Ecuador II – Galapagos-Inseln – Peru

Ecuador, Peru

Die Vorfreude auf unseren „Urlaub vom Urlaub“ und damit der Besuch auf den Galapagos-Inseln und das Zusammentreffen mit unseren Eltern ist gross. Unsere 7 Sachen sind schnell gepackt, die Räder sicher verstaut und Körper & Geist sehnen sich nach Ruhe und Erholung. Nach einer ausgiebigen nächtlichen Stadttour durch Guayaquil mit Lulu, der Nichte von unseren Gastgebern vor Ort, hebt der Flieger ab und bringt uns sicher ins Naturparadies Ecuadors.

Pelikane.

Flamingos.

Wir landen auf der Flughafeninsel „Isla Batra“ und reisen mit Bus, Boot und Pickup weiter auf die Hauptinsel „Isla Santa Cruz“, wo wir uns im Fischerort „Puerto Ayora“ ein Hostel nehmen. Schon am ersten Abend bekommen wir einen Eindruck was uns die nächsten Tage erwartet, selbst das Hafenwasser ist kristallklar und wir werden von Seelöwen, Pelikanen, Drachenechsen, Schildkröten & Co. begrüsst. Die nächsten Tage wandeln wir auf Charles Darwins Spuren, besuchen die gleichnamige Research Station und versuchen die Arbeit des britischen Naturforschers zu verstehen. Er gilt, auch heute noch, wegen seiner wesentlichen Beiträge zur Evolutionstheorie als einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler überhaupt, Geschichte pur. An den weißen Sandstränden der „Playa Tortuga“ und „Playa El Garrapatero“ steht zwar der Badespass im Pazifik an erster Stelle, aber auch hier kommen wir mit dem Wildlife eng in Kontakt. Allgemein kommen wir den Tieren verblüffend nah, da die Tiere auf den Galapagos Inseln keine natürlichen Feinde haben. Auch der Mensch wird nicht als Feind wahrgenommen, die Tiere halten keine Fluchtdistanz, wie es z.B. auf Safaris in Afrika der Fall ist. Es hat beinahe den Anschein die Tiere beobachten den Menschen und nicht umgekehrt, die Tiere haben sich der Natur perfekt angepasst und manchmal sind diese, dank ihrer perfekten Tarnung, erst auf den zweiten Blick auszumachen. Da die Inseln sehr isoliert liegen, ist die Flora und Fauna absolut einzigartig. Zudem herrschen einmalige Umwelt- und Wetterbedingungen, einfach ein traumhaftes Fleckchen Erde.

Nico und Julians Eltern zu Besuch auf den Galapagosinseln.

Nico und Julians Eltern zu Besuch auf den Galapagosinseln.

Vater springt wie ein junger Hund in die Fluten des Pazifiks, Mutter übt sich fleissig als Fotografin und wir geniessen zusammen den Augenblick und die Ruhe. Für den Moment gibt es keinen Ort an welchem wir jetzt lieber wären.

Diese Schildkröte ist ca. 150 Jahre alt.

Diese Schildkröte ist ca. 150 Jahre alt.

Erst besuchen wir die mächtigen Riesenschildkröten (Tortugas Gigantes) im „Reserva El Chato“, welche teilweise weit über 200 Jahre auf dem Buckel haben, danach robben wir durch die unterirdischen Lavatunnels (Los Tunnels), welche 20m unter der Erde liegen und bis zu 600m lang sind. In der Mittagshitze springen wir in den Krater „Las Grietas“, das kühle Wasser der Badeschlucht ist bei der Hitze eine absolute Wohltat. Erst als die „Isla Santa Cruz“ ausgiebig erkundet ist geht es mit dem Boot für ein paar Tage auf die Nachbarinsel „Isla Isabela“.

Las Grietas. Eine tolle Abkühlung in der Mittagshitze.

Las Grietas. Eine tolle Abkühlung in der Mittagshitze.

Blaufusstölpel auf Isla Isabel.

Blaufusstölpel auf Isla Isabel.

