Peru II

Peru
DCIM100GOPROGOPR0456.

Trio wird zum Quartett. Eamonn aus Irland.

Nach unserem letzten Blog in Mancora (Peru) transformierte sich unser Trio für über 600 km zum Quartett. Eamonn unser sympathischer irischer Freund, der auf Grund seiner roten Haare und bleicheren Haut von den Einheimischen liebevoll „Gringo Rubio“ genannt wird, schliesst sich uns an und reitet mit uns durch die peruanische Wüste.

Die steinige Gegend ist furztrocken, links und rechts leben einfache Ziegenhirten und Landarbeiter in ihren Lehmhütten und arrangieren sich mit der harten Lebensbedingungen in dieser Gegend. Allerdings ist dieser Teil nur ein grober Vorgeschmack, richtig wüst wird es erst in den kommenden Tagen bzw. Wochen. Sonne und Sand soweit man schaut, kein Baum in Sicht und der Wind bläst uns mit 30 – 50 km/h frontal ins Gesicht. In den wenigen oft namenlosen Ortschaften welche wir passieren gibt es gerade mal die nötigsten Lebensmittel, auch die namenlosen Sandstrassen sind ein sicheres Zeichen, wir haben ihn gefunden, den A**** der Welt!!!

Bildschirmfoto 2016-05-03 um 13.12.39

Sand, weit und breit nix anderes zu sehen.

Am Tag 363 unserer Reisen stellen wir gleich 2 Reiserekorde auf, da es keine Übernachtungsmöglichkeiten in der „Desierto de Sechura“ (Wüste) gibt „donnern“ wir an diesem extrem windigem Tag 160km (100 Meilen) durch die Wüste, 9.33 Stunden sassen wir dafür auf unseren Rädern und erreichen fix & fertig unseren Zielort Morrope. Hin und wieder kommen wir doch in grössere Ortschaften und geniessen die bunten Märkte, die peruanische Küche und die freundlichen Menschen auf den Strassen und Plätzen, vieler Orts werden wir mit grossen Augen gemustert, als Fahrradfahrer kommt man eben an Orte, an denen noch nicht allzu viele Touristen gesehen wurden.

DSCF5454

Riesige Dünen säumen den Strassenrand.

Die Panamericana treibt uns weiter bolzengerade durch die Pampa und den endlosen Sand, Abwechslung fürs Auge ist hier Fehlanzeige, die Hitze schwirrt auf dem Asphalt, der Wind treibt Sandverwehungen über die Strasse und die Geier kreisen über uns, ein Szenario wie in einem Western. Die Einheimischen warnen uns vor Banditen und Überfällen auf Reisende, gerade Paijan ist als „Schurkenort“ weit bekannt, uns wird der Bus oder eine Eskorte empfohlen für diesen gefährlichen Ort bzw. diese berüchtigte Gegend. Wir entscheiden uns dagegen und kommen ohne Schwierigkeiten durch, 4 Radler auf einmal sind eben auch für peruanische Bösewichte eine Nummer zu hoch. Die Wüste ist jetzt richtig dreckig, überall wurde Müll verteilt und Geröll abgeladen, es stinkt nach Verwesung und ist vielleicht der hässlichste Abschnitt unserer bisherigen Reise.

Am letzten gemeinsamen Tag mit Eamonn feiern wir unseren 1. Geburtstag „on the road“!! 366 Tage, wir hatten Schaltjahr daher 365 + 1, rollen wir bereits durch die Weltgeschichte, an unserm Ehrentag beschenken wir uns selbst und machen die 21.000 Kilometer voll. Im Surferhotspot von Huanchaco betreibt Eamonns Cousin Ritchie das „Hostal Casa Fresh“, dort steigt unsere feucht-fröhliche Geburtstagsparty mit zahlreichen Backpackern aus allen Teilen dieser Erde.

DCIM100GOPROGOPR6993.

Feierabend Bier mit Eamonn. Am Abend steigt eine kleine 1 Jahres Party.

Nach 629 gemeinsamen Kilometern, verabschieden wir uns also wieder von unserem irren Iren und machen uns bereit für den nächsten wüsten Wüstenritt in Richtung Lima. Die riesigen Sanddünen entlang der Strasse sind jetzt wieder äusserst attraktiv und beeindruckend, auf der rechten Seite der Strasse türmen sich die Dünen und treffen auf der linken Seite auf die massiven Ausläufer der Anden. Diesen Anblick erarbeiten wir uns allerdings hart, der Schweiss fliesst in Strömen und der Gegenwind wir von Tag zu Tag massiver. 1998 (!!) hat es hier in der Gegend das letzte Mal geregnet, berichten uns die Einheimischen, Wüste pur. Wilde Hund mit gefletschten Zähne jagen uns hinterher, verbeissen sich gar in Sandros Satteltasche, der Abenteuerspielplatz Erde hat viele Facetten. Weiter gehts, die Grenze des Möglichen ist noch nicht erreicht und lässt sich bekanntlich ausdehnen. Zumindest die Panamericana (N1) ist auch in Peru in einem überraschend gutem Zustand, in der Regel gibt es genügend Platz für Verkehr und Radler und Schlaglöcher sind eine Ausnahme.

DSCF5470

Stadt aus Strohhüten. Keine Menschenseele weit und breit.

Wir fahren durch eine 15km lange Geisterstadt aus einfachsten Hütten, keine Menschenseele ist hier zu sehen, skurril und unheimlich. Und dann finden wir eine wahre Oase in mitten diesem Sandkasten. Clemente und seine Frau Isabel betreiben das Restaurante „La Balsa“ mitten im Nirgendwo, Fahrradfahrer übernachten und speisen hier komplett kostenlos. Über 25 Jahre bietet diese bezaubernde Ehepaar Radlern und andern Extremreisenden diesen Service, die Gästebücher sind voller Geschichten von dankbaren Menschen, welche hier übernachtet haben und königlich schlemmen durften. Für alle zukünftigen Wüstendurchquerer das Haus „Don Clemente“ mit dem Restaurante „La Balsa“ liegt bei KM 347 der Panamericana Norte und ist ein MUSS.

