Peru II

Peru
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Trio wird zum Quartett. Eamonn aus Irland.

Nach unserem letzten Blog in Mancora (Peru) transformierte sich unser Trio für über 600 km zum Quartett. Eamonn unser sympathischer irischer Freund, der auf Grund seiner roten Haare und bleicheren Haut von den Einheimischen liebevoll „Gringo Rubio“ genannt wird, schliesst sich uns an und reitet mit uns durch die peruanische Wüste.

Die steinige Gegend ist furztrocken, links und rechts leben einfache Ziegenhirten und Landarbeiter in ihren Lehmhütten und arrangieren sich mit der harten Lebensbedingungen in dieser Gegend. Allerdings ist dieser Teil nur ein grober Vorgeschmack, richtig wüst wird es erst in den kommenden Tagen bzw. Wochen. Sonne und Sand soweit man schaut, kein Baum in Sicht und der Wind bläst uns mit 30 – 50 km/h frontal ins Gesicht. In den wenigen oft namenlosen Ortschaften welche wir passieren gibt es gerade mal die nötigsten Lebensmittel, auch die namenlosen Sandstrassen sind ein sicheres Zeichen, wir haben ihn gefunden, den A**** der Welt!!!

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Sand, weit und breit nix anderes zu sehen.

Am Tag 363 unserer Reisen stellen wir gleich 2 Reiserekorde auf, da es keine Übernachtungsmöglichkeiten in der „Desierto de Sechura“ (Wüste) gibt „donnern“ wir an diesem extrem windigem Tag 160km (100 Meilen) durch die Wüste, 9.33 Stunden sassen wir dafür auf unseren Rädern und erreichen fix & fertig unseren Zielort Morrope. Hin und wieder kommen wir doch in grössere Ortschaften und geniessen die bunten Märkte, die peruanische Küche und die freundlichen Menschen auf den Strassen und Plätzen, vieler Orts werden wir mit grossen Augen gemustert, als Fahrradfahrer kommt man eben an Orte, an denen noch nicht allzu viele Touristen gesehen wurden.

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Riesige Dünen säumen den Strassenrand.

Die Panamericana treibt uns weiter bolzengerade durch die Pampa und den endlosen Sand, Abwechslung fürs Auge ist hier Fehlanzeige, die Hitze schwirrt auf dem Asphalt, der Wind treibt Sandverwehungen über die Strasse und die Geier kreisen über uns, ein Szenario wie in einem Western. Die Einheimischen warnen uns vor Banditen und Überfällen auf Reisende, gerade Paijan ist als „Schurkenort“ weit bekannt, uns wird der Bus oder eine Eskorte empfohlen für diesen gefährlichen Ort bzw. diese berüchtigte Gegend. Wir entscheiden uns dagegen und kommen ohne Schwierigkeiten durch, 4 Radler auf einmal sind eben auch für peruanische Bösewichte eine Nummer zu hoch. Die Wüste ist jetzt richtig dreckig, überall wurde Müll verteilt und Geröll abgeladen, es stinkt nach Verwesung und ist vielleicht der hässlichste Abschnitt unserer bisherigen Reise.

Am letzten gemeinsamen Tag mit Eamonn feiern wir unseren 1. Geburtstag „on the road“!! 366 Tage, wir hatten Schaltjahr daher 365 + 1, rollen wir bereits durch die Weltgeschichte, an unserm Ehrentag beschenken wir uns selbst und machen die 21.000 Kilometer voll. Im Surferhotspot von Huanchaco betreibt Eamonns Cousin Ritchie das „Hostal Casa Fresh“, dort steigt unsere feucht-fröhliche Geburtstagsparty mit zahlreichen Backpackern aus allen Teilen dieser Erde.

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Feierabend Bier mit Eamonn. Am Abend steigt eine kleine 1 Jahres Party.

Nach 629 gemeinsamen Kilometern, verabschieden wir uns also wieder von unserem irren Iren und machen uns bereit für den nächsten wüsten Wüstenritt in Richtung Lima. Die riesigen Sanddünen entlang der Strasse sind jetzt wieder äusserst attraktiv und beeindruckend, auf der rechten Seite der Strasse türmen sich die Dünen und treffen auf der linken Seite auf die massiven Ausläufer der Anden. Diesen Anblick erarbeiten wir uns allerdings hart, der Schweiss fliesst in Strömen und der Gegenwind wir von Tag zu Tag massiver. 1998 (!!) hat es hier in der Gegend das letzte Mal geregnet, berichten uns die Einheimischen, Wüste pur. Wilde Hund mit gefletschten Zähne jagen uns hinterher, verbeissen sich gar in Sandros Satteltasche, der Abenteuerspielplatz Erde hat viele Facetten. Weiter gehts, die Grenze des Möglichen ist noch nicht erreicht und lässt sich bekanntlich ausdehnen. Zumindest die Panamericana (N1) ist auch in Peru in einem überraschend gutem Zustand, in der Regel gibt es genügend Platz für Verkehr und Radler und Schlaglöcher sind eine Ausnahme.

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Stadt aus Strohhüten. Keine Menschenseele weit und breit.

Wir fahren durch eine 15km lange Geisterstadt aus einfachsten Hütten, keine Menschenseele ist hier zu sehen, skurril und unheimlich. Und dann finden wir eine wahre Oase in mitten diesem Sandkasten. Clemente und seine Frau Isabel betreiben das Restaurante „La Balsa“ mitten im Nirgendwo, Fahrradfahrer übernachten und speisen hier komplett kostenlos. Über 25 Jahre bietet diese bezaubernde Ehepaar Radlern und andern Extremreisenden diesen Service, die Gästebücher sind voller Geschichten von dankbaren Menschen, welche hier übernachtet haben und königlich schlemmen durften. Für alle zukünftigen Wüstendurchquerer das Haus „Don Clemente“ mit dem Restaurante „La Balsa“ liegt bei KM 347 der Panamericana Norte und ist ein MUSS.

