Panama – Kolumbien

Kolumbien, Panama

Wir verlassen Panama City um uns auf unsere letzten Kilometer auf zentralamerikanischen Boden zu begeben und gleichzeitig machen wir uns auf die Suche nach dem kleinen Segelhafen von Carti, von dort werden wir einen unvergesslichen Segeltrip nach Kolumbien angehen. Der Stadtverkehr in Panama City ist enorm, doch schon bald liegt die Stadtgrenze hinter uns und der Verkehr wird schlagartig ruhiger.

Im Zickzack bergauf, teilweise müssen wir schieben.

Im Zickzack bergauf, teilweise müssen wir schieben.

Nach einer ruhigen Nacht auf einem Kinderspielplatz, folgt eine 46km Etappe durch den Dschungel Panamas, welche es in sich hat und uns an die physischen und psychischen Grenzen stossen lässt. Der letzte Radtag in Panama bzw. in Zentralamerika verlangt uns wirklich nochmals alles ab, wir haben Steigungen von 18-20% und viele ausgewaschene Kurven welche sandig und unübersichtlich sind, mehrmals müssen wir von den Rädern steigen und diese „schweren Böcke“ schieben. Den ganzen Tag kommen uns ausschliesslich Allrad-Fahrzeuge entgegen, für normale Autos ist die Strecke einfach nicht machbar. Zentralamerika scheint uns eine letzte Challenge zu stellen und am Abend kommen wir fix und fertig aber als glückliche Sieger der besagten Challenge am Hafen an, noch lange wird uns dieser Tag auf der hügligen, schmalen Strasse in Erinnerung bleiben, der pure Wahnsinn und das auf Fahrrädern!!

Ja, am nächsten Tag heisst es Leinen los, wir stechen in See. Wir versuchen uns also für 5 Tage als Piraten auf unserem Segelboot namens „Albatros“. Unser Kapitän Hernando ist ein erfahrener Seebär, schon 553x hat er die

Unser Captain Hernando. Eine Legende.

Unser Captain Hernando. Eine Legende.

Strecke Panama – Kolumbien sicher gemeistert. Er ist der Gründer der kolumbianischen Segelschule, sein Sohn startet als Segeltrainer für Ecuador bei den Olympischen Spielen in Rio 2016, mehr Erfahrung und mehr Sicherheit geht also nicht. Mit Chiara, unserer Deckhand und Köchin, ist die Crew komplett, 2 Kanadier und ein Engländer sind als zusätzliche Passagiere mit von der Partie. Die Räder sind sicher an der Reling angeleint und schon stechen wir in die ruhige karibische See und erleben die traumhaften San Blas Inseln hautnah. Jetzt haben wir auf unserer Reise schon viel gesehen, aber die 365 Inselchen des San Blas Archipel und ihre traditionellen Ureinwohner, die Kuna Yalas, machen uns schlicht sprachlos und wir können uns an dieser wunderbaren Umgebung kaum satt sehen.

Die San Blas Inseln sind ein Traum.

Die San Blas Inseln sind ein Traum. Karibik Pur.

Wir schnorcheln, baden, angeln, fahren Kajak, beobachten Delfine und segeln durchs Paradies, zumindest muss dieses einmalige Fleckchen Erde bzw. Wasser dem Paradies ziemlich nahe kommen. Wir bekommen Lobster und andere Köstlichkeiten von Chiara serviert unser Kapitän erzählt Geschichten

Wir geniessen die Radfreien Tage und segeln genussvoll durch die Karibik.

Wir segeln durch die Karibik und geniessen die Radfreien Tage.

aus seinem bunten Seglerleben, wir haben definitiv mit der Wahl der „Albatros“ einen fantastischen Glückstreffer gemacht. Es scheint, als gehört es zum gutem Ton, als Kapitän immer ein Bier in der Hand zu haben, jedenfalls ist unser „El Capitano“ kein grosser Freund von Wasser und Saft und bevorzugt zu jeder Tageszeit sein „flüssiges Gold“. Am zweiten Tag sind wir genau 10 Monate auf unserer Reisen, dieses kleine Jubiläum feiern wir in traumhaften Umgebung bei Vollmond und sagenhaftem Sternenhimmel, selbst der Plankton feiert mit und leuchtet unter der Wasseroberfläche. Wir finden immer einen tollen Ankerplatz in der Nähe einer der zahlreichen Inseln und sind von der Ruhe absolut begeistert. Da die Strasse in der Regel nie weit entfernt von unseren Zeltplätzen ist, ist es eine Wohltat für die Ohren mal keinen Verkehrslärm zu hören und wir schalten ab.

Da es Glück bringen soll im Schaltjahr, eine Flaschenpost aufzugeben, bereiten wir eine Trio-for-Rio-Flaschenpost vor und übergeben diese am 29ten Februar dem karibischen Meer. Mal schauen wie weit es unsere Flasche schafft und wir sind gespannt, ob wir eine Antwort bekommen. Vielleicht findet diese ja den Weg in den Neckar, in die Isar oder ins „schwäbische Meer“ und damit in den Bodensee, zumindest mit viel Fantasie ist dies möglich.

Trio for Rio Flaschenpost. Finder bitte melden.

Trio for Rio Flaschenpost. Finder bitte melden.

So, nach 3 Tagen ist der karibische Traum ausgeträumt und die Seglerromantik wird schwer beschädigt, wir stechen in offene See. Schon mal 48 Stunden Achterbahn gefahren? Oder 48 Stunden Turbulenzen im Flugzeug erlebt? Die 3-4m hohen Wellen werfen unsere Nussschale von Boot hin und her, ein Hexenkessel ist nix dagegen. Das Boot knarzt und ächzt, wir fliegen von einer Seite auf die Andere, wir kriechen 2 Tage durch die Sardinenbüchse und bewegen uns nur falls gar nicht anders möglich. Die Wellen schwappen über das Boot und es tropft in unsere Kojen ,unser Gleichgewichtssinn schlägt Purzelbäume, wir sind bemüht den Mageninhalt dort zu behalten wo er hingehört. Ein Königreich für einen Fahrradtag!!!!

Unser Kapitän scheint mit seiner Routine zwar alles im Griff zuhaben, aber ein mulmiges Gefühl bleibt eben doch so auf offener See hunderte Kilometer vom rettenden Ufer entfernt. In diesen Tagen wir ganz klar, wir sind Landeier und keine gestandenen Seemänner. Da der Seegang sehr stark ist bleiben wir eine weitere Nacht auf dem Boot bevor wir in Cartagena endlich wieder festen Boden unter die Füsse bekommen, unser Element hat uns zurück. Wieder einmal sind wir um eine Erfahrung reicher, unsere Reise ist ein toller Lehrmeister.

Geschafft. Willkommen in Südamerika. Willkommen in Cartagena.

Geschafft. Willkommen in Südamerika. Willkommen in Cartagena.

Ja, mit Cartagena begrüssen wir Kolumbien und damit natürlich auch Südamerika! Land Nr. 17 und Kontinent Nr. 3 (für uns beginnt Südamerika in Kolumbien) unserer Reise, gefällt uns auf anhieb. Cartagena ist mit Abstand das schönste Städtchen unserer Reise und gilt als Perle Lateinamerikas. Viele Künstler machen die kleinen Gassen und zahlreichen Plätze bunt und attraktiv, ein gewisser Hippie-Flair liegt auf der historischen Stadt, kulturell bietet Cartagena einiges und nicht nur der Stadtstrand ist einen Besuch wert. Unserem Kapitän begegnen wir mehrmals in der Stadt, dieses „Original“ kennt hier jeder und der bunte Hund findet immer jemanden zum Quatschen oder um ein Bierchen zu leeren, Geschichten zu Pablo Escobar und über andere kolumbianische Persönlichkeiten gingen ihm jedenfalls nie aus, toller Mensch.

Pita Gyros bei Jorge aus Thessaloniki.

Pita Gyros bei Jorgo aus Thessaloniki. EinTraum.

Wir sind wirklich angetan von dem Ort und verbringen gleich 4 Tage und Nächte dort, nicht nur die Fahrräder werden vom Mechaniker gründlich gecheckt und vom Salzwasser gereinigt, auch wir lassen es uns gut gehen. Erst nach mehreren Massagen, Maniküre, Pediküre, Frisör und einigen nächtlichen Stunden auf der Flanier- und Partymeile fühlen wir uns langsam wieder hergestellt und bereit für die Strasse. Die Pita-Gyros beim Griechen, Jorgos, ist ein Traum aber auch die kolumbianische Küche lässt absolut keine Wünsche offen und so ziehen wir mit viel Energie und Generalüberholt wieder los um das ländliche Kolumbien kennenzulernen. Wir sagen Adios Cartagena und verabschieden uns damit auch vom karibischen Meer, spätestens in Ecuador treffen wir wieder auf den pazifischen Ozean.

Schnell wird klar, Cartagena ist kein Massstab, die Landbevölkerung lebt wesentlich einfacher und primitiver als die Menschen in der Stadt. In punkto Herzlichkeit und Freundlichkeit stechen die Menschen, welche oft in einfachen Lehmhütten leben, allerdings hervor und beeindrucken uns nachhaltig. Da in

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Kunst aus alten Autoreifen.

Kolumbien alles eingezäunt ist, fragen wir die Menschen auf den Bauernhöfen und werden meist herzlich eingeladen und wir spannen unsere Hängematten im Hof bzw. Garten und kommen somit hautnah mit der sehr musikalischen Kultur und den neugierigen Menschen in Kontakt. Die zahlreichen Tiere auf den Höfen wecken uns immer recht zeitig, daher finden wir uns aussergewöhnlich früh auf den Rädern wieder. Ein früher Start ist allerdings auch von Vorteil, auch hier verwöhnt uns der Wettergott mit viel Sonne und wir machen lieber eine längere Siesta in der Mittagshitze. Inzwischen hat es sich etabliert, dass wir vor der Mittagssiesta ca. 2/3 (circa. 50-75km) und danach das restliche Drittel, also weitere 25-35km, fahren.

Vom Highway 90 wechseln wir auf den 25er, dieser ist in einem sehr gutem Zustand und wird uns bis ins Nachbarland Ecuador führen. Am Strassenrand werden uns Schildkröten zum Verzehr angeboten, wir verzichten, für uns müssen keine exotischen Tiere ihr Leben lassen. Die zahlreichen Restaurants am Strassenrand bieten leckeres und weniger exotisches dafür sehr leckeres Essen zum kleinem Preis an. Hier in Kolumbien lohnt sich jedenfalls der Restaurantbesuch eher wie ein Einkauf im Supermarkt, beides ist zwar circa gleich teuer, nur eben im Restaurant sind die Leckereien schon zubereitet und wir müssen den Gaskocher nicht auspacken. Auch Kirchen eignen sich übrigens hervorragend als Schlafplätze, im Pfarrgarten einer verlassenen Landkirche schliefen wir jedenfalls wie die Engelchen.

