Olympia 2016 – Rio de Janeiro – Brasilien IV

Brasilien
2016-08-09 16.50.56

Tolles Grafiti.

Rio es war uns eine Ehre!! Die Olympischen Spiele sind vorbei und wir hatten viel Spass in dieser tollen Stadt am Zuckerhut, die Spiele waren ein absolute Highlight am Ende unserer gemeinsamen Reise und das perfekte Ziel. Die Menschen, egal ob Einheimische, Sportler oder Touristen waren der absolute Wahnsinn und haben uns inspiriert und fasziniert. Mit der vielen Energie welche versprüht wurde kann man etliche Elektrizitätswerke einsparen!

Wir wohnen in einem zentralgelegenem Viertel zwischen Olympiastadion und Copacabana. Santa Teresa ist der ideale Platz für uns um Olympia hautnah zu erleben, aber auch um die zahlreichen Sehenswürdigkeiten Rios einfach zu erreichen. Unser Viertel hat viele kleine Gassen, es ist bunt und unzählige Straßenhändler zieren das Straßenbild und machen diesen Ort sehr lebendig und liebenswert.

2016-08-07 04.14.41

Live in der ARD. 3 Uhr in Rio, 8 Uhr morgens in Deutschland.

Der Medienrummel rund um unseren Zieleinlauf an der Copacabana war enorm, inzwischen haben über 80(!!) verschiedene Medien über uns und unseren „Fahrradausflug“ um die halbe Welt berichtet. Ein absolutes Highlight war natürlich unser live Auftritt in der ARD-Sportschau, nachts um 00.30h werden wir von einem Shuttelservice abgeholt. Wir werden am olympischen Dorf vorbei, via Schnellstrasse welche nur von Sportlern und Sponsoren genutzt werden darf, zum Medienzentrum gefahren. Zig Kontrollen werden passiert, Militär steht an jeder Ecke, 2 Pressausweise baumeln um unserem Hals, wir müssen in die Maske und um 3.15Uhr sitzen wir live bei Michael Antwerpen und Jessy Weller auf der ARD-Couch! Großes Kino für uns und das alles um 3 Uhr in der Nacht, was für eine unvergessliche Geschichte!!

Franziska van Almsick findet unsere Story „unglaublich“, der Beckenbauer-Manager Höfl hört gespannt zu und findet es eine „Hammergeschichte“! Diese Reaktionen sind keine Seltenheit, egal wo wir auftauchen treffen wir auf faszinierte Menschen und müssen viele neugierige Fragen beantworten. Im Deutschen Haus sind wir Ehrengäste des DOSB wir treffen Persönlichkeiten wie die Gold-Reiter und unzählige weitere Medaillenträger, Dr. Müller-Wohlfahrt, Gerhard Delling, DFB-Präsident Herr Grindel und seine Delegation, Funktionäre, Sponsoren, diverse Reiche & Schöne, alle wollen Details von unserer abenteuerlichen Reise hören, es ist  für uns wie im Märchen. Dabei haben wir doch nur 15 Monate sehr intensiv gelebt, eigentlich nichts besonderes, oder? Leben die Menschen nicht? Erfüllen sich zu wenige ihren Traum? Steckt die Abenteuerlust und Neugier nicht in allen Menschen? Naja, wir berichten jedenfalls und unserer Geschichte können wir jetzt in 3 Sprachen und zu jeder Uhrzeit aufsagen.

2016-08-07 00.04.06

Beachvolleyball an der Copacabana. Ein 12.000 Zuschauer fassendes Stadion aus Gerüststangen.

Wir schauen uns die Spiele in Ruhe an, am Ende waren wir beim: Beachvolleyball an der Copacabana, beim Basketball, beim Tischtennis-Finale der Frauen, 2x bei den Leichtathleten im Olympiastadion, 2x beim Hallenvolleyball der Männer, beim golden Fussball-Finale der Frauen im Maracana und der krönende Abschluss war für uns das Fussball-Finale der Männer im ausverkauften ehrwürdigen Maracana. DERTOUR und Audi haben uns 2×3 bzw. 1×3 Tickets gesponsert, wir sagen danke.

Die Reaktionen der Medien auf unsere Ankunft in Rio hat uns selbst überrascht, in den letzten Tagen stand das Telefon selten still. Radios wollten ein Interview, TV-Anstalten wollten einen kurzen Trailer drehen und Zeitungen aus aller Welt wollten sich mit uns treffen. Turbulente Welt, ein Kontrastprogramm zu unserer eher ruhigen Zeit die Monate zuvor auf unseren Rädern und in den abgelegensten Winkeln dieser Erde. Wir bedanken uns für das tolle Feedback welches wir bekommen haben und freuen uns das unsere sportliche Leistung, gerade von vielen Spitzensportlern und Sportreportern, gewürdigt und anerkannt wurde. Merci!

2016-08-20 10.43.07

Corcovado.

Trotz des ganzen Rummels um unser Trio kommt die Entspannung natürlich nicht zu kurz. Die Copacabana wird ausführlich getestet, der Zuckerhut wird erobert und auch die weltberühmte Christus Statue, der Corcovado, wird besichtigt. Die Parks und die Promenaden sind toll angelegt und so spazieren wir oft ohne konkreten Plan durch die City und beobachten das bunte Treiben der Menschen aus aller Welt. Wir lassen uns treiben, wie wir uns die letzten 15 Monate durch 24 Länder treiben liesen, ein schönes Gefühl ohne Zwang und Drang. Daniel, unser Freund aus der Heimat, studiert hier in Rio und zeigt uns die interessantesten Party-Locations und die Favelas in den Hügeln Rios. Rio sprüht voller Energie, die Menschen haben Samba im Blut und machen die Nacht zum Tag und das 24/7. Wir erleben die Menschen in Rio als tolle, offene Gastgeber, gerade Abseits der Touristenmassen zeigt sich Rio von seiner schönsten Seite, irgendwo steigt immer eine Party oder die Menschen sitzen beim gemütlichen Bierchen zusammen.

2016-08-13 13.26.28

Letzter gemeinsamer Abend! Adios Sandro.

14022093_10201854816089514_3353157926199791248_n

„Die Reise ihres Lebens“.

Nach 474 gemeinsamen Tagen macht Sandro sich auf den Heimweg zurück nach München. Mit Rio war unser Teamziel erreicht und wir sind alle drei wahnsinnig stolz dieses ferne Ziel als Trio erreicht zu haben. Auf Sandro warten Aufgaben im München, welche sich leider nicht länger haben aufschieben lassen. Nach einer dicken Abschiedsfeier macht er sich also auf den Weg und ist inzwischen gut in München gelandet. Wir sagen Tschüss und danke für eine geile Zeit auf unserm Trip von München nach Rio. Der Müncher-Merkur bringt uns mit der Headline „Die Reise ihres Lebens“ aufs Titelblatt und so wird Sandro gleich am Münchner Flughafen mit seiner eigenen Story empfangen.

Ja, was sollen wir sagen? Inzwischen ist ein Film über unsere Reise konkret geplant. Thomas Köke von der Filmhochschule Bremen kommt extra wegen uns aus Deutschland eingeflogen und dreht mit uns 6 Tage an verschiedenen Orten rund um Rio und natürlich auch direkt in der „City of God“. Hauptsächlich werden Interviews geführt und wir erzählen quasi unsere Geschichte nach, das gesammelte Filmmaterial der letzten 15 Monate muss gesichtet werden und daraus soll in einigen Monaten ein Film entstehen. Da die Produktion eines Filmes viel (sehr viel) Geld kostet geht in den nächsten Wochen wohl ein Crowdfunding-Projekt an den Start. Die ersten Trailer werden bald online sein und wir halten euch weiterhin auf trioforrio.com und auf unserer Facebook-Seite auf dem Laufendem. Wir bedanken uns bei Thomas für die schöne Zeit hier in Rio und seine Geduld mit uns, wir haben größten Respekt vor deiner Energie und deinem scheinbar unstillbaren Tatendrang. Danke!