Noch sind es 300km bis Lima und wieder zeigt sich Peru als temperamentvolle, wilde, ungeschliffene, ungezähmte, stolze Schönheit. Wir kleben vor lauter Wind beinahe an der Strasse fest, der Sand fliegt uns um die Ohren und verpasst uns ein Peeling der unangenehmeren Art, wer Ruhe und Einsamkeit sucht ist hier genau richtig, die Föhnfrisur gibt es inklusive. Sobald wir aber in eine Ortschaft kommen, herrscht ein Hupkonzert wie nach der gewonnen Fussball- WM 2014 in deutschen Innenstädten, Autokorsos tagtäglich laut und live. Ähnlich wie bei den Hunden hilft auch gegen die rücksichtslosen, chaotischen Fahrer meist laute schwäbische Schimpftriaden, lieber laut und aufbrausend als umgefahren.

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Tretlager kaputt. Nico fährt mit dem Motorradtaxi und Bus voraus.

2 Tage bevor wir in Lima einlaufen wollen bricht Nicos Tretlagen irreparabel in alle Einzelteile. Ratlosigkeit macht sich breit, bekommen wir Ersatzteile? Wird es eine längere Pause? Kurzerhand wird Nico samt Fahrrad in einen Bus verfrachtet und nach Lima vorgeschickt in der Hoffnung in der peruanischen Hauptstadt gibt es Ersatz oder/und flinke fähige Mechaniker. Jetzt halten wir physisch und psychisch durch, soll es jetzt wirklich am Material, an der Technik scheitern?

Julian und Sandro werden von Windböen um die 50km/h weiter sandgestrahlt und kommen mit 7-10km/h nur zäh dem Etappenziel näher, die Landschaft ist unwirklich, bizarr und faszinierend zugleich. Wir fahren auf sandigen Klippen, unter uns tobt der pazifische Ozean und auf der linken Seite türmen sich kilometerweit gigantischen Sandberge. Durch die unberechenbaren Fallwinde an der Küste ist das Unfallrisiko hier scheinbar extrem hoch, wir sehen viele verunglückte LKW’s auf der engen Küstenstrasse.

So, nach 21591km erreichen wir das historische Stadtzentrum Limas, der Stadtverkehr ist absolut chaotisch und laut. Die Grenzerfahrung Wüste ist vorerst vorbei. Wir haben es überstanden! Man weiss halt erst was man kann, wenn man es probiert hat. Wir und unsere TX-1000 Räder der Fahrradmanufaktur können also auch Wüste!

Lima mit ihren 8.2 Millionen Einwohnern ist übrigens die 2. grösste Wüstenstadt der Welt und erinnert daher ein bisschen an den Wilden Westen. Historisch hat Lima einiges mitgemacht und die prachtvolle, restaurierte koloniale Innenstadt mit ihren zahlreichen Palästen, Museen, Kirchen, die majestätischen Plätze und Parks etc. laden zu einer gemütlichen Stadttour ein. Wie immer ist für uns das bunte, vielfältige, abwechslungsreiche, unberechenbare authentische Strassenleben am interessantesten und wir geniessen die radelfreie Zeit in den Gassen Limas.

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Kathedrale am Plaza de Armas in der Altstadt Limas.

Nico bekommt innerhalb von 2 Stunden nach Ankunft in Lima überraschend schnell ein neues Tretlager organisiert und eingebaut, ein Hoch auf die peruanischen Mechaniker. Die Reise kann also weitergehen. Ansonsten wird Lima zur Entspannung und zum organisieren von zahlreichen Kleinigkeiten genutzt, auch die inzwischen obligatorische Massage darf natürlich nicht fehlen. Wieder gibt es einen Abschied, den Pazifik und auch die Panamericana werden wir verlassen. Treu haben der große Teich und die legendäre Strasse uns über 19.000km von Alaska bis Lima begleitet. Für uns geht es jetzt in die Berge wo uns Cusco mit viel Kultur der Inkas und der Titicacasee erwarten. Danach geht es weiter nach Bolivien, Chile und Paraguay, Brasilien und damit unser Ziel Rio mit seinen Olympischen Spielen liegt quasi direkt „hinterm Berg“ und ist zum greifen nahe.

„König Plattfuss“ hat inzwischen die 25zig geknackt und baut seinen Vorsprung auf Sandro und Nico komfortabel auf je 10 Platten Abstand aus. Die Beiden müssen schon eine furiosen Endspurt hinlegen um Julian Platz 1 und damit die Olympische Goldmedaille noch streitig zu machen.

Unser Traum geht weiter, wir hoffen auch ihr lebt nicht nur in einer Traumwelt, sondern gestaltet diese auch aktiv. Den nächsten Bericht gibt es direkt aus den Anden.

Danke für eure Unterstützung, eure Nachrichten und Kommentare. Vielen Dank auch fürs teilen unserer Berichte auf Facebook!

Mit unverwüstlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro

Mehr Bilder sind in unserer Galerie zu finden!

Kolumbien Nr. II

Kolumbien

Unser letzter Blog wurde noch in der Tiefebene Kolumbiens verfasst, inzwischen hat uns die  längste Gebirgskette der Welt, die scheinbar unendlichen massiven Anden, fest im Griff. Täglich machen wir äusserst schweisstreibende Höhenmeter, wieviele Meter wir bereits auf unserer Reise in die Höhe geklettert sind wissen wir leider nicht genau, einige Zehntausende sind es bis dato auf jeden Fall gewesen.

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Cynthia führt uns durch Medellin.

Wieder sind wir zahlreichen interessanten Menschen begegnet, so treffen wir Fabian aus Hamburg, welcher seit gut 5 Jahren mit seinem VW-Bus um die Welt kurvt, dank ihm hat nun auch Julians Ebook weitere 200 Bücher im Speicher. In Medellin legen wir einen entspannten Ruhetag bei Cynthia und ihrem Bruder Charles ein, wir fahren mit der berühmten Gondelbahn und haben daher eine interessante Perspektive über die Millionenstadt, wir werden in der Stadt rumgeführt, den Charme Cartagenas erreicht Medellin allerdings nicht. Oft werden wir gestoppt und müssen als Fotomodell herhalten, Kinder bestaunen unsere Räder und Männer wollen das Rohloff-System unserer TX-1000 Stahlrösser genauestens erklärt haben.

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Gondel über Medellin. Eine interessante Perspektive.