„Isla Isabela“ ist zwar die grösste der Galapagos-Inseln, aber weniger bewohnt und daher noch ruhiger und natürlicher. Die Sandstrassen und das einfache gemütliche Leben strahlen eine tolle Urlaubsatmosphäre aus und die vielen Tiere, welche überall anzutreffen sind, machen diesen charmanten, paradiesischen Ort zu einer Oase. Wir wohnen im Örtchen „Puerto Villamil“, dieser eignet sich perfekt für unsere zahlreichen Expeditionen an die vielen Strände und ins wilde Hinterland. Auch hier wimmelt es vor Drachenechsen, Flamingos, Seelöwen, Pelikanen, Krebsen, Rochen, Land- und Wasserschildkröten, Haien, bunten Vögel wie den blaufüssigen „Boobies“ und Darwins Finken etc., langsam gehen uns die Superlative für dieses Naturparadies aus. Bei unseren zahlreichen Schnorcheltrips fühlen wir uns wie in einem gigantischen Aquarium, wir schwimmen mit Schildkröten, Haien, Stachelrochen & Co. Vor lauter farbenfrohem Leben unter und über Wasser geht das Zeitgefühl komplett verloren und die Tiefenentspannung übernimmt spätestens jetzt den Takt. Auch unsere Strandwanderungen und Spaziergänge ins Hinterland  z.B. in die Zuchtstation für Landschildkröten oder der „Wall of Tears“ sind die 120U$ Eintritt, welcher für den Besuch der Galapagos-Inseln fällig wird, und den eher teuren Flug absolut wert. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, auf der einen Seite gibt es Lavagestein mit einsamen Kakteen auf der anderen Seite große, saftigen Wälder, welche an lichte Maienwälder erinnern, die fantastischen Strände nicht zu vergessen.

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Drachenechsen wo man hinschaut!

Unsere Reise ist ein Traum wie aus 1001 Nacht, wir schwimmen weiter auf einer tollen Welle und schreiben kräftig an einem einmaligen Kapitel unserer eigenen Geschichte. Die Geschichte unseres Planeten schreibt man nicht mal eben um, unserer eigenen Story können wir aber jederzeit neue, unvergessliche und spannende Zeilen hinzufügen.

Die letzten 2 Tage auf den Galapagos-Inseln werden die Füsse nochmals hochgelegt, damit wir wieder frisch in den Sattel kommen. Knapp 3 1/2 Monate sind es noch bis Rio, 3 1/2 Monate in den es noch mal gilt sich mit den Marotten der jeweils beiden Anderen zu arrangieren um unser gemeinsames Teamziel zu erreichen, ausgeruht für den letzten großen Abschnitt sollten wir jedenfalls sein, Körper und Geist fühlen sich bereit!! Weniger bereit zeigt sich der DFB, den Fussballbund hatten wir auch angeschrieben ob wir eventuell Tickets für das Olympische-Fussballturnier bekommen könnten. Ausser eine unpersönlich Standardabsage und ein Verweis auf eine Ticketagentur, haben die Damen und Herren sich keinen Zacken aus der schwarz-rot-goldenen Krone gebrochen. Wirklich schade!

Zurück in Guayaquil und damit auf dem ecuadorianischen Festland, heisst es Abschiedsnehmen. Mutter und Vater ziehen weiter Richtung Kolumbien, Mexiko und Kuba und wir suchen unseren Weg nach Peru. Danke, die Zeit mit Euch war ein Traum.

Auf dem Highway E-25 gibt es ein kleines Highlight, nach 20037km haben wir genau die Hälfte des Erdumfangs abgeradelt, eine halbe Weltreise also (der gesamte Erdumfang beträgt, laut Wikipedia, circa 40074km).

E25. Auf der Panamericana nach Peru.

E25. Auf der Panamericana nach Peru.

