Ecuador II – Galapagos-Inseln – Peru

Ecuador, Peru

Die Vorfreude auf unseren „Urlaub vom Urlaub“ und damit der Besuch auf den Galapagos-Inseln und das Zusammentreffen mit unseren Eltern ist gross. Unsere 7 Sachen sind schnell gepackt, die Räder sicher verstaut und Körper & Geist sehnen sich nach Ruhe und Erholung. Nach einer ausgiebigen nächtlichen Stadttour durch Guayaquil mit Lulu, der Nichte von unseren Gastgebern vor Ort, hebt der Flieger ab und bringt uns sicher ins Naturparadies Ecuadors.

Pelikane.

Flamingos.

Wir landen auf der Flughafeninsel „Isla Batra“ und reisen mit Bus, Boot und Pickup weiter auf die Hauptinsel „Isla Santa Cruz“, wo wir uns im Fischerort „Puerto Ayora“ ein Hostel nehmen. Schon am ersten Abend bekommen wir einen Eindruck was uns die nächsten Tage erwartet, selbst das Hafenwasser ist kristallklar und wir werden von Seelöwen, Pelikanen, Drachenechsen, Schildkröten & Co. begrüsst. Die nächsten Tage wandeln wir auf Charles Darwins Spuren, besuchen die gleichnamige Research Station und versuchen die Arbeit des britischen Naturforschers zu verstehen. Er gilt, auch heute noch, wegen seiner wesentlichen Beiträge zur Evolutionstheorie als einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler überhaupt, Geschichte pur. An den weißen Sandstränden der „Playa Tortuga“ und „Playa El Garrapatero“ steht zwar der Badespass im Pazifik an erster Stelle, aber auch hier kommen wir mit dem Wildlife eng in Kontakt. Allgemein kommen wir den Tieren verblüffend nah, da die Tiere auf den Galapagos Inseln keine natürlichen Feinde haben. Auch der Mensch wird nicht als Feind wahrgenommen, die Tiere halten keine Fluchtdistanz, wie es z.B. auf Safaris in Afrika der Fall ist. Es hat beinahe den Anschein die Tiere beobachten den Menschen und nicht umgekehrt, die Tiere haben sich der Natur perfekt angepasst und manchmal sind diese, dank ihrer perfekten Tarnung, erst auf den zweiten Blick auszumachen. Da die Inseln sehr isoliert liegen, ist die Flora und Fauna absolut einzigartig. Zudem herrschen einmalige Umwelt- und Wetterbedingungen, einfach ein traumhaftes Fleckchen Erde.

Nico und Julians Eltern zu Besuch auf den Galapagosinseln.

Nico und Julians Eltern zu Besuch auf den Galapagosinseln.

Vater springt wie ein junger Hund in die Fluten des Pazifiks, Mutter übt sich fleissig als Fotografin und wir geniessen zusammen den Augenblick und die Ruhe. Für den Moment gibt es keinen Ort an welchem wir jetzt lieber wären.

Diese Schildkröte ist ca. 150 Jahre alt.

Diese Schildkröte ist ca. 150 Jahre alt.

Erst besuchen wir die mächtigen Riesenschildkröten (Tortugas Gigantes) im „Reserva El Chato“, welche teilweise weit über 200 Jahre auf dem Buckel haben, danach robben wir durch die unterirdischen Lavatunnels (Los Tunnels), welche 20m unter der Erde liegen und bis zu 600m lang sind. In der Mittagshitze springen wir in den Krater „Las Grietas“, das kühle Wasser der Badeschlucht ist bei der Hitze eine absolute Wohltat. Erst als die „Isla Santa Cruz“ ausgiebig erkundet ist geht es mit dem Boot für ein paar Tage auf die Nachbarinsel „Isla Isabela“.

Las Grietas. Eine tolle Abkühlung in der Mittagshitze.

Las Grietas. Eine tolle Abkühlung in der Mittagshitze.

Blaufusstölpel auf Isla Isabel.

Blaufusstölpel auf Isla Isabel.