Inzwischen haben wir dem Deutschen Haus Besuch Nr.2 und 3 abgestattet. Die Olympische Familie hat uns gut aufgenommen und ist sehr feierfest und lädt zu ausufernden Partys. Der Starpianist Lang-Lang spielte auf und die Sportler geniessen ihre Olympiade in einer einmaligen Location direkt am Meer und bei einer wunderbaren Atmosphäre. Das Buffet muss sich nicht verstecken, nach unzähligen Abenden mit Spaghetti & Tomatensosse fühlen wir uns wie im Schlaraffenland, auch die Bar bietet zahlreiche exotische Alternativen zum  üblichen Leitungswasser.

DCIM100GOPROGOPR4148.

Nach der Sektdusche gratulieren auch wir Horst Hrubesch.

Abend Nr. 3 gehört eindeutig den Fussballern, die Gold-Mädels und die Silber-Männer sind vor Ort und reissen die Hütte beinahe ab. Lars Bender meint zu unserer Reise „Ihr habt doch nen Lattenschuss!“, Timo Horn, Davie Selke, Nils Petersen & Co. wollen Details und sind jetzt weitere prominente Unterstützter und Freunde unseres Filmprojekts „Trio for Rio“! Horst Hrubesch und Hansi Flick sind begeistern und der Pressesprecher des DFB, lädt uns spontan zu einem A-Länderspiel ein. Uns werden Medaillen umgehängt und die Jungs wollen Selfies mit uns machen, verkehrte Welt in Brasilien. Es ist eine intensive Zeit wie in einem verrücktemTraum. Hätte uns vor 15 Monaten jemand gesagt, dass diese Reise live in der ARD-Sportschau oder/und im Deutschen Haus Arm in Arm mit der deutschen Sportelite endet, wir hätten gelacht und kein Wort geglaubt.

Finale Gold

Gold für die deutschen Fussballerinnen. Tabea Kemme hatte schon vorher von uns gehört.

2016-08-20 17.01.49

Finale im Maracana gegen Brasilien. Geile Stimmung!

Beim Finale der Fussball-Frauen waren wir also live im Maracana und feuerten die Mädels lautstark an bis Gold gesichert ist, unser erstes Länderspiel endete gleich mit Gold ein guter Einstieg. Das Finale der Männer einen Tag später war mit über 80.000 Menschen natürlich restlos ausverkauft, wir und eine Handvoll weitere deutsch Anhänger waren wieder live vor Ort. Die Stimmung war vom feinsten, wir brüllten, sangen und klatschten gegen eine gelbe, brasilianische Wand an, die Lautstärke war enorm noch heute schmerzen die Ohren, ein explosiver Hexenkessel, ein würdiger Abschied aus Rio, aus Brasilien, aus Südamerika. Die Jungs auf dem Platz haben alles gegeben und haben Silber gewonnen! Wer erst im Elfmeterschießen geschlagen wird darf das Maracana mit erhobenen Kopf verlassen. Hut ab, klasse Leistung! Wir sind immer noch Fussball-Weltmeister und das 7-1 steht für alle Zeiten in den Geschichtsbüchern der ganzen Welt und auf den traumatisierten Seelen der brasilianischen Fussballfans werden die Narben wohl nie verheilen. Wie schon erwähnt haben wir das Team im Deutschen Haus wieder aufgebaut und spätestens in den frühen Morgenstunden auf der Tanzfläche waren alle strahlende Sieger.

Silber im Finale. Julian mit der Medaille der Fussballer.

So, wie gehts weiter? Nico und ich haben uns für eine weitere Fahrradreise entschlossen!!! Wir fliegen jetzt nach Lissabon und radeln „die letzten Meter“ zurück in die Heimat. Mitte/Ende Oktober hat uns Deutschlands Süden aber definitiv wieder zurück. Auch wenn wir jetzt als Duo weiterradeln berichten wir wie gewohnt auf trioforrio.com und auf Facebook.

Die Räder sind geputzt, gewartet und freuen sich genauso wie wir auf neue Abenteuer in Europa. Die Abschieds-Fiesta in unserer Unterkunft wurde bereits gefeiert, wir bedanken uns bei unseren Gastgebern Kelly & Wilma, Santa Teresa war das perfekte Stadtviertel für uns.

Olympia ist vorbei und es regnet! Es ist Zeit weiterzuziehen!

Nochmals danke an das Team vom DOSB und an Herrn Achten vom Deutschen Haus, ihr wart tolle olympische Gastgeber. Danke auch an die Medien welche unsere Geschichte in die Welt hinaus geschickt haben! Ihr hört von uns! Wir freuen uns falls wir jemanden inspiriert konnten, Fahrradreisen sind eine tolle Sache um den Globus auf eigene Faust zu erkunden. Probiert es aus!

Bleibt uns treu, berichtet von uns und seid gespannt ob ein Filmprojekt tatsächlich realisiert werden kann. Danke fürs lesen und teilen unserer Berichte, es war uns eine Freude. Wir sind selbst auch gespannt auf die/den ersten Trailer über unsere Tour und natürlich auf das bevorstehende Crowdfunding-Projekt, wir werden berichten.

Pack mer’s, Europa wir kommen!!

Mir Sportlichen Grüßen,

Julian und Nico

Mehr Bilder sind in unserer Galerie zu finden.

Brasilien III – Zieleinlauf Rio de Janeiro – Olympia 2016

Brasilien

Wir haben es geschafft, unser Traum von Rio, unser Traum von den Olympischen Spielen 2016 ist hiermit Wirklichkeit geworden! Wir könnten platzen vor Glück! Am 467 Tag unserer Tour, nach 1554,77 Stunden im Sattel und exakt 28464 km auf den Bikes erreichen wir endlich die ersehnte Stadt am Zuckerhut und den berühmtesten Strand der Welt die Copacabana. Als wir vor über 15 Monaten in Deutschland starteten hatten wir keinen Ahnung was uns zwischen München und Rio erwartet. In 24 Länder wurden wir Zeugen von einzigartige Kulturen und atemberaubenden Landschaften, wir bedanken uns bei den vielen  Menschen entlang der Strecke, eure Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft war überwältigend ihr seid alle ein Teil dieser Reise und habt unser Abenteuer so unvergesslich, so bunt und einzigartig gemacht. Wir haben so unglaublich viele neue Freunde gefunden und allein ihr wart jede Strapaze, jeden Kilometer wert. Danke auch an unsere Familien und Freunde in der Heimat, bald sind wir wieder zurück, versprochen.

Ab jetzt gilt das Olympische Motto: „Dabei sein ist alles!“

So, jetzt ein kurzer Sprung 14 Tage zurück nach Florianopolis wo wir unseren letzten Blog online stellten.

Angelauslug und unsere Rettung. Mehr dazu im Text.

Unsere Rettung! Diese Jungs bringen uns auf die andere Seite der Lagune.

Nach Florianopolis hat uns der Highway BR-101 wieder, gewohnt gut ausgebaut führt dieser uns Kilometer für Kilometer gen Rio. Die Vorfreude auf Rio steigt mit jedem Meter, wir zählen die Tage runter, unsere Gefühlswelt steht vor Freude und Spannung Kopf und ein leichtes kribbeln ist unser ständiger Begleiter. Die Brasilianer sind der pure Wahnsinn und an Herzlichkeit kaum zu überbieten, wieder stehen uns die Häuser und Gärten offen, wir werden zum Frühstück, zum Abendessen oder auf ein kühles Bier eingeladen und haben quasi überall eine Riesen-Guadi. Brasilien es ist uns ein Ehre, Hut ab vor deinen tollen Einwohnern! Egal ob in Joinville bei Familie Tirelli, beim zelten im Garten eines Töpfers, eines Zoo-Besitzers oder beim campen auf dem Gelände eines Forschungszentrum im atemberaubenden Nationalpark wir haben wieder viel interessante Menschen getroffen und tolle Geschichten sammeln dürfen.