Noch sind es 300km bis Lima und wieder zeigt sich Peru als temperamentvolle, wilde, ungeschliffene, ungezähmte, stolze Schönheit. Wir kleben vor lauter Wind beinahe an der Strasse fest, der Sand fliegt uns um die Ohren und verpasst uns ein Peeling der unangenehmeren Art, wer Ruhe und Einsamkeit sucht ist hier genau richtig, die Föhnfrisur gibt es inklusive. Sobald wir aber in eine Ortschaft kommen, herrscht ein Hupkonzert wie nach der gewonnen Fussball- WM 2014 in deutschen Innenstädten, Autokorsos tagtäglich laut und live. Ähnlich wie bei den Hunden hilft auch gegen die rücksichtslosen, chaotischen Fahrer meist laute schwäbische Schimpftriaden, lieber laut und aufbrausend als umgefahren.

Bildschirmfoto 2016-05-03 um 17.22.21

Tretlager kaputt. Nico fährt mit dem Motorradtaxi und Bus voraus.

2 Tage bevor wir in Lima einlaufen wollen bricht Nicos Tretlagen irreparabel in alle Einzelteile. Ratlosigkeit macht sich breit, bekommen wir Ersatzteile? Wird es eine längere Pause? Kurzerhand wird Nico samt Fahrrad in einen Bus verfrachtet und nach Lima vorgeschickt in der Hoffnung in der peruanischen Hauptstadt gibt es Ersatz oder/und flinke fähige Mechaniker. Jetzt halten wir physisch und psychisch durch, soll es jetzt wirklich am Material, an der Technik scheitern?

Julian und Sandro werden von Windböen um die 50km/h weiter sandgestrahlt und kommen mit 7-10km/h nur zäh dem Etappenziel näher, die Landschaft ist unwirklich, bizarr und faszinierend zugleich. Wir fahren auf sandigen Klippen, unter uns tobt der pazifische Ozean und auf der linken Seite türmen sich kilometerweit gigantischen Sandberge. Durch die unberechenbaren Fallwinde an der Küste ist das Unfallrisiko hier scheinbar extrem hoch, wir sehen viele verunglückte LKW’s auf der engen Küstenstrasse.

So, nach 21591km erreichen wir das historische Stadtzentrum Limas, der Stadtverkehr ist absolut chaotisch und laut. Die Grenzerfahrung Wüste ist vorerst vorbei. Wir haben es überstanden! Man weiss halt erst was man kann, wenn man es probiert hat. Wir und unsere TX-1000 Räder der Fahrradmanufaktur können also auch Wüste!

Lima mit ihren 8.2 Millionen Einwohnern ist übrigens die 2. grösste Wüstenstadt der Welt und erinnert daher ein bisschen an den Wilden Westen. Historisch hat Lima einiges mitgemacht und die prachtvolle, restaurierte koloniale Innenstadt mit ihren zahlreichen Palästen, Museen, Kirchen, die majestätischen Plätze und Parks etc. laden zu einer gemütlichen Stadttour ein. Wie immer ist für uns das bunte, vielfältige, abwechslungsreiche, unberechenbare authentische Strassenleben am interessantesten und wir geniessen die radelfreie Zeit in den Gassen Limas.

DSCF5534

Kathedrale am Plaza de Armas in der Altstadt Limas.

Nico bekommt innerhalb von 2 Stunden nach Ankunft in Lima überraschend schnell ein neues Tretlager organisiert und eingebaut, ein Hoch auf die peruanischen Mechaniker. Die Reise kann also weitergehen. Ansonsten wird Lima zur Entspannung und zum organisieren von zahlreichen Kleinigkeiten genutzt, auch die inzwischen obligatorische Massage darf natürlich nicht fehlen. Wieder gibt es einen Abschied, den Pazifik und auch die Panamericana werden wir verlassen. Treu haben der große Teich und die legendäre Strasse uns über 19.000km von Alaska bis Lima begleitet. Für uns geht es jetzt in die Berge wo uns Cusco mit viel Kultur der Inkas und der Titicacasee erwarten. Danach geht es weiter nach Bolivien, Chile und Paraguay, Brasilien und damit unser Ziel Rio mit seinen Olympischen Spielen liegt quasi direkt „hinterm Berg“ und ist zum greifen nahe.

„König Plattfuss“ hat inzwischen die 25zig geknackt und baut seinen Vorsprung auf Sandro und Nico komfortabel auf je 10 Platten Abstand aus. Die Beiden müssen schon eine furiosen Endspurt hinlegen um Julian Platz 1 und damit die Olympische Goldmedaille noch streitig zu machen.

Unser Traum geht weiter, wir hoffen auch ihr lebt nicht nur in einer Traumwelt, sondern gestaltet diese auch aktiv. Den nächsten Bericht gibt es direkt aus den Anden.

Danke für eure Unterstützung, eure Nachrichten und Kommentare. Vielen Dank auch fürs teilen unserer Berichte auf Facebook!

Mit unverwüstlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro

Mehr Bilder sind in unserer Galerie zu finden!

Ecuador II – Galapagos-Inseln – Peru

Ecuador, Peru

Die Vorfreude auf unseren „Urlaub vom Urlaub“ und damit der Besuch auf den Galapagos-Inseln und das Zusammentreffen mit unseren Eltern ist gross. Unsere 7 Sachen sind schnell gepackt, die Räder sicher verstaut und Körper & Geist sehnen sich nach Ruhe und Erholung. Nach einer ausgiebigen nächtlichen Stadttour durch Guayaquil mit Lulu, der Nichte von unseren Gastgebern vor Ort, hebt der Flieger ab und bringt uns sicher ins Naturparadies Ecuadors.

