Portugal – Spanien – Camino de Santiago

Portugal, Spanien

Wir packen also unsere restlichen 7 Sachen in Rio und verabschieden uns vom Zuckerhut und damit auch von Südamerika. Nur wenige Stunden später landen wir sicher und entspannt in Lissabon, mit dem Flugzeug dauert eine Reise nach/von Südamerika also nur wenige Stunden bis aufs europäische Festland. Per Rad ist die Anreise eettwwaasssss länger und man muss über 28.400 Kilometer strampeln und gute 1555 Stunden im Sattel sitzen, dafür ist die Variante mit dem Fahrrad schöner und vor allem abenteuerlicher und jeden Aufwand wert. Als die Räder auch noch sicher auf dem Gepäckband in Lisboa auftauchen ist die Welt in Ordnung und Europa hat uns wieder. Portugal ist unser Reiseland Nr.25 und Anfangsstation für unsere letzte Etappe in Richtung Heimat. Die nächsten Wochen stehen mit Spanien, Frankreich und der Schweiz noch weitere tolle Länder und Wege auf unserer Liste, wir freuen uns.

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Überraschung. Eltern und Bruder zu Besuch in Lissabon-

Die halbe Familie erwartet uns in der historischen Altstadt von Lissabon, mit Bruder und Eltern machen wir 4 Tage lang die historische Hafenstadt unsicher. In den Gassen der Altstadt sitzen unzählige Menschen in kleinen Gruppen zusammen und geniessen ihr Feierabendbier, Straßenmusiker spielen an idyllischen Plätzen und viele charmante Bars locken zum gemütlichen Beisammensein. Lissabon ist eine echte Perle und begeistert mit einem tollen, gemütlichen aber edlen Flair. Wir geniessen europäisches Essen bei angenehmer, lässiger Atmosphäre und lauen Sommernächten. Gefühlt laufen wir alle Straßen Lissabons ab, aber auch nach 4 Tagen gibt es immer noch jede Menge Ecken und Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Natürlich darf eine Fahrt in der weltberühmten Strassenbahn der Stadt nicht fehlen, diese schlängelt sich, wie ein Wurm, durch die enge City. Zusammen machten wir uns auf nach Sintra, unweit der kleinen Stadt finden wir den westlichsten Punkt Europas und geniessen einen herrlichen Ausblick über den, zum baden doch sehr kühlen Atlantik.

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Cabo da Roca. Der westlichste Punkt Europas.

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Mit dem Fahrrad durch Europa.

An Tag 490 unserer Reise machen wir die Räder wieder startklar, schrauben, ölen und packen, nur wenige Stunden später hat uns die Straße wieder. Es dauert bis wir das Stadtgebiet Lissabons endgültig hinter uns haben und die Silhouette der Stadt nur noch am Horizont zu erkennen ist. Hola Portugal, du bist ganz schön hügelig und lässt uns mit deinen unendlichen Bergen, viel Gegenwind und Sonne satt ganz schön schwitzen. Der Highway M8 führt parallel zur Autobahn und ist unsere neue Heimat, die Landschaft erinnert an die italienische Toskana, die schattigen Pinienwälder locken regelmäßig zu einer längeren Siesta. Überall in Portugal finden wir tolle wilde Zeltplätze und wir geniessen die langen Tage. In Südamerika war in der Regel gegen 18 Uhr Sonnenuntergang, hier können wir bis 18 Uhr radeln, da sich die Sonne nicht vor 20.30h verabschiedet, sehr fahrradfreundlich.

Portugal zeigt uns wie schön unser Heimatkontinent Europa ist. Man muss nicht um die halbe Welt reisen, Europa hat unheimlich viele schöne Facetten. Trotzdem sind wir froh soweit gereist zu sein, unser Horizont hat an Tiefe gewonnen und viele Dinge in der heimatlichen Komfortzone, welche für uns einfach selbstverständlich geworden sind, lernt man ganz anders zu schätzen. In Punkto Schönheit und Geschichte braucht sich Portugal und ganz Europa sicher nicht verstecken. Es ist schön wieder durch Europa zu rollen, nicht nur die Verkehrsschilder und die Infrastruktur sind, dank EU-Norm, vertraut. Das Sortiment der Supermärkte lockt verführerisch, gerade bei Wurstwaren und Käse scheinen wir in den letzten Monaten mangelernährt gewesen zu sein und die Delikatessen springen uns regelrecht an.

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Zelten am Atlantik. Freiheit pur.

Nachts liegen wir im Gebüsch oder in duftenden Kiefernwäldern, Hasen und Füchse rascheln durchs Unterholz, in der Ferne glitzert  beim Sonnenuntergang und 10 Stunden später beim Aufgang der Sonne der gigantische Atlantik, die Menschen sind hilfsbereit und die Autofahrer sehr respektvoll im Umgang mit Radlern und eine leckere Brotzeit findet sich ebenfalls immer, Portugal du gefällst.

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Nico mit der Altstadtkulisse Portos im Hintergrund.

Mit Porto durchfahren wir eine weitere tolle Stadt, gerade der historische Hafen und die schöne Altstadt hat uns sehr gut gefallen und es wird hoffentlich nicht unser letzter Besuch gewesen sein. Ab Porto folgen wir einem gelben Pfeil und einer Jakobsmuschel eine sicheres Zeichen, wir befinden uns auf dem portugiesischen Jakobsweg, dem „Portuguese Coastal Way“. Wir begegnen Pilgern aus aller Welt, per Rad oder zu Fuss viele Menschen machen sich auf um die berühmte spanische Pilgerstadt von Santiago de Compostela zu erreichen. Ein sehr angenehmer Schlag Mensch sind die symphatischen bunten Pilger, wir bekommen viele Geschichten erzählt und müssen nicht nur immer unsere Geschichte wiedergeben, sondern dürfen auch mal in Ruhe zuhören.

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Hola Espana. Willkommen in Galizien.

Mit Plattfuß Nr. 32 verabschiedet sich Julian von Portugal und wir überqueren wenig später den Grenzfluss „Rio Minho“ und begrüßen Spanien unser inzwischen 26. Land. Mit 24.61€ p.P./Tag war Portugal recht teuer, aber die 4 Tage in Lissabon und unser Heißhunger auf gutes portugiesisches und europäisches Essen schlugen stark zu Buche und auch auf die Figur.

