Ecuador II – Galapagos-Inseln – Peru

Ecuador, Peru

Die Vorfreude auf unseren „Urlaub vom Urlaub“ und damit der Besuch auf den Galapagos-Inseln und das Zusammentreffen mit unseren Eltern ist gross. Unsere 7 Sachen sind schnell gepackt, die Räder sicher verstaut und Körper & Geist sehnen sich nach Ruhe und Erholung. Nach einer ausgiebigen nächtlichen Stadttour durch Guayaquil mit Lulu, der Nichte von unseren Gastgebern vor Ort, hebt der Flieger ab und bringt uns sicher ins Naturparadies Ecuadors.

Pelikane.

Flamingos.

Wir landen auf der Flughafeninsel „Isla Batra“ und reisen mit Bus, Boot und Pickup weiter auf die Hauptinsel „Isla Santa Cruz“, wo wir uns im Fischerort „Puerto Ayora“ ein Hostel nehmen. Schon am ersten Abend bekommen wir einen Eindruck was uns die nächsten Tage erwartet, selbst das Hafenwasser ist kristallklar und wir werden von Seelöwen, Pelikanen, Drachenechsen, Schildkröten & Co. begrüsst. Die nächsten Tage wandeln wir auf Charles Darwins Spuren, besuchen die gleichnamige Research Station und versuchen die Arbeit des britischen Naturforschers zu verstehen. Er gilt, auch heute noch, wegen seiner wesentlichen Beiträge zur Evolutionstheorie als einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler überhaupt, Geschichte pur. An den weißen Sandstränden der „Playa Tortuga“ und „Playa El Garrapatero“ steht zwar der Badespass im Pazifik an erster Stelle, aber auch hier kommen wir mit dem Wildlife eng in Kontakt. Allgemein kommen wir den Tieren verblüffend nah, da die Tiere auf den Galapagos Inseln keine natürlichen Feinde haben. Auch der Mensch wird nicht als Feind wahrgenommen, die Tiere halten keine Fluchtdistanz, wie es z.B. auf Safaris in Afrika der Fall ist. Es hat beinahe den Anschein die Tiere beobachten den Menschen und nicht umgekehrt, die Tiere haben sich der Natur perfekt angepasst und manchmal sind diese, dank ihrer perfekten Tarnung, erst auf den zweiten Blick auszumachen. Da die Inseln sehr isoliert liegen, ist die Flora und Fauna absolut einzigartig. Zudem herrschen einmalige Umwelt- und Wetterbedingungen, einfach ein traumhaftes Fleckchen Erde.

Nico und Julians Eltern zu Besuch auf den Galapagosinseln.

Nico und Julians Eltern zu Besuch auf den Galapagosinseln.

Vater springt wie ein junger Hund in die Fluten des Pazifiks, Mutter übt sich fleissig als Fotografin und wir geniessen zusammen den Augenblick und die Ruhe. Für den Moment gibt es keinen Ort an welchem wir jetzt lieber wären.

Diese Schildkröte ist ca. 150 Jahre alt.

Diese Schildkröte ist ca. 150 Jahre alt.

Erst besuchen wir die mächtigen Riesenschildkröten (Tortugas Gigantes) im „Reserva El Chato“, welche teilweise weit über 200 Jahre auf dem Buckel haben, danach robben wir durch die unterirdischen Lavatunnels (Los Tunnels), welche 20m unter der Erde liegen und bis zu 600m lang sind. In der Mittagshitze springen wir in den Krater „Las Grietas“, das kühle Wasser der Badeschlucht ist bei der Hitze eine absolute Wohltat. Erst als die „Isla Santa Cruz“ ausgiebig erkundet ist geht es mit dem Boot für ein paar Tage auf die Nachbarinsel „Isla Isabela“.

Las Grietas. Eine tolle Abkühlung in der Mittagshitze.

Las Grietas. Eine tolle Abkühlung in der Mittagshitze.

Blaufusstölpel auf Isla Isabel.

Blaufusstölpel auf Isla Isabel.

