Panama – Kolumbien

Kolumbien, Panama

Wir verlassen Panama City um uns auf unsere letzten Kilometer auf zentralamerikanischen Boden zu begeben und gleichzeitig machen wir uns auf die Suche nach dem kleinen Segelhafen von Carti, von dort werden wir einen unvergesslichen Segeltrip nach Kolumbien angehen. Der Stadtverkehr in Panama City ist enorm, doch schon bald liegt die Stadtgrenze hinter uns und der Verkehr wird schlagartig ruhiger.

Im Zickzack bergauf, teilweise müssen wir schieben.

Im Zickzack bergauf, teilweise müssen wir schieben.

Nach einer ruhigen Nacht auf einem Kinderspielplatz, folgt eine 46km Etappe durch den Dschungel Panamas, welche es in sich hat und uns an die physischen und psychischen Grenzen stossen lässt. Der letzte Radtag in Panama bzw. in Zentralamerika verlangt uns wirklich nochmals alles ab, wir haben Steigungen von 18-20% und viele ausgewaschene Kurven welche sandig und unübersichtlich sind, mehrmals müssen wir von den Rädern steigen und diese „schweren Böcke“ schieben. Den ganzen Tag kommen uns ausschliesslich Allrad-Fahrzeuge entgegen, für normale Autos ist die Strecke einfach nicht machbar. Zentralamerika scheint uns eine letzte Challenge zu stellen und am Abend kommen wir fix und fertig aber als glückliche Sieger der besagten Challenge am Hafen an, noch lange wird uns dieser Tag auf der hügligen, schmalen Strasse in Erinnerung bleiben, der pure Wahnsinn und das auf Fahrrädern!!

Ja, am nächsten Tag heisst es Leinen los, wir stechen in See. Wir versuchen uns also für 5 Tage als Piraten auf unserem Segelboot namens „Albatros“. Unser Kapitän Hernando ist ein erfahrener Seebär, schon 553x hat er die

Unser Captain Hernando. Eine Legende.

Unser Captain Hernando. Eine Legende.

Strecke Panama – Kolumbien sicher gemeistert. Er ist der Gründer der kolumbianischen Segelschule, sein Sohn startet als Segeltrainer für Ecuador bei den Olympischen Spielen in Rio 2016, mehr Erfahrung und mehr Sicherheit geht also nicht. Mit Chiara, unserer Deckhand und Köchin, ist die Crew komplett, 2 Kanadier und ein Engländer sind als zusätzliche Passagiere mit von der Partie. Die Räder sind sicher an der Reling angeleint und schon stechen wir in die ruhige karibische See und erleben die traumhaften San Blas Inseln hautnah. Jetzt haben wir auf unserer Reise schon viel gesehen, aber die 365 Inselchen des San Blas Archipel und ihre traditionellen Ureinwohner, die Kuna Yalas, machen uns schlicht sprachlos und wir können uns an dieser wunderbaren Umgebung kaum satt sehen.

Die San Blas Inseln sind ein Traum.

Die San Blas Inseln sind ein Traum. Karibik Pur.

Wir schnorcheln, baden, angeln, fahren Kajak, beobachten Delfine und segeln durchs Paradies, zumindest muss dieses einmalige Fleckchen Erde bzw. Wasser dem Paradies ziemlich nahe kommen. Wir bekommen Lobster und andere Köstlichkeiten von Chiara serviert unser Kapitän erzählt Geschichten

Wir geniessen die Radfreien Tage und segeln genussvoll durch die Karibik.

Wir segeln durch die Karibik und geniessen die Radfreien Tage.

aus seinem bunten Seglerleben, wir haben definitiv mit der Wahl der „Albatros“ einen fantastischen Glückstreffer gemacht. Es scheint, als gehört es zum gutem Ton, als Kapitän immer ein Bier in der Hand zu haben, jedenfalls ist unser „El Capitano“ kein grosser Freund von Wasser und Saft und bevorzugt zu jeder Tageszeit sein „flüssiges Gold“. Am zweiten Tag sind wir genau 10 Monate auf unserer Reisen, dieses kleine Jubiläum feiern wir in traumhaften Umgebung bei Vollmond und sagenhaftem Sternenhimmel, selbst der Plankton feiert mit und leuchtet unter der Wasseroberfläche. Wir finden immer einen tollen Ankerplatz in der Nähe einer der zahlreichen Inseln und sind von der Ruhe absolut begeistert. Da die Strasse in der Regel nie weit entfernt von unseren Zeltplätzen ist, ist es eine Wohltat für die Ohren mal keinen Verkehrslärm zu hören und wir schalten ab.

