Spanien II – Camino del Norte – Frankreich (2)

Frankreich
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Kathedrale von Santiago de Compostela.

Bevor wir Santiago de Compostela verlassen schauen wir uns noch in Ruhe die berühmte Kathedrale der historischen Stadt an. Die Kathedrale steht über einer Grabstätte, die dem Apostel Jakobus zugeschrieben wird und ist Ziel der diversen Jakobswege quer durch Europa. Das schwenken des gigantischen Weihrauchkessels ist Tradition und ein Erlebnis welches wir live miterleben dürfen.

Über den „Camino Portugues“ radelten wir in die Stadt, über den „Camino del Norte“, auch der Küstenweg genannt, verlassen wir Santiago de Compostela und seine historischen kleinen Gassen um uns auf unseren Weg in Richtung Frankreich zu machen. Der Camino del Norte gilt quasi als der Ur-Jakobsweg, erst später wurde der „Camino Frances“, weltweit auch als „der Jakobsweg“ bekannt, zum Hauptstrom der Pilger.  Die 2 wichtigsten Pilgerziele waren, damals wie heute, Rom und Santiago als Ausstrahlungsort des christlichen Glaubens und Sinnbild für den Widerstand der christlichen Welt in Europa bzw. in Spanien.

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Die Nordküste Spaniens.

Die Landschaft ist eine Augenweide, so anstrengend die vielen Hügel und Berge auch sind, die Wälder, Täler, Flüsse und Bäche entschädigen für jede Anstrengung. Vor uns offenbart sich, an unserm Reisetag Nr. 500, eine umwerfende Natur mit tausenden Farbfacetten bei herrlichem Sonnenschein. Erst als Nicos Schaltzug reisst sind wir zurück in der Realität und müssen wieder einmal, wir stehen mitten im Niemandsland, improvisieren. Letztendlich muss Nico einen kompletten Tag mit einen Gabelschlüssel seine Gänge wechseln, erst am nächsten Tag kommen wir an Ersatzteile und basteln einen neuen Schaltzug ans Rad.

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Gegen die Pfeilrichtung! Unser Ziel ist Deutschland.

Die Leute auf dem Camino kommen aus den unterschiedlichsten Ecken dieser Welt. Irgendetwas scheint alle Pilger, Radler oder Wanderer anzutreiben, viele bunte Gespräche am Strassenrand, in den Herbergen und beim abendlichen Wein und Essen geben uns Einblicke warum Menschen sich Abenteuer bzw. psychische und physische Herausforderungen suchen. Fazit: Es gibt keinen Einheitsgrund, hier einen gemeinsamen Nenner zu finden ist unmöglich. Nur ein Ziel haben die Menschen auf dem Jakobsweg gemeinsam, Santiago!!! Unser Ziel geht allerdings in die andere Richtung und heisse „Heimat“!

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Berg rauf – Berg runter. Das Panorama entschädigt!

Die N634 führt uns jetzt direkt am Meer entlang, auch an der Küste ist es ein einziges Auf und Ab, es  ist oft eine zähe Angelegenheit und die Beine schmerzen am Abend gehörig. Wieviele Täler wir alleine in Spanien umständlich durchqueren mussten wissen wir nicht mehr, es dürften aber für unser restliches Leben genügend gewesen sein. Hügel und Berge egal in welchem Land, egal auf welchem Kontinent werden wohl ein dicker roter Faden am Ende dieser Reise sein. Die 300.000 Höhenmeter sollten inzwischen nur noch Formsache sein und bis zum eintreffen in Deutschland gemeistert sein. Unsere Reise ist definitiv nichts für Flachland-Liebhaber, sollte es doch einmal flach sein, macht sich der Gegenwind einen Spass daraus uns zu ärgern. Gott sei Dank schleppen wir unser Hängematten mit, genügend Bäume für eine entspannte Siesta stehen jedenfalls immer parat. Die unzähligen kleinen Dörfer mit ihren zahlreichen Einkehrmöglichkeiten thronen bezaubernd auf den Klippen, unten lädt der Atlantik zum baden ein. Wäre der Ozean nicht treu an unserer Seite könnte man meinen in der Schweiz zu sein. Die Kuhweiden, die historischen Gebäude, leckeres rustikales Essen und die massiven Berge im Hintergrund runden dieses Bild standesgemäss ab.