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Es ist sehr heiss, auch wir kühlen uns häufig ab. Das Schlammbad überlassen wir den Tieren.

Gestern haben wir unsere 18.000km voll gemacht und heute feiern wir „1000-Stunden-im-Sattel“, zur Belohnung geht es ins Hotel, für 3.60€ p.P ein erschwinglicher Luxus. Kolumbien hat ein, für uns, sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis, welches an Mexiko erinnert. In Panama haben wir übrigens 40.16€ p.P./Tag gebraucht, relativ viel, aber unser Segeltrip schraubte die Kosten in die Höhe. Die nächsten Tage werden unsere durchschnittlichen Tageskilometer etwas schrumpfen, die Berge warten auf uns und werden uns kräftig ins schwitzen bringen.

Oft werden wir gefragt wie wir auf die Idee für eine solche Reise gekommen sind, hier die Entstehungsgeschichte vom Trio for Rio in Kurzform.

2011 hatte Julian ein Arbeitsvisa für Kanada zugelost bekommen, aus privaten Gründen wurde dieses nicht genutzt und verfiel. Der Traum von Nordamerika blieb bei ihm allerdings bestehen und warum nicht Nord- Südamerika miteinander verbinden? Auto? Zu schnell! Wandern? Zu langsam! Fahrrad? Perfekt! Mit dem Fahrrad hat man genau die richtige Geschwindigkeit um die verschiedenen Kulturen intensiv zu erforschen und um Land und Leute ausgiebig kennenzulernen. 2012, auf dem spanischen Jakobsweg, entstand also die Idee die beiden Kontinente abzuradeln, Nico war von der Idee gleich begeistert und eine längere Testfahrt quer durch Europa bestätigte das Fahrrad als Reisepartner. Im Frühjahr 2013, also circa 2 Jahre vor dem Start wurde mit dem Sparen und den groben Planungen begonnen, Nicos Studienende im April 2015 wurde als Starttermin auserkoren. Die Idee in München zu starten entstand eher spontan, als Zielort Rio und damit die Olympischen Sommerspiele 2016 auszugeben kam uns beiden bei den TV Übertragungen der Olympischen Winterspiel in Sotschi/Russland 2014.

Anfang 2014 wurde letztendlich auch Sandro, als der dritte Mann im Bunde, über unsere bisherigen Pläne informiert und das „TrioforRio“ war geboren. Julian und Nico planten und organisierten fleissig weiter, suchten Sponsoren und informierten sich über die Strecke und die Länder welche durchquert werden sollen. Sandro übernahem dabei die Gastrolle und verhielt sich bis zum Start im April 2015 und auch bei der aktuellen Berichterstattung und Gestaltung der Homepage äusserst passiv, er überlässt die Aufgaben uns beiden.

Wir, Nico und Julian, beschlossen die komplette Reise zu filmen und im Logbuch zu dokumentieren, was aus diesem Material wird steht allerdings noch in den Sternen, konkrete Pläne haben wir beide noch nicht. Das Fotografieren wird vom kompletten Trio übernommen und so entstehen Bilder aus 3 Sichtweisen.

Der Starttermin konnte letztendlich eingehalten werden und wir sind auf voller Fahrt und schwimmen auf einer tollen Welle der Begeisterung.

Sonnenbad.

Sonnenbad.

Wir sind also angekommen in Südamerika, Rio ist zwar noch ein Stück entfernt, aber die Olympische Flamme rückt langsam aber sicher näher. Die nächste Attraktion, die Galapagosinseln, wartet und wir freuen uns auf einen Besuch der Eltern.

Vielen Dank für euer Interesse an unserer Reise und die Unterstützung.

Mit sportlichen Grüssen aus Kolumbien,

Julian, Nico und Sandro

Mehr Bilder gibt es in unserer Galerie zu bestaunen.

Oh, wie schön ist Panama – Costa Rica II

Costa Rica, Panama

Jeder Meter leistet seinen kleinen Beitrag zu unserem ehrgeizigem Gesamtprojekt „Trio for Rio“. Der aktuelle Meter ist genauso wichtig wie der vergangene oder der kommende Meter. Am Ende, in Rio de Janeiro, ist unsere gesamte Reise zusammengesetzt aus vielen kleinen Metern, aus vielen kleinen Streckenabschnitten welche, ähnlich wie ein Mosaiksteinchen ein Bild vollkommen macht, unsere Reise zu einem Gesamtbild verhilft und bunt und einzigartig werden lässt.

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Haus eines Fischer auf der Halbinsel Nicoya.

Die letzten 2 Wochen waren voller positiver Überraschungen, tollen Begegnungen, nervigen Viren und unvorhersehbaren harten Streckenabschnitten. Wir verlassen den bezaubernden Playa del Coco, verabschieden uns von unseren Gastgebern Jim und Sina und finden uns auf dem stürmischem Highway 21 wieder, welcher uns die Nicoya-Halbinsel runterführt. Die Menschen hier in Costa Rica und später in Panama freuen sich jedesmal dermassen unser Dreigespann zusehen, dass es uns schon beinahe ein bisschen zu viel wird. Wie oft wir inzwischen „Hola“, „Hello“, „Hi“, oder „Adios Amigos“ gesagt haben, wie oft wir winken durften, den Arm zum Gruß gehoben haben oder auf einen kleinen Schwatz anhalten mussten, können wir nicht zählen, die Begeisterung ist einfach gigantisch, Kinder stellen neugierig ihre Fragen und wollen Antworten, alles sehr harmonisch und sehr authentisch. Die Autofahrer hupen uns vor lauter Euphorie manchmal beinahe von der Piste, wir bekommen Süssigkeiten, Geld, Wasser und Früchte etc. aus den Autos gereicht, tolle Gesten, einmaliges Zentralamerika. Wer bei uns  in Deutschland den Mädels hinterher pfeift gilt schnell als Prolet, hier im Herzen Zentralamerikas ist die Sachlage etwas anders, hier  wird jedem egal ob Mann oder Frau nachgepfiffen, ein Pfiff erspart auch den Gruss, daher werden wir zigmal am Tag „angepfiffen“. Andere Länder, andere (witzige) Sitten.

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Stürmische See, die Fähre kommt. Kann uns aber leider nicht mitnehmen…

Um von der Nicoya-Halbinsel wieder aufs Festland zu gelangen wollen wir eine kleine Fähre nehmen, es stürmt wie die Hölle und beim Anlegen kracht die Fähre dermassen auf den Pier, dass dieser danach zerstört ist und der Hafen seinen Betrieb einstellen muss. Ja, da stehen wir dumm da, man kann sich einfach auf kein anderes Verkehrsmittel wie das gute, alte und stets treue Fahrrad verlassen. Nach einer 30km Schotterpistenfahrt gelangen wir zu einer anderen Fähre, welche uns am Abend sicher aufs Festland nach Puntarenas bringt.

Der Küstenhighway 34 ist Anfangs noch bergig, später wird er komplett flach und sogar der Wind unterstütz uns und bläst sanft von hinten. Begleitet von grossen Piratenpapageien geht es vorbei an wunderbaren Stränden wie der „Playa Hermosa“ oder der „Playa Dominical“, wo wir unsere Zelte direkt am Pazifik aufschlagen und ein zauberhaftes Strandambiente vorfinden, ein Traum nicht nur für Surfer und Sonnenanbeter. Aber nicht nur die Palmenstrände in Costa Rica begeistern, auch unsere Lager am Rande des Regenwaldes/Dschungels haben ihren Reiz, i.d.R. finden wir immer einen einladenden Fluss oder gastfreundliche Menschen welche uns im Vorgarten übernachten lassen.

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Wir zelten am Playa Hermosa.

Nach gut 300 Tagen auf den Strassen dieser Welt sind wir inzwischen absolute Experten was Zelt- und dazugehörige Badeplätze anbelangt. Aufbauen, schlafen, abbauen und unser komplettes Equipment wieder auf die zuverlässigen TX-1000 Räder der Fahrradmanufaktur verfrachten ist nach einer solangen Zeitspanne absolut Routine und jeder Handgriff sitzt. In der Zwischenzeit passen wir an wilden Badestellen allerdings vermehrt auf, von den zahlreichen Krokodilen welche sich an den Flussufern tummeln wollen wir keinem allzu nah kommen. Es war eine gute Entscheidung, die heimatliche Komfortzone vor gut 10 Monaten zu verlassen, das Leben spielt sich draussen ab und nicht vor dem Fernseher, der Spielekonsole oder dem Computer. Der erste Schritt ist der wichtigste, alles andere kommt von alleine. Schnapp dir ein Fahrrad und zieh los! Wir brauchen so wenig zum leben, reduzier dich und beschränke dich auf das nötigste zumindest für eine Weile, es lohnt sich.

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Nicht nur wir baden gerne in Flüssen. Hier in Costa Rica gibt es unzählige Krokodile.

Ja, was die Krokodile nicht geschafft haben, haben die Moskitos hinbekommen. Irgendwo sind Sandro und Julian zu ihren Opfern geworden und die nächsten Tage waren mit Schüttelfrost, Gliederschmerzen und Fieberträumen die reinste Quälerei. Denque-Fieber und Zika-Virus lassen grüßen, nur einen effektiven Schutz vor den schwirrenden Quälgeistern gibt es leider nicht, wir können uns ja schlecht 24 Stunden verkriechen. Da die Temperaturen auch in der Nacht nicht unter 27°C fallen und die Durchlüftung in den Zelten eher wenig effektiv ist, zogen sich die Tage lange hin, erst nach 4-5 Tagen war der Spuck vorbei und die Tage wurden wieder leichter. Wenn einer eine Reise tut….

Eine grosse Überraschung kommt aus der schwäbischen Heimat, unsere Eltern besuchen uns Anfang April auf den Galapagosinseln, eine feine Sache. wir freuen uns sehr auf die 8 gemeinsamen Tage im Naturparadies Ecuadors mit euch, damit haben wir nicht gerechnet.

Nach 11 Tagen verlassen wir Costa Rica und sind voller Begeisterung für dieses Land, unglaublich schöne, abwechslungsreiche Natur, viel Platz für Aktivitäten und tolle Strände um die Seele baumeln zu lassen. Wären die Preise nicht ganz so hoch, würde Costa Rica mit Sicherheit ganz vorne auf unserer Länderliste stehen. Mit 12.46€ p.P/Tag haben wir die Kosten zwar kleingehalten, haben aber auch sehr einfach gelebt und z.B. nie für Übernachtungen gezahlt und auch Restaurantbesuche wurden komplett eingestellt.

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In Costa Rica gibt es viele Papageien.

Eure Zahlungen an die GEZ könnt ihr übrigens mit gutem Gewissen einstellen!! Wir haben, wie im letztem Bericht erwähnt, einige Anfragen an die ARD und ZDF gesendet um über die beiden Sender, welche immerhin live von den Olympischen Spielen berichten werden, eventuell in die Wettkampfarenen zu gelangen. Von 15 Emails kam nichts zurück, ausser irgendwelchen unpersönlichen Standardabsagen, enttäuschend.