Da es Glück bringen soll im Schaltjahr, eine Flaschenpost aufzugeben, bereiten wir eine Trio-for-Rio-Flaschenpost vor und übergeben diese am 29ten Februar dem karibischen Meer. Mal schauen wie weit es unsere Flasche schafft und wir sind gespannt, ob wir eine Antwort bekommen. Vielleicht findet diese ja den Weg in den Neckar, in die Isar oder ins „schwäbische Meer“ und damit in den Bodensee, zumindest mit viel Fantasie ist dies möglich.

Trio for Rio Flaschenpost. Finder bitte melden.

Trio for Rio Flaschenpost. Finder bitte melden.

So, nach 3 Tagen ist der karibische Traum ausgeträumt und die Seglerromantik wird schwer beschädigt, wir stechen in offene See. Schon mal 48 Stunden Achterbahn gefahren? Oder 48 Stunden Turbulenzen im Flugzeug erlebt? Die 3-4m hohen Wellen werfen unsere Nussschale von Boot hin und her, ein Hexenkessel ist nix dagegen. Das Boot knarzt und ächzt, wir fliegen von einer Seite auf die Andere, wir kriechen 2 Tage durch die Sardinenbüchse und bewegen uns nur falls gar nicht anders möglich. Die Wellen schwappen über das Boot und es tropft in unsere Kojen ,unser Gleichgewichtssinn schlägt Purzelbäume, wir sind bemüht den Mageninhalt dort zu behalten wo er hingehört. Ein Königreich für einen Fahrradtag!!!!

Unser Kapitän scheint mit seiner Routine zwar alles im Griff zuhaben, aber ein mulmiges Gefühl bleibt eben doch so auf offener See hunderte Kilometer vom rettenden Ufer entfernt. In diesen Tagen wir ganz klar, wir sind Landeier und keine gestandenen Seemänner. Da der Seegang sehr stark ist bleiben wir eine weitere Nacht auf dem Boot bevor wir in Cartagena endlich wieder festen Boden unter die Füsse bekommen, unser Element hat uns zurück. Wieder einmal sind wir um eine Erfahrung reicher, unsere Reise ist ein toller Lehrmeister.

Geschafft. Willkommen in Südamerika. Willkommen in Cartagena.

Geschafft. Willkommen in Südamerika. Willkommen in Cartagena.

Ja, mit Cartagena begrüssen wir Kolumbien und damit natürlich auch Südamerika! Land Nr. 17 und Kontinent Nr. 3 (für uns beginnt Südamerika in Kolumbien) unserer Reise, gefällt uns auf anhieb. Cartagena ist mit Abstand das schönste Städtchen unserer Reise und gilt als Perle Lateinamerikas. Viele Künstler machen die kleinen Gassen und zahlreichen Plätze bunt und attraktiv, ein gewisser Hippie-Flair liegt auf der historischen Stadt, kulturell bietet Cartagena einiges und nicht nur der Stadtstrand ist einen Besuch wert. Unserem Kapitän begegnen wir mehrmals in der Stadt, dieses „Original“ kennt hier jeder und der bunte Hund findet immer jemanden zum Quatschen oder um ein Bierchen zu leeren, Geschichten zu Pablo Escobar und über andere kolumbianische Persönlichkeiten gingen ihm jedenfalls nie aus, toller Mensch.

Pita Gyros bei Jorge aus Thessaloniki.

Pita Gyros bei Jorgo aus Thessaloniki. EinTraum.

Wir sind wirklich angetan von dem Ort und verbringen gleich 4 Tage und Nächte dort, nicht nur die Fahrräder werden vom Mechaniker gründlich gecheckt und vom Salzwasser gereinigt, auch wir lassen es uns gut gehen. Erst nach mehreren Massagen, Maniküre, Pediküre, Frisör und einigen nächtlichen Stunden auf der Flanier- und Partymeile fühlen wir uns langsam wieder hergestellt und bereit für die Strasse. Die Pita-Gyros beim Griechen, Jorgos, ist ein Traum aber auch die kolumbianische Küche lässt absolut keine Wünsche offen und so ziehen wir mit viel Energie und Generalüberholt wieder los um das ländliche Kolumbien kennenzulernen. Wir sagen Adios Cartagena und verabschieden uns damit auch vom karibischen Meer, spätestens in Ecuador treffen wir wieder auf den pazifischen Ozean.