An manchen Tagen ist der Verkehr aber auch leicht kriminell, gerade in den Städten und insbesondere an den zahlreichen Ein- Ausfahrten ist wieder höchste Konzentration gefragt und wir sind jedesmal froh den Ballungszentren heil zu entkommen. Die Brasilianer sind irgendwie noch nicht so richtig in Olympia-Laune und sehen das anstehende Großevent eher skeptisch. Muss nach der Fußball-WM 2014 nur 2 Jahre später schon das nächste, sehr kostspielige, Großereignis auf brasilianischem Boden stattfinden? Wir haben andere Brennpunkte in unserm Land! Das ist die gängigste Aussage der Brasilianer, aber sobald Olympia startet „werden wir schon alle mitfiebern und kräftig feiern“ wurde uns zugesichert.

Wir verlassen den Bundesstaat Santa Catarina und fahren jetzt in Parana direkt an der Küste entlang in Richtung Sao Paulo. Durch die extrem hohe Luftfeuchtigkeit in der Nacht ist in der Früh alles klamm und nass, dementsprechend fällt das Aufstehen manchmal etwas schwerer. Aber unser Ziel und unser sportlicher Ehrgeiz motiviert uns täglich neu und so steigen wir artig jeden Tag mit dem Sonnenaufgang aufs Rad und radeln bis die Muskel schmerzen. Gott sei Dank haben wir uns für die Küstenstraße entschieden, in den Bergen fallen die Temperaturen z.T. unter den Gefrierpunkt und darauf hat keiner mehr Lust, die Anden und die Kälte sind für uns passe. Je näher wir Rio kommen umso öfter werden wir vor Rio selbst und den gefährlichen Bewohner gewarnt auch die gemeine Denque-Mücke soll auf den nächsten 500km recht aktiv sein.

DCIM100GOPROGOPR3468.

Kein Asphalt. 35km am Strand entlang.

Plötzlich hört die Strasse auf und wir müssen 28km auf dem, gut befestigten, Strand fahren, als dieser durch dichte Mangrovenwälder auch nicht mehr passierbar ist schauen wir doof aus der Wäsche. Was machen? Wir sind gestrandet wie Robinson Crusoe und die Flut setzt langsam ein, wir haben also keine Zeit mehr umzukehren und im Hinterland versperrt uns dichtes Gestrüpp und der Mangroven-Wald den Weg. Wieder einmal ist Improvisation gefragt, wir winken und rufen solange bis eine Bootscrew auf uns aufmerksam wird. Die Jungs kommen aus Sao Paulo und sind zum fischen unterwegs, kurzerhand werden die Räder aufs Boot geladen und wir kommen sicher bis zum nächsten Strandabschnitt, Glück gehabt. Weiter gehts auf Sand, der Wind bläst uns beinahe vom Rad. Ein weiteres Boot bringt uns sicher zum nächsten Hafen, wir geniessen die Fahrt durch eine herrliche Mangroven-Landschaft, Delphine und exotische Papageien begleiten uns. Wir sind heilfroh am Abend wieder Asphalt unter den Rädern zu haben, ein sehr abenteuerlicher und anstrengender Tag geht zu ende.

Wir bedanken uns bei Anja Tiedge von Spiegel-Online, Anja hat einen tollen Artike über uns verfasst, hier der Link zu ihrem und weiteren Artikeln über uns.

Danke auch für die vielen lieben Kommentare via Email, Facebook, SMS, WhatsApp etc. etc., wir haben uns sehr gefreut. Auch ein möglicher Ticketsponsor hat sich inzwischen bei uns gemeldet, von DERTOUR haben wir 2×3 Tickets zugesichert bekommen, wir sind jetzt also tatsächlich live in den olympischen Wettkampfarenen.

Eine Sache wollten wir aber doch noch kurz klarstellen, da es durch den Spiegel-Artikel zu kleineren Irritationen kam: Ja, wir werden gesponsert, aber ausschliesslich mit Produkten. Das tägliche Leben, essen, trinken, eventuelle Unterkünfte, Visa, Versicherungen, Ausflüge usw. zahlen wir komplett selbst und haben im Vorfeld hart dafür gearbeitet. In unserem Radelalltag werden wir  von KEINEM Sponsor finanziell unterstützt. Bitte macht euch auch keine Sorgen um „das Rentenloch“ und „die Lücke“ in unseren Lebensläufen welche durch diese Reise entstanden sind. Es wird vermutlich das schönste Loch und die abenteuerlichste und erlebnisreichste Lücke in unserem Leben sein, danke! Probiert es aus und lebt euren Traum, es funktioniert, geniesst die grosse Freiheit, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wunderschöner Abschnitt. Berge und Buchten bringen uns zum Schwitzen.

Wunderschöner Abschnitt. Berge und Buchten bringen uns zum Schwitzen.

Weiter gehts auf dem Highway BR-116 und dem SP-055, die Uhr tickt gnadenlos, Ruhetage bis Rio können wir uns keine mehr erlauben. Der Atlantik ist jetzt wieder treu an unserer Seite, die Wellen feuern uns an und puschen uns immer weiter. Die Küstenstraße ist idyllische, aber eben auch sehr hügelig, hören die Hügel eigentlich nie auf? An die 200.000 (!) Höhenmeter haben wir auf unserer kompletten Reise bislang bewältig, die Beine schmerzen, langsam reicht es mit den Höhenmetern. Jede Bucht muss umständlich ausgefahren werden, oft denken wir „das muss die letzte Bucht gewesen sein“, aber nix da, es findet sich, bei nass-grauem Wetter, immer eine weitere und noch eine und …

Den Grossraum von Sao Paulo lassen wir überraschend schnell und problemlos hinter uns, jetzt sind es nur noch 400km und 5 Tage bis Rio! Wir übernachten in Abrisshäusern, auf Baustellen und in leerstehenden Immobilien, wir nehmen alles was sich anbietet und uns vor dem nächtlichem Dauerregen schützt. Natürlich holen wir uns von den Besitzern vorher (meistens) ein Okay.

Der Küstenabschnitt zwischen Sao Paulo und Rio ist ein Traum, die vielen Surfer-Hotspots sind sehr verlockend, aber ausser einer kurzen Mittagspause können wir uns keinen Aufenthalt erlauben, Olympia rückt immer näher und die Zeit drängt. Wir kommen wieder, nächstes mal mit mehr Zeit, im Sommer und ohne Rad.

DCIM100GOPROGOPR3554.

Nach 28.000km steht das erste Mal Rio de Janeiro auf dem Schild.

Wir machen ganz nebenbei die 28.000km voll, der letzte Tausender vor Rio, der letzte Tausender als Trio, etwas Wehmut liegt in der Luft. Noch 3 Tage bis Rio, bergauf, bergab, was machen wir hier eigentlich? Auf dem BR-101 geht es weiter, der Wald wird dichter, die Sonne kommt durch, wir fahren durch den Dschungel, grün ist die beherrschende Farbe. Das WDR-Radio, das Radio von BR2 und Radio Energy rufen an und wollen ein Telefoninterview, der Empfang ist schlecht und bricht ständig ab, trotzdem geben wir gerne Auskunft, es rauscht und rattert. Auch die Süddeutsche Zeitung meldet sich, über 60 Minuten telefoniert Julian mit dem freundlichen Reporter aus München, den  tollen Artikel findet ihr hier.

