Oh, wie schön ist Panama – Costa Rica II

Costa Rica, Panama

Jeder Meter leistet seinen kleinen Beitrag zu unserem ehrgeizigem Gesamtprojekt „Trio for Rio“. Der aktuelle Meter ist genauso wichtig wie der vergangene oder der kommende Meter. Am Ende, in Rio de Janeiro, ist unsere gesamte Reise zusammengesetzt aus vielen kleinen Metern, aus vielen kleinen Streckenabschnitten welche, ähnlich wie ein Mosaiksteinchen ein Bild vollkommen macht, unsere Reise zu einem Gesamtbild verhilft und bunt und einzigartig werden lässt.

DSCF4014

Haus eines Fischer auf der Halbinsel Nicoya.

Die letzten 2 Wochen waren voller positiver Überraschungen, tollen Begegnungen, nervigen Viren und unvorhersehbaren harten Streckenabschnitten. Wir verlassen den bezaubernden Playa del Coco, verabschieden uns von unseren Gastgebern Jim und Sina und finden uns auf dem stürmischem Highway 21 wieder, welcher uns die Nicoya-Halbinsel runterführt. Die Menschen hier in Costa Rica und später in Panama freuen sich jedesmal dermassen unser Dreigespann zusehen, dass es uns schon beinahe ein bisschen zu viel wird. Wie oft wir inzwischen „Hola“, „Hello“, „Hi“, oder „Adios Amigos“ gesagt haben, wie oft wir winken durften, den Arm zum Gruß gehoben haben oder auf einen kleinen Schwatz anhalten mussten, können wir nicht zählen, die Begeisterung ist einfach gigantisch, Kinder stellen neugierig ihre Fragen und wollen Antworten, alles sehr harmonisch und sehr authentisch. Die Autofahrer hupen uns vor lauter Euphorie manchmal beinahe von der Piste, wir bekommen Süssigkeiten, Geld, Wasser und Früchte etc. aus den Autos gereicht, tolle Gesten, einmaliges Zentralamerika. Wer bei uns  in Deutschland den Mädels hinterher pfeift gilt schnell als Prolet, hier im Herzen Zentralamerikas ist die Sachlage etwas anders, hier  wird jedem egal ob Mann oder Frau nachgepfiffen, ein Pfiff erspart auch den Gruss, daher werden wir zigmal am Tag „angepfiffen“. Andere Länder, andere (witzige) Sitten.

DSCF4019

Stürmische See, die Fähre kommt. Kann uns aber leider nicht mitnehmen…

Um von der Nicoya-Halbinsel wieder aufs Festland zu gelangen wollen wir eine kleine Fähre nehmen, es stürmt wie die Hölle und beim Anlegen kracht die Fähre dermassen auf den Pier, dass dieser danach zerstört ist und der Hafen seinen Betrieb einstellen muss. Ja, da stehen wir dumm da, man kann sich einfach auf kein anderes Verkehrsmittel wie das gute, alte und stets treue Fahrrad verlassen. Nach einer 30km Schotterpistenfahrt gelangen wir zu einer anderen Fähre, welche uns am Abend sicher aufs Festland nach Puntarenas bringt.

Der Küstenhighway 34 ist Anfangs noch bergig, später wird er komplett flach und sogar der Wind unterstütz uns und bläst sanft von hinten. Begleitet von grossen Piratenpapageien geht es vorbei an wunderbaren Stränden wie der „Playa Hermosa“ oder der „Playa Dominical“, wo wir unsere Zelte direkt am Pazifik aufschlagen und ein zauberhaftes Strandambiente vorfinden, ein Traum nicht nur für Surfer und Sonnenanbeter. Aber nicht nur die Palmenstrände in Costa Rica begeistern, auch unsere Lager am Rande des Regenwaldes/Dschungels haben ihren Reiz, i.d.R. finden wir immer einen einladenden Fluss oder gastfreundliche Menschen welche uns im Vorgarten übernachten lassen.

DSCF4106

Wir zelten am Playa Hermosa.