Pelikane.

Flamingos.

Wir landen auf der Flughafeninsel „Isla Batra“ und reisen mit Bus, Boot und Pickup weiter auf die Hauptinsel „Isla Santa Cruz“, wo wir uns im Fischerort „Puerto Ayora“ ein Hostel nehmen. Schon am ersten Abend bekommen wir einen Eindruck was uns die nächsten Tage erwartet, selbst das Hafenwasser ist kristallklar und wir werden von Seelöwen, Pelikanen, Drachenechsen, Schildkröten & Co. begrüsst. Die nächsten Tage wandeln wir auf Charles Darwins Spuren, besuchen die gleichnamige Research Station und versuchen die Arbeit des britischen Naturforschers zu verstehen. Er gilt, auch heute noch, wegen seiner wesentlichen Beiträge zur Evolutionstheorie als einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler überhaupt, Geschichte pur. An den weißen Sandstränden der „Playa Tortuga“ und „Playa El Garrapatero“ steht zwar der Badespass im Pazifik an erster Stelle, aber auch hier kommen wir mit dem Wildlife eng in Kontakt. Allgemein kommen wir den Tieren verblüffend nah, da die Tiere auf den Galapagos Inseln keine natürlichen Feinde haben. Auch der Mensch wird nicht als Feind wahrgenommen, die Tiere halten keine Fluchtdistanz, wie es z.B. auf Safaris in Afrika der Fall ist. Es hat beinahe den Anschein die Tiere beobachten den Menschen und nicht umgekehrt, die Tiere haben sich der Natur perfekt angepasst und manchmal sind diese, dank ihrer perfekten Tarnung, erst auf den zweiten Blick auszumachen. Da die Inseln sehr isoliert liegen, ist die Flora und Fauna absolut einzigartig. Zudem herrschen einmalige Umwelt- und Wetterbedingungen, einfach ein traumhaftes Fleckchen Erde.

Nico und Julians Eltern zu Besuch auf den Galapagosinseln.

Nico und Julians Eltern zu Besuch auf den Galapagosinseln.

Vater springt wie ein junger Hund in die Fluten des Pazifiks, Mutter übt sich fleissig als Fotografin und wir geniessen zusammen den Augenblick und die Ruhe. Für den Moment gibt es keinen Ort an welchem wir jetzt lieber wären.

Diese Schildkröte ist ca. 150 Jahre alt.

Diese Schildkröte ist ca. 150 Jahre alt.

Erst besuchen wir die mächtigen Riesenschildkröten (Tortugas Gigantes) im „Reserva El Chato“, welche teilweise weit über 200 Jahre auf dem Buckel haben, danach robben wir durch die unterirdischen Lavatunnels (Los Tunnels), welche 20m unter der Erde liegen und bis zu 600m lang sind. In der Mittagshitze springen wir in den Krater „Las Grietas“, das kühle Wasser der Badeschlucht ist bei der Hitze eine absolute Wohltat. Erst als die „Isla Santa Cruz“ ausgiebig erkundet ist geht es mit dem Boot für ein paar Tage auf die Nachbarinsel „Isla Isabela“.

Las Grietas. Eine tolle Abkühlung in der Mittagshitze.

Las Grietas. Eine tolle Abkühlung in der Mittagshitze.

Blaufusstölpel auf Isla Isabel.

Blaufusstölpel auf Isla Isabel.

„Isla Isabela“ ist zwar die grösste der Galapagos-Inseln, aber weniger bewohnt und daher noch ruhiger und natürlicher. Die Sandstrassen und das einfache gemütliche Leben strahlen eine tolle Urlaubsatmosphäre aus und die vielen Tiere, welche überall anzutreffen sind, machen diesen charmanten, paradiesischen Ort zu einer Oase. Wir wohnen im Örtchen „Puerto Villamil“, dieser eignet sich perfekt für unsere zahlreichen Expeditionen an die vielen Strände und ins wilde Hinterland. Auch hier wimmelt es vor Drachenechsen, Flamingos, Seelöwen, Pelikanen, Krebsen, Rochen, Land- und Wasserschildkröten, Haien, bunten Vögel wie den blaufüssigen „Boobies“ und Darwins Finken etc., langsam gehen uns die Superlative für dieses Naturparadies aus. Bei unseren zahlreichen Schnorcheltrips fühlen wir uns wie in einem gigantischen Aquarium, wir schwimmen mit Schildkröten, Haien, Stachelrochen & Co. Vor lauter farbenfrohem Leben unter und über Wasser geht das Zeitgefühl komplett verloren und die Tiefenentspannung übernimmt spätestens jetzt den Takt. Auch unsere Strandwanderungen und Spaziergänge ins Hinterland  z.B. in die Zuchtstation für Landschildkröten oder der „Wall of Tears“ sind die 120U$ Eintritt, welcher für den Besuch der Galapagos-Inseln fällig wird, und den eher teuren Flug absolut wert. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, auf der einen Seite gibt es Lavagestein mit einsamen Kakteen auf der anderen Seite große, saftigen Wälder, welche an lichte Maienwälder erinnern, die fantastischen Strände nicht zu vergessen.

DSCF5318

Drachenechsen wo man hinschaut!

Unsere Reise ist ein Traum wie aus 1001 Nacht, wir schwimmen weiter auf einer tollen Welle und schreiben kräftig an einem einmaligen Kapitel unserer eigenen Geschichte. Die Geschichte unseres Planeten schreibt man nicht mal eben um, unserer eigenen Story können wir aber jederzeit neue, unvergessliche und spannende Zeilen hinzufügen.