„Isla Isabela“ ist zwar die grösste der Galapagos-Inseln, aber weniger bewohnt und daher noch ruhiger und natürlicher. Die Sandstrassen und das einfache gemütliche Leben strahlen eine tolle Urlaubsatmosphäre aus und die vielen Tiere, welche überall anzutreffen sind, machen diesen charmanten, paradiesischen Ort zu einer Oase. Wir wohnen im Örtchen „Puerto Villamil“, dieser eignet sich perfekt für unsere zahlreichen Expeditionen an die vielen Strände und ins wilde Hinterland. Auch hier wimmelt es vor Drachenechsen, Flamingos, Seelöwen, Pelikanen, Krebsen, Rochen, Land- und Wasserschildkröten, Haien, bunten Vögel wie den blaufüssigen „Boobies“ und Darwins Finken etc., langsam gehen uns die Superlative für dieses Naturparadies aus. Bei unseren zahlreichen Schnorcheltrips fühlen wir uns wie in einem gigantischen Aquarium, wir schwimmen mit Schildkröten, Haien, Stachelrochen & Co. Vor lauter farbenfrohem Leben unter und über Wasser geht das Zeitgefühl komplett verloren und die Tiefenentspannung übernimmt spätestens jetzt den Takt. Auch unsere Strandwanderungen und Spaziergänge ins Hinterland  z.B. in die Zuchtstation für Landschildkröten oder der „Wall of Tears“ sind die 120U$ Eintritt, welcher für den Besuch der Galapagos-Inseln fällig wird, und den eher teuren Flug absolut wert. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, auf der einen Seite gibt es Lavagestein mit einsamen Kakteen auf der anderen Seite große, saftigen Wälder, welche an lichte Maienwälder erinnern, die fantastischen Strände nicht zu vergessen.

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Drachenechsen wo man hinschaut!

Unsere Reise ist ein Traum wie aus 1001 Nacht, wir schwimmen weiter auf einer tollen Welle und schreiben kräftig an einem einmaligen Kapitel unserer eigenen Geschichte. Die Geschichte unseres Planeten schreibt man nicht mal eben um, unserer eigenen Story können wir aber jederzeit neue, unvergessliche und spannende Zeilen hinzufügen.

Die letzten 2 Tage auf den Galapagos-Inseln werden die Füsse nochmals hochgelegt, damit wir wieder frisch in den Sattel kommen. Knapp 3 1/2 Monate sind es noch bis Rio, 3 1/2 Monate in den es noch mal gilt sich mit den Marotten der jeweils beiden Anderen zu arrangieren um unser gemeinsames Teamziel zu erreichen, ausgeruht für den letzten großen Abschnitt sollten wir jedenfalls sein, Körper und Geist fühlen sich bereit!! Weniger bereit zeigt sich der DFB, den Fussballbund hatten wir auch angeschrieben ob wir eventuell Tickets für das Olympische-Fussballturnier bekommen könnten. Ausser eine unpersönlich Standardabsage und ein Verweis auf eine Ticketagentur, haben die Damen und Herren sich keinen Zacken aus der schwarz-rot-goldenen Krone gebrochen. Wirklich schade!

Zurück in Guayaquil und damit auf dem ecuadorianischen Festland, heisst es Abschiedsnehmen. Mutter und Vater ziehen weiter Richtung Kolumbien, Mexiko und Kuba und wir suchen unseren Weg nach Peru. Danke, die Zeit mit Euch war ein Traum.

Auf dem Highway E-25 gibt es ein kleines Highlight, nach 20037km haben wir genau die Hälfte des Erdumfangs abgeradelt, eine halbe Weltreise also (der gesamte Erdumfang beträgt, laut Wikipedia, circa 40074km).

E25. Auf der Panamericana nach Peru.

E25. Auf der Panamericana nach Peru.

Es geht flach in Richtung Peru, schnell sind da Kilometer gemacht, links und recht leisten uns weiter riesige Bananen- und Kakaoplantagen Gesellschaft. Als wir am vorletzten Abend an einem Strassenimbiss sitzen und das einfache ecuadorianische Dorfleben geniessen wollen, wackelt die Erde. Ecuador verabschiedet sich mit dem stärksten Erdbeben seit 1979, dieses hat knapp 300 Todesopfer und zahlreiche Verletzte gefordert und war mit einer Stärke von 7.8 auf der Richterskala verheerend, in zahlreichen Provinzen musste Katastrophenalarm ausgerufen werden. Wir hatten Glück im Unglück, in unserer Region wackelte „nur“ die Erde für 30-45 Sekunden, danach war der Strom weg, aber ansonsten hielten sich die Schäden in Grenzen. Ein komisches Gefühl, wer schon einmal auf einer Hüpfburg für Kinder war, kann sich das wackelige Gefühl vielleicht am ehesten vorstellen. Für uns bleibt nur zu hoffen, dass die Opferzahl nicht weiter steigt und sich die Erde wieder beruhigt hat und die nächsten Überraschungen wieder von positiver Natur sind.

