrauen dem GPS, unseren Tachos, unserem Instinkt und nehmen die groben Berge in der Ferne zur Orientierung. Es ist a….kalt, trotzdem verbrennt die Höhensonne unser Gesicht, der Kontrast zwischen weissem Untergrund und blauem Himmel ist umwerfend, es entstehen viele tolle Bilder in dem wir mit der Perspektive spielen.

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Sandro balanciert auf seiner Gabel. Ein Ausgleich zum vielen Radfahren.

Nach circa 75km auf Salz erreichen wir die „Isla Inca Huasi“, dort verbringen wir eine Nacht in einer einfachen Schutzhütte, Sonnenuntergang und sternenklarer und daher äussert kalter Nachthimmel inklusive. Diese Insel ist eigentlich ein Vulkankrater in mitten des Salzsees ist ein unglaublicher Mikrokosmos, gigantische Kakteen wachsen hier in dieser lebensfeindlichen Umgebung auf 3650m, wir staunen nicht schlecht.

Am Tag 2 haben wir anfangs Rückenwind und sind daher schnell auf der anderen Seite des Sees angelangt, danach wir es furchtbar zäh und unangenehm. Hier und da überholen uns dämlich grinsende Touristen in ihren Jeeps samt Fahren und machen Fotos, wir fühlen uns wie Affen im Zoo. Aber immerhin geniessen wir die totale Freiheit und müssen uns nicht an einen Terminplan einer Agentur halten, sondern können nach Lust und Laune tun und machen was auch immer uns gerade in den Sinn kommt, ätsch!!

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Sandsturm auf dem Weg zur chilenischen Grenze. Extremer Gegenwind.

Die Strecke bis an die Grenze zu Chile ist die Hölle. Sandpiste wechselt sich mit Schotterpiste ab, wir rutschen auf den losen Steinen hin und her, der Wind entwickelt sich zum Sturm und peitscht uns Kieselsteine und Staub ins Gesicht, es fühlt sich an wie tausend kleine Nadelstiche im sonnenverbrannten Gesicht. Sandro wird von einer Magen- Darmgrippe geplagt, was unser Unterfangen nicht einfacher macht. Mit 5-8 km/h schleichen wir die 95km bis zur Grenze Chiles, zwischendurch geraten wir in einen üblen Sandsturm und die Kräfte schwinden. Obwohl sich des Wetter und die Straßenverhältnisse gegen uns verschworen haben, setzten wir uns durch und erreichen mit der Dämmerung die chilenische Grenze. Die Zöllner durchsuchen unser Gepäck wie sie Drogendealer vermuten würden, nach dieser Prozedur ist es geschafft und wir fallen in Land 21 fix und fertig in die Federn.

Mit erreichen Chiles haben wir das nördlichste Land Nordamerikas die USA/Alaska und das südlichste Land Südamerikas miteinander verbunden, was für ein gigantisches Projekt, knapp 12 Monate und etwa 21.000 liegen zwischen den beiden Ländern.

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Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Chile. Land Nr. 21.

Leider gibt es am Grenzort Ollagüe keinen Geldautomaten, der nächste ist 200km entfernt und unser Geld ist knapp bzw. aufgebraucht. Wir müssen also in den sauren Apfel beissen, den Ruhetag streichen und die Strecke ohne Pause angehen. Sandro gibt trotz Magenproblemen grünes Licht und will mitziehen. Der Wind bläst ohne Unterlass und die Strecke zeigt sich hügelig, kurvig und voller Schlaglöcher. Nach 25km ist bei Sandro Feierabend, es geht nicht weiter und wir sollen einen Transport organisieren. Kein Problem, Gesundheit geht vor, nur die Strecke ist kaum befahren und es ist ein ruhiger Sonntag. Wir haben denoch Glück im Unglück und Hugo kommt mit seinem Pritschenwagen vorbei, kurzerhand werden die Räder verladen und wir kommen in die  circa 175km entfernte Stadt Calama. Wir haben vollkommen richtig entschieden, die Strecke ist zwar schön, die Vulkane links und rechts des CH-21 stehen in Reih und Glied, aber es gibt keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Unterkünfte und der Wind kommt, wie immer, stark von Vorne. In Calama gibt es Geld und einen Ruhetag, Zeit für uns die Homepage zu aktualisieren und für Sandro sich auszukurieren. Calama gleicht einem Kulturschock, waren wir vor 2 Tagen wirklich noch in der Wüste? Hier gibt es riesige Shoppingmalls und eine Überangebot an Unterkünften, Restaurants und allen erdenklichem Luxus. Auf diesen Schock holen wir erstmal eine italienische Salami und essen deutsches Vollkornbrot, ein Stück Heimat in der Ferne. Die Räder müssen entsalzt werden, die Klamotten stehen vor Dreck und nach 17 Tagen radeln am Stück freut sich der Körper über jede Minute Auszeit und Ruhe.

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Hugo nimmt uns per Anhalter mit. Die Gesundheit geht vor.

Heute haben wir Tag 407 und stehen bei 23726km. 407 Tage sind 9768 Stunden live Kino für unsere Sinne, unser Traum von Olympia kommt unaufhaltsam näher. 2 Monate haben wir noch Zeit um nach Rio zukommen, der Countdown läuft und wir biegen langsam ein auf die „vielleicht längste Zielgerade der Welt“, etwa 4000km to go. Tickets haben wir noch immer keine für die olympischen Veranstaltungen, aber vielleicht kann ja noch jemand Abhilfe schaffen, nur her mit den Kontakten!!!

Wir hoffen bei Euch ist es wärmer als hier und wünschen eine erfolgreiche, friedliche Fussball-EM für unsere Elf in Frankreich. Jetzt wartet die Atacama-Wüste auf uns und die Räder, diese Wüste ist die trockenste und höchstgelegenste Wüste der Welt, neue Abenteuer stehen also bereit für uns und die Räder. Den nächsten Bericht sollte es aus Argentinien geben, mit einem gutem argentinischen Steak im Magen schreibt es sich gleich viel besser, wir freuen uns jedenfalls auf die Gauchos.

Mit sportlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

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Vielen Dank fürs Lesen des Blogs. Grüße aus Chile.

Peru III – Lima – Machu Picchu – Cusco

Peru
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City-Tour mit Jesus und Marino.

Bevor wir die Hauptstadt Perus und damit Lima wieder verlassen lernen wir Jesus und Marino kennen, die zwei sind waschechte Hauptstädter und geben und uns eine gratis Tagestour durch ihre wunderbar restaurierte Altstadt und Miraflores, einem eher exklusiven Stadtgebiet direkt am Strand wo sich die Reichen und Schönen niedergelassen haben und die jungen Surfer sich in die Wellen stürzen und an der Promenade flanieren.

Dünen bis zum Horizont.

Dünen bis zum Horizont.

Die unendliche, zähe Wüste vor Lima hat uns eigentlich gereicht, trotzdem entscheiden wir uns für einen Ausflug nach Ica, Ica liegt wieder mitten in der Wüste am Rande des Nationalparks „Reserve Nacional de Paracas“. Zahlreiche Attraktionen hat die Gegend zu bieten welche wir uns nicht entgehen lasen wollen. So bewundern wir die „Laguna de Huacachina“, wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen plötzlich nach Nordafrika versetzt worden zu sein. Die Oase ist wie ein Traum aus 1001 Nacht, Dattelpalmen und orientalisch anmutende Gebäude versetzen uns in eine andere Welt. Danach ist Aktion pur angesagt, wir üben uns im Sandboarden und wedeln die bis zu 80m hohen Dünen auf unseren Sandboards hinunter, die Tour mit dem Strandbuggy über die Sandberge ist ein Erlebnis für sich und eine willkommene Abwechslung zu unserem Fahrradalltag. Die gigantischen Sanddünen erstrecken sich bis zum Horizont und der eintretende Sonnenuntergang beschert uns beinahe magische Momente in mitten der Sahara.…ähhh Wüste Perus.

Laguna de Huacachina.

Laguna de Huacachina.

Sandboarden, mal was anderes wie radeln.

Sandboarden, mal was anderes wie radeln.

Mit dem Bus geht es zum Ausgangspunkt für unsere nächste Etappe, Ayacucho liegt mitten in den Anden und ist Ausgangsort für unsere Tour zur sagenumwobenen Inkastätte Machu Picchu. Bislang in ganz Peru waren die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht extrem und das Wetter unberechenbar. Tagsüber droht ständig der Sonnenbrand und sobald die Dämmerung eintritt wird es schnell unangenehm kühl, hier in den Bergen ist es natürlich noch extremer und wir sind froh über unser dicken Schlafsäcke in der Nacht und warme Kleidung wird gebraucht.

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Markt in Ayacucho.

Ayacucho liegt nicht unbedingt auf der Route vieler Touristen, wir sehen zumindest kaum „Gringos“ (Ausländer) und geniessen daher ein sehr authentisches peruanisches Leben. 33 (!) Kirchen hat die kleine aber feine koloniale Stadt zu bieten, viele Märkte locken mit allerlei leckeren Sachen und viel Trödel, wir bewundern die Bergbewohner in ihren traditionellen Trachten und Gewohnheiten. Die zahlreichen Tuk-Tuks und die vielen kleinen Garküchen am Strassenrand erinnern ein wenig an Thailand, auch die Menschen haben asiatische Gesichtszüge und das Lächeln Asiens im Blut.

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Gipfelkreuz auf 4264 Metern.

Wir bereiten uns auf eine zähe, lange Etappe vor, Machu Picchu ist das Ziel. Wir steigen und fallen, auf der 28B sind wir ein Spielball der Anden, die Räder scheinen mit gewonnener Höhe an Gewicht zu zulegen und die Luft wird immer dünner. Wir meistern Pässe mit bis zu 4264m hier wiegen die Bikes plötzlich 3-4 x soviel wie sonst und wir bekommen Luft wie durch einen Strohhalm, das Blut rauscht in den Ohren und das Herz pumpt auf Hochtouren. Die Aussicht ist dafür gigantisch und wir können uns kaum sattsehen, Berge, Schluchten, Täler so weit wir blicken können, einfach eine atemberaubende Landschaft welche sich uns hier offenbart. Unseren größten Respekt verdienen sich die Bergbauern, welche hier ihre Felder bearbeiten und natürlich die Kräuterfrauen, welche entlang der Strecke diverse Bergkräuter sammeln.

Claudia und Martin sind seit mehr als 3 Jahren mit ihrem VW-Bus unterwegs.

Claudia und Martin sind seit mehr als 3 Jahren mit ihrem VW-Bus unterwegs.

Die einzigen Touristen welche wir auf dieser Tour treffen sind Martin und Claudia aus der Schweiz, welche in ihrem VW-Bus nun knapp 3 Jahre unterwegs sind , die Beiden halten uns für total bekloppt. Zitat Martin: “Wir fahren jetzt schon seit Tagen durch diese gottverlassenen Berggegend, die Autofahrer sind absolut Geisteskrank, die Strassen schmal und teilweise bis zu 70km Schotter, die Distanzen gross, die Abhänge selbstmörderisch und ihr wollt hier durch? Das ist verrückt, absolut verrückt! Nehmt lieber den Bus!!“ Naja, wir fahren weiter und kämpfen uns tapfer vorwärts, Rom wurde ja auch nicht an 2 Tagen erbaut und wir haben Zeit eingeplant. Tatsächlich empfinden wir die peruanischen Autofahrer aber auch als extrem nervig. Eigentlich sind die Peruaner ein recht freundliches, hilfsbereites und offenes Volk, sobald diese aber hinter einem Steuer sitzen geben sie gleichzeitig mindestens die Hälfte ihres IQ’s ab und werden zu primitiven, nervigen, respektlosen und permanent hupenden Primaten.

Koka-Blätter am Strassenrand.

Koka-Blätter am Strassenrand.

