Argentinien II – Paraguay – Brasilien I

Argentinien, Brasilien, Paraguay
Immer geradeaus. Keine Kurve in Sicht.

Pampa! Immer geradeaus. Keine Kurve in Sicht.

Unser „Pippi-Langstrumpf-Leben“ geht kunterbunt und abenteuerlich weiter, Pippi macht ja schliesslich auch was ihr gefällt. Die argentinische Pampa führt uns vorbei an gigantischen Mais- Weizen- und Baumwollfeldern welche sich bis zum Horizont erstrecken. Auch die endlosen Rinderweiden mit ihren wiederkäuenden Bewohnern können sich sehen lassen, an manchen Tagen fahren wir kilometerlang am selben Zaun entlang. Noch auf dem Highway „RN-16“ machen wir unsere 25.000km voll, der zunehmende Verkehr und der fehlende Seitenstreifen trüben dieses Jubiläum ein wenig. Aufmerksamkeit ist gefragt, gerade die LKW’s schieben uns oft in den Graben oder hupen bis die Ohren dröhnen. Am wievielten toten Hund wir auf unserer Reise schon vorbeigefahren sind? Wir wissen es selbst nicht, aber über 1000 (!!!) dürften es in dieser traurigen Statistik inzwischen doch sein. Leichen pflastern unseren Weg, andere Tierarten erhöhen die Zahl der toten Tiere natürlich noch deutlich.

Toller Zeltplatz in der Nähe einer Tankstelle.

Toller Zeltplatz in der Nähe einer Tankstelle.

Die vielen PKW’s und Trucks haben natürlich auch ihren Vorteil und ihre witzigen Seiten, oft wird das Fenster runtergekurbelt und wir werden mit Obst, Getränken und netten Gesprächen versorgt. Truckfahrer bremsen uns aus, steigen aus und wollen Selfies mit uns und das mitten im Berufsverkehr, verrückte Welt in Argentinien. Tankstellen sind unsere bevorzugten Zeltplätze, i.d.R. gibt es hier Wasser und eine Wiese, manchmal Wifi und der Tankwart hört gespannt unseren Erzählungen zu. Auch in unseren Träumen ist das Fahrrad, in welcher Form auch immer, präsent. Wer solange auf dem Rad sitzt wie wir, dem spielt das Unterbewusstsein gerne Streiche, immer wieder werden Situationen aus unserem Radalltag in unsere Träume äusserst realistische eingearbeitet.

Die Strasse geht tagein tagaus geradeaus, am Tag 9 in der Pampa kommt dann die Sensation!! Eine Kurve!!  Eine richtige, echte Kurve!! Unglaublich, wir biegen scharf links ab und fahren auf dem „RN-11“ weiter, dieser führt uns ohne Umwege in Richtung Paraguay.

Unbeirrt setzen wir unseren Weg bzw. „die längste Anreise ever-ever“ zum berühmtesten Strand der Welt, zur brasilianischen Copacabana fort. An manchen Tagen gehen wir mit der Dämmerung um 18Uhr ins Bett und sind erstaunt wie schnell 12 Stunden Nachtruhe vorbei sein können, aber Körper & Geist fordern ihre Auszeit und brauchen nach einem langem, schweisstreibendem Tag bei höchster Konzentration Ruhe und Entspannung.

Dauerregen in Argentinien. Unsere Zelte stehen unter Wasser.

Dauerregen in Argentinien. Unsere Zelte stehen unter Wasser.

Wir fahren an der argentinisch-paraguayischen Grenze entlang, nur noch der “Rio Paraguay“ trennt uns von unserem Reiseland Nr. 23. Das Wetter wird kurz vor Paraguay immer schlechter, starker Regen verwandelt unsere Zeltplätze in Schlammbäder und zerrt kräftig an den Nerven. In den Nächten werde wir von Donner & Blitz aufgeschreckt, an manchen Tagen halten unsere Zelte den sintflutartigen Regenmassen nicht stand und gleichen einem Swimmingpool. Da wir durch ein gigantisches Sumpfgebiet fahren, begegnen wir mit Störchen, Schlangen, Fröschen und abertausenden Moskitos auch den Bewohnern dieser Feuchtgebiete. Der Lärm der immer nahen Straße und Donner & Blitz sind hier für die Gute-Nacht-Geschichten zuständig und lassen sich jeden Abend bzw. jede Nacht etwas neues einfallen. Auf die Kilometerangaben und geschätzten Entfernungen der Einheimischen ist nach wie vor absolut kein Verlass, selbst die Polizei ist in dieser Hinsicht kein zuverlässiger „Freund und Helfer“, manche Menschen verschätzen sich wirklich irrwitzig.

Paraguay. Land Nr. 23!

Adios Argentina. Hola Paraguay.

Nach 16 Tagen verabschiedet Argentinien uns mit Trauer, Messi tritt gleichzeitig aus der argentinischen Fussball-Nationalmannschaft zurück und wir verlassen ebenfalls das Land, das Wetter zeigt sich zu diesem Anlass nass und grau. Die Hauptstadt von Land Nr. 23 und damit Asuncion und Paraguay erleben wir bieder und fahl, dieser Eindruck ändert sich auch nicht mehr. An der Stadtgrenze lernen wir allerdings Tim und Jakob kennen, einen jungen deutschen Auswanderer und einen Auswanderer in der 3 Generation. Tim lädt uns für 3 Nächte in sein Haus ein und zeigt uns seine Hood, wir erhalten einmalige Eindrücke ins Leben der Paraguayer und bekommen reizende Seen, wilde Tiere und historische Orte von Tim gezeigt. Doch nicht alles bieder und fahl hier! Paraguay zeigt sich als „Auswanderand“ von Deutschen, auch Jakobs Familie wanderte vor 195 Jahren aus Deutschland aus um in Südamerika ein neues Leben zu beginnen. Bevor wir uns von Tim und Jakob verabschieden werden wir ins Restaurant „Oktoberfest“ eingeladen und wir schlemmen wie die Könige. Kartoffelsalat, Sauerkraut, Spätzle, Bratkartoffeln, Blaukraut, Rollbraten, Schnitzel, Geschnetzeltes, Apfelkuchen, Weissbier etc. etc. unser Gaumen ist im 7. Himmel. Danke Tim, danke Jakob!