Auch mit einigen Radfahrern hatten wir das Vergnügen und wir strampelten zusammen durch tiefe Täler hinauf auf massive Bergkämme, passieren zahlreiche Pässe und genossen eine fantastische Aussicht über Berge und gigantische Schluchten. Die Landschaft ist saftig grün und die Berge mit ihren diversen Schattierungen und dem blauem Himmel im Hintergrund stellen ein umwerfendes Gesamtbild da, beinahe fühlen wir uns wie auf einer heimatlichen Alm. Die Anden werden immer massiver und von Tag

Rauf und runter. Bis auf teilweise 2800 Höhenmeter.

Rauf und runter. Bis auf teilweise 2800 Höhenmeter.

zu Tag selbstbewusster, wir steigen und fallen, geniessen traumhafte Abfahrten von bis zu 37km und fluchen leise über Anstiege der selben Länge. Ab ca. 2500m Höhe wird es recht frisch und unsere Kaipara-Merino-Kleidung kommt wieder vermehrt zum Einsatz, auch mit Regen müssen wir uns jetzt öfters auseinandersetzen, in den Bergen hängt eben das Wetter fest. In den Tälern und Flussebenen steigt dafür das Thermometer wieder auf knapp 40 Grad und die dicke Sonnencreme muss ausgepackt werden. Wir erleben eine langsame Achterbahnfahrt, von 700m rauf auf 2800m, runter auf 1100m und wieder rauf auf 2550m, runter auf 500m und wieder geht es rauf auf knapp 3000m (dies entspricht etwa der Zugspitze, immerhin Deutschlands höchster Berg) usw. usw. Falls die Beine gar nicht mehr wollen, gibt es immer noch die schleichenden LKW’s, welche sich schwerbeladen ebenfalls den Berg hoch quälen, diese eignen sich perfekt um sich einige Meter den Berg hochziehen zu lassen. Was kolumbianische Strassenkinder können, können wir schon lange (vom nachahmen wir allerdings dringend abgeraten)!

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Milchtransporter in Kolumbien.

4kg Spareribs zum Mittagessen.

4kg Spareribs zum Mittagessen.

Die tägliche Raubtierfütterung ist jedesmal ein Festessen, neben Reis, Bohnen, gebratenen Bananen und köstlichem Fleisch kommen auch delikate Nachspeisen und Delikatessen wie 4kg Spareribs auf den Tisch, ein Hoch auf die Küche Kolumbiens. Mit 1,50€ für ein üppiges Frühstück, 1,80€ für ein massives Mittags- bzw. Abendessen müssen sich die Preise nicht verstecken und wir sind wieder bereit und ausreichend gestärkt für den nächsten Anstieg. Der Highway 25, die Panamericana, führt uns zielstrebig in Richtung Ecuador, nur selten verlassen wir den gut ausgebauten Highway und fahren auf Nebenstrassen weiter (Highway 29 und 50). Momentan ist unser Schlagzahl etwas höher wie sonst, aber am 7. April müssen wir in Guayaquil im Süden Ecuadors sein um unseren Flug auf die Galapagos-Inseln zu erwischen. Allgemein ist es nicht schlecht auf so einer langen Reise sich kleinere Etappenziele zu setzten, hat man nur die Gesamtkilometer bzw. das Endziel, bei uns Rio im August 2016, im Kopf kann das einen mürbe machen, da man kaum Fortschritte sieht. Mit unserem Kuba Urlaub, dem Segeltrip nach Kolumbien und dem Flug auf die Galapagos-Inseln haben wir uns immer schöne und reizvolle Etappenziele gesetzt, dieses Konzept ging bislang gut auf. Klar, manchmal scheinen auch diese Etappenziele unerreichbar, wochenlang, tausende Kilometer weit strampeln wir drauf hin, Meter für Meter und plötzlich hat man es aus eigener Muskelkraft erreicht. Ein tolles, unbeschreibliches Glücksgefühl.

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Ein Hartes Leben in den Bergen.

Auf der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten landen wir immer öfters in diversen Stundenhotels, dies sind günstig und, gerade in den abgelegeneren Gebieten, zahlreicher wie „normale“ Hotels zu finden. Das horizontale Gewerbe ist in Kolumbien quasi an jeder Strassenecke anzufinden und gesellschaftlich akzeptiert, selbst die Polizei versucht uns an die Damen „zu vermitteln“, wir lehnen jedoch artig ab. Die kolumbianischen Männer müssen einen enormen Liebesbedarf haben, jedenfalls stehen sich am Strassenrand zig tausend Damen die Füsse platt und warten auf eine liebeshungrigen Trucker, welcher eines der besagten Stundenhotels anfährt.

Medellin. Wir werden herzlichst empfangen..

Medellin. Wir werden herzlichst empfangen..

Vor Kolumbien wurden wir gewarnt und es wurden uns Horrorgeschichten über Land und Leute erzählt. Jetzt stehen wir vor den Toren Ecuadors und haben tausende Kilometer in Kolumbien abgefahren, von Gewalt und Verbrechen keine Spur. Nico’s uns Sandro’s Schuhe wurden zwar „entwendet“ aber diese wurde 11 Monate abgearbeitet und fallen nicht wirklich unter heimtückischen Diebstahl, oder? Im Gegenteil, wir werden weiter angefeuert, bekommen Wasser und Früchte gereicht und nette, interessierte Gesprächspartner gibt es wie Sand am Meer. Klar kann man zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort sein und Gelegenheit macht Diebe, aber wo auf dieser Welt ist dies nicht der Fall? Gerade die jeweiligen Nachbarländer halten oft wenig von den Menschen auf der anderen Seite der Grenze. Die Engländer mögen die Schotten nicht, in Guatemala wird schlecht über El Salvador gesprochen, Nicaragua spottet über Honduras etc. etc. Und die Amerikaner? Die warnen vor jedem Land, jeder Kultur und jeder Religion, ein ängstlicheres Land, ein Land mit mehr Vorurteilen und Feindbildern, wie die USA, das selbsternannte Land der „grossen Freiheit“, haben wir bislang nicht kennengelernt. Ein Präsidentschaftskandidat wie Donald Trump mit seinem peinlichen Parolen ist das erschreckende Resultat dieser Angst und der bestehenden Vorurteile, andererseits sind wir mit den Wahlergebnissen der AfD (März 2016) in Deutschland nicht auf dem selben Holzweg? Jeder der mal eine solche Reise unternommen hat wird sich von solchen rechtspopulistischen Parteien fernhaften, egal auf welcher Seite des grossen Teiches, egal wo auf der Welt. Die Menschheit ist gut, unser Planet ist voller Wunder und atemberaubenden Plätzen. Ein paar Hans Wurscht’s wollen uns allerdings leider vom Gegenteil überzeugen, da hilft nur die fehlgeleiteten Idioten zu ignorieren und seine Stimme sinnvoll vergeben um nicht in deren braunes Fahrwasser zu geraten.