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Wir folgen dem Jakobsweg nach Santiago.

Der Küsten-Jakobsweg ist traumhaft schön, da verkraftet man auch die zahlreichen Hügel und die zunehmend selbstbewusstere Sonne, welche eine enorme Power an den Tag legt. Die Tage sind heiss, die Nächte dagegen überraschend kühl und vor allem feucht. Am morgen müssen wir, dank Luftfeuchtigkeit und Nebel, unser Equipment oft nass und klamm einpacken, die ersten Stunden sind daher oft eher sehr zäh. Spanien ist definitiv eine Rennrad-Hochburg, jeden Tag sausen unzählige freundliche Sportler auf ihren ultraleichten Bikes an uns vorbei. Die Jungs sind zwar wesentlich schneller als wir, aber über unsere inzwischen 29.000 Kilometer staunen dennoch alle und wollen mehr Infos über unsere Tour und ein Erinnerungsfoto von den „loco Alemanes“!

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Immer der Muschel nach. Nur noch wenige Kilometer.

Die Räder sind, nach kleineren Wartungsarbeiten, wieder voll in der Spur und spulen ihre täglichen Kilometer ohne Probleme runter, wahrscheinlich freuen diese sich auch auf einen Ruhetag in Santiago de Compostela. Der Pilgerort rückt jedenfalls Stück für Stück näher, falls wir nicht gerade in nervigen Stadtgebieten festhängen geniessen wir die duftende Natur. Sommerwiesen, Berghänge mit diversen Kräutern, Kiefernwälder und exotische Pflanzen lösen eine wahre Geruchsexplosion aus. Der Jakobsweg führt uns jetzt im zickzack Kurs, das Kopfsteinpflaster nervt und wir wechseln hier und da auf die einfachere Schnellstraße. Es zieht sich. Doch als wir vor der Kathedrale von Santiago de Compostela stehen und einfach nur den Moment geniessen, sind alle Strapazen vergessen und Ruhe und Entspannung setzt ein.

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Santiago de Compostela.

Wir finden eine günstige Unterkunft in einer der zahlreichen Gassen, lassen uns durch die Stadt treiben, bewundern die gigantischen Bauwerke der Pilgerstadt, bestaunen die herrliche Kathedrale und kommen einfach mit Menschen aus aller Welt in Kontakt. Die Pilgerurkunde bekommen wir ausgehändigt und wir bringen unseren Blog auf den neuesten Stand, finden aber auch Zeit zum entspannen.

Die Basler-Zeitung hat einen lesenswerten Artikel über uns geschrieben, wer war schonmal mit Usain Bolt auf einer Seite zum Thema Olympia? Keiner? Wir jetzt schon, hier geht es zum Link: Basler Zeitung, 20. August 2016

Ja, ansonsten schreiben wir fleißig Emails um eventuellen Sponsoren für unser Filmprojekt zu finden. Langsam aber sicher wird das ganze Unterfangen konkreter und wir sind zuversichtlich in einigen Wochen ein Crowfunding-Trailer präsentieren zu können. Es bleibt aber, wie immer, spannend.

Den nächsten Bericht sollte es aus bereits aus Frankreich geben mal schauen was bei unserem zweiten Besuch der „Grande Nation“ alles passiert. Vorher freuen wir uns aber noch auf die spanische „Costa Verde“ bzw. auf die „Biskaya-Küste“, auch hier führt, diesmal der spanische, Jakobsweg entlang. Der „Camino de Norte“ soll sehr reizvoll aber auch sehr anstrengend sein, schau mer mal was kommt und wer uns so über den Weg spaziert.

Danke fürs lesen und einen schöne Zeit, wir wünschen einen „Buen Camino“, egal wohin der Weg auch geht bei Euch.

Mit sportlichen Grüßen aus Santiago,

Julian und Nico

Weitere Bilder gibt es in unserer Galerie.

Peru IV – Bolivien – Chile

Bolivien, Chile, Peru
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Markt in Cusco.

Bevor wir Cusco, den „Nabel der Welt“, wie die Inkas ihr Stadt nannten, wieder verlassen schlendern wir ohne konkretes Ziel in der Altstadt umher. Die riesigen Markthallen sind voller Leben, die Gassen historisch und hinter jeder Ecke gibt es etwas spannendes zu entdecken. Wir beobachten die Touristenmassen, welche scheinbar planlos und willenlos einem „Fähnchenträger“ hinterherlaufen, Gott sei Dank sind wir frei und unabhängig. Überall werden tolle Souvenirs angeboten, allerdings überlegt man sich als Radler jedes Gramm an Zusatzgewicht zweimal und widersteht den netten Marktfrauen souverän.

Bevor wir uns zum „Lago de Titicaca“ aufmachen, werden die Räder noch mit, dringend benötigten, neuen Hinterbremsen ausgestattet und die Beine mit einer, sehr schmerzhaften, Massage wieder fit gemacht.

Von Cusco bis an den Titikakasee fahren wir auf einer Hochebene, dem Altiplano, und bewegen uns konstant zwischen 3400 und 4300m, nachts fällt das Thermometer bis weit unter Null und tagsüber holen wir uns einen Sonnenbrand bei gut 30 Grad, die Temperaturunterschiede sind wirklich krass und ein ständiges an- und ausziehen der Kleidung ist die Folge.

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Ruinen von Raqchi auf dem Weg zum Pass „La Raja“.

Auf dem Weg, wir fahren den Highway 3S entlang des Rio Vilcanota, besuchen wir eine der ältesten Kirchen Südamerikas, welche durch ihre beeindruckenden Fresken auch die „Sixtinische Kapelle“ Südamerikas genannt wird, auch die zahlreichen Ruinen kommen neben der einzigartigen Natur nicht zu kurz und werden besichtigt. Wir fahren an riesigen Lama- und Alpakaherden vorbei, heisse Thermalquellen laden zum Entspannen ein, wir beobachten Viehhandel auf den Märkten und werden selber von vielen neugierigen Augen beobachtet oder um ein gemeinsames Erinnerungsfoto gebeten. Die Strecke gleicht einem riesigem antikem Freilichtmuseum, als Radler kommen wir an Orte wo der „normale Tourist“ mit dem Bus gar nicht hält, überall treffen wir auf freundliche und hilfsbereite Menschen und eine herzliche, ehrliche Kultur.