Nach 23 abwechslungsreichen Tagen in Ecuador verabschieden wir uns, 27.73€ p.P./Tag haben wir benötigt, der exklusive Aufenthalt auf den Galapagos-Inseln hat unser Tagesbudget etwas strapaziert, war aber jeden Cent wert. Danke Ecuador, Hola Peru!!!

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Peru. Land Nr. 19 auf unserer Fahrradtour.

Ruck-Zuck haben wir die nötigen Stempel im Pass und Peru heisst uns als 19tes Land unserer Reise am Tag 358 willkommen. Mit einem traumhaften und klarem Panoramablick auf die Anden geht es auf dem Highway 1A (Panamericana Norte) gemütlich dahin. Wie die geborenen Asphaltcowboys cruisen wir die Pazifikküste entlang, eigentlich ist alles perfekt, bis Julians Schaltung den Geist aufgibt. Ein gerissener Schaltzug und nix geht mehr!  Mit einem Motorradtaxi werden Ersatzteile besorgt, danach müssen wir uns ins komplizierte Rohloff-System reindenken, wir fummeln und basteln über 5 Stunden zusammen in der größten peruanischen Mittagshitze, erst am Abend steht der „Bock“ wieder einsatzbereit auf der Straße. Gutes Teamwork, jetzt können die Anden wieder kommen. Jeder Tag ist unberechenbar und meistens kommt es sowieso komplett anders wie gedacht!

Mancora ist ein beliebter und sehr lebhafter Backpackerort direkt am kilometerlangen Sandstrand gelegen, dort treffen wir auf unseren irischen Freund Eamonn. Eamonn haben wir in den Bergen Kolumbiens kennengelernt und für die nächsten circa 600km wird unser Trio nun zum Quartett, Eamonn wird uns die nächsten Tage begleiten.

Unser großes Abenteuer geniessen wir übrigens mit durchschnittlich 18.21km/h (Stand 20.04.2016). Unsere Gesamtkilometer belaufen sich inzwischen auf 20401km für diese sassen wir 1120.44 Stunden im Sattel, daraus resultiert unsere Durchschnittsgeschwindigkeit. Mit 18.21 Km/h um die Welt, die große Freiheit geniesst man eher gemütlich, die Welt ist schon schnelllebig und hektisch genug.

Danke für Eure zahlreichen Nachrichten zu unserem Wohlbefinden nach dem Erdbeben in Ecuador.  Wir hoffen das Aprilwetter in der Heimat wechselt bald in Sonnenschein pur. Wir melden uns in 14 Tagen wieder, bis dahin sollten wir die peruanische Hauptstadt Lima erobert haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Panama – Kolumbien

Kolumbien, Panama

Wir verlassen Panama City um uns auf unsere letzten Kilometer auf zentralamerikanischen Boden zu begeben und gleichzeitig machen wir uns auf die Suche nach dem kleinen Segelhafen von Carti, von dort werden wir einen unvergesslichen Segeltrip nach Kolumbien angehen. Der Stadtverkehr in Panama City ist enorm, doch schon bald liegt die Stadtgrenze hinter uns und der Verkehr wird schlagartig ruhiger.

Im Zickzack bergauf, teilweise müssen wir schieben.

Im Zickzack bergauf, teilweise müssen wir schieben.

Nach einer ruhigen Nacht auf einem Kinderspielplatz, folgt eine 46km Etappe durch den Dschungel Panamas, welche es in sich hat und uns an die physischen und psychischen Grenzen stossen lässt. Der letzte Radtag in Panama bzw. in Zentralamerika verlangt uns wirklich nochmals alles ab, wir haben Steigungen von 18-20% und viele ausgewaschene Kurven welche sandig und unübersichtlich sind, mehrmals müssen wir von den Rädern steigen und diese „schweren Böcke“ schieben. Den ganzen Tag kommen uns ausschliesslich Allrad-Fahrzeuge entgegen, für normale Autos ist die Strecke einfach nicht machbar. Zentralamerika scheint uns eine letzte Challenge zu stellen und am Abend kommen wir fix und fertig aber als glückliche Sieger der besagten Challenge am Hafen an, noch lange wird uns dieser Tag auf der hügligen, schmalen Strasse in Erinnerung bleiben, der pure Wahnsinn und das auf Fahrrädern!!