Vielen Dank an Tim und Jacob für den tollen Abend im Restaurant "Oktoberfest"!

Vielen Dank an Tim und Jacob für den tollen Abend im Restaurant „Oktoberfest“!

Der Highway 2 führt uns weiter zielsicher Richtung Brasilien, überall treffen wir auf begeisterte Menschen und werden nicht nur zum obligatorischen „Mate-Tee“ eingeladen (ohne den geht in Paraguay absolut gar nix!!), sondern dürfen unsere Zelte in den Vorgärten aufbauen. So auch bei Christian aus Österreich welcher vor 30 Jahren auswanderte und jetzt die Pizzeria „Wienerwald“ betreibt und eine köstliche Pizza mitten im Niemandsland anbietet. Christian hat viele Geschichten aus seiner alten Heimat Österreich und seiner Wahlheimat Paraguay auf Lager, ein klassischer bunter Hund.

Mittagspause am Fluss. Wer sieht den Julian?

Mittagspause am Fluss. Wer sieht den Julian?

Die Natur ist tropisch, saftig und grün und auch das Wetter spielt wieder mit, an herrlichen Flüssen verbringen wir unsere Mittagspausen und ein kleines Nickerchen in den Hängematten rundet die Siesta standesgemäss ab. Der Wind kommt von vorne und ein Hügel reiht sich an den Nächsten, die Räder scheinen auf dem Asphalt zu kleben, immerhin gibt es am Strassenrand viel zu sehen und so vergessen wir die Zeit. Das Paraguayische Landleben ist sehr bunt, überall sehen wir Ochsengespanne, Männer die im Wald oder auf den Feldern arbeiten, Kinder die einem Ball nachjagen, Schulkinder welche uns grüßen und freundlich winken, Arbeiter bei einer „Mate-Tee“-Pause, Frauen welche Essen am Straßenrand anbieten und vieles, vieles mehr, eine Reise durch ein Bilderbuch eben.

Argentinien, Brasilien und Paraguay grenzen hier aneinander.

Argentinien, Brasilien und Paraguay grenzen hier aneinander.

Die hügelige Achterbahnfahrt zieht sich bis an die brasilianische Grenze und am 434 Tag erreichen wir tatsächlich unser Zielland Brasilien. Allerdings reisen wir nach 90 Minuten schon wieder aus und es geht am „3-Ländereck“ direkt zurück nach Argentinien. Warum? Die berühmten Wasserfälle von Iguazu, die „Cataratas de Iguazu“ sind von der argentinischen Seite besser zusehen und noch beindruckender. Wir bereisen also mit Paraguay, Brasilien und Argentinien gleich 3 Länder an einem Tag, wieder ein neuer Reiserekord. Im „Parque Nacional Iguazu“ besuchen wir die weltberühmten Wasserfälle uns sind von dem gigantischen Naturspektakel stark beeindruckt. Jetzt haben unsere Augen schon einiges gesehen und sind oft „satt“, irgendwann ist der hundertste Wasserfall nichts besonderes mehr, die tausendste Kirche oder Ruine nichts einmaliges mehr und verzaubert nur noch gering, aber…

Iguazú-Wasserfälle.

Iguazú-Wasserfälle.

…aber die Wasserfälle von Iguazu sind eine Augenweide, mein lieber Mann. Ein absolutes Highlight auf unserer Reise, Traumwasserfälle. Das Wetter spielt uns bei strahlendem Sonnenschein voll in die Karten und danke der südamerikanischen Winterzeit sind eher wenige Touristen vor Ort. Als der Park schliesst, schleichen wir uns, verbotenerweise, in die Büsche. Die Geräuschkulisse der nahen Wasserfälle und das quaken, piepen, zirpen, kreischen und rascheln aus den Büschen lässt uns mitten im grünem Dschungel ruhig schlafen, toller Tag.

Vorsicht Jaguars!

Vorsicht Jaguars!

Eine giftige Korallenschlange.

Eine giftige Korallenschlange.

Der Highway 101 ist eine typische Lehmstraße im Dschungel, wir rutschen hin und her und müssen höllisch aufpassen um Stürzte zu vermeiden. Diese Straße führt uns endgültig nach Brasilien und treibt uns mit ihren auf und abs beinahe in die Verzweiflung. Den heimischen Jaguar haben wir nicht zu Gesicht bekommen, dafür zeigen sich Riesentukane und andere bunte Paradiesvögel, auch Schlangen bekommen wir sehr nah vor die Kamera. Erst als wir die Schlangenbilder Einheimischen zeigen, wird uns bewusst, dass wir uns bis auf wenige Zentimeter einer der giftigsten Schlangen Südamerikas genähert haben. Glück gehabt. Urwald pur! Dschungel live! Noch in Argentinien machen wir unsere 26000km voll und verabschieden uns so erneut von unseren Gaucho Freunden. In unserer letzten Nacht in Argentinien, wir zelten 200m vor der Grenze zu Brasilien, will uns ein Räuber bestehlen. Der Langfinger schultert spät nach Mitternacht Sandros abgeschlossenes Fahrrad und will sich davon machen. Wir stürmen alle 3, wie auf Kommando, mit einem ohrenbetäubendem Gebrüll aus den Zelten und verscheuchen den Dieb, welcher geschockt das Rad fallen lässt und nur mit Sandros Schuhen in der Dunkelheit verschwindet. Wieder Glück gehabt! Mit 13.39€ p.P./Tag in Argentinien und 9.93€ p.P./Tag in Paraguay zählen beide Länder zu den günstigsten unserer Reise, campen in der Natur spart eben enorm Geld.