„Isla Isabela“ ist zwar die grösste der Galapagos-Inseln, aber weniger bewohnt und daher noch ruhiger und natürlicher. Die Sandstrassen und das einfache gemütliche Leben strahlen eine tolle Urlaubsatmosphäre aus und die vielen Tiere, welche überall anzutreffen sind, machen diesen charmanten, paradiesischen Ort zu einer Oase. Wir wohnen im Örtchen „Puerto Villamil“, dieser eignet sich perfekt für unsere zahlreichen Expeditionen an die vielen Strände und ins wilde Hinterland. Auch hier wimmelt es vor Drachenechsen, Flamingos, Seelöwen, Pelikanen, Krebsen, Rochen, Land- und Wasserschildkröten, Haien, bunten Vögel wie den blaufüssigen „Boobies“ und Darwins Finken etc., langsam gehen uns die Superlative für dieses Naturparadies aus. Bei unseren zahlreichen Schnorcheltrips fühlen wir uns wie in einem gigantischen Aquarium, wir schwimmen mit Schildkröten, Haien, Stachelrochen & Co. Vor lauter farbenfrohem Leben unter und über Wasser geht das Zeitgefühl komplett verloren und die Tiefenentspannung übernimmt spätestens jetzt den Takt. Auch unsere Strandwanderungen und Spaziergänge ins Hinterland  z.B. in die Zuchtstation für Landschildkröten oder der „Wall of Tears“ sind die 120U$ Eintritt, welcher für den Besuch der Galapagos-Inseln fällig wird, und den eher teuren Flug absolut wert. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, auf der einen Seite gibt es Lavagestein mit einsamen Kakteen auf der anderen Seite große, saftigen Wälder, welche an lichte Maienwälder erinnern, die fantastischen Strände nicht zu vergessen.

DSCF5318

Drachenechsen wo man hinschaut!

Unsere Reise ist ein Traum wie aus 1001 Nacht, wir schwimmen weiter auf einer tollen Welle und schreiben kräftig an einem einmaligen Kapitel unserer eigenen Geschichte. Die Geschichte unseres Planeten schreibt man nicht mal eben um, unserer eigenen Story können wir aber jederzeit neue, unvergessliche und spannende Zeilen hinzufügen.

Die letzten 2 Tage auf den Galapagos-Inseln werden die Füsse nochmals hochgelegt, damit wir wieder frisch in den Sattel kommen. Knapp 3 1/2 Monate sind es noch bis Rio, 3 1/2 Monate in den es noch mal gilt sich mit den Marotten der jeweils beiden Anderen zu arrangieren um unser gemeinsames Teamziel zu erreichen, ausgeruht für den letzten großen Abschnitt sollten wir jedenfalls sein, Körper und Geist fühlen sich bereit!! Weniger bereit zeigt sich der DFB, den Fussballbund hatten wir auch angeschrieben ob wir eventuell Tickets für das Olympische-Fussballturnier bekommen könnten. Ausser eine unpersönlich Standardabsage und ein Verweis auf eine Ticketagentur, haben die Damen und Herren sich keinen Zacken aus der schwarz-rot-goldenen Krone gebrochen. Wirklich schade!

Zurück in Guayaquil und damit auf dem ecuadorianischen Festland, heisst es Abschiedsnehmen. Mutter und Vater ziehen weiter Richtung Kolumbien, Mexiko und Kuba und wir suchen unseren Weg nach Peru. Danke, die Zeit mit Euch war ein Traum.

Auf dem Highway E-25 gibt es ein kleines Highlight, nach 20037km haben wir genau die Hälfte des Erdumfangs abgeradelt, eine halbe Weltreise also (der gesamte Erdumfang beträgt, laut Wikipedia, circa 40074km).

E25. Auf der Panamericana nach Peru.

E25. Auf der Panamericana nach Peru.

Es geht flach in Richtung Peru, schnell sind da Kilometer gemacht, links und recht leisten uns weiter riesige Bananen- und Kakaoplantagen Gesellschaft. Als wir am vorletzten Abend an einem Strassenimbiss sitzen und das einfache ecuadorianische Dorfleben geniessen wollen, wackelt die Erde. Ecuador verabschiedet sich mit dem stärksten Erdbeben seit 1979, dieses hat knapp 300 Todesopfer und zahlreiche Verletzte gefordert und war mit einer Stärke von 7.8 auf der Richterskala verheerend, in zahlreichen Provinzen musste Katastrophenalarm ausgerufen werden. Wir hatten Glück im Unglück, in unserer Region wackelte „nur“ die Erde für 30-45 Sekunden, danach war der Strom weg, aber ansonsten hielten sich die Schäden in Grenzen. Ein komisches Gefühl, wer schon einmal auf einer Hüpfburg für Kinder war, kann sich das wackelige Gefühl vielleicht am ehesten vorstellen. Für uns bleibt nur zu hoffen, dass die Opferzahl nicht weiter steigt und sich die Erde wieder beruhigt hat und die nächsten Überraschungen wieder von positiver Natur sind.

