Italien II – Schweiz – Deutschland (2) – Schwabenland

Deutschland, Italien, Schweiz
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Der Genfer See in der Schweiz, unser Land Nr. 29.

In Turin muss eine Entscheidung her, die Wolken hängen tief, es regnet und die Temperaturen werden stündlich kühler. Die Schneefallgrenze hatte sich bei knapp über 1000m eingependelt, keine tollen Aussichten auf unsere bevorstehende Alpenüberquerung. Wie es der Zufall so will kommen unsere Eltern gerade mit ihrem Wohnmobil aus dem jährlichen Griechenland-Urlaub. Kurzerhand nehmen die Beiden einen längeren Umweg in Kauf und laden uns samt Rädern ein. Wir werden also über die Alpen chauffiert, wer über 280.000 Höhenmeter in den Beinen hat, darf sich diesen Luxus mal gönnen. Das Felsmassiv der Alpen und die gigantischen Schluchten sind beeindruckend, wir geniessen dieser Eindrücke aus für uns ungewohnter Perspektive, vom Beifahrersitz aus. Am Genfersee haben wir die kritische Region hinter uns und es geht bei, weiterhin kühlen, Temperaturen wieder per Rad weiter durch unser Land Nr. 29.

Nachts wird es sehr kalt, doch Hotels sind viel zu teuer. Deshalb zelten wir.

Gleich die erste Nacht in der Schweizer Wildnis wird eine der kältesten unserer gesamten Reise, der ständige Nieselregen in den folgenden nächsten Tagen macht die Sache nicht besser. Mit steifen Gliedern und tauben Fingern kämpfen wir uns am Genfersee entlang bis Lausanne. Die Schweiz ist unverhältnismäßig teuer, so beschliessen wir absolut low-budget durch die Alpenrepublik zu radeln und möglichst kein Geld auszugeben. Unsere Zeltnächte am kristallklaren Genfersee sind zwar bitterkalt, dafür glitzern die Sterne am Himmel um die Wette. Einen schöneren nächtlichen Ausblick hat man aus den protzigen Villen rund um den See sicher auch nicht.

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Zufällig kommen wir beim IOC vorbei. Begeistert erzählen wir von unserer Reise und stossen auf taube Ohren.

In Lausanne sitzt der IOC (Internationales Olympisches Komitee), mit unserer Geschichte im Gepäck dürfen wir kostenlos ins Olympia Museum. Ansonsten zeigen sich die Anzugträger wenig beeindruckt von unserer Reise zu den Olympischen Sommerspielen 2016, den eher biederen Eindruck und das steife Image des IOC behalten wir daher bei.

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Minus 3 Grad. Warm anziehen und auf die Zähne beißen.

Der strahlend blaue Himmel täuscht etwas, die Luft ist zwar klar aber die Kälte ist schneidend. Wir verabschieden uns vom größtem See der Schweiz mit dem Ziel Bern, der Hauptstadt des Landes. Die Kilometer ziehen sich, der Wind bläst von vorne und die Temperaturen fallen auf zapfige 5-7 Grad, in der Nacht sind wir unter dem Gefrierpunkt. Frederic und Adriana haben Mitleid und nehmen uns für eine Nacht auf, die Schweiz ist zwar teuer, aber die Menschen haben ein großes Herz. In den nächsten Tagen werden wir häufig zum übernachten, zum aufwärmen oder zum Abendessen eingeladen, danke.

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Bern. Eine sehr schöne Stadt. Foto: Stelian Pavalache.

nDie Schweiz macht ihren Klischees alle Ehre. Auf den Weiden bimmeln die Kühe vor sich hin, Käsereien gibt es wie Sand am Meer und es geht natürlich (nur) auf und ab. Ab Bern wir wieder deutsch gesprochen, wir brauchen eine Weile bis wir aufhören automatisch auf Englisch zu antworten. Mit der Schweiz waren wir jetzt übrigens in allen 4 Ländern in welchen Deutschland Fussball-Weltmeister wurde, alle 4 Länder auf dieser Reise, alle wurden mit dem Rad erobert. Andere sammeln Pokemon’s mit ihren Smartphone’s, wir sammeln WM-Sterne mit dem Fahrrad. Mission erfolgreich gemeistert.

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Ranjit Singh Masuta lädt uns zum Essen und Übernachten ein. Vielen Dank.

Die Schweizer beeindrucken uns mit ihrer lockeren Art und ihrem wunderbaren Dialekt. Mit Malika, Cyrille und der bunten Großfamilie von Ranjit Masuta und einer Frau Uma Shakoor haben wir umwerfende Menschen mit z.T. unglaublichen Lebensgeschichten kennenlernen dürfen und hatten jede Menge Spass. Ranjit und seine  Familie retten uns vor einer kalten Regenacht, wir werden in ihr „Hotel Langenthal“ und ihr indisches Restaurant eingeladen, grossartige Menschen treffen wir dort in einem tollem Naturparadies. Julian bleibt sich treu und die Plattfußstatistik wird weiter fleissig ausgebaut, geschlagene 40(!!!) Plattfüsse stehen bereits in der Statistik, Nico liegt gerade mal bei der Hälfte und damit bei 20.

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Deutschland ist in Sichtweite. Hier am Dreiländereck in Basel.

Auf dem Weg nach Basel heisst es: Jacke an, Jacke aus, das Herbstwetter weiss anscheinend selten was es will! Andreas von der Basler-Zeitung lädt uns in seine Stadt ein, seine Frau On-Uma bekocht uns königlich. Die Basler-Zeitung bekommt ein Interview und wir eine tolle Stadttour durch die Altstadt bis hin zum Dreiländereck. Übrigens haben wir es geschafft und in der Schweiz kein Geld liegen lassen. Als Belohnung für uns Durchhaltevermögen gönnen wir uns allerdings am letzten Abend ein Fussballspiel zwischen dem FC Basel vs. Luzern, tolle Stimmung. Erwartungsgemäss gewinnt Basel mit 3-0, so lassen wir kurz vor der deutsche Grenze doch noch Geld liegen, mit umgerechnet 2,14€ p.P/Tag zählt die Schweiz aber zu unseren billigsten Reiseländern. den Artikel der Basler-Zeitung findet man hier: Zeitungsartikel in der BZ

Am Tag 539 radeln wir also wieder über deutschen Boden, die Sonne begrüßt uns mit einem herrlichem Herbsttag. Beinahe könnte man meinen die Heimat hätte uns vermisst und strahlt vor Freude als wir gen gigantischen, aber dennoch gemütlichen Rhein entlang rollen.

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Mit Sonnenschein pur empfängt uns Deutschland wieder.

Die erste Nacht auf deutschem Boden wird natürlich gezeltet, der Sprung in den Rhein ist ein kühle Angelegenheit und wir kriechen sofort in unsere dicken Daunenschlafsäcke. Am nächsten Tag wechseln wir mehrmals zwischen Deutschland und der Schweiz hin und her, je nachdem welche Rheinseite den besseren Radweg bietet. Spätestens als wir unser „Schwäbisches Meer“ bzw. den Bodensee erreichen, wird klar: Wir sind zurück!!!!! Die Heimat hat uns wieder und es gibt auch gleich einen weiteren Grund zu feiern, die 32.000km unsere 20.000Meilen sind voll, was für eine Zahl.

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Das „Schwäbische Meer“, der Bodensee.

In Konstanz werden wir von Jelena mit einem gigantischen Maultaschen-Essen begrüßt, 11 Maultaschen pro Kopf werden verdrückt. Am nächsten Tag gehts zur Tante und Onkel auf die andere Seeseite, wir werden herzlich begrüßt und es ist ein geschichtenreiches Wiedersehen. Auf dem Weg in unsere Geburtsstadt Tübingen warten mehrere Zeitungen auf uns und wollen Details zu unserer „kleinen“ Rundreise wissen. In Sigmaringen werden wir von Timo beherbergt, in Dusslingen übernachten wir bei Yvonne und Daniel nach unserem gratis Haarschnitt von “Rösener Schnittpunkt“ und unsere Schwester begrüßt uns in ihrem Häuschen in Nehren.

Tübingen ist die erste Stadt auf unserer Tour welche wir zweimal besuchen, hier schliesst sich der Kreis. Die Lokalpresse wartet, das SWR-Radio fängt uns vor dem Rathaus ab und von den Radio-Kollegen von „Das Ding“ werden wir interviewt und gefilmt. Weiter geht es nach Rottenburg, hier sind wir zu Schule gegangen, das „Schwäbische Tagblatt“ ist vor Ort und das Eiskaffee „Rino“ spendiert neue Fahrradtrikots und Radelhosen, was für ein Empfang bei Sonnenschein und milden Temperaturen!

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Was ein Empfang. Vielen Dank!

Ganz grosse Kino erwartet und in unserer Heimatgemeinde Hailfingen. Familie, Freunde, Nachbarn und Neugierige erwarten uns in unserer Rosengartenstraße. Die Ortsvorsteherin Sabine Kircher und der Rottenburg Bürgermeister Thomas Weigel beglückwünschen uns, unzählige Hände wollen geschüttelt werden und unsere Geschichte wir bis zur Heiserkeit erzählt. Es ist der absolute Wahnsinn, danke an alle die vor Ort waren, danke für die vielen Leckereien und die wunderbaren Plakate. Es war uns eine Ehre!! Die Party geht bist spät in die Nacht und auch der folgende Samstag wird mit Familie und Freunden durchgefeiert, es ist gleichzeitig Vater’s 66. Geburtstag.

Den Artikel vom Tagblatt gibt es hier.

Wir hatten keine Vorstellung was alles zwischen Tübingen und Rio liegt und passieren wir, jetzt sind wir um eine großartige Erfahrung reicher. Wir sind froh ohne Reiseführer gereist zu sein und wenig über die jeweiligen Länder gelesen zu haben. So haben wir viel mehr über Land und Leute erfahren. Wir waren offen für neues und haben so authentische Einblicke in den Alltag der Menschen bekommen.

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32213 Kilometer. Vielen Dank an euch alle für eure Unterstützung! Helft uns jetzt bei unserem Film-Projekt! Danke.

Wie geht es weiter? Am Dienstag, den 25.10.2016 sind wir um 18.30Uhr live beim SWR in Stuttgart bei der Landesschau. Dort stellen wir auch unser Crowfunding-Projekt vor, unser Traum vom Film lebt und wir brauchen Eure Unterstützung. Danke!!

Danach radeln wir nach München weiter, die Preysingstraße 19 sollten wir am 31.10.2016 gegen 16h erreichen. Wir freuen uns auf Euch!

Danke für den grossartigen Empfang im Schwabenland! Ein Traum, ein Ziel, alles Kopfsache!!!!

Mit sportlichen Grüßen,

Julian und Nico.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Spanien II – Camino del Norte – Frankreich (2)

Frankreich
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Kathedrale von Santiago de Compostela.

Bevor wir Santiago de Compostela verlassen schauen wir uns noch in Ruhe die berühmte Kathedrale der historischen Stadt an. Die Kathedrale steht über einer Grabstätte, die dem Apostel Jakobus zugeschrieben wird und ist Ziel der diversen Jakobswege quer durch Europa. Das schwenken des gigantischen Weihrauchkessels ist Tradition und ein Erlebnis welches wir live miterleben dürfen.

Über den „Camino Portugues“ radelten wir in die Stadt, über den „Camino del Norte“, auch der Küstenweg genannt, verlassen wir Santiago de Compostela und seine historischen kleinen Gassen um uns auf unseren Weg in Richtung Frankreich zu machen. Der Camino del Norte gilt quasi als der Ur-Jakobsweg, erst später wurde der „Camino Frances“, weltweit auch als „der Jakobsweg“ bekannt, zum Hauptstrom der Pilger.  Die 2 wichtigsten Pilgerziele waren, damals wie heute, Rom und Santiago als Ausstrahlungsort des christlichen Glaubens und Sinnbild für den Widerstand der christlichen Welt in Europa bzw. in Spanien.

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Die Nordküste Spaniens.

Die Landschaft ist eine Augenweide, so anstrengend die vielen Hügel und Berge auch sind, die Wälder, Täler, Flüsse und Bäche entschädigen für jede Anstrengung. Vor uns offenbart sich, an unserm Reisetag Nr. 500, eine umwerfende Natur mit tausenden Farbfacetten bei herrlichem Sonnenschein. Erst als Nicos Schaltzug reisst sind wir zurück in der Realität und müssen wieder einmal, wir stehen mitten im Niemandsland, improvisieren. Letztendlich muss Nico einen kompletten Tag mit einen Gabelschlüssel seine Gänge wechseln, erst am nächsten Tag kommen wir an Ersatzteile und basteln einen neuen Schaltzug ans Rad.

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Gegen die Pfeilrichtung! Unser Ziel ist Deutschland.

Die Leute auf dem Camino kommen aus den unterschiedlichsten Ecken dieser Welt. Irgendetwas scheint alle Pilger, Radler oder Wanderer anzutreiben, viele bunte Gespräche am Strassenrand, in den Herbergen und beim abendlichen Wein und Essen geben uns Einblicke warum Menschen sich Abenteuer bzw. psychische und physische Herausforderungen suchen. Fazit: Es gibt keinen Einheitsgrund, hier einen gemeinsamen Nenner zu finden ist unmöglich. Nur ein Ziel haben die Menschen auf dem Jakobsweg gemeinsam, Santiago!!! Unser Ziel geht allerdings in die andere Richtung und heisse „Heimat“!

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Berg rauf – Berg runter. Das Panorama entschädigt!

Die N634 führt uns jetzt direkt am Meer entlang, auch an der Küste ist es ein einziges Auf und Ab, es  ist oft eine zähe Angelegenheit und die Beine schmerzen am Abend gehörig. Wieviele Täler wir alleine in Spanien umständlich durchqueren mussten wissen wir nicht mehr, es dürften aber für unser restliches Leben genügend gewesen sein. Hügel und Berge egal in welchem Land, egal auf welchem Kontinent werden wohl ein dicker roter Faden am Ende dieser Reise sein. Die 300.000 Höhenmeter sollten inzwischen nur noch Formsache sein und bis zum eintreffen in Deutschland gemeistert sein. Unsere Reise ist definitiv nichts für Flachland-Liebhaber, sollte es doch einmal flach sein, macht sich der Gegenwind einen Spass daraus uns zu ärgern. Gott sei Dank schleppen wir unser Hängematten mit, genügend Bäume für eine entspannte Siesta stehen jedenfalls immer parat. Die unzähligen kleinen Dörfer mit ihren zahlreichen Einkehrmöglichkeiten thronen bezaubernd auf den Klippen, unten lädt der Atlantik zum baden ein. Wäre der Ozean nicht treu an unserer Seite könnte man meinen in der Schweiz zu sein. Die Kuhweiden, die historischen Gebäude, leckeres rustikales Essen und die massiven Berge im Hintergrund runden dieses Bild standesgemäss ab.