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Brasilien. 26043 km. Weiter gehts…

So, nach 436 Tagen und 26043 Kilometer erreichen wir, dieses Mal nicht nur für 90 Minuten und mit allen 3 Fahrrädern unterm Hintern, Brasilien. Wir haben es tatsächlich geschafft und uns unseren Traum erfüllt, wir sind von Deutschland nach Brasilien geradelt, Wahnsinn!! Alles, wirklich alles ist machbar! Brasilien war unser Ziel und jetzt sind wir da, glauben können wir es noch nicht und bis wir begreifen was wir geschafft haben gehen wohl noch einige Jahre und zahlreiche Geschichten ins Land. Genau einen Monat vor dem Start der Olympischen Spiele erreichen wir also Brasilien, noch haben wir knapp 2500km vor uns um den Austragungsort Rio zu erreichen. Ein kräftiges aber dennoch machbares Ziel für die nächsten Wochen. Die Goldmedaille in unserer Plattfußstatistik ist Julian mit 30 Löchern nicht mehr zu nehmen, Sandro (18) und Nico (15) sind einfach zu weit entfernt. Ein hart erarbeitetes goldenes Edelmetall für Julian, der anscheinend kaum einen Nagel oder eine Scherbe ausgelassen hat. Wer den Schaden hat….

Bisher zeigt sich Brasilien sehr hügelig.

Bisher zeigt sich Brasilien sehr hügelig.

Die nächsten circa 600km suchen wir unseren Weg nach Porto Alegre im Süden des Landes und damit an den Atlantik, dieser wird dann für die letzten circa 1700km bis Rio unser Begleiter sein. Brasilien empfängt uns gleich mal hügelig und erinnert etwas an die italienische Toskana, wo ein Hügel aufhört beginnt der nächste. Wer bei Brasilien gleich an die Copacabana, exotische Drinks, rassige Strandschönheiten, Pele und Samba denkt, dem sei gleich gesagt, dass Brasilien auch anders sein kann. Gleich in der ersten Nacht wird unser Zelt beinahe von den Regenmassen weggespült, der nächste Tag ist nass, grau und kalt, auf manchen Straßen kommen wir vor lauter Schlamm kaum voran und sehen am Abend aus wie Wildschweine nach dem suhlen. Der „BR-163“ ist noch gut asphaltiert, nach dem Überqueren des „Rio Uruguay“ folgt der „BR-386“, dieser ist z.T. eine übel vom Regen aufgeweichte Piste, die Räder blockieren vor lauter Matsch und Dreck und müssen geschoben oder gar getragen werden. Willkommen in Brasilien, wieder verändert sich unser Weltbild.

Schlammpiste. Die Reifen blockieren.

Sandro steckt im Schlamm fest. Die Reifen blockieren. Er muss schieben.

Inzwischen haben wir uns selbst eine Unterkunft in Rio organisiert und sicher gebucht, bei Wilma und ihrer Tochter Kelly können wir im Herzen Rio’s recht kostengünstig leben. Das Olympiastadion ist nur einen Steinwurf entfernt und auch die Nähe zu Copacabana lässt keine Wünsche offen.

An dieser Stelle wollen wir uns bei Thomas aus Bremen bedanken. Thomas verfolgt sehr aufmerksam unseren Blog und hat uns das Ferienhaus seiner Familie etwas ausserhalb von Rio angeboten. Dieses tolle Angebot werden wir während den Spielen mit Sicherheit für einige Tage annehmen. Danke Thomas, super Geschichte!!

Heute. Kilometerstand 26217, sind wir in Frederico Westphalen angekommen und warten, im wahrsten Sinne, auf besser Wetter. Zumindest haben wir hier Zeit und Platz für diesen Bericht, Wäsche und Zelt können in Ruhe trocknen und die Räder müssen komplett entschlammt werden.

Vielen Dank fürs lesen der Berichte und eure Unterstützung!! Danke auch fürs teilen von unseren Beiträgen auf Facebook & Co. Ihr habt noch Tickets für die Olympischen Spiele in der Hinterhand? Nur keine Scheu, wir beissen nicht und sind dankbare Abnehmer.

Mit sportlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder der letzten 14 Tage sind in unser Galerie.

Nicaragua Teil 2 & Costa Rica

Costa Rica, Nicaragua

Wieder sind 2 Wochen wie im Flug vergangen, wieder haben wir allerhand erlebt, viel gesehen und haben dabei kräftig für unser Ziel geschwitzt, aber auch chillige Pausentage am Pazifik und am Nicaraguasee eingelegt. Manchmal wundern wir uns, wie schnell die Zeit verrennt. Jetzt ist bereits Februar 2016 und wir sind exakt 288 Tage unterwegs, haben dabei 16.488km zurückgelegt und saßen geschlagene 916 Stunden im Sattel. In knapp  6 Monaten steigt also die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, noch gut 10.000km trennen uns von unserem Ziel und dem diesjährigem olympischen Motto „Paixao e Transformacao – Leidenschaft und Transformation“.

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Nico und die Kathedrale von Leon.