Nach gut 300 Tagen auf den Strassen dieser Welt sind wir inzwischen absolute Experten was Zelt- und dazugehörige Badeplätze anbelangt. Aufbauen, schlafen, abbauen und unser komplettes Equipment wieder auf die zuverlässigen TX-1000 Räder der Fahrradmanufaktur verfrachten ist nach einer solangen Zeitspanne absolut Routine und jeder Handgriff sitzt. In der Zwischenzeit passen wir an wilden Badestellen allerdings vermehrt auf, von den zahlreichen Krokodilen welche sich an den Flussufern tummeln wollen wir keinem allzu nah kommen. Es war eine gute Entscheidung, die heimatliche Komfortzone vor gut 10 Monaten zu verlassen, das Leben spielt sich draussen ab und nicht vor dem Fernseher, der Spielekonsole oder dem Computer. Der erste Schritt ist der wichtigste, alles andere kommt von alleine. Schnapp dir ein Fahrrad und zieh los! Wir brauchen so wenig zum leben, reduzier dich und beschränke dich auf das nötigste zumindest für eine Weile, es lohnt sich.

DSCF4062

Nicht nur wir baden gerne in Flüssen. Hier in Costa Rica gibt es unzählige Krokodile.

Ja, was die Krokodile nicht geschafft haben, haben die Moskitos hinbekommen. Irgendwo sind Sandro und Julian zu ihren Opfern geworden und die nächsten Tage waren mit Schüttelfrost, Gliederschmerzen und Fieberträumen die reinste Quälerei. Denque-Fieber und Zika-Virus lassen grüßen, nur einen effektiven Schutz vor den schwirrenden Quälgeistern gibt es leider nicht, wir können uns ja schlecht 24 Stunden verkriechen. Da die Temperaturen auch in der Nacht nicht unter 27°C fallen und die Durchlüftung in den Zelten eher wenig effektiv ist, zogen sich die Tage lange hin, erst nach 4-5 Tagen war der Spuck vorbei und die Tage wurden wieder leichter. Wenn einer eine Reise tut….

Eine grosse Überraschung kommt aus der schwäbischen Heimat, unsere Eltern besuchen uns Anfang April auf den Galapagosinseln, eine feine Sache. wir freuen uns sehr auf die 8 gemeinsamen Tage im Naturparadies Ecuadors mit euch, damit haben wir nicht gerechnet.

Nach 11 Tagen verlassen wir Costa Rica und sind voller Begeisterung für dieses Land, unglaublich schöne, abwechslungsreiche Natur, viel Platz für Aktivitäten und tolle Strände um die Seele baumeln zu lassen. Wären die Preise nicht ganz so hoch, würde Costa Rica mit Sicherheit ganz vorne auf unserer Länderliste stehen. Mit 12.46€ p.P/Tag haben wir die Kosten zwar kleingehalten, haben aber auch sehr einfach gelebt und z.B. nie für Übernachtungen gezahlt und auch Restaurantbesuche wurden komplett eingestellt.

DSCF4094

In Costa Rica gibt es viele Papageien.

Eure Zahlungen an die GEZ könnt ihr übrigens mit gutem Gewissen einstellen!! Wir haben, wie im letztem Bericht erwähnt, einige Anfragen an die ARD und ZDF gesendet um über die beiden Sender, welche immerhin live von den Olympischen Spielen berichten werden, eventuell in die Wettkampfarenen zu gelangen. Von 15 Emails kam nichts zurück, ausser irgendwelchen unpersönlichen Standardabsagen, enttäuschend.

Die Enttäuschung hält allerdings nicht lange an! Eine Email der Deutschen Sport Marketing Agentur findet den Weg in unser Postfach und wir werden offiziell ins Deutsche Haus, in den Barra Blue Beach Club, in Rio de Janeiro während den Olympischen Spielen eingeladen!!!! Wir sind also mittendrin im Treffpunkt der deutschen Athleten und freuen uns auf Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft, Politik und Entertainment im Herzen Rios. Danke an Frau Nadine Lehr und an den DOSB für das weiterleiten unserer Email, wir freuen uns sehr auf unseren gemeinsamen „Treffpunkt Rio“!

Bildschirmfoto 2016-02-23 um 18.37.42

Gegenwind, breite Strassen. Zur Abwechslung ist es hier aber mal flach.