Schnell wird klar, Cartagena ist kein Massstab, die Landbevölkerung lebt wesentlich einfacher und primitiver als die Menschen in der Stadt. In punkto Herzlichkeit und Freundlichkeit stechen die Menschen, welche oft in einfachen Lehmhütten leben, allerdings hervor und beeindrucken uns nachhaltig. Da in

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Kunst aus alten Autoreifen.

Kolumbien alles eingezäunt ist, fragen wir die Menschen auf den Bauernhöfen und werden meist herzlich eingeladen und wir spannen unsere Hängematten im Hof bzw. Garten und kommen somit hautnah mit der sehr musikalischen Kultur und den neugierigen Menschen in Kontakt. Die zahlreichen Tiere auf den Höfen wecken uns immer recht zeitig, daher finden wir uns aussergewöhnlich früh auf den Rädern wieder. Ein früher Start ist allerdings auch von Vorteil, auch hier verwöhnt uns der Wettergott mit viel Sonne und wir machen lieber eine längere Siesta in der Mittagshitze. Inzwischen hat es sich etabliert, dass wir vor der Mittagssiesta ca. 2/3 (circa. 50-75km) und danach das restliche Drittel, also weitere 25-35km, fahren.

Vom Highway 90 wechseln wir auf den 25er, dieser ist in einem sehr gutem Zustand und wird uns bis ins Nachbarland Ecuador führen. Am Strassenrand werden uns Schildkröten zum Verzehr angeboten, wir verzichten, für uns müssen keine exotischen Tiere ihr Leben lassen. Die zahlreichen Restaurants am Strassenrand bieten leckeres und weniger exotisches dafür sehr leckeres Essen zum kleinem Preis an. Hier in Kolumbien lohnt sich jedenfalls der Restaurantbesuch eher wie ein Einkauf im Supermarkt, beides ist zwar circa gleich teuer, nur eben im Restaurant sind die Leckereien schon zubereitet und wir müssen den Gaskocher nicht auspacken. Auch Kirchen eignen sich übrigens hervorragend als Schlafplätze, im Pfarrgarten einer verlassenen Landkirche schliefen wir jedenfalls wie die Engelchen.

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Es ist sehr heiss, auch wir kühlen uns häufig ab. Das Schlammbad überlassen wir den Tieren.

Gestern haben wir unsere 18.000km voll gemacht und heute feiern wir „1000-Stunden-im-Sattel“, zur Belohnung geht es ins Hotel, für 3.60€ p.P ein erschwinglicher Luxus. Kolumbien hat ein, für uns, sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis, welches an Mexiko erinnert. In Panama haben wir übrigens 40.16€ p.P./Tag gebraucht, relativ viel, aber unser Segeltrip schraubte die Kosten in die Höhe. Die nächsten Tage werden unsere durchschnittlichen Tageskilometer etwas schrumpfen, die Berge warten auf uns und werden uns kräftig ins schwitzen bringen.

Oft werden wir gefragt wie wir auf die Idee für eine solche Reise gekommen sind, hier die Entstehungsgeschichte vom Trio for Rio in Kurzform.

2011 hatte Julian ein Arbeitsvisa für Kanada zugelost bekommen, aus privaten Gründen wurde dieses nicht genutzt und verfiel. Der Traum von Nordamerika blieb bei ihm allerdings bestehen und warum nicht Nord- Südamerika miteinander verbinden? Auto? Zu schnell! Wandern? Zu langsam! Fahrrad? Perfekt! Mit dem Fahrrad hat man genau die richtige Geschwindigkeit um die verschiedenen Kulturen intensiv zu erforschen und um Land und Leute ausgiebig kennenzulernen. 2012, auf dem spanischen Jakobsweg, entstand also die Idee die beiden Kontinente abzuradeln, Nico war von der Idee gleich begeistert und eine längere Testfahrt quer durch Europa bestätigte das Fahrrad als Reisepartner. Im Frühjahr 2013, also circa 2 Jahre vor dem Start wurde mit dem Sparen und den groben Planungen begonnen, Nicos Studienende im April 2015 wurde als Starttermin auserkoren. Die Idee in München zu starten entstand eher spontan, als Zielort Rio und damit die Olympischen Sommerspiele 2016 auszugeben kam uns beiden bei den TV Übertragungen der Olympischen Winterspiel in Sotschi/Russland 2014.