Das Fahrradfahren steht aber weiterhin an erster Stelle in unserer Tagesordnung, Sandros Pedal bricht und muss nun zum dritten Mal angeschweisst werden. Die Räder sind am Limit und brauchen dringend eine grössere Wartung, Zeit haben wir leider keine mehr, den ultimativen Härtetest von über 28.400km sollten unsere TX-1000 Maschinen allerdings noch locker schaffen und Rio am Stück erreichen.

Wir wechseln wieder das Bundesland Sao Paulo ist Geschichte und ab Tag 463 fahren wir im Staat „Rio de Janeiro“ weiter. Den Staat haben wir also schonmal gefunden, fehlt nur noch die City dazu.

Zu Fuss zu Olympia. 19.000km. Es geht immer noch verrückter...

Zu Fuss zu Olympia. 19.000km. Es geht immer noch verrückter…

330km vor Rio lernen wir Sergey aus St. Petersburg/Russland kennen. Sergey ist nun geschlagene 19.000km (!) zu Fuss von Russland nach Brasilien gelaufen um sein Land anzufeuern, Wahnsinn! Größten Respekt vor dieser Leistung. Russland ist z.T. von den Olympischen Spielen ausgeschlossen worden, Sergey läuft trotzdem weiter „dabei sein ist alles!“ sagt er uns und läuft weiter. Das ist wahrer, unbeugsamer olympischer Sportgeist.

Die brasilianische Polizei zeigt sich wirklich als „Dein Freund und Helfer“, die Jungs helfen uns immer gerne und besorgen hier und da sogar kostenlose und sichere Unterkünfte. Brasilien zeigt sich modern und für Touristen offen und sicher.

2 Tage vor Rio feiern wir mit Sandro seinen 33zigsten, ahhh Entschuldigung 19ten, Geburtstag, als Gäste haben wir unzählige, fiese Moskitos die uns den ganzen Tag verfolgen und um den nötigen Schlaf bringen.

DCIM100GOPROGOPR3632.

Rudi lädt uns in sein Haus ein.

Die letzte Nacht vor unserm „just-in-time“-Einlauf übernachten wir bei Rudi einem Schweizer Auswanderer. Rudis Haus liegt nur noch circa 40km von der Copacabana entfernt, „die längste Anfahrt zum Strand“  neigt sich dem Ende zu. Rudi führt uns durch seine Favela und an den Strand, dort lernen wir 2 amerikanische Olympiateilnehmer kennen, die 2 starten beim Radrennen. Auch Laura Siegmund, die deutsche Tennis-Hoffnung treffen wir am Abend zufällig am Strand. Von unserer Geschichte sind alle drei sehr beeindruckt und beglückwünschen uns zu unserem Trip.

Bildschirmfoto 2016-08-06 um 07.31.36

Markus von der ARD schiesst noch schnell ein Erinnerungsfoto.

Ja und dann ist es geschafft, wir sind die letzten 14 Tage durchgefahrenen und erreichen daher, bei herrlichem Sonnenschein, ausgepowert aber glücklich am Tag 467 und nach 28454km die Copacabana. Das Navi vermeldet kühl „Sie haben ihr Ziel erreicht!“ Und jetzt beginnt die Show für uns erst richtig! Über 12 verschiedene TV- und Radiosender empfangen uns an der Copa und wir werden von den Passanten beklatscht und beglückwünscht: ARD, Bayrischer Rundfunk, ARD-Radio, N24, Kabel1, ServusTV, Ö3-Radio, DPA (Deutsche Presseagentur), CNN, diverse brasilianische Sender, Peru-TV u.v.a.,  es ist wie in einem verrücktem Traum. Heiner Brand, der ehemalige Handball-Nationaltrainer, gratuliert uns persönlich und möchte die Reiseroute genau erklärt haben. Wir besuchen das Deutsche Haus und auch das Österreich Haus hier wird Freibier ausgeschenkt. Zahlreiche Passanten kennen uns bereits und fotografieren munter drauf los, wir bekommen viele Getränke spendiert von wildfremden Menschen. Richtig realisiert haben wir das alles noch nicht, es passiert soviel um uns rum. Die ARD hat uns ins Olympia-Studio eingeladen, wir sollen kommenden Sonntag, den 06.08. 8Uhr MEZ, live und in Farbe von unserer Tour berichten.

Wir hatten einen Traum und haben diesen realisiert. Wir sind zu dritt  und vor allem gesund und munter in Rio angekommen und haben damit unser gemeinsames Teamziel reicht, wir haben allen Widrigkeiten gestrotzt und haben es zusammen geschafft und auch teaminterne Differenzen überwunden. Alleine in die Welt aufbrechen kann jeder, zu zweit muss man schon mehr Kompromisse miteinander aushandeln, zu dritt gleicht diese einem täglichem Balanceakt. Wir haben es geschafft und das ist eigentlich das größere Wunder dieser einzigartigen Reise.

Erinnerungsbild mit Handball Weltmeister Coach Heiner Brand.

Erinnerungsbild mit Handball Weltmeister Coach Heiner Brand.

Entspannung ist angesagt, jetzt dürfen die „richtigen“ Athleten zeigen ob ihre Vorbereitung ideal war. Wir geniessen jetzt erst einmal Rio und den tollen olympischen Flair, die Stadt vibriert vor Energie. Julian hat bereits das erste (inoffizielle) Gold für Deutschland geholt, mit 30 Plattfüßen ist er der Plattfuß-König von Rio und verweist Sandro mit 20 Plattfüßen auf Platz 2, Nico musste nur 19 Mal seinen Reifen flicken und landet mit Bronze auf einem dankbaren 3. Platz.

Sandro tritt aus privaten Gründen bereits nächste Woche seine Heimreise an, vorher besuchen wir aber noch einige Wettkämpfe zusammen. Wir bedanken uns bei unserer „bayrischen Dampfnudel“, für eine aufregende, unvergessliche Zeit. Nico und Julian bleiben bis zum Ende der Spiele und berichten live aus Rio, mal schauen wie es danach weiter geht.

Danke für euer Interesse an unserer Tour und die Unterstützung auf der kompletten Reise.

Es war uns eine Ehre!

Mit sportlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro

Weitere Bilder sind in unserer Galerie zu sehen.

Brasilien II

Brasilien

Direkt nachdem unser erster Brasilien-Blog vor 2 Wochen online ging, stand  prompt eine brasilianische Zeitung bei uns auf der Matte und interviewte uns für einen Zeitungsartikel für die Lokalzeitung von Frederico Westphalen. Der junge Reporter konnte unsere abenteuerliche Reise kaum glauben und fragte immer wieder ungläubig nach ob er die Fakten, Details, Geschichten und die lange und teilweise wilde Reiseroute von über 26.000km auch wirklich richtig verstanden hat. In solchen Situationen wird uns immer wieder bewusst, dass wir hier etwas aussergewöhnliches, etwas einzigartiges mit unserer Tour meistern, vielen Menschen würde dies wohl noch nicht einmal in ihren kühnsten Träumen einfallen.

Ein neues Pedal für Sandro.

Ein Ersatz-Pedal für Sandro.