Bis Rio ist es allerdings noch ein weiter Weg, doch beflügelt mit diesem  neuem Highlight, dem Besuch des Deutschen Hauses in Rio, fahren wir, nach genau 17.000km, über die Grenze nach Panama, unserem Land Nr. 16. Wer kennt ihn nicht den Kinderbuchklassiker „Oh, wie schön ist Panama“ von Janosch, wo der kleine Bär, der kleine Tiger und dessen Tigerente auf der Suche nachdem Glück sind? Und jetzt sind wir also in Panama und geniessen das letzte Land auf zentralamerikanischen Boden. Panama wird als das Land des Gegenwindes, zahlreicher Hügel und super ausgebauten Strassen lange in unseren Erinnerungen bleiben.

Die letzten Tage bis Panama City waren sehr zäh und lang, allerdings spürten wir auch noch die Nachwehen unserer Viruserkrankung und waren nicht voller Energie und Konzentration, am Abend fallen wir daher fix und fertig in unsere Zelte.

DSCF4201

Von der Isar, Neckar, Themse bis an den Panama Kanal.

Gestern am Tag 302 unserer Reise haben wir also den Panamakanal überquert, gut 17556Km liegen zwischen der bayrischen Isar bzw. zwischen unserem schwäbischen Neckar und dem weltberühmten Kanal von Panama, wir haben nach 973 Stunden im Sattel eine Verbindung hergestellt, auf dem Fahrrad wohlgemerkt!!! Da uns der Gedanke, den Panamakanal auf dem Fahrrad überquert zu haben so begeistert, überqueren wir ihn gleich nochmals, sicher ist sicher. Jetzt haben wir eine Überquerung an der „Puente de Centenario“ und der „Puente de las Americas“ zu Buche stehen. Den Eintritt für die Schleusen des Kanals sparren wir uns allerdings, mit 15U$ p.P. der absolute Wucher, sollten die Betreiber an ihrem Geld ersticken und Pauschaltouristen abzocken, ein TrioforRio spielt da nicht mit.

Noch bevor wir in Panama City im Hostel, El Machico, einchecken, zischt Julians Schlauch zum neunzehnten Mal!!!! Die Goldmedaille ist ihm bis Rio kaum noch zu entreissen, Nico und Sandro liegen beide bereits 6 Plattfüsse zurück.

Heute geniessen wir einen Ruhetag in Downtown Panama City, das Zentrum ist äusserst modern und steht anderen Weltmetropolen ins nichts nach. Aber auch historisch muss sich Panama City nicht verstecken, die kleinen Viertel sind fein rausgeputzt und sind stolze Zeugen einer vergangenen, prächtigen Zeit mit oder ohne spanischer Kolonialherren.

DSCF4231

Julian, Sandro und Nico in Panama City.

Noch knapp 120 Kilometer werden wir in Panama auf unseren Rädern sitzen bevor wir 5 Tage ins karibische Meer stechen und den Fluch der Karibik neu verfilmen. 5 Tage schippern wir also auf einem kleinem Segelboot von Carti/Panama nach Cartagena/Kolumbien und umgehen somit den „Darien-Gap“, welches für Radfahrer unpassierbar ist und wir durch die karibische See segeln „müssen“, wir haben es auch nicht leicht.

Bis bald auf südamerikanischen Boden, Columbia is calling!

Sonnige Grüße aus Panama City,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.

Nicaragua Teil 2 & Costa Rica

Costa Rica, Nicaragua

Wieder sind 2 Wochen wie im Flug vergangen, wieder haben wir allerhand erlebt, viel gesehen und haben dabei kräftig für unser Ziel geschwitzt, aber auch chillige Pausentage am Pazifik und am Nicaraguasee eingelegt. Manchmal wundern wir uns, wie schnell die Zeit verrennt. Jetzt ist bereits Februar 2016 und wir sind exakt 288 Tage unterwegs, haben dabei 16.488km zurückgelegt und saßen geschlagene 916 Stunden im Sattel. In knapp  6 Monaten steigt also die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, noch gut 10.000km trennen uns von unserem Ziel und dem diesjährigem olympischen Motto „Paixao e Transformacao – Leidenschaft und Transformation“.

DCIM100GOPROGOPR0001.

Nico und die Kathedrale von Leon.