Unsere Zeltplätze sind meist abseits der Dörfer, ein geeigneter Badefluss findet sich immer, so schlummern wir seelenruhig bis uns die Morgensonne weckt. Nur die Kühe auf den nahen Weiden wundern sich über ihre neuen Nachbarn und bimmeln mit ihren Glocken um die Wette. Am Morgen liegt oft noch Nebel und Taureif über der verschlafenen Natur, daher hat die erste Radelstunde am Tag oft was märchenhaftes.

In den letzten Wochen waren wir, verhältnismässig, oft online um Emails zu schreiben und um damit unser Filmprojekt weiter voranzutreiben, inzwischen haben wir einen ersten Trailer über unsere Reise. Wer diesen noch nicht kennt, kann ihn hier anschauen!


Sobald es Neuigkeiten gibt oder wann das geplante Crowdfunding-Projekt genau startet, lassen wir es euch wissen.

An der zauberhaften Playa de Vega treffen wir Freunde aus der Heimat. Hannes, Jakob, Robert & Co. sind mit ihren VW-Bussen auf Surf-Tour und machen gerade die spanischen Stände mit ihren Brettern unsicher.

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Wir treffen die Profi-Surfer aus der Heimat. Es war uns eine Ehre!

Die Herbergen am Wegesrand sind nicht nur Treffpunkt sondern einfach auch praktisch. Die Sonne verschwindet und bis an die französische Küste, ganze 8 lange Tage, beherrscht Regen unseren Radalltag und wir sind froh für durchschnittlich 5€ p.P. ein Dach über dem Kopf zu haben. Gerade in der Nacht schüttet es oft wie aus Kübeln und an zelten ist beim besten Willen nicht zu denken. Graues, kühles Aprilwetter mitten im September, aber bekanntlich gibt es ja kein schlechtes Wetter, nur….. Die obligatorischen Schnarcher in den Unterkünften hellen die Stimmung nicht gerade auf, irgendeiner startet immer ein nerviges Nachtkonzert. In Kombination mit den quietschenden Stockbetten kann da die 9.Sinfonie von Beethoven nur schwer mithalten.

Die zahlreichen leerstehenden Immobilien passen zum tristen Regenwetter, die Immobilienkrise hat in Spanien grosse Wunden hinterlassen und viele Rohbauten stehen wir verwaiste Skelette in der Landschaft, Häuser welche neue Besitzer suchen gibt es unzählige.

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Regentag in Bilbao! Wir gehen ins Guggenheim Museum.

Bevor wir Seekrank werden, vor lauter Regenwetter und welligen Strassen, machen wir Pause in Bilbao und schauen uns das weltberühmte Guggenheim-Museum an. Picasso, Warhol und Co. sind ausgestellt, ein bisschen Kultur hat noch niemanden geschadet. Was allerdings alles als Kunst zählt lässt uns mit der Frage zurück: „Was ist eigentlich Kunst?“ Vielleicht haben wir zu wenig Phantasie und denken nicht abstrakt genug. Naja, liegt wohl im Auge des Betrachters, ist unsere Reise eigentlich auch eine Form von Kunst?

Die Supermärkte am Wegesrand werden zunehmend deutscher, Schwarzbrot, Senf und Saitenwürstchen erinnern uns zumindest stark an die Heimat. Aber auch die baskischen Spezialitäten, wie gekochter Tintenfisch, Serano-Schinken, Salami oder Käse sind jedesmal eine kurze oder auch längere Pause wert.

Wieder haben wir viele neue Freunden gefunden, Morten, Maria & Josef, Freddy, Jan, Martin, Robert, Aline, Felix, Amir, Matt, Hector, Alex, Matteo, Gabriel, Julien…. Danke, es war uns ein Fest!

Die massiven Pyrenäen stellen ein letztes Hindernis zwischen Spanien und Frankreich da. Gerade bei strömenden Regen und bei düsterem Himmel schaut das Steinmassiv doch sehr respekteinflössend aus. Allerdings findet die Straße immer ein Tal und so halten sich die Strapazen in den Pyrenäen in Grenzen, uns und unseren Rädern ist das recht. Kurz nach San Sebastian erreichen wir Irun den Grenzort zu Frankreich. In Irun endet auch der Camino del Norte, er war anstrengend, aber wir können diesen Weg nur jedem empfehlen. Buen Camino!

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Bonjour France. 30000km später sind wir wieder hier!

Wir sagen also Adios N634, Tschüss Pyrenäen, Bye-Bye Spanien und BONJOUR Frankreich! Frankreich ist das erste Land auf unsere Reise, welches wir zum zweiten Mal auf unserer Tour befahren. Die Polizisten an der Landesgrenze lachen uns freundlich zu, vermutlich voller Mitleid da der Regen auch in Frankreich keine Gnade kennt. Immerhin fällt gleich am ersten Tag die 30.000km Grenze auch die Wetteraussichten der nächsten Tage hellen die Stimmung wieder auf.

Am zweiten Tag in Frankreich hat der Dauerregen endlich eine Ende und die ersehnte Sonne hat wieder Oberhand, das Zelt ist wieder unsere tägliche Herberge und wir geniessen die Sonnenstrahlen in jeder Minute. Die Nächte stehen unter dem Motto „Natur pur“, wir hören nur das Rauschen der Bäche und die Tiere welche durchs Unterholz flitzen. Erst als in der Ferne die Kirchturmglocken bimmeln verlassen wir unser Zelt und bauen schnell und routiniert ab, jeder Handgriff sitzt nach über 517 Tagen on Tour.

Es geht vorbei an riesigen Weinanbaugebieten, Maisäckern und Sonnenblumenfeldern, aber auch exotische Früchte wie Kiwis scheinen sich in Frankreich wohl zu fühlen. Auch hier kommt der Herbst mit grossen Schritten, Kastanien und fallende Blätter sind wohl auch hier die ersten Vorzeichen auf die neue Jahreszeit.

Kurz vor Toulouse werden die Straßen enger und der Verkehr nimmt stark zu. Nico wird auf der Schnellstraße von einer überholenden Golf-Fahrerin touchiert, kann das Rad aber gerade noch abfangen. Die circa 80-jährige Fahrerin ist danach am Boden zerstört und mit den Nerven am Ende, Glück gehabt. Jede Dorne und jeder Draht sucht sich weiterhin zielsicher Julians Hinterrad aus und inzwischen musste Plattfuß Nr. 36 geflickt werden, auch ihr ist inzwischen Routine Trumpf!

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Halt Stop! „Das ist verboten!“.

Auf der N124 geht es weiter nach Toulouse. Erst ist die N124 eine gemütliche Schnellstraße, circa 30km vor Toulouse wird diese allerdings zur Autobahn. Wir finden uns, da es keinerlei Verbotsschilder gab, mitten auf der Stadtautobahn wieder. Es kommt wie es kommen muss, erst kommt die Autobahnmeisterei und nach weiteren 3 Km die Polizei. Wir hatten keine Möglichkeit umzukehren und befinden uns bereits auf der Ausfahrt als die „Gendarmerie“ uns mit eingeschaltetem Blaulicht überholt. Die zwei Ordnungshüter sind übel gelaunt, kontrollieren unsere Pässe und schreien rum wie die Wilden. Gott sei Dank lief die Kamera mit, wir bekommen die Pässe zurück mit den Worten „Solltet ihr noch einmal auf der Autobahn erwischt werden, ziehen wir die Räder ein und ihr lauft zurück nach Deutschland“! Ganz schön verspannt die Jungs in Frankreich, gibt es Terroristen auf Fahrrädern?

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Toulouse an der Garonne.

Mit Rädern erreichen wir jedenfalls die Universitätsstadt Toulouse und legen einen entspannten Ruhetag ein. Wir kommen bei Alex und Cathy unter, die 2 haben uns bei warmshowers.org eingeladen. Wir ziehen durch die Stadt, geniesse die Sonne im Park und an der gemütlich fliessenden Garonne, der Flair der Altstadt ist jung und leicht. Beim Rugby-Spiel Toulouse vs. Paris ist mächtig Stimmung und zeitgleich ist das Event ein schöner Abschied von der Stadt und unseren Gastgebern.

Die Heimat rückt näher, in 2-3 Wochen sollten wir wieder deutschen Boden unter den Reifen haben. Wir freuen uns darauf.

Danke fürs lesen und teilen unserer Berichte und Trailer, ihr hört von uns.

Viel Spass auf der Wiesn!

Julian und Nico.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Trailer für unser geplantes Crowdfunding Projekt

Alaska/USA, Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Deutschland, Ecuador, El Salvador, England, Frankreich, Guatemala, Honduras, Island, Kanada, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Portugal, Schottland, Spanien, USA

Servus Miteinander,

die lange Zeit des Wartens hat hiermit ein Ende. Wir präsentieren stolz unseren ersten Trailer zu unserem geplanten Crowdfunding Projekt, mit welchem wir unseren Traum vom Film über unsere Reise zu Olympia 2016 in Rio realisieren wollen.

Wie ihr seht arbeiten wir eifrig an unserem Film-Projekt.

Seid gespannt und viel Spass beim anschauen. Wir haben noch 2000 Kilometer vor uns und freuen uns auf die herbstliche Heimat im Oktober.

Grüße aus Spanien,
Nico und Julian

Olympia 2016 – Rio de Janeiro – Brasilien IV

Brasilien
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Tolles Grafiti.

Rio es war uns eine Ehre!! Die Olympischen Spiele sind vorbei und wir hatten viel Spass in dieser tollen Stadt am Zuckerhut, die Spiele waren ein absolute Highlight am Ende unserer gemeinsamen Reise und das perfekte Ziel. Die Menschen, egal ob Einheimische, Sportler oder Touristen waren der absolute Wahnsinn und haben uns inspiriert und fasziniert. Mit der vielen Energie welche versprüht wurde kann man etliche Elektrizitätswerke einsparen!

Wir wohnen in einem zentralgelegenem Viertel zwischen Olympiastadion und Copacabana. Santa Teresa ist der ideale Platz für uns um Olympia hautnah zu erleben, aber auch um die zahlreichen Sehenswürdigkeiten Rios einfach zu erreichen. Unser Viertel hat viele kleine Gassen, es ist bunt und unzählige Straßenhändler zieren das Straßenbild und machen diesen Ort sehr lebendig und liebenswert.

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Live in der ARD. 3 Uhr in Rio, 8 Uhr morgens in Deutschland.

Der Medienrummel rund um unseren Zieleinlauf an der Copacabana war enorm, inzwischen haben über 80(!!) verschiedene Medien über uns und unseren „Fahrradausflug“ um die halbe Welt berichtet. Ein absolutes Highlight war natürlich unser live Auftritt in der ARD-Sportschau, nachts um 00.30h werden wir von einem Shuttelservice abgeholt. Wir werden am olympischen Dorf vorbei, via Schnellstrasse welche nur von Sportlern und Sponsoren genutzt werden darf, zum Medienzentrum gefahren. Zig Kontrollen werden passiert, Militär steht an jeder Ecke, 2 Pressausweise baumeln um unserem Hals, wir müssen in die Maske und um 3.15Uhr sitzen wir live bei Michael Antwerpen und Jessy Weller auf der ARD-Couch! Großes Kino für uns und das alles um 3 Uhr in der Nacht, was für eine unvergessliche Geschichte!!

Franziska van Almsick findet unsere Story „unglaublich“, der Beckenbauer-Manager Höfl hört gespannt zu und findet es eine „Hammergeschichte“! Diese Reaktionen sind keine Seltenheit, egal wo wir auftauchen treffen wir auf faszinierte Menschen und müssen viele neugierige Fragen beantworten. Im Deutschen Haus sind wir Ehrengäste des DOSB wir treffen Persönlichkeiten wie die Gold-Reiter und unzählige weitere Medaillenträger, Dr. Müller-Wohlfahrt, Gerhard Delling, DFB-Präsident Herr Grindel und seine Delegation, Funktionäre, Sponsoren, diverse Reiche & Schöne, alle wollen Details von unserer abenteuerlichen Reise hören, es ist  für uns wie im Märchen. Dabei haben wir doch nur 15 Monate sehr intensiv gelebt, eigentlich nichts besonderes, oder? Leben die Menschen nicht? Erfüllen sich zu wenige ihren Traum? Steckt die Abenteuerlust und Neugier nicht in allen Menschen? Naja, wir berichten jedenfalls und unserer Geschichte können wir jetzt in 3 Sprachen und zu jeder Uhrzeit aufsagen.

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Beachvolleyball an der Copacabana. Ein 12.000 Zuschauer fassendes Stadion aus Gerüststangen.

Wir schauen uns die Spiele in Ruhe an, am Ende waren wir beim: Beachvolleyball an der Copacabana, beim Basketball, beim Tischtennis-Finale der Frauen, 2x bei den Leichtathleten im Olympiastadion, 2x beim Hallenvolleyball der Männer, beim golden Fussball-Finale der Frauen im Maracana und der krönende Abschluss war für uns das Fussball-Finale der Männer im ausverkauften ehrwürdigen Maracana. DERTOUR und Audi haben uns 2×3 bzw. 1×3 Tickets gesponsert, wir sagen danke.

Die Reaktionen der Medien auf unsere Ankunft in Rio hat uns selbst überrascht, in den letzten Tagen stand das Telefon selten still. Radios wollten ein Interview, TV-Anstalten wollten einen kurzen Trailer drehen und Zeitungen aus aller Welt wollten sich mit uns treffen. Turbulente Welt, ein Kontrastprogramm zu unserer eher ruhigen Zeit die Monate zuvor auf unseren Rädern und in den abgelegensten Winkeln dieser Erde. Wir bedanken uns für das tolle Feedback welches wir bekommen haben und freuen uns das unsere sportliche Leistung, gerade von vielen Spitzensportlern und Sportreportern, gewürdigt und anerkannt wurde. Merci!

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Corcovado.