Die letzten 2 Tage auf den Galapagos-Inseln werden die Füsse nochmals hochgelegt, damit wir wieder frisch in den Sattel kommen. Knapp 3 1/2 Monate sind es noch bis Rio, 3 1/2 Monate in den es noch mal gilt sich mit den Marotten der jeweils beiden Anderen zu arrangieren um unser gemeinsames Teamziel zu erreichen, ausgeruht für den letzten großen Abschnitt sollten wir jedenfalls sein, Körper und Geist fühlen sich bereit!! Weniger bereit zeigt sich der DFB, den Fussballbund hatten wir auch angeschrieben ob wir eventuell Tickets für das Olympische-Fussballturnier bekommen könnten. Ausser eine unpersönlich Standardabsage und ein Verweis auf eine Ticketagentur, haben die Damen und Herren sich keinen Zacken aus der schwarz-rot-goldenen Krone gebrochen. Wirklich schade!

Zurück in Guayaquil und damit auf dem ecuadorianischen Festland, heisst es Abschiedsnehmen. Mutter und Vater ziehen weiter Richtung Kolumbien, Mexiko und Kuba und wir suchen unseren Weg nach Peru. Danke, die Zeit mit Euch war ein Traum.

Auf dem Highway E-25 gibt es ein kleines Highlight, nach 20037km haben wir genau die Hälfte des Erdumfangs abgeradelt, eine halbe Weltreise also (der gesamte Erdumfang beträgt, laut Wikipedia, circa 40074km).

E25. Auf der Panamericana nach Peru.

E25. Auf der Panamericana nach Peru.

Es geht flach in Richtung Peru, schnell sind da Kilometer gemacht, links und recht leisten uns weiter riesige Bananen- und Kakaoplantagen Gesellschaft. Als wir am vorletzten Abend an einem Strassenimbiss sitzen und das einfache ecuadorianische Dorfleben geniessen wollen, wackelt die Erde. Ecuador verabschiedet sich mit dem stärksten Erdbeben seit 1979, dieses hat knapp 300 Todesopfer und zahlreiche Verletzte gefordert und war mit einer Stärke von 7.8 auf der Richterskala verheerend, in zahlreichen Provinzen musste Katastrophenalarm ausgerufen werden. Wir hatten Glück im Unglück, in unserer Region wackelte „nur“ die Erde für 30-45 Sekunden, danach war der Strom weg, aber ansonsten hielten sich die Schäden in Grenzen. Ein komisches Gefühl, wer schon einmal auf einer Hüpfburg für Kinder war, kann sich das wackelige Gefühl vielleicht am ehesten vorstellen. Für uns bleibt nur zu hoffen, dass die Opferzahl nicht weiter steigt und sich die Erde wieder beruhigt hat und die nächsten Überraschungen wieder von positiver Natur sind.

Nach 23 abwechslungsreichen Tagen in Ecuador verabschieden wir uns, 27.73€ p.P./Tag haben wir benötigt, der exklusive Aufenthalt auf den Galapagos-Inseln hat unser Tagesbudget etwas strapaziert, war aber jeden Cent wert. Danke Ecuador, Hola Peru!!!

DSCF5341

Peru. Land Nr. 19 auf unserer Fahrradtour.

Ruck-Zuck haben wir die nötigen Stempel im Pass und Peru heisst uns als 19tes Land unserer Reise am Tag 358 willkommen. Mit einem traumhaften und klarem Panoramablick auf die Anden geht es auf dem Highway 1A (Panamericana Norte) gemütlich dahin. Wie die geborenen Asphaltcowboys cruisen wir die Pazifikküste entlang, eigentlich ist alles perfekt, bis Julians Schaltung den Geist aufgibt. Ein gerissener Schaltzug und nix geht mehr!  Mit einem Motorradtaxi werden Ersatzteile besorgt, danach müssen wir uns ins komplizierte Rohloff-System reindenken, wir fummeln und basteln über 5 Stunden zusammen in der größten peruanischen Mittagshitze, erst am Abend steht der „Bock“ wieder einsatzbereit auf der Straße. Gutes Teamwork, jetzt können die Anden wieder kommen. Jeder Tag ist unberechenbar und meistens kommt es sowieso komplett anders wie gedacht!

Mancora ist ein beliebter und sehr lebhafter Backpackerort direkt am kilometerlangen Sandstrand gelegen, dort treffen wir auf unseren irischen Freund Eamonn. Eamonn haben wir in den Bergen Kolumbiens kennengelernt und für die nächsten circa 600km wird unser Trio nun zum Quartett, Eamonn wird uns die nächsten Tage begleiten.

Unser großes Abenteuer geniessen wir übrigens mit durchschnittlich 18.21km/h (Stand 20.04.2016). Unsere Gesamtkilometer belaufen sich inzwischen auf 20401km für diese sassen wir 1120.44 Stunden im Sattel, daraus resultiert unsere Durchschnittsgeschwindigkeit. Mit 18.21 Km/h um die Welt, die große Freiheit geniesst man eher gemütlich, die Welt ist schon schnelllebig und hektisch genug.

Danke für Eure zahlreichen Nachrichten zu unserem Wohlbefinden nach dem Erdbeben in Ecuador.  Wir hoffen das Aprilwetter in der Heimat wechselt bald in Sonnenschein pur. Wir melden uns in 14 Tagen wieder, bis dahin sollten wir die peruanische Hauptstadt Lima erobert haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Oh, wie schön ist Panama – Costa Rica II

Costa Rica, Panama

Jeder Meter leistet seinen kleinen Beitrag zu unserem ehrgeizigem Gesamtprojekt „Trio for Rio“. Der aktuelle Meter ist genauso wichtig wie der vergangene oder der kommende Meter. Am Ende, in Rio de Janeiro, ist unsere gesamte Reise zusammengesetzt aus vielen kleinen Metern, aus vielen kleinen Streckenabschnitten welche, ähnlich wie ein Mosaiksteinchen ein Bild vollkommen macht, unsere Reise zu einem Gesamtbild verhilft und bunt und einzigartig werden lässt.