Unser letztes Update war in Leon/Nicaragua, dort treffen wir erstaunlich viele Backpacker, Nicaragua lockt mit toller unberührter Natur, vielen Outdooraktivitäten, faszinierenden Menschen, delikatem Essen, Sauberkeit und Sicherheit, dass alles bei einem sehr gutem Preis- Leistungsniveau . Nur die Geldautomaten sind nicht unsere besten Freunde, in Leon versagen reihenweise die Kreditkarten, von wegen „die Welt spricht Visa“, wenn der Automaten einen schlechten Tag hat, spricht er rein gar nix und spuckt die Karte einfach stumm aus. Komischerweise bekommen wir über die Maestro-Karte doch noch Geld, telefonieren mit den Lieben in der Heimat, beantworten Emails und schwingen uns wieder auf unsere treuen Räder und strampeln auf dem Highway 12 gen Süden, der Pazifik wartet. Bevor wir aber die Beine hochlegen und am Strand das süsse Leben geniessen dürfen, warten noch einige schweisstreibende, abenteuerliche Kilometer auf uns. Wir schlafen an tollen Flüssen und lauschen in der Nacht dem rauschten Wassers und schlummern ein mit der beruhigenden Melodie der Natur im Hintergrund, aufwachen tun wir meist von alleine, in der Regel bellt immer irgendwo ein Hund, kräht ein Hahn, grunzt ein Schwein oder es sind die Frauen der nahen Dörfer, welche ihre Wäsche im Fluss waschen.

Bildschirmfoto 2016-02-08 um 15.37.57

In Nicaragua fährt jede Sau mit dem Fahrrad.

Auch in Nicaragua ist das Fahrrad ein sehr beliebtes Fortbewegungs- und Transportmittel, egal wo auf der Welt, überall sehen wir Menschen auf ihren Rädern, ob als Sport- oder Arbeitsgerät eine herzliche Liebe zum gutem, altem Drahtesel brennt anscheinend überall. 30 Kilometer geht es über holpriges Kopfsteinpflaster und staubige Schottenpisten an den Pazifik, wir werden bei 40 Grad ordentlich geschüttelt und eingestaubt, am Ende sehen wir aus wie die Wilden ehe wir in Pochomil den Pazifik erreichen.

Bildschirmfoto 2016-02-08 um 15.51.21

Julian und Sandro versorgen einen verletzten Affen.

Die Strände sind endlos und einsam, wir stärken uns mit, für ganz Zentralamerika typischen Reis- und Bohnengerichten und  bekommen einen „Geheimtip“ und machen uns daher auf um zur ca. 100 Kilometer entfernten „Playa Gigante“ zu gelangen. Anfangs ist die Schotterpiste noch gut befahrbar, es kommen uns vereinzelt Autos und Fahrräder entgegen und wir kommen einigermassen gut voran. Als der Weg immer schmaler wird, wir die Räder über Stacheldrahtzäune hieven müssen und wir vor lauter Gestrüpp und Bäumen keinen Weg mehr sehen, uns die Beine an Dornen aufritzen, das Trinkwasser knapp wird und uns sogar die Affen in den Bäumen höhnisch auslachen, machen wir uns Gedanken was wir hier gerade eigentlich veranstalten. Wir finden ein verletztes Affenbaby, versorgen es mit Keksen, Wasser und einem Schattenplatz und irgendwann finden wir auch wieder einen breiteren Weg. Fahrradfahren ist auch hier allerdings nur mit Einschränkungen möglich, Matschfelder, Flussbeete, dicke Felsen, sandiger Untergrund, ausgewaschene Abschnitte, Gegenwind und enorme Hitze machen diesen Weg zum abenteuerlichsten der kompletten Reise. Als wir aus dem Dschungel kommen schauen uns die Einheimischen argwöhnische an, viele Touristen scheinen hier noch nicht rausgekommen zu sein, wir haben es geschafft und kommen dementsprechend durstig und fix & fertig an der „Playa Giganten“ an.

DCIM100GOPROGOPR5080.