Inzwischen befinden wir uns im südlichsten Bundesland Brasiliens und damit in „Rio Grande do Sul“ und sofort werden wir vor einige technische & natürliche Herausforderungen gestellt. Es liegt ein dichter Nebel über der Region, die Sicht beträgt kein 15m und von brasilianischer Hitze können wir nur träumen. Sandro klebt das Pech am Schuh bzw. am Pedal, keine 20km hinter Frederico Westphalen, unserem letzten Blog-Ort, bricht Sandros Pedal aus der Kurbel und lässt sich nicht mehr reparieren. Zu allem Überfluss hat Nico von dem ganzem Drama nichts mitbekommen und fährt weit voraus, erst am späten Abend treffen wir ihn wieder. Was nun? Mit nur einem Pedal fährt es sich einfach, gerade in der hügeligen und sehr einsamen Gegend, extrem schlecht. Wir improvisieren, ziehen und schieben Sandros Rad, Sandro fährt mit einem Bein, Sandro schiebt sein Rad, etc., etc. Nach circa 20 km kommen wir endlich an einer kleinen Werkstatt vorbei, dort erklären wir den Arbeitern in unserem holprigem portugiesisch die Situation, die Jungs sind super und nach wenigen Minuten hat Sandro ein selbstgebasteltes Pedal angeschweisst am Rad. Allerdings hält diese nur für circa 1 km und Sandros Leidensweg mit nur einem funktionsfähigen Pedal setzt sich fort. In der nächsten Stadt bekommt Sandro eine komplett neue Kurbel samt Zahnkranz, die Qualität lässt zwar zu wünschen übrig, aber der Mechaniker ist auf zack und seine Arbeit schaut recht gut aus und wir sind zuversichtlich damit die nächsten Tage durchzukommen, zu früh gefreut?

DCIM100GOPROGOPR3055.

Geschweisstes Ersatzpedal. Leider fällt es nach ca.1 Kilometer wieder ab.

2015-03-03 06.45.46

Live berichtet Nico über unsere Reise im Radio Simpatia.

Nico wurde in der Zeit vom Radio interviewt und erfährt über dieses auch von unserem Standort, etliche Anrufe gehen ein und am späten Abend finden wir uns im Pfarrhaus der kleinen Gemeinde Chapada wieder. Padre Antonio Dino ist ein wunderbarer Mensch, wir werden wie die verlorenen Söhne aufgenommen und königlich bewirtet, es wird ein bunter, fröhlicher Abend mit viel Witz & Charme. Am nächsten Tag sind wir das Gesprächsthema Nr.1 in seinem Radio-Gottesdienst, später führt uns Padre Antonio Dino aus dem Dorf, er fährt mit seinem Auto laut hupend vor uns her, ein bunter, sehr humorvoller Gottesdiener mitten auf dem Lande.

Padre Antonio und viele neugierige Kinder.

Padre Antonio Dino und viele neugierige Kinder.

Es geht also weiter mit uns dreien, Porto Alegre und damit der Atlantik ist das Ziel für die nächsten Tage. Auch in Brasilien kommen wir durch viele abgelegene Dörfer, die Menschen sind hier extrem freundlich und hilfsbereit, viele leben in einfache Häusern und in einfachsten Verhältnissen. Gerade in den abgelegenen Dörfern und ärmeren Regionen wird uns wieder klar, was für ein Glück wir haben eine solche Reise machen zu können. Viele Menschen welchen wir begegnen dürfen werden ihr Dorf, ihre Provinz nie verlassen können, trotzdem strahlen die Menschen hier oft eine unheimlich positive Lebensenergie aus.

Mit Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit sind wir auf der ganzen Reise schon reichlich gesegnet worden, aber die Brasilianer setzen einfach noch eine Portion drauf. Überall wo wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit suchen, es regnet jeden Tag und zelten ist daher nur eine Option im Notfall, stehen uns die Türen offen. Täglich überrascht uns das Leben neu, wir werden eingeladen in Tankstellen, in Pfarrhäusern oder um in privaten Häusern zu übernachten, meistens ist das Abendessen und die heisse Dusche inklusive. Geld wird kategorisch abgelehnt, Reisenden ein Bett anzubieten gilt hier als Ehrensache. Schlechte, negative Erfahrungen in Brasilien? Nicht eine einzige!!

Der BR-386 führt uns durch eine „Maulwurfslandschaft“, Hügel rauf, Hügel runter, in unseren Pausen sind wir umringt von neugierigen Menschen und müssen für zahlreiche Fotos posieren auch das Radio wird hin und wieder extra für uns angerufen und sendet teilweise live von unserm Pausenort. Nicht nur unsere TX-1000 Räder der VSF-Fahrradmanufaktur aus Oldenburg begeistern, gerade die dazugehörige Rohloff-Schaltung fasziniert die Menschen und wir erklären, erklären und erklären das Wunderwerk mit den 14-Gängen in der Box immer wieder.

DCIM100GOPROGOPR3137.

Fritz und Frida. Typisch deutsch oder doch eher typisch bayrisch!?

Zahlreiche Menschen im Süden Brasiliens haben deutsche Vorfahren und sprechen auch nach mehreren Generation noch ein perfektes deutsch und pflegen die Bräuche ihrer Vorfahren. Unglaublich aber wahr, hier hat sogar der stolze Bayer ein Migrationshintergrund, auch wir Deutschen hatten wilde Zeiten in unserer Heimat und sind als Auswanderer oder gar als Flüchtlinge in die ganze Welt geströmt und waren froh eine neue Bleibe gefunden zu haben. Jeder der lautstark hetzerische-rechte Parolen in Deutschland oder sonst wo auf der Welt verbreitet sollte sich, gerade in der momentanen angespannten und schwierigen Zeit in welcher hilfebedürftige Menschen nach Deutschland kommen, mit unserer eigenen Geschichte befassen.

DCIM100GOPROGOPR3108.

Bei Gelson und seinen Jungs bekommen wir unser erstes Churrasco zum Abendessen.

Gelson wohnt mit seinen Söhnen Frederico und Lorenzo in einem Dorf und beherbergt uns für eine Nacht, der Metzgermeister verwöhnt und mit fleischigen Delikatessen und erzählt uns Geschichten über Land und Leute. Draussen prasselt der Regen aufs Dach und wir sind froh über eine warme, trockene Unterkunft für die Nacht. Sandros Pedal bricht wieder von der Kurbel, Gelson bringt uns zum nächsten Mechaniker, jetzt hält alles. Hoffentlich!!!

Es ist wirklich zum verrückt werden, die ganze Reise hatten wir nur sehr wenige Regentage und in Brasilien hört es dafür einfach nicht auf zu pissen. Die biblische Sintflut hat mit Sicherheit ähnlich begonnen, es ist wie die Fahrt durch einen dauerhaften Wasserfall und dieser zieht sich über mehrere Tage dahin. Falls es so weiter regnet können wir bei den olympischen Schwimmwettbewerben ohne Problem doch noch selbst teilnehmen….

Am Tag 443 und mit Kilometer 26693 erreichen wir Porto Alegre und damit den nächsten großen Teich, den Atlantik. Gute 10 Wochen haben wir von Lima/Peru und damit vom Pazifik an den brasilianischen Atlantik gebraucht und dabei über 6000km auf unseren Bikes gesessen, wieder eine einmalige Geschichte. Rauschende, tobende Wellen sind immer noch die schönste Hintergrundmusik und wir freuen uns auf die Küstenstraße am Ozean entlang.

13689329_10206561925348943_2043461262_n

Klaus und Inge sind zwei wunderbare Gastgeber. Vielen Dank!

In Porto Alegre kommen wir bei Klaus und Oma Inge unter, Klaus Tante Lena aus München hat uns diesen genialen Kontakt besorgt und wir verbringen gleich 2 Ruhetage im gemütlichem aber dennoch agilen und unterhaltsamen Porto Alegre. Endlich zeigt sich auch mal die Sonne, unsere komplette Ausrüstung und nahezu die gesamte Kleidung wurde nass und muss daher gewaschen, getrocknet und wieder verpackt werden. Klaus ist ein interessanter und äusserst vielfältiger Mensch, er zeigt uns das Nachtleben der Stadt, macht mit uns Sightseeing-Touren durch die Altstadt und scheint jeden in der Millionenmetropole persönlich zu kennen. Nachdem wir uns ausgeruht haben und jedes Familienmitglied, und da gab es einige, kennenlernen durften entscheidet sich Klaus die nächsten circa 550km bis nach Florianopolis mit uns zu radeln.