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Harte Feldarbeit mit einfachsten Mitteln.

In den Medien werden viele Länder und Kulturen oft wesentlich schlechter dargestellt als sie in Wirklichkeit sind, mit dieser Reise entgegnen wir diesen Vorurteilen, machen unsere eigene Erfahrung und uns ein eigenes Bild. Wir geben den, vorher eher grauen Ländernamen und unbekannten Orten, einen bunten, lebensfrohen eigenen Anstrich, die meisten Länder sind besser als ihr Ruf. Die einfache Bergbevölkerung arbeitet täglich, mit antiken Geräten, hart auf ihren Feldern und dies ein ganzes Leben bis der Körper nicht mehr mitspielt. Es soll Menschen in Deutschland geben welche sich über unser Gesundheits- und Sozialsystem, die wöchentliche Arbeitsstunden oder die staatlicher Unterstützung beschweren? Hier unvorstellbar!

In Peru sind bald Wahlen, überall im Land werden Hauswände, Straßen, Felsen und andere Flächen mit den Slogans der Parteien bemalt, egal wo du bist, ob in der Pampa oder in der Großstadt, keine Fläche wird ausgelassen und bunt bemalt.

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Fast an jeder freien Fläche ist Wahlwerbung angebracht.

Da die einfachen Unterkünfte in Peru mit 2-4€ p.P./Nacht recht kostengünstig sind, ersetzen diese öfters das Zelten, der ärmeren Landbevölkerung tut der Zusatzverdienst gut und uns nicht weh und so kommen wir in  intensiven Kontakt mit unseren Gastgebern und der peruanischen Kultur. Inzwischen haben wir die peruanischen Delikatessen intensiv getestet vom Lama-Geschnetzelten über Alpaka-Spieße bis hin zu Meerschweinchen haben wir inzwischen einiges an Leckereien auf den Tisch bekommen und haben die leckere peruanische Küche ausgiebig getestet.

Der „Abra la Raya“ ist mit 4335m unser bislang höchster Pass und gleichzeitig die Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik. Die Luft ist dünn und unsere Lungen pfeifen vor sich hin und das Herz arbeitet auf Hochtouren, inzwischen hat sich auch Sandro gut akklimatisiert und wir erreichen auf der gutbefahrbaren 3S den legendären Titikakasee.

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Die Luft wird dünner, wir sind auf 4335 Metern.

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Traumhafter Ausblick über den Titikakasee.

Jedes Kind kennt den höchsten beschiffbaren See der Welt, 13 x größer wie der Bodensee und auf 3808m gelegen, jetzt stehen wir mit unseren Rädern am Ufer, ein Traum geht in Erfüllung. Wir strampeln an der Küste entlang und geniessen den Blick auf den See, im Hintergrund stehen die schneebedeckten Berge der bolivianischen Anden bereit und geben unseren Fotos den letzten Touch. Die letzte Nacht schlafen wir, bei der circa 70jährigen Elba, in ihrem kolonialem Stall(!). Elba ist, laut eigener Aussage, die Enkelin des ehemaligen peruanischen Präsidenten Valentin Paniagua, nach 37 Tagen ein würdiger Abschied aus Peru. Würde jetzt noch Maria und Josef auf einem Esel vorbeireiten, wir würden es auch noch glauben, die Gegend und die einfachen Hütten haben sich die letzten 2016 Jahre wohl nicht arg verändert.

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4 Radler. Wir treffen Walt, er ist uns schon in Kanada mit seinem Rad begegnet ist.

Es geht ruck-zuck und schon haben wir den bolivianischen Stempel im Pass und betreten Land Nr. 20, im Grenzort Copacapana machen wir halt und haben einen gigantischen Sonnenuntergang am See. Dort treffen wir auch den fahrradverrückten Holländer Wolt wieder, Wolt haben wir bereits in Kanada kennengelernt und tauschen uns über Strecke und Erfahrungen aus, die Welt von weltreisenden Radlern ist klein aber fein.

Die bolivianische Seite der Titikakasees gefällt uns definitiv besser wie die peruanische, für ca. 20km fahren wir auf einer Anhöhe, unter uns glitzert der See und dahinter reihen sich die Berge der Gebirgskette „Cordillera Real“ und „Cordillera Munecas“ der Ausblick könnte auf jeder Postkarte sein und das Wetter spielt voll  mit.

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Die „Cordillera Real“, Bergspitzen mit mehr als 6000 Metern.

Die Straßen ziehen sich wie Adern, wie ein Spinnennetz, über unseren Globus, kaum zu glauben, dass wir seit Alaska einem gigantischem Straßennetz folgen, welches uns, bis auf eine Ausnahme zwischen Panama und Kolumbien, bis nach Bolivien geführt hat. Weiter geht es jedenfalls in diesem Netz auf dem Highway 2 bis nach La Paz, wo wir genau 13 Monate nach unserm Start in München Station machen. Zwischen 3600 – 4200m Höhe erstreckt sich die Millionenstadt La Paz, wieder schlendern wir durch die Gassen und beobachten das Leben in den Gassen und auf den Plätzen der Altstadt.

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Wo geht es lang? Schwierig zu verstehen.

72km hinter der Stadt machen wir, auf dem Bolivia1, unsere 23.000km voll und rollen durch die Pampa Boliviens auf der Suche nach dem grösstem Salzsee bzw. der größten Salzwüste der Welt dem „Salar de Uyuni“! Es ist brutal kalt, in der Früh starten wir oft mit Minusgraden und die Zehen und Finger sind taub vor Kälte, der Wind ist eine Wundertüte und wechselt ständig seine Richtung.

Inzwischen lachen uns die Menschen nicht mehr aus , wen wir unser Endziel Rio und damit die Olympischen Spiele 2016 nennen. In den USA, Kanada und weiten Teilen Mittelamerikas ernteten wir nur Kopfschütteln und wurden für verrückt erklärt. Jetzt liegt Brasilen ums Eck, für die Menschen hier ist dies anscheinend normal, das man nach Rio radelt, wir sind dem Ziel also sehr nahe!

Durch die klirrende Kälte liegen wir oft schon um 18Uhr in unseren Schlafsäcken und kriechen erst nach 12 Stunden raus, springen auf die Räder und kämpfen gegen die Kälte an, über 3 Wochen sind wir bereits auf knapp 4000m, viel Sauerstoff sollten wir inzwischen im Blut haben und in tieferen Gebieten müssten wir wie Raketen abgehen. Ist eine aktive Olympiateilnahme doch noch möglich?