Nach 23 abwechslungsreichen Tagen in Ecuador verabschieden wir uns, 27.73€ p.P./Tag haben wir benötigt, der exklusive Aufenthalt auf den Galapagos-Inseln hat unser Tagesbudget etwas strapaziert, war aber jeden Cent wert. Danke Ecuador, Hola Peru!!!

DSCF5341

Peru. Land Nr. 19 auf unserer Fahrradtour.

Ruck-Zuck haben wir die nötigen Stempel im Pass und Peru heisst uns als 19tes Land unserer Reise am Tag 358 willkommen. Mit einem traumhaften und klarem Panoramablick auf die Anden geht es auf dem Highway 1A (Panamericana Norte) gemütlich dahin. Wie die geborenen Asphaltcowboys cruisen wir die Pazifikküste entlang, eigentlich ist alles perfekt, bis Julians Schaltung den Geist aufgibt. Ein gerissener Schaltzug und nix geht mehr!  Mit einem Motorradtaxi werden Ersatzteile besorgt, danach müssen wir uns ins komplizierte Rohloff-System reindenken, wir fummeln und basteln über 5 Stunden zusammen in der größten peruanischen Mittagshitze, erst am Abend steht der „Bock“ wieder einsatzbereit auf der Straße. Gutes Teamwork, jetzt können die Anden wieder kommen. Jeder Tag ist unberechenbar und meistens kommt es sowieso komplett anders wie gedacht!

Mancora ist ein beliebter und sehr lebhafter Backpackerort direkt am kilometerlangen Sandstrand gelegen, dort treffen wir auf unseren irischen Freund Eamonn. Eamonn haben wir in den Bergen Kolumbiens kennengelernt und für die nächsten circa 600km wird unser Trio nun zum Quartett, Eamonn wird uns die nächsten Tage begleiten.

Unser großes Abenteuer geniessen wir übrigens mit durchschnittlich 18.21km/h (Stand 20.04.2016). Unsere Gesamtkilometer belaufen sich inzwischen auf 20401km für diese sassen wir 1120.44 Stunden im Sattel, daraus resultiert unsere Durchschnittsgeschwindigkeit. Mit 18.21 Km/h um die Welt, die große Freiheit geniesst man eher gemütlich, die Welt ist schon schnelllebig und hektisch genug.

Danke für Eure zahlreichen Nachrichten zu unserem Wohlbefinden nach dem Erdbeben in Ecuador.  Wir hoffen das Aprilwetter in der Heimat wechselt bald in Sonnenschein pur. Wir melden uns in 14 Tagen wieder, bis dahin sollten wir die peruanische Hauptstadt Lima erobert haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Kuba – im Oldtimer zurück in die Zukunft mit Rum und Zigarre

Kuba

Wir melden uns nun offiziell zurück, der kubanische Weihnachtsurlaub war ein Zeitreise in die 50-60ziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und eine Entspannungsoase für Körper und Geist.

Cubana Air bringt uns also, gut 2 Wochen vor Weihnachten, in einer alten russischen Tupolev Maschine und nach circa 50 Flugminuten sicher von Mexiko in die kubanische Hauptstadt Havanna. Sandro zieht auf eigene Faust los und erkundet Kuba für sich, erst beim Rückflug ist das Trio wieder zusammen. Nico und Julian berichten also exklusiv.

Die ersten Erkundungsspaziergänge lassen uns staunen, nicht nur die zahlreichen alten Strassenkreuzer faszinieren, es ist der gesamte kubanisch Lifestyle welcher in

DCIM100GOPROGOPR4565.

Erster Eindruck von Havanna.

der ganzen Stadt bzw. auf der gesamten Insel vibriert. Kuba ist bunt, Frauen sitzen in ihren Schaukelstühlen vor ihren Häusern, Männer spielen stundenlang Domino und rauchen dabei Zigarren und kippen billigen weißen Rum, Kutscher transportieren ihre Waren oder Gäste von A nach B, Kinder lassen Drachensteigen und rennen um die Wette, Fahrradtaxis streiten um Kunden, Oldtimer blassen dicke Abgaswolken aus, Bauern treiben ihre Ochsengespanne über die Äcker und verkaufen ihre Ernte am Strassenrand. Kuba ist jedenfalls weit mehr wie nur Palmen, Zuckerrohr, Revolution und packende Rhythmen, Kuba gleicht einem tropischem Garten Eden und will entdeckt werden. Apropos entdecken: Christoph Kolumbus entdeckte Kuba am 27.10.1492 erstmals, irrtümlich hielt es es für Japan soll aber gleich dem einzigartigem Charme der Insel erlegen sein.

