FINALE: Deutschland – BaWü – Bayern

Deutschland, Österreich
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Kein Zelt aufbauen, wir geniessen die Zeit zuhause.

Wir geniessen die Zeit bei unseren Eltern und Freunden in unserem Heimatort Rottenburg-Hailfingen. Endlich muss das Zelt nicht jeden Tag aufgebaut und der Gaskocher rausgeholt werden, Wiedersehensfreude ist angesagt. Viele neugierige Fragen werden uns gestellt und wir nehmen uns die Zeit, schliesslich haben wir allerhand erleben dürfen. Die Unterstützung aus der Heimat war in den letzten 18 Monate enorm hoch und wir bedanken uns nochmals für den tollen Empfang, die Geschenke und die lieben Worte. Es ist eine fantastische Heimkehr und wir stellen die Räder gerne mal ein paar Tage in die Ecke, die Beine danken es uns. Ein richtiges Bett, eine warme Dusche, was für ein Luxus.

Zeitgleich mit unserer Rückkehr geht auch unser Filmprojekt online, jeder darf ein Teil dieses Films werden und uns unterstützen. Wer sich eine DVD, eine BlueRay oder einen Download-Link sichern möchte kann dies gerne machen, wir freuen uns und brauchen viele Gönner. Wer gar seinen Namen oder den seiner Firma im Abspann sehen will kommt auch auf seine Kosten, hier der Link: DVD bestellen oder spenden!

Vielen Dank für Eure Unterstützung.

Unsere Rückkehr hat sich in Windeseile herumgesprochen, zahlreiche Zeitungen aus unserer Heimatregion berichten über uns, hier der Link zum Artikel des „Schwäbischen Tagblatts“.

Auch der „Schwarzwälder Bote“ lies sich nicht lumpen und hat eine Reporterin nach Tübingen geschickt, welche folgenden Artikel über unsere Tour veröffentlichte.

Ein Radioteam von „Das Ding“ hat uns fleissig interviewt und gefilmt, hier das fertige Interview mit Film:

Bei „Radio ENERGY“ sind wir in Ludwigsburg zu Gast auch auch die Kollegen vom „Radio Neckaralb Live“ aus Reutlingen laden uns ins Studio ein. Die Sendungen werden jeweils über eine Stunde aufgezeichnet. Eine tolle Erfahrung in so einem riesigen Radio-Studio zu stehen, es war uns eine, nicht alltägliche, Freude und hat mächtig Spass gemacht.

Das definitiv größte Highlight bei unserer Rückkehr ist allerdings unser Besuch beim SWR in Stuttgart. Dort berichten wir, zur besten Sendezeit, live in der „Landesschau“ von unserer kleinen  Rundreise durch 29 Länder.

Eine spannende, aufregende Ankunft wurde uns also bereitet, das Interesse hat uns überrascht und ehrt uns.

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Zu Besuch bei Angela. Sie ist auch mit dem Rad zu Olympia 2016 gefahren.

Nachdem wir alle Medientermine abgearbeitet haben springen wir gerne wieder aufs Fahrrad, die letzte Etappe steht an. Wir verlassen Baden-Württemberg und radeln, bei herrlichem Herbstwetter, in Richtung Bayern. Sonthofen liegt im schönem Allgäu und ist die Heimat von Angela Buhl und ihrer Familie. Angela haben wir bereits in Rio kennenlernen dürfen, Angela radelte alleine über 26.000Km bis nach Rio. Andere Route, gleiches Ziel: Olympia 2016 in Rio de Janeiro! Wer mehr über Angelas Reise wissen möchte findet diese unter www.holario.de . Wir haben jedenfalls größten Respekt vor Angela und ziehen den Hut vor ihrem Willen und ihrer Leistung.

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Kühe und Pferde treffen zwei Drahtesel.

Bei wunderbaren Herbstwetter strampeln wir also durch das beschauliche Allgäu, die Kühe stehen mit ihren Kuhglocken wie gemalt auf der saftigen Weide und das Bergpanorama bestätigt jedes Bayern-Klischee. Eher zufällig landen wir in unserem Reiseland Nr. 30, Österreich liegt plötzlich auf der Route. Die Alpen-Republik lässt und ganz schön schwitzen, aber nach circa 7000 Kilometern in diversen Anden-Ländern haut uns nichts mehr um. Für geschlagene 4 Stunden bekommen wir einen kurzen Einblick ins Land unserer Nachbarn, am Abend sind wir bereits wieder in Deutschland.

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Wir übernachten bei Sylvia und ihrem Sohn Tobias! Vielen Dank.

In Schwangau fragen wir bei Familie Schweiger ob wir in der Garage, Scheune, Dachboden oder einfach im Garten schlafen dürfen. „Nein, geht leider nicht. Wir beherbergen unsere Gäste anständig!“. Statt Garage oder Dachboden bekommen wir die Ferienwohnung angeboten, der Ausblick ist der absolute Wahnsinn und wir zögern keine Sekunde. Wir schlafen also im „Haus Schweiger“ mit Blick auf das weltberühmte Schloss Neuschwanstein. Von den herzlichen Schweiger’s sind wir schwer beeindruckt, nicht nur zum übernachten werden wir eingeladen auch das Abendessen mit der gesamten Familie wird uns spendiert. Wer mal eine nette Ferienwohnung  und tolle Leute in Schwangau sucht ist hier genau richtig, der Ausblick auf eine Top Attraktionen Deutschlands ist die Anreise wert. Mehr Infos unter: silviaschweiger-fewo@gmx.de.

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Wir schlafen im Feuerwehrauto. Das gab es auf unserer Reise noch nicht.

Die nächste Station heisst Oberhausen, es geht durch das bayrische Voralpenland. Wälder, Täler, Hügel und herrliche Seen begleiten uns. Die letzten Tage unserer Reise geben uns von Allem etwas, Dank eines goldenem Herbsts ein toller Abschluss. In Oberhausen feiern wir mit Uta ihren 50. Geburtstag, Uta ist ein grosser Fan unserer Reise und inzwischen eine gute Freundin. Es wird kräftig und doppelt gefeiert, gleichzeitig wir Nico 28.zig und wir bekommen nochmals einen ungewöhnlichen Übernachtungsort. Wir schlafen in einem Oldtimer-Feuerwehrauto, die anderen Geburtstagsgäste ziehen sich ins Hotel zurück. Uns reicht um glücklich zu sein ein Parkplatz und ein nostalgisches Auto. Es sind eben doch die kleinen Dinge im Leben.

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Nach 554 Tagen sind wir zurück in München.

Am 554 Reisetag heisst es endgültig „Thats it!“ Nach 554 Tagen, 32417km und 1783,87 Stunden im Sattel sind wir wieder zurück im herbstlichen München. Nach 30 Ländern schliesst sich, in der Preysingstrasse 19 in München-Haidhausen, der Kreis endgültig. Hier sind wir gestartet und hierher sind wir auch wieder zurückgeradelt. Wir können es kaum glauben, waren wir wirklich 18 Monate weg? Viele Freunde und Bekannte erwarten uns, auch „Radio-Arabella“ und ein Filmteam begrüßten uns direkt vor der Haustüre. Mit durchschnittlich 7.53€ p.P./Tag war Deutschland extrem günstig, viele Menschen haben uns die Türen geöffnet und hiessen uns herzlich willkommen, damit ist Deutschland eines unserer billigsten Reiseländer.

Danke an alle die live in München vor Ort waren und mit uns noch den Irish Pub unsicher gemacht haben. Danke auch an die zahlreichen Glückwünsche welche wir via Mail, Facebook oder Telefon bekommen haben.

Kommenden Samstag, den 5.11.2016 sind wir um 18h live bei Radio „HiServus“ auf Frequenz 94.5 zu hören, mehr Infos auf www.m945.de

Nächsten Donnerstag, den 10.11.2016 sind wir, ab 18h, live in der „Abendschau“ des Bayrischen Rundfunks (BR) zu sehen. Ein Highlight jagt das nächste! Schaut’s mal rein!

Bitte denkt auch an unser Filmprojekt. Bitte beachtet, ihr könnt einen Film realisieren. Es liegt an Euch!!! Sollte die Summe für den Film nicht zustande kommen, fliesst Eure Spende 1:1 an Euch zurück! Euer Risiko ist also sehr gering, hier nochmals der Link: DVD bestellen oder spenden!

Es war uns eine Ehre Euch von unserer Reise zu berichten. Das Leben spielt sich draussen ab und im Idealfall auf dem Fahrrad. Danke für Eure tolle Unterstützung auf unserer Reise. Danke auch an unsere Sponsoren welche uns mit tollen Produkten ausgestattet haben. Ein Film wäre die Krönung, es lohnt sich!

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Julian geniesst den Ausblick. Was eine Reise.

Wir berichten weiter regelmässig auf www.trioforrio.com, dort gibt es laufend Neuigkeiten zum Filmprojekt, auch auf Facebook findet Ihr uns wie gewohnt unter „Trio For Rio“. Danke für’s teilen unserer Beiträge und weiterleiten unserer Emails, vielleicht habt ihr ja noch einen Geheimtipp wer als potenzieller Sponsor des Films in Frage kommt. Wir würden uns über ein Feedback freuen!

Bleibt sportlich!

Ciao,

Euer Trio for Rio

Julian, Nico und Sandro

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Trailer für unser geplantes Crowdfunding Projekt

Alaska/USA, Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Deutschland, Ecuador, El Salvador, England, Frankreich, Guatemala, Honduras, Island, Kanada, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Portugal, Schottland, Spanien, USA

Servus Miteinander,

die lange Zeit des Wartens hat hiermit ein Ende. Wir präsentieren stolz unseren ersten Trailer zu unserem geplanten Crowdfunding Projekt, mit welchem wir unseren Traum vom Film über unsere Reise zu Olympia 2016 in Rio realisieren wollen.

Wie ihr seht arbeiten wir eifrig an unserem Film-Projekt.

Seid gespannt und viel Spass beim anschauen. Wir haben noch 2000 Kilometer vor uns und freuen uns auf die herbstliche Heimat im Oktober.

Grüße aus Spanien,
Nico und Julian

Peru III – Lima – Machu Picchu – Cusco

Peru
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City-Tour mit Jesus und Marino.

Bevor wir die Hauptstadt Perus und damit Lima wieder verlassen lernen wir Jesus und Marino kennen, die zwei sind waschechte Hauptstädter und geben und uns eine gratis Tagestour durch ihre wunderbar restaurierte Altstadt und Miraflores, einem eher exklusiven Stadtgebiet direkt am Strand wo sich die Reichen und Schönen niedergelassen haben und die jungen Surfer sich in die Wellen stürzen und an der Promenade flanieren.

Dünen bis zum Horizont.

Dünen bis zum Horizont.

Die unendliche, zähe Wüste vor Lima hat uns eigentlich gereicht, trotzdem entscheiden wir uns für einen Ausflug nach Ica, Ica liegt wieder mitten in der Wüste am Rande des Nationalparks „Reserve Nacional de Paracas“. Zahlreiche Attraktionen hat die Gegend zu bieten welche wir uns nicht entgehen lasen wollen. So bewundern wir die „Laguna de Huacachina“, wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen plötzlich nach Nordafrika versetzt worden zu sein. Die Oase ist wie ein Traum aus 1001 Nacht, Dattelpalmen und orientalisch anmutende Gebäude versetzen uns in eine andere Welt. Danach ist Aktion pur angesagt, wir üben uns im Sandboarden und wedeln die bis zu 80m hohen Dünen auf unseren Sandboards hinunter, die Tour mit dem Strandbuggy über die Sandberge ist ein Erlebnis für sich und eine willkommene Abwechslung zu unserem Fahrradalltag. Die gigantischen Sanddünen erstrecken sich bis zum Horizont und der eintretende Sonnenuntergang beschert uns beinahe magische Momente in mitten der Sahara.…ähhh Wüste Perus.

Laguna de Huacachina.

Laguna de Huacachina.

Sandboarden, mal was anderes wie radeln.

Sandboarden, mal was anderes wie radeln.

Mit dem Bus geht es zum Ausgangspunkt für unsere nächste Etappe, Ayacucho liegt mitten in den Anden und ist Ausgangsort für unsere Tour zur sagenumwobenen Inkastätte Machu Picchu. Bislang in ganz Peru waren die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht extrem und das Wetter unberechenbar. Tagsüber droht ständig der Sonnenbrand und sobald die Dämmerung eintritt wird es schnell unangenehm kühl, hier in den Bergen ist es natürlich noch extremer und wir sind froh über unser dicken Schlafsäcke in der Nacht und warme Kleidung wird gebraucht.

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Markt in Ayacucho.

Ayacucho liegt nicht unbedingt auf der Route vieler Touristen, wir sehen zumindest kaum „Gringos“ (Ausländer) und geniessen daher ein sehr authentisches peruanisches Leben. 33 (!) Kirchen hat die kleine aber feine koloniale Stadt zu bieten, viele Märkte locken mit allerlei leckeren Sachen und viel Trödel, wir bewundern die Bergbewohner in ihren traditionellen Trachten und Gewohnheiten. Die zahlreichen Tuk-Tuks und die vielen kleinen Garküchen am Strassenrand erinnern ein wenig an Thailand, auch die Menschen haben asiatische Gesichtszüge und das Lächeln Asiens im Blut.