Je weiter wir uns in die Berge vorkämpfen, desto mehr werden wir wie Astronauten oder gar Ausserirdische bestaunt. Viele Touristen sind in dieser Gegend noch nicht gesehen worden, zumindest nicht welche auf dem Rad. Ständig bekommen wir Kokain, Marihuana und diverse andere Aufputschmittel angeboten, ein sicheres Zeichen wir nähern uns der „Roten Zone“, selbstverständlich sehen wir jedesmal ab. In dieser Gegend werden Perus Drogen angebaut, schwergewaffnete Milizen kommen uns auf ihren Trucks entgehen, die Polizei warnt uns vor Überfällen und die Einheimischen schütteln den Kopf, nach 4-5 Tagen ist aber auch diese Region passé und es wird wieder gemütlicher.

80 Kilometer Abfahrt. Das haben wir uns hart erarbeitet.

80 Kilometer Abfahrt. Das haben wir uns hart erarbeitet.

Fluss durchqueren, was ein Spass. Bei Nacht aber sehr schwierig.

Fluss durchqueren, was ein Spass. Bei Nacht aber sehr schwierig.

Wir fallen, nach einer gigantischen ca. 80km Abfahrt, auf unter 800m und finden uns im peruanischen Regenwald wieder. Dieser macht seinem Namen alle Ehre und es schüttet wie aus Kübeln, bei den z.T. unasphaltierten Strassen gleicht das einer Rutschpartie, die Räder und wir sehen danach aus wie Wildschweine nach einem ausgiebigen Schlammbad. Wir sind auf der Suche nach der Inkastätte Machu Picchu und da muss man auch schon mal unangenehme Wege gehen und Opfer bringen und so kommen wir zu einem neuem Reiserekord. Mit 9.57 Stunden/Tag auf dem Rad stellen wir am Tag 381 unserer Reise einen neuen persönlichen Rekord auf, nicht einmal unserer Karte kennt diese Strasse und wir legen an diesem Tag zudem geschlagene 2657 (!!!) Höhenmeter zurück. Wir kommen in die Dunkelheit und müssen, mit der Konzentration und der Kraft am Ende, noch zahlreiche überflute Strassen überqueren. In einer Kneipe fragen wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit und werfen uns todmüde auf den Lehmboden der kleinen Gaststätte, die Gäste an den anderen Tischen bekommen wir kaum noch mit.

Rio Urubamba, der heilige Fluss der Inkas.

Rio Urubamba, der heilige Fluss der Inkas.

Die PE-28B wechselt ähnlich wie das Wetter ständig ihr Gesicht, wir wissen einfach nie was uns hinter der nächsten Kurve erwartet oder was das Wetter in der nächsten Stunde für uns bereit hält. Was sicher ist, der Hintern brennt wie die Hölle und die Oberschenkel drohen zu platzen, nach einigen Tagen erreichen wir den „Rio Urubamba“, den heiligen Fluss der Inkas, ein erstes Zeichen wir sind auf dem richtigem Weg und unser Ziel rückt langsam näher. Die 22.000km sind inzwischen voll, die Menschen halten uns weiter für Spinner und die Fahrer der Minibusse haben z.T. in ihrem Berufsleben, nach eigener Aussage, noch keine Radler auf dieser Strecke ausgemacht. Wir dringen weiter in eine Geheimwelt ein, zumindest fühlen wir uns als wie wir die Menschen in ihrer Welt überraschen und wir deren Ruhe stören. Eigentlich kaum zu glauben, dass eine der Hauptattraktionen Südamerikas nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt ist. Touristenmassen werden von der andern Seit, von Cusco aus, mit Bussen, Zügen und Taxis zum Machu Picchu gekarrt. Und hier, nichts! Nur Einsamkeit, Berge und Natur.

Erst kurz vor Quillabamba findet sich die Straße auch auf unserer Karte wieder, die Schlagzahl der mit Touristen vollgestopften Minibusse nimmt schlagartig zu, ein weiters Zeichen wir kommen unserem Etappenziel näher. In unserer Mittagspause besuchen wir die Wasserfälle „Siete Tinajas“ (7 Wasserfälle) und ernten viel Bewunderung über unsere Tour in den letzten Tagen. In Quillabamba erleben wir zufällig am Pfingstsamstag eine große bunte Parade, welche dem heimischen Karneval doch sehr nahe kommt, die Lebensfreude der Menschen ist ansteckend und so bewundern wir das Spektakel.

Steiler Abhang auf dem Weg nach Santa Teresa.

Steiler Abhang auf dem Weg nach Santa Teresa.

Der letzte Radtag bevor wir die Inkastätte erreichen hat es nochmals in sich. Wir wechseln auf die Schotterpiste 107, die Straße ist extrem eng und der Abgrund auf der linken Seite erlaubt keine Fahrfehler, jeder Fehler ist hier mit ziemlicher Sicherheit auch der Letzte. Der Ausblick auf die mit Schneebedeckten Gipfel der Berge ist gigantisch und geben der Region ihre Magie. Plötzlich hört der Weg auf, 10 km vor dem Ziel gibt es keinen Weg mehr!!!! Nur noch der, irrsinnig teure Zug fährt die letzten Kilometer, nicht mit uns!!!

Entlang der Gleise bis nach Machu Picchu.

Entlang der Gleise bis nach Machu Picchu.

Wir schleichen uns aufs Gleisbett, holen uns eine „Sondergenehmigung“ bei einem Wachmann, welcher uns müde viel Glück wünscht, und fahren die letzten Kilometer an den Schienen entlang, auf den Brücken gleicht dies einem Balanceakt und wird zur Zirkusnummer, aber nach 2 weiteren Stunden haben wir es tatsächlich geschafft.

Geschafft. Mit dem Fahrrad bis nach Machu Picchu Village.

Geschafft. Mit dem Fahrrad bis nach Machu Picchu Village.

WIR SIND ZUM MACHU PICCHU GERADELT!!!

In vielen Foren für Radfahrer, heisst es dies sei nicht möglich. Wir haben das Gegenteil bewiesen, haben Berge versetzt und unser Ziel erfolgreich erreicht.

Machu Picchu. Ein magischer Ort.

Machu Picchu. Ein magischer Ort.

Am nächsten morgen, es ist Pfingstmontag, um 4.30h machen wir uns auf den Weg um die antike Machu Picchu Stadt zu erobern. Unser Konzept geht auf und noch vor Sonnenaufgang sind wir oben und haben einen einmaligen Blick auf die eindrucksvollen Ruinen der Inkas. Frühmorgens liegt die Felsenstadt im weichem Licht der aufgehenden Sonne malerisch vor uns, diesen majestätischen Anblick werden wir niemals vergessen. Natürlich gehört das ganze Gebiet inzwischen zum UNESCO – Weltkulturerbe, Forscher sind sich einig das die Stadt bereits zur Anfangszeit der Inkas erbaut wurde. Wir setzen noch einen drauf und wandern auf den Machu Picchu-Mountain, der steile Anstieg lohnt sich wir stehen jetzt ca. 600m über den Ruinen und geniessen bei blauem Himmel und Sonnenschein eine 360°C Panoramaaussicht und lassen uns die mitgebrachte Brotzeit schmecken. Schon beim Abstieg wird klar, der klassische

600m über Machu Picchu. Was eine Aussicht.

600m über Machu Picchu. Was eine Aussicht.

Pauschaltourist ist inzwischen auch angekommen und schiebt sich durch die Ruinen. Zahlreiche Alpakas werden als natürliche Rasenmäher eingesetzt, gegen unsere Merino-Shirts von Kaipara sehen aber selbst diese alt aus. Wir geniessen den Moment und Drehen noch eine Runde durch das ursprüngliche Dorf bevor wir den Abstieg auf einem der Inka-Trails angehen.

Am nächsten morgen geht es den gleichen Weg zurück, auf den 10km entlang der Gleise regnet es wie verrückt. Schon nach wenigen Metern sind wir pitschnass und wir schlittern und rutschen die Gleise entlang. Wir lachen uns aber insgeheim ins Fäustchen, gestern hatten wir strahlenden Sonnenschein und konnten unseren Wanderausflug in vollen Zügen geniessen und heute regnet es Bindfäden. Die Götter der Inkas waren mit uns!! Wenigstens können die Touristen auf dem Berg, welche ausschauen wie direkt dem Outdoor-Katalog entsprungen, heute ihre Funktionskleidung gut testen.

Im strömenden Regen gehts zurück nach Santa Teresa.

Im strömenden Regen gehts zurück nach Santa Teresa.

Unten angekommen geht es aber auch für uns vorerst nicht weiter. Die Schottenpiste ist komplett aufgeweicht, Matschfelder und Schlammlawinen machen den Weg heute zur Albtraumstrecke. Zudem sind Sandro’s Bremsen inzwischen komplett blank. Wir sind kein Himmelfahrtskommando und die Abfahrten hier ohne Bremsen kommt einer Kamikaze – Fahrt gleich und macht, speziell bei Regen, absolut keinen Sinn. Lange Rede, kurzer Sinn, den Regentag verbringen wir in einem Allrad-Minibus und lassen uns nach Cusco fahren. Die Beine danken es uns und wir sind kaum eingenickt da wirft uns der Fahrer schon in der Hauptstadt er Inkas raus. Hallo Cusco!!

Cusco, eine tolle historische Stadt.

Cusco, eine tolle historische Stadt.

In Cusco haben wir genau 22.222 km auf dem Tacho und freuen uns auf 2 Tage Auszeit von Bergen, Tälern und Schluchten. Einst war Cusco die Hauptstadt und der Herz des Inka-Imperiums, der „Nabel der Welt“ wie die Inka ihre Stadt nannten. Laut Aussagen anderer Reisenden ist Cusco heute nicht nur die wohl schönste und abwechslungsreichste Stadt Perus, sondern wegen ihrer historischen Bedeutung auch eine der interessantesten Südamerikas. Alte Inkamauern, prächtige Kolonialbauten und reich ausgeschmückte Kirchen erinnern an die bis heute mit Leben erfüllte Vergangenheit. Die Menschen und Märkte scheinen hiernach farbenfroher zu sein wie im restlichen Peru.

Sandro und Julian lassen ihre hintere Bremsanlage komplett austauschen, unsere ursprünglichen Bremsen sind so speziell, dass es in ganz Südamerika keinerlei Ersatzteile gibt. Unzählige Fahrradläden konnten uns nicht weiterhelfen, jetzt geht es eben mit einer komplett neuen Bremsanlage weiter durch die Anden. Hilft ja nichts, wir sind zwar kaum zu stoppen, trotzdem müssen auch wir mal bremsen.

So, wir hoffen die Sonne setzt sich inzwischen auch in Deutschland oder wo auch immer auf der Welt ihr uns verfolgt, flächendeckend durch und ihr geniesst den Wonnemonat Mai. Den nächsten Bericht gibt es vermutlich schon aus Bolivien, unserem Land Nr. 20. In circa 80 Tagen fällt dann auch schon der Startschuss in Rio und sowie es bislang läuft werden wir bei diesem wohl live vor Ort sein, natürlich mit dem Fahrrad.

Mit freundlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Peru II

Peru
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Trio wird zum Quartett. Eamonn aus Irland.

Nach unserem letzten Blog in Mancora (Peru) transformierte sich unser Trio für über 600 km zum Quartett. Eamonn unser sympathischer irischer Freund, der auf Grund seiner roten Haare und bleicheren Haut von den Einheimischen liebevoll „Gringo Rubio“ genannt wird, schliesst sich uns an und reitet mit uns durch die peruanische Wüste.