Das kommunistische Land ist voller Geheimnisse und Widersprüche, die Lebensfreude und Spontanität der Inselbewohner sucht seinesgleichen. Privates Unternehmertun war bis vor ein paar Jahren untersagt, diese Beschränkungen werden allerdings weiter gelockert. Kubaner dürfen jetzt z.B. Zimmer an Ausländer vermieten, diese „Casa Particulars“ sind recht günstig und sind im ganzem Land ausreichend verbreitet. Die kubanische Küche ist hingegen eher wenig kreativ, Reis mit Bohnen bekommt man überall, ausgefallene Gerichte kommen eher aus anderen Breitengraden dieser Erde. Geschäfte sind oft sehr spärlich ausgestattet und es bilden sich oft längere Warteschlangen um die gewünschten Produkte zu bekommen sollte man jedenfalls Zeit mitbringen und Spontanität, da es von manchen Dingen

DCIM100GOPROGOPR4635.

In Kuba herrscht Gelassenheit.

einfach eher wenig gibt. Kubaner stellen sich gerne an, auch vor Ticketschaltern und Banken bilden sich oft grösser Schlangen, die Geldautomaten sind dagegen oft frei zugänglich, nur mit ausreichend Geld sind diese eher selten gefüllt bzw. die Bankkarte wird direkt wieder „ausgespuckt“. Allerdings ist auf Kuba noch der Kunde König, egal ob im Schuhgeschäft oder im Supermarkt meistens sind alle Waren hinter einem Tresen und man wird direkt bedient, Tante-Emma-Laden lässt grüßen, Selbstbedienung gab es im Sozialismus anscheinend eher selten. Da Kuba nach kein flächendeckendes Internet hat, kommunizieren die Menschen noch direkt miteinander und sitzen nicht stundenlang vor ihren Smartphones, in der Münchner U-Bahn kaum vorstellbar. Auch die immer gleichen Werbebanner sucht man hier vergeblich, es gibt einfach keinen „McDonalds“, „Starbucks“ oder „Aldi“ etc. welcher auf sich aufmerksam machen muss, Leuchtreklame gibt es schlicht nicht, sehr angenehm.

Die kleineren Städte wie Trinidad, Santi Spiritus, Camagüey, Las Tunas, Holguin, Santiago de Cuba und Baracoa kommen uns vor wie riesige Freilichtmuseen und es

DCIM100GOPROGOPR4720.

Metzgerei in Trinidad.

fällt schwer, die ganzen Eindrücke und Begegnungen in Worte zufassen. Kuba muss erlebt werden und zwar möglichst bald, die Regierung will sich weiter öffnen und viele Kubaner befürchten baldige, nicht nur positive, Veränderungen. Gerade der nahe Amerikaner, Miami ist nur 145km entfernt, wird eher skeptisch gesehen.

Kubaner sind überaus patriotisch und sehr stolz auf die Unabhängigkeit welche ihnen die Revolution beschert hat. Che Guevara ist dabei einer der wichtigsten Revolutionshelden und wird als Idol gefeiert. Fidel Castro hatte nach der Revolution, ab 1956, alle Freiheiten seine sozialistischen Ideen voranzutreiben, sein Bruder Raul ist inzwischen Staatsoberhaupt.

DCIM100GOPROGOPR4329.

Fidel Castro, Che Guevara und Camilo Cienfuegos.

Kubaner sind sehr geschäftstüchtig und es wird versucht, gerade in den Städten, mit allem Geld zu machen. Mit 32.88€ p.P. haben wir unsere Durchschnittsausgaben locker verdoppelt, aber das Kuba nicht billiges Reiseland gilt war uns bewusst. Gerde die Überlandbusse und die täglichen Übernachtungen trieben die Kosten etwas in die, dennoch überschaubare, Höhe. Manchmal hatte man das Gefühl eine „Melkkuh“ zu sein und es war für uns daher oft besser aufs Land zu flüchten. Bei einer Zugfahrt lernten wir z.B. Ariel kennen, einen einfachen Bauern, welcher mit seiner Familie und seinen paar Tieren mitten auf dem Land lebte. Spontan wurden für für 2 Tage eingeladen und ebenso spontan sagten wir zu. Die Kinderbuchreihe „Petterson und

DCIM100GOPROGOPR4819.

Wir verbringen 2 Tage bei Ariel, der ein sehr buntes, aber doch auch sehr hartes Leben führt.