Frustrationstoleranz, Selbstbeherrschung und Respekt scheinen in manchen Situationen ein Fremdwort zu sein, ob es an der Höhenluft liegt, an der Kälte oder an der Anstrengung, manchmal liegen die Nerven blank und es kommt zu unkontrollierten Wortgefechten, so machen wir uns den Weg selber schwer. Trotzdem setzen wir unsere Suche nach dem Salzsee unbeirrt fort, es gibt kaum Einkaufsmöglichkeiten und auch die Unterkünfte sind in Bolivien weit verstreut, und primitiv. Das bettelarme Bolivien hat ein massives Wasserproblem, geduscht wir mit eiskaltem Wasser aus dem Brunnen, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Frost ein eisiges Vergnügen. Sandro befürchtet gar seinen ersten Herzinfarkt und das mit jungen 32 Jahren.

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Vicuñas kreuzen die Strasse. Sie tragen das teuerste Fell der Welt.

Auf der Straße liegen unzählige überfahrene Hunde, die Flamingos, Emus, Lamas und Alpakas sind da eine wesentlich erfreulicherer Anblick und stehen Fotomotiv für uns in der kargen Steinlandschaft. Auch Vicuñas kreuzen unseren Weg, diese Tiere sehen aus wie Lamas, stehen unter Naturschutz und aus ihrer Wolle wird der teuerste Textilfaden der Welt gewonnen.  Die farblosen verlassenen öden Dörfer durch welche wir jetzt fahren erinnern an eine in die Jahre gekommen Westernstadt, nur das hier die Häuser aus Lehm oder Salzstein sind und die Menschen dick eingepackt in bunte Tücher sind.

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Julian auf dem „Cementerio de los trenes“, Zugfriedhof, in Uyuni.

Wir verlassen den Bolivia 1 und radeln einsam auf dem Highway 30 weiter und plötzlich liegt er vor uns der größte Salzsee der Welt! Weiss wird die beherrschende Farbe der nächsten Tage sein, Salz das beherrschende Element und Ruhe und Einsamkeit unser Begleiter. Die erste Nacht verbringen wir in einem Salzhotel am Rande des Sees, dort füllen wir unsere Vorräte auf und besuchen den „Cementerio de los trenes“, einen beeindruckenden Friedhof für ausrangierte Lokomotiven.

Die Einheimischen warnen uns vor dem unberechenbaren Wind auf dem „Salar de Uyuni“ und den derben Minusgraden in der Nacht, erst vor 2 Jahren sind 2 Radler in ihrem Zelt erfroren, ein furchtbares Schicksal. Warnung gehört, Warnung verstanden, am nächsten Tag beginnt bei -8 Grad unsere Expedition „Salzsee“!

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Salz soweit das Auge reicht. Nico folgt dem GPS.

Salz so weit das Auge blicken kann, keine Anhaltspunkte in der weissen Wüste, es ist eine faszinierender Ausflug. Wir vertrauen dem GPS, unseren Tachos, unserem Instinkt und nehmen die groben Berge in der Ferne zur Orientierung. Es ist a….kalt, trotzdem verbrennt die Höhensonne unser Gesicht, der Kontrast zwischen weissem Untergrund und blauem Himmel ist umwerfend, es entstehen viele tolle Bilder in dem wir mit der Perspektive spielen.

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Sandro balanciert auf seiner Gabel. Ein Ausgleich zum vielen Radfahren.

Nach circa 75km auf Salz erreichen wir die „Isla Inca Huasi“, dort verbringen wir eine Nacht in einer einfachen Schutzhütte, Sonnenuntergang und sternenklarer und daher äussert kalter Nachthimmel inklusive. Diese Insel ist eigentlich ein Vulkankrater in mitten des Salzsees ist ein unglaublicher Mikrokosmos, gigantische Kakteen wachsen hier in dieser lebensfeindlichen Umgebung auf 3650m, wir staunen nicht schlecht.

Am Tag 2 haben wir anfangs Rückenwind und sind daher schnell auf der anderen Seite des Sees angelangt, danach wir es furchtbar zäh und unangenehm. Hier und da überholen uns dämlich grinsende Touristen in ihren Jeeps samt Fahren und machen Fotos, wir fühlen uns wie Affen im Zoo. Aber immerhin geniessen wir die totale Freiheit und müssen uns nicht an einen Terminplan einer Agentur halten, sondern können nach Lust und Laune tun und machen was auch immer uns gerade in den Sinn kommt, ätsch!!

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Sandsturm auf dem Weg zur chilenischen Grenze. Extremer Gegenwind.

Die Strecke bis an die Grenze zu Chile ist die Hölle. Sandpiste wechselt sich mit Schotterpiste ab, wir rutschen auf den losen Steinen hin und her, der Wind entwickelt sich zum Sturm und peitscht uns Kieselsteine und Staub ins Gesicht, es fühlt sich an wie tausend kleine Nadelstiche im sonnenverbrannten Gesicht. Sandro wird von einer Magen- Darmgrippe geplagt, was unser Unterfangen nicht einfacher macht. Mit 5-8 km/h schleichen wir die 95km bis zur Grenze Chiles, zwischendurch geraten wir in einen üblen Sandsturm und die Kräfte schwinden. Obwohl sich des Wetter und die Straßenverhältnisse gegen uns verschworen haben, setzten wir uns durch und erreichen mit der Dämmerung die chilenische Grenze. Die Zöllner durchsuchen unser Gepäck wie sie Drogendealer vermuten würden, nach dieser Prozedur ist es geschafft und wir fallen in Land 21 fix und fertig in die Federn.

Mit erreichen Chiles haben wir das nördlichste Land Nordamerikas die USA/Alaska und das südlichste Land Südamerikas miteinander verbunden, was für ein gigantisches Projekt, knapp 12 Monate und etwa 21.000 liegen zwischen den beiden Ländern.

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Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Chile. Land Nr. 21.