DSCF4014

Haus eines Fischer auf der Halbinsel Nicoya.

Die letzten 2 Wochen waren voller positiver Überraschungen, tollen Begegnungen, nervigen Viren und unvorhersehbaren harten Streckenabschnitten. Wir verlassen den bezaubernden Playa del Coco, verabschieden uns von unseren Gastgebern Jim und Sina und finden uns auf dem stürmischem Highway 21 wieder, welcher uns die Nicoya-Halbinsel runterführt. Die Menschen hier in Costa Rica und später in Panama freuen sich jedesmal dermassen unser Dreigespann zusehen, dass es uns schon beinahe ein bisschen zu viel wird. Wie oft wir inzwischen „Hola“, „Hello“, „Hi“, oder „Adios Amigos“ gesagt haben, wie oft wir winken durften, den Arm zum Gruß gehoben haben oder auf einen kleinen Schwatz anhalten mussten, können wir nicht zählen, die Begeisterung ist einfach gigantisch, Kinder stellen neugierig ihre Fragen und wollen Antworten, alles sehr harmonisch und sehr authentisch. Die Autofahrer hupen uns vor lauter Euphorie manchmal beinahe von der Piste, wir bekommen Süssigkeiten, Geld, Wasser und Früchte etc. aus den Autos gereicht, tolle Gesten, einmaliges Zentralamerika. Wer bei uns  in Deutschland den Mädels hinterher pfeift gilt schnell als Prolet, hier im Herzen Zentralamerikas ist die Sachlage etwas anders, hier  wird jedem egal ob Mann oder Frau nachgepfiffen, ein Pfiff erspart auch den Gruss, daher werden wir zigmal am Tag „angepfiffen“. Andere Länder, andere (witzige) Sitten.

DSCF4019

Stürmische See, die Fähre kommt. Kann uns aber leider nicht mitnehmen…

Um von der Nicoya-Halbinsel wieder aufs Festland zu gelangen wollen wir eine kleine Fähre nehmen, es stürmt wie die Hölle und beim Anlegen kracht die Fähre dermassen auf den Pier, dass dieser danach zerstört ist und der Hafen seinen Betrieb einstellen muss. Ja, da stehen wir dumm da, man kann sich einfach auf kein anderes Verkehrsmittel wie das gute, alte und stets treue Fahrrad verlassen. Nach einer 30km Schotterpistenfahrt gelangen wir zu einer anderen Fähre, welche uns am Abend sicher aufs Festland nach Puntarenas bringt.

Der Küstenhighway 34 ist Anfangs noch bergig, später wird er komplett flach und sogar der Wind unterstütz uns und bläst sanft von hinten. Begleitet von grossen Piratenpapageien geht es vorbei an wunderbaren Stränden wie der „Playa Hermosa“ oder der „Playa Dominical“, wo wir unsere Zelte direkt am Pazifik aufschlagen und ein zauberhaftes Strandambiente vorfinden, ein Traum nicht nur für Surfer und Sonnenanbeter. Aber nicht nur die Palmenstrände in Costa Rica begeistern, auch unsere Lager am Rande des Regenwaldes/Dschungels haben ihren Reiz, i.d.R. finden wir immer einen einladenden Fluss oder gastfreundliche Menschen welche uns im Vorgarten übernachten lassen.

DSCF4106

Wir zelten am Playa Hermosa.

Nach gut 300 Tagen auf den Strassen dieser Welt sind wir inzwischen absolute Experten was Zelt- und dazugehörige Badeplätze anbelangt. Aufbauen, schlafen, abbauen und unser komplettes Equipment wieder auf die zuverlässigen TX-1000 Räder der Fahrradmanufaktur verfrachten ist nach einer solangen Zeitspanne absolut Routine und jeder Handgriff sitzt. In der Zwischenzeit passen wir an wilden Badestellen allerdings vermehrt auf, von den zahlreichen Krokodilen welche sich an den Flussufern tummeln wollen wir keinem allzu nah kommen. Es war eine gute Entscheidung, die heimatliche Komfortzone vor gut 10 Monaten zu verlassen, das Leben spielt sich draussen ab und nicht vor dem Fernseher, der Spielekonsole oder dem Computer. Der erste Schritt ist der wichtigste, alles andere kommt von alleine. Schnapp dir ein Fahrrad und zieh los! Wir brauchen so wenig zum leben, reduzier dich und beschränke dich auf das nötigste zumindest für eine Weile, es lohnt sich.

DSCF4062

Nicht nur wir baden gerne in Flüssen. Hier in Costa Rica gibt es unzählige Krokodile.

Ja, was die Krokodile nicht geschafft haben, haben die Moskitos hinbekommen. Irgendwo sind Sandro und Julian zu ihren Opfern geworden und die nächsten Tage waren mit Schüttelfrost, Gliederschmerzen und Fieberträumen die reinste Quälerei. Denque-Fieber und Zika-Virus lassen grüßen, nur einen effektiven Schutz vor den schwirrenden Quälgeistern gibt es leider nicht, wir können uns ja schlecht 24 Stunden verkriechen. Da die Temperaturen auch in der Nacht nicht unter 27°C fallen und die Durchlüftung in den Zelten eher wenig effektiv ist, zogen sich die Tage lange hin, erst nach 4-5 Tagen war der Spuck vorbei und die Tage wurden wieder leichter. Wenn einer eine Reise tut….

Eine grosse Überraschung kommt aus der schwäbischen Heimat, unsere Eltern besuchen uns Anfang April auf den Galapagosinseln, eine feine Sache. wir freuen uns sehr auf die 8 gemeinsamen Tage im Naturparadies Ecuadors mit euch, damit haben wir nicht gerechnet.