Es geht flach in Richtung Peru, schnell sind da Kilometer gemacht, links und recht leisten uns weiter riesige Bananen- und Kakaoplantagen Gesellschaft. Als wir am vorletzten Abend an einem Strassenimbiss sitzen und das einfache ecuadorianische Dorfleben geniessen wollen, wackelt die Erde. Ecuador verabschiedet sich mit dem stärksten Erdbeben seit 1979, dieses hat knapp 300 Todesopfer und zahlreiche Verletzte gefordert und war mit einer Stärke von 7.8 auf der Richterskala verheerend, in zahlreichen Provinzen musste Katastrophenalarm ausgerufen werden. Wir hatten Glück im Unglück, in unserer Region wackelte „nur“ die Erde für 30-45 Sekunden, danach war der Strom weg, aber ansonsten hielten sich die Schäden in Grenzen. Ein komisches Gefühl, wer schon einmal auf einer Hüpfburg für Kinder war, kann sich das wackelige Gefühl vielleicht am ehesten vorstellen. Für uns bleibt nur zu hoffen, dass die Opferzahl nicht weiter steigt und sich die Erde wieder beruhigt hat und die nächsten Überraschungen wieder von positiver Natur sind.

Nach 23 abwechslungsreichen Tagen in Ecuador verabschieden wir uns, 27.73€ p.P./Tag haben wir benötigt, der exklusive Aufenthalt auf den Galapagos-Inseln hat unser Tagesbudget etwas strapaziert, war aber jeden Cent wert. Danke Ecuador, Hola Peru!!!

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Peru. Land Nr. 19 auf unserer Fahrradtour.

Ruck-Zuck haben wir die nötigen Stempel im Pass und Peru heisst uns als 19tes Land unserer Reise am Tag 358 willkommen. Mit einem traumhaften und klarem Panoramablick auf die Anden geht es auf dem Highway 1A (Panamericana Norte) gemütlich dahin. Wie die geborenen Asphaltcowboys cruisen wir die Pazifikküste entlang, eigentlich ist alles perfekt, bis Julians Schaltung den Geist aufgibt. Ein gerissener Schaltzug und nix geht mehr!  Mit einem Motorradtaxi werden Ersatzteile besorgt, danach müssen wir uns ins komplizierte Rohloff-System reindenken, wir fummeln und basteln über 5 Stunden zusammen in der größten peruanischen Mittagshitze, erst am Abend steht der „Bock“ wieder einsatzbereit auf der Straße. Gutes Teamwork, jetzt können die Anden wieder kommen. Jeder Tag ist unberechenbar und meistens kommt es sowieso komplett anders wie gedacht!

Mancora ist ein beliebter und sehr lebhafter Backpackerort direkt am kilometerlangen Sandstrand gelegen, dort treffen wir auf unseren irischen Freund Eamonn. Eamonn haben wir in den Bergen Kolumbiens kennengelernt und für die nächsten circa 600km wird unser Trio nun zum Quartett, Eamonn wird uns die nächsten Tage begleiten.

Unser großes Abenteuer geniessen wir übrigens mit durchschnittlich 18.21km/h (Stand 20.04.2016). Unsere Gesamtkilometer belaufen sich inzwischen auf 20401km für diese sassen wir 1120.44 Stunden im Sattel, daraus resultiert unsere Durchschnittsgeschwindigkeit. Mit 18.21 Km/h um die Welt, die große Freiheit geniesst man eher gemütlich, die Welt ist schon schnelllebig und hektisch genug.

Danke für Eure zahlreichen Nachrichten zu unserem Wohlbefinden nach dem Erdbeben in Ecuador.  Wir hoffen das Aprilwetter in der Heimat wechselt bald in Sonnenschein pur. Wir melden uns in 14 Tagen wieder, bis dahin sollten wir die peruanische Hauptstadt Lima erobert haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Guatemala – El Salvador – Honduras und Nicaragua

El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua
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Castillo de San Felipe auf dem Lago de Itzabel.

Das Länderpunktekonto rasselte in den letzten Wochen gehörig, inzwischen sind wir in Nicaragua und damit in Land Nr. 14 angekommen. Aber jetzt machen wir erstmal einen Sprung zurück nach Guatemala und zu unserem letzten Update in Rio Dulce. Bevor wir aufbrachen machten wir noch eine kleine Bootstour über den Lago de Itzabal, immerhin einer der grössten Seen in Zentralamerika, wir bestaunten dabei die Festung Castillo de San Felipe, welche von den spanischen Kolonialherren erbaut wurde um die berüchtigten britischen Piraten fernzuhalten, Geschichte pur.