Eammon und Michel radeln 40km mit uns mit.

Eammon und Michel radeln 40km mit uns mit.

In Cali, der Hauptstadt der Salsatänzer, lassen wir uns nochmals die Berge aus den Beinen massieren und bewundern das, sich stündlich wechselnde, Strassenbild dieser Stadt. Nach Cali erwarten uns die Berge zurück, Sonne und Regen wechseln sich ab und wir kommen dadurch in den „Genuss“ wie durch eine Dampfgrotte radeln zu dürfen. Mit den Radlern Eammon aus Irland, Michel aus Kanada und Nelson aus Kolumbien haben wir einen tollen Tag auf den Bikes und besichtigen zusammen Popayan. Popayan hat komplett in weissgestrichene historische Altstadt und war u.a. Wohnsitz des ersten Präsidenten Kolumbiens. Mittlerweile stehen am Strassenrand tausende, schwer bewaffnete Soldaten, die gepanzerten Einsatzfahrzeuge erinnern an Kriegsschauplätze. Wir sprechen mit den Militärs und uns wird geraten vor allem die Nacht zu meiden, wie schon erwähnt eine 100%tige Sicherheit gibt es eben nie. Wir wollen gar nicht wissen was in den zahlreichen LKW’s alles von A nach B transportiert wird, ganz umsonst ist das Militär und Polizei Aufgebot mit Sicherheit auch nicht vor Ort, wir werden jedenfalls immer fröhlich durch jede Kontrolle gelotst. Auch die Kolumbianer sind recht gläubige Menschen, gerade in der Osterzeit sind die Kirchen gefüllt und wir sind bereits einigen Pilgern begegnet und Ostermärsche ziehen sich durch die Dörfer. Vielleicht vertrauen die Autofahrer zu sehr auf Gott, wieder stehen zahlreiche Kreuze am Strassenrand. Nur auf Gottesgnade zu hoffen ist auch nicht der richtige Weg, Einsicht und Rücksicht im Strassenverkehr sollte schon auch sein, teilweise werden wir Zeugen von recht waghalsigen Verkehrsteilnehmern.

Schlafen, essen, radeln, essen, radeln, essen und wieder in die Falle, so sehen unsere Tage im Moment auf, da es aber täglich Neues zu sehen gibt und wir immer ins Ungewisse radeln, kommt nie Langeweile oder Routine auf, es bleibt spannend und abwechslungsreich. Inzwischen haben wir die 19.000km voll gemacht und uns daher einen Ruhetag im Städtchen Pasto auf knapp 2900m Höhe verdient. Pasto ist ein nettes Bergstädtchen, leider haben am Gründonnerstag alle Geschäfte geschlossen und die Altstadt ist verwaist, so bleibt immerhin mehr Zeit zum entspannen. In unserer beliebten Plattfußstatistik gibt es keine grossen Veränderungen, Julian führt mit 21 Löchern und trägt sein Schicksal inzwischen mit Galgenhumor, Nico folgt auf Platz 2 (14) und Sandro liegt glücklich hinten auf Platz 3 (13).

Mal schauen wie grosszügig der DFB (Deutsche Fussballbund) sich zeigt, wir haben jedenfalls mal eine nette Email an die Damen und Herren gesendet, mit der Hoffnung auf Tickets für das Olympische Fussballturnier von Rio de Janeiro.

Unser nächster Bericht sollte bereits aus Ecuador kommen, wir wünschen euch Frohe Ostern und entspannte, sonnige Feiertage egal wo auf dieser Erde.

Viel Spaß beim Ostereier suchen!!!

Beste Grüße aus Pasto in den massiven Bergen Kolumbiens.

Euer Trio for Rio.

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder gibt es in unserer Galerie!

Oh, wie schön ist Panama – Costa Rica II

Costa Rica, Panama

Jeder Meter leistet seinen kleinen Beitrag zu unserem ehrgeizigem Gesamtprojekt „Trio for Rio“. Der aktuelle Meter ist genauso wichtig wie der vergangene oder der kommende Meter. Am Ende, in Rio de Janeiro, ist unsere gesamte Reise zusammengesetzt aus vielen kleinen Metern, aus vielen kleinen Streckenabschnitten welche, ähnlich wie ein Mosaiksteinchen ein Bild vollkommen macht, unsere Reise zu einem Gesamtbild verhilft und bunt und einzigartig werden lässt.

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Haus eines Fischer auf der Halbinsel Nicoya.

Die letzten 2 Wochen waren voller positiver Überraschungen, tollen Begegnungen, nervigen Viren und unvorhersehbaren harten Streckenabschnitten. Wir verlassen den bezaubernden Playa del Coco, verabschieden uns von unseren Gastgebern Jim und Sina und finden uns auf dem stürmischem Highway 21 wieder, welcher uns die Nicoya-Halbinsel runterführt. Die Menschen hier in Costa Rica und später in Panama freuen sich jedesmal dermassen unser Dreigespann zusehen, dass es uns schon beinahe ein bisschen zu viel wird. Wie oft wir inzwischen „Hola“, „Hello“, „Hi“, oder „Adios Amigos“ gesagt haben, wie oft wir winken durften, den Arm zum Gruß gehoben haben oder auf einen kleinen Schwatz anhalten mussten, können wir nicht zählen, die Begeisterung ist einfach gigantisch, Kinder stellen neugierig ihre Fragen und wollen Antworten, alles sehr harmonisch und sehr authentisch. Die Autofahrer hupen uns vor lauter Euphorie manchmal beinahe von der Piste, wir bekommen Süssigkeiten, Geld, Wasser und Früchte etc. aus den Autos gereicht, tolle Gesten, einmaliges Zentralamerika. Wer bei uns  in Deutschland den Mädels hinterher pfeift gilt schnell als Prolet, hier im Herzen Zentralamerikas ist die Sachlage etwas anders, hier  wird jedem egal ob Mann oder Frau nachgepfiffen, ein Pfiff erspart auch den Gruss, daher werden wir zigmal am Tag „angepfiffen“. Andere Länder, andere (witzige) Sitten.