Ja, am nächsten Tag heisst es Leinen los, wir stechen in See. Wir versuchen uns also für 5 Tage als Piraten auf unserem Segelboot namens „Albatros“. Unser Kapitän Hernando ist ein erfahrener Seebär, schon 553x hat er die

Unser Captain Hernando. Eine Legende.

Unser Captain Hernando. Eine Legende.

Strecke Panama – Kolumbien sicher gemeistert. Er ist der Gründer der kolumbianischen Segelschule, sein Sohn startet als Segeltrainer für Ecuador bei den Olympischen Spielen in Rio 2016, mehr Erfahrung und mehr Sicherheit geht also nicht. Mit Chiara, unserer Deckhand und Köchin, ist die Crew komplett, 2 Kanadier und ein Engländer sind als zusätzliche Passagiere mit von der Partie. Die Räder sind sicher an der Reling angeleint und schon stechen wir in die ruhige karibische See und erleben die traumhaften San Blas Inseln hautnah. Jetzt haben wir auf unserer Reise schon viel gesehen, aber die 365 Inselchen des San Blas Archipel und ihre traditionellen Ureinwohner, die Kuna Yalas, machen uns schlicht sprachlos und wir können uns an dieser wunderbaren Umgebung kaum satt sehen.

Die San Blas Inseln sind ein Traum.

Die San Blas Inseln sind ein Traum. Karibik Pur.

Wir schnorcheln, baden, angeln, fahren Kajak, beobachten Delfine und segeln durchs Paradies, zumindest muss dieses einmalige Fleckchen Erde bzw. Wasser dem Paradies ziemlich nahe kommen. Wir bekommen Lobster und andere Köstlichkeiten von Chiara serviert unser Kapitän erzählt Geschichten

Wir geniessen die Radfreien Tage und segeln genussvoll durch die Karibik.

Wir segeln durch die Karibik und geniessen die Radfreien Tage.

aus seinem bunten Seglerleben, wir haben definitiv mit der Wahl der „Albatros“ einen fantastischen Glückstreffer gemacht. Es scheint, als gehört es zum gutem Ton, als Kapitän immer ein Bier in der Hand zu haben, jedenfalls ist unser „El Capitano“ kein grosser Freund von Wasser und Saft und bevorzugt zu jeder Tageszeit sein „flüssiges Gold“. Am zweiten Tag sind wir genau 10 Monate auf unserer Reisen, dieses kleine Jubiläum feiern wir in traumhaften Umgebung bei Vollmond und sagenhaftem Sternenhimmel, selbst der Plankton feiert mit und leuchtet unter der Wasseroberfläche. Wir finden immer einen tollen Ankerplatz in der Nähe einer der zahlreichen Inseln und sind von der Ruhe absolut begeistert. Da die Strasse in der Regel nie weit entfernt von unseren Zeltplätzen ist, ist es eine Wohltat für die Ohren mal keinen Verkehrslärm zu hören und wir schalten ab.

Da es Glück bringen soll im Schaltjahr, eine Flaschenpost aufzugeben, bereiten wir eine Trio-for-Rio-Flaschenpost vor und übergeben diese am 29ten Februar dem karibischen Meer. Mal schauen wie weit es unsere Flasche schafft und wir sind gespannt, ob wir eine Antwort bekommen. Vielleicht findet diese ja den Weg in den Neckar, in die Isar oder ins „schwäbische Meer“ und damit in den Bodensee, zumindest mit viel Fantasie ist dies möglich.

Trio for Rio Flaschenpost. Finder bitte melden.

Trio for Rio Flaschenpost. Finder bitte melden.

So, nach 3 Tagen ist der karibische Traum ausgeträumt und die Seglerromantik wird schwer beschädigt, wir stechen in offene See. Schon mal 48 Stunden Achterbahn gefahren? Oder 48 Stunden Turbulenzen im Flugzeug erlebt? Die 3-4m hohen Wellen werfen unsere Nussschale von Boot hin und her, ein Hexenkessel ist nix dagegen. Das Boot knarzt und ächzt, wir fliegen von einer Seite auf die Andere, wir kriechen 2 Tage durch die Sardinenbüchse und bewegen uns nur falls gar nicht anders möglich. Die Wellen schwappen über das Boot und es tropft in unsere Kojen ,unser Gleichgewichtssinn schlägt Purzelbäume, wir sind bemüht den Mageninhalt dort zu behalten wo er hingehört. Ein Königreich für einen Fahrradtag!!!!