Unsere Zeltplätze sind meist abseits der Dörfer, ein geeigneter Badefluss findet sich immer, so schlummern wir seelenruhig bis uns die Morgensonne weckt. Nur die Kühe auf den nahen Weiden wundern sich über ihre neuen Nachbarn und bimmeln mit ihren Glocken um die Wette. Am Morgen liegt oft noch Nebel und Taureif über der verschlafenen Natur, daher hat die erste Radelstunde am Tag oft was märchenhaftes.

In den letzten Wochen waren wir, verhältnismässig, oft online um Emails zu schreiben und um damit unser Filmprojekt weiter voranzutreiben, inzwischen haben wir einen ersten Trailer über unsere Reise. Wer diesen noch nicht kennt, kann ihn hier anschauen!


Sobald es Neuigkeiten gibt oder wann das geplante Crowdfunding-Projekt genau startet, lassen wir es euch wissen.

An der zauberhaften Playa de Vega treffen wir Freunde aus der Heimat. Hannes, Jakob, Robert & Co. sind mit ihren VW-Bussen auf Surf-Tour und machen gerade die spanischen Stände mit ihren Brettern unsicher.

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Wir treffen die Profi-Surfer aus der Heimat. Es war uns eine Ehre!

Die Herbergen am Wegesrand sind nicht nur Treffpunkt sondern einfach auch praktisch. Die Sonne verschwindet und bis an die französische Küste, ganze 8 lange Tage, beherrscht Regen unseren Radalltag und wir sind froh für durchschnittlich 5€ p.P. ein Dach über dem Kopf zu haben. Gerade in der Nacht schüttet es oft wie aus Kübeln und an zelten ist beim besten Willen nicht zu denken. Graues, kühles Aprilwetter mitten im September, aber bekanntlich gibt es ja kein schlechtes Wetter, nur….. Die obligatorischen Schnarcher in den Unterkünften hellen die Stimmung nicht gerade auf, irgendeiner startet immer ein nerviges Nachtkonzert. In Kombination mit den quietschenden Stockbetten kann da die 9.Sinfonie von Beethoven nur schwer mithalten.

Die zahlreichen leerstehenden Immobilien passen zum tristen Regenwetter, die Immobilienkrise hat in Spanien grosse Wunden hinterlassen und viele Rohbauten stehen wir verwaiste Skelette in der Landschaft, Häuser welche neue Besitzer suchen gibt es unzählige.

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Regentag in Bilbao! Wir gehen ins Guggenheim Museum.

Bevor wir Seekrank werden, vor lauter Regenwetter und welligen Strassen, machen wir Pause in Bilbao und schauen uns das weltberühmte Guggenheim-Museum an. Picasso, Warhol und Co. sind ausgestellt, ein bisschen Kultur hat noch niemanden geschadet. Was allerdings alles als Kunst zählt lässt uns mit der Frage zurück: „Was ist eigentlich Kunst?“ Vielleicht haben wir zu wenig Phantasie und denken nicht abstrakt genug. Naja, liegt wohl im Auge des Betrachters, ist unsere Reise eigentlich auch eine Form von Kunst?

Die Supermärkte am Wegesrand werden zunehmend deutscher, Schwarzbrot, Senf und Saitenwürstchen erinnern uns zumindest stark an die Heimat. Aber auch die baskischen Spezialitäten, wie gekochter Tintenfisch, Serano-Schinken, Salami oder Käse sind jedesmal eine kurze oder auch längere Pause wert.

Wieder haben wir viele neue Freunden gefunden, Morten, Maria & Josef, Freddy, Jan, Martin, Robert, Aline, Felix, Amir, Matt, Hector, Alex, Matteo, Gabriel, Julien…. Danke, es war uns ein Fest!

Die massiven Pyrenäen stellen ein letztes Hindernis zwischen Spanien und Frankreich da. Gerade bei strömenden Regen und bei düsterem Himmel schaut das Steinmassiv doch sehr respekteinflössend aus. Allerdings findet die Straße immer ein Tal und so halten sich die Strapazen in den Pyrenäen in Grenzen, uns und unseren Rädern ist das recht. Kurz nach San Sebastian erreichen wir Irun den Grenzort zu Frankreich. In Irun endet auch der Camino del Norte, er war anstrengend, aber wir können diesen Weg nur jedem empfehlen. Buen Camino!