Die steinige Gegend ist furztrocken, links und rechts leben einfache Ziegenhirten und Landarbeiter in ihren Lehmhütten und arrangieren sich mit der harten Lebensbedingungen in dieser Gegend. Allerdings ist dieser Teil nur ein grober Vorgeschmack, richtig wüst wird es erst in den kommenden Tagen bzw. Wochen. Sonne und Sand soweit man schaut, kein Baum in Sicht und der Wind bläst uns mit 30 – 50 km/h frontal ins Gesicht. In den wenigen oft namenlosen Ortschaften welche wir passieren gibt es gerade mal die nötigsten Lebensmittel, auch die namenlosen Sandstrassen sind ein sicheres Zeichen, wir haben ihn gefunden, den A**** der Welt!!!

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Sand, weit und breit nix anderes zu sehen.

Am Tag 363 unserer Reisen stellen wir gleich 2 Reiserekorde auf, da es keine Übernachtungsmöglichkeiten in der „Desierto de Sechura“ (Wüste) gibt „donnern“ wir an diesem extrem windigem Tag 160km (100 Meilen) durch die Wüste, 9.33 Stunden sassen wir dafür auf unseren Rädern und erreichen fix & fertig unseren Zielort Morrope. Hin und wieder kommen wir doch in grössere Ortschaften und geniessen die bunten Märkte, die peruanische Küche und die freundlichen Menschen auf den Strassen und Plätzen, vieler Orts werden wir mit grossen Augen gemustert, als Fahrradfahrer kommt man eben an Orte, an denen noch nicht allzu viele Touristen gesehen wurden.

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Riesige Dünen säumen den Strassenrand.

Die Panamericana treibt uns weiter bolzengerade durch die Pampa und den endlosen Sand, Abwechslung fürs Auge ist hier Fehlanzeige, die Hitze schwirrt auf dem Asphalt, der Wind treibt Sandverwehungen über die Strasse und die Geier kreisen über uns, ein Szenario wie in einem Western. Die Einheimischen warnen uns vor Banditen und Überfällen auf Reisende, gerade Paijan ist als „Schurkenort“ weit bekannt, uns wird der Bus oder eine Eskorte empfohlen für diesen gefährlichen Ort bzw. diese berüchtigte Gegend. Wir entscheiden uns dagegen und kommen ohne Schwierigkeiten durch, 4 Radler auf einmal sind eben auch für peruanische Bösewichte eine Nummer zu hoch. Die Wüste ist jetzt richtig dreckig, überall wurde Müll verteilt und Geröll abgeladen, es stinkt nach Verwesung und ist vielleicht der hässlichste Abschnitt unserer bisherigen Reise.

Am letzten gemeinsamen Tag mit Eamonn feiern wir unseren 1. Geburtstag „on the road“!! 366 Tage, wir hatten Schaltjahr daher 365 + 1, rollen wir bereits durch die Weltgeschichte, an unserm Ehrentag beschenken wir uns selbst und machen die 21.000 Kilometer voll. Im Surferhotspot von Huanchaco betreibt Eamonns Cousin Ritchie das „Hostal Casa Fresh“, dort steigt unsere feucht-fröhliche Geburtstagsparty mit zahlreichen Backpackern aus allen Teilen dieser Erde.

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Feierabend Bier mit Eamonn. Am Abend steigt eine kleine 1 Jahres Party.

Nach 629 gemeinsamen Kilometern, verabschieden wir uns also wieder von unserem irren Iren und machen uns bereit für den nächsten wüsten Wüstenritt in Richtung Lima. Die riesigen Sanddünen entlang der Strasse sind jetzt wieder äusserst attraktiv und beeindruckend, auf der rechten Seite der Strasse türmen sich die Dünen und treffen auf der linken Seite auf die massiven Ausläufer der Anden. Diesen Anblick erarbeiten wir uns allerdings hart, der Schweiss fliesst in Strömen und der Gegenwind wir von Tag zu Tag massiver. 1998 (!!) hat es hier in der Gegend das letzte Mal geregnet, berichten uns die Einheimischen, Wüste pur. Wilde Hund mit gefletschten Zähne jagen uns hinterher, verbeissen sich gar in Sandros Satteltasche, der Abenteuerspielplatz Erde hat viele Facetten. Weiter gehts, die Grenze des Möglichen ist noch nicht erreicht und lässt sich bekanntlich ausdehnen. Zumindest die Panamericana (N1) ist auch in Peru in einem überraschend gutem Zustand, in der Regel gibt es genügend Platz für Verkehr und Radler und Schlaglöcher sind eine Ausnahme.

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Stadt aus Strohhüten. Keine Menschenseele weit und breit.

Wir fahren durch eine 15km lange Geisterstadt aus einfachsten Hütten, keine Menschenseele ist hier zu sehen, skurril und unheimlich. Und dann finden wir eine wahre Oase in mitten diesem Sandkasten. Clemente und seine Frau Isabel betreiben das Restaurante „La Balsa“ mitten im Nirgendwo, Fahrradfahrer übernachten und speisen hier komplett kostenlos. Über 25 Jahre bietet diese bezaubernde Ehepaar Radlern und andern Extremreisenden diesen Service, die Gästebücher sind voller Geschichten von dankbaren Menschen, welche hier übernachtet haben und königlich schlemmen durften. Für alle zukünftigen Wüstendurchquerer das Haus „Don Clemente“ mit dem Restaurante „La Balsa“ liegt bei KM 347 der Panamericana Norte und ist ein MUSS.

Noch sind es 300km bis Lima und wieder zeigt sich Peru als temperamentvolle, wilde, ungeschliffene, ungezähmte, stolze Schönheit. Wir kleben vor lauter Wind beinahe an der Strasse fest, der Sand fliegt uns um die Ohren und verpasst uns ein Peeling der unangenehmeren Art, wer Ruhe und Einsamkeit sucht ist hier genau richtig, die Föhnfrisur gibt es inklusive. Sobald wir aber in eine Ortschaft kommen, herrscht ein Hupkonzert wie nach der gewonnen Fussball- WM 2014 in deutschen Innenstädten, Autokorsos tagtäglich laut und live. Ähnlich wie bei den Hunden hilft auch gegen die rücksichtslosen, chaotischen Fahrer meist laute schwäbische Schimpftriaden, lieber laut und aufbrausend als umgefahren.

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Tretlager kaputt. Nico fährt mit dem Motorradtaxi und Bus voraus.

2 Tage bevor wir in Lima einlaufen wollen bricht Nicos Tretlagen irreparabel in alle Einzelteile. Ratlosigkeit macht sich breit, bekommen wir Ersatzteile? Wird es eine längere Pause? Kurzerhand wird Nico samt Fahrrad in einen Bus verfrachtet und nach Lima vorgeschickt in der Hoffnung in der peruanischen Hauptstadt gibt es Ersatz oder/und flinke fähige Mechaniker. Jetzt halten wir physisch und psychisch durch, soll es jetzt wirklich am Material, an der Technik scheitern?

Julian und Sandro werden von Windböen um die 50km/h weiter sandgestrahlt und kommen mit 7-10km/h nur zäh dem Etappenziel näher, die Landschaft ist unwirklich, bizarr und faszinierend zugleich. Wir fahren auf sandigen Klippen, unter uns tobt der pazifische Ozean und auf der linken Seite türmen sich kilometerweit gigantischen Sandberge. Durch die unberechenbaren Fallwinde an der Küste ist das Unfallrisiko hier scheinbar extrem hoch, wir sehen viele verunglückte LKW’s auf der engen Küstenstrasse.

So, nach 21591km erreichen wir das historische Stadtzentrum Limas, der Stadtverkehr ist absolut chaotisch und laut. Die Grenzerfahrung Wüste ist vorerst vorbei. Wir haben es überstanden! Man weiss halt erst was man kann, wenn man es probiert hat. Wir und unsere TX-1000 Räder der Fahrradmanufaktur können also auch Wüste!

Lima mit ihren 8.2 Millionen Einwohnern ist übrigens die 2. grösste Wüstenstadt der Welt und erinnert daher ein bisschen an den Wilden Westen. Historisch hat Lima einiges mitgemacht und die prachtvolle, restaurierte koloniale Innenstadt mit ihren zahlreichen Palästen, Museen, Kirchen, die majestätischen Plätze und Parks etc. laden zu einer gemütlichen Stadttour ein. Wie immer ist für uns das bunte, vielfältige, abwechslungsreiche, unberechenbare authentische Strassenleben am interessantesten und wir geniessen die radelfreie Zeit in den Gassen Limas.

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Kathedrale am Plaza de Armas in der Altstadt Limas.

Nico bekommt innerhalb von 2 Stunden nach Ankunft in Lima überraschend schnell ein neues Tretlager organisiert und eingebaut, ein Hoch auf die peruanischen Mechaniker. Die Reise kann also weitergehen. Ansonsten wird Lima zur Entspannung und zum organisieren von zahlreichen Kleinigkeiten genutzt, auch die inzwischen obligatorische Massage darf natürlich nicht fehlen. Wieder gibt es einen Abschied, den Pazifik und auch die Panamericana werden wir verlassen. Treu haben der große Teich und die legendäre Strasse uns über 19.000km von Alaska bis Lima begleitet. Für uns geht es jetzt in die Berge wo uns Cusco mit viel Kultur der Inkas und der Titicacasee erwarten. Danach geht es weiter nach Bolivien, Chile und Paraguay, Brasilien und damit unser Ziel Rio mit seinen Olympischen Spielen liegt quasi direkt „hinterm Berg“ und ist zum greifen nahe.

„König Plattfuss“ hat inzwischen die 25zig geknackt und baut seinen Vorsprung auf Sandro und Nico komfortabel auf je 10 Platten Abstand aus. Die Beiden müssen schon eine furiosen Endspurt hinlegen um Julian Platz 1 und damit die Olympische Goldmedaille noch streitig zu machen.

Unser Traum geht weiter, wir hoffen auch ihr lebt nicht nur in einer Traumwelt, sondern gestaltet diese auch aktiv. Den nächsten Bericht gibt es direkt aus den Anden.

Danke für eure Unterstützung, eure Nachrichten und Kommentare. Vielen Dank auch fürs teilen unserer Berichte auf Facebook!

Mit unverwüstlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro

Mehr Bilder sind in unserer Galerie zu finden!

Ecuador II – Galapagos-Inseln – Peru

Ecuador, Peru

Die Vorfreude auf unseren „Urlaub vom Urlaub“ und damit der Besuch auf den Galapagos-Inseln und das Zusammentreffen mit unseren Eltern ist gross. Unsere 7 Sachen sind schnell gepackt, die Räder sicher verstaut und Körper & Geist sehnen sich nach Ruhe und Erholung. Nach einer ausgiebigen nächtlichen Stadttour durch Guayaquil mit Lulu, der Nichte von unseren Gastgebern vor Ort, hebt der Flieger ab und bringt uns sicher ins Naturparadies Ecuadors.

Pelikane.

Flamingos.

Wir landen auf der Flughafeninsel „Isla Batra“ und reisen mit Bus, Boot und Pickup weiter auf die Hauptinsel „Isla Santa Cruz“, wo wir uns im Fischerort „Puerto Ayora“ ein Hostel nehmen. Schon am ersten Abend bekommen wir einen Eindruck was uns die nächsten Tage erwartet, selbst das Hafenwasser ist kristallklar und wir werden von Seelöwen, Pelikanen, Drachenechsen, Schildkröten & Co. begrüsst. Die nächsten Tage wandeln wir auf Charles Darwins Spuren, besuchen die gleichnamige Research Station und versuchen die Arbeit des britischen Naturforschers zu verstehen. Er gilt, auch heute noch, wegen seiner wesentlichen Beiträge zur Evolutionstheorie als einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler überhaupt, Geschichte pur. An den weißen Sandstränden der „Playa Tortuga“ und „Playa El Garrapatero“ steht zwar der Badespass im Pazifik an erster Stelle, aber auch hier kommen wir mit dem Wildlife eng in Kontakt. Allgemein kommen wir den Tieren verblüffend nah, da die Tiere auf den Galapagos Inseln keine natürlichen Feinde haben. Auch der Mensch wird nicht als Feind wahrgenommen, die Tiere halten keine Fluchtdistanz, wie es z.B. auf Safaris in Afrika der Fall ist. Es hat beinahe den Anschein die Tiere beobachten den Menschen und nicht umgekehrt, die Tiere haben sich der Natur perfekt angepasst und manchmal sind diese, dank ihrer perfekten Tarnung, erst auf den zweiten Blick auszumachen. Da die Inseln sehr isoliert liegen, ist die Flora und Fauna absolut einzigartig. Zudem herrschen einmalige Umwelt- und Wetterbedingungen, einfach ein traumhaftes Fleckchen Erde.