Findus“ entspricht Ariels Leben, wir badeten im Fluss, jagten Hühner, schossen mit der Steinschleuder auf Dosen und hatten jede Menge Spass auf einem Jahrmarkt. Immer war was los, ein Theaterstück kann nicht schöner und vielfältiger geschrieben und gleichzeitig umgesetzt werden.  Auch Julio aus Baracoa wird uns lange in Erinnerung bleiben, sein ganzes Haus, sein ganzes Inventar, einfach alles war in gelb und blau gestrichen, Kuba hat einen ganz besonderen Schlag Mensch hervorgebracht. Ein allgemeines „Kuba-Gesicht“ gibt es nicht, man könnte meinen die ganze Welt hätte sich hier farbenfroh und mit all ihrer wunderbaren Vielfalt vereint.

DCIM100GOPROGOPR5057.

Julian, Julio und Nico.

Im Vordergrund stand natürlich auch die Erholung an den traumhaften Stränden von Trinidad, Santa Lucia und Maguana faulenzten wir einige Tage, genossen das kristallklare Wasser und lernten interessante Backpacker kennen. Wie oft wir unsere Trio-for-Rio Geschichte erzählt haben, wissen wir nicht mehr, allerdings dürften wir den ein oder anderen Reisenden inspiriert haben auch mal aufs Fahrrad zu springen. Mit Florian und Anke aus Stuttgart hatten wir einen tollen Abend in Camagüey, wo wir

DCIM100GOPROGOPR4451.

Hängematte und Strand am 24.ten Dezember.

im „Casa Austria“ zum Wiener Walzer Gulasch und Schnitzel serviert bekamen, Kuba bietet viele Überraschungen. Heilig Abend und die Weihnachtsfeiertage verbrachten wir bei karibischen Temperaturen unter Palmen mit Backpackern am Strand von Maguana, der Vollmond gab dem ganzen den letzten unvergesslichen Touch. Untergebracht waren wir in einer kleinen Hütte direkt am Strand, der Hüttenbesitzer, Carlos, zauberte ein Seafood-Weihnachtsfestessen vom allerfeinsten, schöner und uriger hätte Weihnachten nicht sein und unser Urlaub im Tropenparadies nicht enden können. Nach über 20 Stunden Busfahrt fanden wir uns wieder in Havanna ein, wo uns der russische Flieger erwartete und uns zurück nach Mexiko flog. Danke Kuba! Zeitreise vorbei, willkommen im Jetzt!

Die Räder haben brav und sicher auf uns gewartet und sind bereit für die zweite Halbzeit unserer Reise. Wir sind entspannt, ausgeruht und voller Vorfreude auf die nächsten Etappen und auch die  Bikes sind nach kleineren Wartungsarbeiten, wie Bremsbeläge wechseln, Speichen nachziehen, Kette spannen, ölen und putzen,„ready to hit the road again!“

Den ersten Tag nach unserer Pause verbrachten wir auf dem Highway 301 und fuhren bis nach Playa del Carmen, wo Sandro und Nico Sylvester verbringen werden. Julian fährt 60km weiter ins benachbarte Tulum, dort wird mit Freunden aus München ins neue Jahr gefeiert, auf diesem Weg bekommen wir auch dringend benötigte Ersatzteile geliefert, damit unsere Expedition weiterhin vorangeht.

8 Monate sind wir jetzt genau unterwegs, Wahnsinn was wir in dieser Zeit alles erleben durften. Wir danken Euch für die tolle Unterstützung und wünschen ein gutes, gesundes, abenteuerliches, spannendes und olympisches neues Jahr 2016.

Auf geht’s, pack mer’s! Anpfiff zur 2ten Halbzeit! Rio wir kommen!

Sportliche Grüße,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.

Mexiko No. 4 – „Feliz Navidad“ und „Viva la Revolution“

Mexiko
DCIM100GOPROGOPR3936.

Der Horizont ist in Sicht, keine Berge voraus.

Wir verlassen die Maya- Stadt Palenque am 1. Adventssonntag und es wird schlagartig flach. Kein Hügel, kein Berg einfach eben und eine Sicht bis zum Horizont, beinahe könnte man schon von einem öden, langweiligen Streckenabschnitt sprechen, aber keiner von uns wünscht sich die Berge und die damit verbundenen Qualen zurück. Ausserdem sind die Sümpfe am Rande des Highways 199 bzw. 186, voller Leben, Krokodile, Echsen, Schildkröten, Schlangen und Spinnen sind unsere treuen Begleiter in den letzten Wochen gewesen. Nach dem Bundesstaat Chipas, geht es kurz durch Tabasco, Namensgeber der gleichnamigen würzigen Sauce, mit dem Bundesland Campeche erreichen wir schliesslich die mexikanische Ostküste und haben damit Mexiko einmal durchquert.