Nach 11 Tagen verlassen wir Costa Rica und sind voller Begeisterung für dieses Land, unglaublich schöne, abwechslungsreiche Natur, viel Platz für Aktivitäten und tolle Strände um die Seele baumeln zu lassen. Wären die Preise nicht ganz so hoch, würde Costa Rica mit Sicherheit ganz vorne auf unserer Länderliste stehen. Mit 12.46€ p.P/Tag haben wir die Kosten zwar kleingehalten, haben aber auch sehr einfach gelebt und z.B. nie für Übernachtungen gezahlt und auch Restaurantbesuche wurden komplett eingestellt.

DSCF4094

In Costa Rica gibt es viele Papageien.

Eure Zahlungen an die GEZ könnt ihr übrigens mit gutem Gewissen einstellen!! Wir haben, wie im letztem Bericht erwähnt, einige Anfragen an die ARD und ZDF gesendet um über die beiden Sender, welche immerhin live von den Olympischen Spielen berichten werden, eventuell in die Wettkampfarenen zu gelangen. Von 15 Emails kam nichts zurück, ausser irgendwelchen unpersönlichen Standardabsagen, enttäuschend.

Die Enttäuschung hält allerdings nicht lange an! Eine Email der Deutschen Sport Marketing Agentur findet den Weg in unser Postfach und wir werden offiziell ins Deutsche Haus, in den Barra Blue Beach Club, in Rio de Janeiro während den Olympischen Spielen eingeladen!!!! Wir sind also mittendrin im Treffpunkt der deutschen Athleten und freuen uns auf Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft, Politik und Entertainment im Herzen Rios. Danke an Frau Nadine Lehr und an den DOSB für das weiterleiten unserer Email, wir freuen uns sehr auf unseren gemeinsamen „Treffpunkt Rio“!

Bildschirmfoto 2016-02-23 um 18.37.42

Gegenwind, breite Strassen. Zur Abwechslung ist es hier aber mal flach.

Bis Rio ist es allerdings noch ein weiter Weg, doch beflügelt mit diesem  neuem Highlight, dem Besuch des Deutschen Hauses in Rio, fahren wir, nach genau 17.000km, über die Grenze nach Panama, unserem Land Nr. 16. Wer kennt ihn nicht den Kinderbuchklassiker „Oh, wie schön ist Panama“ von Janosch, wo der kleine Bär, der kleine Tiger und dessen Tigerente auf der Suche nachdem Glück sind? Und jetzt sind wir also in Panama und geniessen das letzte Land auf zentralamerikanischen Boden. Panama wird als das Land des Gegenwindes, zahlreicher Hügel und super ausgebauten Strassen lange in unseren Erinnerungen bleiben.

Die letzten Tage bis Panama City waren sehr zäh und lang, allerdings spürten wir auch noch die Nachwehen unserer Viruserkrankung und waren nicht voller Energie und Konzentration, am Abend fallen wir daher fix und fertig in unsere Zelte.

DSCF4201

Von der Isar, Neckar, Themse bis an den Panama Kanal.

Gestern am Tag 302 unserer Reise haben wir also den Panamakanal überquert, gut 17556Km liegen zwischen der bayrischen Isar bzw. zwischen unserem schwäbischen Neckar und dem weltberühmten Kanal von Panama, wir haben nach 973 Stunden im Sattel eine Verbindung hergestellt, auf dem Fahrrad wohlgemerkt!!! Da uns der Gedanke, den Panamakanal auf dem Fahrrad überquert zu haben so begeistert, überqueren wir ihn gleich nochmals, sicher ist sicher. Jetzt haben wir eine Überquerung an der „Puente de Centenario“ und der „Puente de las Americas“ zu Buche stehen. Den Eintritt für die Schleusen des Kanals sparren wir uns allerdings, mit 15U$ p.P. der absolute Wucher, sollten die Betreiber an ihrem Geld ersticken und Pauschaltouristen abzocken, ein TrioforRio spielt da nicht mit.

Noch bevor wir in Panama City im Hostel, El Machico, einchecken, zischt Julians Schlauch zum neunzehnten Mal!!!! Die Goldmedaille ist ihm bis Rio kaum noch zu entreissen, Nico und Sandro liegen beide bereits 6 Plattfüsse zurück.

Heute geniessen wir einen Ruhetag in Downtown Panama City, das Zentrum ist äusserst modern und steht anderen Weltmetropolen ins nichts nach. Aber auch historisch muss sich Panama City nicht verstecken, die kleinen Viertel sind fein rausgeputzt und sind stolze Zeugen einer vergangenen, prächtigen Zeit mit oder ohne spanischer Kolonialherren.

DSCF4231

Julian, Sandro und Nico in Panama City.

Noch knapp 120 Kilometer werden wir in Panama auf unseren Rädern sitzen bevor wir 5 Tage ins karibische Meer stechen und den Fluch der Karibik neu verfilmen. 5 Tage schippern wir also auf einem kleinem Segelboot von Carti/Panama nach Cartagena/Kolumbien und umgehen somit den „Darien-Gap“, welches für Radfahrer unpassierbar ist und wir durch die karibische See segeln „müssen“, wir haben es auch nicht leicht.

Bis bald auf südamerikanischen Boden, Columbia is calling!

Sonnige Grüße aus Panama City,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.

Nicaragua Teil 2 & Costa Rica

Costa Rica, Nicaragua

Wieder sind 2 Wochen wie im Flug vergangen, wieder haben wir allerhand erlebt, viel gesehen und haben dabei kräftig für unser Ziel geschwitzt, aber auch chillige Pausentage am Pazifik und am Nicaraguasee eingelegt. Manchmal wundern wir uns, wie schnell die Zeit verrennt. Jetzt ist bereits Februar 2016 und wir sind exakt 288 Tage unterwegs, haben dabei 16.488km zurückgelegt und saßen geschlagene 916 Stunden im Sattel. In knapp  6 Monaten steigt also die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, noch gut 10.000km trennen uns von unserem Ziel und dem diesjährigem olympischen Motto „Paixao e Transformacao – Leidenschaft und Transformation“.