Leider gibt es am Grenzort Ollagüe keinen Geldautomaten, der nächste ist 200km entfernt und unser Geld ist knapp bzw. aufgebraucht. Wir müssen also in den sauren Apfel beissen, den Ruhetag streichen und die Strecke ohne Pause angehen. Sandro gibt trotz Magenproblemen grünes Licht und will mitziehen. Der Wind bläst ohne Unterlass und die Strecke zeigt sich hügelig, kurvig und voller Schlaglöcher. Nach 25km ist bei Sandro Feierabend, es geht nicht weiter und wir sollen einen Transport organisieren. Kein Problem, Gesundheit geht vor, nur die Strecke ist kaum befahren und es ist ein ruhiger Sonntag. Wir haben denoch Glück im Unglück und Hugo kommt mit seinem Pritschenwagen vorbei, kurzerhand werden die Räder verladen und wir kommen in die  circa 175km entfernte Stadt Calama. Wir haben vollkommen richtig entschieden, die Strecke ist zwar schön, die Vulkane links und rechts des CH-21 stehen in Reih und Glied, aber es gibt keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Unterkünfte und der Wind kommt, wie immer, stark von Vorne. In Calama gibt es Geld und einen Ruhetag, Zeit für uns die Homepage zu aktualisieren und für Sandro sich auszukurieren. Calama gleicht einem Kulturschock, waren wir vor 2 Tagen wirklich noch in der Wüste? Hier gibt es riesige Shoppingmalls und eine Überangebot an Unterkünften, Restaurants und allen erdenklichem Luxus. Auf diesen Schock holen wir erstmal eine italienische Salami und essen deutsches Vollkornbrot, ein Stück Heimat in der Ferne. Die Räder müssen entsalzt werden, die Klamotten stehen vor Dreck und nach 17 Tagen radeln am Stück freut sich der Körper über jede Minute Auszeit und Ruhe.

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Hugo nimmt uns per Anhalter mit. Die Gesundheit geht vor.

Heute haben wir Tag 407 und stehen bei 23726km. 407 Tage sind 9768 Stunden live Kino für unsere Sinne, unser Traum von Olympia kommt unaufhaltsam näher. 2 Monate haben wir noch Zeit um nach Rio zukommen, der Countdown läuft und wir biegen langsam ein auf die „vielleicht längste Zielgerade der Welt“, etwa 4000km to go. Tickets haben wir noch immer keine für die olympischen Veranstaltungen, aber vielleicht kann ja noch jemand Abhilfe schaffen, nur her mit den Kontakten!!!

Wir hoffen bei Euch ist es wärmer als hier und wünschen eine erfolgreiche, friedliche Fussball-EM für unsere Elf in Frankreich. Jetzt wartet die Atacama-Wüste auf uns und die Räder, diese Wüste ist die trockenste und höchstgelegenste Wüste der Welt, neue Abenteuer stehen also bereit für uns und die Räder. Den nächsten Bericht sollte es aus Argentinien geben, mit einem gutem argentinischen Steak im Magen schreibt es sich gleich viel besser, wir freuen uns jedenfalls auf die Gauchos.

Mit sportlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

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Vielen Dank fürs Lesen des Blogs. Grüße aus Chile.

Peru II

Peru
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Trio wird zum Quartett. Eamonn aus Irland.

Nach unserem letzten Blog in Mancora (Peru) transformierte sich unser Trio für über 600 km zum Quartett. Eamonn unser sympathischer irischer Freund, der auf Grund seiner roten Haare und bleicheren Haut von den Einheimischen liebevoll „Gringo Rubio“ genannt wird, schliesst sich uns an und reitet mit uns durch die peruanische Wüste.

Die steinige Gegend ist furztrocken, links und rechts leben einfache Ziegenhirten und Landarbeiter in ihren Lehmhütten und arrangieren sich mit der harten Lebensbedingungen in dieser Gegend. Allerdings ist dieser Teil nur ein grober Vorgeschmack, richtig wüst wird es erst in den kommenden Tagen bzw. Wochen. Sonne und Sand soweit man schaut, kein Baum in Sicht und der Wind bläst uns mit 30 – 50 km/h frontal ins Gesicht. In den wenigen oft namenlosen Ortschaften welche wir passieren gibt es gerade mal die nötigsten Lebensmittel, auch die namenlosen Sandstrassen sind ein sicheres Zeichen, wir haben ihn gefunden, den A**** der Welt!!!

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Sand, weit und breit nix anderes zu sehen.

Am Tag 363 unserer Reisen stellen wir gleich 2 Reiserekorde auf, da es keine Übernachtungsmöglichkeiten in der „Desierto de Sechura“ (Wüste) gibt „donnern“ wir an diesem extrem windigem Tag 160km (100 Meilen) durch die Wüste, 9.33 Stunden sassen wir dafür auf unseren Rädern und erreichen fix & fertig unseren Zielort Morrope. Hin und wieder kommen wir doch in grössere Ortschaften und geniessen die bunten Märkte, die peruanische Küche und die freundlichen Menschen auf den Strassen und Plätzen, vieler Orts werden wir mit grossen Augen gemustert, als Fahrradfahrer kommt man eben an Orte, an denen noch nicht allzu viele Touristen gesehen wurden.

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Riesige Dünen säumen den Strassenrand.

Die Panamericana treibt uns weiter bolzengerade durch die Pampa und den endlosen Sand, Abwechslung fürs Auge ist hier Fehlanzeige, die Hitze schwirrt auf dem Asphalt, der Wind treibt Sandverwehungen über die Strasse und die Geier kreisen über uns, ein Szenario wie in einem Western. Die Einheimischen warnen uns vor Banditen und Überfällen auf Reisende, gerade Paijan ist als „Schurkenort“ weit bekannt, uns wird der Bus oder eine Eskorte empfohlen für diesen gefährlichen Ort bzw. diese berüchtigte Gegend. Wir entscheiden uns dagegen und kommen ohne Schwierigkeiten durch, 4 Radler auf einmal sind eben auch für peruanische Bösewichte eine Nummer zu hoch. Die Wüste ist jetzt richtig dreckig, überall wurde Müll verteilt und Geröll abgeladen, es stinkt nach Verwesung und ist vielleicht der hässlichste Abschnitt unserer bisherigen Reise.