DSCF3876

Tiere egal wo man hinschaut, auch in den Bäumen wo man Echsen nicht unbedingt erwartet.

Unser Kalorienverbrauch ist dermassen in die Höhe getrieben, bei unseren „Fressorgien“ würde selbst Buds Spencer zusammenbrechen. Schätzungsweise 7000 Kalorien müssen wir jeden Tag auffangen, da muss schon einiges auf den Tisch.

DCIM100GOPROGOPR3992.

Egal ob Morgens, Mittags oder Abends. Hühnchen können wir immer essen.

Die Mexikaner haben unglaublich viele kleine Garküchen und BBQ-Stände, Leckereien finden sich daher von ganz alleine. Gerade in der Weihnachtszeit darf es gerne auch mal ein bisschen mehr sein, aus Tradition sozusagen. Allerdings sollten vielleicht die Herrschaften vom Gesundheitsamt oder vom TÜV aus hygienetechnischen bzw. sicherheitstechnischen Gründen lieber einen Bogen um Mexiko und Südamerika machen, ansonsten drohen schwere psychische Störungen.

Die Gegenden um Palenque, Campeche, Cancun etc. sind auch Touristenhochburgen immer wieder begegnen uns Tonnen von Pauschaltouristen eingepfercht in Minibusse, welche einem Tourguide hörig sind und diesem widerstandslos auf Schritt und Tritt hinterher watscheln wie die Kücken der Mutterhenne. Daheim gegen Massentierhaltung demonstrieren und sich im eigenem Urlaub bevormunden und einsperren lassen, versteh einer die Welt. Wir haben schon überlegt ob wir Amnesty International einschalten sollen oder ob wir selbst eingreifen sollen, aber uns wurde zugesichert, alle Reisenden werden aus eigenem Willen eingesperrt und regelmässig für Foto – und Pinkelpausen rausgelassen.

Jedenfalls sind uns da unsere Räder, die tollen Mittagspausen in den Hängematten, die oft einfachen aber zweckmässigen Unterkünfte und die selbstbestimmte Reisegeschwindigkeit wesentlich lieber. Jeder hat eben eine eigene Vorstellung von Freiheit und vom reisen in fremde Kulturen.

In der Altstadt von Campeche fühlen wir uns wie in einer Filmkulisse, alles hinter der dicken Altstadtmauer ist schön bunt, wunderbar restauriert und einen Abstecher wert.

DSCF3912

Campeche, eine sehr bunte historische Stadt.

DCIM100GOPROGOPR4005.

Altstadt von Campeche.

Sandro hat in unserer beliebten Plattfussstatistik inzwischen mit 13 Platten die Führung übernommen und damit die Herbstmeisterschaft für sich entschieden. Julian (12) und Nico (10) sind mit Silber und Bronze trotzdem sehr zufrieden. Auch in der Mantelstatistik führt Sandro mit 3 gewechselten Mänteln vor Nico (2) und Julian (1), Sylvester bekommen wir Besuch aus der Heimat, genügend Ersatzschläuche, Mäntel und weiteres Equipment sind also bereits unterwegs.

Manchmal fühlen wir uns auf unseren Bikes wie Seemänner, was beim Seemann die handbreit Wasser unterm Kiel ist, ist bei uns die handbreit Luft unter der Felge. Reifenwechseln, Schläuche flicken und pumpen gehört definitiv nicht zu unseren Lieblingsaufgaben.

Der eher öde 180er Highway bringt uns also Stück für Stück näher nach Cancun und damit zu unserem ersehnten Weihnachtsurlaub auf Kuba, oder geht am Ende doch keine Fähre? Die zahlreichen Gerüche entlang der Strasse stärken unsere Motivation nicht unbedingt. Müll, faulige Sumpfgebiete, Essensreste, tote Tiere, Abgase, Industrieanlagen, unser Geruchssinn muss einiges ertragen.

Manchmal knallen wir mit unseren Charakteren kräftig aneinander. Unsere unterschiedlichen Vorlieben, Eitelkeiten, Vorstellungen, Wünsche, Ideen, Meinungen, Auffassungen, Ziele und Träume sind oft nicht einfach unter einen Hut zubringen. Aber in der Regel wird immer eine, für jeden erträgliche, Lösung gefunden und auch der grösste Knall verhallt recht schnell wieder.