Anfang 2014 wurde letztendlich auch Sandro, als der dritte Mann im Bunde, über unsere bisherigen Pläne informiert und das „TrioforRio“ war geboren. Julian und Nico planten und organisierten fleissig weiter, suchten Sponsoren und informierten sich über die Strecke und die Länder welche durchquert werden sollen. Sandro übernahem dabei die Gastrolle und verhielt sich bis zum Start im April 2015 und auch bei der aktuellen Berichterstattung und Gestaltung der Homepage äusserst passiv, er überlässt die Aufgaben uns beiden.

Wir, Nico und Julian, beschlossen die komplette Reise zu filmen und im Logbuch zu dokumentieren, was aus diesem Material wird steht allerdings noch in den Sternen, konkrete Pläne haben wir beide noch nicht. Das Fotografieren wird vom kompletten Trio übernommen und so entstehen Bilder aus 3 Sichtweisen.

Der Starttermin konnte letztendlich eingehalten werden und wir sind auf voller Fahrt und schwimmen auf einer tollen Welle der Begeisterung.

Sonnenbad.

Sonnenbad.

Wir sind also angekommen in Südamerika, Rio ist zwar noch ein Stück entfernt, aber die Olympische Flamme rückt langsam aber sicher näher. Die nächste Attraktion, die Galapagosinseln, wartet und wir freuen uns auf einen Besuch der Eltern.

Vielen Dank für euer Interesse an unserer Reise und die Unterstützung.

Mit sportlichen Grüssen aus Kolumbien,

Julian, Nico und Sandro

Mehr Bilder gibt es in unserer Galerie zu bestaunen.

Oh, wie schön ist Panama – Costa Rica II

Costa Rica, Panama

Jeder Meter leistet seinen kleinen Beitrag zu unserem ehrgeizigem Gesamtprojekt „Trio for Rio“. Der aktuelle Meter ist genauso wichtig wie der vergangene oder der kommende Meter. Am Ende, in Rio de Janeiro, ist unsere gesamte Reise zusammengesetzt aus vielen kleinen Metern, aus vielen kleinen Streckenabschnitten welche, ähnlich wie ein Mosaiksteinchen ein Bild vollkommen macht, unsere Reise zu einem Gesamtbild verhilft und bunt und einzigartig werden lässt.

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Haus eines Fischer auf der Halbinsel Nicoya.

Die letzten 2 Wochen waren voller positiver Überraschungen, tollen Begegnungen, nervigen Viren und unvorhersehbaren harten Streckenabschnitten. Wir verlassen den bezaubernden Playa del Coco, verabschieden uns von unseren Gastgebern Jim und Sina und finden uns auf dem stürmischem Highway 21 wieder, welcher uns die Nicoya-Halbinsel runterführt. Die Menschen hier in Costa Rica und später in Panama freuen sich jedesmal dermassen unser Dreigespann zusehen, dass es uns schon beinahe ein bisschen zu viel wird. Wie oft wir inzwischen „Hola“, „Hello“, „Hi“, oder „Adios Amigos“ gesagt haben, wie oft wir winken durften, den Arm zum Gruß gehoben haben oder auf einen kleinen Schwatz anhalten mussten, können wir nicht zählen, die Begeisterung ist einfach gigantisch, Kinder stellen neugierig ihre Fragen und wollen Antworten, alles sehr harmonisch und sehr authentisch. Die Autofahrer hupen uns vor lauter Euphorie manchmal beinahe von der Piste, wir bekommen Süssigkeiten, Geld, Wasser und Früchte etc. aus den Autos gereicht, tolle Gesten, einmaliges Zentralamerika. Wer bei uns  in Deutschland den Mädels hinterher pfeift gilt schnell als Prolet, hier im Herzen Zentralamerikas ist die Sachlage etwas anders, hier  wird jedem egal ob Mann oder Frau nachgepfiffen, ein Pfiff erspart auch den Gruss, daher werden wir zigmal am Tag „angepfiffen“. Andere Länder, andere (witzige) Sitten.