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Stürmische See, die Fähre kommt. Kann uns aber leider nicht mitnehmen…

Um von der Nicoya-Halbinsel wieder aufs Festland zu gelangen wollen wir eine kleine Fähre nehmen, es stürmt wie die Hölle und beim Anlegen kracht die Fähre dermassen auf den Pier, dass dieser danach zerstört ist und der Hafen seinen Betrieb einstellen muss. Ja, da stehen wir dumm da, man kann sich einfach auf kein anderes Verkehrsmittel wie das gute, alte und stets treue Fahrrad verlassen. Nach einer 30km Schotterpistenfahrt gelangen wir zu einer anderen Fähre, welche uns am Abend sicher aufs Festland nach Puntarenas bringt.

Der Küstenhighway 34 ist Anfangs noch bergig, später wird er komplett flach und sogar der Wind unterstütz uns und bläst sanft von hinten. Begleitet von grossen Piratenpapageien geht es vorbei an wunderbaren Stränden wie der „Playa Hermosa“ oder der „Playa Dominical“, wo wir unsere Zelte direkt am Pazifik aufschlagen und ein zauberhaftes Strandambiente vorfinden, ein Traum nicht nur für Surfer und Sonnenanbeter. Aber nicht nur die Palmenstrände in Costa Rica begeistern, auch unsere Lager am Rande des Regenwaldes/Dschungels haben ihren Reiz, i.d.R. finden wir immer einen einladenden Fluss oder gastfreundliche Menschen welche uns im Vorgarten übernachten lassen.

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Wir zelten am Playa Hermosa.

Nach gut 300 Tagen auf den Strassen dieser Welt sind wir inzwischen absolute Experten was Zelt- und dazugehörige Badeplätze anbelangt. Aufbauen, schlafen, abbauen und unser komplettes Equipment wieder auf die zuverlässigen TX-1000 Räder der Fahrradmanufaktur verfrachten ist nach einer solangen Zeitspanne absolut Routine und jeder Handgriff sitzt. In der Zwischenzeit passen wir an wilden Badestellen allerdings vermehrt auf, von den zahlreichen Krokodilen welche sich an den Flussufern tummeln wollen wir keinem allzu nah kommen. Es war eine gute Entscheidung, die heimatliche Komfortzone vor gut 10 Monaten zu verlassen, das Leben spielt sich draussen ab und nicht vor dem Fernseher, der Spielekonsole oder dem Computer. Der erste Schritt ist der wichtigste, alles andere kommt von alleine. Schnapp dir ein Fahrrad und zieh los! Wir brauchen so wenig zum leben, reduzier dich und beschränke dich auf das nötigste zumindest für eine Weile, es lohnt sich.

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Nicht nur wir baden gerne in Flüssen. Hier in Costa Rica gibt es unzählige Krokodile.

Ja, was die Krokodile nicht geschafft haben, haben die Moskitos hinbekommen. Irgendwo sind Sandro und Julian zu ihren Opfern geworden und die nächsten Tage waren mit Schüttelfrost, Gliederschmerzen und Fieberträumen die reinste Quälerei. Denque-Fieber und Zika-Virus lassen grüßen, nur einen effektiven Schutz vor den schwirrenden Quälgeistern gibt es leider nicht, wir können uns ja schlecht 24 Stunden verkriechen. Da die Temperaturen auch in der Nacht nicht unter 27°C fallen und die Durchlüftung in den Zelten eher wenig effektiv ist, zogen sich die Tage lange hin, erst nach 4-5 Tagen war der Spuck vorbei und die Tage wurden wieder leichter. Wenn einer eine Reise tut….

Eine grosse Überraschung kommt aus der schwäbischen Heimat, unsere Eltern besuchen uns Anfang April auf den Galapagosinseln, eine feine Sache. wir freuen uns sehr auf die 8 gemeinsamen Tage im Naturparadies Ecuadors mit euch, damit haben wir nicht gerechnet.

Nach 11 Tagen verlassen wir Costa Rica und sind voller Begeisterung für dieses Land, unglaublich schöne, abwechslungsreiche Natur, viel Platz für Aktivitäten und tolle Strände um die Seele baumeln zu lassen. Wären die Preise nicht ganz so hoch, würde Costa Rica mit Sicherheit ganz vorne auf unserer Länderliste stehen. Mit 12.46€ p.P/Tag haben wir die Kosten zwar kleingehalten, haben aber auch sehr einfach gelebt und z.B. nie für Übernachtungen gezahlt und auch Restaurantbesuche wurden komplett eingestellt.

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In Costa Rica gibt es viele Papageien.

Eure Zahlungen an die GEZ könnt ihr übrigens mit gutem Gewissen einstellen!! Wir haben, wie im letztem Bericht erwähnt, einige Anfragen an die ARD und ZDF gesendet um über die beiden Sender, welche immerhin live von den Olympischen Spielen berichten werden, eventuell in die Wettkampfarenen zu gelangen. Von 15 Emails kam nichts zurück, ausser irgendwelchen unpersönlichen Standardabsagen, enttäuschend.

Die Enttäuschung hält allerdings nicht lange an! Eine Email der Deutschen Sport Marketing Agentur findet den Weg in unser Postfach und wir werden offiziell ins Deutsche Haus, in den Barra Blue Beach Club, in Rio de Janeiro während den Olympischen Spielen eingeladen!!!! Wir sind also mittendrin im Treffpunkt der deutschen Athleten und freuen uns auf Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft, Politik und Entertainment im Herzen Rios. Danke an Frau Nadine Lehr und an den DOSB für das weiterleiten unserer Email, wir freuen uns sehr auf unseren gemeinsamen „Treffpunkt Rio“!