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Gipfelkreuz auf 4264 Metern.

Wir bereiten uns auf eine zähe, lange Etappe vor, Machu Picchu ist das Ziel. Wir steigen und fallen, auf der 28B sind wir ein Spielball der Anden, die Räder scheinen mit gewonnener Höhe an Gewicht zu zulegen und die Luft wird immer dünner. Wir meistern Pässe mit bis zu 4264m hier wiegen die Bikes plötzlich 3-4 x soviel wie sonst und wir bekommen Luft wie durch einen Strohhalm, das Blut rauscht in den Ohren und das Herz pumpt auf Hochtouren. Die Aussicht ist dafür gigantisch und wir können uns kaum sattsehen, Berge, Schluchten, Täler so weit wir blicken können, einfach eine atemberaubende Landschaft welche sich uns hier offenbart. Unseren größten Respekt verdienen sich die Bergbauern, welche hier ihre Felder bearbeiten und natürlich die Kräuterfrauen, welche entlang der Strecke diverse Bergkräuter sammeln.

Claudia und Martin sind seit mehr als 3 Jahren mit ihrem VW-Bus unterwegs.

Claudia und Martin sind seit mehr als 3 Jahren mit ihrem VW-Bus unterwegs.

Die einzigen Touristen welche wir auf dieser Tour treffen sind Martin und Claudia aus der Schweiz, welche in ihrem VW-Bus nun knapp 3 Jahre unterwegs sind , die Beiden halten uns für total bekloppt. Zitat Martin: “Wir fahren jetzt schon seit Tagen durch diese gottverlassenen Berggegend, die Autofahrer sind absolut Geisteskrank, die Strassen schmal und teilweise bis zu 70km Schotter, die Distanzen gross, die Abhänge selbstmörderisch und ihr wollt hier durch? Das ist verrückt, absolut verrückt! Nehmt lieber den Bus!!“ Naja, wir fahren weiter und kämpfen uns tapfer vorwärts, Rom wurde ja auch nicht an 2 Tagen erbaut und wir haben Zeit eingeplant. Tatsächlich empfinden wir die peruanischen Autofahrer aber auch als extrem nervig. Eigentlich sind die Peruaner ein recht freundliches, hilfsbereites und offenes Volk, sobald diese aber hinter einem Steuer sitzen geben sie gleichzeitig mindestens die Hälfte ihres IQ’s ab und werden zu primitiven, nervigen, respektlosen und permanent hupenden Primaten.

Koka-Blätter am Strassenrand.

Koka-Blätter am Strassenrand.

Je weiter wir uns in die Berge vorkämpfen, desto mehr werden wir wie Astronauten oder gar Ausserirdische bestaunt. Viele Touristen sind in dieser Gegend noch nicht gesehen worden, zumindest nicht welche auf dem Rad. Ständig bekommen wir Kokain, Marihuana und diverse andere Aufputschmittel angeboten, ein sicheres Zeichen wir nähern uns der „Roten Zone“, selbstverständlich sehen wir jedesmal ab. In dieser Gegend werden Perus Drogen angebaut, schwergewaffnete Milizen kommen uns auf ihren Trucks entgehen, die Polizei warnt uns vor Überfällen und die Einheimischen schütteln den Kopf, nach 4-5 Tagen ist aber auch diese Region passé und es wird wieder gemütlicher.

80 Kilometer Abfahrt. Das haben wir uns hart erarbeitet.

80 Kilometer Abfahrt. Das haben wir uns hart erarbeitet.

Fluss durchqueren, was ein Spass. Bei Nacht aber sehr schwierig.

Fluss durchqueren, was ein Spass. Bei Nacht aber sehr schwierig.

Wir fallen, nach einer gigantischen ca. 80km Abfahrt, auf unter 800m und finden uns im peruanischen Regenwald wieder. Dieser macht seinem Namen alle Ehre und es schüttet wie aus Kübeln, bei den z.T. unasphaltierten Strassen gleicht das einer Rutschpartie, die Räder und wir sehen danach aus wie Wildschweine nach einem ausgiebigen Schlammbad. Wir sind auf der Suche nach der Inkastätte Machu Picchu und da muss man auch schon mal unangenehme Wege gehen und Opfer bringen und so kommen wir zu einem neuem Reiserekord. Mit 9.57 Stunden/Tag auf dem Rad stellen wir am Tag 381 unserer Reise einen neuen persönlichen Rekord auf, nicht einmal unserer Karte kennt diese Strasse und wir legen an diesem Tag zudem geschlagene 2657 (!!!) Höhenmeter zurück. Wir kommen in die Dunkelheit und müssen, mit der Konzentration und der Kraft am Ende, noch zahlreiche überflute Strassen überqueren. In einer Kneipe fragen wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit und werfen uns todmüde auf den Lehmboden der kleinen Gaststätte, die Gäste an den anderen Tischen bekommen wir kaum noch mit.

Rio Urubamba, der heilige Fluss der Inkas.

Rio Urubamba, der heilige Fluss der Inkas.

Die PE-28B wechselt ähnlich wie das Wetter ständig ihr Gesicht, wir wissen einfach nie was uns hinter der nächsten Kurve erwartet oder was das Wetter in der nächsten Stunde für uns bereit hält. Was sicher ist, der Hintern brennt wie die Hölle und die Oberschenkel drohen zu platzen, nach einigen Tagen erreichen wir den „Rio Urubamba“, den heiligen Fluss der Inkas, ein erstes Zeichen wir sind auf dem richtigem Weg und unser Ziel rückt langsam näher. Die 22.000km sind inzwischen voll, die Menschen halten uns weiter für Spinner und die Fahrer der Minibusse haben z.T. in ihrem Berufsleben, nach eigener Aussage, noch keine Radler auf dieser Strecke ausgemacht. Wir dringen weiter in eine Geheimwelt ein, zumindest fühlen wir uns als wie wir die Menschen in ihrer Welt überraschen und wir deren Ruhe stören. Eigentlich kaum zu glauben, dass eine der Hauptattraktionen Südamerikas nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt ist. Touristenmassen werden von der andern Seit, von Cusco aus, mit Bussen, Zügen und Taxis zum Machu Picchu gekarrt. Und hier, nichts! Nur Einsamkeit, Berge und Natur.

Erst kurz vor Quillabamba findet sich die Straße auch auf unserer Karte wieder, die Schlagzahl der mit Touristen vollgestopften Minibusse nimmt schlagartig zu, ein weiters Zeichen wir kommen unserem Etappenziel näher. In unserer Mittagspause besuchen wir die Wasserfälle „Siete Tinajas“ (7 Wasserfälle) und ernten viel Bewunderung über unsere Tour in den letzten Tagen. In Quillabamba erleben wir zufällig am Pfingstsamstag eine große bunte Parade, welche dem heimischen Karneval doch sehr nahe kommt, die Lebensfreude der Menschen ist ansteckend und so bewundern wir das Spektakel.

Steiler Abhang auf dem Weg nach Santa Teresa.

Steiler Abhang auf dem Weg nach Santa Teresa.

Der letzte Radtag bevor wir die Inkastätte erreichen hat es nochmals in sich. Wir wechseln auf die Schotterpiste 107, die Straße ist extrem eng und der Abgrund auf der linken Seite erlaubt keine Fahrfehler, jeder Fehler ist hier mit ziemlicher Sicherheit auch der Letzte. Der Ausblick auf die mit Schneebedeckten Gipfel der Berge ist gigantisch und geben der Region ihre Magie. Plötzlich hört der Weg auf, 10 km vor dem Ziel gibt es keinen Weg mehr!!!! Nur noch der, irrsinnig teure Zug fährt die letzten Kilometer, nicht mit uns!!!

Entlang der Gleise bis nach Machu Picchu.

Entlang der Gleise bis nach Machu Picchu.

Wir schleichen uns aufs Gleisbett, holen uns eine „Sondergenehmigung“ bei einem Wachmann, welcher uns müde viel Glück wünscht, und fahren die letzten Kilometer an den Schienen entlang, auf den Brücken gleicht dies einem Balanceakt und wird zur Zirkusnummer, aber nach 2 weiteren Stunden haben wir es tatsächlich geschafft.

Geschafft. Mit dem Fahrrad bis nach Machu Picchu Village.

Geschafft. Mit dem Fahrrad bis nach Machu Picchu Village.

WIR SIND ZUM MACHU PICCHU GERADELT!!!

In vielen Foren für Radfahrer, heisst es dies sei nicht möglich. Wir haben das Gegenteil bewiesen, haben Berge versetzt und unser Ziel erfolgreich erreicht.

Machu Picchu. Ein magischer Ort.

Machu Picchu. Ein magischer Ort.

Am nächsten morgen, es ist Pfingstmontag, um 4.30h machen wir uns auf den Weg um die antike Machu Picchu Stadt zu erobern. Unser Konzept geht auf und noch vor Sonnenaufgang sind wir oben und haben einen einmaligen Blick auf die eindrucksvollen Ruinen der Inkas. Frühmorgens liegt die Felsenstadt im weichem Licht der aufgehenden Sonne malerisch vor uns, diesen majestätischen Anblick werden wir niemals vergessen. Natürlich gehört das ganze Gebiet inzwischen zum UNESCO – Weltkulturerbe, Forscher sind sich einig das die Stadt bereits zur Anfangszeit der Inkas erbaut wurde. Wir setzen noch einen drauf und wandern auf den Machu Picchu-Mountain, der steile Anstieg lohnt sich wir stehen jetzt ca. 600m über den Ruinen und geniessen bei blauem Himmel und Sonnenschein eine 360°C Panoramaaussicht und lassen uns die mitgebrachte Brotzeit schmecken. Schon beim Abstieg wird klar, der klassische

600m über Machu Picchu. Was eine Aussicht.

600m über Machu Picchu. Was eine Aussicht.

Pauschaltourist ist inzwischen auch angekommen und schiebt sich durch die Ruinen. Zahlreiche Alpakas werden als natürliche Rasenmäher eingesetzt, gegen unsere Merino-Shirts von Kaipara sehen aber selbst diese alt aus. Wir geniessen den Moment und Drehen noch eine Runde durch das ursprüngliche Dorf bevor wir den Abstieg auf einem der Inka-Trails angehen.

Am nächsten morgen geht es den gleichen Weg zurück, auf den 10km entlang der Gleise regnet es wie verrückt. Schon nach wenigen Metern sind wir pitschnass und wir schlittern und rutschen die Gleise entlang. Wir lachen uns aber insgeheim ins Fäustchen, gestern hatten wir strahlenden Sonnenschein und konnten unseren Wanderausflug in vollen Zügen geniessen und heute regnet es Bindfäden. Die Götter der Inkas waren mit uns!! Wenigstens können die Touristen auf dem Berg, welche ausschauen wie direkt dem Outdoor-Katalog entsprungen, heute ihre Funktionskleidung gut testen.

Im strömenden Regen gehts zurück nach Santa Teresa.

Im strömenden Regen gehts zurück nach Santa Teresa.

Unten angekommen geht es aber auch für uns vorerst nicht weiter. Die Schottenpiste ist komplett aufgeweicht, Matschfelder und Schlammlawinen machen den Weg heute zur Albtraumstrecke. Zudem sind Sandro’s Bremsen inzwischen komplett blank. Wir sind kein Himmelfahrtskommando und die Abfahrten hier ohne Bremsen kommt einer Kamikaze – Fahrt gleich und macht, speziell bei Regen, absolut keinen Sinn. Lange Rede, kurzer Sinn, den Regentag verbringen wir in einem Allrad-Minibus und lassen uns nach Cusco fahren. Die Beine danken es uns und wir sind kaum eingenickt da wirft uns der Fahrer schon in der Hauptstadt er Inkas raus. Hallo Cusco!!

Cusco, eine tolle historische Stadt.

Cusco, eine tolle historische Stadt.

In Cusco haben wir genau 22.222 km auf dem Tacho und freuen uns auf 2 Tage Auszeit von Bergen, Tälern und Schluchten. Einst war Cusco die Hauptstadt und der Herz des Inka-Imperiums, der „Nabel der Welt“ wie die Inka ihre Stadt nannten. Laut Aussagen anderer Reisenden ist Cusco heute nicht nur die wohl schönste und abwechslungsreichste Stadt Perus, sondern wegen ihrer historischen Bedeutung auch eine der interessantesten Südamerikas. Alte Inkamauern, prächtige Kolonialbauten und reich ausgeschmückte Kirchen erinnern an die bis heute mit Leben erfüllte Vergangenheit. Die Menschen und Märkte scheinen hiernach farbenfroher zu sein wie im restlichen Peru.