Die Enttäuschung hält allerdings nicht lange an! Eine Email der Deutschen Sport Marketing Agentur findet den Weg in unser Postfach und wir werden offiziell ins Deutsche Haus, in den Barra Blue Beach Club, in Rio de Janeiro während den Olympischen Spielen eingeladen!!!! Wir sind also mittendrin im Treffpunkt der deutschen Athleten und freuen uns auf Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft, Politik und Entertainment im Herzen Rios. Danke an Frau Nadine Lehr und an den DOSB für das weiterleiten unserer Email, wir freuen uns sehr auf unseren gemeinsamen „Treffpunkt Rio“!

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Gegenwind, breite Strassen. Zur Abwechslung ist es hier aber mal flach.

Bis Rio ist es allerdings noch ein weiter Weg, doch beflügelt mit diesem  neuem Highlight, dem Besuch des Deutschen Hauses in Rio, fahren wir, nach genau 17.000km, über die Grenze nach Panama, unserem Land Nr. 16. Wer kennt ihn nicht den Kinderbuchklassiker „Oh, wie schön ist Panama“ von Janosch, wo der kleine Bär, der kleine Tiger und dessen Tigerente auf der Suche nachdem Glück sind? Und jetzt sind wir also in Panama und geniessen das letzte Land auf zentralamerikanischen Boden. Panama wird als das Land des Gegenwindes, zahlreicher Hügel und super ausgebauten Strassen lange in unseren Erinnerungen bleiben.

Die letzten Tage bis Panama City waren sehr zäh und lang, allerdings spürten wir auch noch die Nachwehen unserer Viruserkrankung und waren nicht voller Energie und Konzentration, am Abend fallen wir daher fix und fertig in unsere Zelte.

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Von der Isar, Neckar, Themse bis an den Panama Kanal.

Gestern am Tag 302 unserer Reise haben wir also den Panamakanal überquert, gut 17556Km liegen zwischen der bayrischen Isar bzw. zwischen unserem schwäbischen Neckar und dem weltberühmten Kanal von Panama, wir haben nach 973 Stunden im Sattel eine Verbindung hergestellt, auf dem Fahrrad wohlgemerkt!!! Da uns der Gedanke, den Panamakanal auf dem Fahrrad überquert zu haben so begeistert, überqueren wir ihn gleich nochmals, sicher ist sicher. Jetzt haben wir eine Überquerung an der „Puente de Centenario“ und der „Puente de las Americas“ zu Buche stehen. Den Eintritt für die Schleusen des Kanals sparren wir uns allerdings, mit 15U$ p.P. der absolute Wucher, sollten die Betreiber an ihrem Geld ersticken und Pauschaltouristen abzocken, ein TrioforRio spielt da nicht mit.

Noch bevor wir in Panama City im Hostel, El Machico, einchecken, zischt Julians Schlauch zum neunzehnten Mal!!!! Die Goldmedaille ist ihm bis Rio kaum noch zu entreissen, Nico und Sandro liegen beide bereits 6 Plattfüsse zurück.

Heute geniessen wir einen Ruhetag in Downtown Panama City, das Zentrum ist äusserst modern und steht anderen Weltmetropolen ins nichts nach. Aber auch historisch muss sich Panama City nicht verstecken, die kleinen Viertel sind fein rausgeputzt und sind stolze Zeugen einer vergangenen, prächtigen Zeit mit oder ohne spanischer Kolonialherren.

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Julian, Sandro und Nico in Panama City.

Noch knapp 120 Kilometer werden wir in Panama auf unseren Rädern sitzen bevor wir 5 Tage ins karibische Meer stechen und den Fluch der Karibik neu verfilmen. 5 Tage schippern wir also auf einem kleinem Segelboot von Carti/Panama nach Cartagena/Kolumbien und umgehen somit den „Darien-Gap“, welches für Radfahrer unpassierbar ist und wir durch die karibische See segeln „müssen“, wir haben es auch nicht leicht.

Bis bald auf südamerikanischen Boden, Columbia is calling!

Sonnige Grüße aus Panama City,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.

Nicaragua Teil 2 & Costa Rica

Costa Rica, Nicaragua

Wieder sind 2 Wochen wie im Flug vergangen, wieder haben wir allerhand erlebt, viel gesehen und haben dabei kräftig für unser Ziel geschwitzt, aber auch chillige Pausentage am Pazifik und am Nicaraguasee eingelegt. Manchmal wundern wir uns, wie schnell die Zeit verrennt. Jetzt ist bereits Februar 2016 und wir sind exakt 288 Tage unterwegs, haben dabei 16.488km zurückgelegt und saßen geschlagene 916 Stunden im Sattel. In knapp  6 Monaten steigt also die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, noch gut 10.000km trennen uns von unserem Ziel und dem diesjährigem olympischen Motto „Paixao e Transformacao – Leidenschaft und Transformation“.

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Nico und die Kathedrale von Leon.

Unser letztes Update war in Leon/Nicaragua, dort treffen wir erstaunlich viele Backpacker, Nicaragua lockt mit toller unberührter Natur, vielen Outdooraktivitäten, faszinierenden Menschen, delikatem Essen, Sauberkeit und Sicherheit, dass alles bei einem sehr gutem Preis- Leistungsniveau . Nur die Geldautomaten sind nicht unsere besten Freunde, in Leon versagen reihenweise die Kreditkarten, von wegen „die Welt spricht Visa“, wenn der Automaten einen schlechten Tag hat, spricht er rein gar nix und spuckt die Karte einfach stumm aus. Komischerweise bekommen wir über die Maestro-Karte doch noch Geld, telefonieren mit den Lieben in der Heimat, beantworten Emails und schwingen uns wieder auf unsere treuen Räder und strampeln auf dem Highway 12 gen Süden, der Pazifik wartet. Bevor wir aber die Beine hochlegen und am Strand das süsse Leben geniessen dürfen, warten noch einige schweisstreibende, abenteuerliche Kilometer auf uns. Wir schlafen an tollen Flüssen und lauschen in der Nacht dem rauschten Wassers und schlummern ein mit der beruhigenden Melodie der Natur im Hintergrund, aufwachen tun wir meist von alleine, in der Regel bellt immer irgendwo ein Hund, kräht ein Hahn, grunzt ein Schwein oder es sind die Frauen der nahen Dörfer, welche ihre Wäsche im Fluss waschen.

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In Nicaragua fährt jede Sau mit dem Fahrrad.

Auch in Nicaragua ist das Fahrrad ein sehr beliebtes Fortbewegungs- und Transportmittel, egal wo auf der Welt, überall sehen wir Menschen auf ihren Rädern, ob als Sport- oder Arbeitsgerät eine herzliche Liebe zum gutem, altem Drahtesel brennt anscheinend überall. 30 Kilometer geht es über holpriges Kopfsteinpflaster und staubige Schottenpisten an den Pazifik, wir werden bei 40 Grad ordentlich geschüttelt und eingestaubt, am Ende sehen wir aus wie die Wilden ehe wir in Pochomil den Pazifik erreichen.

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Julian und Sandro versorgen einen verletzten Affen.

Die Strände sind endlos und einsam, wir stärken uns mit, für ganz Zentralamerika typischen Reis- und Bohnengerichten und  bekommen einen „Geheimtip“ und machen uns daher auf um zur ca. 100 Kilometer entfernten „Playa Gigante“ zu gelangen. Anfangs ist die Schotterpiste noch gut befahrbar, es kommen uns vereinzelt Autos und Fahrräder entgegen und wir kommen einigermassen gut voran. Als der Weg immer schmaler wird, wir die Räder über Stacheldrahtzäune hieven müssen und wir vor lauter Gestrüpp und Bäumen keinen Weg mehr sehen, uns die Beine an Dornen aufritzen, das Trinkwasser knapp wird und uns sogar die Affen in den Bäumen höhnisch auslachen, machen wir uns Gedanken was wir hier gerade eigentlich veranstalten. Wir finden ein verletztes Affenbaby, versorgen es mit Keksen, Wasser und einem Schattenplatz und irgendwann finden wir auch wieder einen breiteren Weg. Fahrradfahren ist auch hier allerdings nur mit Einschränkungen möglich, Matschfelder, Flussbeete, dicke Felsen, sandiger Untergrund, ausgewaschene Abschnitte, Gegenwind und enorme Hitze machen diesen Weg zum abenteuerlichsten der kompletten Reise. Als wir aus dem Dschungel kommen schauen uns die Einheimischen argwöhnische an, viele Touristen scheinen hier noch nicht rausgekommen zu sein, wir haben es geschafft und kommen dementsprechend durstig und fix & fertig an der „Playa Giganten“ an.

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3 Tage abhängen am Playa Gigante.

Dort ist das Glück aber gleich wieder auf unserer Seite, wir treffen John, einen Amerikaner, welcher hier ein Hostel und ein Restaurant betreibt, er ist selbst begeistertere Radler und wir dürfen kostenlos die nächsten 3 Tage in seinem Haus wohnen. Uns wurde nicht zu viel versprochen, der Strand ist ein Traum, dass Meer einladend und der kleine Ort liegt malerisch in der Bucht. Es gibt genügend Rückzugsmöglichkeiten und auch die eine oder andere Bar um sich mit anderen Reisenden auszutauschen, ein perfekter Ort um die Seele baumeln zulassen. Am nächsten Tag werden wir auf eine Segeltour eingeladen, springen von Felsen, tauschen in Höhlen, geniessen einen einmaligen Sonnenuntergang auf See und schlürfen den ein oder andern Cocktail an Board.  Apropos segeln, inzwischen haben wir unser Segelboot gebucht welches uns Ende Februar von Panama nach Kolumbien bringen wird, 5 Tage in der karibischen See warten auf uns. Die sogenannte „Darien-Gap“ muss umschifft werden, da es keine durchgehenden Strasse zwischen Panama nach Kolumbien gibt. Da wir eh in Buchungsstimmung waren, haben wir es uns nicht nehmen lassen einen Flug auf die Galapagos Inseln, für 8 Tage im April, als Highlight mit in unsere Reise einzubauen. Ja, uns ging es nicht schlecht in der Traumbucht der Playa Gigante, 2 Tage später werden die treuen Räder gesattelt und es geht zum nahem Nicaraguasee.

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3 Tage Radfahren, Vulkan Maderas besteigen, Kajakfahren und Ausruhen auf der Insel Ometepe.

Eine kleine Fähre bringt uns auf die Vulkaninsel Isla de Ometepe mitten im gigantischem Nicaraguasee, dieser ist 16x grösser als der heimische Bodensee und hat viel Naturspektakel zu bieten, die Flora und Fauna ist, wie in ganz Zentralamerika überwältigend. Wir fahren einmal mit den Rädern um die Insel, machen eine Kajaktour, besuchen die Mineralquelle „Ojo de Aqua“ und besteigen den Vulkan „Maderas“ mit immerhin 1345m. In dessen Krater befindet sich eine traumhafte Lagune, aus Sicherheitsgründen verzichten wir aber auf ein Bad und steigen brav wieder ab um am Abend, nach 19km wandern, am

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Wir zelten am Nicaraguasee mit Blick auf den Vulkan Concepcion..