Mit blitzblank geputzten Rädern machen wir uns auf den Weg um Zentralamerika weiter gründlich zu erobern und um unserer eigenen Geschichte weitere Kapitel hinzuzufügen. Die Strassen in Guatemala sind sehr befahren, tausende Trucks mit geisteskranken Fahrern brettern an uns vorbei um den nahen Containerhafen von Puerto Barrios zu erreichen, dort beginnt eine lange Schiffsfahrt für all die Container in alle Erdteile dieser Welt. Wir werden eingestaubt und von oben bis unten mit Abgasen eingedeckt, über die VW Abgasaffäre können die Leute hier nur lachen, nichts weiter als ein Kinderfurz, jeden Abend brennen uns gewaltig die Augen und die Klamotten triefen vor Schmutz. Die Bananen welche ihr in der letzten Wochen im Supermarkt gekauft habt, sind vor knapp 14 Tagen an uns vorbeigesaust, bei der nächsten Banane könnt ihr also gerne an uns denken.

Wir fahren durch ein herrliches, breites Tal mit viel Wald und genügend Zeltmöglichkeiten, am Strassenrand werden uns die tollsten exotischen Früchte und andere Leckerbissen, manchmal auch Riesenechsen, angeboten. Vor noch nicht all zu langer Zeit fuhren wir durch die dichten Wälder Alaskas und Kanadas jetzt, gut 7 Monate später, fahren wir durch riesige Bananenplantagen in Guatemala. All diese verschiedenen Regionen und Kulturen sind mit einer Strasse verbunden welche wir mit eigener Kraft abgeradelt sind, manchmal müssen wir uns selbst klar machen, das dies unsere Geschichte ist und wir uns mittendrin befinden und nicht träumen.

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Rodurico möchte uns im Auto mitnehmen, wir lehnen ab und geniessen die lange Bergabfahrt.

Auf dem Weg nach El Salvador müssen wir mehrere Bergpassagen und etliche Höhenmeter überwinden, es ist eine Quälerei und der Wind zeigt sich dabei wenig hilfsbereit. Da wir uns noch immer auf der karibischen Seite befinden, sind nicht nur die Nächte schwül, auch die Tage sind extrem schweißtreibend, wir trinken daher locker unsere 6-8 Liter Wasser am Tag, aber die scheinen zu verdampfen, Pinkelpausen legen wir jedenfalls kaum ein. Je höher wir kommen umso mehr reden die Einheimischen, vielleicht liegt es an der Höhenluft oder am Mangel an Gesprächspartner. Aber Olga und Rodurico schwafeln uns ewig zu, anscheinend muss der komplette Wortschatz raus, jeder Gedanke welcher sich irgendwann mal angesammelt hat wird uns erzählt. Letztendlich müssen wir versprechen die Beiden in unserem Blog zu erwähnen, hätten wir dies nicht getan würden wir vermutlich heute noch in den Bergen Guatemalas mit glühenden Ohren festsitzen. Die Zeltplätze in den Bergen sind traumhaft, die Strassen überraschend gut und so kommen wir an der Grenze zu El Salvador, im Städtchen San Cristobal, an.

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Zelten am Fluss bei Asuncion Mita.

Ja, da war doch noch was! Richtig, wir sind illegal nach Guatemala eingereist und bei den Zöllnern an der Grenze beginnt ein 2-tägiger Affenzirkus. Die Kurzfassung: Wir dürfen nicht ausreisen und daher auch nicht weiter nach El Salvador, anfangs scheint es so, als ob das Problem vor Ort gelöst werden kann, dem ist nicht so. Nach 2 Stunden Hickhack sitzen wir in einem buntem, klapprigen Bus nach Guatemala City, dort sollen wir uns beim „Service de

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„Offiziell“ in Guatemala. Nun können wir ausreisen.