Am letzten gemeinsamen Tag mit Eamonn feiern wir unseren 1. Geburtstag „on the road“!! 366 Tage, wir hatten Schaltjahr daher 365 + 1, rollen wir bereits durch die Weltgeschichte, an unserm Ehrentag beschenken wir uns selbst und machen die 21.000 Kilometer voll. Im Surferhotspot von Huanchaco betreibt Eamonns Cousin Ritchie das „Hostal Casa Fresh“, dort steigt unsere feucht-fröhliche Geburtstagsparty mit zahlreichen Backpackern aus allen Teilen dieser Erde.

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Feierabend Bier mit Eamonn. Am Abend steigt eine kleine 1 Jahres Party.

Nach 629 gemeinsamen Kilometern, verabschieden wir uns also wieder von unserem irren Iren und machen uns bereit für den nächsten wüsten Wüstenritt in Richtung Lima. Die riesigen Sanddünen entlang der Strasse sind jetzt wieder äusserst attraktiv und beeindruckend, auf der rechten Seite der Strasse türmen sich die Dünen und treffen auf der linken Seite auf die massiven Ausläufer der Anden. Diesen Anblick erarbeiten wir uns allerdings hart, der Schweiss fliesst in Strömen und der Gegenwind wir von Tag zu Tag massiver. 1998 (!!) hat es hier in der Gegend das letzte Mal geregnet, berichten uns die Einheimischen, Wüste pur. Wilde Hund mit gefletschten Zähne jagen uns hinterher, verbeissen sich gar in Sandros Satteltasche, der Abenteuerspielplatz Erde hat viele Facetten. Weiter gehts, die Grenze des Möglichen ist noch nicht erreicht und lässt sich bekanntlich ausdehnen. Zumindest die Panamericana (N1) ist auch in Peru in einem überraschend gutem Zustand, in der Regel gibt es genügend Platz für Verkehr und Radler und Schlaglöcher sind eine Ausnahme.

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Stadt aus Strohhüten. Keine Menschenseele weit und breit.

Wir fahren durch eine 15km lange Geisterstadt aus einfachsten Hütten, keine Menschenseele ist hier zu sehen, skurril und unheimlich. Und dann finden wir eine wahre Oase in mitten diesem Sandkasten. Clemente und seine Frau Isabel betreiben das Restaurante „La Balsa“ mitten im Nirgendwo, Fahrradfahrer übernachten und speisen hier komplett kostenlos. Über 25 Jahre bietet diese bezaubernde Ehepaar Radlern und andern Extremreisenden diesen Service, die Gästebücher sind voller Geschichten von dankbaren Menschen, welche hier übernachtet haben und königlich schlemmen durften. Für alle zukünftigen Wüstendurchquerer das Haus „Don Clemente“ mit dem Restaurante „La Balsa“ liegt bei KM 347 der Panamericana Norte und ist ein MUSS.

Noch sind es 300km bis Lima und wieder zeigt sich Peru als temperamentvolle, wilde, ungeschliffene, ungezähmte, stolze Schönheit. Wir kleben vor lauter Wind beinahe an der Strasse fest, der Sand fliegt uns um die Ohren und verpasst uns ein Peeling der unangenehmeren Art, wer Ruhe und Einsamkeit sucht ist hier genau richtig, die Föhnfrisur gibt es inklusive. Sobald wir aber in eine Ortschaft kommen, herrscht ein Hupkonzert wie nach der gewonnen Fussball- WM 2014 in deutschen Innenstädten, Autokorsos tagtäglich laut und live. Ähnlich wie bei den Hunden hilft auch gegen die rücksichtslosen, chaotischen Fahrer meist laute schwäbische Schimpftriaden, lieber laut und aufbrausend als umgefahren.

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Tretlager kaputt. Nico fährt mit dem Motorradtaxi und Bus voraus.

2 Tage bevor wir in Lima einlaufen wollen bricht Nicos Tretlagen irreparabel in alle Einzelteile. Ratlosigkeit macht sich breit, bekommen wir Ersatzteile? Wird es eine längere Pause? Kurzerhand wird Nico samt Fahrrad in einen Bus verfrachtet und nach Lima vorgeschickt in der Hoffnung in der peruanischen Hauptstadt gibt es Ersatz oder/und flinke fähige Mechaniker. Jetzt halten wir physisch und psychisch durch, soll es jetzt wirklich am Material, an der Technik scheitern?

Julian und Sandro werden von Windböen um die 50km/h weiter sandgestrahlt und kommen mit 7-10km/h nur zäh dem Etappenziel näher, die Landschaft ist unwirklich, bizarr und faszinierend zugleich. Wir fahren auf sandigen Klippen, unter uns tobt der pazifische Ozean und auf der linken Seite türmen sich kilometerweit gigantischen Sandberge. Durch die unberechenbaren Fallwinde an der Küste ist das Unfallrisiko hier scheinbar extrem hoch, wir sehen viele verunglückte LKW’s auf der engen Küstenstrasse.

So, nach 21591km erreichen wir das historische Stadtzentrum Limas, der Stadtverkehr ist absolut chaotisch und laut. Die Grenzerfahrung Wüste ist vorerst vorbei. Wir haben es überstanden! Man weiss halt erst was man kann, wenn man es probiert hat. Wir und unsere TX-1000 Räder der Fahrradmanufaktur können also auch Wüste!

Lima mit ihren 8.2 Millionen Einwohnern ist übrigens die 2. grösste Wüstenstadt der Welt und erinnert daher ein bisschen an den Wilden Westen. Historisch hat Lima einiges mitgemacht und die prachtvolle, restaurierte koloniale Innenstadt mit ihren zahlreichen Palästen, Museen, Kirchen, die majestätischen Plätze und Parks etc. laden zu einer gemütlichen Stadttour ein. Wie immer ist für uns das bunte, vielfältige, abwechslungsreiche, unberechenbare authentische Strassenleben am interessantesten und wir geniessen die radelfreie Zeit in den Gassen Limas.

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Kathedrale am Plaza de Armas in der Altstadt Limas.

Nico bekommt innerhalb von 2 Stunden nach Ankunft in Lima überraschend schnell ein neues Tretlager organisiert und eingebaut, ein Hoch auf die peruanischen Mechaniker. Die Reise kann also weitergehen. Ansonsten wird Lima zur Entspannung und zum organisieren von zahlreichen Kleinigkeiten genutzt, auch die inzwischen obligatorische Massage darf natürlich nicht fehlen. Wieder gibt es einen Abschied, den Pazifik und auch die Panamericana werden wir verlassen. Treu haben der große Teich und die legendäre Strasse uns über 19.000km von Alaska bis Lima begleitet. Für uns geht es jetzt in die Berge wo uns Cusco mit viel Kultur der Inkas und der Titicacasee erwarten. Danach geht es weiter nach Bolivien, Chile und Paraguay, Brasilien und damit unser Ziel Rio mit seinen Olympischen Spielen liegt quasi direkt „hinterm Berg“ und ist zum greifen nahe.