Seeufer zu zelten und die Beine hoch zu legen. Mit einen gigantischen Blick auf den „Volcan Concepcion“ (1610m), welcher gemütlich vor sich hin raucht und dem See direkt vor uns, geniessen wir den Abend und einen weiteren malerischen Sonnenuntergang, mehr Postkartenaussicht geht einfach nicht. Am nächsten morgen bringt uns „Che Guevara“, so heisst die Fähre, zurück aufs Festland.

Wir verlassen Nicaragua, mit 16.70€ p.P./Tag ein günstiges Land, und reisen in Costa Rica ein, unserem Land Nr. 15. Die Einreise ist rasch und schon nach wenigen Minuten haben wir den nötigen Stempel im Pass. Wir freuen uns immer über „richtige“ Stempel, sieht toll aus und ist nicht nur eine elektronische, unpersönliche Registrierung. Costa Rica hat gesalzene Preise, Hola die Waldfee! Alleine für Spaghetti mit Tomatensosse wird man im Supermarkt arm, kein europäisches Land und auch nicht Kanada und die USA hatten so enorme Preise wie Costa Rica. In Kanada lernten wir bereits im Juli 2015 Jim uns Sina kennen und diese Begegnung war ein Volltreffer. Die beiden sind nicht nur äusserst sympathisch sondern haben auch eine Ferienhaus an der „Playa del Coco“, um den kanadischen Winter zu entkommen sind die beiden gerade zufällig in Costa Rica und laden uns, via Facebook, für 4 Nächte in ihr Haus ein. Wir kämpfen uns den Highway 1 und einige Nebenstrassen entlang, der unberechenbare Seitenwind schiebt uns einige Male in den Graben bevor wir in Playa der Coco ankommen.

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3 Tage Pause am Playa del Coco in Costa Rica.

Jim und Sina stellen uns eine traumhafte Unterkunft, kein Wunder das Madonna und der Bacardi-Besitzer in den Hügeln ihre Villen haben, Bacardi-Feeling live und wir, mal wieder per Zufall, mittendrin. Da wir unseren normalen Fahrradtakt im Blut haben und i.d.R. mit der Dämmerung ins Bett gehen und recht bald aufstehen, schaffen wir es auch hier nicht länger wie 21h die Augen offen zuhalten und nutzen die weichen Matratzen und den Komfort eines Hauses aus.

Die Trockenheit gepaart mit Hitze und Wind lässt die Hügel um Playa del Coco immer wieder brennen, aber die Menschen bleiben ruhig, brennende Hügel scheinen normal in dieser Gegend zu sein. Der Zika-Virus beschäftigt die Menschen hier in Zentralamerika wesentlich mehr, der über Moskitos übertragene Virus führt zu Lähmungen und starkem Fieber. Inzwischen haben wir einige Menschen getroffen, welche 2-3 Wochen ans Bett gefesselt waren bzw. ihre Reise abbrechen mussten. Naja, uns geht es gut und mehr als aufpassen können wir eh nicht. Wir nutzen die Pause und bringen unser Equipment auf Vordermann, die Rucksäcke und vor allem die Schlafsäcke brauchten dringend mal wieder eine Wäsche, auch Postkarten konnten wir in Ruhe schreiben und in alle möglichen Ecken dieser Welt schicken.

Gestern „mussten“ wir noch das Super Bowl Finale anschauen, warum sich die Amerikaner und Kanadier ein so langweilige Sportart wie Football anschauen, bleibt uns allerdings ein grosses Rätsel.

Wir haben weiterhin probiert an Tickets für Olympia zu kommen, inzwischen haben wir mal die Damen und Herren von ARD, ZDF und diverse andere Landesrundfunkanstalten angeschrieben, mal schauen ob wir eine positive Rückmeldung bekommen und nicht nur an kommerzielle Anbieter weiterverwiesen werden.

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Holztransport in Zentralamerika.

Morgen gehts weiter, unser nächstes Ziel ist Panama, wo uns, wie erwähnt, ein kleines Segelboot am 26.2.2016 gemütlich über die San Blas Inseln, welche im karibischen Meer an der Küste Panamas liegen, nach Kolumbien schippern wird. Unser Trio ist weiter vereint und dies wird hoffentlich ohne größere Zwischenfälle auch so bleiben.

Euch noch einen schönen (Rest-) Karneval in der Heimat und eine milden Frühling.

Mit sonnigen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder gibt es in unserer Galerie.

Die letzte „Fiesta Mexicana“ – karibisches Belize und ein illegaler Aufenthalt

Belize, Guatemala, Mexiko

So, die Feiertage sind überstanden und das komplette Trio ist gut ins Jahr 2016 gerutscht. Nico und Sandro verbrachten den Jahreswechsel im äusserst touristischem und feierwütigem Playa del Carmen, bei Julian im beschaulicherem Tulum ging es vermutlich besonnener ins neue Jahr. In Tulum bekamen wir auch unsere dringend benötigten Ersatzteile, unser Vorrat an Mänteln, Schläuchen und Flickzeug dürfte jedenfalls bis Brasilien reichen, danke Sabrina fürs organisieren und sorry für 15kg Übergepäck. Der Hausstrand von Tulum zählt übrigens, laut National Geographic, zu den Top 25 Stränden der Welt, eignet sich daher hervorragend zum entspannen und baden. Nach 3 Tagen faulenzen am weissem Sandstrand und angenehmen Wassertemperaturen bei karibischen Flair hiess es allerdings Abschied nehmen, die Urlaubstage sind endgültig vorbei, jetzt wird wieder gestrampelt.

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On the road again. Wir treffen zwei Kanadier die mit dem Moped bis Panama unterwegs sind.

Die ersten Tage auf dem Rad sind, dank flacher Landschaft, sehr angenehm und perfekt wieder den gewohnten Takt zu finden. In Bacalar feiern wir die letzte „Fiesta Mexicana“, nach 71 Tagen in Mexico sind wir bereit für neue Länder und auf der Suche nach neuen Wegen ins Herz von Zentralamerika. Da wir in Mexiko den zahlreichen Schlemmerständen am Strassenrand und den billigen Unterkünften selten widerstehen konnten, sind unsere durchschnittlichen Tagesausgaben mit 21.15€ p.P. etwas höher wie in den vorigen Ländern, aber einen gewissen Luxus konnten und wollten wir uns nicht verkneifen, Ersatzteile und der Flug nach Havanna/Kuba sind dort allerdings auch mit eingerechnet.

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Belize. Ab jetzt wird Englisch gesprochen.

Am Grenzübergang zu Belize werden unsere, gerade gekauften, Bananen beanstandet und dürfen nicht eingeführt werden, so stehen 3 deutsche Radler in der Zollstation und mampfen kiloweise Bananen, die Grenzbeamten finden es nur teilweise witzig, lachen aber letztendlich über die 3 Affen auf ihren Bikes.

Belize überrascht uns mit gesalzenen Preisen, nicht nur die Unterkünfte, sondern auch die Lebensmittel sind extrem teuer. Für uns heisst es daher „back to the basics“, Zelt und Gaskocher sind schnell ausgepackt und Nudeln mit Tomatensauce sind auch hier erschwinglich. Mit 11.50€ p.P. sind unser Ausgaben in Belize am Ende wieder auf einem normalem Level angelangt. Nicht nur die gepflegten Vorgärten und die englische Hauptsprache erinnert an die Kolonialzeit unter britischer Krone, nein, auch die Queen lacht weiterhin freundlich von den Dollarscheinen und auch die Landbevölkerung ist „very britisch“ und überaus gastfreundlich.

Am zweiten Tag schlagen wir unsere Zelte im Yachthafen von Belize City auf, jetzt geht alles Schlag auf Schlag. Spontan werden wir von Robert und seiner Bootscrew

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Robert (orange) und seine Crew.

eingeladen, einen Tagestrip auf die „Rendezvous“-Insel mitzumachen. Am nächsten Tag geht es also raus auf die Miniinsel, welche im zweit grösstem Riff der Welt liegt, nur das Great-Barrier-Riff in Australien ist größer. Wir schnorcheln, haben ein dickes BBQ und jede Menge Spass und müssen dafür keinen Cent berappen. Die traumhafte Insel misst gerade mal circa 120m x 30m, ist aber auch beliebtes Ausflugsziel bei zahlreichen Kreuzfahrtanbietern, so kommt am Nachmittag die AIDA-Crew mit circa 120 deutschen Touristen vorbei. Wir müssen unsere Trio-for-Rio Geschichte gefühlte tausendmal erzählen und haben danach viele neue Pauschaltouristenfreunde gewonnen und einen perfekten karibischen Tag erleben dürfen.

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Schnorchelausflug! Einen Tag relaxen.

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Belize-Outback. Wir fühlen uns wie im Herzen Australiens.

Der Coastal-Highway ist eine 60km lange Schottenpiste und wir fühlen uns wie im australischen Outback, rote Erde, saftige grüne Natur und blauer Himmel, ein toller Kontrast. Wir und unsere Räder werden kräftig geschüttelt, Härtetest für Mensch und Equipment. Wir kommen an zahlreichen Flüssen vorbei, bei extrem schwülen Temperaturen macht jeder Sprung ins kalte Nass doppelt Spass und auch unsere Zeltplätze sind nah am Wasser gewählt, atemberaubende Glühwürmchenpartys inklusive. Vorbei an riesigen Bananenplantagen fahren wir auf die Halbinsel Placencia Lagoon und dort kommen wir aus dem staunen kaum raus. Traumhafte Strände, Zeltplätze

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Zelten im Yachthafen von Old Belize.

direkt am Meer, karibische Leichtigkeit und tolle Menschen überall, Belize ist top. Nur die zahlreichen Sandflöhe und das oft wechselnde Wetter in der Karibik kratzen etwas am Paradies. Aber wäre alles perfekt nicht auch langweilig? Gibts das überhaupt? Ob die Halbinsel ihren Charme behalten kann ist ohnehin fraglich, zahlreiche Bauprojekte sind gerade dabei, das Tropenparadies zu asphaltieren und damit wird der Reiz und die Schönheit, der kleinen Lagunenoase, nachhaltig zerstört.