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Stürmische See, die Fähre kommt. Kann uns aber leider nicht mitnehmen…

Um von der Nicoya-Halbinsel wieder aufs Festland zu gelangen wollen wir eine kleine Fähre nehmen, es stürmt wie die Hölle und beim Anlegen kracht die Fähre dermassen auf den Pier, dass dieser danach zerstört ist und der Hafen seinen Betrieb einstellen muss. Ja, da stehen wir dumm da, man kann sich einfach auf kein anderes Verkehrsmittel wie das gute, alte und stets treue Fahrrad verlassen. Nach einer 30km Schotterpistenfahrt gelangen wir zu einer anderen Fähre, welche uns am Abend sicher aufs Festland nach Puntarenas bringt.

Der Küstenhighway 34 ist Anfangs noch bergig, später wird er komplett flach und sogar der Wind unterstütz uns und bläst sanft von hinten. Begleitet von grossen Piratenpapageien geht es vorbei an wunderbaren Stränden wie der „Playa Hermosa“ oder der „Playa Dominical“, wo wir unsere Zelte direkt am Pazifik aufschlagen und ein zauberhaftes Strandambiente vorfinden, ein Traum nicht nur für Surfer und Sonnenanbeter. Aber nicht nur die Palmenstrände in Costa Rica begeistern, auch unsere Lager am Rande des Regenwaldes/Dschungels haben ihren Reiz, i.d.R. finden wir immer einen einladenden Fluss oder gastfreundliche Menschen welche uns im Vorgarten übernachten lassen.

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Wir zelten am Playa Hermosa.

Nach gut 300 Tagen auf den Strassen dieser Welt sind wir inzwischen absolute Experten was Zelt- und dazugehörige Badeplätze anbelangt. Aufbauen, schlafen, abbauen und unser komplettes Equipment wieder auf die zuverlässigen TX-1000 Räder der Fahrradmanufaktur verfrachten ist nach einer solangen Zeitspanne absolut Routine und jeder Handgriff sitzt. In der Zwischenzeit passen wir an wilden Badestellen allerdings vermehrt auf, von den zahlreichen Krokodilen welche sich an den Flussufern tummeln wollen wir keinem allzu nah kommen. Es war eine gute Entscheidung, die heimatliche Komfortzone vor gut 10 Monaten zu verlassen, das Leben spielt sich draussen ab und nicht vor dem Fernseher, der Spielekonsole oder dem Computer. Der erste Schritt ist der wichtigste, alles andere kommt von alleine. Schnapp dir ein Fahrrad und zieh los! Wir brauchen so wenig zum leben, reduzier dich und beschränke dich auf das nötigste zumindest für eine Weile, es lohnt sich.

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Nicht nur wir baden gerne in Flüssen. Hier in Costa Rica gibt es unzählige Krokodile.

Ja, was die Krokodile nicht geschafft haben, haben die Moskitos hinbekommen. Irgendwo sind Sandro und Julian zu ihren Opfern geworden und die nächsten Tage waren mit Schüttelfrost, Gliederschmerzen und Fieberträumen die reinste Quälerei. Denque-Fieber und Zika-Virus lassen grüßen, nur einen effektiven Schutz vor den schwirrenden Quälgeistern gibt es leider nicht, wir können uns ja schlecht 24 Stunden verkriechen. Da die Temperaturen auch in der Nacht nicht unter 27°C fallen und die Durchlüftung in den Zelten eher wenig effektiv ist, zogen sich die Tage lange hin, erst nach 4-5 Tagen war der Spuck vorbei und die Tage wurden wieder leichter. Wenn einer eine Reise tut….

Eine grosse Überraschung kommt aus der schwäbischen Heimat, unsere Eltern besuchen uns Anfang April auf den Galapagosinseln, eine feine Sache. wir freuen uns sehr auf die 8 gemeinsamen Tage im Naturparadies Ecuadors mit euch, damit haben wir nicht gerechnet.

Nach 11 Tagen verlassen wir Costa Rica und sind voller Begeisterung für dieses Land, unglaublich schöne, abwechslungsreiche Natur, viel Platz für Aktivitäten und tolle Strände um die Seele baumeln zu lassen. Wären die Preise nicht ganz so hoch, würde Costa Rica mit Sicherheit ganz vorne auf unserer Länderliste stehen. Mit 12.46€ p.P/Tag haben wir die Kosten zwar kleingehalten, haben aber auch sehr einfach gelebt und z.B. nie für Übernachtungen gezahlt und auch Restaurantbesuche wurden komplett eingestellt.

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In Costa Rica gibt es viele Papageien.