Nico und Julians Eltern zu Besuch auf den Galapagosinseln.

Nico und Julians Eltern zu Besuch auf den Galapagosinseln.

Vater springt wie ein junger Hund in die Fluten des Pazifiks, Mutter übt sich fleissig als Fotografin und wir geniessen zusammen den Augenblick und die Ruhe. Für den Moment gibt es keinen Ort an welchem wir jetzt lieber wären.

Diese Schildkröte ist ca. 150 Jahre alt.

Diese Schildkröte ist ca. 150 Jahre alt.

Erst besuchen wir die mächtigen Riesenschildkröten (Tortugas Gigantes) im „Reserva El Chato“, welche teilweise weit über 200 Jahre auf dem Buckel haben, danach robben wir durch die unterirdischen Lavatunnels (Los Tunnels), welche 20m unter der Erde liegen und bis zu 600m lang sind. In der Mittagshitze springen wir in den Krater „Las Grietas“, das kühle Wasser der Badeschlucht ist bei der Hitze eine absolute Wohltat. Erst als die „Isla Santa Cruz“ ausgiebig erkundet ist geht es mit dem Boot für ein paar Tage auf die Nachbarinsel „Isla Isabela“.

Las Grietas. Eine tolle Abkühlung in der Mittagshitze.

Las Grietas. Eine tolle Abkühlung in der Mittagshitze.

Blaufusstölpel auf Isla Isabel.

Blaufusstölpel auf Isla Isabel.

„Isla Isabela“ ist zwar die grösste der Galapagos-Inseln, aber weniger bewohnt und daher noch ruhiger und natürlicher. Die Sandstrassen und das einfache gemütliche Leben strahlen eine tolle Urlaubsatmosphäre aus und die vielen Tiere, welche überall anzutreffen sind, machen diesen charmanten, paradiesischen Ort zu einer Oase. Wir wohnen im Örtchen „Puerto Villamil“, dieser eignet sich perfekt für unsere zahlreichen Expeditionen an die vielen Strände und ins wilde Hinterland. Auch hier wimmelt es vor Drachenechsen, Flamingos, Seelöwen, Pelikanen, Krebsen, Rochen, Land- und Wasserschildkröten, Haien, bunten Vögel wie den blaufüssigen „Boobies“ und Darwins Finken etc., langsam gehen uns die Superlative für dieses Naturparadies aus. Bei unseren zahlreichen Schnorcheltrips fühlen wir uns wie in einem gigantischen Aquarium, wir schwimmen mit Schildkröten, Haien, Stachelrochen & Co. Vor lauter farbenfrohem Leben unter und über Wasser geht das Zeitgefühl komplett verloren und die Tiefenentspannung übernimmt spätestens jetzt den Takt. Auch unsere Strandwanderungen und Spaziergänge ins Hinterland  z.B. in die Zuchtstation für Landschildkröten oder der „Wall of Tears“ sind die 120U$ Eintritt, welcher für den Besuch der Galapagos-Inseln fällig wird, und den eher teuren Flug absolut wert. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, auf der einen Seite gibt es Lavagestein mit einsamen Kakteen auf der anderen Seite große, saftigen Wälder, welche an lichte Maienwälder erinnern, die fantastischen Strände nicht zu vergessen.

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Drachenechsen wo man hinschaut!

Unsere Reise ist ein Traum wie aus 1001 Nacht, wir schwimmen weiter auf einer tollen Welle und schreiben kräftig an einem einmaligen Kapitel unserer eigenen Geschichte. Die Geschichte unseres Planeten schreibt man nicht mal eben um, unserer eigenen Story können wir aber jederzeit neue, unvergessliche und spannende Zeilen hinzufügen.

Die letzten 2 Tage auf den Galapagos-Inseln werden die Füsse nochmals hochgelegt, damit wir wieder frisch in den Sattel kommen. Knapp 3 1/2 Monate sind es noch bis Rio, 3 1/2 Monate in den es noch mal gilt sich mit den Marotten der jeweils beiden Anderen zu arrangieren um unser gemeinsames Teamziel zu erreichen, ausgeruht für den letzten großen Abschnitt sollten wir jedenfalls sein, Körper und Geist fühlen sich bereit!! Weniger bereit zeigt sich der DFB, den Fussballbund hatten wir auch angeschrieben ob wir eventuell Tickets für das Olympische-Fussballturnier bekommen könnten. Ausser eine unpersönlich Standardabsage und ein Verweis auf eine Ticketagentur, haben die Damen und Herren sich keinen Zacken aus der schwarz-rot-goldenen Krone gebrochen. Wirklich schade!

Zurück in Guayaquil und damit auf dem ecuadorianischen Festland, heisst es Abschiedsnehmen. Mutter und Vater ziehen weiter Richtung Kolumbien, Mexiko und Kuba und wir suchen unseren Weg nach Peru. Danke, die Zeit mit Euch war ein Traum.

Auf dem Highway E-25 gibt es ein kleines Highlight, nach 20037km haben wir genau die Hälfte des Erdumfangs abgeradelt, eine halbe Weltreise also (der gesamte Erdumfang beträgt, laut Wikipedia, circa 40074km).

E25. Auf der Panamericana nach Peru.

E25. Auf der Panamericana nach Peru.

Es geht flach in Richtung Peru, schnell sind da Kilometer gemacht, links und recht leisten uns weiter riesige Bananen- und Kakaoplantagen Gesellschaft. Als wir am vorletzten Abend an einem Strassenimbiss sitzen und das einfache ecuadorianische Dorfleben geniessen wollen, wackelt die Erde. Ecuador verabschiedet sich mit dem stärksten Erdbeben seit 1979, dieses hat knapp 300 Todesopfer und zahlreiche Verletzte gefordert und war mit einer Stärke von 7.8 auf der Richterskala verheerend, in zahlreichen Provinzen musste Katastrophenalarm ausgerufen werden. Wir hatten Glück im Unglück, in unserer Region wackelte „nur“ die Erde für 30-45 Sekunden, danach war der Strom weg, aber ansonsten hielten sich die Schäden in Grenzen. Ein komisches Gefühl, wer schon einmal auf einer Hüpfburg für Kinder war, kann sich das wackelige Gefühl vielleicht am ehesten vorstellen. Für uns bleibt nur zu hoffen, dass die Opferzahl nicht weiter steigt und sich die Erde wieder beruhigt hat und die nächsten Überraschungen wieder von positiver Natur sind.

Nach 23 abwechslungsreichen Tagen in Ecuador verabschieden wir uns, 27.73€ p.P./Tag haben wir benötigt, der exklusive Aufenthalt auf den Galapagos-Inseln hat unser Tagesbudget etwas strapaziert, war aber jeden Cent wert. Danke Ecuador, Hola Peru!!!

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Peru. Land Nr. 19 auf unserer Fahrradtour.

Ruck-Zuck haben wir die nötigen Stempel im Pass und Peru heisst uns als 19tes Land unserer Reise am Tag 358 willkommen. Mit einem traumhaften und klarem Panoramablick auf die Anden geht es auf dem Highway 1A (Panamericana Norte) gemütlich dahin. Wie die geborenen Asphaltcowboys cruisen wir die Pazifikküste entlang, eigentlich ist alles perfekt, bis Julians Schaltung den Geist aufgibt. Ein gerissener Schaltzug und nix geht mehr!  Mit einem Motorradtaxi werden Ersatzteile besorgt, danach müssen wir uns ins komplizierte Rohloff-System reindenken, wir fummeln und basteln über 5 Stunden zusammen in der größten peruanischen Mittagshitze, erst am Abend steht der „Bock“ wieder einsatzbereit auf der Straße. Gutes Teamwork, jetzt können die Anden wieder kommen. Jeder Tag ist unberechenbar und meistens kommt es sowieso komplett anders wie gedacht!

Mancora ist ein beliebter und sehr lebhafter Backpackerort direkt am kilometerlangen Sandstrand gelegen, dort treffen wir auf unseren irischen Freund Eamonn. Eamonn haben wir in den Bergen Kolumbiens kennengelernt und für die nächsten circa 600km wird unser Trio nun zum Quartett, Eamonn wird uns die nächsten Tage begleiten.

Unser großes Abenteuer geniessen wir übrigens mit durchschnittlich 18.21km/h (Stand 20.04.2016). Unsere Gesamtkilometer belaufen sich inzwischen auf 20401km für diese sassen wir 1120.44 Stunden im Sattel, daraus resultiert unsere Durchschnittsgeschwindigkeit. Mit 18.21 Km/h um die Welt, die große Freiheit geniesst man eher gemütlich, die Welt ist schon schnelllebig und hektisch genug.

Danke für Eure zahlreichen Nachrichten zu unserem Wohlbefinden nach dem Erdbeben in Ecuador.  Wir hoffen das Aprilwetter in der Heimat wechselt bald in Sonnenschein pur. Wir melden uns in 14 Tagen wieder, bis dahin sollten wir die peruanische Hauptstadt Lima erobert haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Kolumbien III – Ecuador

Ecuador, Kolumbien
Pilgerkirche "Las Lajas" in Ipiales.

Pilgerkirche „Las Lajas“ in Ipiales.

Die letzten Kilometer in Kolumbien geht es nochmals kräftig auf und ab, in den Hütten am Gipfel wird heisse Schokolade und Käsekuchen serviert, ein Stück Heimat in der Ferne und gegen die frische Bergluft genau richtig. Bevor wir Kolumbien endgültig verlassen und nach Ecuador einreisen, wartete am Osterwochenende noch ein echtes Highlight auf uns. Die Pilgerkirche „Santuario de Las Lajas“, liegt in einer engen Schlucht und erinnert mehr an eine Burgfestung wie an ein Gotteshaus, ein wilder Fluss rauscht unter dem gigantischem Bauwerk hindurch, architektonisch ein Meisterwerk, die Kirche hat eine einzigartige Ausstrahlung und wird uns als eines der schönsten Bauwerke unserer Reise in Erinnerung bleiben.

Wir sagen Danke Kolumbien, mit 19.94€ p.P./Tag durften wir leben wie die Könige, zahlreiche Ersatzteile und Wartungskosten für die Räder inbegriffen. Kolumbien hat es uns definitiv angetan, wir hatten jede Menge Spass und haben eine tolle Kultur hautnah erleben dürfen. Die sehr schweisstreibende Berge mit ihren hohen Pässen werden uns ebenso wie die vielen Schluchten und Flusstäler lange in Erinnerung bleiben. Das leichte, oft chaotische bunte Leben werden wir, spätestens in Deutschland, vermissen. Unsere zahlreichen neuen Freunde, mit ihrer grenzenlosen Begeisterung für unser Unterfangen, machen Kolumbien zu einem Reiseland mit großem Rückkehrfaktor.

Warmanziehen. Auf gehts in Richtung Ecuador.

Warme Kleidung. Auf gehts in Richtung Ecuador.