Sandro und Julian lassen ihre hintere Bremsanlage komplett austauschen, unsere ursprünglichen Bremsen sind so speziell, dass es in ganz Südamerika keinerlei Ersatzteile gibt. Unzählige Fahrradläden konnten uns nicht weiterhelfen, jetzt geht es eben mit einer komplett neuen Bremsanlage weiter durch die Anden. Hilft ja nichts, wir sind zwar kaum zu stoppen, trotzdem müssen auch wir mal bremsen.

So, wir hoffen die Sonne setzt sich inzwischen auch in Deutschland oder wo auch immer auf der Welt ihr uns verfolgt, flächendeckend durch und ihr geniesst den Wonnemonat Mai. Den nächsten Bericht gibt es vermutlich schon aus Bolivien, unserem Land Nr. 20. In circa 80 Tagen fällt dann auch schon der Startschuss in Rio und sowie es bislang läuft werden wir bei diesem wohl live vor Ort sein, natürlich mit dem Fahrrad.

Mit freundlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Kolumbien III – Ecuador

Ecuador, Kolumbien
Pilgerkirche "Las Lajas" in Ipiales.

Pilgerkirche „Las Lajas“ in Ipiales.

Die letzten Kilometer in Kolumbien geht es nochmals kräftig auf und ab, in den Hütten am Gipfel wird heisse Schokolade und Käsekuchen serviert, ein Stück Heimat in der Ferne und gegen die frische Bergluft genau richtig. Bevor wir Kolumbien endgültig verlassen und nach Ecuador einreisen, wartete am Osterwochenende noch ein echtes Highlight auf uns. Die Pilgerkirche „Santuario de Las Lajas“, liegt in einer engen Schlucht und erinnert mehr an eine Burgfestung wie an ein Gotteshaus, ein wilder Fluss rauscht unter dem gigantischem Bauwerk hindurch, architektonisch ein Meisterwerk, die Kirche hat eine einzigartige Ausstrahlung und wird uns als eines der schönsten Bauwerke unserer Reise in Erinnerung bleiben.

Wir sagen Danke Kolumbien, mit 19.94€ p.P./Tag durften wir leben wie die Könige, zahlreiche Ersatzteile und Wartungskosten für die Räder inbegriffen. Kolumbien hat es uns definitiv angetan, wir hatten jede Menge Spass und haben eine tolle Kultur hautnah erleben dürfen. Die sehr schweisstreibende Berge mit ihren hohen Pässen werden uns ebenso wie die vielen Schluchten und Flusstäler lange in Erinnerung bleiben. Das leichte, oft chaotische bunte Leben werden wir, spätestens in Deutschland, vermissen. Unsere zahlreichen neuen Freunde, mit ihrer grenzenlosen Begeisterung für unser Unterfangen, machen Kolumbien zu einem Reiseland mit großem Rückkehrfaktor.

Warmanziehen. Auf gehts in Richtung Ecuador.

Warme Kleidung. Auf gehts in Richtung Ecuador.

Mit Nieselregen und äusserst kühlen Temperaturen begrüßt uns Ecuador, unser Land Nr. 18, der nötige Einreisestempel ist schnell im Pass und schon warten die Berge auf uns. Der US$ ist seit 1999 offizielle Währung in Ecuador, schnell wird uns daher deutlich das Ecuador ein weitaus höheres Preisniveau hat wie Kolumbien und wir wieder tiefer in die Tasche greifen müssen. Der Highway E-35, wegen den zahlreichen Vulkanen links und rechts der Strasse auch „Strasse der Vulkane“ genannt, führt uns zielsicher und sehr gut ausgebaut in die höchste Hauptstadt der Welt und damit nach Quito auf 2850m. Bevor wir aber nach Quito einreisen geht es, wieder einmal, bergauf und bergab. Das Wetter wechselt sein Gesicht binnen Minuten, vom puren Sonnenschein bis zu sintflutartigen Regengüssen sind es oft nur wenige Augenblicke. Die Anden machen klar wer hier der Boss ist und damit das Sagen hat, uns bleibt nichts anderes übrig wie uns anzupassen und im Minutentakt die Regenkleidung an und wieder auszuziehen. Am Abend kehren wir in billige Unterkünfte ein, manchmal gibt es sogar eine heisse Dusche, zum zelten ist es in den Hochebenen zu frisch und vor allem zu nass, den extremen

Äquator. Geschafft!

Äquator. Geschafft!

Regenmassen sind unsere Zelte nicht gewachsen. Kurz vor Quito verlassen wir die Nordhalbkugel, überschreiten den Äquator und heissen die Südhalbkugel herzlich willkommen. Gute 11 Monate und exakt 19502 km haben wir gebraucht um von München bis an den Mittelpunkt der Erde zu radeln, was für eine tolle Geschichte. In der Bergregion gilt Meerschweinchen als absolute Delikatesse, oft werden die kleinen Nager direkt am Strassenrand gebraten und verkauft, bislang haben wir die Leckerbissen allerdings den Einheimischen überlassen, aber ob wir der Verlockung noch lange widerstehen können?

Gebratene Meerschweinchen. Bisher haben wir sie nicht probiert.

Gebratene Meerschweinchen. Bisher haben wir sie nicht probiert.

Quito, und seine historische Altstadt empfängt uns dagegen mit Sonnenschein pur, versteh einer das Wetter… Quitos koloniales Stadtzentrum ist reich an zahlreichen bedeutenden Bauten und Denkmälern, vor allem koloniale Kirchen

Quito hat ein tolles historisches Zentrum.

Quito hat ein tolles historisches Zentrum.

und Klöster im Barock Stil stechen hervor. 1978 wurde Quitos Altstadt, als erste Stadt überhaupt, auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes gesetzt, zurecht wie wir meinen. Hinter jeder Ecke lassen sich neue Gassen, neue Geheimnisse und Geschichten finden, der historische Stadtkern ist sehr gut erhalten und einladend. In traditioneller Tracht verkaufen die Indigenas, Ecuadors Ureinwohner, Obst und Gemüse, überall auf den zahlreichen „Plazas“ trifft man auf Lottoverkäufer, Schuhputzer und diverse „laufende Händler“, ein buntes Treiben beherrscht das

Wacht über Quito auf dem Hügel "El Panecillo".

Wacht über Quito auf dem Hügel „El Panecillo“.

Stadtbild. Wir steigen, gegen den Rat der Polizei – welche vor Überfällen warnt, auf den Hügel „Panecillo“ wo die berühmte Marinestatue über die Stadt wacht, so haben wir eine tolle Draufsicht auf die 2,2 Millionen Einwohner Stadt und die Vulkane welche das langgezogene Stadtgebiet einkesseln. Donner, Blitz und Regen treiben uns in die zahlreichen kleinen köstlichen Restaurants und auch die vielen Kirchen sind trocken und strahlen mächtig vor Glanz und Gloria. Abseits der Altstadt zeigt Quito aber auch ein zweites Gesicht, Armut, Drogen und und wenig Perspektiven aus diesem Teufelskreis sind auch ein Teil dieser Millionenstadt.

Geschlagene 20 km brauchen wir um aus Quitos Stadtgebiet zu entkommen, die Hauptstrasse hat nicht viel vom gemütliche Stadtzentrum. Die Strasse ist stark befahren, ständig wird gehupt, Busse und LKW’s dieseln uns mit Abgasen voll, gerade die Busfahrer haben einen Dachschaden und fahren wie der Henker persönlich, die Luft steht, die Lunge eines Kettenrauchers kann nicht weniger belastet sein. Jedenfalls sind wir recht froh wieder in der Natur zu sein und geniessen die gesunde Landluft und den gemächlichen Verkehr.

"Pailon del Diabolo", ein Wasserfall in Banos.

„Pailon del Diabolo“, ein Wasserfall in Banos.

Nico möchte weitere Vulkane sehen und fährt die „Feuerstrasse“ weiter,. Vorbei am Vulkan Cotopaxi nach Banos, ein Ort mit vielen Wasserfällen und heissen Quellen. Von dort fährt er weiter über Riobamba nach Alausi und macht einen Tagesausflug mit dem berühmten Zug „Nariz del Diabolo“. Julian und Sandro verlassen die E-35 und biegen rechts auf die E-20 und damit ins Flachland Ecuadors, in Richtung Santo Domingo, als Treffpunkt vereinbaren wir Guayaquil 7 Tage später. Julian und Sandro geniessen eine 80 Kilometer lange Abfahrt und brettern mit bis zu 70 km/h die Anden runter, nur der Regen und diverse Erdrutsche können uns kurzfristig stoppen. Im Flachland geht es an kilometerlangen Kakao- Mais- Maracuaya- Bananenplantagen vorbei, wir fahren durch die Obst und Gemüsekammer Ecuadors, die freundlichen Marktfrauen beschenken uns mit ihren Früchten, erklären uns den Weg und lachen viel über unsere Tour, frei nach dem Motto: „Ihr seid doch total bekloppt!“

Obst gibt es reichlich auf den Märkten Ecuadors.

Obst gibt es reichlich auf den Märkten Ecuadors.

In den Nächten regnet es, tagsüber wird es bis zu 35 Grad warm und extrem schwül, die Strecke ist schön flach und wir strampeln gedankenverloren vor uns hin bis nach Guayaquil, mit 3.3 Millionen Einwohner die grösste Stadt des Landes, diese liegt auf Meereshöhe. Für Schlangen scheint das tropische Klima im Flachland das ideale Biotop zu sein, die Biester finden in den Plantagen viel Unterschlupf, genügend Nahrung und liegen oft auf der Strasse rum „dead or alive“!

Erdrutsch. Die Strasse wird zum Fluss.

Erdrutsch. Die Strasse wird zum Fluss.

Nico hat in den Bergen, auf der Feuer- bzw. Vulkanstrasse, auch mit schlechtem Wetter zu kämpfen, erlebt zahlreiche Schlamm- und Felslawinen und muss sein Rad durch unzählige Matschfelder tragen. Leider war die Sicht auf die Vulkane nicht immer klar, die Natur und die unglaublich freundliche Bergbevölkerung machen die Passage dennoch unvergesslich.

In Guayaquil sind wir wieder vereint, innerhalb von 29 Tagen sind wir nun gut 2300 Kilometer quer durch Kolumbien und Ecuador gefahren, es ging über Stock und Stein, über Berge und Tal, durch Regen und Sonne, die Natur zeigte uns ihr gesamtes Spektrum auf. Wir freuen uns jetzt auf unsere 8-Tage Auszeit auf den Galapagos-Inseln, wo wir auch Darwins Spuren suchen werden und nach beinahe einem Jahr unsere Eltern treffen werden. Der „Kopf-Akku“ muss mal wieder komplett durchgeladen werden und auch die Beine freuen sich auf eine längere Auszeit und ein paar Tage ohne strampeln und die treuen Fahrräder.

Nach 20010 Kilometern sind wir in Guayaquil angekommen.

Nach 20010 Kilometern sind wir in Guayaquil angekommen.

Mit der Ankunft im Stadtzentrum von Guayaquil machen wir am Tag 344 die 20.000km voll. 20.000km Abenteuer und Spass. 20.000km rauf und runter. 20.0000km Friede/Streit und Versöhnung. 20.000km leiden und staunen. 20.000km Trip of our Lifetime. 20.000km Leben pur. 20.000km Wahnsinn.

In Guayaquil besuchen wir den Iguana-Park im Stadtzentrum, in diesem Park leben tausende von Riesenechsen, ein einmaliges Spektakel, die Altstadt kommt an den Charme Quitos zwar nicht ran, hat aber dennoch seinen eigenen Zauber.

Hunderte von Iguanas mitten in der Stadt.

Hunderte von Iguanas mitten in der Stadt.

Wir verabschieden uns in den Urlaub, danach geht es weiter in Richtung Peru wo uns die Anden wieder erwarten. Heute (5.4.2016) sind es noch genau 4 Monate bis zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Rio, noch haben wir etwa 8.000km vor uns, alles deutet auf einen „just in time“ – Einlauf hin, es bleibt spannend.

Die Räder bleiben hier in Guayaquil und sind bei Susana und Ana-Maria sicher untergebracht, auch wir leben gerade bei diesen 2 herzlichen Damen und geniessen deren umwerfende Gastfreundschaft.

Der nächste Bericht kommt bereits aus Peru und wird hoffentlich mit tollen Bildern und Eindrücken vom ecuadorianischen Naturparadies und damit von den Galapagos-Inseln beherrscht sein.

Danke für euer Interesse, die zahlreichen „likes“ und das teilen unserer Berichte auf Facebook.

Sportliche Urlaubsgrüße,

Euer Trio for Rio

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.

Kolumbien Nr. II

Kolumbien

Unser letzter Blog wurde noch in der Tiefebene Kolumbiens verfasst, inzwischen hat uns die  längste Gebirgskette der Welt, die scheinbar unendlichen massiven Anden, fest im Griff. Täglich machen wir äusserst schweisstreibende Höhenmeter, wieviele Meter wir bereits auf unserer Reise in die Höhe geklettert sind wissen wir leider nicht genau, einige Zehntausende sind es bis dato auf jeden Fall gewesen.