Trotz des ganzen Rummels um unser Trio kommt die Entspannung natürlich nicht zu kurz. Die Copacabana wird ausführlich getestet, der Zuckerhut wird erobert und auch die weltberühmte Christus Statue, der Corcovado, wird besichtigt. Die Parks und die Promenaden sind toll angelegt und so spazieren wir oft ohne konkreten Plan durch die City und beobachten das bunte Treiben der Menschen aus aller Welt. Wir lassen uns treiben, wie wir uns die letzten 15 Monate durch 24 Länder treiben liesen, ein schönes Gefühl ohne Zwang und Drang. Daniel, unser Freund aus der Heimat, studiert hier in Rio und zeigt uns die interessantesten Party-Locations und die Favelas in den Hügeln Rios. Rio sprüht voller Energie, die Menschen haben Samba im Blut und machen die Nacht zum Tag und das 24/7. Wir erleben die Menschen in Rio als tolle, offene Gastgeber, gerade Abseits der Touristenmassen zeigt sich Rio von seiner schönsten Seite, irgendwo steigt immer eine Party oder die Menschen sitzen beim gemütlichen Bierchen zusammen.

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Letzter gemeinsamer Abend! Adios Sandro.

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„Die Reise ihres Lebens“.

Nach 474 gemeinsamen Tagen macht Sandro sich auf den Heimweg zurück nach München. Mit Rio war unser Teamziel erreicht und wir sind alle drei wahnsinnig stolz dieses ferne Ziel als Trio erreicht zu haben. Auf Sandro warten Aufgaben im München, welche sich leider nicht länger haben aufschieben lassen. Nach einer dicken Abschiedsfeier macht er sich also auf den Weg und ist inzwischen gut in München gelandet. Wir sagen Tschüss und danke für eine geile Zeit auf unserm Trip von München nach Rio. Der Müncher-Merkur bringt uns mit der Headline „Die Reise ihres Lebens“ aufs Titelblatt und so wird Sandro gleich am Münchner Flughafen mit seiner eigenen Story empfangen.

Ja, was sollen wir sagen? Inzwischen ist ein Film über unsere Reise konkret geplant. Thomas Köke von der Filmhochschule Bremen kommt extra wegen uns aus Deutschland eingeflogen und dreht mit uns 6 Tage an verschiedenen Orten rund um Rio und natürlich auch direkt in der „City of God“. Hauptsächlich werden Interviews geführt und wir erzählen quasi unsere Geschichte nach, das gesammelte Filmmaterial der letzten 15 Monate muss gesichtet werden und daraus soll in einigen Monaten ein Film entstehen. Da die Produktion eines Filmes viel (sehr viel) Geld kostet geht in den nächsten Wochen wohl ein Crowdfunding-Projekt an den Start. Die ersten Trailer werden bald online sein und wir halten euch weiterhin auf trioforrio.com und auf unserer Facebook-Seite auf dem Laufendem. Wir bedanken uns bei Thomas für die schöne Zeit hier in Rio und seine Geduld mit uns, wir haben größten Respekt vor deiner Energie und deinem scheinbar unstillbaren Tatendrang. Danke!

Inzwischen haben wir dem Deutschen Haus Besuch Nr.2 und 3 abgestattet. Die Olympische Familie hat uns gut aufgenommen und ist sehr feierfest und lädt zu ausufernden Partys. Der Starpianist Lang-Lang spielte auf und die Sportler geniessen ihre Olympiade in einer einmaligen Location direkt am Meer und bei einer wunderbaren Atmosphäre. Das Buffet muss sich nicht verstecken, nach unzähligen Abenden mit Spaghetti & Tomatensosse fühlen wir uns wie im Schlaraffenland, auch die Bar bietet zahlreiche exotische Alternativen zum  üblichen Leitungswasser.

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Nach der Sektdusche gratulieren auch wir Horst Hrubesch.

Abend Nr. 3 gehört eindeutig den Fussballern, die Gold-Mädels und die Silber-Männer sind vor Ort und reissen die Hütte beinahe ab. Lars Bender meint zu unserer Reise „Ihr habt doch nen Lattenschuss!“, Timo Horn, Davie Selke, Nils Petersen & Co. wollen Details und sind jetzt weitere prominente Unterstützter und Freunde unseres Filmprojekts „Trio for Rio“! Horst Hrubesch und Hansi Flick sind begeistern und der Pressesprecher des DFB, lädt uns spontan zu einem A-Länderspiel ein. Uns werden Medaillen umgehängt und die Jungs wollen Selfies mit uns machen, verkehrte Welt in Brasilien. Es ist eine intensive Zeit wie in einem verrücktemTraum. Hätte uns vor 15 Monaten jemand gesagt, dass diese Reise live in der ARD-Sportschau oder/und im Deutschen Haus Arm in Arm mit der deutschen Sportelite endet, wir hätten gelacht und kein Wort geglaubt.

Finale Gold

Gold für die deutschen Fussballerinnen. Tabea Kemme hatte schon vorher von uns gehört.

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Finale im Maracana gegen Brasilien. Geile Stimmung!

Beim Finale der Fussball-Frauen waren wir also live im Maracana und feuerten die Mädels lautstark an bis Gold gesichert ist, unser erstes Länderspiel endete gleich mit Gold ein guter Einstieg. Das Finale der Männer einen Tag später war mit über 80.000 Menschen natürlich restlos ausverkauft, wir und eine Handvoll weitere deutsch Anhänger waren wieder live vor Ort. Die Stimmung war vom feinsten, wir brüllten, sangen und klatschten gegen eine gelbe, brasilianische Wand an, die Lautstärke war enorm noch heute schmerzen die Ohren, ein explosiver Hexenkessel, ein würdiger Abschied aus Rio, aus Brasilien, aus Südamerika. Die Jungs auf dem Platz haben alles gegeben und haben Silber gewonnen! Wer erst im Elfmeterschießen geschlagen wird darf das Maracana mit erhobenen Kopf verlassen. Hut ab, klasse Leistung! Wir sind immer noch Fussball-Weltmeister und das 7-1 steht für alle Zeiten in den Geschichtsbüchern der ganzen Welt und auf den traumatisierten Seelen der brasilianischen Fussballfans werden die Narben wohl nie verheilen. Wie schon erwähnt haben wir das Team im Deutschen Haus wieder aufgebaut und spätestens in den frühen Morgenstunden auf der Tanzfläche waren alle strahlende Sieger.

Silber im Finale. Julian mit der Medaille der Fussballer.

So, wie gehts weiter? Nico und ich haben uns für eine weitere Fahrradreise entschlossen!!! Wir fliegen jetzt nach Lissabon und radeln „die letzten Meter“ zurück in die Heimat. Mitte/Ende Oktober hat uns Deutschlands Süden aber definitiv wieder zurück. Auch wenn wir jetzt als Duo weiterradeln berichten wir wie gewohnt auf trioforrio.com und auf Facebook.

Die Räder sind geputzt, gewartet und freuen sich genauso wie wir auf neue Abenteuer in Europa. Die Abschieds-Fiesta in unserer Unterkunft wurde bereits gefeiert, wir bedanken uns bei unseren Gastgebern Kelly & Wilma, Santa Teresa war das perfekte Stadtviertel für uns.

Olympia ist vorbei und es regnet! Es ist Zeit weiterzuziehen!

Nochmals danke an das Team vom DOSB und an Herrn Achten vom Deutschen Haus, ihr wart tolle olympische Gastgeber. Danke auch an die Medien welche unsere Geschichte in die Welt hinaus geschickt haben! Ihr hört von uns! Wir freuen uns falls wir jemanden inspiriert konnten, Fahrradreisen sind eine tolle Sache um den Globus auf eigene Faust zu erkunden. Probiert es aus!

Bleibt uns treu, berichtet von uns und seid gespannt ob ein Filmprojekt tatsächlich realisiert werden kann. Danke fürs lesen und teilen unserer Berichte, es war uns eine Freude. Wir sind selbst auch gespannt auf die/den ersten Trailer über unsere Tour und natürlich auf das bevorstehende Crowdfunding-Projekt, wir werden berichten.

Pack mer’s, Europa wir kommen!!

Mir Sportlichen Grüßen,

Julian und Nico

Mehr Bilder sind in unserer Galerie zu finden.

Brasilien II

Brasilien

Direkt nachdem unser erster Brasilien-Blog vor 2 Wochen online ging, stand  prompt eine brasilianische Zeitung bei uns auf der Matte und interviewte uns für einen Zeitungsartikel für die Lokalzeitung von Frederico Westphalen. Der junge Reporter konnte unsere abenteuerliche Reise kaum glauben und fragte immer wieder ungläubig nach ob er die Fakten, Details, Geschichten und die lange und teilweise wilde Reiseroute von über 26.000km auch wirklich richtig verstanden hat. In solchen Situationen wird uns immer wieder bewusst, dass wir hier etwas aussergewöhnliches, etwas einzigartiges mit unserer Tour meistern, vielen Menschen würde dies wohl noch nicht einmal in ihren kühnsten Träumen einfallen.

Ein neues Pedal für Sandro.

Ein Ersatz-Pedal für Sandro.

Inzwischen befinden wir uns im südlichsten Bundesland Brasiliens und damit in „Rio Grande do Sul“ und sofort werden wir vor einige technische & natürliche Herausforderungen gestellt. Es liegt ein dichter Nebel über der Region, die Sicht beträgt kein 15m und von brasilianischer Hitze können wir nur träumen. Sandro klebt das Pech am Schuh bzw. am Pedal, keine 20km hinter Frederico Westphalen, unserem letzten Blog-Ort, bricht Sandros Pedal aus der Kurbel und lässt sich nicht mehr reparieren. Zu allem Überfluss hat Nico von dem ganzem Drama nichts mitbekommen und fährt weit voraus, erst am späten Abend treffen wir ihn wieder. Was nun? Mit nur einem Pedal fährt es sich einfach, gerade in der hügeligen und sehr einsamen Gegend, extrem schlecht. Wir improvisieren, ziehen und schieben Sandros Rad, Sandro fährt mit einem Bein, Sandro schiebt sein Rad, etc., etc. Nach circa 20 km kommen wir endlich an einer kleinen Werkstatt vorbei, dort erklären wir den Arbeitern in unserem holprigem portugiesisch die Situation, die Jungs sind super und nach wenigen Minuten hat Sandro ein selbstgebasteltes Pedal angeschweisst am Rad. Allerdings hält diese nur für circa 1 km und Sandros Leidensweg mit nur einem funktionsfähigen Pedal setzt sich fort. In der nächsten Stadt bekommt Sandro eine komplett neue Kurbel samt Zahnkranz, die Qualität lässt zwar zu wünschen übrig, aber der Mechaniker ist auf zack und seine Arbeit schaut recht gut aus und wir sind zuversichtlich damit die nächsten Tage durchzukommen, zu früh gefreut?

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Geschweisstes Ersatzpedal. Leider fällt es nach ca.1 Kilometer wieder ab.

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Live berichtet Nico über unsere Reise im Radio Simpatia.

Nico wurde in der Zeit vom Radio interviewt und erfährt über dieses auch von unserem Standort, etliche Anrufe gehen ein und am späten Abend finden wir uns im Pfarrhaus der kleinen Gemeinde Chapada wieder. Padre Antonio Dino ist ein wunderbarer Mensch, wir werden wie die verlorenen Söhne aufgenommen und königlich bewirtet, es wird ein bunter, fröhlicher Abend mit viel Witz & Charme. Am nächsten Tag sind wir das Gesprächsthema Nr.1 in seinem Radio-Gottesdienst, später führt uns Padre Antonio Dino aus dem Dorf, er fährt mit seinem Auto laut hupend vor uns her, ein bunter, sehr humorvoller Gottesdiener mitten auf dem Lande.

Padre Antonio und viele neugierige Kinder.

Padre Antonio Dino und viele neugierige Kinder.

Es geht also weiter mit uns dreien, Porto Alegre und damit der Atlantik ist das Ziel für die nächsten Tage. Auch in Brasilien kommen wir durch viele abgelegene Dörfer, die Menschen sind hier extrem freundlich und hilfsbereit, viele leben in einfache Häusern und in einfachsten Verhältnissen. Gerade in den abgelegenen Dörfern und ärmeren Regionen wird uns wieder klar, was für ein Glück wir haben eine solche Reise machen zu können. Viele Menschen welchen wir begegnen dürfen werden ihr Dorf, ihre Provinz nie verlassen können, trotzdem strahlen die Menschen hier oft eine unheimlich positive Lebensenergie aus.

Mit Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit sind wir auf der ganzen Reise schon reichlich gesegnet worden, aber die Brasilianer setzen einfach noch eine Portion drauf. Überall wo wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit suchen, es regnet jeden Tag und zelten ist daher nur eine Option im Notfall, stehen uns die Türen offen. Täglich überrascht uns das Leben neu, wir werden eingeladen in Tankstellen, in Pfarrhäusern oder um in privaten Häusern zu übernachten, meistens ist das Abendessen und die heisse Dusche inklusive. Geld wird kategorisch abgelehnt, Reisenden ein Bett anzubieten gilt hier als Ehrensache. Schlechte, negative Erfahrungen in Brasilien? Nicht eine einzige!!

Der BR-386 führt uns durch eine „Maulwurfslandschaft“, Hügel rauf, Hügel runter, in unseren Pausen sind wir umringt von neugierigen Menschen und müssen für zahlreiche Fotos posieren auch das Radio wird hin und wieder extra für uns angerufen und sendet teilweise live von unserm Pausenort. Nicht nur unsere TX-1000 Räder der VSF-Fahrradmanufaktur aus Oldenburg begeistern, gerade die dazugehörige Rohloff-Schaltung fasziniert die Menschen und wir erklären, erklären und erklären das Wunderwerk mit den 14-Gängen in der Box immer wieder.

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Fritz und Frida. Typisch deutsch oder doch eher typisch bayrisch!?

Zahlreiche Menschen im Süden Brasiliens haben deutsche Vorfahren und sprechen auch nach mehreren Generation noch ein perfektes deutsch und pflegen die Bräuche ihrer Vorfahren. Unglaublich aber wahr, hier hat sogar der stolze Bayer ein Migrationshintergrund, auch wir Deutschen hatten wilde Zeiten in unserer Heimat und sind als Auswanderer oder gar als Flüchtlinge in die ganze Welt geströmt und waren froh eine neue Bleibe gefunden zu haben. Jeder der lautstark hetzerische-rechte Parolen in Deutschland oder sonst wo auf der Welt verbreitet sollte sich, gerade in der momentanen angespannten und schwierigen Zeit in welcher hilfebedürftige Menschen nach Deutschland kommen, mit unserer eigenen Geschichte befassen.

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Bei Gelson und seinen Jungs bekommen wir unser erstes Churrasco zum Abendessen.