Unser Kapitän scheint mit seiner Routine zwar alles im Griff zuhaben, aber ein mulmiges Gefühl bleibt eben doch so auf offener See hunderte Kilometer vom rettenden Ufer entfernt. In diesen Tagen wir ganz klar, wir sind Landeier und keine gestandenen Seemänner. Da der Seegang sehr stark ist bleiben wir eine weitere Nacht auf dem Boot bevor wir in Cartagena endlich wieder festen Boden unter die Füsse bekommen, unser Element hat uns zurück. Wieder einmal sind wir um eine Erfahrung reicher, unsere Reise ist ein toller Lehrmeister.

Geschafft. Willkommen in Südamerika. Willkommen in Cartagena.

Geschafft. Willkommen in Südamerika. Willkommen in Cartagena.

Ja, mit Cartagena begrüssen wir Kolumbien und damit natürlich auch Südamerika! Land Nr. 17 und Kontinent Nr. 3 (für uns beginnt Südamerika in Kolumbien) unserer Reise, gefällt uns auf anhieb. Cartagena ist mit Abstand das schönste Städtchen unserer Reise und gilt als Perle Lateinamerikas. Viele Künstler machen die kleinen Gassen und zahlreichen Plätze bunt und attraktiv, ein gewisser Hippie-Flair liegt auf der historischen Stadt, kulturell bietet Cartagena einiges und nicht nur der Stadtstrand ist einen Besuch wert. Unserem Kapitän begegnen wir mehrmals in der Stadt, dieses „Original“ kennt hier jeder und der bunte Hund findet immer jemanden zum Quatschen oder um ein Bierchen zu leeren, Geschichten zu Pablo Escobar und über andere kolumbianische Persönlichkeiten gingen ihm jedenfalls nie aus, toller Mensch.

Pita Gyros bei Jorge aus Thessaloniki.

Pita Gyros bei Jorgo aus Thessaloniki. EinTraum.

Wir sind wirklich angetan von dem Ort und verbringen gleich 4 Tage und Nächte dort, nicht nur die Fahrräder werden vom Mechaniker gründlich gecheckt und vom Salzwasser gereinigt, auch wir lassen es uns gut gehen. Erst nach mehreren Massagen, Maniküre, Pediküre, Frisör und einigen nächtlichen Stunden auf der Flanier- und Partymeile fühlen wir uns langsam wieder hergestellt und bereit für die Strasse. Die Pita-Gyros beim Griechen, Jorgos, ist ein Traum aber auch die kolumbianische Küche lässt absolut keine Wünsche offen und so ziehen wir mit viel Energie und Generalüberholt wieder los um das ländliche Kolumbien kennenzulernen. Wir sagen Adios Cartagena und verabschieden uns damit auch vom karibischen Meer, spätestens in Ecuador treffen wir wieder auf den pazifischen Ozean.

Schnell wird klar, Cartagena ist kein Massstab, die Landbevölkerung lebt wesentlich einfacher und primitiver als die Menschen in der Stadt. In punkto Herzlichkeit und Freundlichkeit stechen die Menschen, welche oft in einfachen Lehmhütten leben, allerdings hervor und beeindrucken uns nachhaltig. Da in

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Kunst aus alten Autoreifen.

Kolumbien alles eingezäunt ist, fragen wir die Menschen auf den Bauernhöfen und werden meist herzlich eingeladen und wir spannen unsere Hängematten im Hof bzw. Garten und kommen somit hautnah mit der sehr musikalischen Kultur und den neugierigen Menschen in Kontakt. Die zahlreichen Tiere auf den Höfen wecken uns immer recht zeitig, daher finden wir uns aussergewöhnlich früh auf den Rädern wieder. Ein früher Start ist allerdings auch von Vorteil, auch hier verwöhnt uns der Wettergott mit viel Sonne und wir machen lieber eine längere Siesta in der Mittagshitze. Inzwischen hat es sich etabliert, dass wir vor der Mittagssiesta ca. 2/3 (circa. 50-75km) und danach das restliche Drittel, also weitere 25-35km, fahren.