Unser letztes Update war in Leon/Nicaragua, dort treffen wir erstaunlich viele Backpacker, Nicaragua lockt mit toller unberührter Natur, vielen Outdooraktivitäten, faszinierenden Menschen, delikatem Essen, Sauberkeit und Sicherheit, dass alles bei einem sehr gutem Preis- Leistungsniveau . Nur die Geldautomaten sind nicht unsere besten Freunde, in Leon versagen reihenweise die Kreditkarten, von wegen „die Welt spricht Visa“, wenn der Automaten einen schlechten Tag hat, spricht er rein gar nix und spuckt die Karte einfach stumm aus. Komischerweise bekommen wir über die Maestro-Karte doch noch Geld, telefonieren mit den Lieben in der Heimat, beantworten Emails und schwingen uns wieder auf unsere treuen Räder und strampeln auf dem Highway 12 gen Süden, der Pazifik wartet. Bevor wir aber die Beine hochlegen und am Strand das süsse Leben geniessen dürfen, warten noch einige schweisstreibende, abenteuerliche Kilometer auf uns. Wir schlafen an tollen Flüssen und lauschen in der Nacht dem rauschten Wassers und schlummern ein mit der beruhigenden Melodie der Natur im Hintergrund, aufwachen tun wir meist von alleine, in der Regel bellt immer irgendwo ein Hund, kräht ein Hahn, grunzt ein Schwein oder es sind die Frauen der nahen Dörfer, welche ihre Wäsche im Fluss waschen.

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In Nicaragua fährt jede Sau mit dem Fahrrad.

Auch in Nicaragua ist das Fahrrad ein sehr beliebtes Fortbewegungs- und Transportmittel, egal wo auf der Welt, überall sehen wir Menschen auf ihren Rädern, ob als Sport- oder Arbeitsgerät eine herzliche Liebe zum gutem, altem Drahtesel brennt anscheinend überall. 30 Kilometer geht es über holpriges Kopfsteinpflaster und staubige Schottenpisten an den Pazifik, wir werden bei 40 Grad ordentlich geschüttelt und eingestaubt, am Ende sehen wir aus wie die Wilden ehe wir in Pochomil den Pazifik erreichen.

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Julian und Sandro versorgen einen verletzten Affen.

Die Strände sind endlos und einsam, wir stärken uns mit, für ganz Zentralamerika typischen Reis- und Bohnengerichten und  bekommen einen „Geheimtip“ und machen uns daher auf um zur ca. 100 Kilometer entfernten „Playa Gigante“ zu gelangen. Anfangs ist die Schotterpiste noch gut befahrbar, es kommen uns vereinzelt Autos und Fahrräder entgegen und wir kommen einigermassen gut voran. Als der Weg immer schmaler wird, wir die Räder über Stacheldrahtzäune hieven müssen und wir vor lauter Gestrüpp und Bäumen keinen Weg mehr sehen, uns die Beine an Dornen aufritzen, das Trinkwasser knapp wird und uns sogar die Affen in den Bäumen höhnisch auslachen, machen wir uns Gedanken was wir hier gerade eigentlich veranstalten. Wir finden ein verletztes Affenbaby, versorgen es mit Keksen, Wasser und einem Schattenplatz und irgendwann finden wir auch wieder einen breiteren Weg. Fahrradfahren ist auch hier allerdings nur mit Einschränkungen möglich, Matschfelder, Flussbeete, dicke Felsen, sandiger Untergrund, ausgewaschene Abschnitte, Gegenwind und enorme Hitze machen diesen Weg zum abenteuerlichsten der kompletten Reise. Als wir aus dem Dschungel kommen schauen uns die Einheimischen argwöhnische an, viele Touristen scheinen hier noch nicht rausgekommen zu sein, wir haben es geschafft und kommen dementsprechend durstig und fix & fertig an der „Playa Giganten“ an.

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3 Tage abhängen am Playa Gigante.

Dort ist das Glück aber gleich wieder auf unserer Seite, wir treffen John, einen Amerikaner, welcher hier ein Hostel und ein Restaurant betreibt, er ist selbst begeistertere Radler und wir dürfen kostenlos die nächsten 3 Tage in seinem Haus wohnen. Uns wurde nicht zu viel versprochen, der Strand ist ein Traum, dass Meer einladend und der kleine Ort liegt malerisch in der Bucht. Es gibt genügend Rückzugsmöglichkeiten und auch die eine oder andere Bar um sich mit anderen Reisenden auszutauschen, ein perfekter Ort um die Seele baumeln zulassen. Am nächsten Tag werden wir auf eine Segeltour eingeladen, springen von Felsen, tauschen in Höhlen, geniessen einen einmaligen Sonnenuntergang auf See und schlürfen den ein oder andern Cocktail an Board.  Apropos segeln, inzwischen haben wir unser Segelboot gebucht welches uns Ende Februar von Panama nach Kolumbien bringen wird, 5 Tage in der karibischen See warten auf uns. Die sogenannte „Darien-Gap“ muss umschifft werden, da es keine durchgehenden Strasse zwischen Panama nach Kolumbien gibt. Da wir eh in Buchungsstimmung waren, haben wir es uns nicht nehmen lassen einen Flug auf die Galapagos Inseln, für 8 Tage im April, als Highlight mit in unsere Reise einzubauen. Ja, uns ging es nicht schlecht in der Traumbucht der Playa Gigante, 2 Tage später werden die treuen Räder gesattelt und es geht zum nahem Nicaraguasee.

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3 Tage Radfahren, Vulkan Maderas besteigen, Kajakfahren und Ausruhen auf der Insel Ometepe.

Eine kleine Fähre bringt uns auf die Vulkaninsel Isla de Ometepe mitten im gigantischem Nicaraguasee, dieser ist 16x grösser als der heimische Bodensee und hat viel Naturspektakel zu bieten, die Flora und Fauna ist, wie in ganz Zentralamerika überwältigend. Wir fahren einmal mit den Rädern um die Insel, machen eine Kajaktour, besuchen die Mineralquelle „Ojo de Aqua“ und besteigen den Vulkan „Maderas“ mit immerhin 1345m. In dessen Krater befindet sich eine traumhafte Lagune, aus Sicherheitsgründen verzichten wir aber auf ein Bad und steigen brav wieder ab um am Abend, nach 19km wandern, am

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Wir zelten am Nicaraguasee mit Blick auf den Vulkan Concepcion..