Gelson wohnt mit seinen Söhnen Frederico und Lorenzo in einem Dorf und beherbergt uns für eine Nacht, der Metzgermeister verwöhnt und mit fleischigen Delikatessen und erzählt uns Geschichten über Land und Leute. Draussen prasselt der Regen aufs Dach und wir sind froh über eine warme, trockene Unterkunft für die Nacht. Sandros Pedal bricht wieder von der Kurbel, Gelson bringt uns zum nächsten Mechaniker, jetzt hält alles. Hoffentlich!!!

Es ist wirklich zum verrückt werden, die ganze Reise hatten wir nur sehr wenige Regentage und in Brasilien hört es dafür einfach nicht auf zu pissen. Die biblische Sintflut hat mit Sicherheit ähnlich begonnen, es ist wie die Fahrt durch einen dauerhaften Wasserfall und dieser zieht sich über mehrere Tage dahin. Falls es so weiter regnet können wir bei den olympischen Schwimmwettbewerben ohne Problem doch noch selbst teilnehmen….

Am Tag 443 und mit Kilometer 26693 erreichen wir Porto Alegre und damit den nächsten großen Teich, den Atlantik. Gute 10 Wochen haben wir von Lima/Peru und damit vom Pazifik an den brasilianischen Atlantik gebraucht und dabei über 6000km auf unseren Bikes gesessen, wieder eine einmalige Geschichte. Rauschende, tobende Wellen sind immer noch die schönste Hintergrundmusik und wir freuen uns auf die Küstenstraße am Ozean entlang.

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Klaus und Inge sind zwei wunderbare Gastgeber. Vielen Dank!

In Porto Alegre kommen wir bei Klaus und Oma Inge unter, Klaus Tante Lena aus München hat uns diesen genialen Kontakt besorgt und wir verbringen gleich 2 Ruhetage im gemütlichem aber dennoch agilen und unterhaltsamen Porto Alegre. Endlich zeigt sich auch mal die Sonne, unsere komplette Ausrüstung und nahezu die gesamte Kleidung wurde nass und muss daher gewaschen, getrocknet und wieder verpackt werden. Klaus ist ein interessanter und äusserst vielfältiger Mensch, er zeigt uns das Nachtleben der Stadt, macht mit uns Sightseeing-Touren durch die Altstadt und scheint jeden in der Millionenmetropole persönlich zu kennen. Nachdem wir uns ausgeruht haben und jedes Familienmitglied, und da gab es einige, kennenlernen durften entscheidet sich Klaus die nächsten circa 550km bis nach Florianopolis mit uns zu radeln.

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Schlafsäcke, Wäsche usw. Alles muss getrocknet werden.

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Klausinho radelt mit uns bis Florianópolis.

Klaus ist der vielleicht weisseste Brasilianer der Welt, damit wenigstens der Name brasilianische klingt entscheiden wir uns für einen Künstlernamen und damit für „Klausinho“! Wir 4 machen uns also auf den Weg, der Regen hat an Kraft und Ausdauer verloren und, oh Wunder, wir haben Rückenwind bei flacher Strecke. Wir strampeln auf der Autobahn, dem Highway 101, was die rot-weissen Schilder mit dem durchgestrichenen Fahrrad bedeuten wissen wir nicht, dafür reicht unser Portugiesisch leider nicht aus. Klausinho zeigt uns eine brasilianische Delikatesse nach der anderen, auch die zahlreichem all-u-can-eat Restaurants lassen unsere Bikinifigur wieder fülliger werden.

Pferdekutschen sind nicht erlaubt, das andere Symbol kennen wir nicht.

Pferdekutschen sind nicht erlaubt, das andere Symbol kennen wir nicht.

Brasilianer fragen anscheinend gerne nach dem „Warum?“ und damit nach dem Sinn unserer Reise. Also warum wir diese Reise machen? Mmh, schwierige Frage! Warum lesen Menschen Bücher und laufen Marathon oder interessieren sich für Sternbilder? Warum sammeln Leute Briefmarken oder züchten Hunde? Für uns spielt sich das Leben immer schon meistens draussen ab und zwar jetzt und hier. Vielleicht sammeln wir aber auch nur genügend Geschichten für unsere Enkelkinder, wer weiss. Ein plausible Antwort gibt es wohl nicht, wir könnte auch den Fragesteller mit einem „Warum nicht?“ zum schweigen bringen.

Reifenwechsel Nr.1, Nr.2 lässt nicht lange auf sich warten.

Reifenwechsel Nr.1, Nr.2 lässt nicht lange auf sich warten.

Klausinho fügt sich gleich am ersten Tag mit 2 Plattfüßen gut ins Team ein, Sandro und Nico legen allerdings schon wenige Tage später mit Nr. 19 bzw. 18 weiter vor. Am 447 Tag hat Nico seinen dritten und bislang schwersten Sturz, bei einer Abfahrt touchiert er Klaus, verliert die Kotrolle übers Rad und schlittert über den Asphalt. Wir verarzten die zahlreichen Schürfwunden noch auf der Strasse, Glück im Unglück es ist Gott sei Dank nicht mehr passiert und der Strassenbelag war in diesem Abschnitt eher glatt. Nico beisst die Zähne zusammen und macht für einige Tage etwas langsamer.

Direkt nachdem Sturz bekommen wir die wahrscheinlich bizarrste Übernachtungsmöglichkeit angeboten. Julian und Klaus klopfen an einer Kirche an und bekommt die Leichenhalle als Schlafplatz für unser Quartett angeboten. Der Pfarrer überreicht uns die Schlüssel mit der folgenden furztrocknen Anmerkung:

Falls heute noch jemand das Zeitliche segnen sollte, müsst ihr halt teilen!“

Zum Leichenschmaus werden wir vom Pfarrer und seiner Gemeinde auf den „Wurstball“ in der nahen Gemeindehalle eingeladen, es wird deftig aufgetischt und eine Band spielt bayrische Blasmusik, verkehrte Welt in Brasilien. Danke und gute Nacht, die Nacht ist jedenfalls totenstill und wir schlafen wie die Engelchen. Die nächste Übernachtung in einem solchem Gebäude darf gerne noch 70 Jahre auf sich warten lassen, danke.

New York. Nein, wir sind in Brasilien.

New York. Nein, wir sind in Brasilien.

Neuer Tag, neue Strecke, neue Leute, neue Region, neuer Schlafplatz. Bei einer Reise mit dem Fahrrad gleicht kein Tag dem Andern, es kommt wie es kommt und meistens werden wir dabei positiv überrascht. Der finale Countdown läuft nun endgültig, 27.000km sind inzwischen Geschichte, Wahnsinn! Sind es tatsächlich nur noch 2 Wochen, nur noch knapp 1200 km bis Rio? Klar hängt auch bei uns manchmal der Haussegen schief und es fallen unüberlegte, böse Worte, aber im Grunde ist jeder von uns froh diese Reise zu dritt angegangen zu sein, Erlebnisse geteilt zu haben und nicht alleine durch die Weltgeschichte zu radeln.

Kurz vor Florianopolis wechseln wir das Bundesland und  radeln in „Santa Catarina“ weiter , die Sonne gewinnt nun endlich an Oberhand. Klausinho kennt viele Leute entlang der Strecke und kann so die ein oder andere tolle Übernachtungsmöglichkeit für uns abklären, die Nächte in der Natur sind noch recht frisch, daher sind wir froh über jedes kostenloses Angebot ausserhalb vom Zelt.

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Tolle Strände gibt es rund um Florianópolis.

So, jetzt sind wir also in Florianopolis (auch Floripa genannt) angekommen und geniessen „another day in paradise“ oder auch zwei, auch hier werden wir von Klaus durch die City geführt und erkunden die atemberaubende Halbinsel mit ihren zahlreichen Lagunen und traumhaften Stränden. Hier wird aus dem zwischenzeitlichen Quartett wieder unser gewohntes Trio, danke Klaus fürs mitfahren und wir sehen uns in Deutschland wieder, Tschüss Floripa!

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Noch 14 Tage bis zum Beginn der Olympischen Spiele.

Jetzt steht also der letzte Abschnitt unser gemeinsamen Reise nach Rio an, den nächsten Bericht gibt es live von den Olympischen Spielen 2016, live aus dem Herzen Rio de Janeiros. Wir freuen uns sehr auf die Stadt, nach so langer Zeit auf den Rädern sehnen wir uns aber auch auf die 18 Tage Auszeit in Rio und auf „normale“ Kleidung, einen „normaleren“ Tagesablauf…auf normale Dinge eben welche uns nach der Tour erwarten, wie lange wir das aushalten? Schau mer mal!!

Wer Lust hat findet uns unter „Trio for Rio“ auch auf Facebook, dort gibt es immer wieder kleiner Zwischenberichte und Angaben zum aktuellen Standort.

Vielleicht erbarmt sich ja doch noch ein großzügiger, edler Spender und wir können die Athleten live in den olympischen Wettkampfarenen anfeuern. Tickets werden weiterhin gerne angenommen.

Momentan deutet alles auf einen „just in time“-Einlauf zum Startschuss der Spiele am 5. August hin, es bleibt also spannend die nächsten Wochen.

Mit sportlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder gibt es in unserer Galerie.

Argentinien II – Paraguay – Brasilien I

Argentinien, Brasilien, Paraguay
Immer geradeaus. Keine Kurve in Sicht.

Pampa! Immer geradeaus. Keine Kurve in Sicht.

Unser „Pippi-Langstrumpf-Leben“ geht kunterbunt und abenteuerlich weiter, Pippi macht ja schliesslich auch was ihr gefällt. Die argentinische Pampa führt uns vorbei an gigantischen Mais- Weizen- und Baumwollfeldern welche sich bis zum Horizont erstrecken. Auch die endlosen Rinderweiden mit ihren wiederkäuenden Bewohnern können sich sehen lassen, an manchen Tagen fahren wir kilometerlang am selben Zaun entlang. Noch auf dem Highway „RN-16“ machen wir unsere 25.000km voll, der zunehmende Verkehr und der fehlende Seitenstreifen trüben dieses Jubiläum ein wenig. Aufmerksamkeit ist gefragt, gerade die LKW’s schieben uns oft in den Graben oder hupen bis die Ohren dröhnen. Am wievielten toten Hund wir auf unserer Reise schon vorbeigefahren sind? Wir wissen es selbst nicht, aber über 1000 (!!!) dürften es in dieser traurigen Statistik inzwischen doch sein. Leichen pflastern unseren Weg, andere Tierarten erhöhen die Zahl der toten Tiere natürlich noch deutlich.

Toller Zeltplatz in der Nähe einer Tankstelle.

Toller Zeltplatz in der Nähe einer Tankstelle.

Die vielen PKW’s und Trucks haben natürlich auch ihren Vorteil und ihre witzigen Seiten, oft wird das Fenster runtergekurbelt und wir werden mit Obst, Getränken und netten Gesprächen versorgt. Truckfahrer bremsen uns aus, steigen aus und wollen Selfies mit uns und das mitten im Berufsverkehr, verrückte Welt in Argentinien. Tankstellen sind unsere bevorzugten Zeltplätze, i.d.R. gibt es hier Wasser und eine Wiese, manchmal Wifi und der Tankwart hört gespannt unseren Erzählungen zu. Auch in unseren Träumen ist das Fahrrad, in welcher Form auch immer, präsent. Wer solange auf dem Rad sitzt wie wir, dem spielt das Unterbewusstsein gerne Streiche, immer wieder werden Situationen aus unserem Radalltag in unsere Träume äusserst realistische eingearbeitet.

Die Strasse geht tagein tagaus geradeaus, am Tag 9 in der Pampa kommt dann die Sensation!! Eine Kurve!!  Eine richtige, echte Kurve!! Unglaublich, wir biegen scharf links ab und fahren auf dem „RN-11“ weiter, dieser führt uns ohne Umwege in Richtung Paraguay.

Unbeirrt setzen wir unseren Weg bzw. „die längste Anreise ever-ever“ zum berühmtesten Strand der Welt, zur brasilianischen Copacabana fort. An manchen Tagen gehen wir mit der Dämmerung um 18Uhr ins Bett und sind erstaunt wie schnell 12 Stunden Nachtruhe vorbei sein können, aber Körper & Geist fordern ihre Auszeit und brauchen nach einem langem, schweisstreibendem Tag bei höchster Konzentration Ruhe und Entspannung.

Dauerregen in Argentinien. Unsere Zelte stehen unter Wasser.

Dauerregen in Argentinien. Unsere Zelte stehen unter Wasser.

Wir fahren an der argentinisch-paraguayischen Grenze entlang, nur noch der “Rio Paraguay“ trennt uns von unserem Reiseland Nr. 23. Das Wetter wird kurz vor Paraguay immer schlechter, starker Regen verwandelt unsere Zeltplätze in Schlammbäder und zerrt kräftig an den Nerven. In den Nächten werde wir von Donner & Blitz aufgeschreckt, an manchen Tagen halten unsere Zelte den sintflutartigen Regenmassen nicht stand und gleichen einem Swimmingpool. Da wir durch ein gigantisches Sumpfgebiet fahren, begegnen wir mit Störchen, Schlangen, Fröschen und abertausenden Moskitos auch den Bewohnern dieser Feuchtgebiete. Der Lärm der immer nahen Straße und Donner & Blitz sind hier für die Gute-Nacht-Geschichten zuständig und lassen sich jeden Abend bzw. jede Nacht etwas neues einfallen. Auf die Kilometerangaben und geschätzten Entfernungen der Einheimischen ist nach wie vor absolut kein Verlass, selbst die Polizei ist in dieser Hinsicht kein zuverlässiger „Freund und Helfer“, manche Menschen verschätzen sich wirklich irrwitzig.

Paraguay. Land Nr. 23!

Adios Argentina. Hola Paraguay.

Nach 16 Tagen verabschiedet Argentinien uns mit Trauer, Messi tritt gleichzeitig aus der argentinischen Fussball-Nationalmannschaft zurück und wir verlassen ebenfalls das Land, das Wetter zeigt sich zu diesem Anlass nass und grau. Die Hauptstadt von Land Nr. 23 und damit Asuncion und Paraguay erleben wir bieder und fahl, dieser Eindruck ändert sich auch nicht mehr. An der Stadtgrenze lernen wir allerdings Tim und Jakob kennen, einen jungen deutschen Auswanderer und einen Auswanderer in der 3 Generation. Tim lädt uns für 3 Nächte in sein Haus ein und zeigt uns seine Hood, wir erhalten einmalige Eindrücke ins Leben der Paraguayer und bekommen reizende Seen, wilde Tiere und historische Orte von Tim gezeigt. Doch nicht alles bieder und fahl hier! Paraguay zeigt sich als „Auswanderand“ von Deutschen, auch Jakobs Familie wanderte vor 195 Jahren aus Deutschland aus um in Südamerika ein neues Leben zu beginnen. Bevor wir uns von Tim und Jakob verabschieden werden wir ins Restaurant „Oktoberfest“ eingeladen und wir schlemmen wie die Könige. Kartoffelsalat, Sauerkraut, Spätzle, Bratkartoffeln, Blaukraut, Rollbraten, Schnitzel, Geschnetzeltes, Apfelkuchen, Weissbier etc. etc. unser Gaumen ist im 7. Himmel. Danke Tim, danke Jakob!