Vom Highway 90 wechseln wir auf den 25er, dieser ist in einem sehr gutem Zustand und wird uns bis ins Nachbarland Ecuador führen. Am Strassenrand werden uns Schildkröten zum Verzehr angeboten, wir verzichten, für uns müssen keine exotischen Tiere ihr Leben lassen. Die zahlreichen Restaurants am Strassenrand bieten leckeres und weniger exotisches dafür sehr leckeres Essen zum kleinem Preis an. Hier in Kolumbien lohnt sich jedenfalls der Restaurantbesuch eher wie ein Einkauf im Supermarkt, beides ist zwar circa gleich teuer, nur eben im Restaurant sind die Leckereien schon zubereitet und wir müssen den Gaskocher nicht auspacken. Auch Kirchen eignen sich übrigens hervorragend als Schlafplätze, im Pfarrgarten einer verlassenen Landkirche schliefen wir jedenfalls wie die Engelchen.

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Es ist sehr heiss, auch wir kühlen uns häufig ab. Das Schlammbad überlassen wir den Tieren.

Gestern haben wir unsere 18.000km voll gemacht und heute feiern wir „1000-Stunden-im-Sattel“, zur Belohnung geht es ins Hotel, für 3.60€ p.P ein erschwinglicher Luxus. Kolumbien hat ein, für uns, sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis, welches an Mexiko erinnert. In Panama haben wir übrigens 40.16€ p.P./Tag gebraucht, relativ viel, aber unser Segeltrip schraubte die Kosten in die Höhe. Die nächsten Tage werden unsere durchschnittlichen Tageskilometer etwas schrumpfen, die Berge warten auf uns und werden uns kräftig ins schwitzen bringen.

Oft werden wir gefragt wie wir auf die Idee für eine solche Reise gekommen sind, hier die Entstehungsgeschichte vom Trio for Rio in Kurzform.

2011 hatte Julian ein Arbeitsvisa für Kanada zugelost bekommen, aus privaten Gründen wurde dieses nicht genutzt und verfiel. Der Traum von Nordamerika blieb bei ihm allerdings bestehen und warum nicht Nord- Südamerika miteinander verbinden? Auto? Zu schnell! Wandern? Zu langsam! Fahrrad? Perfekt! Mit dem Fahrrad hat man genau die richtige Geschwindigkeit um die verschiedenen Kulturen intensiv zu erforschen und um Land und Leute ausgiebig kennenzulernen. 2012, auf dem spanischen Jakobsweg, entstand also die Idee die beiden Kontinente abzuradeln, Nico war von der Idee gleich begeistert und eine längere Testfahrt quer durch Europa bestätigte das Fahrrad als Reisepartner. Im Frühjahr 2013, also circa 2 Jahre vor dem Start wurde mit dem Sparen und den groben Planungen begonnen, Nicos Studienende im April 2015 wurde als Starttermin auserkoren. Die Idee in München zu starten entstand eher spontan, als Zielort Rio und damit die Olympischen Sommerspiele 2016 auszugeben kam uns beiden bei den TV Übertragungen der Olympischen Winterspiel in Sotschi/Russland 2014.

Anfang 2014 wurde letztendlich auch Sandro, als der dritte Mann im Bunde, über unsere bisherigen Pläne informiert und das „TrioforRio“ war geboren. Julian und Nico planten und organisierten fleissig weiter, suchten Sponsoren und informierten sich über die Strecke und die Länder welche durchquert werden sollen. Sandro übernahem dabei die Gastrolle und verhielt sich bis zum Start im April 2015 und auch bei der aktuellen Berichterstattung und Gestaltung der Homepage äusserst passiv, er überlässt die Aufgaben uns beiden.

Wir, Nico und Julian, beschlossen die komplette Reise zu filmen und im Logbuch zu dokumentieren, was aus diesem Material wird steht allerdings noch in den Sternen, konkrete Pläne haben wir beide noch nicht. Das Fotografieren wird vom kompletten Trio übernommen und so entstehen Bilder aus 3 Sichtweisen.

Der Starttermin konnte letztendlich eingehalten werden und wir sind auf voller Fahrt und schwimmen auf einer tollen Welle der Begeisterung.

Sonnenbad.

Sonnenbad.

Wir sind also angekommen in Südamerika, Rio ist zwar noch ein Stück entfernt, aber die Olympische Flamme rückt langsam aber sicher näher. Die nächste Attraktion, die Galapagosinseln, wartet und wir freuen uns auf einen Besuch der Eltern.

Vielen Dank für euer Interesse an unserer Reise und die Unterstützung.