Seeufer zu zelten und die Beine hoch zu legen. Mit einen gigantischen Blick auf den „Volcan Concepcion“ (1610m), welcher gemütlich vor sich hin raucht und dem See direkt vor uns, geniessen wir den Abend und einen weiteren malerischen Sonnenuntergang, mehr Postkartenaussicht geht einfach nicht. Am nächsten morgen bringt uns „Che Guevara“, so heisst die Fähre, zurück aufs Festland.

Wir verlassen Nicaragua, mit 16.70€ p.P./Tag ein günstiges Land, und reisen in Costa Rica ein, unserem Land Nr. 15. Die Einreise ist rasch und schon nach wenigen Minuten haben wir den nötigen Stempel im Pass. Wir freuen uns immer über „richtige“ Stempel, sieht toll aus und ist nicht nur eine elektronische, unpersönliche Registrierung. Costa Rica hat gesalzene Preise, Hola die Waldfee! Alleine für Spaghetti mit Tomatensosse wird man im Supermarkt arm, kein europäisches Land und auch nicht Kanada und die USA hatten so enorme Preise wie Costa Rica. In Kanada lernten wir bereits im Juli 2015 Jim uns Sina kennen und diese Begegnung war ein Volltreffer. Die beiden sind nicht nur äusserst sympathisch sondern haben auch eine Ferienhaus an der „Playa del Coco“, um den kanadischen Winter zu entkommen sind die beiden gerade zufällig in Costa Rica und laden uns, via Facebook, für 4 Nächte in ihr Haus ein. Wir kämpfen uns den Highway 1 und einige Nebenstrassen entlang, der unberechenbare Seitenwind schiebt uns einige Male in den Graben bevor wir in Playa der Coco ankommen.

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3 Tage Pause am Playa del Coco in Costa Rica.

Jim und Sina stellen uns eine traumhafte Unterkunft, kein Wunder das Madonna und der Bacardi-Besitzer in den Hügeln ihre Villen haben, Bacardi-Feeling live und wir, mal wieder per Zufall, mittendrin. Da wir unseren normalen Fahrradtakt im Blut haben und i.d.R. mit der Dämmerung ins Bett gehen und recht bald aufstehen, schaffen wir es auch hier nicht länger wie 21h die Augen offen zuhalten und nutzen die weichen Matratzen und den Komfort eines Hauses aus.

Die Trockenheit gepaart mit Hitze und Wind lässt die Hügel um Playa del Coco immer wieder brennen, aber die Menschen bleiben ruhig, brennende Hügel scheinen normal in dieser Gegend zu sein. Der Zika-Virus beschäftigt die Menschen hier in Zentralamerika wesentlich mehr, der über Moskitos übertragene Virus führt zu Lähmungen und starkem Fieber. Inzwischen haben wir einige Menschen getroffen, welche 2-3 Wochen ans Bett gefesselt waren bzw. ihre Reise abbrechen mussten. Naja, uns geht es gut und mehr als aufpassen können wir eh nicht. Wir nutzen die Pause und bringen unser Equipment auf Vordermann, die Rucksäcke und vor allem die Schlafsäcke brauchten dringend mal wieder eine Wäsche, auch Postkarten konnten wir in Ruhe schreiben und in alle möglichen Ecken dieser Welt schicken.

Gestern „mussten“ wir noch das Super Bowl Finale anschauen, warum sich die Amerikaner und Kanadier ein so langweilige Sportart wie Football anschauen, bleibt uns allerdings ein grosses Rätsel.

Wir haben weiterhin probiert an Tickets für Olympia zu kommen, inzwischen haben wir mal die Damen und Herren von ARD, ZDF und diverse andere Landesrundfunkanstalten angeschrieben, mal schauen ob wir eine positive Rückmeldung bekommen und nicht nur an kommerzielle Anbieter weiterverwiesen werden.

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Holztransport in Zentralamerika.

Morgen gehts weiter, unser nächstes Ziel ist Panama, wo uns, wie erwähnt, ein kleines Segelboot am 26.2.2016 gemütlich über die San Blas Inseln, welche im karibischen Meer an der Küste Panamas liegen, nach Kolumbien schippern wird. Unser Trio ist weiter vereint und dies wird hoffentlich ohne größere Zwischenfälle auch so bleiben.

Euch noch einen schönen (Rest-) Karneval in der Heimat und eine milden Frühling.

Mit sonnigen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder gibt es in unserer Galerie.

Kuba – im Oldtimer zurück in die Zukunft mit Rum und Zigarre

Kuba

Wir melden uns nun offiziell zurück, der kubanische Weihnachtsurlaub war ein Zeitreise in die 50-60ziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und eine Entspannungsoase für Körper und Geist.

Cubana Air bringt uns also, gut 2 Wochen vor Weihnachten, in einer alten russischen Tupolev Maschine und nach circa 50 Flugminuten sicher von Mexiko in die kubanische Hauptstadt Havanna. Sandro zieht auf eigene Faust los und erkundet Kuba für sich, erst beim Rückflug ist das Trio wieder zusammen. Nico und Julian berichten also exklusiv.