Mit Nieselregen und äusserst kühlen Temperaturen begrüßt uns Ecuador, unser Land Nr. 18, der nötige Einreisestempel ist schnell im Pass und schon warten die Berge auf uns. Der US$ ist seit 1999 offizielle Währung in Ecuador, schnell wird uns daher deutlich das Ecuador ein weitaus höheres Preisniveau hat wie Kolumbien und wir wieder tiefer in die Tasche greifen müssen. Der Highway E-35, wegen den zahlreichen Vulkanen links und rechts der Strasse auch „Strasse der Vulkane“ genannt, führt uns zielsicher und sehr gut ausgebaut in die höchste Hauptstadt der Welt und damit nach Quito auf 2850m. Bevor wir aber nach Quito einreisen geht es, wieder einmal, bergauf und bergab. Das Wetter wechselt sein Gesicht binnen Minuten, vom puren Sonnenschein bis zu sintflutartigen Regengüssen sind es oft nur wenige Augenblicke. Die Anden machen klar wer hier der Boss ist und damit das Sagen hat, uns bleibt nichts anderes übrig wie uns anzupassen und im Minutentakt die Regenkleidung an und wieder auszuziehen. Am Abend kehren wir in billige Unterkünfte ein, manchmal gibt es sogar eine heisse Dusche, zum zelten ist es in den Hochebenen zu frisch und vor allem zu nass, den extremen

Äquator. Geschafft!

Äquator. Geschafft!

Regenmassen sind unsere Zelte nicht gewachsen. Kurz vor Quito verlassen wir die Nordhalbkugel, überschreiten den Äquator und heissen die Südhalbkugel herzlich willkommen. Gute 11 Monate und exakt 19502 km haben wir gebraucht um von München bis an den Mittelpunkt der Erde zu radeln, was für eine tolle Geschichte. In der Bergregion gilt Meerschweinchen als absolute Delikatesse, oft werden die kleinen Nager direkt am Strassenrand gebraten und verkauft, bislang haben wir die Leckerbissen allerdings den Einheimischen überlassen, aber ob wir der Verlockung noch lange widerstehen können?

Gebratene Meerschweinchen. Bisher haben wir sie nicht probiert.

Gebratene Meerschweinchen. Bisher haben wir sie nicht probiert.

Quito, und seine historische Altstadt empfängt uns dagegen mit Sonnenschein pur, versteh einer das Wetter… Quitos koloniales Stadtzentrum ist reich an zahlreichen bedeutenden Bauten und Denkmälern, vor allem koloniale Kirchen

Quito hat ein tolles historisches Zentrum.

Quito hat ein tolles historisches Zentrum.

und Klöster im Barock Stil stechen hervor. 1978 wurde Quitos Altstadt, als erste Stadt überhaupt, auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes gesetzt, zurecht wie wir meinen. Hinter jeder Ecke lassen sich neue Gassen, neue Geheimnisse und Geschichten finden, der historische Stadtkern ist sehr gut erhalten und einladend. In traditioneller Tracht verkaufen die Indigenas, Ecuadors Ureinwohner, Obst und Gemüse, überall auf den zahlreichen „Plazas“ trifft man auf Lottoverkäufer, Schuhputzer und diverse „laufende Händler“, ein buntes Treiben beherrscht das

Wacht über Quito auf dem Hügel "El Panecillo".

Wacht über Quito auf dem Hügel „El Panecillo“.

Stadtbild. Wir steigen, gegen den Rat der Polizei – welche vor Überfällen warnt, auf den Hügel „Panecillo“ wo die berühmte Marinestatue über die Stadt wacht, so haben wir eine tolle Draufsicht auf die 2,2 Millionen Einwohner Stadt und die Vulkane welche das langgezogene Stadtgebiet einkesseln. Donner, Blitz und Regen treiben uns in die zahlreichen kleinen köstlichen Restaurants und auch die vielen Kirchen sind trocken und strahlen mächtig vor Glanz und Gloria. Abseits der Altstadt zeigt Quito aber auch ein zweites Gesicht, Armut, Drogen und und wenig Perspektiven aus diesem Teufelskreis sind auch ein Teil dieser Millionenstadt.

Geschlagene 20 km brauchen wir um aus Quitos Stadtgebiet zu entkommen, die Hauptstrasse hat nicht viel vom gemütliche Stadtzentrum. Die Strasse ist stark befahren, ständig wird gehupt, Busse und LKW’s dieseln uns mit Abgasen voll, gerade die Busfahrer haben einen Dachschaden und fahren wie der Henker persönlich, die Luft steht, die Lunge eines Kettenrauchers kann nicht weniger belastet sein. Jedenfalls sind wir recht froh wieder in der Natur zu sein und geniessen die gesunde Landluft und den gemächlichen Verkehr.

"Pailon del Diabolo", ein Wasserfall in Banos.

„Pailon del Diabolo“, ein Wasserfall in Banos.

Nico möchte weitere Vulkane sehen und fährt die „Feuerstrasse“ weiter,. Vorbei am Vulkan Cotopaxi nach Banos, ein Ort mit vielen Wasserfällen und heissen Quellen. Von dort fährt er weiter über Riobamba nach Alausi und macht einen Tagesausflug mit dem berühmten Zug „Nariz del Diabolo“. Julian und Sandro verlassen die E-35 und biegen rechts auf die E-20 und damit ins Flachland Ecuadors, in Richtung Santo Domingo, als Treffpunkt vereinbaren wir Guayaquil 7 Tage später. Julian und Sandro geniessen eine 80 Kilometer lange Abfahrt und brettern mit bis zu 70 km/h die Anden runter, nur der Regen und diverse Erdrutsche können uns kurzfristig stoppen. Im Flachland geht es an kilometerlangen Kakao- Mais- Maracuaya- Bananenplantagen vorbei, wir fahren durch die Obst und Gemüsekammer Ecuadors, die freundlichen Marktfrauen beschenken uns mit ihren Früchten, erklären uns den Weg und lachen viel über unsere Tour, frei nach dem Motto: „Ihr seid doch total bekloppt!“

Obst gibt es reichlich auf den Märkten Ecuadors.

Obst gibt es reichlich auf den Märkten Ecuadors.

In den Nächten regnet es, tagsüber wird es bis zu 35 Grad warm und extrem schwül, die Strecke ist schön flach und wir strampeln gedankenverloren vor uns hin bis nach Guayaquil, mit 3.3 Millionen Einwohner die grösste Stadt des Landes, diese liegt auf Meereshöhe. Für Schlangen scheint das tropische Klima im Flachland das ideale Biotop zu sein, die Biester finden in den Plantagen viel Unterschlupf, genügend Nahrung und liegen oft auf der Strasse rum „dead or alive“!

Erdrutsch. Die Strasse wird zum Fluss.

Erdrutsch. Die Strasse wird zum Fluss.

Nico hat in den Bergen, auf der Feuer- bzw. Vulkanstrasse, auch mit schlechtem Wetter zu kämpfen, erlebt zahlreiche Schlamm- und Felslawinen und muss sein Rad durch unzählige Matschfelder tragen. Leider war die Sicht auf die Vulkane nicht immer klar, die Natur und die unglaublich freundliche Bergbevölkerung machen die Passage dennoch unvergesslich.

In Guayaquil sind wir wieder vereint, innerhalb von 29 Tagen sind wir nun gut 2300 Kilometer quer durch Kolumbien und Ecuador gefahren, es ging über Stock und Stein, über Berge und Tal, durch Regen und Sonne, die Natur zeigte uns ihr gesamtes Spektrum auf. Wir freuen uns jetzt auf unsere 8-Tage Auszeit auf den Galapagos-Inseln, wo wir auch Darwins Spuren suchen werden und nach beinahe einem Jahr unsere Eltern treffen werden. Der „Kopf-Akku“ muss mal wieder komplett durchgeladen werden und auch die Beine freuen sich auf eine längere Auszeit und ein paar Tage ohne strampeln und die treuen Fahrräder.

Nach 20010 Kilometern sind wir in Guayaquil angekommen.

Nach 20010 Kilometern sind wir in Guayaquil angekommen.

Mit der Ankunft im Stadtzentrum von Guayaquil machen wir am Tag 344 die 20.000km voll. 20.000km Abenteuer und Spass. 20.000km rauf und runter. 20.0000km Friede/Streit und Versöhnung. 20.000km leiden und staunen. 20.000km Trip of our Lifetime. 20.000km Leben pur. 20.000km Wahnsinn.

In Guayaquil besuchen wir den Iguana-Park im Stadtzentrum, in diesem Park leben tausende von Riesenechsen, ein einmaliges Spektakel, die Altstadt kommt an den Charme Quitos zwar nicht ran, hat aber dennoch seinen eigenen Zauber.

Hunderte von Iguanas mitten in der Stadt.

Hunderte von Iguanas mitten in der Stadt.

Wir verabschieden uns in den Urlaub, danach geht es weiter in Richtung Peru wo uns die Anden wieder erwarten. Heute (5.4.2016) sind es noch genau 4 Monate bis zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Rio, noch haben wir etwa 8.000km vor uns, alles deutet auf einen „just in time“ – Einlauf hin, es bleibt spannend.

Die Räder bleiben hier in Guayaquil und sind bei Susana und Ana-Maria sicher untergebracht, auch wir leben gerade bei diesen 2 herzlichen Damen und geniessen deren umwerfende Gastfreundschaft.

Der nächste Bericht kommt bereits aus Peru und wird hoffentlich mit tollen Bildern und Eindrücken vom ecuadorianischen Naturparadies und damit von den Galapagos-Inseln beherrscht sein.

Danke für euer Interesse, die zahlreichen „likes“ und das teilen unserer Berichte auf Facebook.

Sportliche Urlaubsgrüße,

Euer Trio for Rio

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.

Kolumbien Nr. II

Kolumbien

Unser letzter Blog wurde noch in der Tiefebene Kolumbiens verfasst, inzwischen hat uns die  längste Gebirgskette der Welt, die scheinbar unendlichen massiven Anden, fest im Griff. Täglich machen wir äusserst schweisstreibende Höhenmeter, wieviele Meter wir bereits auf unserer Reise in die Höhe geklettert sind wissen wir leider nicht genau, einige Zehntausende sind es bis dato auf jeden Fall gewesen.

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Cynthia führt uns durch Medellin.

Wieder sind wir zahlreichen interessanten Menschen begegnet, so treffen wir Fabian aus Hamburg, welcher seit gut 5 Jahren mit seinem VW-Bus um die Welt kurvt, dank ihm hat nun auch Julians Ebook weitere 200 Bücher im Speicher. In Medellin legen wir einen entspannten Ruhetag bei Cynthia und ihrem Bruder Charles ein, wir fahren mit der berühmten Gondelbahn und haben daher eine interessante Perspektive über die Millionenstadt, wir werden in der Stadt rumgeführt, den Charme Cartagenas erreicht Medellin allerdings nicht. Oft werden wir gestoppt und müssen als Fotomodell herhalten, Kinder bestaunen unsere Räder und Männer wollen das Rohloff-System unserer TX-1000 Stahlrösser genauestens erklärt haben.

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Gondel über Medellin. Eine interessante Perspektive.

Auch mit einigen Radfahrern hatten wir das Vergnügen und wir strampelten zusammen durch tiefe Täler hinauf auf massive Bergkämme, passieren zahlreiche Pässe und genossen eine fantastische Aussicht über Berge und gigantische Schluchten. Die Landschaft ist saftig grün und die Berge mit ihren diversen Schattierungen und dem blauem Himmel im Hintergrund stellen ein umwerfendes Gesamtbild da, beinahe fühlen wir uns wie auf einer heimatlichen Alm. Die Anden werden immer massiver und von Tag

Rauf und runter. Bis auf teilweise 2800 Höhenmeter.