Migration“ den nötigen Stempel holen. Hört sich recht einfach an, isses aber nicht. Am nächsten Tag beginnt eine 5-stündige bürokratische Lehrstunde für uns. Wir schmieren den Wachmann damit wir in der Schlange vorne stehen dürfen, das hätten wir uns aber auch sparen können. Wir werden von Schalter zu Schalter geschickt, von Etage zu Etage, entweder bekommen wir ein Kopfschütteln oder werden zum vorigem Schalter zurückgeschickt. Wir rennen zum Kopiermann und zur Kasse, müssen warten und wieder zum Kopiermann, zahlen eine Strafgebühr von 27€ für illegales Einreisen und müssen wieder 2 Stunden warten, zwischendurch haben wir jeder 15 Papiere in der Hand und keinen Plan für was die genau sind. Ein Irrenhaus ohne Ausgang, gehen eigentlich alle Amtsmitarbeiter auf der ganzen Welt auf die gleiche Beklopptenschule? Egal ob du in München zum KVR gehst und dich Frau Kleingeist bedient oder hier in Guatemala, wenn der Beamte nicht will, will er nicht. Naja, nach einem aufregenden Vormittag im Spinnennetz der guatemalischen Bürokratie haben wir den notwendigen Stempel. Ohne Nico’s Spanischkenntnisse wären wir, nicht nur hier, oft ziemlich aufgeschmissen und würden dumm aus der Wäsche schauen.

Am selben Nachmittag bringt uns der Bus zurück an die Grenze, 24 Stunden nach dem ersten Einreiseversuch klappt der Zweite problemlos und wir dürfen Land nur 12 und damit El Salvador erkunden.

Durch El Salvador und Honduras wollen wir relativ schnell durch, das haben wir vorher besprochen. Beide Länder haben mit die höchste Mord – und Kriminalitätsrate der Welt, für 100$ geschehen hier Morde, das Auswärtigeamt warnt vor beiden Ländern gleichermassen. Nicht nur Reisende, sondern auch Einheimische empfehlen uns nach 17Uhr nicht auf der Strasse zu sein. Wir hören von tödlichen Messerstechereien und sehen tragische tödliche Autounfälle,

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Wir campen bei Kikke im Garten und geniessen den Sonnenuntergang.

dennoch haben beide Länder was sehr herzliches. Nicht nur die Natur, mit ihren zahlreichen Vulkanen und Sandstränden, weiss zu begeistern auch die Einheimischen haben einen tollen Charme und winken uns freudig zu, erklären uns geduldig den Weg, lassen uns im Garten campen, reparieren unserer Räder kostenlos und sind dankbare Zuhörer unserer Geschichten. Auch die inzwischen obligatorischen „Go Gringo Go“ Rufe kommen von Herzen und beflügeln uns. Auf der anderen Seite sind die Leute hier bewaffnet wir im Bürgerkrieg, überall sehen wir Pistolen, Pumpguns und andere Handfeuerwaffen, die obligatorische Machete findet sich beinahe bei jedem Mann und erscheint hier eher harmlos. Beide Länder haben definitiv zwei Gesichter.

Mit El Salvador, Honduras und später Nicaragua bereisen wir wieder die Pazifikseite, die Nächte sind angenehm kühl, tagsüber erreichen wir dennoch schon gegen 10 Uhr die 38°C bei einer eher trockenen Hitze. Die Strassenverhältnisse in beiden Ländern sind überraschend gut, die vielen Tierkadaver und der brennende Müll im Strassengraben fallen dagegen negativ ins Auge.

Manchmal fühlen wir uns wie Skifahrer des Riesenslaloms, ständig müssen wir Glasscherben, zerfetzten Autoreifen oder anderen spitzen Dingen ausweichen, ein Wunder das unsere Reifen nicht öfters zischen und geflickt werden müssen. Julian führt übrigens unsere Plattfußstatistik weiter souverän mit 16 Platten an und ist damit, dank seiner risikofreudigen Fahrweise, auf olympischen Goldkurs vor Sandro (13) welcher sich mit Nico (12) eine heisses Rennen um die Silbermedaille liefert. Auch unsere Ausgaben von 18.11€ p.P./Tag in Guatemala (inklusive Strafgebühr), 10.30€ in El Salvador und 13.25€ in Honduras wollen wir hier, für alle Statistikfreunde, erwähnen, wir liegen damit im grünen Bereich.