Dank der vielen Kiefern, der endlos langen Strasse und den Bergen im Hintergrund fühlen wir uns an unserm letzten Tag in Belize etwas an Alaska bzw. Kanada erinnert. Da wir nicht über den Wasserweg ausreisen wollen, entscheiden wir uns für den eher komplizierteren Landweg. Zwar kann uns keiner sagen, ob der kleine Grenzübergang zwischen Belize und Guatemala besetzt ist oder nicht, trotzdem wollen wir es versuchen. Anfangs ist die Strasse in einem einwandfreien Zustand, erst kurz vor der Grenze wird die Strasse enger, hügeliger und endet schliesslich in einem Trampelpfad. Einige Soldaten schauen uns etwas verdutzt an, halten uns jedoch nicht auf, so tragen und schieben wir unserer Räder über Matschfelder und schmale Wege bis wir schliesslich

Grenzübergang Belize-Guatemala

Grenzübergang zwischen Belize und Guatemala.

vor einem kleinem Stacheldrahtzaun stehen. Auch der Zaun ist letztlich schnell überwunden, herzlich willkommen in Guatemala. Unser Problem ist nur wir haben kein Ausreisestempel aus Belize und keinen Einreisestempel für Guatemala, illegale Einwanderer in einem zentralamerikanischen Land, mit diesem Status hätte vor dieser Reise auch keiner von uns gerechnet. Am nächsten Tag knacken wir in Guatemala, auf dem Highway CA13, die 15.000km und suchen artig ein Polizeirevier auf um unseren Status abzuändern. Aber auch hier kann uns keiner einen Stempel in den Pass drücken oder weiterhelfen, wir müssen also auf einen gnädigen Beamten bei der Ausreise nach El Salvador hoffen. Als am Abend auch noch die Geldautomaten streiken, fühlen wir uns wirklich wie illegale, mittellose Flüchtlinge in einem fremden Land.

Ansonsten ist auch in Guatemala der Himmel da wo er sein sollte. Schwerkraft gibt es auch. Wasser ist nass. Hunde jagen uns nach. Menschen atmen. Menschen lieben. Menschen essen und trinken. Menschen schlafen. Menschen glauben. Menschen zeigen Gefühle. Menschen arbeiten. Menschen spielen und Menschen müssen aufs Klo oder hintern Busch. Die elementaren Dinge scheinen weltweit gleich zu sein. Stubenfliegen wurden übrigens auch schon gesichtet, gibts die wirklich weltweit?

Bedanken wollen wir uns noch bei unserem Sponsor Goalzero, zu Weihnachten gab es neue Musikboxen samt Zubehör, dank Euch geht es jetzt wieder mit Musik auf den Ohren Richtung Rio de Janeiro. Olympia wir kommen.

Es bleibt sportlich und  spannend.

Viele Grüße die 3 illegalen aus Guatemala,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.

Kuba – im Oldtimer zurück in die Zukunft mit Rum und Zigarre

Kuba

Wir melden uns nun offiziell zurück, der kubanische Weihnachtsurlaub war ein Zeitreise in die 50-60ziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und eine Entspannungsoase für Körper und Geist.

Cubana Air bringt uns also, gut 2 Wochen vor Weihnachten, in einer alten russischen Tupolev Maschine und nach circa 50 Flugminuten sicher von Mexiko in die kubanische Hauptstadt Havanna. Sandro zieht auf eigene Faust los und erkundet Kuba für sich, erst beim Rückflug ist das Trio wieder zusammen. Nico und Julian berichten also exklusiv.

Die ersten Erkundungsspaziergänge lassen uns staunen, nicht nur die zahlreichen alten Strassenkreuzer faszinieren, es ist der gesamte kubanisch Lifestyle welcher in

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Erster Eindruck von Havanna.

der ganzen Stadt bzw. auf der gesamten Insel vibriert. Kuba ist bunt, Frauen sitzen in ihren Schaukelstühlen vor ihren Häusern, Männer spielen stundenlang Domino und rauchen dabei Zigarren und kippen billigen weißen Rum, Kutscher transportieren ihre Waren oder Gäste von A nach B, Kinder lassen Drachensteigen und rennen um die Wette, Fahrradtaxis streiten um Kunden, Oldtimer blassen dicke Abgaswolken aus, Bauern treiben ihre Ochsengespanne über die Äcker und verkaufen ihre Ernte am Strassenrand. Kuba ist jedenfalls weit mehr wie nur Palmen, Zuckerrohr, Revolution und packende Rhythmen, Kuba gleicht einem tropischem Garten Eden und will entdeckt werden. Apropos entdecken: Christoph Kolumbus entdeckte Kuba am 27.10.1492 erstmals, irrtümlich hielt es es für Japan soll aber gleich dem einzigartigem Charme der Insel erlegen sein.

Das kommunistische Land ist voller Geheimnisse und Widersprüche, die Lebensfreude und Spontanität der Inselbewohner sucht seinesgleichen. Privates Unternehmertun war bis vor ein paar Jahren untersagt, diese Beschränkungen werden allerdings weiter gelockert. Kubaner dürfen jetzt z.B. Zimmer an Ausländer vermieten, diese „Casa Particulars“ sind recht günstig und sind im ganzem Land ausreichend verbreitet. Die kubanische Küche ist hingegen eher wenig kreativ, Reis mit Bohnen bekommt man überall, ausgefallene Gerichte kommen eher aus anderen Breitengraden dieser Erde. Geschäfte sind oft sehr spärlich ausgestattet und es bilden sich oft längere Warteschlangen um die gewünschten Produkte zu bekommen sollte man jedenfalls Zeit mitbringen und Spontanität, da es von manchen Dingen

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In Kuba herrscht Gelassenheit.

einfach eher wenig gibt. Kubaner stellen sich gerne an, auch vor Ticketschaltern und Banken bilden sich oft grösser Schlangen, die Geldautomaten sind dagegen oft frei zugänglich, nur mit ausreichend Geld sind diese eher selten gefüllt bzw. die Bankkarte wird direkt wieder „ausgespuckt“. Allerdings ist auf Kuba noch der Kunde König, egal ob im Schuhgeschäft oder im Supermarkt meistens sind alle Waren hinter einem Tresen und man wird direkt bedient, Tante-Emma-Laden lässt grüßen, Selbstbedienung gab es im Sozialismus anscheinend eher selten. Da Kuba nach kein flächendeckendes Internet hat, kommunizieren die Menschen noch direkt miteinander und sitzen nicht stundenlang vor ihren Smartphones, in der Münchner U-Bahn kaum vorstellbar. Auch die immer gleichen Werbebanner sucht man hier vergeblich, es gibt einfach keinen „McDonalds“, „Starbucks“ oder „Aldi“ etc. welcher auf sich aufmerksam machen muss, Leuchtreklame gibt es schlicht nicht, sehr angenehm.

Die kleineren Städte wie Trinidad, Santi Spiritus, Camagüey, Las Tunas, Holguin, Santiago de Cuba und Baracoa kommen uns vor wie riesige Freilichtmuseen und es

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Metzgerei in Trinidad.

fällt schwer, die ganzen Eindrücke und Begegnungen in Worte zufassen. Kuba muss erlebt werden und zwar möglichst bald, die Regierung will sich weiter öffnen und viele Kubaner befürchten baldige, nicht nur positive, Veränderungen. Gerade der nahe Amerikaner, Miami ist nur 145km entfernt, wird eher skeptisch gesehen.

Kubaner sind überaus patriotisch und sehr stolz auf die Unabhängigkeit welche ihnen die Revolution beschert hat. Che Guevara ist dabei einer der wichtigsten Revolutionshelden und wird als Idol gefeiert. Fidel Castro hatte nach der Revolution, ab 1956, alle Freiheiten seine sozialistischen Ideen voranzutreiben, sein Bruder Raul ist inzwischen Staatsoberhaupt.

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Fidel Castro, Che Guevara und Camilo Cienfuegos.

Kubaner sind sehr geschäftstüchtig und es wird versucht, gerade in den Städten, mit allem Geld zu machen. Mit 32.88€ p.P. haben wir unsere Durchschnittsausgaben locker verdoppelt, aber das Kuba nicht billiges Reiseland gilt war uns bewusst. Gerde die Überlandbusse und die täglichen Übernachtungen trieben die Kosten etwas in die, dennoch überschaubare, Höhe. Manchmal hatte man das Gefühl eine „Melkkuh“ zu sein und es war für uns daher oft besser aufs Land zu flüchten. Bei einer Zugfahrt lernten wir z.B. Ariel kennen, einen einfachen Bauern, welcher mit seiner Familie und seinen paar Tieren mitten auf dem Land lebte. Spontan wurden für für 2 Tage eingeladen und ebenso spontan sagten wir zu. Die Kinderbuchreihe „Petterson und

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Wir verbringen 2 Tage bei Ariel, der ein sehr buntes, aber doch auch sehr hartes Leben führt.

Findus“ entspricht Ariels Leben, wir badeten im Fluss, jagten Hühner, schossen mit der Steinschleuder auf Dosen und hatten jede Menge Spass auf einem Jahrmarkt. Immer war was los, ein Theaterstück kann nicht schöner und vielfältiger geschrieben und gleichzeitig umgesetzt werden.  Auch Julio aus Baracoa wird uns lange in Erinnerung bleiben, sein ganzes Haus, sein ganzes Inventar, einfach alles war in gelb und blau gestrichen, Kuba hat einen ganz besonderen Schlag Mensch hervorgebracht. Ein allgemeines „Kuba-Gesicht“ gibt es nicht, man könnte meinen die ganze Welt hätte sich hier farbenfroh und mit all ihrer wunderbaren Vielfalt vereint.

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Julian, Julio und Nico.

Im Vordergrund stand natürlich auch die Erholung an den traumhaften Stränden von Trinidad, Santa Lucia und Maguana faulenzten wir einige Tage, genossen das kristallklare Wasser und lernten interessante Backpacker kennen. Wie oft wir unsere Trio-for-Rio Geschichte erzählt haben, wissen wir nicht mehr, allerdings dürften wir den ein oder anderen Reisenden inspiriert haben auch mal aufs Fahrrad zu springen. Mit Florian und Anke aus Stuttgart hatten wir einen tollen Abend in Camagüey, wo wir

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Hängematte und Strand am 24.ten Dezember.

im „Casa Austria“ zum Wiener Walzer Gulasch und Schnitzel serviert bekamen, Kuba bietet viele Überraschungen. Heilig Abend und die Weihnachtsfeiertage verbrachten wir bei karibischen Temperaturen unter Palmen mit Backpackern am Strand von Maguana, der Vollmond gab dem ganzen den letzten unvergesslichen Touch. Untergebracht waren wir in einer kleinen Hütte direkt am Strand, der Hüttenbesitzer, Carlos, zauberte ein Seafood-Weihnachtsfestessen vom allerfeinsten, schöner und uriger hätte Weihnachten nicht sein und unser Urlaub im Tropenparadies nicht enden können. Nach über 20 Stunden Busfahrt fanden wir uns wieder in Havanna ein, wo uns der russische Flieger erwartete und uns zurück nach Mexiko flog. Danke Kuba! Zeitreise vorbei, willkommen im Jetzt!