Rauf und runter. Bis auf teilweise 2800 Höhenmeter.

zu Tag selbstbewusster, wir steigen und fallen, geniessen traumhafte Abfahrten von bis zu 37km und fluchen leise über Anstiege der selben Länge. Ab ca. 2500m Höhe wird es recht frisch und unsere Kaipara-Merino-Kleidung kommt wieder vermehrt zum Einsatz, auch mit Regen müssen wir uns jetzt öfters auseinandersetzen, in den Bergen hängt eben das Wetter fest. In den Tälern und Flussebenen steigt dafür das Thermometer wieder auf knapp 40 Grad und die dicke Sonnencreme muss ausgepackt werden. Wir erleben eine langsame Achterbahnfahrt, von 700m rauf auf 2800m, runter auf 1100m und wieder rauf auf 2550m, runter auf 500m und wieder geht es rauf auf knapp 3000m (dies entspricht etwa der Zugspitze, immerhin Deutschlands höchster Berg) usw. usw. Falls die Beine gar nicht mehr wollen, gibt es immer noch die schleichenden LKW’s, welche sich schwerbeladen ebenfalls den Berg hoch quälen, diese eignen sich perfekt um sich einige Meter den Berg hochziehen zu lassen. Was kolumbianische Strassenkinder können, können wir schon lange (vom nachahmen wir allerdings dringend abgeraten)!

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Milchtransporter in Kolumbien.

4kg Spareribs zum Mittagessen.

4kg Spareribs zum Mittagessen.

Die tägliche Raubtierfütterung ist jedesmal ein Festessen, neben Reis, Bohnen, gebratenen Bananen und köstlichem Fleisch kommen auch delikate Nachspeisen und Delikatessen wie 4kg Spareribs auf den Tisch, ein Hoch auf die Küche Kolumbiens. Mit 1,50€ für ein üppiges Frühstück, 1,80€ für ein massives Mittags- bzw. Abendessen müssen sich die Preise nicht verstecken und wir sind wieder bereit und ausreichend gestärkt für den nächsten Anstieg. Der Highway 25, die Panamericana, führt uns zielstrebig in Richtung Ecuador, nur selten verlassen wir den gut ausgebauten Highway und fahren auf Nebenstrassen weiter (Highway 29 und 50). Momentan ist unser Schlagzahl etwas höher wie sonst, aber am 7. April müssen wir in Guayaquil im Süden Ecuadors sein um unseren Flug auf die Galapagos-Inseln zu erwischen. Allgemein ist es nicht schlecht auf so einer langen Reise sich kleinere Etappenziele zu setzten, hat man nur die Gesamtkilometer bzw. das Endziel, bei uns Rio im August 2016, im Kopf kann das einen mürbe machen, da man kaum Fortschritte sieht. Mit unserem Kuba Urlaub, dem Segeltrip nach Kolumbien und dem Flug auf die Galapagos-Inseln haben wir uns immer schöne und reizvolle Etappenziele gesetzt, dieses Konzept ging bislang gut auf. Klar, manchmal scheinen auch diese Etappenziele unerreichbar, wochenlang, tausende Kilometer weit strampeln wir drauf hin, Meter für Meter und plötzlich hat man es aus eigener Muskelkraft erreicht. Ein tolles, unbeschreibliches Glücksgefühl.

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Ein Hartes Leben in den Bergen.

Auf der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten landen wir immer öfters in diversen Stundenhotels, dies sind günstig und, gerade in den abgelegeneren Gebieten, zahlreicher wie „normale“ Hotels zu finden. Das horizontale Gewerbe ist in Kolumbien quasi an jeder Strassenecke anzufinden und gesellschaftlich akzeptiert, selbst die Polizei versucht uns an die Damen „zu vermitteln“, wir lehnen jedoch artig ab. Die kolumbianischen Männer müssen einen enormen Liebesbedarf haben, jedenfalls stehen sich am Strassenrand zig tausend Damen die Füsse platt und warten auf eine liebeshungrigen Trucker, welcher eines der besagten Stundenhotels anfährt.

Medellin. Wir werden herzlichst empfangen..

Medellin. Wir werden herzlichst empfangen..

Vor Kolumbien wurden wir gewarnt und es wurden uns Horrorgeschichten über Land und Leute erzählt. Jetzt stehen wir vor den Toren Ecuadors und haben tausende Kilometer in Kolumbien abgefahren, von Gewalt und Verbrechen keine Spur. Nico’s uns Sandro’s Schuhe wurden zwar „entwendet“ aber diese wurde 11 Monate abgearbeitet und fallen nicht wirklich unter heimtückischen Diebstahl, oder? Im Gegenteil, wir werden weiter angefeuert, bekommen Wasser und Früchte gereicht und nette, interessierte Gesprächspartner gibt es wie Sand am Meer. Klar kann man zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort sein und Gelegenheit macht Diebe, aber wo auf dieser Welt ist dies nicht der Fall? Gerade die jeweiligen Nachbarländer halten oft wenig von den Menschen auf der anderen Seite der Grenze. Die Engländer mögen die Schotten nicht, in Guatemala wird schlecht über El Salvador gesprochen, Nicaragua spottet über Honduras etc. etc. Und die Amerikaner? Die warnen vor jedem Land, jeder Kultur und jeder Religion, ein ängstlicheres Land, ein Land mit mehr Vorurteilen und Feindbildern, wie die USA, das selbsternannte Land der „grossen Freiheit“, haben wir bislang nicht kennengelernt. Ein Präsidentschaftskandidat wie Donald Trump mit seinem peinlichen Parolen ist das erschreckende Resultat dieser Angst und der bestehenden Vorurteile, andererseits sind wir mit den Wahlergebnissen der AfD (März 2016) in Deutschland nicht auf dem selben Holzweg? Jeder der mal eine solche Reise unternommen hat wird sich von solchen rechtspopulistischen Parteien fernhaften, egal auf welcher Seite des grossen Teiches, egal wo auf der Welt. Die Menschheit ist gut, unser Planet ist voller Wunder und atemberaubenden Plätzen. Ein paar Hans Wurscht’s wollen uns allerdings leider vom Gegenteil überzeugen, da hilft nur die fehlgeleiteten Idioten zu ignorieren und seine Stimme sinnvoll vergeben um nicht in deren braunes Fahrwasser zu geraten.

Eammon und Michel radeln 40km mit uns mit.

Eammon und Michel radeln 40km mit uns mit.

In Cali, der Hauptstadt der Salsatänzer, lassen wir uns nochmals die Berge aus den Beinen massieren und bewundern das, sich stündlich wechselnde, Strassenbild dieser Stadt. Nach Cali erwarten uns die Berge zurück, Sonne und Regen wechseln sich ab und wir kommen dadurch in den „Genuss“ wie durch eine Dampfgrotte radeln zu dürfen. Mit den Radlern Eammon aus Irland, Michel aus Kanada und Nelson aus Kolumbien haben wir einen tollen Tag auf den Bikes und besichtigen zusammen Popayan. Popayan hat komplett in weissgestrichene historische Altstadt und war u.a. Wohnsitz des ersten Präsidenten Kolumbiens. Mittlerweile stehen am Strassenrand tausende, schwer bewaffnete Soldaten, die gepanzerten Einsatzfahrzeuge erinnern an Kriegsschauplätze. Wir sprechen mit den Militärs und uns wird geraten vor allem die Nacht zu meiden, wie schon erwähnt eine 100%tige Sicherheit gibt es eben nie. Wir wollen gar nicht wissen was in den zahlreichen LKW’s alles von A nach B transportiert wird, ganz umsonst ist das Militär und Polizei Aufgebot mit Sicherheit auch nicht vor Ort, wir werden jedenfalls immer fröhlich durch jede Kontrolle gelotst. Auch die Kolumbianer sind recht gläubige Menschen, gerade in der Osterzeit sind die Kirchen gefüllt und wir sind bereits einigen Pilgern begegnet und Ostermärsche ziehen sich durch die Dörfer. Vielleicht vertrauen die Autofahrer zu sehr auf Gott, wieder stehen zahlreiche Kreuze am Strassenrand. Nur auf Gottesgnade zu hoffen ist auch nicht der richtige Weg, Einsicht und Rücksicht im Strassenverkehr sollte schon auch sein, teilweise werden wir Zeugen von recht waghalsigen Verkehrsteilnehmern.

Schlafen, essen, radeln, essen, radeln, essen und wieder in die Falle, so sehen unsere Tage im Moment auf, da es aber täglich Neues zu sehen gibt und wir immer ins Ungewisse radeln, kommt nie Langeweile oder Routine auf, es bleibt spannend und abwechslungsreich. Inzwischen haben wir die 19.000km voll gemacht und uns daher einen Ruhetag im Städtchen Pasto auf knapp 2900m Höhe verdient. Pasto ist ein nettes Bergstädtchen, leider haben am Gründonnerstag alle Geschäfte geschlossen und die Altstadt ist verwaist, so bleibt immerhin mehr Zeit zum entspannen. In unserer beliebten Plattfußstatistik gibt es keine grossen Veränderungen, Julian führt mit 21 Löchern und trägt sein Schicksal inzwischen mit Galgenhumor, Nico folgt auf Platz 2 (14) und Sandro liegt glücklich hinten auf Platz 3 (13).

Mal schauen wie grosszügig der DFB (Deutsche Fussballbund) sich zeigt, wir haben jedenfalls mal eine nette Email an die Damen und Herren gesendet, mit der Hoffnung auf Tickets für das Olympische Fussballturnier von Rio de Janeiro.

Unser nächster Bericht sollte bereits aus Ecuador kommen, wir wünschen euch Frohe Ostern und entspannte, sonnige Feiertage egal wo auf dieser Erde.

Viel Spaß beim Ostereier suchen!!!

Beste Grüße aus Pasto in den massiven Bergen Kolumbiens.

Euer Trio for Rio.

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder gibt es in unserer Galerie!

Panama – Kolumbien

Kolumbien, Panama

Wir verlassen Panama City um uns auf unsere letzten Kilometer auf zentralamerikanischen Boden zu begeben und gleichzeitig machen wir uns auf die Suche nach dem kleinen Segelhafen von Carti, von dort werden wir einen unvergesslichen Segeltrip nach Kolumbien angehen. Der Stadtverkehr in Panama City ist enorm, doch schon bald liegt die Stadtgrenze hinter uns und der Verkehr wird schlagartig ruhiger.

Im Zickzack bergauf, teilweise müssen wir schieben.

Im Zickzack bergauf, teilweise müssen wir schieben.

Nach einer ruhigen Nacht auf einem Kinderspielplatz, folgt eine 46km Etappe durch den Dschungel Panamas, welche es in sich hat und uns an die physischen und psychischen Grenzen stossen lässt. Der letzte Radtag in Panama bzw. in Zentralamerika verlangt uns wirklich nochmals alles ab, wir haben Steigungen von 18-20% und viele ausgewaschene Kurven welche sandig und unübersichtlich sind, mehrmals müssen wir von den Rädern steigen und diese „schweren Böcke“ schieben. Den ganzen Tag kommen uns ausschliesslich Allrad-Fahrzeuge entgegen, für normale Autos ist die Strecke einfach nicht machbar. Zentralamerika scheint uns eine letzte Challenge zu stellen und am Abend kommen wir fix und fertig aber als glückliche Sieger der besagten Challenge am Hafen an, noch lange wird uns dieser Tag auf der hügligen, schmalen Strasse in Erinnerung bleiben, der pure Wahnsinn und das auf Fahrrädern!!

Ja, am nächsten Tag heisst es Leinen los, wir stechen in See. Wir versuchen uns also für 5 Tage als Piraten auf unserem Segelboot namens „Albatros“. Unser Kapitän Hernando ist ein erfahrener Seebär, schon 553x hat er die

Unser Captain Hernando. Eine Legende.

Unser Captain Hernando. Eine Legende.