Vorbei an weltberühmten Surfstränden, wie dem „Playa El Tunco“, dort finden die jährlichen zentralamerikanische Surfmeisterschaften statt und einzigartigen Vulkanlagunen geht es über Honduras, auf der original Panamericanaroute, nach Nicaragua.

Jedes Land, jeder Meter, jeder Augenblick ist so schnell unwiderruflich vorbei. Wir fahren und beobachten und schon steht der nächste Tag bereit, wir versuchen den Moment zu geniessen, doch auch der gehört gleich wieder der Vergangenheit an. Es ist ein tolles Gefühl im Zelt zu liegen, den Grillen bei ihren abendlichen Konzerten zu zuhören, den Tag Revue passieren zu lassen, von krähenden Hähnen geweckt zu werden. Die Spannung zu spüren, ob heute Nacht alles ruhig bleibt? Kommt jemand vorbei? Einfach das echte Leben hautnah und live zu spüren.

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Vulkan San Cristobal in Nicaragua.

Jetzt sind wir also in Nicaragua, dem Land mit der weltweit grössten Kakao-Produktion, das Länderpunktekonto steht bei Land Nr. 14 erstmal still, die Waffen sind verschwunden, Nicaragua macht einen sicheren und sauberen Eindruck. Der pazifische Feuerring, so wird die Vulkankette genannt, welche sich durch Zentralamerika zieht, sticht auch hier eindrucksvoll hervor. Die Landschaft könnte auch eine Steppenlandschaft im Afrikas Osten sein, nur die grossen, wilden Tiere fehlen. Dafür holpern Ochsengespanne über die Strassen und Cowboys treiben ihre Rinder auf die Weiden. Da die politische Situation hier stabiler wirkt, wie in El Salvador und Honduras, sind die Menschen hier scheinbar sorgloser, gemütlicher und schauen  zuversichtlicher in die Zukunft.

Heute am, 27.01.2016, sind wir exakt 9 Monate unterwegs, passend zu unserem kleinem Jubiläum haben wir gestern Abend die 16.000km voll gemacht. Wahnsinn, 16.000km sind genau 10.000 Meilen und entsprechen der Luftlinie Deutschland -Australien. 9 Monate Abenteuer, 9 Monate Leben pur und noch viele werden folgen.

Da die Preise hier relativ gering sind und das Nachbarland Costa Rica wieder teurer werden soll, werden wir uns für Nicaragua etwas mehr Zeit nehmen und den ein oder anderen Tag am Strand oder am Nicaraguasee verbringen.

Eine Email an den DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) blieb leider unbeantwortet, wir dachten als „die Jungs mit der interessantesten und längsten Anreise“ hätten wir gute Chancen auf vergünstigte oder gar kostenlose Tickets für die Spiele in Rio. Leider sind die Damen und Herren anscheinend nicht so angetan von unserer Anfrage und blieben uns eine Antwort schuldig. Falls jemand, jemanden kennt, der jemanden kennt mit Kontakten, einfach bei uns melden, danke. Trotzdem gilt für uns das Motto „Dabei sein ist alles!“ und Stück für Stück, Meter für Meter kommen wir, mit unseren unverwüstlichen Rädern der Fahrradmanufaktur, dem olympischen Traum täglich näher.

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Julian, Nico und Sandro.

Unseren Sonderbericht von letzter Woche, „Trio vor ungewisser Zukunft!!!“ haben eventuell einige von euch gelesen, wir danken für das Feedback und arbeiten weiter am gemeinsamen Zieleinlauf. Wir reisen noch zusammen und versuchen Kompromisse zu finden und Absprachen zu treffen.

Euch nur das Beste.