Vielen Dank an Tim und Jacob für den tollen Abend im Restaurant "Oktoberfest"!

Vielen Dank an Tim und Jacob für den tollen Abend im Restaurant „Oktoberfest“!

Der Highway 2 führt uns weiter zielsicher Richtung Brasilien, überall treffen wir auf begeisterte Menschen und werden nicht nur zum obligatorischen „Mate-Tee“ eingeladen (ohne den geht in Paraguay absolut gar nix!!), sondern dürfen unsere Zelte in den Vorgärten aufbauen. So auch bei Christian aus Österreich welcher vor 30 Jahren auswanderte und jetzt die Pizzeria „Wienerwald“ betreibt und eine köstliche Pizza mitten im Niemandsland anbietet. Christian hat viele Geschichten aus seiner alten Heimat Österreich und seiner Wahlheimat Paraguay auf Lager, ein klassischer bunter Hund.

Mittagspause am Fluss. Wer sieht den Julian?

Mittagspause am Fluss. Wer sieht den Julian?

Die Natur ist tropisch, saftig und grün und auch das Wetter spielt wieder mit, an herrlichen Flüssen verbringen wir unsere Mittagspausen und ein kleines Nickerchen in den Hängematten rundet die Siesta standesgemäss ab. Der Wind kommt von vorne und ein Hügel reiht sich an den Nächsten, die Räder scheinen auf dem Asphalt zu kleben, immerhin gibt es am Strassenrand viel zu sehen und so vergessen wir die Zeit. Das Paraguayische Landleben ist sehr bunt, überall sehen wir Ochsengespanne, Männer die im Wald oder auf den Feldern arbeiten, Kinder die einem Ball nachjagen, Schulkinder welche uns grüßen und freundlich winken, Arbeiter bei einer „Mate-Tee“-Pause, Frauen welche Essen am Straßenrand anbieten und vieles, vieles mehr, eine Reise durch ein Bilderbuch eben.

Argentinien, Brasilien und Paraguay grenzen hier aneinander.

Argentinien, Brasilien und Paraguay grenzen hier aneinander.

Die hügelige Achterbahnfahrt zieht sich bis an die brasilianische Grenze und am 434 Tag erreichen wir tatsächlich unser Zielland Brasilien. Allerdings reisen wir nach 90 Minuten schon wieder aus und es geht am „3-Ländereck“ direkt zurück nach Argentinien. Warum? Die berühmten Wasserfälle von Iguazu, die „Cataratas de Iguazu“ sind von der argentinischen Seite besser zusehen und noch beindruckender. Wir bereisen also mit Paraguay, Brasilien und Argentinien gleich 3 Länder an einem Tag, wieder ein neuer Reiserekord. Im „Parque Nacional Iguazu“ besuchen wir die weltberühmten Wasserfälle uns sind von dem gigantischen Naturspektakel stark beeindruckt. Jetzt haben unsere Augen schon einiges gesehen und sind oft „satt“, irgendwann ist der hundertste Wasserfall nichts besonderes mehr, die tausendste Kirche oder Ruine nichts einmaliges mehr und verzaubert nur noch gering, aber…

Iguazú-Wasserfälle.

Iguazú-Wasserfälle.

…aber die Wasserfälle von Iguazu sind eine Augenweide, mein lieber Mann. Ein absolutes Highlight auf unserer Reise, Traumwasserfälle. Das Wetter spielt uns bei strahlendem Sonnenschein voll in die Karten und danke der südamerikanischen Winterzeit sind eher wenige Touristen vor Ort. Als der Park schliesst, schleichen wir uns, verbotenerweise, in die Büsche. Die Geräuschkulisse der nahen Wasserfälle und das quaken, piepen, zirpen, kreischen und rascheln aus den Büschen lässt uns mitten im grünem Dschungel ruhig schlafen, toller Tag.

Vorsicht Jaguars!

Vorsicht Jaguars!

Eine giftige Korallenschlange.

Eine giftige Korallenschlange.

Der Highway 101 ist eine typische Lehmstraße im Dschungel, wir rutschen hin und her und müssen höllisch aufpassen um Stürzte zu vermeiden. Diese Straße führt uns endgültig nach Brasilien und treibt uns mit ihren auf und abs beinahe in die Verzweiflung. Den heimischen Jaguar haben wir nicht zu Gesicht bekommen, dafür zeigen sich Riesentukane und andere bunte Paradiesvögel, auch Schlangen bekommen wir sehr nah vor die Kamera. Erst als wir die Schlangenbilder Einheimischen zeigen, wird uns bewusst, dass wir uns bis auf wenige Zentimeter einer der giftigsten Schlangen Südamerikas genähert haben. Glück gehabt. Urwald pur! Dschungel live! Noch in Argentinien machen wir unsere 26000km voll und verabschieden uns so erneut von unseren Gaucho Freunden. In unserer letzten Nacht in Argentinien, wir zelten 200m vor der Grenze zu Brasilien, will uns ein Räuber bestehlen. Der Langfinger schultert spät nach Mitternacht Sandros abgeschlossenes Fahrrad und will sich davon machen. Wir stürmen alle 3, wie auf Kommando, mit einem ohrenbetäubendem Gebrüll aus den Zelten und verscheuchen den Dieb, welcher geschockt das Rad fallen lässt und nur mit Sandros Schuhen in der Dunkelheit verschwindet. Wieder Glück gehabt! Mit 13.39€ p.P./Tag in Argentinien und 9.93€ p.P./Tag in Paraguay zählen beide Länder zu den günstigsten unserer Reise, campen in der Natur spart eben enorm Geld.

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Brasilien. 26043 km. Weiter gehts…

So, nach 436 Tagen und 26043 Kilometer erreichen wir, dieses Mal nicht nur für 90 Minuten und mit allen 3 Fahrrädern unterm Hintern, Brasilien. Wir haben es tatsächlich geschafft und uns unseren Traum erfüllt, wir sind von Deutschland nach Brasilien geradelt, Wahnsinn!! Alles, wirklich alles ist machbar! Brasilien war unser Ziel und jetzt sind wir da, glauben können wir es noch nicht und bis wir begreifen was wir geschafft haben gehen wohl noch einige Jahre und zahlreiche Geschichten ins Land. Genau einen Monat vor dem Start der Olympischen Spiele erreichen wir also Brasilien, noch haben wir knapp 2500km vor uns um den Austragungsort Rio zu erreichen. Ein kräftiges aber dennoch machbares Ziel für die nächsten Wochen. Die Goldmedaille in unserer Plattfußstatistik ist Julian mit 30 Löchern nicht mehr zu nehmen, Sandro (18) und Nico (15) sind einfach zu weit entfernt. Ein hart erarbeitetes goldenes Edelmetall für Julian, der anscheinend kaum einen Nagel oder eine Scherbe ausgelassen hat. Wer den Schaden hat….

Bisher zeigt sich Brasilien sehr hügelig.

Bisher zeigt sich Brasilien sehr hügelig.

Die nächsten circa 600km suchen wir unseren Weg nach Porto Alegre im Süden des Landes und damit an den Atlantik, dieser wird dann für die letzten circa 1700km bis Rio unser Begleiter sein. Brasilien empfängt uns gleich mal hügelig und erinnert etwas an die italienische Toskana, wo ein Hügel aufhört beginnt der nächste. Wer bei Brasilien gleich an die Copacabana, exotische Drinks, rassige Strandschönheiten, Pele und Samba denkt, dem sei gleich gesagt, dass Brasilien auch anders sein kann. Gleich in der ersten Nacht wird unser Zelt beinahe von den Regenmassen weggespült, der nächste Tag ist nass, grau und kalt, auf manchen Straßen kommen wir vor lauter Schlamm kaum voran und sehen am Abend aus wie Wildschweine nach dem suhlen. Der „BR-163“ ist noch gut asphaltiert, nach dem Überqueren des „Rio Uruguay“ folgt der „BR-386“, dieser ist z.T. eine übel vom Regen aufgeweichte Piste, die Räder blockieren vor lauter Matsch und Dreck und müssen geschoben oder gar getragen werden. Willkommen in Brasilien, wieder verändert sich unser Weltbild.

Schlammpiste. Die Reifen blockieren.

Sandro steckt im Schlamm fest. Die Reifen blockieren. Er muss schieben.

Inzwischen haben wir uns selbst eine Unterkunft in Rio organisiert und sicher gebucht, bei Wilma und ihrer Tochter Kelly können wir im Herzen Rio’s recht kostengünstig leben. Das Olympiastadion ist nur einen Steinwurf entfernt und auch die Nähe zu Copacabana lässt keine Wünsche offen.

An dieser Stelle wollen wir uns bei Thomas aus Bremen bedanken. Thomas verfolgt sehr aufmerksam unseren Blog und hat uns das Ferienhaus seiner Familie etwas ausserhalb von Rio angeboten. Dieses tolle Angebot werden wir während den Spielen mit Sicherheit für einige Tage annehmen. Danke Thomas, super Geschichte!!

Heute. Kilometerstand 26217, sind wir in Frederico Westphalen angekommen und warten, im wahrsten Sinne, auf besser Wetter. Zumindest haben wir hier Zeit und Platz für diesen Bericht, Wäsche und Zelt können in Ruhe trocknen und die Räder müssen komplett entschlammt werden.

Vielen Dank fürs lesen der Berichte und eure Unterstützung!! Danke auch fürs teilen von unseren Beiträgen auf Facebook & Co. Ihr habt noch Tickets für die Olympischen Spiele in der Hinterhand? Nur keine Scheu, wir beissen nicht und sind dankbare Abnehmer.

Mit sportlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder der letzten 14 Tage sind in unser Galerie.

Peru III – Lima – Machu Picchu – Cusco

Peru
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City-Tour mit Jesus und Marino.

Bevor wir die Hauptstadt Perus und damit Lima wieder verlassen lernen wir Jesus und Marino kennen, die zwei sind waschechte Hauptstädter und geben und uns eine gratis Tagestour durch ihre wunderbar restaurierte Altstadt und Miraflores, einem eher exklusiven Stadtgebiet direkt am Strand wo sich die Reichen und Schönen niedergelassen haben und die jungen Surfer sich in die Wellen stürzen und an der Promenade flanieren.

Dünen bis zum Horizont.

Dünen bis zum Horizont.

Die unendliche, zähe Wüste vor Lima hat uns eigentlich gereicht, trotzdem entscheiden wir uns für einen Ausflug nach Ica, Ica liegt wieder mitten in der Wüste am Rande des Nationalparks „Reserve Nacional de Paracas“. Zahlreiche Attraktionen hat die Gegend zu bieten welche wir uns nicht entgehen lasen wollen. So bewundern wir die „Laguna de Huacachina“, wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen plötzlich nach Nordafrika versetzt worden zu sein. Die Oase ist wie ein Traum aus 1001 Nacht, Dattelpalmen und orientalisch anmutende Gebäude versetzen uns in eine andere Welt. Danach ist Aktion pur angesagt, wir üben uns im Sandboarden und wedeln die bis zu 80m hohen Dünen auf unseren Sandboards hinunter, die Tour mit dem Strandbuggy über die Sandberge ist ein Erlebnis für sich und eine willkommene Abwechslung zu unserem Fahrradalltag. Die gigantischen Sanddünen erstrecken sich bis zum Horizont und der eintretende Sonnenuntergang beschert uns beinahe magische Momente in mitten der Sahara.…ähhh Wüste Perus.

Laguna de Huacachina.

Laguna de Huacachina.

Sandboarden, mal was anderes wie radeln.

Sandboarden, mal was anderes wie radeln.

Mit dem Bus geht es zum Ausgangspunkt für unsere nächste Etappe, Ayacucho liegt mitten in den Anden und ist Ausgangsort für unsere Tour zur sagenumwobenen Inkastätte Machu Picchu. Bislang in ganz Peru waren die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht extrem und das Wetter unberechenbar. Tagsüber droht ständig der Sonnenbrand und sobald die Dämmerung eintritt wird es schnell unangenehm kühl, hier in den Bergen ist es natürlich noch extremer und wir sind froh über unser dicken Schlafsäcke in der Nacht und warme Kleidung wird gebraucht.

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Markt in Ayacucho.

Ayacucho liegt nicht unbedingt auf der Route vieler Touristen, wir sehen zumindest kaum „Gringos“ (Ausländer) und geniessen daher ein sehr authentisches peruanisches Leben. 33 (!) Kirchen hat die kleine aber feine koloniale Stadt zu bieten, viele Märkte locken mit allerlei leckeren Sachen und viel Trödel, wir bewundern die Bergbewohner in ihren traditionellen Trachten und Gewohnheiten. Die zahlreichen Tuk-Tuks und die vielen kleinen Garküchen am Strassenrand erinnern ein wenig an Thailand, auch die Menschen haben asiatische Gesichtszüge und das Lächeln Asiens im Blut.

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Gipfelkreuz auf 4264 Metern.

Wir bereiten uns auf eine zähe, lange Etappe vor, Machu Picchu ist das Ziel. Wir steigen und fallen, auf der 28B sind wir ein Spielball der Anden, die Räder scheinen mit gewonnener Höhe an Gewicht zu zulegen und die Luft wird immer dünner. Wir meistern Pässe mit bis zu 4264m hier wiegen die Bikes plötzlich 3-4 x soviel wie sonst und wir bekommen Luft wie durch einen Strohhalm, das Blut rauscht in den Ohren und das Herz pumpt auf Hochtouren. Die Aussicht ist dafür gigantisch und wir können uns kaum sattsehen, Berge, Schluchten, Täler so weit wir blicken können, einfach eine atemberaubende Landschaft welche sich uns hier offenbart. Unseren größten Respekt verdienen sich die Bergbauern, welche hier ihre Felder bearbeiten und natürlich die Kräuterfrauen, welche entlang der Strecke diverse Bergkräuter sammeln.

Claudia und Martin sind seit mehr als 3 Jahren mit ihrem VW-Bus unterwegs.

Claudia und Martin sind seit mehr als 3 Jahren mit ihrem VW-Bus unterwegs.