Die ersten Erkundungsspaziergänge lassen uns staunen, nicht nur die zahlreichen alten Strassenkreuzer faszinieren, es ist der gesamte kubanisch Lifestyle welcher in

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Erster Eindruck von Havanna.

der ganzen Stadt bzw. auf der gesamten Insel vibriert. Kuba ist bunt, Frauen sitzen in ihren Schaukelstühlen vor ihren Häusern, Männer spielen stundenlang Domino und rauchen dabei Zigarren und kippen billigen weißen Rum, Kutscher transportieren ihre Waren oder Gäste von A nach B, Kinder lassen Drachensteigen und rennen um die Wette, Fahrradtaxis streiten um Kunden, Oldtimer blassen dicke Abgaswolken aus, Bauern treiben ihre Ochsengespanne über die Äcker und verkaufen ihre Ernte am Strassenrand. Kuba ist jedenfalls weit mehr wie nur Palmen, Zuckerrohr, Revolution und packende Rhythmen, Kuba gleicht einem tropischem Garten Eden und will entdeckt werden. Apropos entdecken: Christoph Kolumbus entdeckte Kuba am 27.10.1492 erstmals, irrtümlich hielt es es für Japan soll aber gleich dem einzigartigem Charme der Insel erlegen sein.

Das kommunistische Land ist voller Geheimnisse und Widersprüche, die Lebensfreude und Spontanität der Inselbewohner sucht seinesgleichen. Privates Unternehmertun war bis vor ein paar Jahren untersagt, diese Beschränkungen werden allerdings weiter gelockert. Kubaner dürfen jetzt z.B. Zimmer an Ausländer vermieten, diese „Casa Particulars“ sind recht günstig und sind im ganzem Land ausreichend verbreitet. Die kubanische Küche ist hingegen eher wenig kreativ, Reis mit Bohnen bekommt man überall, ausgefallene Gerichte kommen eher aus anderen Breitengraden dieser Erde. Geschäfte sind oft sehr spärlich ausgestattet und es bilden sich oft längere Warteschlangen um die gewünschten Produkte zu bekommen sollte man jedenfalls Zeit mitbringen und Spontanität, da es von manchen Dingen

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In Kuba herrscht Gelassenheit.

einfach eher wenig gibt. Kubaner stellen sich gerne an, auch vor Ticketschaltern und Banken bilden sich oft grösser Schlangen, die Geldautomaten sind dagegen oft frei zugänglich, nur mit ausreichend Geld sind diese eher selten gefüllt bzw. die Bankkarte wird direkt wieder „ausgespuckt“. Allerdings ist auf Kuba noch der Kunde König, egal ob im Schuhgeschäft oder im Supermarkt meistens sind alle Waren hinter einem Tresen und man wird direkt bedient, Tante-Emma-Laden lässt grüßen, Selbstbedienung gab es im Sozialismus anscheinend eher selten. Da Kuba nach kein flächendeckendes Internet hat, kommunizieren die Menschen noch direkt miteinander und sitzen nicht stundenlang vor ihren Smartphones, in der Münchner U-Bahn kaum vorstellbar. Auch die immer gleichen Werbebanner sucht man hier vergeblich, es gibt einfach keinen „McDonalds“, „Starbucks“ oder „Aldi“ etc. welcher auf sich aufmerksam machen muss, Leuchtreklame gibt es schlicht nicht, sehr angenehm.

Die kleineren Städte wie Trinidad, Santi Spiritus, Camagüey, Las Tunas, Holguin, Santiago de Cuba und Baracoa kommen uns vor wie riesige Freilichtmuseen und es

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Metzgerei in Trinidad.

fällt schwer, die ganzen Eindrücke und Begegnungen in Worte zufassen. Kuba muss erlebt werden und zwar möglichst bald, die Regierung will sich weiter öffnen und viele Kubaner befürchten baldige, nicht nur positive, Veränderungen. Gerade der nahe Amerikaner, Miami ist nur 145km entfernt, wird eher skeptisch gesehen.

Kubaner sind überaus patriotisch und sehr stolz auf die Unabhängigkeit welche ihnen die Revolution beschert hat. Che Guevara ist dabei einer der wichtigsten Revolutionshelden und wird als Idol gefeiert. Fidel Castro hatte nach der Revolution, ab 1956, alle Freiheiten seine sozialistischen Ideen voranzutreiben, sein Bruder Raul ist inzwischen Staatsoberhaupt.

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Fidel Castro, Che Guevara und Camilo Cienfuegos.

Kubaner sind sehr geschäftstüchtig und es wird versucht, gerade in den Städten, mit allem Geld zu machen. Mit 32.88€ p.P. haben wir unsere Durchschnittsausgaben locker verdoppelt, aber das Kuba nicht billiges Reiseland gilt war uns bewusst. Gerde die Überlandbusse und die täglichen Übernachtungen trieben die Kosten etwas in die, dennoch überschaubare, Höhe. Manchmal hatte man das Gefühl eine „Melkkuh“ zu sein und es war für uns daher oft besser aufs Land zu flüchten. Bei einer Zugfahrt lernten wir z.B. Ariel kennen, einen einfachen Bauern, welcher mit seiner Familie und seinen paar Tieren mitten auf dem Land lebte. Spontan wurden für für 2 Tage eingeladen und ebenso spontan sagten wir zu. Die Kinderbuchreihe „Petterson und

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Wir verbringen 2 Tage bei Ariel, der ein sehr buntes, aber doch auch sehr hartes Leben führt.

Findus“ entspricht Ariels Leben, wir badeten im Fluss, jagten Hühner, schossen mit der Steinschleuder auf Dosen und hatten jede Menge Spass auf einem Jahrmarkt. Immer war was los, ein Theaterstück kann nicht schöner und vielfältiger geschrieben und gleichzeitig umgesetzt werden.  Auch Julio aus Baracoa wird uns lange in Erinnerung bleiben, sein ganzes Haus, sein ganzes Inventar, einfach alles war in gelb und blau gestrichen, Kuba hat einen ganz besonderen Schlag Mensch hervorgebracht. Ein allgemeines „Kuba-Gesicht“ gibt es nicht, man könnte meinen die ganze Welt hätte sich hier farbenfroh und mit all ihrer wunderbaren Vielfalt vereint.