3 Tage abhängen am Playa Gigante.

Dort ist das Glück aber gleich wieder auf unserer Seite, wir treffen John, einen Amerikaner, welcher hier ein Hostel und ein Restaurant betreibt, er ist selbst begeistertere Radler und wir dürfen kostenlos die nächsten 3 Tage in seinem Haus wohnen. Uns wurde nicht zu viel versprochen, der Strand ist ein Traum, dass Meer einladend und der kleine Ort liegt malerisch in der Bucht. Es gibt genügend Rückzugsmöglichkeiten und auch die eine oder andere Bar um sich mit anderen Reisenden auszutauschen, ein perfekter Ort um die Seele baumeln zulassen. Am nächsten Tag werden wir auf eine Segeltour eingeladen, springen von Felsen, tauschen in Höhlen, geniessen einen einmaligen Sonnenuntergang auf See und schlürfen den ein oder andern Cocktail an Board.  Apropos segeln, inzwischen haben wir unser Segelboot gebucht welches uns Ende Februar von Panama nach Kolumbien bringen wird, 5 Tage in der karibischen See warten auf uns. Die sogenannte „Darien-Gap“ muss umschifft werden, da es keine durchgehenden Strasse zwischen Panama nach Kolumbien gibt. Da wir eh in Buchungsstimmung waren, haben wir es uns nicht nehmen lassen einen Flug auf die Galapagos Inseln, für 8 Tage im April, als Highlight mit in unsere Reise einzubauen. Ja, uns ging es nicht schlecht in der Traumbucht der Playa Gigante, 2 Tage später werden die treuen Räder gesattelt und es geht zum nahem Nicaraguasee.

DCIM100GOPROGOPR5177.

3 Tage Radfahren, Vulkan Maderas besteigen, Kajakfahren und Ausruhen auf der Insel Ometepe.

Eine kleine Fähre bringt uns auf die Vulkaninsel Isla de Ometepe mitten im gigantischem Nicaraguasee, dieser ist 16x grösser als der heimische Bodensee und hat viel Naturspektakel zu bieten, die Flora und Fauna ist, wie in ganz Zentralamerika überwältigend. Wir fahren einmal mit den Rädern um die Insel, machen eine Kajaktour, besuchen die Mineralquelle „Ojo de Aqua“ und besteigen den Vulkan „Maderas“ mit immerhin 1345m. In dessen Krater befindet sich eine traumhafte Lagune, aus Sicherheitsgründen verzichten wir aber auf ein Bad und steigen brav wieder ab um am Abend, nach 19km wandern, am

DCIM100GOPROGOPR0047.

Wir zelten am Nicaraguasee mit Blick auf den Vulkan Concepcion..

Seeufer zu zelten und die Beine hoch zu legen. Mit einen gigantischen Blick auf den „Volcan Concepcion“ (1610m), welcher gemütlich vor sich hin raucht und dem See direkt vor uns, geniessen wir den Abend und einen weiteren malerischen Sonnenuntergang, mehr Postkartenaussicht geht einfach nicht. Am nächsten morgen bringt uns „Che Guevara“, so heisst die Fähre, zurück aufs Festland.

Wir verlassen Nicaragua, mit 16.70€ p.P./Tag ein günstiges Land, und reisen in Costa Rica ein, unserem Land Nr. 15. Die Einreise ist rasch und schon nach wenigen Minuten haben wir den nötigen Stempel im Pass. Wir freuen uns immer über „richtige“ Stempel, sieht toll aus und ist nicht nur eine elektronische, unpersönliche Registrierung. Costa Rica hat gesalzene Preise, Hola die Waldfee! Alleine für Spaghetti mit Tomatensosse wird man im Supermarkt arm, kein europäisches Land und auch nicht Kanada und die USA hatten so enorme Preise wie Costa Rica. In Kanada lernten wir bereits im Juli 2015 Jim uns Sina kennen und diese Begegnung war ein Volltreffer. Die beiden sind nicht nur äusserst sympathisch sondern haben auch eine Ferienhaus an der „Playa del Coco“, um den kanadischen Winter zu entkommen sind die beiden gerade zufällig in Costa Rica und laden uns, via Facebook, für 4 Nächte in ihr Haus ein. Wir kämpfen uns den Highway 1 und einige Nebenstrassen entlang, der unberechenbare Seitenwind schiebt uns einige Male in den Graben bevor wir in Playa der Coco ankommen.