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Gegenwind, breite Strassen. Zur Abwechslung ist es hier aber mal flach.

Bis Rio ist es allerdings noch ein weiter Weg, doch beflügelt mit diesem  neuem Highlight, dem Besuch des Deutschen Hauses in Rio, fahren wir, nach genau 17.000km, über die Grenze nach Panama, unserem Land Nr. 16. Wer kennt ihn nicht den Kinderbuchklassiker „Oh, wie schön ist Panama“ von Janosch, wo der kleine Bär, der kleine Tiger und dessen Tigerente auf der Suche nachdem Glück sind? Und jetzt sind wir also in Panama und geniessen das letzte Land auf zentralamerikanischen Boden. Panama wird als das Land des Gegenwindes, zahlreicher Hügel und super ausgebauten Strassen lange in unseren Erinnerungen bleiben.

Die letzten Tage bis Panama City waren sehr zäh und lang, allerdings spürten wir auch noch die Nachwehen unserer Viruserkrankung und waren nicht voller Energie und Konzentration, am Abend fallen wir daher fix und fertig in unsere Zelte.

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Von der Isar, Neckar, Themse bis an den Panama Kanal.

Gestern am Tag 302 unserer Reise haben wir also den Panamakanal überquert, gut 17556Km liegen zwischen der bayrischen Isar bzw. zwischen unserem schwäbischen Neckar und dem weltberühmten Kanal von Panama, wir haben nach 973 Stunden im Sattel eine Verbindung hergestellt, auf dem Fahrrad wohlgemerkt!!! Da uns der Gedanke, den Panamakanal auf dem Fahrrad überquert zu haben so begeistert, überqueren wir ihn gleich nochmals, sicher ist sicher. Jetzt haben wir eine Überquerung an der „Puente de Centenario“ und der „Puente de las Americas“ zu Buche stehen. Den Eintritt für die Schleusen des Kanals sparren wir uns allerdings, mit 15U$ p.P. der absolute Wucher, sollten die Betreiber an ihrem Geld ersticken und Pauschaltouristen abzocken, ein TrioforRio spielt da nicht mit.

Noch bevor wir in Panama City im Hostel, El Machico, einchecken, zischt Julians Schlauch zum neunzehnten Mal!!!! Die Goldmedaille ist ihm bis Rio kaum noch zu entreissen, Nico und Sandro liegen beide bereits 6 Plattfüsse zurück.

Heute geniessen wir einen Ruhetag in Downtown Panama City, das Zentrum ist äusserst modern und steht anderen Weltmetropolen ins nichts nach. Aber auch historisch muss sich Panama City nicht verstecken, die kleinen Viertel sind fein rausgeputzt und sind stolze Zeugen einer vergangenen, prächtigen Zeit mit oder ohne spanischer Kolonialherren.

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Julian, Sandro und Nico in Panama City.

Noch knapp 120 Kilometer werden wir in Panama auf unseren Rädern sitzen bevor wir 5 Tage ins karibische Meer stechen und den Fluch der Karibik neu verfilmen. 5 Tage schippern wir also auf einem kleinem Segelboot von Carti/Panama nach Cartagena/Kolumbien und umgehen somit den „Darien-Gap“, welches für Radfahrer unpassierbar ist und wir durch die karibische See segeln „müssen“, wir haben es auch nicht leicht.

Bis bald auf südamerikanischen Boden, Columbia is calling!

Sonnige Grüße aus Panama City,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.

Mexiko No. 4 – „Feliz Navidad“ und „Viva la Revolution“

Mexiko
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Der Horizont ist in Sicht, keine Berge voraus.

Wir verlassen die Maya- Stadt Palenque am 1. Adventssonntag und es wird schlagartig flach. Kein Hügel, kein Berg einfach eben und eine Sicht bis zum Horizont, beinahe könnte man schon von einem öden, langweiligen Streckenabschnitt sprechen, aber keiner von uns wünscht sich die Berge und die damit verbundenen Qualen zurück. Ausserdem sind die Sümpfe am Rande des Highways 199 bzw. 186, voller Leben, Krokodile, Echsen, Schildkröten, Schlangen und Spinnen sind unsere treuen Begleiter in den letzten Wochen gewesen. Nach dem Bundesstaat Chipas, geht es kurz durch Tabasco, Namensgeber der gleichnamigen würzigen Sauce, mit dem Bundesland Campeche erreichen wir schliesslich die mexikanische Ostküste und haben damit Mexiko einmal durchquert.

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Tiere egal wo man hinschaut, auch in den Bäumen wo man Echsen nicht unbedingt erwartet.

Unser Kalorienverbrauch ist dermassen in die Höhe getrieben, bei unseren „Fressorgien“ würde selbst Buds Spencer zusammenbrechen. Schätzungsweise 7000 Kalorien müssen wir jeden Tag auffangen, da muss schon einiges auf den Tisch.

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Egal ob Morgens, Mittags oder Abends. Hühnchen können wir immer essen.

Die Mexikaner haben unglaublich viele kleine Garküchen und BBQ-Stände, Leckereien finden sich daher von ganz alleine. Gerade in der Weihnachtszeit darf es gerne auch mal ein bisschen mehr sein, aus Tradition sozusagen. Allerdings sollten vielleicht die Herrschaften vom Gesundheitsamt oder vom TÜV aus hygienetechnischen bzw. sicherheitstechnischen Gründen lieber einen Bogen um Mexiko und Südamerika machen, ansonsten drohen schwere psychische Störungen.

Die Gegenden um Palenque, Campeche, Cancun etc. sind auch Touristenhochburgen immer wieder begegnen uns Tonnen von Pauschaltouristen eingepfercht in Minibusse, welche einem Tourguide hörig sind und diesem widerstandslos auf Schritt und Tritt hinterher watscheln wie die Kücken der Mutterhenne. Daheim gegen Massentierhaltung demonstrieren und sich im eigenem Urlaub bevormunden und einsperren lassen, versteh einer die Welt. Wir haben schon überlegt ob wir Amnesty International einschalten sollen oder ob wir selbst eingreifen sollen, aber uns wurde zugesichert, alle Reisenden werden aus eigenem Willen eingesperrt und regelmässig für Foto – und Pinkelpausen rausgelassen.