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Cynthia führt uns durch Medellin.

Wieder sind wir zahlreichen interessanten Menschen begegnet, so treffen wir Fabian aus Hamburg, welcher seit gut 5 Jahren mit seinem VW-Bus um die Welt kurvt, dank ihm hat nun auch Julians Ebook weitere 200 Bücher im Speicher. In Medellin legen wir einen entspannten Ruhetag bei Cynthia und ihrem Bruder Charles ein, wir fahren mit der berühmten Gondelbahn und haben daher eine interessante Perspektive über die Millionenstadt, wir werden in der Stadt rumgeführt, den Charme Cartagenas erreicht Medellin allerdings nicht. Oft werden wir gestoppt und müssen als Fotomodell herhalten, Kinder bestaunen unsere Räder und Männer wollen das Rohloff-System unserer TX-1000 Stahlrösser genauestens erklärt haben.

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Gondel über Medellin. Eine interessante Perspektive.

Auch mit einigen Radfahrern hatten wir das Vergnügen und wir strampelten zusammen durch tiefe Täler hinauf auf massive Bergkämme, passieren zahlreiche Pässe und genossen eine fantastische Aussicht über Berge und gigantische Schluchten. Die Landschaft ist saftig grün und die Berge mit ihren diversen Schattierungen und dem blauem Himmel im Hintergrund stellen ein umwerfendes Gesamtbild da, beinahe fühlen wir uns wie auf einer heimatlichen Alm. Die Anden werden immer massiver und von Tag

Rauf und runter. Bis auf teilweise 2800 Höhenmeter.

Rauf und runter. Bis auf teilweise 2800 Höhenmeter.

zu Tag selbstbewusster, wir steigen und fallen, geniessen traumhafte Abfahrten von bis zu 37km und fluchen leise über Anstiege der selben Länge. Ab ca. 2500m Höhe wird es recht frisch und unsere Kaipara-Merino-Kleidung kommt wieder vermehrt zum Einsatz, auch mit Regen müssen wir uns jetzt öfters auseinandersetzen, in den Bergen hängt eben das Wetter fest. In den Tälern und Flussebenen steigt dafür das Thermometer wieder auf knapp 40 Grad und die dicke Sonnencreme muss ausgepackt werden. Wir erleben eine langsame Achterbahnfahrt, von 700m rauf auf 2800m, runter auf 1100m und wieder rauf auf 2550m, runter auf 500m und wieder geht es rauf auf knapp 3000m (dies entspricht etwa der Zugspitze, immerhin Deutschlands höchster Berg) usw. usw. Falls die Beine gar nicht mehr wollen, gibt es immer noch die schleichenden LKW’s, welche sich schwerbeladen ebenfalls den Berg hoch quälen, diese eignen sich perfekt um sich einige Meter den Berg hochziehen zu lassen. Was kolumbianische Strassenkinder können, können wir schon lange (vom nachahmen wir allerdings dringend abgeraten)!

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Milchtransporter in Kolumbien.

4kg Spareribs zum Mittagessen.

4kg Spareribs zum Mittagessen.

Die tägliche Raubtierfütterung ist jedesmal ein Festessen, neben Reis, Bohnen, gebratenen Bananen und köstlichem Fleisch kommen auch delikate Nachspeisen und Delikatessen wie 4kg Spareribs auf den Tisch, ein Hoch auf die Küche Kolumbiens. Mit 1,50€ für ein üppiges Frühstück, 1,80€ für ein massives Mittags- bzw. Abendessen müssen sich die Preise nicht verstecken und wir sind wieder bereit und ausreichend gestärkt für den nächsten Anstieg. Der Highway 25, die Panamericana, führt uns zielstrebig in Richtung Ecuador, nur selten verlassen wir den gut ausgebauten Highway und fahren auf Nebenstrassen weiter (Highway 29 und 50). Momentan ist unser Schlagzahl etwas höher wie sonst, aber am 7. April müssen wir in Guayaquil im Süden Ecuadors sein um unseren Flug auf die Galapagos-Inseln zu erwischen. Allgemein ist es nicht schlecht auf so einer langen Reise sich kleinere Etappenziele zu setzten, hat man nur die Gesamtkilometer bzw. das Endziel, bei uns Rio im August 2016, im Kopf kann das einen mürbe machen, da man kaum Fortschritte sieht. Mit unserem Kuba Urlaub, dem Segeltrip nach Kolumbien und dem Flug auf die Galapagos-Inseln haben wir uns immer schöne und reizvolle Etappenziele gesetzt, dieses Konzept ging bislang gut auf. Klar, manchmal scheinen auch diese Etappenziele unerreichbar, wochenlang, tausende Kilometer weit strampeln wir drauf hin, Meter für Meter und plötzlich hat man es aus eigener Muskelkraft erreicht. Ein tolles, unbeschreibliches Glücksgefühl.

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Ein Hartes Leben in den Bergen.

Auf der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten landen wir immer öfters in diversen Stundenhotels, dies sind günstig und, gerade in den abgelegeneren Gebieten, zahlreicher wie „normale“ Hotels zu finden. Das horizontale Gewerbe ist in Kolumbien quasi an jeder Strassenecke anzufinden und gesellschaftlich akzeptiert, selbst die Polizei versucht uns an die Damen „zu vermitteln“, wir lehnen jedoch artig ab. Die kolumbianischen Männer müssen einen enormen Liebesbedarf haben, jedenfalls stehen sich am Strassenrand zig tausend Damen die Füsse platt und warten auf eine liebeshungrigen Trucker, welcher eines der besagten Stundenhotels anfährt.

Medellin. Wir werden herzlichst empfangen..

Medellin. Wir werden herzlichst empfangen..

Vor Kolumbien wurden wir gewarnt und es wurden uns Horrorgeschichten über Land und Leute erzählt. Jetzt stehen wir vor den Toren Ecuadors und haben tausende Kilometer in Kolumbien abgefahren, von Gewalt und Verbrechen keine Spur. Nico’s uns Sandro’s Schuhe wurden zwar „entwendet“ aber diese wurde 11 Monate abgearbeitet und fallen nicht wirklich unter heimtückischen Diebstahl, oder? Im Gegenteil, wir werden weiter angefeuert, bekommen Wasser und Früchte gereicht und nette, interessierte Gesprächspartner gibt es wie Sand am Meer. Klar kann man zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort sein und Gelegenheit macht Diebe, aber wo auf dieser Welt ist dies nicht der Fall? Gerade die jeweiligen Nachbarländer halten oft wenig von den Menschen auf der anderen Seite der Grenze. Die Engländer mögen die Schotten nicht, in Guatemala wird schlecht über El Salvador gesprochen, Nicaragua spottet über Honduras etc. etc. Und die Amerikaner? Die warnen vor jedem Land, jeder Kultur und jeder Religion, ein ängstlicheres Land, ein Land mit mehr Vorurteilen und Feindbildern, wie die USA, das selbsternannte Land der „grossen Freiheit“, haben wir bislang nicht kennengelernt. Ein Präsidentschaftskandidat wie Donald Trump mit seinem peinlichen Parolen ist das erschreckende Resultat dieser Angst und der bestehenden Vorurteile, andererseits sind wir mit den Wahlergebnissen der AfD (März 2016) in Deutschland nicht auf dem selben Holzweg? Jeder der mal eine solche Reise unternommen hat wird sich von solchen rechtspopulistischen Parteien fernhaften, egal auf welcher Seite des grossen Teiches, egal wo auf der Welt. Die Menschheit ist gut, unser Planet ist voller Wunder und atemberaubenden Plätzen. Ein paar Hans Wurscht’s wollen uns allerdings leider vom Gegenteil überzeugen, da hilft nur die fehlgeleiteten Idioten zu ignorieren und seine Stimme sinnvoll vergeben um nicht in deren braunes Fahrwasser zu geraten.

Eammon und Michel radeln 40km mit uns mit.

Eammon und Michel radeln 40km mit uns mit.

In Cali, der Hauptstadt der Salsatänzer, lassen wir uns nochmals die Berge aus den Beinen massieren und bewundern das, sich stündlich wechselnde, Strassenbild dieser Stadt. Nach Cali erwarten uns die Berge zurück, Sonne und Regen wechseln sich ab und wir kommen dadurch in den „Genuss“ wie durch eine Dampfgrotte radeln zu dürfen. Mit den Radlern Eammon aus Irland, Michel aus Kanada und Nelson aus Kolumbien haben wir einen tollen Tag auf den Bikes und besichtigen zusammen Popayan. Popayan hat komplett in weissgestrichene historische Altstadt und war u.a. Wohnsitz des ersten Präsidenten Kolumbiens. Mittlerweile stehen am Strassenrand tausende, schwer bewaffnete Soldaten, die gepanzerten Einsatzfahrzeuge erinnern an Kriegsschauplätze. Wir sprechen mit den Militärs und uns wird geraten vor allem die Nacht zu meiden, wie schon erwähnt eine 100%tige Sicherheit gibt es eben nie. Wir wollen gar nicht wissen was in den zahlreichen LKW’s alles von A nach B transportiert wird, ganz umsonst ist das Militär und Polizei Aufgebot mit Sicherheit auch nicht vor Ort, wir werden jedenfalls immer fröhlich durch jede Kontrolle gelotst. Auch die Kolumbianer sind recht gläubige Menschen, gerade in der Osterzeit sind die Kirchen gefüllt und wir sind bereits einigen Pilgern begegnet und Ostermärsche ziehen sich durch die Dörfer. Vielleicht vertrauen die Autofahrer zu sehr auf Gott, wieder stehen zahlreiche Kreuze am Strassenrand. Nur auf Gottesgnade zu hoffen ist auch nicht der richtige Weg, Einsicht und Rücksicht im Strassenverkehr sollte schon auch sein, teilweise werden wir Zeugen von recht waghalsigen Verkehrsteilnehmern.

Schlafen, essen, radeln, essen, radeln, essen und wieder in die Falle, so sehen unsere Tage im Moment auf, da es aber täglich Neues zu sehen gibt und wir immer ins Ungewisse radeln, kommt nie Langeweile oder Routine auf, es bleibt spannend und abwechslungsreich. Inzwischen haben wir die 19.000km voll gemacht und uns daher einen Ruhetag im Städtchen Pasto auf knapp 2900m Höhe verdient. Pasto ist ein nettes Bergstädtchen, leider haben am Gründonnerstag alle Geschäfte geschlossen und die Altstadt ist verwaist, so bleibt immerhin mehr Zeit zum entspannen. In unserer beliebten Plattfußstatistik gibt es keine grossen Veränderungen, Julian führt mit 21 Löchern und trägt sein Schicksal inzwischen mit Galgenhumor, Nico folgt auf Platz 2 (14) und Sandro liegt glücklich hinten auf Platz 3 (13).

Mal schauen wie grosszügig der DFB (Deutsche Fussballbund) sich zeigt, wir haben jedenfalls mal eine nette Email an die Damen und Herren gesendet, mit der Hoffnung auf Tickets für das Olympische Fussballturnier von Rio de Janeiro.

Unser nächster Bericht sollte bereits aus Ecuador kommen, wir wünschen euch Frohe Ostern und entspannte, sonnige Feiertage egal wo auf dieser Erde.

Viel Spaß beim Ostereier suchen!!!

Beste Grüße aus Pasto in den massiven Bergen Kolumbiens.

Euer Trio for Rio.

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder gibt es in unserer Galerie!

Panama – Kolumbien

Kolumbien, Panama

Wir verlassen Panama City um uns auf unsere letzten Kilometer auf zentralamerikanischen Boden zu begeben und gleichzeitig machen wir uns auf die Suche nach dem kleinen Segelhafen von Carti, von dort werden wir einen unvergesslichen Segeltrip nach Kolumbien angehen. Der Stadtverkehr in Panama City ist enorm, doch schon bald liegt die Stadtgrenze hinter uns und der Verkehr wird schlagartig ruhiger.

Im Zickzack bergauf, teilweise müssen wir schieben.

Im Zickzack bergauf, teilweise müssen wir schieben.

Nach einer ruhigen Nacht auf einem Kinderspielplatz, folgt eine 46km Etappe durch den Dschungel Panamas, welche es in sich hat und uns an die physischen und psychischen Grenzen stossen lässt. Der letzte Radtag in Panama bzw. in Zentralamerika verlangt uns wirklich nochmals alles ab, wir haben Steigungen von 18-20% und viele ausgewaschene Kurven welche sandig und unübersichtlich sind, mehrmals müssen wir von den Rädern steigen und diese „schweren Böcke“ schieben. Den ganzen Tag kommen uns ausschliesslich Allrad-Fahrzeuge entgegen, für normale Autos ist die Strecke einfach nicht machbar. Zentralamerika scheint uns eine letzte Challenge zu stellen und am Abend kommen wir fix und fertig aber als glückliche Sieger der besagten Challenge am Hafen an, noch lange wird uns dieser Tag auf der hügligen, schmalen Strasse in Erinnerung bleiben, der pure Wahnsinn und das auf Fahrrädern!!