Mit sportlichen Grüssen aus Kolumbien,

Julian, Nico und Sandro

Mehr Bilder gibt es in unserer Galerie zu bestaunen.

Die letzte „Fiesta Mexicana“ – karibisches Belize und ein illegaler Aufenthalt

Belize, Guatemala, Mexiko

So, die Feiertage sind überstanden und das komplette Trio ist gut ins Jahr 2016 gerutscht. Nico und Sandro verbrachten den Jahreswechsel im äusserst touristischem und feierwütigem Playa del Carmen, bei Julian im beschaulicherem Tulum ging es vermutlich besonnener ins neue Jahr. In Tulum bekamen wir auch unsere dringend benötigten Ersatzteile, unser Vorrat an Mänteln, Schläuchen und Flickzeug dürfte jedenfalls bis Brasilien reichen, danke Sabrina fürs organisieren und sorry für 15kg Übergepäck. Der Hausstrand von Tulum zählt übrigens, laut National Geographic, zu den Top 25 Stränden der Welt, eignet sich daher hervorragend zum entspannen und baden. Nach 3 Tagen faulenzen am weissem Sandstrand und angenehmen Wassertemperaturen bei karibischen Flair hiess es allerdings Abschied nehmen, die Urlaubstage sind endgültig vorbei, jetzt wird wieder gestrampelt.

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On the road again. Wir treffen zwei Kanadier die mit dem Moped bis Panama unterwegs sind.

Die ersten Tage auf dem Rad sind, dank flacher Landschaft, sehr angenehm und perfekt wieder den gewohnten Takt zu finden. In Bacalar feiern wir die letzte „Fiesta Mexicana“, nach 71 Tagen in Mexico sind wir bereit für neue Länder und auf der Suche nach neuen Wegen ins Herz von Zentralamerika. Da wir in Mexiko den zahlreichen Schlemmerständen am Strassenrand und den billigen Unterkünften selten widerstehen konnten, sind unsere durchschnittlichen Tagesausgaben mit 21.15€ p.P. etwas höher wie in den vorigen Ländern, aber einen gewissen Luxus konnten und wollten wir uns nicht verkneifen, Ersatzteile und der Flug nach Havanna/Kuba sind dort allerdings auch mit eingerechnet.

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Belize. Ab jetzt wird Englisch gesprochen.

Am Grenzübergang zu Belize werden unsere, gerade gekauften, Bananen beanstandet und dürfen nicht eingeführt werden, so stehen 3 deutsche Radler in der Zollstation und mampfen kiloweise Bananen, die Grenzbeamten finden es nur teilweise witzig, lachen aber letztendlich über die 3 Affen auf ihren Bikes.

Belize überrascht uns mit gesalzenen Preisen, nicht nur die Unterkünfte, sondern auch die Lebensmittel sind extrem teuer. Für uns heisst es daher „back to the basics“, Zelt und Gaskocher sind schnell ausgepackt und Nudeln mit Tomatensauce sind auch hier erschwinglich. Mit 11.50€ p.P. sind unser Ausgaben in Belize am Ende wieder auf einem normalem Level angelangt. Nicht nur die gepflegten Vorgärten und die englische Hauptsprache erinnert an die Kolonialzeit unter britischer Krone, nein, auch die Queen lacht weiterhin freundlich von den Dollarscheinen und auch die Landbevölkerung ist „very britisch“ und überaus gastfreundlich.

Am zweiten Tag schlagen wir unsere Zelte im Yachthafen von Belize City auf, jetzt geht alles Schlag auf Schlag. Spontan werden wir von Robert und seiner Bootscrew

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Robert (orange) und seine Crew.

eingeladen, einen Tagestrip auf die „Rendezvous“-Insel mitzumachen. Am nächsten Tag geht es also raus auf die Miniinsel, welche im zweit grösstem Riff der Welt liegt, nur das Great-Barrier-Riff in Australien ist größer. Wir schnorcheln, haben ein dickes BBQ und jede Menge Spass und müssen dafür keinen Cent berappen. Die traumhafte Insel misst gerade mal circa 120m x 30m, ist aber auch beliebtes Ausflugsziel bei zahlreichen Kreuzfahrtanbietern, so kommt am Nachmittag die AIDA-Crew mit circa 120 deutschen Touristen vorbei. Wir müssen unsere Trio-for-Rio Geschichte gefühlte tausendmal erzählen und haben danach viele neue Pauschaltouristenfreunde gewonnen und einen perfekten karibischen Tag erleben dürfen.