DCIM100GOPROGOPR3168.

Schlafsäcke, Wäsche usw. Alles muss getrocknet werden.

2016-07-16 14.15.33

Klausinho radelt mit uns bis Florianópolis.

Klaus ist der vielleicht weisseste Brasilianer der Welt, damit wenigstens der Name brasilianische klingt entscheiden wir uns für einen Künstlernamen und damit für „Klausinho“! Wir 4 machen uns also auf den Weg, der Regen hat an Kraft und Ausdauer verloren und, oh Wunder, wir haben Rückenwind bei flacher Strecke. Wir strampeln auf der Autobahn, dem Highway 101, was die rot-weissen Schilder mit dem durchgestrichenen Fahrrad bedeuten wissen wir nicht, dafür reicht unser Portugiesisch leider nicht aus. Klausinho zeigt uns eine brasilianische Delikatesse nach der anderen, auch die zahlreichem all-u-can-eat Restaurants lassen unsere Bikinifigur wieder fülliger werden.

Pferdekutschen sind nicht erlaubt, das andere Symbol kennen wir nicht.

Pferdekutschen sind nicht erlaubt, das andere Symbol kennen wir nicht.

Brasilianer fragen anscheinend gerne nach dem „Warum?“ und damit nach dem Sinn unserer Reise. Also warum wir diese Reise machen? Mmh, schwierige Frage! Warum lesen Menschen Bücher und laufen Marathon oder interessieren sich für Sternbilder? Warum sammeln Leute Briefmarken oder züchten Hunde? Für uns spielt sich das Leben immer schon meistens draussen ab und zwar jetzt und hier. Vielleicht sammeln wir aber auch nur genügend Geschichten für unsere Enkelkinder, wer weiss. Ein plausible Antwort gibt es wohl nicht, wir könnte auch den Fragesteller mit einem „Warum nicht?“ zum schweigen bringen.

Reifenwechsel Nr.1, Nr.2 lässt nicht lange auf sich warten.

Reifenwechsel Nr.1, Nr.2 lässt nicht lange auf sich warten.

Klausinho fügt sich gleich am ersten Tag mit 2 Plattfüßen gut ins Team ein, Sandro und Nico legen allerdings schon wenige Tage später mit Nr. 19 bzw. 18 weiter vor. Am 447 Tag hat Nico seinen dritten und bislang schwersten Sturz, bei einer Abfahrt touchiert er Klaus, verliert die Kotrolle übers Rad und schlittert über den Asphalt. Wir verarzten die zahlreichen Schürfwunden noch auf der Strasse, Glück im Unglück es ist Gott sei Dank nicht mehr passiert und der Strassenbelag war in diesem Abschnitt eher glatt. Nico beisst die Zähne zusammen und macht für einige Tage etwas langsamer.

Direkt nachdem Sturz bekommen wir die wahrscheinlich bizarrste Übernachtungsmöglichkeit angeboten. Julian und Klaus klopfen an einer Kirche an und bekommt die Leichenhalle als Schlafplatz für unser Quartett angeboten. Der Pfarrer überreicht uns die Schlüssel mit der folgenden furztrocknen Anmerkung:

Falls heute noch jemand das Zeitliche segnen sollte, müsst ihr halt teilen!“

Zum Leichenschmaus werden wir vom Pfarrer und seiner Gemeinde auf den „Wurstball“ in der nahen Gemeindehalle eingeladen, es wird deftig aufgetischt und eine Band spielt bayrische Blasmusik, verkehrte Welt in Brasilien. Danke und gute Nacht, die Nacht ist jedenfalls totenstill und wir schlafen wie die Engelchen. Die nächste Übernachtung in einem solchem Gebäude darf gerne noch 70 Jahre auf sich warten lassen, danke.

New York. Nein, wir sind in Brasilien.

New York. Nein, wir sind in Brasilien.

Neuer Tag, neue Strecke, neue Leute, neue Region, neuer Schlafplatz. Bei einer Reise mit dem Fahrrad gleicht kein Tag dem Andern, es kommt wie es kommt und meistens werden wir dabei positiv überrascht. Der finale Countdown läuft nun endgültig, 27.000km sind inzwischen Geschichte, Wahnsinn! Sind es tatsächlich nur noch 2 Wochen, nur noch knapp 1200 km bis Rio? Klar hängt auch bei uns manchmal der Haussegen schief und es fallen unüberlegte, böse Worte, aber im Grunde ist jeder von uns froh diese Reise zu dritt angegangen zu sein, Erlebnisse geteilt zu haben und nicht alleine durch die Weltgeschichte zu radeln.

Kurz vor Florianopolis wechseln wir das Bundesland und  radeln in „Santa Catarina“ weiter , die Sonne gewinnt nun endlich an Oberhand. Klausinho kennt viele Leute entlang der Strecke und kann so die ein oder andere tolle Übernachtungsmöglichkeit für uns abklären, die Nächte in der Natur sind noch recht frisch, daher sind wir froh über jedes kostenloses Angebot ausserhalb vom Zelt.

2016-07-20 13.47.08

Tolle Strände gibt es rund um Florianópolis.

So, jetzt sind wir also in Florianopolis (auch Floripa genannt) angekommen und geniessen „another day in paradise“ oder auch zwei, auch hier werden wir von Klaus durch die City geführt und erkunden die atemberaubende Halbinsel mit ihren zahlreichen Lagunen und traumhaften Stränden. Hier wird aus dem zwischenzeitlichen Quartett wieder unser gewohntes Trio, danke Klaus fürs mitfahren und wir sehen uns in Deutschland wieder, Tschüss Floripa!

2016-07-19 09.55.24

Noch 14 Tage bis zum Beginn der Olympischen Spiele.

Jetzt steht also der letzte Abschnitt unser gemeinsamen Reise nach Rio an, den nächsten Bericht gibt es live von den Olympischen Spielen 2016, live aus dem Herzen Rio de Janeiros. Wir freuen uns sehr auf die Stadt, nach so langer Zeit auf den Rädern sehnen wir uns aber auch auf die 18 Tage Auszeit in Rio und auf „normale“ Kleidung, einen „normaleren“ Tagesablauf…auf normale Dinge eben welche uns nach der Tour erwarten, wie lange wir das aushalten? Schau mer mal!!

Wer Lust hat findet uns unter „Trio for Rio“ auch auf Facebook, dort gibt es immer wieder kleiner Zwischenberichte und Angaben zum aktuellen Standort.

Vielleicht erbarmt sich ja doch noch ein großzügiger, edler Spender und wir können die Athleten live in den olympischen Wettkampfarenen anfeuern. Tickets werden weiterhin gerne angenommen.

Momentan deutet alles auf einen „just in time“-Einlauf zum Startschuss der Spiele am 5. August hin, es bleibt also spannend die nächsten Wochen.

Mit sportlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder gibt es in unserer Galerie.

Argentinien II – Paraguay – Brasilien I

Argentinien, Brasilien, Paraguay
Immer geradeaus. Keine Kurve in Sicht.

Pampa! Immer geradeaus. Keine Kurve in Sicht.