Die einzigen Touristen welche wir auf dieser Tour treffen sind Martin und Claudia aus der Schweiz, welche in ihrem VW-Bus nun knapp 3 Jahre unterwegs sind , die Beiden halten uns für total bekloppt. Zitat Martin: “Wir fahren jetzt schon seit Tagen durch diese gottverlassenen Berggegend, die Autofahrer sind absolut Geisteskrank, die Strassen schmal und teilweise bis zu 70km Schotter, die Distanzen gross, die Abhänge selbstmörderisch und ihr wollt hier durch? Das ist verrückt, absolut verrückt! Nehmt lieber den Bus!!“ Naja, wir fahren weiter und kämpfen uns tapfer vorwärts, Rom wurde ja auch nicht an 2 Tagen erbaut und wir haben Zeit eingeplant. Tatsächlich empfinden wir die peruanischen Autofahrer aber auch als extrem nervig. Eigentlich sind die Peruaner ein recht freundliches, hilfsbereites und offenes Volk, sobald diese aber hinter einem Steuer sitzen geben sie gleichzeitig mindestens die Hälfte ihres IQ’s ab und werden zu primitiven, nervigen, respektlosen und permanent hupenden Primaten.

Koka-Blätter am Strassenrand.

Koka-Blätter am Strassenrand.

Je weiter wir uns in die Berge vorkämpfen, desto mehr werden wir wie Astronauten oder gar Ausserirdische bestaunt. Viele Touristen sind in dieser Gegend noch nicht gesehen worden, zumindest nicht welche auf dem Rad. Ständig bekommen wir Kokain, Marihuana und diverse andere Aufputschmittel angeboten, ein sicheres Zeichen wir nähern uns der „Roten Zone“, selbstverständlich sehen wir jedesmal ab. In dieser Gegend werden Perus Drogen angebaut, schwergewaffnete Milizen kommen uns auf ihren Trucks entgehen, die Polizei warnt uns vor Überfällen und die Einheimischen schütteln den Kopf, nach 4-5 Tagen ist aber auch diese Region passé und es wird wieder gemütlicher.

80 Kilometer Abfahrt. Das haben wir uns hart erarbeitet.

80 Kilometer Abfahrt. Das haben wir uns hart erarbeitet.

Fluss durchqueren, was ein Spass. Bei Nacht aber sehr schwierig.

Fluss durchqueren, was ein Spass. Bei Nacht aber sehr schwierig.

Wir fallen, nach einer gigantischen ca. 80km Abfahrt, auf unter 800m und finden uns im peruanischen Regenwald wieder. Dieser macht seinem Namen alle Ehre und es schüttet wie aus Kübeln, bei den z.T. unasphaltierten Strassen gleicht das einer Rutschpartie, die Räder und wir sehen danach aus wie Wildschweine nach einem ausgiebigen Schlammbad. Wir sind auf der Suche nach der Inkastätte Machu Picchu und da muss man auch schon mal unangenehme Wege gehen und Opfer bringen und so kommen wir zu einem neuem Reiserekord. Mit 9.57 Stunden/Tag auf dem Rad stellen wir am Tag 381 unserer Reise einen neuen persönlichen Rekord auf, nicht einmal unserer Karte kennt diese Strasse und wir legen an diesem Tag zudem geschlagene 2657 (!!!) Höhenmeter zurück. Wir kommen in die Dunkelheit und müssen, mit der Konzentration und der Kraft am Ende, noch zahlreiche überflute Strassen überqueren. In einer Kneipe fragen wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit und werfen uns todmüde auf den Lehmboden der kleinen Gaststätte, die Gäste an den anderen Tischen bekommen wir kaum noch mit.

Rio Urubamba, der heilige Fluss der Inkas.

Rio Urubamba, der heilige Fluss der Inkas.

Die PE-28B wechselt ähnlich wie das Wetter ständig ihr Gesicht, wir wissen einfach nie was uns hinter der nächsten Kurve erwartet oder was das Wetter in der nächsten Stunde für uns bereit hält. Was sicher ist, der Hintern brennt wie die Hölle und die Oberschenkel drohen zu platzen, nach einigen Tagen erreichen wir den „Rio Urubamba“, den heiligen Fluss der Inkas, ein erstes Zeichen wir sind auf dem richtigem Weg und unser Ziel rückt langsam näher. Die 22.000km sind inzwischen voll, die Menschen halten uns weiter für Spinner und die Fahrer der Minibusse haben z.T. in ihrem Berufsleben, nach eigener Aussage, noch keine Radler auf dieser Strecke ausgemacht. Wir dringen weiter in eine Geheimwelt ein, zumindest fühlen wir uns als wie wir die Menschen in ihrer Welt überraschen und wir deren Ruhe stören. Eigentlich kaum zu glauben, dass eine der Hauptattraktionen Südamerikas nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt ist. Touristenmassen werden von der andern Seit, von Cusco aus, mit Bussen, Zügen und Taxis zum Machu Picchu gekarrt. Und hier, nichts! Nur Einsamkeit, Berge und Natur.

Erst kurz vor Quillabamba findet sich die Straße auch auf unserer Karte wieder, die Schlagzahl der mit Touristen vollgestopften Minibusse nimmt schlagartig zu, ein weiters Zeichen wir kommen unserem Etappenziel näher. In unserer Mittagspause besuchen wir die Wasserfälle „Siete Tinajas“ (7 Wasserfälle) und ernten viel Bewunderung über unsere Tour in den letzten Tagen. In Quillabamba erleben wir zufällig am Pfingstsamstag eine große bunte Parade, welche dem heimischen Karneval doch sehr nahe kommt, die Lebensfreude der Menschen ist ansteckend und so bewundern wir das Spektakel.

Steiler Abhang auf dem Weg nach Santa Teresa.

Steiler Abhang auf dem Weg nach Santa Teresa.

Der letzte Radtag bevor wir die Inkastätte erreichen hat es nochmals in sich. Wir wechseln auf die Schotterpiste 107, die Straße ist extrem eng und der Abgrund auf der linken Seite erlaubt keine Fahrfehler, jeder Fehler ist hier mit ziemlicher Sicherheit auch der Letzte. Der Ausblick auf die mit Schneebedeckten Gipfel der Berge ist gigantisch und geben der Region ihre Magie. Plötzlich hört der Weg auf, 10 km vor dem Ziel gibt es keinen Weg mehr!!!! Nur noch der, irrsinnig teure Zug fährt die letzten Kilometer, nicht mit uns!!!

Entlang der Gleise bis nach Machu Picchu.

Entlang der Gleise bis nach Machu Picchu.

Wir schleichen uns aufs Gleisbett, holen uns eine „Sondergenehmigung“ bei einem Wachmann, welcher uns müde viel Glück wünscht, und fahren die letzten Kilometer an den Schienen entlang, auf den Brücken gleicht dies einem Balanceakt und wird zur Zirkusnummer, aber nach 2 weiteren Stunden haben wir es tatsächlich geschafft.

Geschafft. Mit dem Fahrrad bis nach Machu Picchu Village.

Geschafft. Mit dem Fahrrad bis nach Machu Picchu Village.

WIR SIND ZUM MACHU PICCHU GERADELT!!!

In vielen Foren für Radfahrer, heisst es dies sei nicht möglich. Wir haben das Gegenteil bewiesen, haben Berge versetzt und unser Ziel erfolgreich erreicht.

Machu Picchu. Ein magischer Ort.

Machu Picchu. Ein magischer Ort.

Am nächsten morgen, es ist Pfingstmontag, um 4.30h machen wir uns auf den Weg um die antike Machu Picchu Stadt zu erobern. Unser Konzept geht auf und noch vor Sonnenaufgang sind wir oben und haben einen einmaligen Blick auf die eindrucksvollen Ruinen der Inkas. Frühmorgens liegt die Felsenstadt im weichem Licht der aufgehenden Sonne malerisch vor uns, diesen majestätischen Anblick werden wir niemals vergessen. Natürlich gehört das ganze Gebiet inzwischen zum UNESCO – Weltkulturerbe, Forscher sind sich einig das die Stadt bereits zur Anfangszeit der Inkas erbaut wurde. Wir setzen noch einen drauf und wandern auf den Machu Picchu-Mountain, der steile Anstieg lohnt sich wir stehen jetzt ca. 600m über den Ruinen und geniessen bei blauem Himmel und Sonnenschein eine 360°C Panoramaaussicht und lassen uns die mitgebrachte Brotzeit schmecken. Schon beim Abstieg wird klar, der klassische

600m über Machu Picchu. Was eine Aussicht.

600m über Machu Picchu. Was eine Aussicht.

Pauschaltourist ist inzwischen auch angekommen und schiebt sich durch die Ruinen. Zahlreiche Alpakas werden als natürliche Rasenmäher eingesetzt, gegen unsere Merino-Shirts von Kaipara sehen aber selbst diese alt aus. Wir geniessen den Moment und Drehen noch eine Runde durch das ursprüngliche Dorf bevor wir den Abstieg auf einem der Inka-Trails angehen.

Am nächsten morgen geht es den gleichen Weg zurück, auf den 10km entlang der Gleise regnet es wie verrückt. Schon nach wenigen Metern sind wir pitschnass und wir schlittern und rutschen die Gleise entlang. Wir lachen uns aber insgeheim ins Fäustchen, gestern hatten wir strahlenden Sonnenschein und konnten unseren Wanderausflug in vollen Zügen geniessen und heute regnet es Bindfäden. Die Götter der Inkas waren mit uns!! Wenigstens können die Touristen auf dem Berg, welche ausschauen wie direkt dem Outdoor-Katalog entsprungen, heute ihre Funktionskleidung gut testen.

Im strömenden Regen gehts zurück nach Santa Teresa.

Im strömenden Regen gehts zurück nach Santa Teresa.

Unten angekommen geht es aber auch für uns vorerst nicht weiter. Die Schottenpiste ist komplett aufgeweicht, Matschfelder und Schlammlawinen machen den Weg heute zur Albtraumstrecke. Zudem sind Sandro’s Bremsen inzwischen komplett blank. Wir sind kein Himmelfahrtskommando und die Abfahrten hier ohne Bremsen kommt einer Kamikaze – Fahrt gleich und macht, speziell bei Regen, absolut keinen Sinn. Lange Rede, kurzer Sinn, den Regentag verbringen wir in einem Allrad-Minibus und lassen uns nach Cusco fahren. Die Beine danken es uns und wir sind kaum eingenickt da wirft uns der Fahrer schon in der Hauptstadt er Inkas raus. Hallo Cusco!!

Cusco, eine tolle historische Stadt.

Cusco, eine tolle historische Stadt.

In Cusco haben wir genau 22.222 km auf dem Tacho und freuen uns auf 2 Tage Auszeit von Bergen, Tälern und Schluchten. Einst war Cusco die Hauptstadt und der Herz des Inka-Imperiums, der „Nabel der Welt“ wie die Inka ihre Stadt nannten. Laut Aussagen anderer Reisenden ist Cusco heute nicht nur die wohl schönste und abwechslungsreichste Stadt Perus, sondern wegen ihrer historischen Bedeutung auch eine der interessantesten Südamerikas. Alte Inkamauern, prächtige Kolonialbauten und reich ausgeschmückte Kirchen erinnern an die bis heute mit Leben erfüllte Vergangenheit. Die Menschen und Märkte scheinen hiernach farbenfroher zu sein wie im restlichen Peru.

Sandro und Julian lassen ihre hintere Bremsanlage komplett austauschen, unsere ursprünglichen Bremsen sind so speziell, dass es in ganz Südamerika keinerlei Ersatzteile gibt. Unzählige Fahrradläden konnten uns nicht weiterhelfen, jetzt geht es eben mit einer komplett neuen Bremsanlage weiter durch die Anden. Hilft ja nichts, wir sind zwar kaum zu stoppen, trotzdem müssen auch wir mal bremsen.

So, wir hoffen die Sonne setzt sich inzwischen auch in Deutschland oder wo auch immer auf der Welt ihr uns verfolgt, flächendeckend durch und ihr geniesst den Wonnemonat Mai. Den nächsten Bericht gibt es vermutlich schon aus Bolivien, unserem Land Nr. 20. In circa 80 Tagen fällt dann auch schon der Startschuss in Rio und sowie es bislang läuft werden wir bei diesem wohl live vor Ort sein, natürlich mit dem Fahrrad.

Mit freundlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Kolumbien III – Ecuador

Ecuador, Kolumbien
Pilgerkirche "Las Lajas" in Ipiales.

Pilgerkirche „Las Lajas“ in Ipiales.

Die letzten Kilometer in Kolumbien geht es nochmals kräftig auf und ab, in den Hütten am Gipfel wird heisse Schokolade und Käsekuchen serviert, ein Stück Heimat in der Ferne und gegen die frische Bergluft genau richtig. Bevor wir Kolumbien endgültig verlassen und nach Ecuador einreisen, wartete am Osterwochenende noch ein echtes Highlight auf uns. Die Pilgerkirche „Santuario de Las Lajas“, liegt in einer engen Schlucht und erinnert mehr an eine Burgfestung wie an ein Gotteshaus, ein wilder Fluss rauscht unter dem gigantischem Bauwerk hindurch, architektonisch ein Meisterwerk, die Kirche hat eine einzigartige Ausstrahlung und wird uns als eines der schönsten Bauwerke unserer Reise in Erinnerung bleiben.

Wir sagen Danke Kolumbien, mit 19.94€ p.P./Tag durften wir leben wie die Könige, zahlreiche Ersatzteile und Wartungskosten für die Räder inbegriffen. Kolumbien hat es uns definitiv angetan, wir hatten jede Menge Spass und haben eine tolle Kultur hautnah erleben dürfen. Die sehr schweisstreibende Berge mit ihren hohen Pässen werden uns ebenso wie die vielen Schluchten und Flusstäler lange in Erinnerung bleiben. Das leichte, oft chaotische bunte Leben werden wir, spätestens in Deutschland, vermissen. Unsere zahlreichen neuen Freunde, mit ihrer grenzenlosen Begeisterung für unser Unterfangen, machen Kolumbien zu einem Reiseland mit großem Rückkehrfaktor.

Warmanziehen. Auf gehts in Richtung Ecuador.

Warme Kleidung. Auf gehts in Richtung Ecuador.