Ja, am nächsten Tag heisst es Leinen los, wir stechen in See. Wir versuchen uns also für 5 Tage als Piraten auf unserem Segelboot namens „Albatros“. Unser Kapitän Hernando ist ein erfahrener Seebär, schon 553x hat er die

Unser Captain Hernando. Eine Legende.

Unser Captain Hernando. Eine Legende.

Strecke Panama – Kolumbien sicher gemeistert. Er ist der Gründer der kolumbianischen Segelschule, sein Sohn startet als Segeltrainer für Ecuador bei den Olympischen Spielen in Rio 2016, mehr Erfahrung und mehr Sicherheit geht also nicht. Mit Chiara, unserer Deckhand und Köchin, ist die Crew komplett, 2 Kanadier und ein Engländer sind als zusätzliche Passagiere mit von der Partie. Die Räder sind sicher an der Reling angeleint und schon stechen wir in die ruhige karibische See und erleben die traumhaften San Blas Inseln hautnah. Jetzt haben wir auf unserer Reise schon viel gesehen, aber die 365 Inselchen des San Blas Archipel und ihre traditionellen Ureinwohner, die Kuna Yalas, machen uns schlicht sprachlos und wir können uns an dieser wunderbaren Umgebung kaum satt sehen.

Die San Blas Inseln sind ein Traum.

Die San Blas Inseln sind ein Traum. Karibik Pur.

Wir schnorcheln, baden, angeln, fahren Kajak, beobachten Delfine und segeln durchs Paradies, zumindest muss dieses einmalige Fleckchen Erde bzw. Wasser dem Paradies ziemlich nahe kommen. Wir bekommen Lobster und andere Köstlichkeiten von Chiara serviert unser Kapitän erzählt Geschichten

Wir geniessen die Radfreien Tage und segeln genussvoll durch die Karibik.

Wir segeln durch die Karibik und geniessen die Radfreien Tage.

aus seinem bunten Seglerleben, wir haben definitiv mit der Wahl der „Albatros“ einen fantastischen Glückstreffer gemacht. Es scheint, als gehört es zum gutem Ton, als Kapitän immer ein Bier in der Hand zu haben, jedenfalls ist unser „El Capitano“ kein grosser Freund von Wasser und Saft und bevorzugt zu jeder Tageszeit sein „flüssiges Gold“. Am zweiten Tag sind wir genau 10 Monate auf unserer Reisen, dieses kleine Jubiläum feiern wir in traumhaften Umgebung bei Vollmond und sagenhaftem Sternenhimmel, selbst der Plankton feiert mit und leuchtet unter der Wasseroberfläche. Wir finden immer einen tollen Ankerplatz in der Nähe einer der zahlreichen Inseln und sind von der Ruhe absolut begeistert. Da die Strasse in der Regel nie weit entfernt von unseren Zeltplätzen ist, ist es eine Wohltat für die Ohren mal keinen Verkehrslärm zu hören und wir schalten ab.

Da es Glück bringen soll im Schaltjahr, eine Flaschenpost aufzugeben, bereiten wir eine Trio-for-Rio-Flaschenpost vor und übergeben diese am 29ten Februar dem karibischen Meer. Mal schauen wie weit es unsere Flasche schafft und wir sind gespannt, ob wir eine Antwort bekommen. Vielleicht findet diese ja den Weg in den Neckar, in die Isar oder ins „schwäbische Meer“ und damit in den Bodensee, zumindest mit viel Fantasie ist dies möglich.

Trio for Rio Flaschenpost. Finder bitte melden.

Trio for Rio Flaschenpost. Finder bitte melden.

So, nach 3 Tagen ist der karibische Traum ausgeträumt und die Seglerromantik wird schwer beschädigt, wir stechen in offene See. Schon mal 48 Stunden Achterbahn gefahren? Oder 48 Stunden Turbulenzen im Flugzeug erlebt? Die 3-4m hohen Wellen werfen unsere Nussschale von Boot hin und her, ein Hexenkessel ist nix dagegen. Das Boot knarzt und ächzt, wir fliegen von einer Seite auf die Andere, wir kriechen 2 Tage durch die Sardinenbüchse und bewegen uns nur falls gar nicht anders möglich. Die Wellen schwappen über das Boot und es tropft in unsere Kojen ,unser Gleichgewichtssinn schlägt Purzelbäume, wir sind bemüht den Mageninhalt dort zu behalten wo er hingehört. Ein Königreich für einen Fahrradtag!!!!

Unser Kapitän scheint mit seiner Routine zwar alles im Griff zuhaben, aber ein mulmiges Gefühl bleibt eben doch so auf offener See hunderte Kilometer vom rettenden Ufer entfernt. In diesen Tagen wir ganz klar, wir sind Landeier und keine gestandenen Seemänner. Da der Seegang sehr stark ist bleiben wir eine weitere Nacht auf dem Boot bevor wir in Cartagena endlich wieder festen Boden unter die Füsse bekommen, unser Element hat uns zurück. Wieder einmal sind wir um eine Erfahrung reicher, unsere Reise ist ein toller Lehrmeister.

Geschafft. Willkommen in Südamerika. Willkommen in Cartagena.

Geschafft. Willkommen in Südamerika. Willkommen in Cartagena.

Ja, mit Cartagena begrüssen wir Kolumbien und damit natürlich auch Südamerika! Land Nr. 17 und Kontinent Nr. 3 (für uns beginnt Südamerika in Kolumbien) unserer Reise, gefällt uns auf anhieb. Cartagena ist mit Abstand das schönste Städtchen unserer Reise und gilt als Perle Lateinamerikas. Viele Künstler machen die kleinen Gassen und zahlreichen Plätze bunt und attraktiv, ein gewisser Hippie-Flair liegt auf der historischen Stadt, kulturell bietet Cartagena einiges und nicht nur der Stadtstrand ist einen Besuch wert. Unserem Kapitän begegnen wir mehrmals in der Stadt, dieses „Original“ kennt hier jeder und der bunte Hund findet immer jemanden zum Quatschen oder um ein Bierchen zu leeren, Geschichten zu Pablo Escobar und über andere kolumbianische Persönlichkeiten gingen ihm jedenfalls nie aus, toller Mensch.

Pita Gyros bei Jorge aus Thessaloniki.

Pita Gyros bei Jorgo aus Thessaloniki. EinTraum.

Wir sind wirklich angetan von dem Ort und verbringen gleich 4 Tage und Nächte dort, nicht nur die Fahrräder werden vom Mechaniker gründlich gecheckt und vom Salzwasser gereinigt, auch wir lassen es uns gut gehen. Erst nach mehreren Massagen, Maniküre, Pediküre, Frisör und einigen nächtlichen Stunden auf der Flanier- und Partymeile fühlen wir uns langsam wieder hergestellt und bereit für die Strasse. Die Pita-Gyros beim Griechen, Jorgos, ist ein Traum aber auch die kolumbianische Küche lässt absolut keine Wünsche offen und so ziehen wir mit viel Energie und Generalüberholt wieder los um das ländliche Kolumbien kennenzulernen. Wir sagen Adios Cartagena und verabschieden uns damit auch vom karibischen Meer, spätestens in Ecuador treffen wir wieder auf den pazifischen Ozean.

Schnell wird klar, Cartagena ist kein Massstab, die Landbevölkerung lebt wesentlich einfacher und primitiver als die Menschen in der Stadt. In punkto Herzlichkeit und Freundlichkeit stechen die Menschen, welche oft in einfachen Lehmhütten leben, allerdings hervor und beeindrucken uns nachhaltig. Da in

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Kunst aus alten Autoreifen.

Kolumbien alles eingezäunt ist, fragen wir die Menschen auf den Bauernhöfen und werden meist herzlich eingeladen und wir spannen unsere Hängematten im Hof bzw. Garten und kommen somit hautnah mit der sehr musikalischen Kultur und den neugierigen Menschen in Kontakt. Die zahlreichen Tiere auf den Höfen wecken uns immer recht zeitig, daher finden wir uns aussergewöhnlich früh auf den Rädern wieder. Ein früher Start ist allerdings auch von Vorteil, auch hier verwöhnt uns der Wettergott mit viel Sonne und wir machen lieber eine längere Siesta in der Mittagshitze. Inzwischen hat es sich etabliert, dass wir vor der Mittagssiesta ca. 2/3 (circa. 50-75km) und danach das restliche Drittel, also weitere 25-35km, fahren.

Vom Highway 90 wechseln wir auf den 25er, dieser ist in einem sehr gutem Zustand und wird uns bis ins Nachbarland Ecuador führen. Am Strassenrand werden uns Schildkröten zum Verzehr angeboten, wir verzichten, für uns müssen keine exotischen Tiere ihr Leben lassen. Die zahlreichen Restaurants am Strassenrand bieten leckeres und weniger exotisches dafür sehr leckeres Essen zum kleinem Preis an. Hier in Kolumbien lohnt sich jedenfalls der Restaurantbesuch eher wie ein Einkauf im Supermarkt, beides ist zwar circa gleich teuer, nur eben im Restaurant sind die Leckereien schon zubereitet und wir müssen den Gaskocher nicht auspacken. Auch Kirchen eignen sich übrigens hervorragend als Schlafplätze, im Pfarrgarten einer verlassenen Landkirche schliefen wir jedenfalls wie die Engelchen.

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Es ist sehr heiss, auch wir kühlen uns häufig ab. Das Schlammbad überlassen wir den Tieren.

Gestern haben wir unsere 18.000km voll gemacht und heute feiern wir „1000-Stunden-im-Sattel“, zur Belohnung geht es ins Hotel, für 3.60€ p.P ein erschwinglicher Luxus. Kolumbien hat ein, für uns, sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis, welches an Mexiko erinnert. In Panama haben wir übrigens 40.16€ p.P./Tag gebraucht, relativ viel, aber unser Segeltrip schraubte die Kosten in die Höhe. Die nächsten Tage werden unsere durchschnittlichen Tageskilometer etwas schrumpfen, die Berge warten auf uns und werden uns kräftig ins schwitzen bringen.

Oft werden wir gefragt wie wir auf die Idee für eine solche Reise gekommen sind, hier die Entstehungsgeschichte vom Trio for Rio in Kurzform.

2011 hatte Julian ein Arbeitsvisa für Kanada zugelost bekommen, aus privaten Gründen wurde dieses nicht genutzt und verfiel. Der Traum von Nordamerika blieb bei ihm allerdings bestehen und warum nicht Nord- Südamerika miteinander verbinden? Auto? Zu schnell! Wandern? Zu langsam! Fahrrad? Perfekt! Mit dem Fahrrad hat man genau die richtige Geschwindigkeit um die verschiedenen Kulturen intensiv zu erforschen und um Land und Leute ausgiebig kennenzulernen. 2012, auf dem spanischen Jakobsweg, entstand also die Idee die beiden Kontinente abzuradeln, Nico war von der Idee gleich begeistert und eine längere Testfahrt quer durch Europa bestätigte das Fahrrad als Reisepartner. Im Frühjahr 2013, also circa 2 Jahre vor dem Start wurde mit dem Sparen und den groben Planungen begonnen, Nicos Studienende im April 2015 wurde als Starttermin auserkoren. Die Idee in München zu starten entstand eher spontan, als Zielort Rio und damit die Olympischen Sommerspiele 2016 auszugeben kam uns beiden bei den TV Übertragungen der Olympischen Winterspiel in Sotschi/Russland 2014.

Anfang 2014 wurde letztendlich auch Sandro, als der dritte Mann im Bunde, über unsere bisherigen Pläne informiert und das „TrioforRio“ war geboren. Julian und Nico planten und organisierten fleissig weiter, suchten Sponsoren und informierten sich über die Strecke und die Länder welche durchquert werden sollen. Sandro übernahem dabei die Gastrolle und verhielt sich bis zum Start im April 2015 und auch bei der aktuellen Berichterstattung und Gestaltung der Homepage äusserst passiv, er überlässt die Aufgaben uns beiden.

Wir, Nico und Julian, beschlossen die komplette Reise zu filmen und im Logbuch zu dokumentieren, was aus diesem Material wird steht allerdings noch in den Sternen, konkrete Pläne haben wir beide noch nicht. Das Fotografieren wird vom kompletten Trio übernommen und so entstehen Bilder aus 3 Sichtweisen.

Der Starttermin konnte letztendlich eingehalten werden und wir sind auf voller Fahrt und schwimmen auf einer tollen Welle der Begeisterung.

Sonnenbad.

Sonnenbad.

Wir sind also angekommen in Südamerika, Rio ist zwar noch ein Stück entfernt, aber die Olympische Flamme rückt langsam aber sicher näher. Die nächste Attraktion, die Galapagosinseln, wartet und wir freuen uns auf einen Besuch der Eltern.

Vielen Dank für euer Interesse an unserer Reise und die Unterstützung.

Mit sportlichen Grüssen aus Kolumbien,

Julian, Nico und Sandro

Mehr Bilder gibt es in unserer Galerie zu bestaunen.