Die Räder haben brav und sicher auf uns gewartet und sind bereit für die zweite Halbzeit unserer Reise. Wir sind entspannt, ausgeruht und voller Vorfreude auf die nächsten Etappen und auch die  Bikes sind nach kleineren Wartungsarbeiten, wie Bremsbeläge wechseln, Speichen nachziehen, Kette spannen, ölen und putzen,„ready to hit the road again!“

Den ersten Tag nach unserer Pause verbrachten wir auf dem Highway 301 und fuhren bis nach Playa del Carmen, wo Sandro und Nico Sylvester verbringen werden. Julian fährt 60km weiter ins benachbarte Tulum, dort wird mit Freunden aus München ins neue Jahr gefeiert, auf diesem Weg bekommen wir auch dringend benötigte Ersatzteile geliefert, damit unsere Expedition weiterhin vorangeht.

8 Monate sind wir jetzt genau unterwegs, Wahnsinn was wir in dieser Zeit alles erleben durften. Wir danken Euch für die tolle Unterstützung und wünschen ein gutes, gesundes, abenteuerliches, spannendes und olympisches neues Jahr 2016.

Auf geht’s, pack mer’s! Anpfiff zur 2ten Halbzeit! Rio wir kommen!

Sportliche Grüße,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.

Mexico No. 2 – Vulkane, Sandstürme und waghalsige Männer

Mexiko
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Agave, die Pflanze aus welcher Tequila hergestellt wird.

In den letzten 16 Tagen war ganz schön was los bei uns, aber der Reihe nach. Nach unserem letzten Update in Tepic schnauften wir weiter die Berge rauf Richtung Guadalajara, immerhin legte sich mit der gewonnenen Höhe die Schwüle und speziell die Nächte wurden wieder erträglicher. Auf unserem Weg in die zweitgrösste Stadt Mexicos, Guadalajara (circa 1,5 Mio. Einwohner), passierten wir das berühmte Örtchen Tequila. In Tequila gehört es natürlich zum Pflichtprogramm die gleichnamige Spirituose in deren Heimat zu verkosten, am selben Abend wurden die Dorfstrassen zu kleinen Flüssen, es schüttet überraschend wie aus Eimern.

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In Tequila verwandelt sich die Straße in einen Fluss.

Kurz vor Guadalajara werden wir nochmals auf Bergtauglichkeit geprüft, die zahlreichen Hügel nehmen einfach kein Ende. Daniel, ein Freund von Nico aus dem

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Dani aus der schwäbischen Heimat beherbergt uns in Guadalajara.

schwäbischen, am Neckar gelegenen, Obernau wohnt im bunten, belebten und feierwütigen Guadalajara und nimmt uns für 4 Tage in seiner Studenten-WG auf. Genug Zeit um Nicos 27ten Geburtstag ausgiebig im Nachtleben zu feiern und um die kulinarischen Spezialitäten und die zahlreichen kulturellen Sehenswürdigkeiten dieser Stadt ausgiebig zu erkunden.

Der Highway 80 bringt uns aus der City raus, die Schlaglöcher und die Dichte an verrückten Autofahrern, insbesondere Busfahrern, war in Guadalajara besonders hoch, an einer Kreuzung kurz vor den Stadttoren machen wir an Tag 191 unsere 11.000km voll. Der Hwy. 54D treibt uns immer weiter zur Küste, wir geraten in einen Sandsturm und sehen danach aus wie die Sandmänner persönlich. Der nächste Tag hält mit dem aktiven Vulkan „de Fuego“ die nächste Überraschung für uns parat und wir bestaunen bei wolkenlosen Himmel das Naturspektakel.

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Vulkan „de Fuego“ (3850m) begrüßt uns mit viel Asche und Rauch!

Nach wenigen Tagen erreichen wir mit der Kleinstadt Tecoman und dem Highway 200 das Ufer des Pazifiks. Die Schwüle ist zurück, jede Dampfgrotte wäre dankbar über soviel Luftfeuchtigkeit, unser Flüssigkeitsbedarf dürfte so bei 8-10 Litern am Tag p.P liegen. Der Highway 200 ist sehr eng und so schiessen die LKWs und Autos eng an uns vorbei, zusätzlich steigt die Uferstrasse auf und ab, an manchen Tagen haben wir zu unseren, durchschnittlichen, 90 Tageskilometern nochmals 1700 Höhenmeter.

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Romantisch? Brennender Müll am Straßenrand.

Erschrocken sind wir über den vielen Müll, welcher am Strassenrand entsorgt und verbrannt wird. Gut, wir produzieren, wie jeder Andere auch, täglich Müll und wo unser Abfall letztendlich landet nachdem wir ihn in einer Mülltonne entsorgt haben, wissen wir auch nicht. Vermutlich lässt uns der Kontrast zwischen der einmaligen, tropischen Natur, dem herrlichem, einladendem Meer und den stinkenden, riesigen Müllbergen über unser eigenen Umgang mit Abfall in unserer Konsumgesellschaft nachdenken.

Das Kontrastprogramm bekommen wir schon am nächsten Tag geboten, der kleine Ort Colola ist Schauplatz der grössten Schildkrötenpopulation der Welt. Zufällig sind wir zur rechten Zeit am rechten Ort und so begeben wir uns in der Nacht mit angehenden Meeresbiologen an den Strand. Es sind hunderte Schildkröten, die

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„Negra“ Schildkröten bringen ihre Eier an den Strand.

vermessen, gewogen und markiert werden, wir sammeln Eier ein, zum Schutz vor Raubtieren etc., und dürfen die frisch geschlüpften Babys begutachten. Hier spiegelt sich die Magie der Natur und einer solchen Reise eindrucksvoll wieder.

Je näher wir nach Acapulco kommen umso präsenter ist die Polizei und das Militär, die Jungs treten in Hundertschaften auf und sind bis an die Zähne bewaffnet. In uns weckt das zweierlei Gefühle, einerseits fühlen wir uns recht sicher, andererseits machen die Truppen das auch nicht zum Spass. Letztendlich sind die Männer aber auch nur Menschen und  naturgemäss sehr neugierig, wie übrigens alle Mexikaner, so werden wir regelmässig ausgefragt und bekommen bewundernde Blicke und bei den Kontrollen werden wir mit einem gönnerhaften Kopfnicken durch gewunken. Inzwischen sind wir mehrere tausend Kilometer verbotenerweise auf der Autobahn gefahren, bislang hat das aber noch keinen Ordnungshüter gross interessiert. Die Autobahnen sind wesentlich besser ausgebaut und verfügen über einen breiten Seitenstreifen und werden daher von uns bevorzugt.

Gerade die ärmeren Menschen scheinen das größte Herz zu haben, wieder wurden wir zu kostenlosen Übernachtungen eingeladen, zum Eis oder auf eine kühles Getränk. Uns ist klar, dass diese Reise ein Privileg ist, von dem die meisten Menschen hier nur träumen können. Dafür sind wir sehr dankbar, manchmal müssen wir allerdings selbst aufpassen dieses Privileg auch zu schätzen und nicht als selbstverständlich hinzunehmen.

Unsere Hängematten, wohl der größte Luxus in unserm Equipment, versüssen uns

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Übernachtung in den Hängematten am Strand.

jetzt immer öfter die Mittagspause, ein geeigneter Platz am Meer und die benötigten Palmen sind i.d.R. recht schnell gefunden, auch schon über Nacht haben wir darin königlich geschlummert.

Heute am Tag 200 unserer Reise sind wir in Acapulco angekommen. 200 Tage, 200 Nächte, 200 Abenteuer, 200 mal pures Leben, Wahnsinn! Manchmal fühlt sich das alles unecht an, vielleicht wird es irgendwann, mit etwas Abstand greifbarer. In den letzten 200 Tagen haben wir also 11896 Kilometer auf unseren Bikes zurückgelegt, das entspricht 3,5 x die komplette Tour de France 2015 (Quelle Wikipedia / 3360KM gesamt), gut die Jungs fahren das in 21 Tagen, dafür ohne Gepäck und mit erstklassigem Serviceteam, welches sich um die Malzeiten, die Fahrräder und die Massagen kümmert. Neidisch sind wir allerdings nicht, den geniessen können wir unsere „Tour de Rio“ mit Sicherheit mehr.

11896 Kilometer in 200 Tagen entspricht einem Durchschnitt von 59.48 Kilometern am Tag, inklusive Ruhetage. Nach Abzug unserer 54 Ruhetage fahren wir im Schnitt 82.61 Kilometer an einem Radeltag, das ist mehr als im Vorfeld der Reise hochgerechnet.

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Markt in Acapulco. Die VW-Käfer dienen als Taxen.

Die weltberühmten Klippenspringer von Acapulco sind eine einmalige Show, es gehört unheimlich viel Mut zu diesem Sport, Hut ab. In Acapulco selber stechen die zahlreichen VW-Käfer heraus, wir fühlen uns wie Zeitversetzt in die 60ziger. Auch das bunte Treiben auf den engen Märkten ist beeindruckend, die Gerüche und Geräusche muss man allerdings selber erlebt haben. Das liebevoll-chaotische ist uns inzwischen sehr ans Herz gewachsen und lässt sich eben kaum in Worte fassen, irgendwie geht immer und  auf unsere „heiligen“ Standards aus der Heimat kann man auch schonmal verzichten. Reduzieren auf das Wesentliche ist angesagt und dies fällt uns leicht, nicht nur hier in Mexiko sondern schon von Beginn der Reise an.

Die nächsten Tage bringt uns der Highway 200 weiter in den Süden, kurz vor Guatemala fahren wir scharf links und hoffen das uns circa 2000 Kilometer östlich in Cancun (noch immer Mexiko) eine Fähre nach Kuba mitnimmt.

Vielen Dank Euch für Eure Unterstützung die Vielen „Likes“ bei Facebook und das eifrige Teilen unserer Berichte.

Mit freundlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

VIVA MEXICO – Sonne, Tacos, Kakteen und Montezumas-Rache

Mexiko

Nach 166 Tagen haben wir mit Mexiko Land Nr. 8 auf unserer Reise betreten. Den Grenzübergang in Tijuana überquerten wir problemlos und schon nach wenigen Metern finden wir uns in einem der zahlreichen Tacos Restaurant wieder, wo wir eine erste Vorstellung dieser tollen, würzigen-scharfen Küche bekommen. Mexico bzw.

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Gil lädt uns zu sich nach Hause ein.

Tijuana empfängt uns sehr hügelig, dafür ist die Begeisterung der Mexikaner, welchen wir begegnen sehr groß und schon in der ersten Nacht werden werden wir von Gil in sein Haus am Strand eingeladen. Einen besseren Start hätten wir in Mexiko, bzw. auf der Baja California, welche übrigens eine Halbinsel ist und von der Länge mit circa 1400km locker mit Italien mithalten kann, nicht haben können.