Strecke Panama – Kolumbien sicher gemeistert. Er ist der Gründer der kolumbianischen Segelschule, sein Sohn startet als Segeltrainer für Ecuador bei den Olympischen Spielen in Rio 2016, mehr Erfahrung und mehr Sicherheit geht also nicht. Mit Chiara, unserer Deckhand und Köchin, ist die Crew komplett, 2 Kanadier und ein Engländer sind als zusätzliche Passagiere mit von der Partie. Die Räder sind sicher an der Reling angeleint und schon stechen wir in die ruhige karibische See und erleben die traumhaften San Blas Inseln hautnah. Jetzt haben wir auf unserer Reise schon viel gesehen, aber die 365 Inselchen des San Blas Archipel und ihre traditionellen Ureinwohner, die Kuna Yalas, machen uns schlicht sprachlos und wir können uns an dieser wunderbaren Umgebung kaum satt sehen.

Die San Blas Inseln sind ein Traum.

Die San Blas Inseln sind ein Traum. Karibik Pur.

Wir schnorcheln, baden, angeln, fahren Kajak, beobachten Delfine und segeln durchs Paradies, zumindest muss dieses einmalige Fleckchen Erde bzw. Wasser dem Paradies ziemlich nahe kommen. Wir bekommen Lobster und andere Köstlichkeiten von Chiara serviert unser Kapitän erzählt Geschichten

Wir geniessen die Radfreien Tage und segeln genussvoll durch die Karibik.

Wir segeln durch die Karibik und geniessen die Radfreien Tage.

aus seinem bunten Seglerleben, wir haben definitiv mit der Wahl der „Albatros“ einen fantastischen Glückstreffer gemacht. Es scheint, als gehört es zum gutem Ton, als Kapitän immer ein Bier in der Hand zu haben, jedenfalls ist unser „El Capitano“ kein grosser Freund von Wasser und Saft und bevorzugt zu jeder Tageszeit sein „flüssiges Gold“. Am zweiten Tag sind wir genau 10 Monate auf unserer Reisen, dieses kleine Jubiläum feiern wir in traumhaften Umgebung bei Vollmond und sagenhaftem Sternenhimmel, selbst der Plankton feiert mit und leuchtet unter der Wasseroberfläche. Wir finden immer einen tollen Ankerplatz in der Nähe einer der zahlreichen Inseln und sind von der Ruhe absolut begeistert. Da die Strasse in der Regel nie weit entfernt von unseren Zeltplätzen ist, ist es eine Wohltat für die Ohren mal keinen Verkehrslärm zu hören und wir schalten ab.

Da es Glück bringen soll im Schaltjahr, eine Flaschenpost aufzugeben, bereiten wir eine Trio-for-Rio-Flaschenpost vor und übergeben diese am 29ten Februar dem karibischen Meer. Mal schauen wie weit es unsere Flasche schafft und wir sind gespannt, ob wir eine Antwort bekommen. Vielleicht findet diese ja den Weg in den Neckar, in die Isar oder ins „schwäbische Meer“ und damit in den Bodensee, zumindest mit viel Fantasie ist dies möglich.

Trio for Rio Flaschenpost. Finder bitte melden.

Trio for Rio Flaschenpost. Finder bitte melden.

So, nach 3 Tagen ist der karibische Traum ausgeträumt und die Seglerromantik wird schwer beschädigt, wir stechen in offene See. Schon mal 48 Stunden Achterbahn gefahren? Oder 48 Stunden Turbulenzen im Flugzeug erlebt? Die 3-4m hohen Wellen werfen unsere Nussschale von Boot hin und her, ein Hexenkessel ist nix dagegen. Das Boot knarzt und ächzt, wir fliegen von einer Seite auf die Andere, wir kriechen 2 Tage durch die Sardinenbüchse und bewegen uns nur falls gar nicht anders möglich. Die Wellen schwappen über das Boot und es tropft in unsere Kojen ,unser Gleichgewichtssinn schlägt Purzelbäume, wir sind bemüht den Mageninhalt dort zu behalten wo er hingehört. Ein Königreich für einen Fahrradtag!!!!

Unser Kapitän scheint mit seiner Routine zwar alles im Griff zuhaben, aber ein mulmiges Gefühl bleibt eben doch so auf offener See hunderte Kilometer vom rettenden Ufer entfernt. In diesen Tagen wir ganz klar, wir sind Landeier und keine gestandenen Seemänner. Da der Seegang sehr stark ist bleiben wir eine weitere Nacht auf dem Boot bevor wir in Cartagena endlich wieder festen Boden unter die Füsse bekommen, unser Element hat uns zurück. Wieder einmal sind wir um eine Erfahrung reicher, unsere Reise ist ein toller Lehrmeister.

Geschafft. Willkommen in Südamerika. Willkommen in Cartagena.

Geschafft. Willkommen in Südamerika. Willkommen in Cartagena.

Ja, mit Cartagena begrüssen wir Kolumbien und damit natürlich auch Südamerika! Land Nr. 17 und Kontinent Nr. 3 (für uns beginnt Südamerika in Kolumbien) unserer Reise, gefällt uns auf anhieb. Cartagena ist mit Abstand das schönste Städtchen unserer Reise und gilt als Perle Lateinamerikas. Viele Künstler machen die kleinen Gassen und zahlreichen Plätze bunt und attraktiv, ein gewisser Hippie-Flair liegt auf der historischen Stadt, kulturell bietet Cartagena einiges und nicht nur der Stadtstrand ist einen Besuch wert. Unserem Kapitän begegnen wir mehrmals in der Stadt, dieses „Original“ kennt hier jeder und der bunte Hund findet immer jemanden zum Quatschen oder um ein Bierchen zu leeren, Geschichten zu Pablo Escobar und über andere kolumbianische Persönlichkeiten gingen ihm jedenfalls nie aus, toller Mensch.

Pita Gyros bei Jorge aus Thessaloniki.

Pita Gyros bei Jorgo aus Thessaloniki. EinTraum.

Wir sind wirklich angetan von dem Ort und verbringen gleich 4 Tage und Nächte dort, nicht nur die Fahrräder werden vom Mechaniker gründlich gecheckt und vom Salzwasser gereinigt, auch wir lassen es uns gut gehen. Erst nach mehreren Massagen, Maniküre, Pediküre, Frisör und einigen nächtlichen Stunden auf der Flanier- und Partymeile fühlen wir uns langsam wieder hergestellt und bereit für die Strasse. Die Pita-Gyros beim Griechen, Jorgos, ist ein Traum aber auch die kolumbianische Küche lässt absolut keine Wünsche offen und so ziehen wir mit viel Energie und Generalüberholt wieder los um das ländliche Kolumbien kennenzulernen. Wir sagen Adios Cartagena und verabschieden uns damit auch vom karibischen Meer, spätestens in Ecuador treffen wir wieder auf den pazifischen Ozean.

Schnell wird klar, Cartagena ist kein Massstab, die Landbevölkerung lebt wesentlich einfacher und primitiver als die Menschen in der Stadt. In punkto Herzlichkeit und Freundlichkeit stechen die Menschen, welche oft in einfachen Lehmhütten leben, allerdings hervor und beeindrucken uns nachhaltig. Da in

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Kunst aus alten Autoreifen.

Kolumbien alles eingezäunt ist, fragen wir die Menschen auf den Bauernhöfen und werden meist herzlich eingeladen und wir spannen unsere Hängematten im Hof bzw. Garten und kommen somit hautnah mit der sehr musikalischen Kultur und den neugierigen Menschen in Kontakt. Die zahlreichen Tiere auf den Höfen wecken uns immer recht zeitig, daher finden wir uns aussergewöhnlich früh auf den Rädern wieder. Ein früher Start ist allerdings auch von Vorteil, auch hier verwöhnt uns der Wettergott mit viel Sonne und wir machen lieber eine längere Siesta in der Mittagshitze. Inzwischen hat es sich etabliert, dass wir vor der Mittagssiesta ca. 2/3 (circa. 50-75km) und danach das restliche Drittel, also weitere 25-35km, fahren.

Vom Highway 90 wechseln wir auf den 25er, dieser ist in einem sehr gutem Zustand und wird uns bis ins Nachbarland Ecuador führen. Am Strassenrand werden uns Schildkröten zum Verzehr angeboten, wir verzichten, für uns müssen keine exotischen Tiere ihr Leben lassen. Die zahlreichen Restaurants am Strassenrand bieten leckeres und weniger exotisches dafür sehr leckeres Essen zum kleinem Preis an. Hier in Kolumbien lohnt sich jedenfalls der Restaurantbesuch eher wie ein Einkauf im Supermarkt, beides ist zwar circa gleich teuer, nur eben im Restaurant sind die Leckereien schon zubereitet und wir müssen den Gaskocher nicht auspacken. Auch Kirchen eignen sich übrigens hervorragend als Schlafplätze, im Pfarrgarten einer verlassenen Landkirche schliefen wir jedenfalls wie die Engelchen.

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Es ist sehr heiss, auch wir kühlen uns häufig ab. Das Schlammbad überlassen wir den Tieren.

Gestern haben wir unsere 18.000km voll gemacht und heute feiern wir „1000-Stunden-im-Sattel“, zur Belohnung geht es ins Hotel, für 3.60€ p.P ein erschwinglicher Luxus. Kolumbien hat ein, für uns, sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis, welches an Mexiko erinnert. In Panama haben wir übrigens 40.16€ p.P./Tag gebraucht, relativ viel, aber unser Segeltrip schraubte die Kosten in die Höhe. Die nächsten Tage werden unsere durchschnittlichen Tageskilometer etwas schrumpfen, die Berge warten auf uns und werden uns kräftig ins schwitzen bringen.

Oft werden wir gefragt wie wir auf die Idee für eine solche Reise gekommen sind, hier die Entstehungsgeschichte vom Trio for Rio in Kurzform.

2011 hatte Julian ein Arbeitsvisa für Kanada zugelost bekommen, aus privaten Gründen wurde dieses nicht genutzt und verfiel. Der Traum von Nordamerika blieb bei ihm allerdings bestehen und warum nicht Nord- Südamerika miteinander verbinden? Auto? Zu schnell! Wandern? Zu langsam! Fahrrad? Perfekt! Mit dem Fahrrad hat man genau die richtige Geschwindigkeit um die verschiedenen Kulturen intensiv zu erforschen und um Land und Leute ausgiebig kennenzulernen. 2012, auf dem spanischen Jakobsweg, entstand also die Idee die beiden Kontinente abzuradeln, Nico war von der Idee gleich begeistert und eine längere Testfahrt quer durch Europa bestätigte das Fahrrad als Reisepartner. Im Frühjahr 2013, also circa 2 Jahre vor dem Start wurde mit dem Sparen und den groben Planungen begonnen, Nicos Studienende im April 2015 wurde als Starttermin auserkoren. Die Idee in München zu starten entstand eher spontan, als Zielort Rio und damit die Olympischen Sommerspiele 2016 auszugeben kam uns beiden bei den TV Übertragungen der Olympischen Winterspiel in Sotschi/Russland 2014.

Anfang 2014 wurde letztendlich auch Sandro, als der dritte Mann im Bunde, über unsere bisherigen Pläne informiert und das „TrioforRio“ war geboren. Julian und Nico planten und organisierten fleissig weiter, suchten Sponsoren und informierten sich über die Strecke und die Länder welche durchquert werden sollen. Sandro übernahem dabei die Gastrolle und verhielt sich bis zum Start im April 2015 und auch bei der aktuellen Berichterstattung und Gestaltung der Homepage äusserst passiv, er überlässt die Aufgaben uns beiden.

Wir, Nico und Julian, beschlossen die komplette Reise zu filmen und im Logbuch zu dokumentieren, was aus diesem Material wird steht allerdings noch in den Sternen, konkrete Pläne haben wir beide noch nicht. Das Fotografieren wird vom kompletten Trio übernommen und so entstehen Bilder aus 3 Sichtweisen.

Der Starttermin konnte letztendlich eingehalten werden und wir sind auf voller Fahrt und schwimmen auf einer tollen Welle der Begeisterung.