Unser „Pippi-Langstrumpf-Leben“ geht kunterbunt und abenteuerlich weiter, Pippi macht ja schliesslich auch was ihr gefällt. Die argentinische Pampa führt uns vorbei an gigantischen Mais- Weizen- und Baumwollfeldern welche sich bis zum Horizont erstrecken. Auch die endlosen Rinderweiden mit ihren wiederkäuenden Bewohnern können sich sehen lassen, an manchen Tagen fahren wir kilometerlang am selben Zaun entlang. Noch auf dem Highway „RN-16“ machen wir unsere 25.000km voll, der zunehmende Verkehr und der fehlende Seitenstreifen trüben dieses Jubiläum ein wenig. Aufmerksamkeit ist gefragt, gerade die LKW’s schieben uns oft in den Graben oder hupen bis die Ohren dröhnen. Am wievielten toten Hund wir auf unserer Reise schon vorbeigefahren sind? Wir wissen es selbst nicht, aber über 1000 (!!!) dürften es in dieser traurigen Statistik inzwischen doch sein. Leichen pflastern unseren Weg, andere Tierarten erhöhen die Zahl der toten Tiere natürlich noch deutlich.

Toller Zeltplatz in der Nähe einer Tankstelle.

Toller Zeltplatz in der Nähe einer Tankstelle.

Die vielen PKW’s und Trucks haben natürlich auch ihren Vorteil und ihre witzigen Seiten, oft wird das Fenster runtergekurbelt und wir werden mit Obst, Getränken und netten Gesprächen versorgt. Truckfahrer bremsen uns aus, steigen aus und wollen Selfies mit uns und das mitten im Berufsverkehr, verrückte Welt in Argentinien. Tankstellen sind unsere bevorzugten Zeltplätze, i.d.R. gibt es hier Wasser und eine Wiese, manchmal Wifi und der Tankwart hört gespannt unseren Erzählungen zu. Auch in unseren Träumen ist das Fahrrad, in welcher Form auch immer, präsent. Wer solange auf dem Rad sitzt wie wir, dem spielt das Unterbewusstsein gerne Streiche, immer wieder werden Situationen aus unserem Radalltag in unsere Träume äusserst realistische eingearbeitet.

Die Strasse geht tagein tagaus geradeaus, am Tag 9 in der Pampa kommt dann die Sensation!! Eine Kurve!!  Eine richtige, echte Kurve!! Unglaublich, wir biegen scharf links ab und fahren auf dem „RN-11“ weiter, dieser führt uns ohne Umwege in Richtung Paraguay.

Unbeirrt setzen wir unseren Weg bzw. „die längste Anreise ever-ever“ zum berühmtesten Strand der Welt, zur brasilianischen Copacabana fort. An manchen Tagen gehen wir mit der Dämmerung um 18Uhr ins Bett und sind erstaunt wie schnell 12 Stunden Nachtruhe vorbei sein können, aber Körper & Geist fordern ihre Auszeit und brauchen nach einem langem, schweisstreibendem Tag bei höchster Konzentration Ruhe und Entspannung.

Dauerregen in Argentinien. Unsere Zelte stehen unter Wasser.

Dauerregen in Argentinien. Unsere Zelte stehen unter Wasser.

Wir fahren an der argentinisch-paraguayischen Grenze entlang, nur noch der “Rio Paraguay“ trennt uns von unserem Reiseland Nr. 23. Das Wetter wird kurz vor Paraguay immer schlechter, starker Regen verwandelt unsere Zeltplätze in Schlammbäder und zerrt kräftig an den Nerven. In den Nächten werde wir von Donner & Blitz aufgeschreckt, an manchen Tagen halten unsere Zelte den sintflutartigen Regenmassen nicht stand und gleichen einem Swimmingpool. Da wir durch ein gigantisches Sumpfgebiet fahren, begegnen wir mit Störchen, Schlangen, Fröschen und abertausenden Moskitos auch den Bewohnern dieser Feuchtgebiete. Der Lärm der immer nahen Straße und Donner & Blitz sind hier für die Gute-Nacht-Geschichten zuständig und lassen sich jeden Abend bzw. jede Nacht etwas neues einfallen. Auf die Kilometerangaben und geschätzten Entfernungen der Einheimischen ist nach wie vor absolut kein Verlass, selbst die Polizei ist in dieser Hinsicht kein zuverlässiger „Freund und Helfer“, manche Menschen verschätzen sich wirklich irrwitzig.

Paraguay. Land Nr. 23!

Adios Argentina. Hola Paraguay.

Nach 16 Tagen verabschiedet Argentinien uns mit Trauer, Messi tritt gleichzeitig aus der argentinischen Fussball-Nationalmannschaft zurück und wir verlassen ebenfalls das Land, das Wetter zeigt sich zu diesem Anlass nass und grau. Die Hauptstadt von Land Nr. 23 und damit Asuncion und Paraguay erleben wir bieder und fahl, dieser Eindruck ändert sich auch nicht mehr. An der Stadtgrenze lernen wir allerdings Tim und Jakob kennen, einen jungen deutschen Auswanderer und einen Auswanderer in der 3 Generation. Tim lädt uns für 3 Nächte in sein Haus ein und zeigt uns seine Hood, wir erhalten einmalige Eindrücke ins Leben der Paraguayer und bekommen reizende Seen, wilde Tiere und historische Orte von Tim gezeigt. Doch nicht alles bieder und fahl hier! Paraguay zeigt sich als „Auswanderand“ von Deutschen, auch Jakobs Familie wanderte vor 195 Jahren aus Deutschland aus um in Südamerika ein neues Leben zu beginnen. Bevor wir uns von Tim und Jakob verabschieden werden wir ins Restaurant „Oktoberfest“ eingeladen und wir schlemmen wie die Könige. Kartoffelsalat, Sauerkraut, Spätzle, Bratkartoffeln, Blaukraut, Rollbraten, Schnitzel, Geschnetzeltes, Apfelkuchen, Weissbier etc. etc. unser Gaumen ist im 7. Himmel. Danke Tim, danke Jakob!

Vielen Dank an Tim und Jacob für den tollen Abend im Restaurant "Oktoberfest"!

Vielen Dank an Tim und Jacob für den tollen Abend im Restaurant „Oktoberfest“!

Der Highway 2 führt uns weiter zielsicher Richtung Brasilien, überall treffen wir auf begeisterte Menschen und werden nicht nur zum obligatorischen „Mate-Tee“ eingeladen (ohne den geht in Paraguay absolut gar nix!!), sondern dürfen unsere Zelte in den Vorgärten aufbauen. So auch bei Christian aus Österreich welcher vor 30 Jahren auswanderte und jetzt die Pizzeria „Wienerwald“ betreibt und eine köstliche Pizza mitten im Niemandsland anbietet. Christian hat viele Geschichten aus seiner alten Heimat Österreich und seiner Wahlheimat Paraguay auf Lager, ein klassischer bunter Hund.

Mittagspause am Fluss. Wer sieht den Julian?

Mittagspause am Fluss. Wer sieht den Julian?

Die Natur ist tropisch, saftig und grün und auch das Wetter spielt wieder mit, an herrlichen Flüssen verbringen wir unsere Mittagspausen und ein kleines Nickerchen in den Hängematten rundet die Siesta standesgemäss ab. Der Wind kommt von vorne und ein Hügel reiht sich an den Nächsten, die Räder scheinen auf dem Asphalt zu kleben, immerhin gibt es am Strassenrand viel zu sehen und so vergessen wir die Zeit. Das Paraguayische Landleben ist sehr bunt, überall sehen wir Ochsengespanne, Männer die im Wald oder auf den Feldern arbeiten, Kinder die einem Ball nachjagen, Schulkinder welche uns grüßen und freundlich winken, Arbeiter bei einer „Mate-Tee“-Pause, Frauen welche Essen am Straßenrand anbieten und vieles, vieles mehr, eine Reise durch ein Bilderbuch eben.

Argentinien, Brasilien und Paraguay grenzen hier aneinander.