DCIM100GOPROGOPR0001.

Nico und die Kathedrale von Leon.

Unser letztes Update war in Leon/Nicaragua, dort treffen wir erstaunlich viele Backpacker, Nicaragua lockt mit toller unberührter Natur, vielen Outdooraktivitäten, faszinierenden Menschen, delikatem Essen, Sauberkeit und Sicherheit, dass alles bei einem sehr gutem Preis- Leistungsniveau . Nur die Geldautomaten sind nicht unsere besten Freunde, in Leon versagen reihenweise die Kreditkarten, von wegen „die Welt spricht Visa“, wenn der Automaten einen schlechten Tag hat, spricht er rein gar nix und spuckt die Karte einfach stumm aus. Komischerweise bekommen wir über die Maestro-Karte doch noch Geld, telefonieren mit den Lieben in der Heimat, beantworten Emails und schwingen uns wieder auf unsere treuen Räder und strampeln auf dem Highway 12 gen Süden, der Pazifik wartet. Bevor wir aber die Beine hochlegen und am Strand das süsse Leben geniessen dürfen, warten noch einige schweisstreibende, abenteuerliche Kilometer auf uns. Wir schlafen an tollen Flüssen und lauschen in der Nacht dem rauschten Wassers und schlummern ein mit der beruhigenden Melodie der Natur im Hintergrund, aufwachen tun wir meist von alleine, in der Regel bellt immer irgendwo ein Hund, kräht ein Hahn, grunzt ein Schwein oder es sind die Frauen der nahen Dörfer, welche ihre Wäsche im Fluss waschen.

Bildschirmfoto 2016-02-08 um 15.37.57

In Nicaragua fährt jede Sau mit dem Fahrrad.

Auch in Nicaragua ist das Fahrrad ein sehr beliebtes Fortbewegungs- und Transportmittel, egal wo auf der Welt, überall sehen wir Menschen auf ihren Rädern, ob als Sport- oder Arbeitsgerät eine herzliche Liebe zum gutem, altem Drahtesel brennt anscheinend überall. 30 Kilometer geht es über holpriges Kopfsteinpflaster und staubige Schottenpisten an den Pazifik, wir werden bei 40 Grad ordentlich geschüttelt und eingestaubt, am Ende sehen wir aus wie die Wilden ehe wir in Pochomil den Pazifik erreichen.

Bildschirmfoto 2016-02-08 um 15.51.21

Julian und Sandro versorgen einen verletzten Affen.

Die Strände sind endlos und einsam, wir stärken uns mit, für ganz Zentralamerika typischen Reis- und Bohnengerichten und  bekommen einen „Geheimtip“ und machen uns daher auf um zur ca. 100 Kilometer entfernten „Playa Gigante“ zu gelangen. Anfangs ist die Schotterpiste noch gut befahrbar, es kommen uns vereinzelt Autos und Fahrräder entgegen und wir kommen einigermassen gut voran. Als der Weg immer schmaler wird, wir die Räder über Stacheldrahtzäune hieven müssen und wir vor lauter Gestrüpp und Bäumen keinen Weg mehr sehen, uns die Beine an Dornen aufritzen, das Trinkwasser knapp wird und uns sogar die Affen in den Bäumen höhnisch auslachen, machen wir uns Gedanken was wir hier gerade eigentlich veranstalten. Wir finden ein verletztes Affenbaby, versorgen es mit Keksen, Wasser und einem Schattenplatz und irgendwann finden wir auch wieder einen breiteren Weg. Fahrradfahren ist auch hier allerdings nur mit Einschränkungen möglich, Matschfelder, Flussbeete, dicke Felsen, sandiger Untergrund, ausgewaschene Abschnitte, Gegenwind und enorme Hitze machen diesen Weg zum abenteuerlichsten der kompletten Reise. Als wir aus dem Dschungel kommen schauen uns die Einheimischen argwöhnische an, viele Touristen scheinen hier noch nicht rausgekommen zu sein, wir haben es geschafft und kommen dementsprechend durstig und fix & fertig an der „Playa Giganten“ an.

DCIM100GOPROGOPR5080.

3 Tage abhängen am Playa Gigante.

Dort ist das Glück aber gleich wieder auf unserer Seite, wir treffen John, einen Amerikaner, welcher hier ein Hostel und ein Restaurant betreibt, er ist selbst begeistertere Radler und wir dürfen kostenlos die nächsten 3 Tage in seinem Haus wohnen. Uns wurde nicht zu viel versprochen, der Strand ist ein Traum, dass Meer einladend und der kleine Ort liegt malerisch in der Bucht. Es gibt genügend Rückzugsmöglichkeiten und auch die eine oder andere Bar um sich mit anderen Reisenden auszutauschen, ein perfekter Ort um die Seele baumeln zulassen. Am nächsten Tag werden wir auf eine Segeltour eingeladen, springen von Felsen, tauschen in Höhlen, geniessen einen einmaligen Sonnenuntergang auf See und schlürfen den ein oder andern Cocktail an Board.  Apropos segeln, inzwischen haben wir unser Segelboot gebucht welches uns Ende Februar von Panama nach Kolumbien bringen wird, 5 Tage in der karibischen See warten auf uns. Die sogenannte „Darien-Gap“ muss umschifft werden, da es keine durchgehenden Strasse zwischen Panama nach Kolumbien gibt. Da wir eh in Buchungsstimmung waren, haben wir es uns nicht nehmen lassen einen Flug auf die Galapagos Inseln, für 8 Tage im April, als Highlight mit in unsere Reise einzubauen. Ja, uns ging es nicht schlecht in der Traumbucht der Playa Gigante, 2 Tage später werden die treuen Räder gesattelt und es geht zum nahem Nicaraguasee.