Grüße aus Leon in Nicaragua,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Die letzte „Fiesta Mexicana“ – karibisches Belize und ein illegaler Aufenthalt

Belize, Guatemala, Mexiko

So, die Feiertage sind überstanden und das komplette Trio ist gut ins Jahr 2016 gerutscht. Nico und Sandro verbrachten den Jahreswechsel im äusserst touristischem und feierwütigem Playa del Carmen, bei Julian im beschaulicherem Tulum ging es vermutlich besonnener ins neue Jahr. In Tulum bekamen wir auch unsere dringend benötigten Ersatzteile, unser Vorrat an Mänteln, Schläuchen und Flickzeug dürfte jedenfalls bis Brasilien reichen, danke Sabrina fürs organisieren und sorry für 15kg Übergepäck. Der Hausstrand von Tulum zählt übrigens, laut National Geographic, zu den Top 25 Stränden der Welt, eignet sich daher hervorragend zum entspannen und baden. Nach 3 Tagen faulenzen am weissem Sandstrand und angenehmen Wassertemperaturen bei karibischen Flair hiess es allerdings Abschied nehmen, die Urlaubstage sind endgültig vorbei, jetzt wird wieder gestrampelt.

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On the road again. Wir treffen zwei Kanadier die mit dem Moped bis Panama unterwegs sind.

Die ersten Tage auf dem Rad sind, dank flacher Landschaft, sehr angenehm und perfekt wieder den gewohnten Takt zu finden. In Bacalar feiern wir die letzte „Fiesta Mexicana“, nach 71 Tagen in Mexico sind wir bereit für neue Länder und auf der Suche nach neuen Wegen ins Herz von Zentralamerika. Da wir in Mexiko den zahlreichen Schlemmerständen am Strassenrand und den billigen Unterkünften selten widerstehen konnten, sind unsere durchschnittlichen Tagesausgaben mit 21.15€ p.P. etwas höher wie in den vorigen Ländern, aber einen gewissen Luxus konnten und wollten wir uns nicht verkneifen, Ersatzteile und der Flug nach Havanna/Kuba sind dort allerdings auch mit eingerechnet.

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Belize. Ab jetzt wird Englisch gesprochen.

Am Grenzübergang zu Belize werden unsere, gerade gekauften, Bananen beanstandet und dürfen nicht eingeführt werden, so stehen 3 deutsche Radler in der Zollstation und mampfen kiloweise Bananen, die Grenzbeamten finden es nur teilweise witzig, lachen aber letztendlich über die 3 Affen auf ihren Bikes.

Belize überrascht uns mit gesalzenen Preisen, nicht nur die Unterkünfte, sondern auch die Lebensmittel sind extrem teuer. Für uns heisst es daher „back to the basics“, Zelt und Gaskocher sind schnell ausgepackt und Nudeln mit Tomatensauce sind auch hier erschwinglich. Mit 11.50€ p.P. sind unser Ausgaben in Belize am Ende wieder auf einem normalem Level angelangt. Nicht nur die gepflegten Vorgärten und die englische Hauptsprache erinnert an die Kolonialzeit unter britischer Krone, nein, auch die Queen lacht weiterhin freundlich von den Dollarscheinen und auch die Landbevölkerung ist „very britisch“ und überaus gastfreundlich.

Am zweiten Tag schlagen wir unsere Zelte im Yachthafen von Belize City auf, jetzt geht alles Schlag auf Schlag. Spontan werden wir von Robert und seiner Bootscrew

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Robert (orange) und seine Crew.

eingeladen, einen Tagestrip auf die „Rendezvous“-Insel mitzumachen. Am nächsten Tag geht es also raus auf die Miniinsel, welche im zweit grösstem Riff der Welt liegt, nur das Great-Barrier-Riff in Australien ist größer. Wir schnorcheln, haben ein dickes BBQ und jede Menge Spass und müssen dafür keinen Cent berappen. Die traumhafte Insel misst gerade mal circa 120m x 30m, ist aber auch beliebtes Ausflugsziel bei zahlreichen Kreuzfahrtanbietern, so kommt am Nachmittag die AIDA-Crew mit circa 120 deutschen Touristen vorbei. Wir müssen unsere Trio-for-Rio Geschichte gefühlte tausendmal erzählen und haben danach viele neue Pauschaltouristenfreunde gewonnen und einen perfekten karibischen Tag erleben dürfen.

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Schnorchelausflug! Einen Tag relaxen.

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Belize-Outback. Wir fühlen uns wie im Herzen Australiens.