Eure Zahlungen an die GEZ könnt ihr übrigens mit gutem Gewissen einstellen!! Wir haben, wie im letztem Bericht erwähnt, einige Anfragen an die ARD und ZDF gesendet um über die beiden Sender, welche immerhin live von den Olympischen Spielen berichten werden, eventuell in die Wettkampfarenen zu gelangen. Von 15 Emails kam nichts zurück, ausser irgendwelchen unpersönlichen Standardabsagen, enttäuschend.

Die Enttäuschung hält allerdings nicht lange an! Eine Email der Deutschen Sport Marketing Agentur findet den Weg in unser Postfach und wir werden offiziell ins Deutsche Haus, in den Barra Blue Beach Club, in Rio de Janeiro während den Olympischen Spielen eingeladen!!!! Wir sind also mittendrin im Treffpunkt der deutschen Athleten und freuen uns auf Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft, Politik und Entertainment im Herzen Rios. Danke an Frau Nadine Lehr und an den DOSB für das weiterleiten unserer Email, wir freuen uns sehr auf unseren gemeinsamen „Treffpunkt Rio“!

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Gegenwind, breite Strassen. Zur Abwechslung ist es hier aber mal flach.

Bis Rio ist es allerdings noch ein weiter Weg, doch beflügelt mit diesem  neuem Highlight, dem Besuch des Deutschen Hauses in Rio, fahren wir, nach genau 17.000km, über die Grenze nach Panama, unserem Land Nr. 16. Wer kennt ihn nicht den Kinderbuchklassiker „Oh, wie schön ist Panama“ von Janosch, wo der kleine Bär, der kleine Tiger und dessen Tigerente auf der Suche nachdem Glück sind? Und jetzt sind wir also in Panama und geniessen das letzte Land auf zentralamerikanischen Boden. Panama wird als das Land des Gegenwindes, zahlreicher Hügel und super ausgebauten Strassen lange in unseren Erinnerungen bleiben.

Die letzten Tage bis Panama City waren sehr zäh und lang, allerdings spürten wir auch noch die Nachwehen unserer Viruserkrankung und waren nicht voller Energie und Konzentration, am Abend fallen wir daher fix und fertig in unsere Zelte.

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Von der Isar, Neckar, Themse bis an den Panama Kanal.

Gestern am Tag 302 unserer Reise haben wir also den Panamakanal überquert, gut 17556Km liegen zwischen der bayrischen Isar bzw. zwischen unserem schwäbischen Neckar und dem weltberühmten Kanal von Panama, wir haben nach 973 Stunden im Sattel eine Verbindung hergestellt, auf dem Fahrrad wohlgemerkt!!! Da uns der Gedanke, den Panamakanal auf dem Fahrrad überquert zu haben so begeistert, überqueren wir ihn gleich nochmals, sicher ist sicher. Jetzt haben wir eine Überquerung an der „Puente de Centenario“ und der „Puente de las Americas“ zu Buche stehen. Den Eintritt für die Schleusen des Kanals sparren wir uns allerdings, mit 15U$ p.P. der absolute Wucher, sollten die Betreiber an ihrem Geld ersticken und Pauschaltouristen abzocken, ein TrioforRio spielt da nicht mit.

Noch bevor wir in Panama City im Hostel, El Machico, einchecken, zischt Julians Schlauch zum neunzehnten Mal!!!! Die Goldmedaille ist ihm bis Rio kaum noch zu entreissen, Nico und Sandro liegen beide bereits 6 Plattfüsse zurück.

Heute geniessen wir einen Ruhetag in Downtown Panama City, das Zentrum ist äusserst modern und steht anderen Weltmetropolen ins nichts nach. Aber auch historisch muss sich Panama City nicht verstecken, die kleinen Viertel sind fein rausgeputzt und sind stolze Zeugen einer vergangenen, prächtigen Zeit mit oder ohne spanischer Kolonialherren.

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Julian, Sandro und Nico in Panama City.

Noch knapp 120 Kilometer werden wir in Panama auf unseren Rädern sitzen bevor wir 5 Tage ins karibische Meer stechen und den Fluch der Karibik neu verfilmen. 5 Tage schippern wir also auf einem kleinem Segelboot von Carti/Panama nach Cartagena/Kolumbien und umgehen somit den „Darien-Gap“, welches für Radfahrer unpassierbar ist und wir durch die karibische See segeln „müssen“, wir haben es auch nicht leicht.

Bis bald auf südamerikanischen Boden, Columbia is calling!

Sonnige Grüße aus Panama City,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.