Jedenfalls sind uns da unsere Räder, die tollen Mittagspausen in den Hängematten, die oft einfachen aber zweckmässigen Unterkünfte und die selbstbestimmte Reisegeschwindigkeit wesentlich lieber. Jeder hat eben eine eigene Vorstellung von Freiheit und vom reisen in fremde Kulturen.

In der Altstadt von Campeche fühlen wir uns wie in einer Filmkulisse, alles hinter der dicken Altstadtmauer ist schön bunt, wunderbar restauriert und einen Abstecher wert.

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Campeche, eine sehr bunte historische Stadt.

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Altstadt von Campeche.

Sandro hat in unserer beliebten Plattfussstatistik inzwischen mit 13 Platten die Führung übernommen und damit die Herbstmeisterschaft für sich entschieden. Julian (12) und Nico (10) sind mit Silber und Bronze trotzdem sehr zufrieden. Auch in der Mantelstatistik führt Sandro mit 3 gewechselten Mänteln vor Nico (2) und Julian (1), Sylvester bekommen wir Besuch aus der Heimat, genügend Ersatzschläuche, Mäntel und weiteres Equipment sind also bereits unterwegs.

Manchmal fühlen wir uns auf unseren Bikes wie Seemänner, was beim Seemann die handbreit Wasser unterm Kiel ist, ist bei uns die handbreit Luft unter der Felge. Reifenwechseln, Schläuche flicken und pumpen gehört definitiv nicht zu unseren Lieblingsaufgaben.

Der eher öde 180er Highway bringt uns also Stück für Stück näher nach Cancun und damit zu unserem ersehnten Weihnachtsurlaub auf Kuba, oder geht am Ende doch keine Fähre? Die zahlreichen Gerüche entlang der Strasse stärken unsere Motivation nicht unbedingt. Müll, faulige Sumpfgebiete, Essensreste, tote Tiere, Abgase, Industrieanlagen, unser Geruchssinn muss einiges ertragen.

Manchmal knallen wir mit unseren Charakteren kräftig aneinander. Unsere unterschiedlichen Vorlieben, Eitelkeiten, Vorstellungen, Wünsche, Ideen, Meinungen, Auffassungen, Ziele und Träume sind oft nicht einfach unter einen Hut zubringen. Aber in der Regel wird immer eine, für jeden erträgliche, Lösung gefunden und auch der grösste Knall verhallt recht schnell wieder.

Im Gegensatz zu Europa, Kanada und den USA zelten wir im Mexiko eher selten, die einfachen Unterkünfte sind mit circa 4-5€ p.P., fliessend Wasser und weichen Matratzen einfach zu verlockend. Ausserdem kommen wir dem Äquator immer näher, die Dämmerung setzt oft schon gegen 17Uhr ein, die Suche nach einem geeignetem Nachtlager müssten wir demnach schon um 16Uhr beginnen und so nutzen wir das restliche Tageslicht lieber zum radeln.

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Gegen 17.30 Uhr wird es dunkel.

Die berühmte Pyramide und Ruinen von Chichen Itza lassen wir aus Kostengründen aus, es gibt ja schliesslich, die oben genannten, Pauschaltouristen, sollen die den Wuchereintrittspreis zahlen und damit die mexikanische Staatskasse klingeln lassen.

Am Tag 225 und nach 14127 Kilometern erreichen wir schliesslich die Küstenstadt Cancun. Jetzt haben wir die 2 entferntesten Städte Mexikos, Tijuana und Cancun, miteinander verbunden. 4602 Kilometer liegen dazwischen, mehr Mexiko geht nicht.

In Cancun machen wir uns, bei strömenden Regen, auf die Suche nach einem Boot nach Kuba. Mythos oder nicht? Gibt es ein Boot oder eine Fähre auf die Insel? Tausende Menschen befragen wir, zig Agenturen werden aufgesucht, nochmals wir gegoogelt, mehrere Häfen werden genauestens ausgefragt. Die Ernüchterung trifft uns hart. Nein, es gibt definitiv kein Boot, keine Fähre von Cancun bzw. vom mexikanischen Festland nach Kuba. Alles Gerüchte, alles Mythos, da gibts nichts zu machen. Aus der Traum vom kubanischen Weihnachtsurlaub?

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Kuba wir kommen, doch leider gibt es kein Boot.

Aber ein „TrioforRio“ gibt nicht so schnell auf, wir müssen umorganisieren. Wir wollen unseren Traum realisieren und steigen aufs Flugzeug um, aus Kostengründen müssen die Fahrräder allerdings in Mexiko bleiben und der Flug sprengt beinahe unser Budget, aber nach weiteren Stunden in Agenturen haben wir 3 Flugtickets in der Hand, das Visa gibts am Flughafen. Die Räder können in der Ticketagentur sicher abgestellt werden und in 16 Tagen geht es ausgeruht weiter Richtung Belize und Guatemala.

Wir verabschieden uns also in den, wie wir finden, wohlverdienten Weihnachtsurlaub und sind am 28.12 zurück in Cancun. Da Kuba eine äusserst schlechte Internetverbindung haben soll, wünschen wir hiermit bereits „Frohe Weihnachten“, „Feliz Navidad“ und „Merry Christmas“.

Euer Trio for Rio.

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Wir wünschen „Frohe Weihnachten“, „Feliz Navidad“ und „Merry Christmas“.

Weitere Bilder unter Galerie.

Goodbye USA – ¡Hola Mexico!

USA
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Staubtrockenes Gebirge auf dem Weg zur Küste.