Der Highway Mex. 1 bringt uns Stück für Stück die „Baja“ runter, die Sonne steht hoch am Himmel, die Fliegen und Schnaken jagen uns, Schatten und Wind machen sich rar, daher muss der Körper auf Hochtouren arbeiten. In Punta Colonel dürfen wir im Hinterhof der Polizeiwache unser Zelt aufschlagen, allgemein sind die Mexikaner sehr hilfsbereit. Gewalt? Abzocke? Absolute Fehlanzeige.

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Campen im Hinterhof einer Polizeiwache.

Ein gebrochenes Pedal an Julians Fahrrad wird sofort vor Ort fachmännisch und kostengünstig repariert und die Fahrt kann ohne größere Verzögerung fortgesetzt werden. Allgemein scheinen die Mexikaner die Meister im improvisieren und organisieren zu sein, frei nach dem Motto „ Geht nicht – gibts nicht!“.

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Baja California – die Heimat hunderter Kakteenarten.

Die Landschaft wir immer karger, riesige Felslandschaften, kleinere Kakteen und kilometerweit kein Dorf und daher auch wenige Wasserstellen, machen es uns manchmal recht schwer. Das genaue Gegenteil finden wir in den Dörfern, hier zeigt sich Mexiko bunt und quirlig, das Leben spielt sich auf der Strasse ab. Kinder flitzen durch die Gassen, kleine Essenswägen werden über das Kopfsteinpflaster geschoben, Marktfrauen bieten ihre Ware an, tausend Gerüche schießen einem in die Nase, die Hütten sind bunt und fantasievoll bemalt und die Menschen sind sehr Neugierig. Das Ganze erinnert an die Wimmelbücher von Ali Mitgutsch, was zu entdecken gibt es quasi immer und so beobachten wir gerne das Treiben und fühlen uns wie im Kino.

Irgendwann kommen wir in saftigere Gebiete und fahren durch herrliche Kakteenwälder, diese Kakteen messen locker 5-6m, jeder der sich einen mexikanischen Garten anlegen möchte, findet hier die perfekte Inspiration.

Zwischendurch schlägt „Montezumas-Rache“ zu und wir sitzen reihenweise mit Durchfall auf der Schüssel. Julian erwischt es dabei am härtesten und ist ganze 4-5 Tage außer Gefecht, Cola, Bananen und viel Ruhe bringen auch Ihn wieder „on the road“! Das kleine Hostel „Casa Loreto“ in Loreto war die optimale Ruheoase, der Besitzer Abel führt dieses Haus mit viel Herz und Liebe fürs Detail.

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Hängematten Trio.

Am Ende der „Baja“ gönnen wir uns einen kleinen Ausflug in den Süden, da irgendwann jeder Kaktus aussieht wie der Andere und wir eh wieder zurück zum Fährhafen von La Paz müssen, fahren wir, diese Schleife bis Todos Santos mit dem Bus. Die Räder kommen natürlich mit und werden auch täglich genutzt, so besuchen wir in Todos Santos das weltberühmte „Hotel California“, welches der Legende nach als Inspiration für den gleichnamigen „Eagels-Song“ gedient hat. Die Touristenorte San Lucas und San Jose del Cabo werden mit dem Rad erkundet, beide Orte sind zwar sehr schön, allerdings fest in amerikanischer Hand, dies spiegelt sich auch in den Preisen stark wieder. Wilde Schlafplätze finden sich trotzdem und mit den tollen, einzigartigen Zeltplätzen im Kakteenhang bzw. im Palmenwald kann keines der Nobelhotels mithalten.

Nach nur 2 Tagen geht es zurück nach La Paz, dort verabschieden wir uns von der „Baja“ und nehmen die Fähre aufs mexikanische Festland, genauer gesagt nach Mazatlan. Die Preise auf dem Festland sind nochmals niedriger wie auf der

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Mittagspause am Strand.

touristischen „Baja“, daher fällt die Suche nach einem Zeltplatz jetzt öfters weg und wir buchen uns stattdessen in kleinere Pensionen oder Hotels ein.
Der Monsterhurrikan „ Patricia“ schlängelt sich Gott sei Dank an den Grossstädten vorbei und wir bekommen von den Ausläufern wenig mit, lediglich die schwülen Temperaturen lassen auf einen nahen Tropensturm schließen.

Die Landschaft von Mazatlan nach Tepic (aktueller Standort) ist saftig, tropisch und sehr grün, der Highway 15D ist sehr fahrradfreundlich ausgebaut und die LKW bzw. Autofahrer grüßen uns euphorisch. Die extreme Schwüle lässt uns kräftig ins schwitzen kommen und unser täglicher Wasserbedarf wird in die Höhe geschraubt. Coca-Cola und Bananen werden in diesen sehr bergigen Gebieten zum Kraftstoff der Beine. Die nächsten Etappenziele sind Tequila, Heimat der gleichnamigen Spirituose und Guadalajara.

Heute vor genau 6 Monaten am 27.4.2015 sind wir in München gestartet 183 Tage und 10771Km später strampeln wir unser robusten TX-1000 Eisenpferde der Fahrradmanufaktur durch Mexiko. Wir sind absolut im Zeitplan und sollten wir die nötigen Visa bekommen, steht Weihnachten auf Kuba nichts mehr im Wege.

Auf die nächsten 6 Monate,

Julian, Nico und Sandro

Weitere Bilder in der Galerie.

Goodbye USA – ¡Hola Mexico!

USA
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Staubtrockenes Gebirge auf dem Weg zur Küste.

Nach unseren 15 Ruhetagen in Visalia/Tulare, siehe letzten Bericht, sattelten wir in der letzten Septemberwoche wieder unsere Drahtesel und machten uns auf den Weg Richtung mexikanische Grenze. Vorbei an endlosem Farmland, welches hauptsächlich durch mexikanische Erntehelfer bestellt wird, fuhren wir durch die kalifornische Hochebene. Diese Gebiet wird von den Einheimischen Farmern auch der „Früchtekorb der Welt“ genannt, leider ist Kalifornien die letzten Jahre äusserst trocken und es wird bereits von einer Jahrhundertdürre gesprochen. Viele Menschen entlang der Strecke hoffen weiter auf das berüchtigte Wetterphänomen „El Nino“, welches wiederum Überschwemmungen und andere Naturkatastrophen mit sich bringen wird. Klar ist jedenfalls Regen wird hier dringend benötigt ansonsten wird es wohl schwierig in Kalifornien weiter Obst und Gemüse in gewohnten Verhältnissen anzubauen.

Der Highway 33 führt uns weg vom Farmland und direkt in die Berge, welche eher  einer kargen Mondlandschaft gleichen und uns, bei extremen Temperaturen, kräftig schwitzen lassen. Zwischendurch kommt es uns vor, wie wir durch ein Terrarium

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Platten: Sandro 9, Julian 9 und Nico 6.

fahren,  viel Sandgestein, kleinere Kakteenarten, dafür sind schattige Bäume Mangelware und durch die vielen Dornen müssen wir täglich unsere Reifen flicken. Unser Plattfussstatistik wird übrigens von Julian und Sandro mit je 9 angeführt, Nico liegt mit „nur“ 6 Löchern zwar abgeschlagen aber glücklich auf dem letzten Platz. Übernachtet haben wir nicht nur im offenem Feld, sondern oft bei der Feuerwehr/Rangern entlang der Strasse, da mussten wir uns zumindest über Wasser und plötzliche Buschfeuer keine Sorgen machen.

Den Anstieg zum Pine Mountain Summit (5084Feet) bewältigen wir in den frühen Morgenstunden, damit wir der Hitze entkommen. Die circa 35 Kilometer Abfahrt nach Ventura an den Pazifik war ein Traum und wurde nur durch wenig Flachland unterbrochen. In Ventura machen wir unsere 9000km voll und treffen wieder auf den Highway 101 bzw. den Highway 1, auf welchen wir abwechselnd bis nach Los Angeles fahren, vorbei an dem berühmten Strandabschnitt von Malibu.

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Wildcampen am Meer kurz vor Malibu.

In Los Angeles kommen wir bei Alexander unter, welchen wir in Kanada kennenlernten. Alexander zeigt uns L.A. bei Nacht und wir sind begeistert von den vielen Sehenswürdigkeiten dieser bunten, schrillen, pulsierenden 22 Millionen-Metropole. Über die weitläufigen und einmaligen Stände von Long Beach und Huntington Beach, geht es von L.A. weiter bis nach Newport Beach. Dort erwarten

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Trio for Rio zu Besuch bei Flo und Rebecca aus der schwäbischen Heimat Rottenburg.

uns mit Flo und seiner Frau Rebecca Freunde aus unserer schwäbischen Heimat Rottenburg. Die beiden geben uns einen feucht-fröhlichen Eindruck ins kalifornische Nachtleben, der nächste Tag ist ein Pool- und BBQ-Tag und daher der Entspannung gewidmet. Flo arbeitet direkt in L.A und nimmt uns am folgendem Tag mit und wir erkunden die Stadt nochmals zu Fuss. Julian muss einen Zahnarzt in Beverly Hills aufsuchen, da das amerikanische Müsli zu hart für einen seiner Backenzähne war, eine Millionen-Klage gegen die Müsli-Firma ist angedacht. Auf dem berühmten „Walk of Fame“ sind auf jeden Fall noch Sterne frei für das „Trio forRio“ frei und auch in Hollywood würden wir uns bestimmt wohlfühlen.

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Trio for Rio gehört nun auch zum ‚Walk of Fame‘

Nach 3 Tagen bei Flo und Rebecca geht es von Newport weiter bis Lo Jolla. Gerade als wir unser Zelt im Stadtpark aufschlagen wollten kommen Benny und

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Unglaubliche Gastfreundschaft. Vielen Dank an Benny und Steffi.

Stephanie vorbei, die beiden ehemaligen Doktoren der nahen Universität sind unglaublich gastfreundlich, so bekommen wir nicht nur eine spontane Übernachtung angeboten, sondern auch ein königliches Essen und eine Führung über den Uni Campus. Wie schon in einigen Berichten erwähnt, die Gastfreundlichkeit und die spontane Hilfsbereitschaft der Amerikaner wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Heute sind wir bei Fini, ihrem Mann Devon und den beiden Kindern in El Cajon untergekommen und es ist wohl unserer letzte Nacht in den USA bevor wir in Tijuana über die Grenze nach Mexiko fahren.

124 Tage waren wir jetzt in den USA und Kanada unterwegs, 59x haben wir wild gecampt, 17x haben wir einen Campingplatz aufgesucht, 10x durften wir privat in einem Garten übernachten und unglaubliche 38x wurden wir eingeladen in Wohnungen/Häusern zu übernachten. Nicht eine Nacht mussten wir eine Pension/Hotel oder eine sonstige kostenintensive Unterkunft aufsuchen, danke an alle welche uns beherbergten und unterstützten. Ein dickes Dankeschön auch natürlich an den Wettergott der sich sehr gnädig gezeigt hat.