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Bonjour France. 30000km später sind wir wieder hier!

Wir sagen also Adios N634, Tschüss Pyrenäen, Bye-Bye Spanien und BONJOUR Frankreich! Frankreich ist das erste Land auf unsere Reise, welches wir zum zweiten Mal auf unserer Tour befahren. Die Polizisten an der Landesgrenze lachen uns freundlich zu, vermutlich voller Mitleid da der Regen auch in Frankreich keine Gnade kennt. Immerhin fällt gleich am ersten Tag die 30.000km Grenze auch die Wetteraussichten der nächsten Tage hellen die Stimmung wieder auf.

Am zweiten Tag in Frankreich hat der Dauerregen endlich eine Ende und die ersehnte Sonne hat wieder Oberhand, das Zelt ist wieder unsere tägliche Herberge und wir geniessen die Sonnenstrahlen in jeder Minute. Die Nächte stehen unter dem Motto „Natur pur“, wir hören nur das Rauschen der Bäche und die Tiere welche durchs Unterholz flitzen. Erst als in der Ferne die Kirchturmglocken bimmeln verlassen wir unser Zelt und bauen schnell und routiniert ab, jeder Handgriff sitzt nach über 517 Tagen on Tour.

Es geht vorbei an riesigen Weinanbaugebieten, Maisäckern und Sonnenblumenfeldern, aber auch exotische Früchte wie Kiwis scheinen sich in Frankreich wohl zu fühlen. Auch hier kommt der Herbst mit grossen Schritten, Kastanien und fallende Blätter sind wohl auch hier die ersten Vorzeichen auf die neue Jahreszeit.

Kurz vor Toulouse werden die Straßen enger und der Verkehr nimmt stark zu. Nico wird auf der Schnellstraße von einer überholenden Golf-Fahrerin touchiert, kann das Rad aber gerade noch abfangen. Die circa 80-jährige Fahrerin ist danach am Boden zerstört und mit den Nerven am Ende, Glück gehabt. Jede Dorne und jeder Draht sucht sich weiterhin zielsicher Julians Hinterrad aus und inzwischen musste Plattfuß Nr. 36 geflickt werden, auch ihr ist inzwischen Routine Trumpf!

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Halt Stop! „Das ist verboten!“.

Auf der N124 geht es weiter nach Toulouse. Erst ist die N124 eine gemütliche Schnellstraße, circa 30km vor Toulouse wird diese allerdings zur Autobahn. Wir finden uns, da es keinerlei Verbotsschilder gab, mitten auf der Stadtautobahn wieder. Es kommt wie es kommen muss, erst kommt die Autobahnmeisterei und nach weiteren 3 Km die Polizei. Wir hatten keine Möglichkeit umzukehren und befinden uns bereits auf der Ausfahrt als die „Gendarmerie“ uns mit eingeschaltetem Blaulicht überholt. Die zwei Ordnungshüter sind übel gelaunt, kontrollieren unsere Pässe und schreien rum wie die Wilden. Gott sei Dank lief die Kamera mit, wir bekommen die Pässe zurück mit den Worten „Solltet ihr noch einmal auf der Autobahn erwischt werden, ziehen wir die Räder ein und ihr lauft zurück nach Deutschland“! Ganz schön verspannt die Jungs in Frankreich, gibt es Terroristen auf Fahrrädern?

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Toulouse an der Garonne.

Mit Rädern erreichen wir jedenfalls die Universitätsstadt Toulouse und legen einen entspannten Ruhetag ein. Wir kommen bei Alex und Cathy unter, die 2 haben uns bei warmshowers.org eingeladen. Wir ziehen durch die Stadt, geniesse die Sonne im Park und an der gemütlich fliessenden Garonne, der Flair der Altstadt ist jung und leicht. Beim Rugby-Spiel Toulouse vs. Paris ist mächtig Stimmung und zeitgleich ist das Event ein schöner Abschied von der Stadt und unseren Gastgebern.

Die Heimat rückt näher, in 2-3 Wochen sollten wir wieder deutschen Boden unter den Reifen haben. Wir freuen uns darauf.

Danke fürs lesen und teilen unserer Berichte und Trailer, ihr hört von uns.

Viel Spass auf der Wiesn!

Julian und Nico.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.