DCIM100GOPROGOPR5177.

3 Tage Radfahren, Vulkan Maderas besteigen, Kajakfahren und Ausruhen auf der Insel Ometepe.

Eine kleine Fähre bringt uns auf die Vulkaninsel Isla de Ometepe mitten im gigantischem Nicaraguasee, dieser ist 16x grösser als der heimische Bodensee und hat viel Naturspektakel zu bieten, die Flora und Fauna ist, wie in ganz Zentralamerika überwältigend. Wir fahren einmal mit den Rädern um die Insel, machen eine Kajaktour, besuchen die Mineralquelle „Ojo de Aqua“ und besteigen den Vulkan „Maderas“ mit immerhin 1345m. In dessen Krater befindet sich eine traumhafte Lagune, aus Sicherheitsgründen verzichten wir aber auf ein Bad und steigen brav wieder ab um am Abend, nach 19km wandern, am

DCIM100GOPROGOPR0047.

Wir zelten am Nicaraguasee mit Blick auf den Vulkan Concepcion..

Seeufer zu zelten und die Beine hoch zu legen. Mit einen gigantischen Blick auf den „Volcan Concepcion“ (1610m), welcher gemütlich vor sich hin raucht und dem See direkt vor uns, geniessen wir den Abend und einen weiteren malerischen Sonnenuntergang, mehr Postkartenaussicht geht einfach nicht. Am nächsten morgen bringt uns „Che Guevara“, so heisst die Fähre, zurück aufs Festland.

Wir verlassen Nicaragua, mit 16.70€ p.P./Tag ein günstiges Land, und reisen in Costa Rica ein, unserem Land Nr. 15. Die Einreise ist rasch und schon nach wenigen Minuten haben wir den nötigen Stempel im Pass. Wir freuen uns immer über „richtige“ Stempel, sieht toll aus und ist nicht nur eine elektronische, unpersönliche Registrierung. Costa Rica hat gesalzene Preise, Hola die Waldfee! Alleine für Spaghetti mit Tomatensosse wird man im Supermarkt arm, kein europäisches Land und auch nicht Kanada und die USA hatten so enorme Preise wie Costa Rica. In Kanada lernten wir bereits im Juli 2015 Jim uns Sina kennen und diese Begegnung war ein Volltreffer. Die beiden sind nicht nur äusserst sympathisch sondern haben auch eine Ferienhaus an der „Playa del Coco“, um den kanadischen Winter zu entkommen sind die beiden gerade zufällig in Costa Rica und laden uns, via Facebook, für 4 Nächte in ihr Haus ein. Wir kämpfen uns den Highway 1 und einige Nebenstrassen entlang, der unberechenbare Seitenwind schiebt uns einige Male in den Graben bevor wir in Playa der Coco ankommen.

Bildschirmfoto 2016-02-08 um 16.15.13

3 Tage Pause am Playa del Coco in Costa Rica.

Jim und Sina stellen uns eine traumhafte Unterkunft, kein Wunder das Madonna und der Bacardi-Besitzer in den Hügeln ihre Villen haben, Bacardi-Feeling live und wir, mal wieder per Zufall, mittendrin. Da wir unseren normalen Fahrradtakt im Blut haben und i.d.R. mit der Dämmerung ins Bett gehen und recht bald aufstehen, schaffen wir es auch hier nicht länger wie 21h die Augen offen zuhalten und nutzen die weichen Matratzen und den Komfort eines Hauses aus.

Die Trockenheit gepaart mit Hitze und Wind lässt die Hügel um Playa del Coco immer wieder brennen, aber die Menschen bleiben ruhig, brennende Hügel scheinen normal in dieser Gegend zu sein. Der Zika-Virus beschäftigt die Menschen hier in Zentralamerika wesentlich mehr, der über Moskitos übertragene Virus führt zu Lähmungen und starkem Fieber. Inzwischen haben wir einige Menschen getroffen, welche 2-3 Wochen ans Bett gefesselt waren bzw. ihre Reise abbrechen mussten. Naja, uns geht es gut und mehr als aufpassen können wir eh nicht. Wir nutzen die Pause und bringen unser Equipment auf Vordermann, die Rucksäcke und vor allem die Schlafsäcke brauchten dringend mal wieder eine Wäsche, auch Postkarten konnten wir in Ruhe schreiben und in alle möglichen Ecken dieser Welt schicken.

Gestern „mussten“ wir noch das Super Bowl Finale anschauen, warum sich die Amerikaner und Kanadier ein so langweilige Sportart wie Football anschauen, bleibt uns allerdings ein grosses Rätsel.

Wir haben weiterhin probiert an Tickets für Olympia zu kommen, inzwischen haben wir mal die Damen und Herren von ARD, ZDF und diverse andere Landesrundfunkanstalten angeschrieben, mal schauen ob wir eine positive Rückmeldung bekommen und nicht nur an kommerzielle Anbieter weiterverwiesen werden.

DCIM100GOPROGOPR0035.

Holztransport in Zentralamerika.

Morgen gehts weiter, unser nächstes Ziel ist Panama, wo uns, wie erwähnt, ein kleines Segelboot am 26.2.2016 gemütlich über die San Blas Inseln, welche im karibischen Meer an der Küste Panamas liegen, nach Kolumbien schippern wird. Unser Trio ist weiter vereint und dies wird hoffentlich ohne größere Zwischenfälle auch so bleiben.

Euch noch einen schönen (Rest-) Karneval in der Heimat und eine milden Frühling.

Mit sonnigen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder gibt es in unserer Galerie.