Da wir, bis auf die wenigen Campingplätze, nie kostspielig übernachten mussten und viele Menschen uns spontan mit Lebensmittel und Getränken versorgt haben, sind unsere durchschnittlichen Ausgaben mit 12.84€ p.P in den USA/Kanada sehr gering. Im Vergleich zu Europa wo wir im Schnitt 17.13€ p.P. benötigten, ist das eine tolle Überraschung. Da die eher teuren Länder/Kontinente unsere Reise mit den USA abgehakt sind, werden die durchschnittlichen Ausgaben von 13.93€ p.P. (Europa und USA/Kanada zusammen) wohl eher sinken oder sich auf dem bisherigen Niveau einpendeln.

Nach 166 Reisetagen und exakt und 9482 Kilometern, startet morgen mit Mexico also ein neues Kapitel, die nächsten Wochen wollen wir die Baja California abradeln und freuen uns auf eine neue aufregende Kultur mit vielen Abenteuern, scharfen-würzigem Essen, einzigartiger Natur  und  vielen tollen Menschen.

Euer Trio for Rio

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Brennende Wälder & sehr heisse Tage, Kalifornien Part II

USA

Zusammen mit unserem Freund Brandon aus San Francisco ziehen Nico und Ich weiter nach Santa Cruz, wo wir nach circa 41 Tagen Sandro treffen und damit unser

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Wir sind wieder zu dritt unterwegs.

Trio wiedervereint ist. Es gibt einiges zu erzählen, da sich in diesen knapp 6 Wochen, bei unterschiedlichen Streckenverläufen doch so einige Abenteuer und Geschichten ansammelten.

Zusammen machen wir uns also auf dem Weg ins Landesinnere nach Visalia, die Hitze ist unerträglich, z.T. steigen die Temperaturen auf 49 Grad Celsius, da wird das radeln zur Qual. Gleichzeitig steht halb Kalifornien in Flammen, die Waldbrände lodern an zig verschiedenen Stellen und sind durch den ständig drehenden Wind unberechenbar, daher fahren wir zusätzlich durch dicken

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Dichter Rauch erschwert uns die Sicht und das Atmen.

tiefhängenden Rauch. Unser Wasserbedarf steigt enorm, die abgelegenen Gebiete machen es uns nicht leichter geeignete Wasserquellen zu finden. Die Farmer entlang der Strecke sind jedoch sehr hilfsbereit und im Örtchen Coalinga versorg uns die Dorfkirche nicht nur mit ausreichend Wasser, sondern wir dürfen auch im Pfarrgarten übernachten.

Die Amerikaner sind äusserst patriotisch, in beinahe jedem Vorgarten hängt die amerikanische Flagge und jeder kritische Kommentar zum „amerikanischen Lifestyle“ wird ignoriert oder mit (sehr gewagten) Gegenthesen übergangen . In der einen Hand hält man sprichwörtlich, das Gewehr in der anderen die Bibel. Jeder muss größer, besser, schneller, schöner, verrückter sein als der Andere, der ökonomische Sinn wird oft gar nicht erst hinterfragt. Jedes noch so kleine Dorf hat mindestens ein Fastfood-Restaurant, allgemein gibt es hier wesentlich mehr Fastfood-Ketten wie in Europa, willkommen im XXXL-Land.

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Pool zum Relaxen.

In Visalia angekommen, machen wir bei Judy und Ron auf deren Walnussfarm halt, die beiden haben wir vor knapp 2 Monaten in Kanada (Boya Lake) kennengelernt und wurden daraufhin auf die urige, lebendige und sehr liebevolle Farm eingeladen. Ron und Judy versorgen uns königlich und so sammeln sich schnell 14 Ruhetage an, wir helfen etwas auf der Farm mit, bekommen Thai-Massagen spendiert, schlemmen uns von einem Restaurant ins andere oder geniessen den Luxus eines Einzelzimmers mit butterweicher Matratze, eines Swimmingpools oder den einer Couch. Die Farm ist wie eine kleine grüne Oase, die Tiere sind wie ihre Besitzer sehr entspannt und nach knapp 9000km auf dem Rad tut eine längere Auszeit äusserst gut.

Unsere zuverlässigen TX-1000 Räder bekommen jeweils eine neue Kette und werden allgemein gründlich gewartet, aus Deutschland bestellen wir passende Schläuche und Mäntel, da diese in den USA nicht nur doppelt so teuer sind, sondern hier auch nicht zur Grundausstattung eines Fahrradgeschäftes gehören.

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Ausflug mit Ron nach L.A. Venice Beach.

Wir helfen also auf dem Hof aus , Judy kümmert sich um die insgesamt 7000 Walnussbäume und Ron achtet darauf das die Freizeitaktivitäten nicht zu kurz kommen und erklärt uns die Regeln des Footballs. Ron ist Rentner, als ehemaliger Investor hatte er 2000 Häuser in Kalifornien und arbeitete als Anwalt für Apple und für den ehemaligen kalifornischen Gouvaneuer und Schauspieler Arnold Schwarzenegger, die Finanzkrise hat ihn allerdings massiv erwischt und seitdem möchte er nur noch geniessen und hält von Arbeit wenig. Ron, der ursprünglich aus Israel kommt, zeigt uns sein Kalifornien, einen sehr amüsanten Ausflug nach L.A. haben wir bereits zusammen gemacht.

2 Tage bevor wir gemeinsam im Wohnmobil, den bereits gebuchten „3-Tages-

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Sandro fuettert Freddie, ein Texas Longhorn.

Roadtrip“ nach Las Vegas antreten möchten, erkrankt Ron schwer und muss zur stationären Behandlung mehrere Tage ins Krankenhaus, statt in der Casino-Metropole zu sein, kümmern wir uns selbstverständlich um die Farm. Judy ist bei Ron und der Abschied einige Tage später fällt uns nicht leicht. Judy ist äusserst dankbar für unsere Hilfe und wir sind froh die fällige Auszeit hier genommen zu haben. Über unser Abschiedsgeschenk, einen selbstgebauten Bilderrahmen mit „Trio-for-Rio T-Shirt“ und Widmung freuen Sie sich sehr, jederzeit sind wir wieder willkommen.

Danke für die tolle Zeit, in der Hoffnung, dass Ron bald wieder der Alte ist.

Vielen Dank für die zahlreichen Glückwünsche, ich habe mich über jede einzelnen Nachricht sehr gefreut. Wir haben meinen 33zigsten Geburtstag in einer Bar in Visalia gefeiert und ich bin damit bereit für ein abenteuerliches und spannendes neues Lebensjahr.

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Julian sucht seine Geburtstagsgeschenke 🙂

Wir fühlen uns jedenfalls ausgeruht genug um die nächste Etappen mit L.A., San Diego und Mexiko in Angriff zunehmen.

Euer Trio für Rio.

Mehr Bilder findest Du in unserer Galerie.

Welcome to the Hotel California

USA

Wir haben es geschafft, ein weiterer Meilenstein auf unserem Weg nach Rio ist gemeistert!!! Nach genau 8349km und 131 aufregenden Tagen sind wir im Herzen Kaliforniens und damit in San Francisco angekommen.

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California Coast.

Seit unserem letzten Bericht, sind wir weiter die Küste Oregons und damit den Highway 101 in Richtung Süden gefahren. Die letzten Tage in Oregon waren wettertechnisch eher durchwachsen und Nachts wurde es überraschend frisch, allgemein können die Temperaturunterschiede zwischen Tages- und Nachtzeit extrem schwanken, immerhin blieb der (befürchtete) Regen aus.

Auf dem 101er sind wir letztendlich auch in Kalifornien weitergefahren und erleben auch hier eine wilde, schöne Küste, welche überraschenderweise relativ dünn besiedelt ist. Kalifornien schickt uns einen Hügel nach dem anderem hoch, als Belohnung staunen wir über die riesigen, uralten Bäume im Redwood Nationalpark. Dieser Nationalpark lässt uns staunen, noch nie haben wir solch gigantische Bäume bestaunen können, vor lauter klettern und bewundern vergessen wir vollkommen die Zeit und übernachten gleich im Nationalpark auf einem „Hike & Bike – Campground.

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Redwood Nationalpark.

Diese Campgrounds sind für Radfahrer extrem günstig und die perfekte Alternative zu unseren „normalen“ Zeltplätzen im Busch, natürlich ist auch eine warme Dusche hin und wieder ein Traum. Auf der „Avenue of the Giants“ treffen wir auf weitere Megabäume und haben mit dem „South Fork Eel River“ einen tollen Wildfluss an unserer Seite, in welchem gebadet und übernachtet wird.

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Camping am Russian River.

Wir bleiben auf dem 101, welcher angenehm durch eine tolles Tal führt. Wir sind über die breite der Strasse, sowie über den geringen Verkehr überrascht. Die Landschaft hat sich inzwischen komplett verändert, die gigantischen Bäume sind vereinzelten Bäumchen und Büschen gewichen und die saftigen Natur ist urplötzlich vertrocknet und schreit nach Wasser. Bei der ganzen Dürre wirkt der „Russian River“ total irreal und bietet mit seinen kühlen Wassermassen ein Kontrastprogramm zu restlichen Natur und bietet eine wunderbares Nachtlager.

Je, näher wir allerdings San Francisco und damit den Ballungszentrum kommen, müssen wir den 101er verlassen und fahren auf der Küstenstrasse Nr. 1 weiter. Kurz vor San Francisco geht es bei enormen Temperaturen bergauf und bergab, allerdings ist dies auch die letzte Hürde bevor wir über die „Golden-Gate-Bridge“ rollen dürfen.

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San Francisco-Golden Gate Bridge.

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Citytour mit Brandon

In S.F. leben wir „Downtown“ bei Brandon, Brandon heben wir vor einigen Tagen auf dem Fahrrad in Oregon getroffen. Brandon arbeitet als Fahrradkurier in dieser fantastischen Stadt und ist daher der perfekte Tourguide für die 3 Tage welche wir hier verbringen. San Francisco ist eine junge, lebendige, quirlige Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten und Überlebenskünstlern. Mit Brandon an unserer Seite erleben wir San Francisco sehr authentisch und intensiv, vermutlich haben noch nicht viele einen „bunteren Vogel“ als Stadtführer gehabt wie wir. Wir sind in dieser Stadt von A nach B gehuscht immer mit einer gewissen Chillfaktor, dennoch zielstrebig, daher dürften wir einiges touristisches gesehen haben, aber auch zahlreiche „verstecktere“ Insider-Plätze waren darunter. Wir fühlen uns sehr wohl in Kalifornien, geniessen die Auszeit vom radeln, organisieren neue Mäntel für die Räder und Ersatzteile für unseren Kocher, schreiben Postkarten und bereiten uns für die nächsten Streckenabschnitte vor. Ab morgen geht es weiter, welche Wege und welche Abenteuer kommen, steht in den Sternen. Wir freuen uns jedenfalls und wünschen Euch einen tollen September bzw. ein zünftiges Oktoberfest.

Euer,

Trio for Rio.

Weitere Bilder gibt es in unserer Galerie!