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Julian, Julio und Nico.

Im Vordergrund stand natürlich auch die Erholung an den traumhaften Stränden von Trinidad, Santa Lucia und Maguana faulenzten wir einige Tage, genossen das kristallklare Wasser und lernten interessante Backpacker kennen. Wie oft wir unsere Trio-for-Rio Geschichte erzählt haben, wissen wir nicht mehr, allerdings dürften wir den ein oder anderen Reisenden inspiriert haben auch mal aufs Fahrrad zu springen. Mit Florian und Anke aus Stuttgart hatten wir einen tollen Abend in Camagüey, wo wir

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Hängematte und Strand am 24.ten Dezember.

im „Casa Austria“ zum Wiener Walzer Gulasch und Schnitzel serviert bekamen, Kuba bietet viele Überraschungen. Heilig Abend und die Weihnachtsfeiertage verbrachten wir bei karibischen Temperaturen unter Palmen mit Backpackern am Strand von Maguana, der Vollmond gab dem ganzen den letzten unvergesslichen Touch. Untergebracht waren wir in einer kleinen Hütte direkt am Strand, der Hüttenbesitzer, Carlos, zauberte ein Seafood-Weihnachtsfestessen vom allerfeinsten, schöner und uriger hätte Weihnachten nicht sein und unser Urlaub im Tropenparadies nicht enden können. Nach über 20 Stunden Busfahrt fanden wir uns wieder in Havanna ein, wo uns der russische Flieger erwartete und uns zurück nach Mexiko flog. Danke Kuba! Zeitreise vorbei, willkommen im Jetzt!

Die Räder haben brav und sicher auf uns gewartet und sind bereit für die zweite Halbzeit unserer Reise. Wir sind entspannt, ausgeruht und voller Vorfreude auf die nächsten Etappen und auch die  Bikes sind nach kleineren Wartungsarbeiten, wie Bremsbeläge wechseln, Speichen nachziehen, Kette spannen, ölen und putzen,„ready to hit the road again!“

Den ersten Tag nach unserer Pause verbrachten wir auf dem Highway 301 und fuhren bis nach Playa del Carmen, wo Sandro und Nico Sylvester verbringen werden. Julian fährt 60km weiter ins benachbarte Tulum, dort wird mit Freunden aus München ins neue Jahr gefeiert, auf diesem Weg bekommen wir auch dringend benötigte Ersatzteile geliefert, damit unsere Expedition weiterhin vorangeht.

8 Monate sind wir jetzt genau unterwegs, Wahnsinn was wir in dieser Zeit alles erleben durften. Wir danken Euch für die tolle Unterstützung und wünschen ein gutes, gesundes, abenteuerliches, spannendes und olympisches neues Jahr 2016.

Auf geht’s, pack mer’s! Anpfiff zur 2ten Halbzeit! Rio wir kommen!

Sportliche Grüße,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.

Mexico No. 2 – Vulkane, Sandstürme und waghalsige Männer

Mexiko
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Agave, die Pflanze aus welcher Tequila hergestellt wird.

In den letzten 16 Tagen war ganz schön was los bei uns, aber der Reihe nach. Nach unserem letzten Update in Tepic schnauften wir weiter die Berge rauf Richtung Guadalajara, immerhin legte sich mit der gewonnenen Höhe die Schwüle und speziell die Nächte wurden wieder erträglicher. Auf unserem Weg in die zweitgrösste Stadt Mexicos, Guadalajara (circa 1,5 Mio. Einwohner), passierten wir das berühmte Örtchen Tequila. In Tequila gehört es natürlich zum Pflichtprogramm die gleichnamige Spirituose in deren Heimat zu verkosten, am selben Abend wurden die Dorfstrassen zu kleinen Flüssen, es schüttet überraschend wie aus Eimern.

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In Tequila verwandelt sich die Straße in einen Fluss.

Kurz vor Guadalajara werden wir nochmals auf Bergtauglichkeit geprüft, die zahlreichen Hügel nehmen einfach kein Ende. Daniel, ein Freund von Nico aus dem

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Dani aus der schwäbischen Heimat beherbergt uns in Guadalajara.

schwäbischen, am Neckar gelegenen, Obernau wohnt im bunten, belebten und feierwütigen Guadalajara und nimmt uns für 4 Tage in seiner Studenten-WG auf. Genug Zeit um Nicos 27ten Geburtstag ausgiebig im Nachtleben zu feiern und um die kulinarischen Spezialitäten und die zahlreichen kulturellen Sehenswürdigkeiten dieser Stadt ausgiebig zu erkunden.

Der Highway 80 bringt uns aus der City raus, die Schlaglöcher und die Dichte an verrückten Autofahrern, insbesondere Busfahrern, war in Guadalajara besonders hoch, an einer Kreuzung kurz vor den Stadttoren machen wir an Tag 191 unsere 11.000km voll. Der Hwy. 54D treibt uns immer weiter zur Küste, wir geraten in einen Sandsturm und sehen danach aus wie die Sandmänner persönlich. Der nächste Tag hält mit dem aktiven Vulkan „de Fuego“ die nächste Überraschung für uns parat und wir bestaunen bei wolkenlosen Himmel das Naturspektakel.

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Vulkan „de Fuego“ (3850m) begrüßt uns mit viel Asche und Rauch!

Nach wenigen Tagen erreichen wir mit der Kleinstadt Tecoman und dem Highway 200 das Ufer des Pazifiks. Die Schwüle ist zurück, jede Dampfgrotte wäre dankbar über soviel Luftfeuchtigkeit, unser Flüssigkeitsbedarf dürfte so bei 8-10 Litern am Tag p.P liegen. Der Highway 200 ist sehr eng und so schiessen die LKWs und Autos eng an uns vorbei, zusätzlich steigt die Uferstrasse auf und ab, an manchen Tagen haben wir zu unseren, durchschnittlichen, 90 Tageskilometern nochmals 1700 Höhenmeter.