Im Gegensatz zu Europa, Kanada und den USA zelten wir im Mexiko eher selten, die einfachen Unterkünfte sind mit circa 4-5€ p.P., fliessend Wasser und weichen Matratzen einfach zu verlockend. Ausserdem kommen wir dem Äquator immer näher, die Dämmerung setzt oft schon gegen 17Uhr ein, die Suche nach einem geeignetem Nachtlager müssten wir demnach schon um 16Uhr beginnen und so nutzen wir das restliche Tageslicht lieber zum radeln.

DCIM100GOPROGOPR3939.

Gegen 17.30 Uhr wird es dunkel.

Die berühmte Pyramide und Ruinen von Chichen Itza lassen wir aus Kostengründen aus, es gibt ja schliesslich, die oben genannten, Pauschaltouristen, sollen die den Wuchereintrittspreis zahlen und damit die mexikanische Staatskasse klingeln lassen.

Am Tag 225 und nach 14127 Kilometern erreichen wir schliesslich die Küstenstadt Cancun. Jetzt haben wir die 2 entferntesten Städte Mexikos, Tijuana und Cancun, miteinander verbunden. 4602 Kilometer liegen dazwischen, mehr Mexiko geht nicht.

In Cancun machen wir uns, bei strömenden Regen, auf die Suche nach einem Boot nach Kuba. Mythos oder nicht? Gibt es ein Boot oder eine Fähre auf die Insel? Tausende Menschen befragen wir, zig Agenturen werden aufgesucht, nochmals wir gegoogelt, mehrere Häfen werden genauestens ausgefragt. Die Ernüchterung trifft uns hart. Nein, es gibt definitiv kein Boot, keine Fähre von Cancun bzw. vom mexikanischen Festland nach Kuba. Alles Gerüchte, alles Mythos, da gibts nichts zu machen. Aus der Traum vom kubanischen Weihnachtsurlaub?

DCIM100GOPROGOPR4069.

Kuba wir kommen, doch leider gibt es kein Boot.

Aber ein „TrioforRio“ gibt nicht so schnell auf, wir müssen umorganisieren. Wir wollen unseren Traum realisieren und steigen aufs Flugzeug um, aus Kostengründen müssen die Fahrräder allerdings in Mexiko bleiben und der Flug sprengt beinahe unser Budget, aber nach weiteren Stunden in Agenturen haben wir 3 Flugtickets in der Hand, das Visa gibts am Flughafen. Die Räder können in der Ticketagentur sicher abgestellt werden und in 16 Tagen geht es ausgeruht weiter Richtung Belize und Guatemala.

Wir verabschieden uns also in den, wie wir finden, wohlverdienten Weihnachtsurlaub und sind am 28.12 zurück in Cancun. Da Kuba eine äusserst schlechte Internetverbindung haben soll, wünschen wir hiermit bereits „Frohe Weihnachten“, „Feliz Navidad“ und „Merry Christmas“.

Euer Trio for Rio.

DCIM100GOPROGOPR4413.

Wir wünschen „Frohe Weihnachten“, „Feliz Navidad“ und „Merry Christmas“.

Weitere Bilder unter Galerie.

Brennende Wälder & sehr heisse Tage, Kalifornien Part II

USA

Zusammen mit unserem Freund Brandon aus San Francisco ziehen Nico und Ich weiter nach Santa Cruz, wo wir nach circa 41 Tagen Sandro treffen und damit unser

DCIM100GOPROGOPR2630.

Wir sind wieder zu dritt unterwegs.

Trio wiedervereint ist. Es gibt einiges zu erzählen, da sich in diesen knapp 6 Wochen, bei unterschiedlichen Streckenverläufen doch so einige Abenteuer und Geschichten ansammelten.

Zusammen machen wir uns also auf dem Weg ins Landesinnere nach Visalia, die Hitze ist unerträglich, z.T. steigen die Temperaturen auf 49 Grad Celsius, da wird das radeln zur Qual. Gleichzeitig steht halb Kalifornien in Flammen, die Waldbrände lodern an zig verschiedenen Stellen und sind durch den ständig drehenden Wind unberechenbar, daher fahren wir zusätzlich durch dicken

DCIM100GOPROGOPR2725.

Dichter Rauch erschwert uns die Sicht und das Atmen.

tiefhängenden Rauch. Unser Wasserbedarf steigt enorm, die abgelegenen Gebiete machen es uns nicht leichter geeignete Wasserquellen zu finden. Die Farmer entlang der Strecke sind jedoch sehr hilfsbereit und im Örtchen Coalinga versorg uns die Dorfkirche nicht nur mit ausreichend Wasser, sondern wir dürfen auch im Pfarrgarten übernachten.