Nach unseren 15 Ruhetagen in Visalia/Tulare, siehe letzten Bericht, sattelten wir in der letzten Septemberwoche wieder unsere Drahtesel und machten uns auf den Weg Richtung mexikanische Grenze. Vorbei an endlosem Farmland, welches hauptsächlich durch mexikanische Erntehelfer bestellt wird, fuhren wir durch die kalifornische Hochebene. Diese Gebiet wird von den Einheimischen Farmern auch der „Früchtekorb der Welt“ genannt, leider ist Kalifornien die letzten Jahre äusserst trocken und es wird bereits von einer Jahrhundertdürre gesprochen. Viele Menschen entlang der Strecke hoffen weiter auf das berüchtigte Wetterphänomen „El Nino“, welches wiederum Überschwemmungen und andere Naturkatastrophen mit sich bringen wird. Klar ist jedenfalls Regen wird hier dringend benötigt ansonsten wird es wohl schwierig in Kalifornien weiter Obst und Gemüse in gewohnten Verhältnissen anzubauen.

Der Highway 33 führt uns weg vom Farmland und direkt in die Berge, welche eher  einer kargen Mondlandschaft gleichen und uns, bei extremen Temperaturen, kräftig schwitzen lassen. Zwischendurch kommt es uns vor, wie wir durch ein Terrarium

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Platten: Sandro 9, Julian 9 und Nico 6.

fahren,  viel Sandgestein, kleinere Kakteenarten, dafür sind schattige Bäume Mangelware und durch die vielen Dornen müssen wir täglich unsere Reifen flicken. Unser Plattfussstatistik wird übrigens von Julian und Sandro mit je 9 angeführt, Nico liegt mit „nur“ 6 Löchern zwar abgeschlagen aber glücklich auf dem letzten Platz. Übernachtet haben wir nicht nur im offenem Feld, sondern oft bei der Feuerwehr/Rangern entlang der Strasse, da mussten wir uns zumindest über Wasser und plötzliche Buschfeuer keine Sorgen machen.

Den Anstieg zum Pine Mountain Summit (5084Feet) bewältigen wir in den frühen Morgenstunden, damit wir der Hitze entkommen. Die circa 35 Kilometer Abfahrt nach Ventura an den Pazifik war ein Traum und wurde nur durch wenig Flachland unterbrochen. In Ventura machen wir unsere 9000km voll und treffen wieder auf den Highway 101 bzw. den Highway 1, auf welchen wir abwechselnd bis nach Los Angeles fahren, vorbei an dem berühmten Strandabschnitt von Malibu.

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Wildcampen am Meer kurz vor Malibu.

In Los Angeles kommen wir bei Alexander unter, welchen wir in Kanada kennenlernten. Alexander zeigt uns L.A. bei Nacht und wir sind begeistert von den vielen Sehenswürdigkeiten dieser bunten, schrillen, pulsierenden 22 Millionen-Metropole. Über die weitläufigen und einmaligen Stände von Long Beach und Huntington Beach, geht es von L.A. weiter bis nach Newport Beach. Dort erwarten

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Trio for Rio zu Besuch bei Flo und Rebecca aus der schwäbischen Heimat Rottenburg.

uns mit Flo und seiner Frau Rebecca Freunde aus unserer schwäbischen Heimat Rottenburg. Die beiden geben uns einen feucht-fröhlichen Eindruck ins kalifornische Nachtleben, der nächste Tag ist ein Pool- und BBQ-Tag und daher der Entspannung gewidmet. Flo arbeitet direkt in L.A und nimmt uns am folgendem Tag mit und wir erkunden die Stadt nochmals zu Fuss. Julian muss einen Zahnarzt in Beverly Hills aufsuchen, da das amerikanische Müsli zu hart für einen seiner Backenzähne war, eine Millionen-Klage gegen die Müsli-Firma ist angedacht. Auf dem berühmten „Walk of Fame“ sind auf jeden Fall noch Sterne frei für das „Trio forRio“ frei und auch in Hollywood würden wir uns bestimmt wohlfühlen.

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Trio for Rio gehört nun auch zum ‚Walk of Fame‘

Nach 3 Tagen bei Flo und Rebecca geht es von Newport weiter bis Lo Jolla. Gerade als wir unser Zelt im Stadtpark aufschlagen wollten kommen Benny und

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Unglaubliche Gastfreundschaft. Vielen Dank an Benny und Steffi.

Stephanie vorbei, die beiden ehemaligen Doktoren der nahen Universität sind unglaublich gastfreundlich, so bekommen wir nicht nur eine spontane Übernachtung angeboten, sondern auch ein königliches Essen und eine Führung über den Uni Campus. Wie schon in einigen Berichten erwähnt, die Gastfreundlichkeit und die spontane Hilfsbereitschaft der Amerikaner wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Heute sind wir bei Fini, ihrem Mann Devon und den beiden Kindern in El Cajon untergekommen und es ist wohl unserer letzte Nacht in den USA bevor wir in Tijuana über die Grenze nach Mexiko fahren.

124 Tage waren wir jetzt in den USA und Kanada unterwegs, 59x haben wir wild gecampt, 17x haben wir einen Campingplatz aufgesucht, 10x durften wir privat in einem Garten übernachten und unglaubliche 38x wurden wir eingeladen in Wohnungen/Häusern zu übernachten. Nicht eine Nacht mussten wir eine Pension/Hotel oder eine sonstige kostenintensive Unterkunft aufsuchen, danke an alle welche uns beherbergten und unterstützten. Ein dickes Dankeschön auch natürlich an den Wettergott der sich sehr gnädig gezeigt hat.

Da wir, bis auf die wenigen Campingplätze, nie kostspielig übernachten mussten und viele Menschen uns spontan mit Lebensmittel und Getränken versorgt haben, sind unsere durchschnittlichen Ausgaben mit 12.84€ p.P in den USA/Kanada sehr gering. Im Vergleich zu Europa wo wir im Schnitt 17.13€ p.P. benötigten, ist das eine tolle Überraschung. Da die eher teuren Länder/Kontinente unsere Reise mit den USA abgehakt sind, werden die durchschnittlichen Ausgaben von 13.93€ p.P. (Europa und USA/Kanada zusammen) wohl eher sinken oder sich auf dem bisherigen Niveau einpendeln.

Nach 166 Reisetagen und exakt und 9482 Kilometern, startet morgen mit Mexico also ein neues Kapitel, die nächsten Wochen wollen wir die Baja California abradeln und freuen uns auf eine neue aufregende Kultur mit vielen Abenteuern, scharfen-würzigem Essen, einzigartiger Natur  und  vielen tollen Menschen.

Euer Trio for Rio

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