Bildschirmfoto 2016-02-08 um 16.15.13

3 Tage Pause am Playa del Coco in Costa Rica.

Jim und Sina stellen uns eine traumhafte Unterkunft, kein Wunder das Madonna und der Bacardi-Besitzer in den Hügeln ihre Villen haben, Bacardi-Feeling live und wir, mal wieder per Zufall, mittendrin. Da wir unseren normalen Fahrradtakt im Blut haben und i.d.R. mit der Dämmerung ins Bett gehen und recht bald aufstehen, schaffen wir es auch hier nicht länger wie 21h die Augen offen zuhalten und nutzen die weichen Matratzen und den Komfort eines Hauses aus.

Die Trockenheit gepaart mit Hitze und Wind lässt die Hügel um Playa del Coco immer wieder brennen, aber die Menschen bleiben ruhig, brennende Hügel scheinen normal in dieser Gegend zu sein. Der Zika-Virus beschäftigt die Menschen hier in Zentralamerika wesentlich mehr, der über Moskitos übertragene Virus führt zu Lähmungen und starkem Fieber. Inzwischen haben wir einige Menschen getroffen, welche 2-3 Wochen ans Bett gefesselt waren bzw. ihre Reise abbrechen mussten. Naja, uns geht es gut und mehr als aufpassen können wir eh nicht. Wir nutzen die Pause und bringen unser Equipment auf Vordermann, die Rucksäcke und vor allem die Schlafsäcke brauchten dringend mal wieder eine Wäsche, auch Postkarten konnten wir in Ruhe schreiben und in alle möglichen Ecken dieser Welt schicken.

Gestern „mussten“ wir noch das Super Bowl Finale anschauen, warum sich die Amerikaner und Kanadier ein so langweilige Sportart wie Football anschauen, bleibt uns allerdings ein grosses Rätsel.

Wir haben weiterhin probiert an Tickets für Olympia zu kommen, inzwischen haben wir mal die Damen und Herren von ARD, ZDF und diverse andere Landesrundfunkanstalten angeschrieben, mal schauen ob wir eine positive Rückmeldung bekommen und nicht nur an kommerzielle Anbieter weiterverwiesen werden.

DCIM100GOPROGOPR0035.

Holztransport in Zentralamerika.

Morgen gehts weiter, unser nächstes Ziel ist Panama, wo uns, wie erwähnt, ein kleines Segelboot am 26.2.2016 gemütlich über die San Blas Inseln, welche im karibischen Meer an der Küste Panamas liegen, nach Kolumbien schippern wird. Unser Trio ist weiter vereint und dies wird hoffentlich ohne größere Zwischenfälle auch so bleiben.

Euch noch einen schönen (Rest-) Karneval in der Heimat und eine milden Frühling.

Mit sonnigen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder gibt es in unserer Galerie.

Kuba – im Oldtimer zurück in die Zukunft mit Rum und Zigarre

Kuba

Wir melden uns nun offiziell zurück, der kubanische Weihnachtsurlaub war ein Zeitreise in die 50-60ziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und eine Entspannungsoase für Körper und Geist.

Cubana Air bringt uns also, gut 2 Wochen vor Weihnachten, in einer alten russischen Tupolev Maschine und nach circa 50 Flugminuten sicher von Mexiko in die kubanische Hauptstadt Havanna. Sandro zieht auf eigene Faust los und erkundet Kuba für sich, erst beim Rückflug ist das Trio wieder zusammen. Nico und Julian berichten also exklusiv.

Die ersten Erkundungsspaziergänge lassen uns staunen, nicht nur die zahlreichen alten Strassenkreuzer faszinieren, es ist der gesamte kubanisch Lifestyle welcher in

DCIM100GOPROGOPR4565.

Erster Eindruck von Havanna.

der ganzen Stadt bzw. auf der gesamten Insel vibriert. Kuba ist bunt, Frauen sitzen in ihren Schaukelstühlen vor ihren Häusern, Männer spielen stundenlang Domino und rauchen dabei Zigarren und kippen billigen weißen Rum, Kutscher transportieren ihre Waren oder Gäste von A nach B, Kinder lassen Drachensteigen und rennen um die Wette, Fahrradtaxis streiten um Kunden, Oldtimer blassen dicke Abgaswolken aus, Bauern treiben ihre Ochsengespanne über die Äcker und verkaufen ihre Ernte am Strassenrand. Kuba ist jedenfalls weit mehr wie nur Palmen, Zuckerrohr, Revolution und packende Rhythmen, Kuba gleicht einem tropischem Garten Eden und will entdeckt werden. Apropos entdecken: Christoph Kolumbus entdeckte Kuba am 27.10.1492 erstmals, irrtümlich hielt es es für Japan soll aber gleich dem einzigartigem Charme der Insel erlegen sein.