Der Coastal-Highway ist eine 60km lange Schottenpiste und wir fühlen uns wie im australischen Outback, rote Erde, saftige grüne Natur und blauer Himmel, ein toller Kontrast. Wir und unsere Räder werden kräftig geschüttelt, Härtetest für Mensch und Equipment. Wir kommen an zahlreichen Flüssen vorbei, bei extrem schwülen Temperaturen macht jeder Sprung ins kalte Nass doppelt Spass und auch unsere Zeltplätze sind nah am Wasser gewählt, atemberaubende Glühwürmchenpartys inklusive. Vorbei an riesigen Bananenplantagen fahren wir auf die Halbinsel Placencia Lagoon und dort kommen wir aus dem staunen kaum raus. Traumhafte Strände, Zeltplätze

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Zelten im Yachthafen von Old Belize.

direkt am Meer, karibische Leichtigkeit und tolle Menschen überall, Belize ist top. Nur die zahlreichen Sandflöhe und das oft wechselnde Wetter in der Karibik kratzen etwas am Paradies. Aber wäre alles perfekt nicht auch langweilig? Gibts das überhaupt? Ob die Halbinsel ihren Charme behalten kann ist ohnehin fraglich, zahlreiche Bauprojekte sind gerade dabei, das Tropenparadies zu asphaltieren und damit wird der Reiz und die Schönheit, der kleinen Lagunenoase, nachhaltig zerstört.

Dank der vielen Kiefern, der endlos langen Strasse und den Bergen im Hintergrund fühlen wir uns an unserm letzten Tag in Belize etwas an Alaska bzw. Kanada erinnert. Da wir nicht über den Wasserweg ausreisen wollen, entscheiden wir uns für den eher komplizierteren Landweg. Zwar kann uns keiner sagen, ob der kleine Grenzübergang zwischen Belize und Guatemala besetzt ist oder nicht, trotzdem wollen wir es versuchen. Anfangs ist die Strasse in einem einwandfreien Zustand, erst kurz vor der Grenze wird die Strasse enger, hügeliger und endet schliesslich in einem Trampelpfad. Einige Soldaten schauen uns etwas verdutzt an, halten uns jedoch nicht auf, so tragen und schieben wir unserer Räder über Matschfelder und schmale Wege bis wir schliesslich

Grenzübergang Belize-Guatemala

Grenzübergang zwischen Belize und Guatemala.

vor einem kleinem Stacheldrahtzaun stehen. Auch der Zaun ist letztlich schnell überwunden, herzlich willkommen in Guatemala. Unser Problem ist nur wir haben kein Ausreisestempel aus Belize und keinen Einreisestempel für Guatemala, illegale Einwanderer in einem zentralamerikanischen Land, mit diesem Status hätte vor dieser Reise auch keiner von uns gerechnet. Am nächsten Tag knacken wir in Guatemala, auf dem Highway CA13, die 15.000km und suchen artig ein Polizeirevier auf um unseren Status abzuändern. Aber auch hier kann uns keiner einen Stempel in den Pass drücken oder weiterhelfen, wir müssen also auf einen gnädigen Beamten bei der Ausreise nach El Salvador hoffen. Als am Abend auch noch die Geldautomaten streiken, fühlen wir uns wirklich wie illegale, mittellose Flüchtlinge in einem fremden Land.

Ansonsten ist auch in Guatemala der Himmel da wo er sein sollte. Schwerkraft gibt es auch. Wasser ist nass. Hunde jagen uns nach. Menschen atmen. Menschen lieben. Menschen essen und trinken. Menschen schlafen. Menschen glauben. Menschen zeigen Gefühle. Menschen arbeiten. Menschen spielen und Menschen müssen aufs Klo oder hintern Busch. Die elementaren Dinge scheinen weltweit gleich zu sein. Stubenfliegen wurden übrigens auch schon gesichtet, gibts die wirklich weltweit?

Bedanken wollen wir uns noch bei unserem Sponsor Goalzero, zu Weihnachten gab es neue Musikboxen samt Zubehör, dank Euch geht es jetzt wieder mit Musik auf den Ohren Richtung Rio de Janeiro. Olympia wir kommen.

Es bleibt sportlich und  spannend.

Viele Grüße die 3 illegalen aus Guatemala,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.