„König Plattfuss“ hat inzwischen die 25zig geknackt und baut seinen Vorsprung auf Sandro und Nico komfortabel auf je 10 Platten Abstand aus. Die Beiden müssen schon eine furiosen Endspurt hinlegen um Julian Platz 1 und damit die Olympische Goldmedaille noch streitig zu machen.

Unser Traum geht weiter, wir hoffen auch ihr lebt nicht nur in einer Traumwelt, sondern gestaltet diese auch aktiv. Den nächsten Bericht gibt es direkt aus den Anden.

Danke für eure Unterstützung, eure Nachrichten und Kommentare. Vielen Dank auch fürs teilen unserer Berichte auf Facebook!

Mit unverwüstlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro

Mehr Bilder sind in unserer Galerie zu finden!

Oh, wie schön ist Panama – Costa Rica II

Costa Rica, Panama

Jeder Meter leistet seinen kleinen Beitrag zu unserem ehrgeizigem Gesamtprojekt „Trio for Rio“. Der aktuelle Meter ist genauso wichtig wie der vergangene oder der kommende Meter. Am Ende, in Rio de Janeiro, ist unsere gesamte Reise zusammengesetzt aus vielen kleinen Metern, aus vielen kleinen Streckenabschnitten welche, ähnlich wie ein Mosaiksteinchen ein Bild vollkommen macht, unsere Reise zu einem Gesamtbild verhilft und bunt und einzigartig werden lässt.

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Haus eines Fischer auf der Halbinsel Nicoya.

Die letzten 2 Wochen waren voller positiver Überraschungen, tollen Begegnungen, nervigen Viren und unvorhersehbaren harten Streckenabschnitten. Wir verlassen den bezaubernden Playa del Coco, verabschieden uns von unseren Gastgebern Jim und Sina und finden uns auf dem stürmischem Highway 21 wieder, welcher uns die Nicoya-Halbinsel runterführt. Die Menschen hier in Costa Rica und später in Panama freuen sich jedesmal dermassen unser Dreigespann zusehen, dass es uns schon beinahe ein bisschen zu viel wird. Wie oft wir inzwischen „Hola“, „Hello“, „Hi“, oder „Adios Amigos“ gesagt haben, wie oft wir winken durften, den Arm zum Gruß gehoben haben oder auf einen kleinen Schwatz anhalten mussten, können wir nicht zählen, die Begeisterung ist einfach gigantisch, Kinder stellen neugierig ihre Fragen und wollen Antworten, alles sehr harmonisch und sehr authentisch. Die Autofahrer hupen uns vor lauter Euphorie manchmal beinahe von der Piste, wir bekommen Süssigkeiten, Geld, Wasser und Früchte etc. aus den Autos gereicht, tolle Gesten, einmaliges Zentralamerika. Wer bei uns  in Deutschland den Mädels hinterher pfeift gilt schnell als Prolet, hier im Herzen Zentralamerikas ist die Sachlage etwas anders, hier  wird jedem egal ob Mann oder Frau nachgepfiffen, ein Pfiff erspart auch den Gruss, daher werden wir zigmal am Tag „angepfiffen“. Andere Länder, andere (witzige) Sitten.

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Stürmische See, die Fähre kommt. Kann uns aber leider nicht mitnehmen…

Um von der Nicoya-Halbinsel wieder aufs Festland zu gelangen wollen wir eine kleine Fähre nehmen, es stürmt wie die Hölle und beim Anlegen kracht die Fähre dermassen auf den Pier, dass dieser danach zerstört ist und der Hafen seinen Betrieb einstellen muss. Ja, da stehen wir dumm da, man kann sich einfach auf kein anderes Verkehrsmittel wie das gute, alte und stets treue Fahrrad verlassen. Nach einer 30km Schotterpistenfahrt gelangen wir zu einer anderen Fähre, welche uns am Abend sicher aufs Festland nach Puntarenas bringt.

Der Küstenhighway 34 ist Anfangs noch bergig, später wird er komplett flach und sogar der Wind unterstütz uns und bläst sanft von hinten. Begleitet von grossen Piratenpapageien geht es vorbei an wunderbaren Stränden wie der „Playa Hermosa“ oder der „Playa Dominical“, wo wir unsere Zelte direkt am Pazifik aufschlagen und ein zauberhaftes Strandambiente vorfinden, ein Traum nicht nur für Surfer und Sonnenanbeter. Aber nicht nur die Palmenstrände in Costa Rica begeistern, auch unsere Lager am Rande des Regenwaldes/Dschungels haben ihren Reiz, i.d.R. finden wir immer einen einladenden Fluss oder gastfreundliche Menschen welche uns im Vorgarten übernachten lassen.

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Wir zelten am Playa Hermosa.

Nach gut 300 Tagen auf den Strassen dieser Welt sind wir inzwischen absolute Experten was Zelt- und dazugehörige Badeplätze anbelangt. Aufbauen, schlafen, abbauen und unser komplettes Equipment wieder auf die zuverlässigen TX-1000 Räder der Fahrradmanufaktur verfrachten ist nach einer solangen Zeitspanne absolut Routine und jeder Handgriff sitzt. In der Zwischenzeit passen wir an wilden Badestellen allerdings vermehrt auf, von den zahlreichen Krokodilen welche sich an den Flussufern tummeln wollen wir keinem allzu nah kommen. Es war eine gute Entscheidung, die heimatliche Komfortzone vor gut 10 Monaten zu verlassen, das Leben spielt sich draussen ab und nicht vor dem Fernseher, der Spielekonsole oder dem Computer. Der erste Schritt ist der wichtigste, alles andere kommt von alleine. Schnapp dir ein Fahrrad und zieh los! Wir brauchen so wenig zum leben, reduzier dich und beschränke dich auf das nötigste zumindest für eine Weile, es lohnt sich.

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Nicht nur wir baden gerne in Flüssen. Hier in Costa Rica gibt es unzählige Krokodile.