Die Amerikaner sind äusserst patriotisch, in beinahe jedem Vorgarten hängt die amerikanische Flagge und jeder kritische Kommentar zum „amerikanischen Lifestyle“ wird ignoriert oder mit (sehr gewagten) Gegenthesen übergangen . In der einen Hand hält man sprichwörtlich, das Gewehr in der anderen die Bibel. Jeder muss größer, besser, schneller, schöner, verrückter sein als der Andere, der ökonomische Sinn wird oft gar nicht erst hinterfragt. Jedes noch so kleine Dorf hat mindestens ein Fastfood-Restaurant, allgemein gibt es hier wesentlich mehr Fastfood-Ketten wie in Europa, willkommen im XXXL-Land.

DSCF3154

Pool zum Relaxen.

In Visalia angekommen, machen wir bei Judy und Ron auf deren Walnussfarm halt, die beiden haben wir vor knapp 2 Monaten in Kanada (Boya Lake) kennengelernt und wurden daraufhin auf die urige, lebendige und sehr liebevolle Farm eingeladen. Ron und Judy versorgen uns königlich und so sammeln sich schnell 14 Ruhetage an, wir helfen etwas auf der Farm mit, bekommen Thai-Massagen spendiert, schlemmen uns von einem Restaurant ins andere oder geniessen den Luxus eines Einzelzimmers mit butterweicher Matratze, eines Swimmingpools oder den einer Couch. Die Farm ist wie eine kleine grüne Oase, die Tiere sind wie ihre Besitzer sehr entspannt und nach knapp 9000km auf dem Rad tut eine längere Auszeit äusserst gut.

Unsere zuverlässigen TX-1000 Räder bekommen jeweils eine neue Kette und werden allgemein gründlich gewartet, aus Deutschland bestellen wir passende Schläuche und Mäntel, da diese in den USA nicht nur doppelt so teuer sind, sondern hier auch nicht zur Grundausstattung eines Fahrradgeschäftes gehören.

IMG_20150917_113322

Ausflug mit Ron nach L.A. Venice Beach.

Wir helfen also auf dem Hof aus , Judy kümmert sich um die insgesamt 7000 Walnussbäume und Ron achtet darauf das die Freizeitaktivitäten nicht zu kurz kommen und erklärt uns die Regeln des Footballs. Ron ist Rentner, als ehemaliger Investor hatte er 2000 Häuser in Kalifornien und arbeitete als Anwalt für Apple und für den ehemaligen kalifornischen Gouvaneuer und Schauspieler Arnold Schwarzenegger, die Finanzkrise hat ihn allerdings massiv erwischt und seitdem möchte er nur noch geniessen und hält von Arbeit wenig. Ron, der ursprünglich aus Israel kommt, zeigt uns sein Kalifornien, einen sehr amüsanten Ausflug nach L.A. haben wir bereits zusammen gemacht.

2 Tage bevor wir gemeinsam im Wohnmobil, den bereits gebuchten „3-Tages-

DCIM100GOPROGOPR2389.

Sandro fuettert Freddie, ein Texas Longhorn.

Roadtrip“ nach Las Vegas antreten möchten, erkrankt Ron schwer und muss zur stationären Behandlung mehrere Tage ins Krankenhaus, statt in der Casino-Metropole zu sein, kümmern wir uns selbstverständlich um die Farm. Judy ist bei Ron und der Abschied einige Tage später fällt uns nicht leicht. Judy ist äusserst dankbar für unsere Hilfe und wir sind froh die fällige Auszeit hier genommen zu haben. Über unser Abschiedsgeschenk, einen selbstgebauten Bilderrahmen mit „Trio-for-Rio T-Shirt“ und Widmung freuen Sie sich sehr, jederzeit sind wir wieder willkommen.

Danke für die tolle Zeit, in der Hoffnung, dass Ron bald wieder der Alte ist.

Vielen Dank für die zahlreichen Glückwünsche, ich habe mich über jede einzelnen Nachricht sehr gefreut. Wir haben meinen 33zigsten Geburtstag in einer Bar in Visalia gefeiert und ich bin damit bereit für ein abenteuerliches und spannendes neues Lebensjahr.

DSCF3173

Julian sucht seine Geburtstagsgeschenke 🙂

Wir fühlen uns jedenfalls ausgeruht genug um die nächste Etappen mit L.A., San Diego und Mexiko in Angriff zunehmen.

Euer Trio für Rio.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.