Argentinien, Brasilien und Paraguay grenzen hier aneinander.

Die hügelige Achterbahnfahrt zieht sich bis an die brasilianische Grenze und am 434 Tag erreichen wir tatsächlich unser Zielland Brasilien. Allerdings reisen wir nach 90 Minuten schon wieder aus und es geht am „3-Ländereck“ direkt zurück nach Argentinien. Warum? Die berühmten Wasserfälle von Iguazu, die „Cataratas de Iguazu“ sind von der argentinischen Seite besser zusehen und noch beindruckender. Wir bereisen also mit Paraguay, Brasilien und Argentinien gleich 3 Länder an einem Tag, wieder ein neuer Reiserekord. Im „Parque Nacional Iguazu“ besuchen wir die weltberühmten Wasserfälle uns sind von dem gigantischen Naturspektakel stark beeindruckt. Jetzt haben unsere Augen schon einiges gesehen und sind oft „satt“, irgendwann ist der hundertste Wasserfall nichts besonderes mehr, die tausendste Kirche oder Ruine nichts einmaliges mehr und verzaubert nur noch gering, aber…

Iguazú-Wasserfälle.

Iguazú-Wasserfälle.

…aber die Wasserfälle von Iguazu sind eine Augenweide, mein lieber Mann. Ein absolutes Highlight auf unserer Reise, Traumwasserfälle. Das Wetter spielt uns bei strahlendem Sonnenschein voll in die Karten und danke der südamerikanischen Winterzeit sind eher wenige Touristen vor Ort. Als der Park schliesst, schleichen wir uns, verbotenerweise, in die Büsche. Die Geräuschkulisse der nahen Wasserfälle und das quaken, piepen, zirpen, kreischen und rascheln aus den Büschen lässt uns mitten im grünem Dschungel ruhig schlafen, toller Tag.

Vorsicht Jaguars!

Vorsicht Jaguars!

Eine giftige Korallenschlange.

Eine giftige Korallenschlange.

Der Highway 101 ist eine typische Lehmstraße im Dschungel, wir rutschen hin und her und müssen höllisch aufpassen um Stürzte zu vermeiden. Diese Straße führt uns endgültig nach Brasilien und treibt uns mit ihren auf und abs beinahe in die Verzweiflung. Den heimischen Jaguar haben wir nicht zu Gesicht bekommen, dafür zeigen sich Riesentukane und andere bunte Paradiesvögel, auch Schlangen bekommen wir sehr nah vor die Kamera. Erst als wir die Schlangenbilder Einheimischen zeigen, wird uns bewusst, dass wir uns bis auf wenige Zentimeter einer der giftigsten Schlangen Südamerikas genähert haben. Glück gehabt. Urwald pur! Dschungel live! Noch in Argentinien machen wir unsere 26000km voll und verabschieden uns so erneut von unseren Gaucho Freunden. In unserer letzten Nacht in Argentinien, wir zelten 200m vor der Grenze zu Brasilien, will uns ein Räuber bestehlen. Der Langfinger schultert spät nach Mitternacht Sandros abgeschlossenes Fahrrad und will sich davon machen. Wir stürmen alle 3, wie auf Kommando, mit einem ohrenbetäubendem Gebrüll aus den Zelten und verscheuchen den Dieb, welcher geschockt das Rad fallen lässt und nur mit Sandros Schuhen in der Dunkelheit verschwindet. Wieder Glück gehabt! Mit 13.39€ p.P./Tag in Argentinien und 9.93€ p.P./Tag in Paraguay zählen beide Länder zu den günstigsten unserer Reise, campen in der Natur spart eben enorm Geld.

DSCF6876

Brasilien. 26043 km. Weiter gehts…

So, nach 436 Tagen und 26043 Kilometer erreichen wir, dieses Mal nicht nur für 90 Minuten und mit allen 3 Fahrrädern unterm Hintern, Brasilien. Wir haben es tatsächlich geschafft und uns unseren Traum erfüllt, wir sind von Deutschland nach Brasilien geradelt, Wahnsinn!! Alles, wirklich alles ist machbar! Brasilien war unser Ziel und jetzt sind wir da, glauben können wir es noch nicht und bis wir begreifen was wir geschafft haben gehen wohl noch einige Jahre und zahlreiche Geschichten ins Land. Genau einen Monat vor dem Start der Olympischen Spiele erreichen wir also Brasilien, noch haben wir knapp 2500km vor uns um den Austragungsort Rio zu erreichen. Ein kräftiges aber dennoch machbares Ziel für die nächsten Wochen. Die Goldmedaille in unserer Plattfußstatistik ist Julian mit 30 Löchern nicht mehr zu nehmen, Sandro (18) und Nico (15) sind einfach zu weit entfernt. Ein hart erarbeitetes goldenes Edelmetall für Julian, der anscheinend kaum einen Nagel oder eine Scherbe ausgelassen hat. Wer den Schaden hat….

Bisher zeigt sich Brasilien sehr hügelig.

Bisher zeigt sich Brasilien sehr hügelig.

Die nächsten circa 600km suchen wir unseren Weg nach Porto Alegre im Süden des Landes und damit an den Atlantik, dieser wird dann für die letzten circa 1700km bis Rio unser Begleiter sein. Brasilien empfängt uns gleich mal hügelig und erinnert etwas an die italienische Toskana, wo ein Hügel aufhört beginnt der nächste. Wer bei Brasilien gleich an die Copacabana, exotische Drinks, rassige Strandschönheiten, Pele und Samba denkt, dem sei gleich gesagt, dass Brasilien auch anders sein kann. Gleich in der ersten Nacht wird unser Zelt beinahe von den Regenmassen weggespült, der nächste Tag ist nass, grau und kalt, auf manchen Straßen kommen wir vor lauter Schlamm kaum voran und sehen am Abend aus wie Wildschweine nach dem suhlen. Der „BR-163“ ist noch gut asphaltiert, nach dem Überqueren des „Rio Uruguay“ folgt der „BR-386“, dieser ist z.T. eine übel vom Regen aufgeweichte Piste, die Räder blockieren vor lauter Matsch und Dreck und müssen geschoben oder gar getragen werden. Willkommen in Brasilien, wieder verändert sich unser Weltbild.

Schlammpiste. Die Reifen blockieren.

Sandro steckt im Schlamm fest. Die Reifen blockieren. Er muss schieben.

Inzwischen haben wir uns selbst eine Unterkunft in Rio organisiert und sicher gebucht, bei Wilma und ihrer Tochter Kelly können wir im Herzen Rio’s recht kostengünstig leben. Das Olympiastadion ist nur einen Steinwurf entfernt und auch die Nähe zu Copacabana lässt keine Wünsche offen.

An dieser Stelle wollen wir uns bei Thomas aus Bremen bedanken. Thomas verfolgt sehr aufmerksam unseren Blog und hat uns das Ferienhaus seiner Familie etwas ausserhalb von Rio angeboten. Dieses tolle Angebot werden wir während den Spielen mit Sicherheit für einige Tage annehmen. Danke Thomas, super Geschichte!!

Heute. Kilometerstand 26217, sind wir in Frederico Westphalen angekommen und warten, im wahrsten Sinne, auf besser Wetter. Zumindest haben wir hier Zeit und Platz für diesen Bericht, Wäsche und Zelt können in Ruhe trocknen und die Räder müssen komplett entschlammt werden.

Vielen Dank fürs lesen der Berichte und eure Unterstützung!! Danke auch fürs teilen von unseren Beiträgen auf Facebook & Co. Ihr habt noch Tickets für die Olympischen Spiele in der Hinterhand? Nur keine Scheu, wir beissen nicht und sind dankbare Abnehmer.

Mit sportlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder der letzten 14 Tage sind in unser Galerie.