Das kommunistische Land ist voller Geheimnisse und Widersprüche, die Lebensfreude und Spontanität der Inselbewohner sucht seinesgleichen. Privates Unternehmertun war bis vor ein paar Jahren untersagt, diese Beschränkungen werden allerdings weiter gelockert. Kubaner dürfen jetzt z.B. Zimmer an Ausländer vermieten, diese „Casa Particulars“ sind recht günstig und sind im ganzem Land ausreichend verbreitet. Die kubanische Küche ist hingegen eher wenig kreativ, Reis mit Bohnen bekommt man überall, ausgefallene Gerichte kommen eher aus anderen Breitengraden dieser Erde. Geschäfte sind oft sehr spärlich ausgestattet und es bilden sich oft längere Warteschlangen um die gewünschten Produkte zu bekommen sollte man jedenfalls Zeit mitbringen und Spontanität, da es von manchen Dingen

DCIM100GOPROGOPR4635.

In Kuba herrscht Gelassenheit.

einfach eher wenig gibt. Kubaner stellen sich gerne an, auch vor Ticketschaltern und Banken bilden sich oft grösser Schlangen, die Geldautomaten sind dagegen oft frei zugänglich, nur mit ausreichend Geld sind diese eher selten gefüllt bzw. die Bankkarte wird direkt wieder „ausgespuckt“. Allerdings ist auf Kuba noch der Kunde König, egal ob im Schuhgeschäft oder im Supermarkt meistens sind alle Waren hinter einem Tresen und man wird direkt bedient, Tante-Emma-Laden lässt grüßen, Selbstbedienung gab es im Sozialismus anscheinend eher selten. Da Kuba nach kein flächendeckendes Internet hat, kommunizieren die Menschen noch direkt miteinander und sitzen nicht stundenlang vor ihren Smartphones, in der Münchner U-Bahn kaum vorstellbar. Auch die immer gleichen Werbebanner sucht man hier vergeblich, es gibt einfach keinen „McDonalds“, „Starbucks“ oder „Aldi“ etc. welcher auf sich aufmerksam machen muss, Leuchtreklame gibt es schlicht nicht, sehr angenehm.

Die kleineren Städte wie Trinidad, Santi Spiritus, Camagüey, Las Tunas, Holguin, Santiago de Cuba und Baracoa kommen uns vor wie riesige Freilichtmuseen und es

DCIM100GOPROGOPR4720.

Metzgerei in Trinidad.

fällt schwer, die ganzen Eindrücke und Begegnungen in Worte zufassen. Kuba muss erlebt werden und zwar möglichst bald, die Regierung will sich weiter öffnen und viele Kubaner befürchten baldige, nicht nur positive, Veränderungen. Gerade der nahe Amerikaner, Miami ist nur 145km entfernt, wird eher skeptisch gesehen.

Kubaner sind überaus patriotisch und sehr stolz auf die Unabhängigkeit welche ihnen die Revolution beschert hat. Che Guevara ist dabei einer der wichtigsten Revolutionshelden und wird als Idol gefeiert. Fidel Castro hatte nach der Revolution, ab 1956, alle Freiheiten seine sozialistischen Ideen voranzutreiben, sein Bruder Raul ist inzwischen Staatsoberhaupt.

DCIM100GOPROGOPR4329.

Fidel Castro, Che Guevara und Camilo Cienfuegos.

Kubaner sind sehr geschäftstüchtig und es wird versucht, gerade in den Städten, mit allem Geld zu machen. Mit 32.88€ p.P. haben wir unsere Durchschnittsausgaben locker verdoppelt, aber das Kuba nicht billiges Reiseland gilt war uns bewusst. Gerde die Überlandbusse und die täglichen Übernachtungen trieben die Kosten etwas in die, dennoch überschaubare, Höhe. Manchmal hatte man das Gefühl eine „Melkkuh“ zu sein und es war für uns daher oft besser aufs Land zu flüchten. Bei einer Zugfahrt lernten wir z.B. Ariel kennen, einen einfachen Bauern, welcher mit seiner Familie und seinen paar Tieren mitten auf dem Land lebte. Spontan wurden für für 2 Tage eingeladen und ebenso spontan sagten wir zu. Die Kinderbuchreihe „Petterson und

DCIM100GOPROGOPR4819.