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Schnorchelausflug! Einen Tag relaxen.

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Belize-Outback. Wir fühlen uns wie im Herzen Australiens.

Der Coastal-Highway ist eine 60km lange Schottenpiste und wir fühlen uns wie im australischen Outback, rote Erde, saftige grüne Natur und blauer Himmel, ein toller Kontrast. Wir und unsere Räder werden kräftig geschüttelt, Härtetest für Mensch und Equipment. Wir kommen an zahlreichen Flüssen vorbei, bei extrem schwülen Temperaturen macht jeder Sprung ins kalte Nass doppelt Spass und auch unsere Zeltplätze sind nah am Wasser gewählt, atemberaubende Glühwürmchenpartys inklusive. Vorbei an riesigen Bananenplantagen fahren wir auf die Halbinsel Placencia Lagoon und dort kommen wir aus dem staunen kaum raus. Traumhafte Strände, Zeltplätze

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Zelten im Yachthafen von Old Belize.

direkt am Meer, karibische Leichtigkeit und tolle Menschen überall, Belize ist top. Nur die zahlreichen Sandflöhe und das oft wechselnde Wetter in der Karibik kratzen etwas am Paradies. Aber wäre alles perfekt nicht auch langweilig? Gibts das überhaupt? Ob die Halbinsel ihren Charme behalten kann ist ohnehin fraglich, zahlreiche Bauprojekte sind gerade dabei, das Tropenparadies zu asphaltieren und damit wird der Reiz und die Schönheit, der kleinen Lagunenoase, nachhaltig zerstört.

Dank der vielen Kiefern, der endlos langen Strasse und den Bergen im Hintergrund fühlen wir uns an unserm letzten Tag in Belize etwas an Alaska bzw. Kanada erinnert. Da wir nicht über den Wasserweg ausreisen wollen, entscheiden wir uns für den eher komplizierteren Landweg. Zwar kann uns keiner sagen, ob der kleine Grenzübergang zwischen Belize und Guatemala besetzt ist oder nicht, trotzdem wollen wir es versuchen. Anfangs ist die Strasse in einem einwandfreien Zustand, erst kurz vor der Grenze wird die Strasse enger, hügeliger und endet schliesslich in einem Trampelpfad. Einige Soldaten schauen uns etwas verdutzt an, halten uns jedoch nicht auf, so tragen und schieben wir unserer Räder über Matschfelder und schmale Wege bis wir schliesslich

Grenzübergang Belize-Guatemala

Grenzübergang zwischen Belize und Guatemala.

vor einem kleinem Stacheldrahtzaun stehen. Auch der Zaun ist letztlich schnell überwunden, herzlich willkommen in Guatemala. Unser Problem ist nur wir haben kein Ausreisestempel aus Belize und keinen Einreisestempel für Guatemala, illegale Einwanderer in einem zentralamerikanischen Land, mit diesem Status hätte vor dieser Reise auch keiner von uns gerechnet. Am nächsten Tag knacken wir in Guatemala, auf dem Highway CA13, die 15.000km und suchen artig ein Polizeirevier auf um unseren Status abzuändern. Aber auch hier kann uns keiner einen Stempel in den Pass drücken oder weiterhelfen, wir müssen also auf einen gnädigen Beamten bei der Ausreise nach El Salvador hoffen. Als am Abend auch noch die Geldautomaten streiken, fühlen wir uns wirklich wie illegale, mittellose Flüchtlinge in einem fremden Land.

Ansonsten ist auch in Guatemala der Himmel da wo er sein sollte. Schwerkraft gibt es auch. Wasser ist nass. Hunde jagen uns nach. Menschen atmen. Menschen lieben. Menschen essen und trinken. Menschen schlafen. Menschen glauben. Menschen zeigen Gefühle. Menschen arbeiten. Menschen spielen und Menschen müssen aufs Klo oder hintern Busch. Die elementaren Dinge scheinen weltweit gleich zu sein. Stubenfliegen wurden übrigens auch schon gesichtet, gibts die wirklich weltweit?

Bedanken wollen wir uns noch bei unserem Sponsor Goalzero, zu Weihnachten gab es neue Musikboxen samt Zubehör, dank Euch geht es jetzt wieder mit Musik auf den Ohren Richtung Rio de Janeiro. Olympia wir kommen.

Es bleibt sportlich und  spannend.

Viele Grüße die 3 illegalen aus Guatemala,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.