Sonnenbad.

Sonnenbad.

Wir sind also angekommen in Südamerika, Rio ist zwar noch ein Stück entfernt, aber die Olympische Flamme rückt langsam aber sicher näher. Die nächste Attraktion, die Galapagosinseln, wartet und wir freuen uns auf einen Besuch der Eltern.

Vielen Dank für euer Interesse an unserer Reise und die Unterstützung.

Mit sportlichen Grüssen aus Kolumbien,

Julian, Nico und Sandro

Mehr Bilder gibt es in unserer Galerie zu bestaunen.

Oh, wie schön ist Panama – Costa Rica II

Costa Rica, Panama

Jeder Meter leistet seinen kleinen Beitrag zu unserem ehrgeizigem Gesamtprojekt „Trio for Rio“. Der aktuelle Meter ist genauso wichtig wie der vergangene oder der kommende Meter. Am Ende, in Rio de Janeiro, ist unsere gesamte Reise zusammengesetzt aus vielen kleinen Metern, aus vielen kleinen Streckenabschnitten welche, ähnlich wie ein Mosaiksteinchen ein Bild vollkommen macht, unsere Reise zu einem Gesamtbild verhilft und bunt und einzigartig werden lässt.

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Haus eines Fischer auf der Halbinsel Nicoya.

Die letzten 2 Wochen waren voller positiver Überraschungen, tollen Begegnungen, nervigen Viren und unvorhersehbaren harten Streckenabschnitten. Wir verlassen den bezaubernden Playa del Coco, verabschieden uns von unseren Gastgebern Jim und Sina und finden uns auf dem stürmischem Highway 21 wieder, welcher uns die Nicoya-Halbinsel runterführt. Die Menschen hier in Costa Rica und später in Panama freuen sich jedesmal dermassen unser Dreigespann zusehen, dass es uns schon beinahe ein bisschen zu viel wird. Wie oft wir inzwischen „Hola“, „Hello“, „Hi“, oder „Adios Amigos“ gesagt haben, wie oft wir winken durften, den Arm zum Gruß gehoben haben oder auf einen kleinen Schwatz anhalten mussten, können wir nicht zählen, die Begeisterung ist einfach gigantisch, Kinder stellen neugierig ihre Fragen und wollen Antworten, alles sehr harmonisch und sehr authentisch. Die Autofahrer hupen uns vor lauter Euphorie manchmal beinahe von der Piste, wir bekommen Süssigkeiten, Geld, Wasser und Früchte etc. aus den Autos gereicht, tolle Gesten, einmaliges Zentralamerika. Wer bei uns  in Deutschland den Mädels hinterher pfeift gilt schnell als Prolet, hier im Herzen Zentralamerikas ist die Sachlage etwas anders, hier  wird jedem egal ob Mann oder Frau nachgepfiffen, ein Pfiff erspart auch den Gruss, daher werden wir zigmal am Tag „angepfiffen“. Andere Länder, andere (witzige) Sitten.

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Stürmische See, die Fähre kommt. Kann uns aber leider nicht mitnehmen…

Um von der Nicoya-Halbinsel wieder aufs Festland zu gelangen wollen wir eine kleine Fähre nehmen, es stürmt wie die Hölle und beim Anlegen kracht die Fähre dermassen auf den Pier, dass dieser danach zerstört ist und der Hafen seinen Betrieb einstellen muss. Ja, da stehen wir dumm da, man kann sich einfach auf kein anderes Verkehrsmittel wie das gute, alte und stets treue Fahrrad verlassen. Nach einer 30km Schotterpistenfahrt gelangen wir zu einer anderen Fähre, welche uns am Abend sicher aufs Festland nach Puntarenas bringt.

Der Küstenhighway 34 ist Anfangs noch bergig, später wird er komplett flach und sogar der Wind unterstütz uns und bläst sanft von hinten. Begleitet von grossen Piratenpapageien geht es vorbei an wunderbaren Stränden wie der „Playa Hermosa“ oder der „Playa Dominical“, wo wir unsere Zelte direkt am Pazifik aufschlagen und ein zauberhaftes Strandambiente vorfinden, ein Traum nicht nur für Surfer und Sonnenanbeter. Aber nicht nur die Palmenstrände in Costa Rica begeistern, auch unsere Lager am Rande des Regenwaldes/Dschungels haben ihren Reiz, i.d.R. finden wir immer einen einladenden Fluss oder gastfreundliche Menschen welche uns im Vorgarten übernachten lassen.

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Wir zelten am Playa Hermosa.

Nach gut 300 Tagen auf den Strassen dieser Welt sind wir inzwischen absolute Experten was Zelt- und dazugehörige Badeplätze anbelangt. Aufbauen, schlafen, abbauen und unser komplettes Equipment wieder auf die zuverlässigen TX-1000 Räder der Fahrradmanufaktur verfrachten ist nach einer solangen Zeitspanne absolut Routine und jeder Handgriff sitzt. In der Zwischenzeit passen wir an wilden Badestellen allerdings vermehrt auf, von den zahlreichen Krokodilen welche sich an den Flussufern tummeln wollen wir keinem allzu nah kommen. Es war eine gute Entscheidung, die heimatliche Komfortzone vor gut 10 Monaten zu verlassen, das Leben spielt sich draussen ab und nicht vor dem Fernseher, der Spielekonsole oder dem Computer. Der erste Schritt ist der wichtigste, alles andere kommt von alleine. Schnapp dir ein Fahrrad und zieh los! Wir brauchen so wenig zum leben, reduzier dich und beschränke dich auf das nötigste zumindest für eine Weile, es lohnt sich.

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Nicht nur wir baden gerne in Flüssen. Hier in Costa Rica gibt es unzählige Krokodile.

Ja, was die Krokodile nicht geschafft haben, haben die Moskitos hinbekommen. Irgendwo sind Sandro und Julian zu ihren Opfern geworden und die nächsten Tage waren mit Schüttelfrost, Gliederschmerzen und Fieberträumen die reinste Quälerei. Denque-Fieber und Zika-Virus lassen grüßen, nur einen effektiven Schutz vor den schwirrenden Quälgeistern gibt es leider nicht, wir können uns ja schlecht 24 Stunden verkriechen. Da die Temperaturen auch in der Nacht nicht unter 27°C fallen und die Durchlüftung in den Zelten eher wenig effektiv ist, zogen sich die Tage lange hin, erst nach 4-5 Tagen war der Spuck vorbei und die Tage wurden wieder leichter. Wenn einer eine Reise tut….

Eine grosse Überraschung kommt aus der schwäbischen Heimat, unsere Eltern besuchen uns Anfang April auf den Galapagosinseln, eine feine Sache. wir freuen uns sehr auf die 8 gemeinsamen Tage im Naturparadies Ecuadors mit euch, damit haben wir nicht gerechnet.

Nach 11 Tagen verlassen wir Costa Rica und sind voller Begeisterung für dieses Land, unglaublich schöne, abwechslungsreiche Natur, viel Platz für Aktivitäten und tolle Strände um die Seele baumeln zu lassen. Wären die Preise nicht ganz so hoch, würde Costa Rica mit Sicherheit ganz vorne auf unserer Länderliste stehen. Mit 12.46€ p.P/Tag haben wir die Kosten zwar kleingehalten, haben aber auch sehr einfach gelebt und z.B. nie für Übernachtungen gezahlt und auch Restaurantbesuche wurden komplett eingestellt.

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In Costa Rica gibt es viele Papageien.

Eure Zahlungen an die GEZ könnt ihr übrigens mit gutem Gewissen einstellen!! Wir haben, wie im letztem Bericht erwähnt, einige Anfragen an die ARD und ZDF gesendet um über die beiden Sender, welche immerhin live von den Olympischen Spielen berichten werden, eventuell in die Wettkampfarenen zu gelangen. Von 15 Emails kam nichts zurück, ausser irgendwelchen unpersönlichen Standardabsagen, enttäuschend.

Die Enttäuschung hält allerdings nicht lange an! Eine Email der Deutschen Sport Marketing Agentur findet den Weg in unser Postfach und wir werden offiziell ins Deutsche Haus, in den Barra Blue Beach Club, in Rio de Janeiro während den Olympischen Spielen eingeladen!!!! Wir sind also mittendrin im Treffpunkt der deutschen Athleten und freuen uns auf Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft, Politik und Entertainment im Herzen Rios. Danke an Frau Nadine Lehr und an den DOSB für das weiterleiten unserer Email, wir freuen uns sehr auf unseren gemeinsamen „Treffpunkt Rio“!

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Gegenwind, breite Strassen. Zur Abwechslung ist es hier aber mal flach.

Bis Rio ist es allerdings noch ein weiter Weg, doch beflügelt mit diesem  neuem Highlight, dem Besuch des Deutschen Hauses in Rio, fahren wir, nach genau 17.000km, über die Grenze nach Panama, unserem Land Nr. 16. Wer kennt ihn nicht den Kinderbuchklassiker „Oh, wie schön ist Panama“ von Janosch, wo der kleine Bär, der kleine Tiger und dessen Tigerente auf der Suche nachdem Glück sind? Und jetzt sind wir also in Panama und geniessen das letzte Land auf zentralamerikanischen Boden. Panama wird als das Land des Gegenwindes, zahlreicher Hügel und super ausgebauten Strassen lange in unseren Erinnerungen bleiben.

Die letzten Tage bis Panama City waren sehr zäh und lang, allerdings spürten wir auch noch die Nachwehen unserer Viruserkrankung und waren nicht voller Energie und Konzentration, am Abend fallen wir daher fix und fertig in unsere Zelte.

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Von der Isar, Neckar, Themse bis an den Panama Kanal.

Gestern am Tag 302 unserer Reise haben wir also den Panamakanal überquert, gut 17556Km liegen zwischen der bayrischen Isar bzw. zwischen unserem schwäbischen Neckar und dem weltberühmten Kanal von Panama, wir haben nach 973 Stunden im Sattel eine Verbindung hergestellt, auf dem Fahrrad wohlgemerkt!!! Da uns der Gedanke, den Panamakanal auf dem Fahrrad überquert zu haben so begeistert, überqueren wir ihn gleich nochmals, sicher ist sicher. Jetzt haben wir eine Überquerung an der „Puente de Centenario“ und der „Puente de las Americas“ zu Buche stehen. Den Eintritt für die Schleusen des Kanals sparren wir uns allerdings, mit 15U$ p.P. der absolute Wucher, sollten die Betreiber an ihrem Geld ersticken und Pauschaltouristen abzocken, ein TrioforRio spielt da nicht mit.

Noch bevor wir in Panama City im Hostel, El Machico, einchecken, zischt Julians Schlauch zum neunzehnten Mal!!!! Die Goldmedaille ist ihm bis Rio kaum noch zu entreissen, Nico und Sandro liegen beide bereits 6 Plattfüsse zurück.

Heute geniessen wir einen Ruhetag in Downtown Panama City, das Zentrum ist äusserst modern und steht anderen Weltmetropolen ins nichts nach. Aber auch historisch muss sich Panama City nicht verstecken, die kleinen Viertel sind fein rausgeputzt und sind stolze Zeugen einer vergangenen, prächtigen Zeit mit oder ohne spanischer Kolonialherren.

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Julian, Sandro und Nico in Panama City.

Noch knapp 120 Kilometer werden wir in Panama auf unseren Rädern sitzen bevor wir 5 Tage ins karibische Meer stechen und den Fluch der Karibik neu verfilmen. 5 Tage schippern wir also auf einem kleinem Segelboot von Carti/Panama nach Cartagena/Kolumbien und umgehen somit den „Darien-Gap“, welches für Radfahrer unpassierbar ist und wir durch die karibische See segeln „müssen“, wir haben es auch nicht leicht.

Bis bald auf südamerikanischen Boden, Columbia is calling!

Sonnige Grüße aus Panama City,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.