Ja, was die Krokodile nicht geschafft haben, haben die Moskitos hinbekommen. Irgendwo sind Sandro und Julian zu ihren Opfern geworden und die nächsten Tage waren mit Schüttelfrost, Gliederschmerzen und Fieberträumen die reinste Quälerei. Denque-Fieber und Zika-Virus lassen grüßen, nur einen effektiven Schutz vor den schwirrenden Quälgeistern gibt es leider nicht, wir können uns ja schlecht 24 Stunden verkriechen. Da die Temperaturen auch in der Nacht nicht unter 27°C fallen und die Durchlüftung in den Zelten eher wenig effektiv ist, zogen sich die Tage lange hin, erst nach 4-5 Tagen war der Spuck vorbei und die Tage wurden wieder leichter. Wenn einer eine Reise tut….

Eine grosse Überraschung kommt aus der schwäbischen Heimat, unsere Eltern besuchen uns Anfang April auf den Galapagosinseln, eine feine Sache. wir freuen uns sehr auf die 8 gemeinsamen Tage im Naturparadies Ecuadors mit euch, damit haben wir nicht gerechnet.

Nach 11 Tagen verlassen wir Costa Rica und sind voller Begeisterung für dieses Land, unglaublich schöne, abwechslungsreiche Natur, viel Platz für Aktivitäten und tolle Strände um die Seele baumeln zu lassen. Wären die Preise nicht ganz so hoch, würde Costa Rica mit Sicherheit ganz vorne auf unserer Länderliste stehen. Mit 12.46€ p.P/Tag haben wir die Kosten zwar kleingehalten, haben aber auch sehr einfach gelebt und z.B. nie für Übernachtungen gezahlt und auch Restaurantbesuche wurden komplett eingestellt.

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In Costa Rica gibt es viele Papageien.

Eure Zahlungen an die GEZ könnt ihr übrigens mit gutem Gewissen einstellen!! Wir haben, wie im letztem Bericht erwähnt, einige Anfragen an die ARD und ZDF gesendet um über die beiden Sender, welche immerhin live von den Olympischen Spielen berichten werden, eventuell in die Wettkampfarenen zu gelangen. Von 15 Emails kam nichts zurück, ausser irgendwelchen unpersönlichen Standardabsagen, enttäuschend.

Die Enttäuschung hält allerdings nicht lange an! Eine Email der Deutschen Sport Marketing Agentur findet den Weg in unser Postfach und wir werden offiziell ins Deutsche Haus, in den Barra Blue Beach Club, in Rio de Janeiro während den Olympischen Spielen eingeladen!!!! Wir sind also mittendrin im Treffpunkt der deutschen Athleten und freuen uns auf Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft, Politik und Entertainment im Herzen Rios. Danke an Frau Nadine Lehr und an den DOSB für das weiterleiten unserer Email, wir freuen uns sehr auf unseren gemeinsamen „Treffpunkt Rio“!

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Gegenwind, breite Strassen. Zur Abwechslung ist es hier aber mal flach.

Bis Rio ist es allerdings noch ein weiter Weg, doch beflügelt mit diesem  neuem Highlight, dem Besuch des Deutschen Hauses in Rio, fahren wir, nach genau 17.000km, über die Grenze nach Panama, unserem Land Nr. 16. Wer kennt ihn nicht den Kinderbuchklassiker „Oh, wie schön ist Panama“ von Janosch, wo der kleine Bär, der kleine Tiger und dessen Tigerente auf der Suche nachdem Glück sind? Und jetzt sind wir also in Panama und geniessen das letzte Land auf zentralamerikanischen Boden. Panama wird als das Land des Gegenwindes, zahlreicher Hügel und super ausgebauten Strassen lange in unseren Erinnerungen bleiben.

Die letzten Tage bis Panama City waren sehr zäh und lang, allerdings spürten wir auch noch die Nachwehen unserer Viruserkrankung und waren nicht voller Energie und Konzentration, am Abend fallen wir daher fix und fertig in unsere Zelte.

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Von der Isar, Neckar, Themse bis an den Panama Kanal.

Gestern am Tag 302 unserer Reise haben wir also den Panamakanal überquert, gut 17556Km liegen zwischen der bayrischen Isar bzw. zwischen unserem schwäbischen Neckar und dem weltberühmten Kanal von Panama, wir haben nach 973 Stunden im Sattel eine Verbindung hergestellt, auf dem Fahrrad wohlgemerkt!!! Da uns der Gedanke, den Panamakanal auf dem Fahrrad überquert zu haben so begeistert, überqueren wir ihn gleich nochmals, sicher ist sicher. Jetzt haben wir eine Überquerung an der „Puente de Centenario“ und der „Puente de las Americas“ zu Buche stehen. Den Eintritt für die Schleusen des Kanals sparren wir uns allerdings, mit 15U$ p.P. der absolute Wucher, sollten die Betreiber an ihrem Geld ersticken und Pauschaltouristen abzocken, ein TrioforRio spielt da nicht mit.

Noch bevor wir in Panama City im Hostel, El Machico, einchecken, zischt Julians Schlauch zum neunzehnten Mal!!!! Die Goldmedaille ist ihm bis Rio kaum noch zu entreissen, Nico und Sandro liegen beide bereits 6 Plattfüsse zurück.

Heute geniessen wir einen Ruhetag in Downtown Panama City, das Zentrum ist äusserst modern und steht anderen Weltmetropolen ins nichts nach. Aber auch historisch muss sich Panama City nicht verstecken, die kleinen Viertel sind fein rausgeputzt und sind stolze Zeugen einer vergangenen, prächtigen Zeit mit oder ohne spanischer Kolonialherren.

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Julian, Sandro und Nico in Panama City.

Noch knapp 120 Kilometer werden wir in Panama auf unseren Rädern sitzen bevor wir 5 Tage ins karibische Meer stechen und den Fluch der Karibik neu verfilmen. 5 Tage schippern wir also auf einem kleinem Segelboot von Carti/Panama nach Cartagena/Kolumbien und umgehen somit den „Darien-Gap“, welches für Radfahrer unpassierbar ist und wir durch die karibische See segeln „müssen“, wir haben es auch nicht leicht.

Bis bald auf südamerikanischen Boden, Columbia is calling!

Sonnige Grüße aus Panama City,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.