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Romantisch? Brennender Müll am Straßenrand.

Erschrocken sind wir über den vielen Müll, welcher am Strassenrand entsorgt und verbrannt wird. Gut, wir produzieren, wie jeder Andere auch, täglich Müll und wo unser Abfall letztendlich landet nachdem wir ihn in einer Mülltonne entsorgt haben, wissen wir auch nicht. Vermutlich lässt uns der Kontrast zwischen der einmaligen, tropischen Natur, dem herrlichem, einladendem Meer und den stinkenden, riesigen Müllbergen über unser eigenen Umgang mit Abfall in unserer Konsumgesellschaft nachdenken.

Das Kontrastprogramm bekommen wir schon am nächsten Tag geboten, der kleine Ort Colola ist Schauplatz der grössten Schildkrötenpopulation der Welt. Zufällig sind wir zur rechten Zeit am rechten Ort und so begeben wir uns in der Nacht mit angehenden Meeresbiologen an den Strand. Es sind hunderte Schildkröten, die

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„Negra“ Schildkröten bringen ihre Eier an den Strand.

vermessen, gewogen und markiert werden, wir sammeln Eier ein, zum Schutz vor Raubtieren etc., und dürfen die frisch geschlüpften Babys begutachten. Hier spiegelt sich die Magie der Natur und einer solchen Reise eindrucksvoll wieder.

Je näher wir nach Acapulco kommen umso präsenter ist die Polizei und das Militär, die Jungs treten in Hundertschaften auf und sind bis an die Zähne bewaffnet. In uns weckt das zweierlei Gefühle, einerseits fühlen wir uns recht sicher, andererseits machen die Truppen das auch nicht zum Spass. Letztendlich sind die Männer aber auch nur Menschen und  naturgemäss sehr neugierig, wie übrigens alle Mexikaner, so werden wir regelmässig ausgefragt und bekommen bewundernde Blicke und bei den Kontrollen werden wir mit einem gönnerhaften Kopfnicken durch gewunken. Inzwischen sind wir mehrere tausend Kilometer verbotenerweise auf der Autobahn gefahren, bislang hat das aber noch keinen Ordnungshüter gross interessiert. Die Autobahnen sind wesentlich besser ausgebaut und verfügen über einen breiten Seitenstreifen und werden daher von uns bevorzugt.

Gerade die ärmeren Menschen scheinen das größte Herz zu haben, wieder wurden wir zu kostenlosen Übernachtungen eingeladen, zum Eis oder auf eine kühles Getränk. Uns ist klar, dass diese Reise ein Privileg ist, von dem die meisten Menschen hier nur träumen können. Dafür sind wir sehr dankbar, manchmal müssen wir allerdings selbst aufpassen dieses Privileg auch zu schätzen und nicht als selbstverständlich hinzunehmen.

Unsere Hängematten, wohl der größte Luxus in unserm Equipment, versüssen uns

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Übernachtung in den Hängematten am Strand.

jetzt immer öfter die Mittagspause, ein geeigneter Platz am Meer und die benötigten Palmen sind i.d.R. recht schnell gefunden, auch schon über Nacht haben wir darin königlich geschlummert.

Heute am Tag 200 unserer Reise sind wir in Acapulco angekommen. 200 Tage, 200 Nächte, 200 Abenteuer, 200 mal pures Leben, Wahnsinn! Manchmal fühlt sich das alles unecht an, vielleicht wird es irgendwann, mit etwas Abstand greifbarer. In den letzten 200 Tagen haben wir also 11896 Kilometer auf unseren Bikes zurückgelegt, das entspricht 3,5 x die komplette Tour de France 2015 (Quelle Wikipedia / 3360KM gesamt), gut die Jungs fahren das in 21 Tagen, dafür ohne Gepäck und mit erstklassigem Serviceteam, welches sich um die Malzeiten, die Fahrräder und die Massagen kümmert. Neidisch sind wir allerdings nicht, den geniessen können wir unsere „Tour de Rio“ mit Sicherheit mehr.

11896 Kilometer in 200 Tagen entspricht einem Durchschnitt von 59.48 Kilometern am Tag, inklusive Ruhetage. Nach Abzug unserer 54 Ruhetage fahren wir im Schnitt 82.61 Kilometer an einem Radeltag, das ist mehr als im Vorfeld der Reise hochgerechnet.

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Markt in Acapulco. Die VW-Käfer dienen als Taxen.

Die weltberühmten Klippenspringer von Acapulco sind eine einmalige Show, es gehört unheimlich viel Mut zu diesem Sport, Hut ab. In Acapulco selber stechen die zahlreichen VW-Käfer heraus, wir fühlen uns wie Zeitversetzt in die 60ziger. Auch das bunte Treiben auf den engen Märkten ist beeindruckend, die Gerüche und Geräusche muss man allerdings selber erlebt haben. Das liebevoll-chaotische ist uns inzwischen sehr ans Herz gewachsen und lässt sich eben kaum in Worte fassen, irgendwie geht immer und  auf unsere „heiligen“ Standards aus der Heimat kann man auch schonmal verzichten. Reduzieren auf das Wesentliche ist angesagt und dies fällt uns leicht, nicht nur hier in Mexiko sondern schon von Beginn der Reise an.

Die nächsten Tage bringt uns der Highway 200 weiter in den Süden, kurz vor Guatemala fahren wir scharf links und hoffen das uns circa 2000 Kilometer östlich in Cancun (noch immer Mexiko) eine Fähre nach Kuba mitnimmt.

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Mit freundlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

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