Mit Nieselregen und äusserst kühlen Temperaturen begrüßt uns Ecuador, unser Land Nr. 18, der nötige Einreisestempel ist schnell im Pass und schon warten die Berge auf uns. Der US$ ist seit 1999 offizielle Währung in Ecuador, schnell wird uns daher deutlich das Ecuador ein weitaus höheres Preisniveau hat wie Kolumbien und wir wieder tiefer in die Tasche greifen müssen. Der Highway E-35, wegen den zahlreichen Vulkanen links und rechts der Strasse auch „Strasse der Vulkane“ genannt, führt uns zielsicher und sehr gut ausgebaut in die höchste Hauptstadt der Welt und damit nach Quito auf 2850m. Bevor wir aber nach Quito einreisen geht es, wieder einmal, bergauf und bergab. Das Wetter wechselt sein Gesicht binnen Minuten, vom puren Sonnenschein bis zu sintflutartigen Regengüssen sind es oft nur wenige Augenblicke. Die Anden machen klar wer hier der Boss ist und damit das Sagen hat, uns bleibt nichts anderes übrig wie uns anzupassen und im Minutentakt die Regenkleidung an und wieder auszuziehen. Am Abend kehren wir in billige Unterkünfte ein, manchmal gibt es sogar eine heisse Dusche, zum zelten ist es in den Hochebenen zu frisch und vor allem zu nass, den extremen

Äquator. Geschafft!

Äquator. Geschafft!

Regenmassen sind unsere Zelte nicht gewachsen. Kurz vor Quito verlassen wir die Nordhalbkugel, überschreiten den Äquator und heissen die Südhalbkugel herzlich willkommen. Gute 11 Monate und exakt 19502 km haben wir gebraucht um von München bis an den Mittelpunkt der Erde zu radeln, was für eine tolle Geschichte. In der Bergregion gilt Meerschweinchen als absolute Delikatesse, oft werden die kleinen Nager direkt am Strassenrand gebraten und verkauft, bislang haben wir die Leckerbissen allerdings den Einheimischen überlassen, aber ob wir der Verlockung noch lange widerstehen können?

Gebratene Meerschweinchen. Bisher haben wir sie nicht probiert.

Gebratene Meerschweinchen. Bisher haben wir sie nicht probiert.

Quito, und seine historische Altstadt empfängt uns dagegen mit Sonnenschein pur, versteh einer das Wetter… Quitos koloniales Stadtzentrum ist reich an zahlreichen bedeutenden Bauten und Denkmälern, vor allem koloniale Kirchen

Quito hat ein tolles historisches Zentrum.

Quito hat ein tolles historisches Zentrum.

und Klöster im Barock Stil stechen hervor. 1978 wurde Quitos Altstadt, als erste Stadt überhaupt, auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes gesetzt, zurecht wie wir meinen. Hinter jeder Ecke lassen sich neue Gassen, neue Geheimnisse und Geschichten finden, der historische Stadtkern ist sehr gut erhalten und einladend. In traditioneller Tracht verkaufen die Indigenas, Ecuadors Ureinwohner, Obst und Gemüse, überall auf den zahlreichen „Plazas“ trifft man auf Lottoverkäufer, Schuhputzer und diverse „laufende Händler“, ein buntes Treiben beherrscht das

Wacht über Quito auf dem Hügel "El Panecillo".

Wacht über Quito auf dem Hügel „El Panecillo“.

Stadtbild. Wir steigen, gegen den Rat der Polizei – welche vor Überfällen warnt, auf den Hügel „Panecillo“ wo die berühmte Marinestatue über die Stadt wacht, so haben wir eine tolle Draufsicht auf die 2,2 Millionen Einwohner Stadt und die Vulkane welche das langgezogene Stadtgebiet einkesseln. Donner, Blitz und Regen treiben uns in die zahlreichen kleinen köstlichen Restaurants und auch die vielen Kirchen sind trocken und strahlen mächtig vor Glanz und Gloria. Abseits der Altstadt zeigt Quito aber auch ein zweites Gesicht, Armut, Drogen und und wenig Perspektiven aus diesem Teufelskreis sind auch ein Teil dieser Millionenstadt.

Geschlagene 20 km brauchen wir um aus Quitos Stadtgebiet zu entkommen, die Hauptstrasse hat nicht viel vom gemütliche Stadtzentrum. Die Strasse ist stark befahren, ständig wird gehupt, Busse und LKW’s dieseln uns mit Abgasen voll, gerade die Busfahrer haben einen Dachschaden und fahren wie der Henker persönlich, die Luft steht, die Lunge eines Kettenrauchers kann nicht weniger belastet sein. Jedenfalls sind wir recht froh wieder in der Natur zu sein und geniessen die gesunde Landluft und den gemächlichen Verkehr.

"Pailon del Diabolo", ein Wasserfall in Banos.

„Pailon del Diabolo“, ein Wasserfall in Banos.

Nico möchte weitere Vulkane sehen und fährt die „Feuerstrasse“ weiter,. Vorbei am Vulkan Cotopaxi nach Banos, ein Ort mit vielen Wasserfällen und heissen Quellen. Von dort fährt er weiter über Riobamba nach Alausi und macht einen Tagesausflug mit dem berühmten Zug „Nariz del Diabolo“. Julian und Sandro verlassen die E-35 und biegen rechts auf die E-20 und damit ins Flachland Ecuadors, in Richtung Santo Domingo, als Treffpunkt vereinbaren wir Guayaquil 7 Tage später. Julian und Sandro geniessen eine 80 Kilometer lange Abfahrt und brettern mit bis zu 70 km/h die Anden runter, nur der Regen und diverse Erdrutsche können uns kurzfristig stoppen. Im Flachland geht es an kilometerlangen Kakao- Mais- Maracuaya- Bananenplantagen vorbei, wir fahren durch die Obst und Gemüsekammer Ecuadors, die freundlichen Marktfrauen beschenken uns mit ihren Früchten, erklären uns den Weg und lachen viel über unsere Tour, frei nach dem Motto: „Ihr seid doch total bekloppt!“

Obst gibt es reichlich auf den Märkten Ecuadors.

Obst gibt es reichlich auf den Märkten Ecuadors.

In den Nächten regnet es, tagsüber wird es bis zu 35 Grad warm und extrem schwül, die Strecke ist schön flach und wir strampeln gedankenverloren vor uns hin bis nach Guayaquil, mit 3.3 Millionen Einwohner die grösste Stadt des Landes, diese liegt auf Meereshöhe. Für Schlangen scheint das tropische Klima im Flachland das ideale Biotop zu sein, die Biester finden in den Plantagen viel Unterschlupf, genügend Nahrung und liegen oft auf der Strasse rum „dead or alive“!

Erdrutsch. Die Strasse wird zum Fluss.

Erdrutsch. Die Strasse wird zum Fluss.

Nico hat in den Bergen, auf der Feuer- bzw. Vulkanstrasse, auch mit schlechtem Wetter zu kämpfen, erlebt zahlreiche Schlamm- und Felslawinen und muss sein Rad durch unzählige Matschfelder tragen. Leider war die Sicht auf die Vulkane nicht immer klar, die Natur und die unglaublich freundliche Bergbevölkerung machen die Passage dennoch unvergesslich.

In Guayaquil sind wir wieder vereint, innerhalb von 29 Tagen sind wir nun gut 2300 Kilometer quer durch Kolumbien und Ecuador gefahren, es ging über Stock und Stein, über Berge und Tal, durch Regen und Sonne, die Natur zeigte uns ihr gesamtes Spektrum auf. Wir freuen uns jetzt auf unsere 8-Tage Auszeit auf den Galapagos-Inseln, wo wir auch Darwins Spuren suchen werden und nach beinahe einem Jahr unsere Eltern treffen werden. Der „Kopf-Akku“ muss mal wieder komplett durchgeladen werden und auch die Beine freuen sich auf eine längere Auszeit und ein paar Tage ohne strampeln und die treuen Fahrräder.

Nach 20010 Kilometern sind wir in Guayaquil angekommen.

Nach 20010 Kilometern sind wir in Guayaquil angekommen.

Mit der Ankunft im Stadtzentrum von Guayaquil machen wir am Tag 344 die 20.000km voll. 20.000km Abenteuer und Spass. 20.000km rauf und runter. 20.0000km Friede/Streit und Versöhnung. 20.000km leiden und staunen. 20.000km Trip of our Lifetime. 20.000km Leben pur. 20.000km Wahnsinn.

In Guayaquil besuchen wir den Iguana-Park im Stadtzentrum, in diesem Park leben tausende von Riesenechsen, ein einmaliges Spektakel, die Altstadt kommt an den Charme Quitos zwar nicht ran, hat aber dennoch seinen eigenen Zauber.

Hunderte von Iguanas mitten in der Stadt.

Hunderte von Iguanas mitten in der Stadt.

Wir verabschieden uns in den Urlaub, danach geht es weiter in Richtung Peru wo uns die Anden wieder erwarten. Heute (5.4.2016) sind es noch genau 4 Monate bis zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Rio, noch haben wir etwa 8.000km vor uns, alles deutet auf einen „just in time“ – Einlauf hin, es bleibt spannend.

Die Räder bleiben hier in Guayaquil und sind bei Susana und Ana-Maria sicher untergebracht, auch wir leben gerade bei diesen 2 herzlichen Damen und geniessen deren umwerfende Gastfreundschaft.

Der nächste Bericht kommt bereits aus Peru und wird hoffentlich mit tollen Bildern und Eindrücken vom ecuadorianischen Naturparadies und damit von den Galapagos-Inseln beherrscht sein.

Danke für euer Interesse, die zahlreichen „likes“ und das teilen unserer Berichte auf Facebook.

Sportliche Urlaubsgrüße,

Euer Trio for Rio

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.

Kolumbien Nr. II

Kolumbien

Unser letzter Blog wurde noch in der Tiefebene Kolumbiens verfasst, inzwischen hat uns die  längste Gebirgskette der Welt, die scheinbar unendlichen massiven Anden, fest im Griff. Täglich machen wir äusserst schweisstreibende Höhenmeter, wieviele Meter wir bereits auf unserer Reise in die Höhe geklettert sind wissen wir leider nicht genau, einige Zehntausende sind es bis dato auf jeden Fall gewesen.

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Cynthia führt uns durch Medellin.

Wieder sind wir zahlreichen interessanten Menschen begegnet, so treffen wir Fabian aus Hamburg, welcher seit gut 5 Jahren mit seinem VW-Bus um die Welt kurvt, dank ihm hat nun auch Julians Ebook weitere 200 Bücher im Speicher. In Medellin legen wir einen entspannten Ruhetag bei Cynthia und ihrem Bruder Charles ein, wir fahren mit der berühmten Gondelbahn und haben daher eine interessante Perspektive über die Millionenstadt, wir werden in der Stadt rumgeführt, den Charme Cartagenas erreicht Medellin allerdings nicht. Oft werden wir gestoppt und müssen als Fotomodell herhalten, Kinder bestaunen unsere Räder und Männer wollen das Rohloff-System unserer TX-1000 Stahlrösser genauestens erklärt haben.

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Gondel über Medellin. Eine interessante Perspektive.

Auch mit einigen Radfahrern hatten wir das Vergnügen und wir strampelten zusammen durch tiefe Täler hinauf auf massive Bergkämme, passieren zahlreiche Pässe und genossen eine fantastische Aussicht über Berge und gigantische Schluchten. Die Landschaft ist saftig grün und die Berge mit ihren diversen Schattierungen und dem blauem Himmel im Hintergrund stellen ein umwerfendes Gesamtbild da, beinahe fühlen wir uns wie auf einer heimatlichen Alm. Die Anden werden immer massiver und von Tag

Rauf und runter. Bis auf teilweise 2800 Höhenmeter.

Rauf und runter. Bis auf teilweise 2800 Höhenmeter.

zu Tag selbstbewusster, wir steigen und fallen, geniessen traumhafte Abfahrten von bis zu 37km und fluchen leise über Anstiege der selben Länge. Ab ca. 2500m Höhe wird es recht frisch und unsere Kaipara-Merino-Kleidung kommt wieder vermehrt zum Einsatz, auch mit Regen müssen wir uns jetzt öfters auseinandersetzen, in den Bergen hängt eben das Wetter fest. In den Tälern und Flussebenen steigt dafür das Thermometer wieder auf knapp 40 Grad und die dicke Sonnencreme muss ausgepackt werden. Wir erleben eine langsame Achterbahnfahrt, von 700m rauf auf 2800m, runter auf 1100m und wieder rauf auf 2550m, runter auf 500m und wieder geht es rauf auf knapp 3000m (dies entspricht etwa der Zugspitze, immerhin Deutschlands höchster Berg) usw. usw. Falls die Beine gar nicht mehr wollen, gibt es immer noch die schleichenden LKW’s, welche sich schwerbeladen ebenfalls den Berg hoch quälen, diese eignen sich perfekt um sich einige Meter den Berg hochziehen zu lassen. Was kolumbianische Strassenkinder können, können wir schon lange (vom nachahmen wir allerdings dringend abgeraten)!

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Milchtransporter in Kolumbien.

4kg Spareribs zum Mittagessen.

4kg Spareribs zum Mittagessen.

Die tägliche Raubtierfütterung ist jedesmal ein Festessen, neben Reis, Bohnen, gebratenen Bananen und köstlichem Fleisch kommen auch delikate Nachspeisen und Delikatessen wie 4kg Spareribs auf den Tisch, ein Hoch auf die Küche Kolumbiens. Mit 1,50€ für ein üppiges Frühstück, 1,80€ für ein massives Mittags- bzw. Abendessen müssen sich die Preise nicht verstecken und wir sind wieder bereit und ausreichend gestärkt für den nächsten Anstieg. Der Highway 25, die Panamericana, führt uns zielstrebig in Richtung Ecuador, nur selten verlassen wir den gut ausgebauten Highway und fahren auf Nebenstrassen weiter (Highway 29 und 50). Momentan ist unser Schlagzahl etwas höher wie sonst, aber am 7. April müssen wir in Guayaquil im Süden Ecuadors sein um unseren Flug auf die Galapagos-Inseln zu erwischen. Allgemein ist es nicht schlecht auf so einer langen Reise sich kleinere Etappenziele zu setzten, hat man nur die Gesamtkilometer bzw. das Endziel, bei uns Rio im August 2016, im Kopf kann das einen mürbe machen, da man kaum Fortschritte sieht. Mit unserem Kuba Urlaub, dem Segeltrip nach Kolumbien und dem Flug auf die Galapagos-Inseln haben wir uns immer schöne und reizvolle Etappenziele gesetzt, dieses Konzept ging bislang gut auf. Klar, manchmal scheinen auch diese Etappenziele unerreichbar, wochenlang, tausende Kilometer weit strampeln wir drauf hin, Meter für Meter und plötzlich hat man es aus eigener Muskelkraft erreicht. Ein tolles, unbeschreibliches Glücksgefühl.

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Ein Hartes Leben in den Bergen.