Guatemala – El Salvador – Honduras und Nicaragua

El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua
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Castillo de San Felipe auf dem Lago de Itzabel.

Das Länderpunktekonto rasselte in den letzten Wochen gehörig, inzwischen sind wir in Nicaragua und damit in Land Nr. 14 angekommen. Aber jetzt machen wir erstmal einen Sprung zurück nach Guatemala und zu unserem letzten Update in Rio Dulce. Bevor wir aufbrachen machten wir noch eine kleine Bootstour über den Lago de Itzabal, immerhin einer der grössten Seen in Zentralamerika, wir bestaunten dabei die Festung Castillo de San Felipe, welche von den spanischen Kolonialherren erbaut wurde um die berüchtigten britischen Piraten fernzuhalten, Geschichte pur.

Mit blitzblank geputzten Rädern machen wir uns auf den Weg um Zentralamerika weiter gründlich zu erobern und um unserer eigenen Geschichte weitere Kapitel hinzuzufügen. Die Strassen in Guatemala sind sehr befahren, tausende Trucks mit geisteskranken Fahrern brettern an uns vorbei um den nahen Containerhafen von Puerto Barrios zu erreichen, dort beginnt eine lange Schiffsfahrt für all die Container in alle Erdteile dieser Welt. Wir werden eingestaubt und von oben bis unten mit Abgasen eingedeckt, über die VW Abgasaffäre können die Leute hier nur lachen, nichts weiter als ein Kinderfurz, jeden Abend brennen uns gewaltig die Augen und die Klamotten triefen vor Schmutz. Die Bananen welche ihr in der letzten Wochen im Supermarkt gekauft habt, sind vor knapp 14 Tagen an uns vorbeigesaust, bei der nächsten Banane könnt ihr also gerne an uns denken.

Wir fahren durch ein herrliches, breites Tal mit viel Wald und genügend Zeltmöglichkeiten, am Strassenrand werden uns die tollsten exotischen Früchte und andere Leckerbissen, manchmal auch Riesenechsen, angeboten. Vor noch nicht all zu langer Zeit fuhren wir durch die dichten Wälder Alaskas und Kanadas jetzt, gut 7 Monate später, fahren wir durch riesige Bananenplantagen in Guatemala. All diese verschiedenen Regionen und Kulturen sind mit einer Strasse verbunden welche wir mit eigener Kraft abgeradelt sind, manchmal müssen wir uns selbst klar machen, das dies unsere Geschichte ist und wir uns mittendrin befinden und nicht träumen.

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Rodurico möchte uns im Auto mitnehmen, wir lehnen ab und geniessen die lange Bergabfahrt.

Auf dem Weg nach El Salvador müssen wir mehrere Bergpassagen und etliche Höhenmeter überwinden, es ist eine Quälerei und der Wind zeigt sich dabei wenig hilfsbereit. Da wir uns noch immer auf der karibischen Seite befinden, sind nicht nur die Nächte schwül, auch die Tage sind extrem schweißtreibend, wir trinken daher locker unsere 6-8 Liter Wasser am Tag, aber die scheinen zu verdampfen, Pinkelpausen legen wir jedenfalls kaum ein. Je höher wir kommen umso mehr reden die Einheimischen, vielleicht liegt es an der Höhenluft oder am Mangel an Gesprächspartner. Aber Olga und Rodurico schwafeln uns ewig zu, anscheinend muss der komplette Wortschatz raus, jeder Gedanke welcher sich irgendwann mal angesammelt hat wird uns erzählt. Letztendlich müssen wir versprechen die Beiden in unserem Blog zu erwähnen, hätten wir dies nicht getan würden wir vermutlich heute noch in den Bergen Guatemalas mit glühenden Ohren festsitzen. Die Zeltplätze in den Bergen sind traumhaft, die Strassen überraschend gut und so kommen wir an der Grenze zu El Salvador, im Städtchen San Cristobal, an.

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Zelten am Fluss bei Asuncion Mita.

Ja, da war doch noch was! Richtig, wir sind illegal nach Guatemala eingereist und bei den Zöllnern an der Grenze beginnt ein 2-tägiger Affenzirkus. Die Kurzfassung: Wir dürfen nicht ausreisen und daher auch nicht weiter nach El Salvador, anfangs scheint es so, als ob das Problem vor Ort gelöst werden kann, dem ist nicht so. Nach 2 Stunden Hickhack sitzen wir in einem buntem, klapprigen Bus nach Guatemala City, dort sollen wir uns beim „Service de

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„Offiziell“ in Guatemala. Nun können wir ausreisen.

Migration“ den nötigen Stempel holen. Hört sich recht einfach an, isses aber nicht. Am nächsten Tag beginnt eine 5-stündige bürokratische Lehrstunde für uns. Wir schmieren den Wachmann damit wir in der Schlange vorne stehen dürfen, das hätten wir uns aber auch sparen können. Wir werden von Schalter zu Schalter geschickt, von Etage zu Etage, entweder bekommen wir ein Kopfschütteln oder werden zum vorigem Schalter zurückgeschickt. Wir rennen zum Kopiermann und zur Kasse, müssen warten und wieder zum Kopiermann, zahlen eine Strafgebühr von 27€ für illegales Einreisen und müssen wieder 2 Stunden warten, zwischendurch haben wir jeder 15 Papiere in der Hand und keinen Plan für was die genau sind. Ein Irrenhaus ohne Ausgang, gehen eigentlich alle Amtsmitarbeiter auf der ganzen Welt auf die gleiche Beklopptenschule? Egal ob du in München zum KVR gehst und dich Frau Kleingeist bedient oder hier in Guatemala, wenn der Beamte nicht will, will er nicht. Naja, nach einem aufregenden Vormittag im Spinnennetz der guatemalischen Bürokratie haben wir den notwendigen Stempel. Ohne Nico’s Spanischkenntnisse wären wir, nicht nur hier, oft ziemlich aufgeschmissen und würden dumm aus der Wäsche schauen.

Am selben Nachmittag bringt uns der Bus zurück an die Grenze, 24 Stunden nach dem ersten Einreiseversuch klappt der Zweite problemlos und wir dürfen Land nur 12 und damit El Salvador erkunden.

Durch El Salvador und Honduras wollen wir relativ schnell durch, das haben wir vorher besprochen. Beide Länder haben mit die höchste Mord – und Kriminalitätsrate der Welt, für 100$ geschehen hier Morde, das Auswärtigeamt warnt vor beiden Ländern gleichermassen. Nicht nur Reisende, sondern auch Einheimische empfehlen uns nach 17Uhr nicht auf der Strasse zu sein. Wir hören von tödlichen Messerstechereien und sehen tragische tödliche Autounfälle,

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Wir campen bei Kikke im Garten und geniessen den Sonnenuntergang.

dennoch haben beide Länder was sehr herzliches. Nicht nur die Natur, mit ihren zahlreichen Vulkanen und Sandstränden, weiss zu begeistern auch die Einheimischen haben einen tollen Charme und winken uns freudig zu, erklären uns geduldig den Weg, lassen uns im Garten campen, reparieren unserer Räder kostenlos und sind dankbare Zuhörer unserer Geschichten. Auch die inzwischen obligatorischen „Go Gringo Go“ Rufe kommen von Herzen und beflügeln uns. Auf der anderen Seite sind die Leute hier bewaffnet wir im Bürgerkrieg, überall sehen wir Pistolen, Pumpguns und andere Handfeuerwaffen, die obligatorische Machete findet sich beinahe bei jedem Mann und erscheint hier eher harmlos. Beide Länder haben definitiv zwei Gesichter.

Mit El Salvador, Honduras und später Nicaragua bereisen wir wieder die Pazifikseite, die Nächte sind angenehm kühl, tagsüber erreichen wir dennoch schon gegen 10 Uhr die 38°C bei einer eher trockenen Hitze. Die Strassenverhältnisse in beiden Ländern sind überraschend gut, die vielen Tierkadaver und der brennende Müll im Strassengraben fallen dagegen negativ ins Auge.

Manchmal fühlen wir uns wie Skifahrer des Riesenslaloms, ständig müssen wir Glasscherben, zerfetzten Autoreifen oder anderen spitzen Dingen ausweichen, ein Wunder das unsere Reifen nicht öfters zischen und geflickt werden müssen. Julian führt übrigens unsere Plattfußstatistik weiter souverän mit 16 Platten an und ist damit, dank seiner risikofreudigen Fahrweise, auf olympischen Goldkurs vor Sandro (13) welcher sich mit Nico (12) eine heisses Rennen um die Silbermedaille liefert. Auch unsere Ausgaben von 18.11€ p.P./Tag in Guatemala (inklusive Strafgebühr), 10.30€ in El Salvador und 13.25€ in Honduras wollen wir hier, für alle Statistikfreunde, erwähnen, wir liegen damit im grünen Bereich.

Vorbei an weltberühmten Surfstränden, wie dem „Playa El Tunco“, dort finden die jährlichen zentralamerikanische Surfmeisterschaften statt und einzigartigen Vulkanlagunen geht es über Honduras, auf der original Panamericanaroute, nach Nicaragua.

Jedes Land, jeder Meter, jeder Augenblick ist so schnell unwiderruflich vorbei. Wir fahren und beobachten und schon steht der nächste Tag bereit, wir versuchen den Moment zu geniessen, doch auch der gehört gleich wieder der Vergangenheit an. Es ist ein tolles Gefühl im Zelt zu liegen, den Grillen bei ihren abendlichen Konzerten zu zuhören, den Tag Revue passieren zu lassen, von krähenden Hähnen geweckt zu werden. Die Spannung zu spüren, ob heute Nacht alles ruhig bleibt? Kommt jemand vorbei? Einfach das echte Leben hautnah und live zu spüren.

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Vulkan San Cristobal in Nicaragua.

Jetzt sind wir also in Nicaragua, dem Land mit der weltweit grössten Kakao-Produktion, das Länderpunktekonto steht bei Land Nr. 14 erstmal still, die Waffen sind verschwunden, Nicaragua macht einen sicheren und sauberen Eindruck. Der pazifische Feuerring, so wird die Vulkankette genannt, welche sich durch Zentralamerika zieht, sticht auch hier eindrucksvoll hervor. Die Landschaft könnte auch eine Steppenlandschaft im Afrikas Osten sein, nur die grossen, wilden Tiere fehlen. Dafür holpern Ochsengespanne über die Strassen und Cowboys treiben ihre Rinder auf die Weiden. Da die politische Situation hier stabiler wirkt, wie in El Salvador und Honduras, sind die Menschen hier scheinbar sorgloser, gemütlicher und schauen  zuversichtlicher in die Zukunft.

Heute am, 27.01.2016, sind wir exakt 9 Monate unterwegs, passend zu unserem kleinem Jubiläum haben wir gestern Abend die 16.000km voll gemacht. Wahnsinn, 16.000km sind genau 10.000 Meilen und entsprechen der Luftlinie Deutschland -Australien. 9 Monate Abenteuer, 9 Monate Leben pur und noch viele werden folgen.

Da die Preise hier relativ gering sind und das Nachbarland Costa Rica wieder teurer werden soll, werden wir uns für Nicaragua etwas mehr Zeit nehmen und den ein oder anderen Tag am Strand oder am Nicaraguasee verbringen.

Eine Email an den DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) blieb leider unbeantwortet, wir dachten als „die Jungs mit der interessantesten und längsten Anreise“ hätten wir gute Chancen auf vergünstigte oder gar kostenlose Tickets für die Spiele in Rio. Leider sind die Damen und Herren anscheinend nicht so angetan von unserer Anfrage und blieben uns eine Antwort schuldig. Falls jemand, jemanden kennt, der jemanden kennt mit Kontakten, einfach bei uns melden, danke. Trotzdem gilt für uns das Motto „Dabei sein ist alles!“ und Stück für Stück, Meter für Meter kommen wir, mit unseren unverwüstlichen Rädern der Fahrradmanufaktur, dem olympischen Traum täglich näher.

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Julian, Nico und Sandro.

Unseren Sonderbericht von letzter Woche, „Trio vor ungewisser Zukunft!!!“ haben eventuell einige von euch gelesen, wir danken für das Feedback und arbeiten weiter am gemeinsamen Zieleinlauf. Wir reisen noch zusammen und versuchen Kompromisse zu finden und Absprachen zu treffen.

Euch nur das Beste.

Grüße aus Leon in Nicaragua,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Sonderbericht: Trio vor ungewisser Zukunft!!!