Wir verbringen 2 Tage bei Ariel, der ein sehr buntes, aber doch auch sehr hartes Leben führt.

Findus“ entspricht Ariels Leben, wir badeten im Fluss, jagten Hühner, schossen mit der Steinschleuder auf Dosen und hatten jede Menge Spass auf einem Jahrmarkt. Immer war was los, ein Theaterstück kann nicht schöner und vielfältiger geschrieben und gleichzeitig umgesetzt werden.  Auch Julio aus Baracoa wird uns lange in Erinnerung bleiben, sein ganzes Haus, sein ganzes Inventar, einfach alles war in gelb und blau gestrichen, Kuba hat einen ganz besonderen Schlag Mensch hervorgebracht. Ein allgemeines „Kuba-Gesicht“ gibt es nicht, man könnte meinen die ganze Welt hätte sich hier farbenfroh und mit all ihrer wunderbaren Vielfalt vereint.

DCIM100GOPROGOPR5057.

Julian, Julio und Nico.

Im Vordergrund stand natürlich auch die Erholung an den traumhaften Stränden von Trinidad, Santa Lucia und Maguana faulenzten wir einige Tage, genossen das kristallklare Wasser und lernten interessante Backpacker kennen. Wie oft wir unsere Trio-for-Rio Geschichte erzählt haben, wissen wir nicht mehr, allerdings dürften wir den ein oder anderen Reisenden inspiriert haben auch mal aufs Fahrrad zu springen. Mit Florian und Anke aus Stuttgart hatten wir einen tollen Abend in Camagüey, wo wir

DCIM100GOPROGOPR4451.

Hängematte und Strand am 24.ten Dezember.

im „Casa Austria“ zum Wiener Walzer Gulasch und Schnitzel serviert bekamen, Kuba bietet viele Überraschungen. Heilig Abend und die Weihnachtsfeiertage verbrachten wir bei karibischen Temperaturen unter Palmen mit Backpackern am Strand von Maguana, der Vollmond gab dem ganzen den letzten unvergesslichen Touch. Untergebracht waren wir in einer kleinen Hütte direkt am Strand, der Hüttenbesitzer, Carlos, zauberte ein Seafood-Weihnachtsfestessen vom allerfeinsten, schöner und uriger hätte Weihnachten nicht sein und unser Urlaub im Tropenparadies nicht enden können. Nach über 20 Stunden Busfahrt fanden wir uns wieder in Havanna ein, wo uns der russische Flieger erwartete und uns zurück nach Mexiko flog. Danke Kuba! Zeitreise vorbei, willkommen im Jetzt!

Die Räder haben brav und sicher auf uns gewartet und sind bereit für die zweite Halbzeit unserer Reise. Wir sind entspannt, ausgeruht und voller Vorfreude auf die nächsten Etappen und auch die  Bikes sind nach kleineren Wartungsarbeiten, wie Bremsbeläge wechseln, Speichen nachziehen, Kette spannen, ölen und putzen,„ready to hit the road again!“

Den ersten Tag nach unserer Pause verbrachten wir auf dem Highway 301 und fuhren bis nach Playa del Carmen, wo Sandro und Nico Sylvester verbringen werden. Julian fährt 60km weiter ins benachbarte Tulum, dort wird mit Freunden aus München ins neue Jahr gefeiert, auf diesem Weg bekommen wir auch dringend benötigte Ersatzteile geliefert, damit unsere Expedition weiterhin vorangeht.

8 Monate sind wir jetzt genau unterwegs, Wahnsinn was wir in dieser Zeit alles erleben durften. Wir danken Euch für die tolle Unterstützung und wünschen ein gutes, gesundes, abenteuerliches, spannendes und olympisches neues Jahr 2016.

Auf geht’s, pack mer’s! Anpfiff zur 2ten Halbzeit! Rio wir kommen!

Sportliche Grüße,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.