Auf der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten landen wir immer öfters in diversen Stundenhotels, dies sind günstig und, gerade in den abgelegeneren Gebieten, zahlreicher wie „normale“ Hotels zu finden. Das horizontale Gewerbe ist in Kolumbien quasi an jeder Strassenecke anzufinden und gesellschaftlich akzeptiert, selbst die Polizei versucht uns an die Damen „zu vermitteln“, wir lehnen jedoch artig ab. Die kolumbianischen Männer müssen einen enormen Liebesbedarf haben, jedenfalls stehen sich am Strassenrand zig tausend Damen die Füsse platt und warten auf eine liebeshungrigen Trucker, welcher eines der besagten Stundenhotels anfährt.

Medellin. Wir werden herzlichst empfangen..

Medellin. Wir werden herzlichst empfangen..

Vor Kolumbien wurden wir gewarnt und es wurden uns Horrorgeschichten über Land und Leute erzählt. Jetzt stehen wir vor den Toren Ecuadors und haben tausende Kilometer in Kolumbien abgefahren, von Gewalt und Verbrechen keine Spur. Nico’s uns Sandro’s Schuhe wurden zwar „entwendet“ aber diese wurde 11 Monate abgearbeitet und fallen nicht wirklich unter heimtückischen Diebstahl, oder? Im Gegenteil, wir werden weiter angefeuert, bekommen Wasser und Früchte gereicht und nette, interessierte Gesprächspartner gibt es wie Sand am Meer. Klar kann man zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort sein und Gelegenheit macht Diebe, aber wo auf dieser Welt ist dies nicht der Fall? Gerade die jeweiligen Nachbarländer halten oft wenig von den Menschen auf der anderen Seite der Grenze. Die Engländer mögen die Schotten nicht, in Guatemala wird schlecht über El Salvador gesprochen, Nicaragua spottet über Honduras etc. etc. Und die Amerikaner? Die warnen vor jedem Land, jeder Kultur und jeder Religion, ein ängstlicheres Land, ein Land mit mehr Vorurteilen und Feindbildern, wie die USA, das selbsternannte Land der „grossen Freiheit“, haben wir bislang nicht kennengelernt. Ein Präsidentschaftskandidat wie Donald Trump mit seinem peinlichen Parolen ist das erschreckende Resultat dieser Angst und der bestehenden Vorurteile, andererseits sind wir mit den Wahlergebnissen der AfD (März 2016) in Deutschland nicht auf dem selben Holzweg? Jeder der mal eine solche Reise unternommen hat wird sich von solchen rechtspopulistischen Parteien fernhaften, egal auf welcher Seite des grossen Teiches, egal wo auf der Welt. Die Menschheit ist gut, unser Planet ist voller Wunder und atemberaubenden Plätzen. Ein paar Hans Wurscht’s wollen uns allerdings leider vom Gegenteil überzeugen, da hilft nur die fehlgeleiteten Idioten zu ignorieren und seine Stimme sinnvoll vergeben um nicht in deren braunes Fahrwasser zu geraten.

Eammon und Michel radeln 40km mit uns mit.

Eammon und Michel radeln 40km mit uns mit.

In Cali, der Hauptstadt der Salsatänzer, lassen wir uns nochmals die Berge aus den Beinen massieren und bewundern das, sich stündlich wechselnde, Strassenbild dieser Stadt. Nach Cali erwarten uns die Berge zurück, Sonne und Regen wechseln sich ab und wir kommen dadurch in den „Genuss“ wie durch eine Dampfgrotte radeln zu dürfen. Mit den Radlern Eammon aus Irland, Michel aus Kanada und Nelson aus Kolumbien haben wir einen tollen Tag auf den Bikes und besichtigen zusammen Popayan. Popayan hat komplett in weissgestrichene historische Altstadt und war u.a. Wohnsitz des ersten Präsidenten Kolumbiens. Mittlerweile stehen am Strassenrand tausende, schwer bewaffnete Soldaten, die gepanzerten Einsatzfahrzeuge erinnern an Kriegsschauplätze. Wir sprechen mit den Militärs und uns wird geraten vor allem die Nacht zu meiden, wie schon erwähnt eine 100%tige Sicherheit gibt es eben nie. Wir wollen gar nicht wissen was in den zahlreichen LKW’s alles von A nach B transportiert wird, ganz umsonst ist das Militär und Polizei Aufgebot mit Sicherheit auch nicht vor Ort, wir werden jedenfalls immer fröhlich durch jede Kontrolle gelotst. Auch die Kolumbianer sind recht gläubige Menschen, gerade in der Osterzeit sind die Kirchen gefüllt und wir sind bereits einigen Pilgern begegnet und Ostermärsche ziehen sich durch die Dörfer. Vielleicht vertrauen die Autofahrer zu sehr auf Gott, wieder stehen zahlreiche Kreuze am Strassenrand. Nur auf Gottesgnade zu hoffen ist auch nicht der richtige Weg, Einsicht und Rücksicht im Strassenverkehr sollte schon auch sein, teilweise werden wir Zeugen von recht waghalsigen Verkehrsteilnehmern.

Schlafen, essen, radeln, essen, radeln, essen und wieder in die Falle, so sehen unsere Tage im Moment auf, da es aber täglich Neues zu sehen gibt und wir immer ins Ungewisse radeln, kommt nie Langeweile oder Routine auf, es bleibt spannend und abwechslungsreich. Inzwischen haben wir die 19.000km voll gemacht und uns daher einen Ruhetag im Städtchen Pasto auf knapp 2900m Höhe verdient. Pasto ist ein nettes Bergstädtchen, leider haben am Gründonnerstag alle Geschäfte geschlossen und die Altstadt ist verwaist, so bleibt immerhin mehr Zeit zum entspannen. In unserer beliebten Plattfußstatistik gibt es keine grossen Veränderungen, Julian führt mit 21 Löchern und trägt sein Schicksal inzwischen mit Galgenhumor, Nico folgt auf Platz 2 (14) und Sandro liegt glücklich hinten auf Platz 3 (13).

Mal schauen wie grosszügig der DFB (Deutsche Fussballbund) sich zeigt, wir haben jedenfalls mal eine nette Email an die Damen und Herren gesendet, mit der Hoffnung auf Tickets für das Olympische Fussballturnier von Rio de Janeiro.

Unser nächster Bericht sollte bereits aus Ecuador kommen, wir wünschen euch Frohe Ostern und entspannte, sonnige Feiertage egal wo auf dieser Erde.

Viel Spaß beim Ostereier suchen!!!

Beste Grüße aus Pasto in den massiven Bergen Kolumbiens.

Euer Trio for Rio.

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder gibt es in unserer Galerie!

Mexiko No. 4 – „Feliz Navidad“ und „Viva la Revolution“

Mexiko
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Der Horizont ist in Sicht, keine Berge voraus.

Wir verlassen die Maya- Stadt Palenque am 1. Adventssonntag und es wird schlagartig flach. Kein Hügel, kein Berg einfach eben und eine Sicht bis zum Horizont, beinahe könnte man schon von einem öden, langweiligen Streckenabschnitt sprechen, aber keiner von uns wünscht sich die Berge und die damit verbundenen Qualen zurück. Ausserdem sind die Sümpfe am Rande des Highways 199 bzw. 186, voller Leben, Krokodile, Echsen, Schildkröten, Schlangen und Spinnen sind unsere treuen Begleiter in den letzten Wochen gewesen. Nach dem Bundesstaat Chipas, geht es kurz durch Tabasco, Namensgeber der gleichnamigen würzigen Sauce, mit dem Bundesland Campeche erreichen wir schliesslich die mexikanische Ostküste und haben damit Mexiko einmal durchquert.

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Tiere egal wo man hinschaut, auch in den Bäumen wo man Echsen nicht unbedingt erwartet.

Unser Kalorienverbrauch ist dermassen in die Höhe getrieben, bei unseren „Fressorgien“ würde selbst Buds Spencer zusammenbrechen. Schätzungsweise 7000 Kalorien müssen wir jeden Tag auffangen, da muss schon einiges auf den Tisch.

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Egal ob Morgens, Mittags oder Abends. Hühnchen können wir immer essen.

Die Mexikaner haben unglaublich viele kleine Garküchen und BBQ-Stände, Leckereien finden sich daher von ganz alleine. Gerade in der Weihnachtszeit darf es gerne auch mal ein bisschen mehr sein, aus Tradition sozusagen. Allerdings sollten vielleicht die Herrschaften vom Gesundheitsamt oder vom TÜV aus hygienetechnischen bzw. sicherheitstechnischen Gründen lieber einen Bogen um Mexiko und Südamerika machen, ansonsten drohen schwere psychische Störungen.

Die Gegenden um Palenque, Campeche, Cancun etc. sind auch Touristenhochburgen immer wieder begegnen uns Tonnen von Pauschaltouristen eingepfercht in Minibusse, welche einem Tourguide hörig sind und diesem widerstandslos auf Schritt und Tritt hinterher watscheln wie die Kücken der Mutterhenne. Daheim gegen Massentierhaltung demonstrieren und sich im eigenem Urlaub bevormunden und einsperren lassen, versteh einer die Welt. Wir haben schon überlegt ob wir Amnesty International einschalten sollen oder ob wir selbst eingreifen sollen, aber uns wurde zugesichert, alle Reisenden werden aus eigenem Willen eingesperrt und regelmässig für Foto – und Pinkelpausen rausgelassen.

Jedenfalls sind uns da unsere Räder, die tollen Mittagspausen in den Hängematten, die oft einfachen aber zweckmässigen Unterkünfte und die selbstbestimmte Reisegeschwindigkeit wesentlich lieber. Jeder hat eben eine eigene Vorstellung von Freiheit und vom reisen in fremde Kulturen.

In der Altstadt von Campeche fühlen wir uns wie in einer Filmkulisse, alles hinter der dicken Altstadtmauer ist schön bunt, wunderbar restauriert und einen Abstecher wert.

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Campeche, eine sehr bunte historische Stadt.

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Altstadt von Campeche.

Sandro hat in unserer beliebten Plattfussstatistik inzwischen mit 13 Platten die Führung übernommen und damit die Herbstmeisterschaft für sich entschieden. Julian (12) und Nico (10) sind mit Silber und Bronze trotzdem sehr zufrieden. Auch in der Mantelstatistik führt Sandro mit 3 gewechselten Mänteln vor Nico (2) und Julian (1), Sylvester bekommen wir Besuch aus der Heimat, genügend Ersatzschläuche, Mäntel und weiteres Equipment sind also bereits unterwegs.

Manchmal fühlen wir uns auf unseren Bikes wie Seemänner, was beim Seemann die handbreit Wasser unterm Kiel ist, ist bei uns die handbreit Luft unter der Felge. Reifenwechseln, Schläuche flicken und pumpen gehört definitiv nicht zu unseren Lieblingsaufgaben.

Der eher öde 180er Highway bringt uns also Stück für Stück näher nach Cancun und damit zu unserem ersehnten Weihnachtsurlaub auf Kuba, oder geht am Ende doch keine Fähre? Die zahlreichen Gerüche entlang der Strasse stärken unsere Motivation nicht unbedingt. Müll, faulige Sumpfgebiete, Essensreste, tote Tiere, Abgase, Industrieanlagen, unser Geruchssinn muss einiges ertragen.

Manchmal knallen wir mit unseren Charakteren kräftig aneinander. Unsere unterschiedlichen Vorlieben, Eitelkeiten, Vorstellungen, Wünsche, Ideen, Meinungen, Auffassungen, Ziele und Träume sind oft nicht einfach unter einen Hut zubringen. Aber in der Regel wird immer eine, für jeden erträgliche, Lösung gefunden und auch der grösste Knall verhallt recht schnell wieder.

Im Gegensatz zu Europa, Kanada und den USA zelten wir im Mexiko eher selten, die einfachen Unterkünfte sind mit circa 4-5€ p.P., fliessend Wasser und weichen Matratzen einfach zu verlockend. Ausserdem kommen wir dem Äquator immer näher, die Dämmerung setzt oft schon gegen 17Uhr ein, die Suche nach einem geeignetem Nachtlager müssten wir demnach schon um 16Uhr beginnen und so nutzen wir das restliche Tageslicht lieber zum radeln.

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Gegen 17.30 Uhr wird es dunkel.

Die berühmte Pyramide und Ruinen von Chichen Itza lassen wir aus Kostengründen aus, es gibt ja schliesslich, die oben genannten, Pauschaltouristen, sollen die den Wuchereintrittspreis zahlen und damit die mexikanische Staatskasse klingeln lassen.

Am Tag 225 und nach 14127 Kilometern erreichen wir schliesslich die Küstenstadt Cancun. Jetzt haben wir die 2 entferntesten Städte Mexikos, Tijuana und Cancun, miteinander verbunden. 4602 Kilometer liegen dazwischen, mehr Mexiko geht nicht.

In Cancun machen wir uns, bei strömenden Regen, auf die Suche nach einem Boot nach Kuba. Mythos oder nicht? Gibt es ein Boot oder eine Fähre auf die Insel? Tausende Menschen befragen wir, zig Agenturen werden aufgesucht, nochmals wir gegoogelt, mehrere Häfen werden genauestens ausgefragt. Die Ernüchterung trifft uns hart. Nein, es gibt definitiv kein Boot, keine Fähre von Cancun bzw. vom mexikanischen Festland nach Kuba. Alles Gerüchte, alles Mythos, da gibts nichts zu machen. Aus der Traum vom kubanischen Weihnachtsurlaub?

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Kuba wir kommen, doch leider gibt es kein Boot.

Aber ein „TrioforRio“ gibt nicht so schnell auf, wir müssen umorganisieren. Wir wollen unseren Traum realisieren und steigen aufs Flugzeug um, aus Kostengründen müssen die Fahrräder allerdings in Mexiko bleiben und der Flug sprengt beinahe unser Budget, aber nach weiteren Stunden in Agenturen haben wir 3 Flugtickets in der Hand, das Visa gibts am Flughafen. Die Räder können in der Ticketagentur sicher abgestellt werden und in 16 Tagen geht es ausgeruht weiter Richtung Belize und Guatemala.

Wir verabschieden uns also in den, wie wir finden, wohlverdienten Weihnachtsurlaub und sind am 28.12 zurück in Cancun. Da Kuba eine äusserst schlechte Internetverbindung haben soll, wünschen wir hiermit bereits „Frohe Weihnachten“, „Feliz Navidad“ und „Merry Christmas“.

Euer Trio for Rio.

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Wir wünschen „Frohe Weihnachten“, „Feliz Navidad“ und „Merry Christmas“.

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