El Salvador

Wir wollen kein Geheimnis draus machen, aber in den letzten Wochen kriselt es in unserer kleinen Radgemeinschaft und zwar ordentlich. Die verbale Kommunikation ist die einfachste und effizienteste Methode unter Menschen sich mitzuteilen und um seine Bedürfnisse, Wünsche und Ideen etc. zum Ausdruck zu bringen. Leider klappt dies in unserem Team immer weniger, was Nico und ich zu viel reden, redet Sandro definitiv zu wenig, dies ist Sandro bewusst und er weiss auch das dies oft zu Missverständnissen und Unklarheiten bei Nico und mir führt. Das Problem an der ganzen Sache ist eigentlich ganz einfach, wer nicht redet, dem kann dementsprechend auch nicht zugehört und geholfen werden. Ab und an verliert sich jeder mal in seiner Gedankenwelt, Gedankengänge verselbstständigen sich, Wünsche, Sorgen, Ideen und Vorstellungen ändern sich auf so einer Reise quasi laufend. Wir können alle keine Gedanken lesen, daher ist es denkbar schlecht, wenn solche neuen Ansätze nicht besprochen werden, sondern nur in der eigenen Welt bestehen bleiben und das verbale Ventil verschlossen bleibt.

Heimlich, still und leise ohne jegliche Andeutung hat Sandro seinen Heimflug gebucht, die Enttäuschung bei Nico und mir war bzw. ist gross und das Vertrauen in Sandro ist kräftig geschmolzen. Wir sind hier, wie unser Name schon sagt, als Trio unterwegs und dem nötigem Vertrauen und dem gegenseitigem Respekt dient so eine Aktion nicht.  Ich-Aktionen sind in einem Team, gerade in einem kleinem Team wie unserem, immer schwierig, gerade wenn es um wichtige Entscheidungen geht sollten die jeweils andern beiden informiert werden. Es ist leider nicht die erste Einzelaktion die einen bitteren Beigeschmack mit sich bringt, bislang haben wir beide Augen kräftig zusammengedrückt und uns mit einem „das wird schon wieder“ erneut aufs Rad geschwungen.

Keiner wird hier gezwungen an unserer Expedition teilzunehmen, Sandro kann gerne sein Tempo erhöhen und sich seinen eigenen Weg nach Brasilien suchen. Jeder von uns hat das Recht abzubrechen, andere Wege zu suchen oder seine Ziel neu zu justieren, aber eine Mitteilung an die restliche Gruppe ist das Mindeste was wir gegenseitig voneinander erwarten können. Nico und ich haben diese Reise 2 Jahre im Vorfeld geplant und organisiert und wir liegen ausserordentlich gut in unserem Zeitplan, bislang sind wir gut mit den Jahreszeiten in den verschiedenen Ländern zurechtgekommen und unser Konzept geht weiterhin voll auf. Eventuell war es unser Fehler Sandro in diese Planung nich weiter einzubeziehen, aber er hatte leider nicht die erforderliche Zeit aufbringen können bzw. schenkte uns dankbar sein Vertrauen und über lies das Organisatorische gerne uns.

Inzwischen sind wir also an einem Punkt angelangt, wo wir ernsthaft überlegen, ob wir weiter zusammen fahren sollten, gerade der Freundschaft wegen. Keine Reise ist es wert eine Freundschaft zu opfern und bevor wir hier übereinander herfallen ist es besser die Reissleine zu ziehen und das Trio in ein Duo umzuwandeln, da sind wir alle einer Meinung. Die Gemeinschaftskasse wurde bereits aufgelöst, es wird z.T. getrennt gekocht und eingekauft, für Aussenstehende muss das sehr bizarr aussehen und uns in einem seltsamen Licht erscheinen lassen, gerade wenn wir unser gemeinsame Trio-for-Rio-Geschichte erzählt haben. Eigentlich fühlt sich das an wie eine Scheidung auf Raten, nur noch der gemeinsame Haushalt, in unserem Fall die gemeinsamen Zeltplätze bzw. die Übernachtungen und die grobe Richtung haben eine Gemeinsamkeit. Sandro entscheidet für sich, Nico und ich entscheiden für uns.

Sandro’s Vorschlag, dass wir noch solange zusammenfahren wie es geht und uns dann endgültig für verschiedene Routen bzw. für verschiedene zeitliche Rahmen entscheiden wurde daher von Nico und mir angenommen und akzeptiert. Wir sind die Letzten die jemanden „vor die Tür setzen“, aber was tun wenn kein Gespräch Früchte trägt und kein gemeinsamer Nenner gefunden wird?

Diesen Zeilen haben wir bewusst in einer guten Phase geschrieben und nicht am absoluten Nullpunkt der Wut oder der Enttäuschung, damit wir den Prozess beschreiben bzw. die eventuelle Trennung nicht den Anschein einer spontanen Kurzschlussreaktion hat. Klar hätten wir auch weiterhin „Friede, Freude, Eierkuchen“ – Stimmung vermitteln können, aber bislang haben wir nur Tatsachenberichte online gestellt, das diese auch mal negativ behaftet sein können liegt auf der Hand.

Wir arbeiten weiter an uns, den Traum vom gemeinsamen Einlauf in Rio haben wir jedenfalls noch lange nicht begraben und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Es ist die Reise unseres Lebens, diese Reise ist zu schade um schnell abgehackt zu werden, wir wollen links und rechts des Weges Ausschau halten und nach neuen, interessanten Menschen, Kulturen, Abenteuern und anderen kleinen und grossen Dingen unsere Fühler ausstrecken, Schnelligkeit spielt hier eine eher untergeordnete Rolle. Wir werden jedenfalls Sandro nicht im Wege stehen, das wäre nicht fair, falls er sich für eine individuelle weiterreise entscheidet, diese Entscheidung liegt alleine bei ihm. Andererseits sind wir es Leid um Sandro’s Launen herumzutanzen, angeschwiegen zu werden  und vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Zum Streit gehören immer mindestens 2 Parteien, auch Nico und ich haben unser Eigenheiten und sind nicht immer pflegeleicht, aber bislang haben wir über die Kommunikation immer einen, für alle, akzeptablen Weg gefunden. Klar, müssen unser Verhalten auch hinterfragen und Sandro Sichtweise einnehmen.

Die letzten 9 Monate und die gemeinsamen circa 15.500Km sind unvergesslich, wir haben zusammen gelacht, geschwitzt, Länder erobert, zusammen Berge erklommen, Täler durchquert und hatten jede Menge Spass. Wir werden keine „schmutzige Wäsche waschen“ und keine weiteren Kommentare abgeben, öffentlich Onlineattacken sind das Letzte was wir wollen.

Unsere Freundschaft ist gute 13 Jahre alt und unter normalen Umständen stabil. Vielleicht haben wir uns mit dieser Reise einfach psychisch und physisch zufiel zugemutet und stossen an unsere Grenzen. Um in München um die Häuser zu ziehen oder für einen 4 Wochen Abenteuerurlaub sind wir optimal für einander geschaffen.

Egal ob es als Trio oder als Duo weitergeht, unseren 14-tägigen Bericht und die Bilder auf trioforrio.com und auf Facebook werden Nico und ich natürlich, wie gehabt, weiter für Euch schreiben bzw. hochladen. Wie gesagt handelt es sich hierbei um einen Sonderbericht bzw. einen Zwischenbericht, den normalen Bericht zu Guatemala, El Salvador und Honduras sollten wir nächste Woche fertig haben.

Wir danken für Euer Verständnis. Jetzt liegt es also an uns dreien, zu sehen wie es weitergeht.

Viele Wege führen bekanntlich nach Rom…bzw. Rio. Danke.

Ps: Dieser Bericht wurde von Nico, Julian und Sandro abgesegnet.

Sonnige Grüße aus El Salvador,

Julian, Nico und Sandro.

Die letzte „Fiesta Mexicana“ – karibisches Belize und ein illegaler Aufenthalt

Belize, Guatemala, Mexiko

So, die Feiertage sind überstanden und das komplette Trio ist gut ins Jahr 2016 gerutscht. Nico und Sandro verbrachten den Jahreswechsel im äusserst touristischem und feierwütigem Playa del Carmen, bei Julian im beschaulicherem Tulum ging es vermutlich besonnener ins neue Jahr. In Tulum bekamen wir auch unsere dringend benötigten Ersatzteile, unser Vorrat an Mänteln, Schläuchen und Flickzeug dürfte jedenfalls bis Brasilien reichen, danke Sabrina fürs organisieren und sorry für 15kg Übergepäck. Der Hausstrand von Tulum zählt übrigens, laut National Geographic, zu den Top 25 Stränden der Welt, eignet sich daher hervorragend zum entspannen und baden. Nach 3 Tagen faulenzen am weissem Sandstrand und angenehmen Wassertemperaturen bei karibischen Flair hiess es allerdings Abschied nehmen, die Urlaubstage sind endgültig vorbei, jetzt wird wieder gestrampelt.

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On the road again. Wir treffen zwei Kanadier die mit dem Moped bis Panama unterwegs sind.

Die ersten Tage auf dem Rad sind, dank flacher Landschaft, sehr angenehm und perfekt wieder den gewohnten Takt zu finden. In Bacalar feiern wir die letzte „Fiesta Mexicana“, nach 71 Tagen in Mexico sind wir bereit für neue Länder und auf der Suche nach neuen Wegen ins Herz von Zentralamerika. Da wir in Mexiko den zahlreichen Schlemmerständen am Strassenrand und den billigen Unterkünften selten widerstehen konnten, sind unsere durchschnittlichen Tagesausgaben mit 21.15€ p.P. etwas höher wie in den vorigen Ländern, aber einen gewissen Luxus konnten und wollten wir uns nicht verkneifen, Ersatzteile und der Flug nach Havanna/Kuba sind dort allerdings auch mit eingerechnet.

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Belize. Ab jetzt wird Englisch gesprochen.

Am Grenzübergang zu Belize werden unsere, gerade gekauften, Bananen beanstandet und dürfen nicht eingeführt werden, so stehen 3 deutsche Radler in der Zollstation und mampfen kiloweise Bananen, die Grenzbeamten finden es nur teilweise witzig, lachen aber letztendlich über die 3 Affen auf ihren Bikes.

Belize überrascht uns mit gesalzenen Preisen, nicht nur die Unterkünfte, sondern auch die Lebensmittel sind extrem teuer. Für uns heisst es daher „back to the basics“, Zelt und Gaskocher sind schnell ausgepackt und Nudeln mit Tomatensauce sind auch hier erschwinglich. Mit 11.50€ p.P. sind unser Ausgaben in Belize am Ende wieder auf einem normalem Level angelangt. Nicht nur die gepflegten Vorgärten und die englische Hauptsprache erinnert an die Kolonialzeit unter britischer Krone, nein, auch die Queen lacht weiterhin freundlich von den Dollarscheinen und auch die Landbevölkerung ist „very britisch“ und überaus gastfreundlich.

Am zweiten Tag schlagen wir unsere Zelte im Yachthafen von Belize City auf, jetzt geht alles Schlag auf Schlag. Spontan werden wir von Robert und seiner Bootscrew

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Robert (orange) und seine Crew.

eingeladen, einen Tagestrip auf die „Rendezvous“-Insel mitzumachen. Am nächsten Tag geht es also raus auf die Miniinsel, welche im zweit grösstem Riff der Welt liegt, nur das Great-Barrier-Riff in Australien ist größer. Wir schnorcheln, haben ein dickes BBQ und jede Menge Spass und müssen dafür keinen Cent berappen. Die traumhafte Insel misst gerade mal circa 120m x 30m, ist aber auch beliebtes Ausflugsziel bei zahlreichen Kreuzfahrtanbietern, so kommt am Nachmittag die AIDA-Crew mit circa 120 deutschen Touristen vorbei. Wir müssen unsere Trio-for-Rio Geschichte gefühlte tausendmal erzählen und haben danach viele neue Pauschaltouristenfreunde gewonnen und einen perfekten karibischen Tag erleben dürfen.

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Schnorchelausflug! Einen Tag relaxen.

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Belize-Outback. Wir fühlen uns wie im Herzen Australiens.

Der Coastal-Highway ist eine 60km lange Schottenpiste und wir fühlen uns wie im australischen Outback, rote Erde, saftige grüne Natur und blauer Himmel, ein toller Kontrast. Wir und unsere Räder werden kräftig geschüttelt, Härtetest für Mensch und Equipment. Wir kommen an zahlreichen Flüssen vorbei, bei extrem schwülen Temperaturen macht jeder Sprung ins kalte Nass doppelt Spass und auch unsere Zeltplätze sind nah am Wasser gewählt, atemberaubende Glühwürmchenpartys inklusive. Vorbei an riesigen Bananenplantagen fahren wir auf die Halbinsel Placencia Lagoon und dort kommen wir aus dem staunen kaum raus. Traumhafte Strände, Zeltplätze

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Zelten im Yachthafen von Old Belize.

direkt am Meer, karibische Leichtigkeit und tolle Menschen überall, Belize ist top. Nur die zahlreichen Sandflöhe und das oft wechselnde Wetter in der Karibik kratzen etwas am Paradies. Aber wäre alles perfekt nicht auch langweilig? Gibts das überhaupt? Ob die Halbinsel ihren Charme behalten kann ist ohnehin fraglich, zahlreiche Bauprojekte sind gerade dabei, das Tropenparadies zu asphaltieren und damit wird der Reiz und die Schönheit, der kleinen Lagunenoase, nachhaltig zerstört.

Dank der vielen Kiefern, der endlos langen Strasse und den Bergen im Hintergrund fühlen wir uns an unserm letzten Tag in Belize etwas an Alaska bzw. Kanada erinnert. Da wir nicht über den Wasserweg ausreisen wollen, entscheiden wir uns für den eher komplizierteren Landweg. Zwar kann uns keiner sagen, ob der kleine Grenzübergang zwischen Belize und Guatemala besetzt ist oder nicht, trotzdem wollen wir es versuchen. Anfangs ist die Strasse in einem einwandfreien Zustand, erst kurz vor der Grenze wird die Strasse enger, hügeliger und endet schliesslich in einem Trampelpfad. Einige Soldaten schauen uns etwas verdutzt an, halten uns jedoch nicht auf, so tragen und schieben wir unserer Räder über Matschfelder und schmale Wege bis wir schliesslich

Grenzübergang Belize-Guatemala

Grenzübergang zwischen Belize und Guatemala.

vor einem kleinem Stacheldrahtzaun stehen. Auch der Zaun ist letztlich schnell überwunden, herzlich willkommen in Guatemala. Unser Problem ist nur wir haben kein Ausreisestempel aus Belize und keinen Einreisestempel für Guatemala, illegale Einwanderer in einem zentralamerikanischen Land, mit diesem Status hätte vor dieser Reise auch keiner von uns gerechnet. Am nächsten Tag knacken wir in Guatemala, auf dem Highway CA13, die 15.000km und suchen artig ein Polizeirevier auf um unseren Status abzuändern. Aber auch hier kann uns keiner einen Stempel in den Pass drücken oder weiterhelfen, wir müssen also auf einen gnädigen Beamten bei der Ausreise nach El Salvador hoffen. Als am Abend auch noch die Geldautomaten streiken, fühlen wir uns wirklich wie illegale, mittellose Flüchtlinge in einem fremden Land.

Ansonsten ist auch in Guatemala der Himmel da wo er sein sollte. Schwerkraft gibt es auch. Wasser ist nass. Hunde jagen uns nach. Menschen atmen. Menschen lieben. Menschen essen und trinken. Menschen schlafen. Menschen glauben. Menschen zeigen Gefühle. Menschen arbeiten. Menschen spielen und Menschen müssen aufs Klo oder hintern Busch. Die elementaren Dinge scheinen weltweit gleich zu sein. Stubenfliegen wurden übrigens auch schon gesichtet, gibts die wirklich weltweit?

Bedanken wollen wir uns noch bei unserem Sponsor Goalzero, zu Weihnachten gab es neue Musikboxen samt Zubehör, dank Euch geht es jetzt wieder mit Musik auf den Ohren Richtung Rio de Janeiro. Olympia wir kommen.

Es bleibt sportlich und  spannend.

Viele Grüße die 3 illegalen aus Guatemala,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.

Mexiko No. 3 – Gringos, „muchas montañas“, 24h Kino & der Traum von Kuba

Mexiko
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Egal wo man hinschaut, Acapulco ist umzingelt von Bergen.

Acapulco möchte uns nicht gehen lassen und stellt uns neben enormen Stadtverkehr auch einige Berge als Hindernis auf. Da die Stadt eingekesselt von schützenden Hügeln liegt, sind die ersten 20 Km eine echte Herausforderung, welche uns letztendlich aber auch nicht stoppen kann. Der altbekannte Highway Mexico 200 treibt uns weiter in den Süden, nebenbei machen wir die 12.000 Kilometer voll. Die Strasse ist eng und dicht befahren, wir versuchen die Abenddämmerung und die Dunkelheit im Allgemeinen eher zu meiden, einige Male missglückt dies und wir fahren die letzten Kilometer mit erhöhter Aufmerksamkeit und gesteigertem Puls.

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Pause am Strand, wir ahnen noch nicht was auf uns zukommt…!

Wir strampeln durch saftig grüne Landschaft, vorbei an Feldern auf welchen Mangos, Bananen, Papayas, Mandarinen und andere exotische Früchte wachsen. Gerade in den kleinen Ortschaften werden wir sehr freudig begrüsst, Kinder kommen angerannt, begrüßen uns mit „Gringo oleole“ (Gringo = Fremder/Ausländer) bestaunen unsere Bikes oder schnorren sich ein paar Pesos. Das Leben spielt sich draussen ab, der Metzger schlachtet auf der Strasse, gekocht wir auf offenen Feuerstellen, Wäsche wird im Fluss gewaschen, Frauen balancieren Essen oder Einkäufe auf dem Kopf, es ist ein „24-Stunden-Film“ in welchem wir uns live befinden und wir nie genau wissen was als nächstes passiert.

Ab Cuajinicuilapa ist der Highway 200 ein einziges Auf und Ab, wir steigen und fallen, fahren Flusstäler hinunter und geniessen tolle Ausblicke von zahlreichen Gipfeln. Viele Autofahrer scheinen ihren Führerschein in der Lotterie gewonnen zu haben, zahlreiche Kreuze am Strassenrand sind stumme Zeugen von Übermut, fehlender Sicherheit, totaler Überladung, Einfluss von Alkohol oder einfach menschlichem Versagen.

In Puerto Escondido haben wir die wärmste Nacht, auch nach Mitternacht fällt die Temperatur nicht unter 30 Grad und die Schwüle raubt uns den dringend benötigten Schlaf, bei Nico und Sandro kommen noch Magenprobleme hinzu, es ist die Hölle.

Mexiko ist Taco-Land, überall gibt es die kleinen gefüllten Teigtaschen, inzwischen ist allerdings das Brathühnchen zur unserer Leibspeise geworden. Wo der Deutsche morgens um halb zehn sein Knoppers isst, geniessen wir, ob morgens, mittags oder abends Hühnchen, eindeutig gewinnt hier der Mexikaner.

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Überreste eines der vielen toten Tiere am Straßenrand.

Traurig sind wir über die vielen toten Tiere im Strassengraben, gerade an toten Hunden fahren wir extrem oft vorbei. Unsere komplette Reise sind wir mit überfahrenen Tieren konfrontiert, ob Hase, Bär, Schlange, Kuh, Esel, Katze, Dachs, Echsen oder eben Hunde, inzwischen ist unsere Liste verschiedenster Tierarten lang und traurig. Schon hunderte Meter vorher kommt der üble Verwesungsgeruch an und es kostet Überwindung die zerfetzten Kadaver zu passieren.

Die Mexikaner sind echte Umweltschweinchen, der viele Müll im Strassengraben lockt wiederum Strassenhunde an, welche uns hinterher jagen um ihr Revier zu verteidigen. Bislang gingen solche Begegnungen immer gut aus und wir sind froh über unsere zuverlässigen Tx-1000 Räder. welche in solchen Situationen nie gestreikt haben.

Die Ortschaften sind jetzt weiter auseinander und so fahren wir in 10 Tagen weit über 1000 Kilometer, obwohl das Streckenprofil eher kürzere Tage einfordert. In Salina

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Wilde Mexikaner….Parade in Salina Cruz.

Cruz haben wir endlich den ersehnten kurzen Tag, legen die Füsse hoch, bestaunen eine Schulparade welche an Fasching erinnert und geniessen das Leben in dem kleinem  Küstenstädten. Mit Salina Cruz verlassen wir den 200er und fahren erst auf dem 185er, später auf dem 190er weiter. Wir kommen durch einen riesigen Windradpark, dementsprechend windig werden uns die Tage hinter Salina Cruz in Erinnerung bleiben.

Die Grenze zu Guatemala ist nah, nur noch knapp 300Km trennen uns, aber wir treffen eine Entscheidung. Obwohl wir keinerlei konkrete Hinweise auf eine Fährverbindung zwischen Mexiko und Kuba haben, entscheiden wir uns für den

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Gibt es eine Fähre nach Kuba oder nicht… es bleibt die Ungewissheit!

knapp 1200 Kilometer Umweg. Die Mexikaner machen uns wenig Hoffnung, die Aussagen sind sehr widersprüchlich und ändern sich scheinbar von Tag zu Tag und von Region zu Region, allerdings ist die mehrheitliche Meinung ein eindeutiges „Nein!“. Die Hafenbehörde, welche wir kontaktiert haben, gaben ebenfalls ein negatives Feedback. Auch im Internet oder andere Informationsquellen geben nichts klares über eine mögliche Fährverbindung zwischen den beiden Staaten her. Von der Westküste wollen wir also Mexiko komplett durchqueren um an der Ostküste unser Glück zu versuchen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, notfalls rudern wir rüber….Viva la Revolution!!!

Die Entscheidung „pro Kuba“ ist auch eine Entscheidung für die Berge, wir steigen an manchen Tagen über 2300 Höhenmeter, es ist eine extreme physische und psychische Herausforderung, der Highway 190 schlängelt sich gemütlich die Berge rauf und wir verzweifeln, mit 5-7 kmh, an den endlosen Serpentinen. In den Bergregionen lebt eine andere Schlag Menschen, wir werden skeptisch beobachtet und die Menschen sind wesentlich verschlossener als an den Küsten. Der Nebel, der dichte Wald und die wenigen Siedlungen gibt dem ganzen Unterfangen eine mystische Note.

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Dichter Nebel hängt in den Bergen. Erst auf 2400 Metern reisst der Himmel auf.

Nach zahllosen Stunden am Berg sind wir über den Wolken und finden in San Cristobal eine tolles, verwinkeltes, freundliches, buntes und historisches Bergstädtchen, perfekt für einen Ruhetag. Geprägt von zahlreichen Kirchen, kleinen

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Traditionelles Leben in San Cristobal.

Häuschen, schmalen Gassen liegt San Cristobal eingebetet von (noch höheren) Bergen auf 2150m und könnte auch ein italienisches oder spanisches Bergdorf sein. Die Menschen hier in den Hochebenen sind scheinbar noch gläubiger wie im restlichen Mexiko, allgemein werden wir oft in Gebete aufgenommen oder es wird uns ein gesegneter Weg gewünscht, ein gutes Gefühl.

In den Bergen machen wir, am 212 Tag, unsere 13.000 Km voll, also noch gut 1000 Km bis uns Fidel Castro in Kuba mit Zigarre und Rum begrüssen darf.

Nach San Cristobal erreichen wir nach kurzem, aber knackigem Anstieg mit 2400m den ersehnten Pass. Gezäumt von Tannen, grossen Weiden und vielen Bergen könnte die Strasse auch die Schwarzwaldhochstrasse sein, der Nieselregen, die tiefen Wolken und die kühlen Temperaturen zeigen uns jedenfalls ein, bislang, unbekanntes Mexiko.

Die restliche Strecke bis Palenque (aktueller Standort) auf dem Highway 199 auch „Maya-Route“ genannt, ist ein Traum, wir haben viele längere Abfahrten und fallen auf

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Palenque, die Heimat der Mayas.

knapp 100 Höhenmeter. Die Tannen weichen schon bald einem endlosem Regenwald und wir sind schlicht beeindruckt von der puren Schönheit der Natur. Wasserfälle, Schluchten, Täler, exotische Tiere und eine endlose grüne Landschaft bleiben uns lange in Erinnerung. Dank der vielen Bremshügel hier „Topes“ genannt, müssen wir alle paar hundert Meter abbremsen, daher ist bei jeder Abfahrt höchste Konzentration gefragt. Dir Bremshügel ersetzten Ampeln, Zebrastreifen und Schilder, sind äusserst effektiv und es gibt tausende von diesen circa. 20 cm hohen, nervigen Hügelchen.

In Palenque feiern wir unser „7-monatige Reise“ und begutachten an einem weiteren Ruhetag die weltberühmten Maya Ruinen. Die Mayas waren Baumeister und Künstler zugleich, sehr beeindruckend was diese tolle Kultur vor knapp 1300 Jahren hier, im mexikanischen Regenwald, erbaut hat. Natürlich ist auch der  Pauschaltourist nicht weit, über genügend Besucher kann sich die Region zumindest nicht beschweren, der Massentourismus ist angekommen und schockt uns einwenig.

Unsere Räder  beweisen sich als absolut bergtauglich und meistern jede Herausforderung mit Bravur, danke an die Fahrradmanufaktur welche uns mit den Tx-1000 Rädern toll unterstützt. Unser Merinowäsche von Kaipara können wir nur jedem Reisendem empfehlen, egal bei welchem Wetter, egal welche Klimazone, wir fühlen in den bequemen, stylischen, und funktionellen Klamotten pudelwohl. Dank unserem Partner GoalZero geht unseren Batterien und anderen Gerätschaften, selbst am Berg, nie die Energie aus, mit den Solarpanels sind wir unabhängig und können die Natur noch intensiver geniessen.

Wir wünschen eine schöne, besinnliche Advents- und Weihnachtszeit. Auch die Mexikaner bereiten sich auf Weihnachten vor, für uns fühlt sich das allerdings, bei tropischen Temperaturen und Palmen, seltsam an.

Sonnige Grüße,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder gibt es in unserer Galerie.

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Mexikanischer Weihnachtsbaum.